Music Interview | verfasst 22.10.2018
Mndsgn
Beats ohne Einschränkungen
Mndsgn baut Beats. Er gehört zum erlauchten Kreis des Labels Stones Throw. In diesem Jahr hat er ein eigenes Label gegründet, eine Platte veröffentlicht und u.a Beats für Fatima und Prophet produziert. Zeit für ein Interview.
Text Lars Fleischmann
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Die Geschmäcker beim Frühstück unterscheiden sich bekanntlich im besonderen Maße: ob süß oder herzhaft, Saft oder Kaffee oder Tee, Weiß- oder Schwarzbrot, da wählt jeder anders. Eines der besten Frühstücksangebote, das sich weit weg von Kulinarik abspielte, dafür tief im Herzen der Beat-Scene-Hip-Hopper, gab es von Ringgo Ancheta. Den meisten als Mndsgn bekannt, empfing für sein Boiler Room-Programm namhafte Künstler und Freunde. Mit Knxwledge wurde gejammt und gefuttert, mit Ahnnu gequatscht und mit Anderson.Paak auch mal das Frühstück in die Abendstunden verlagert. Doch Mndsgn nicht bloß ein Gastgeber, der sich auch um die Kräuter zum gemeinsamen Day-Chill kümmert, sondern spätestens mit seinem Stones Throw-Debüt »Yawn Zen« feierte Ancheta seinen Durchbruch. Neben Instrumentals konnte man hier auch das erste Mal seine Stimme in größerem Umfang bewundern – vom Soundtüftler zum Songwriter. Ob nun als Produzent (zuletzt u.a. für Fatima), Remixer oder als Solo-Künstler: Das Jahr 2018 gehörte Ringgo. Das bewies nicht erst sein aktueller Release »Snax«. Das Mixtape ist vollgepackt mit Old-Skool-Stylez und wusste allseits zu begeistern. Erschienen ist es auf dem eigenen Label: Ringgo Records. Hier sollen bald auch Freund*innen ihren Output veröffentlichen können. Also viel los im Hause Mndsgn. Ein Glück, dass da noch genügend Zeit blieb um unsere Fragen zu beantworten.


Die Schallplatten von Mndsgn findest du im Webshop von HHV.


Was war die erste musikalische Erfahrung, die du gemacht hast?
Mndsgn: Mein Onkel hatte eine Band zusammengestellt, bestehend aus seinen Freunden aus der Marine, die New Wave spielten. Mein Vater, der ein paar Melodien auf der Gitarre kannte und manchmal mitmachte, brachte mich zu den Proben in ihre Garage. Ich war damals ein Kleinkind und erinnere mich, dass ich gewartet habe, bis sie fertig waren, nur damit ich an den Trommeln sitzen und herumspielen konnte. Dies waren einige meiner ersten Erinnerungen, zusammen mit anderen liebevollen Momenten, an die ich mich erinnern kann, als ich mit meinen Geschwistern nach Kassetten mit Rap und R&B diggen musste.

Was waren die ersten selbstgekauften Tapes?
Das erste Tape, das ich kaufte, war Wu-Tangs Doppelkassettenalbum »Wu Tang Forever«. Ich bin hauptsächlich mit Tapes aufgewachsen.

Und wann hast du die erste Schallplatte gekauft?
Ich habe angefangen Platten zu kaufen als ich in das Sampling und Beatmaking einstieg. Ich denke, eines der ersten Dinge, die ich mitgenommen habe, war »Plays No Sun in Venice« vom Modern Jazz Quartet.

Vinyl scheint so wichtig zu sein wie nie zuvor. Das letzte Mal hast du 10 Lieblingschallplatten für unser Magazin ausgewählt. Was ist der Grund für den neuen Hype um die Schallplatte?
Vinyl hat sich als langlebig erwiesen. Auch wenn du dich nicht sehr gut um deine Platten gekümmert hast, entsteht nicht etwa ein Makel, sondern Charakter. Das machen moderne Medien einfach nicht. Ich meine, heutzutage besitzen die Leute nicht einmal mehr als MP3. Stattdessen streamt man nur noch von einem unsichtbaren Ort ins Wohnzimmer. Vielleicht ist das der Grund, warum Vinyl mehr denn je geschätzt wird: Es erinnert uns daran, was real ist, es erinnert uns an die Sterblichkeit. Ich liebe Platten, aber ich tendiere dazu, eine Art moderate Beziehung zum Sammeln aufrechtzuerhalten. Gelegentlich gebe ich irgendwo zwischen 100 und 300 USD für eine einzige Platte aus. Dass geschieht vor allem, wenn ich auf Reisen bin.

