Music Porträt | verfasst 12.11.2018
Charles Mingus
Wiederentdeckte Wut
Amir Abdullah staunte nicht schlecht, als ihm die Witwe von Jazz-Drummer Roy Brooks, Tonbänder eines Konzertes von Charles Mingus zeigte, das dieser 1973 in Detroit gegeben hatte. Es wurde Zeit für eine Wiederentdeckung.
Text Alexis Waltz , Fotos Sue Mingus / © BBE
Mingusstrataposter2_photobysuemingus

Charles Mingus ist eine der herausragenden Titanen der Jazzgeschichte. Und dabei doch schwerer zu fassen als Duke Ellington oder Miles Davis. Das hat mit seinem Instrument zu tun, dem Kontrabass, der nicht so viel Aufmerksamkeit wie die