»Vielleicht ist das der Grund, warum Vinyl mehr denn je geschätzt wird: Es erinnert uns daran, was real ist, es erinnert uns an die Sterblichkeit« (Mndsgn) Du bist jetzt selbst Plattenlabel-Besitzer. Was war der Auslöser für diesen Schritt?
Ganz einfach, dass ich von einer Fülle unglaublicher Talente umgeben bin. Das reicht aus, um eine Plattform schaffen zu wollen, auf der die Menschen, die man cool findet, glänzen können. Ich fühle mich gesegnet, dass ich überhaupt mit all diesen Künstlern in Kontakt kommen durfte. Es gibt viele Genies da draußen, aber einfach nicht ausreichend Möglichkeiten. Deshalb ist es nur richtig, dass wir als Musikliebhaber selbst dazu beitragen, mehr Balance und mehr Orte zu schaffen an denen was stattfinden kann. Nachdem ich selbst meine Reise mit allen Hochs und Tiefs miterlebt habe, möchte ich etwas zurückgeben.

Ist es für dich wichtig Musik von der »realen Quelle«, also von Vinyl zu erhalten?
Nicht unbedingt. Ich brauche keine selbst auferlegten Einschränkungen. Wenn etwas auf YouTube dope klingt, wird es gezogen. Doch interessiere ich mich immer mehr dafür wie man Musik transkribiert, weniger für das klassische Sampling. Ich hole mehr aus der Erfahrung des Musikmachens heraus, wenn ich lerne, wie man Stücke spielt. Für das Verstehen ist das viel besser.

Auf deinem Mixtape »Snax« gibt es viele Rap-Samples aus den letzten Jahrzehnten. Hattest du einen Masterplan oder bist du eher drüber gestolpert und dann hat sich eine Idee entwickelt?
Ich habe früher tief nach Acapellas im Internet gegraben. Mittlerweile weniger, doch mich interessiert immer noch wie man alte Schätze konservieren kann.

Glaubst du eigentlich, dass Blogs und Tumblrs die Arbeit der Beat-Szene- und Hip-Hop-Instrumental-Produzenten für immer verändert haben?
Auf jeden Fall. Der extrem einfache Zugang zu der Arbeit von anderen Musikern, egal von welchem Ort dieser Welt sie auch kommen, beschleunigt den ganzen Austausch. Ich sehe Musik immer als Vehikel zur Kommunikation. Ich mag den Gedanken, dass Musik so funktioniert. Ohne das ganze Drumherum.

Was hat sich in den letzten Jahren in deiner Arbeit verändert?
Das Musizieren rückt immer weiter in den Vordergrund, das Produzieren ein wenig in den Hintergrund. Ich verbringe in den letzten Monaten mehr Zeit damit, Klavier zu spielen, als auf irgendein Programm auf meinem Computer zu starren. Dazu arbeite ich jetzt viel weniger mit MIDI als früher. Live einspielen, mehrspurig aufnehmen – das ist auf jeden Fall mehr geworden. Es macht halt Spaß mit Hardware aller Art – von Synths bis Gitarren und Drums – zu spielen.

Mndsgn – SnaxWebshop ► Vinyl LP Die Beatmaker-Szene ist heute viel populärer als noch vor zehn Jahren. Produzenten wie du werden auch immer häufiger von Musikern aus anderen Genres wie House oder auch Pop als Inspiration genannt. Was meinst du ist das Geheimnis?
Ich empfinde eine viel größere Ehrlichkeit und Integrität in der Szene. Das sind alles Leute, die unerbittliche Stunden investiert haben, um Ihr Handwerk zu entwickeln. Es dauert Jahre, bis du deinen Sound findest. Du musst weiter und weiter machen. Dich immer wieder mit Musik aus allen Ecken auseinandersetzen. Das erfordert ein großes Maß an Entschlossenheit und Motivation. Ich glaube, dass ist zumindest ein ganz wichtiger Teil. Jahre und Jahre von Trial & Error. Da muss man vielleicht durch, um zu verstehen, dass Musik und Sound ein Vehikel für interdimensionale Reisen sein können.


Die Schallplatten von Mndsgn findest du im Webshop von HHV.

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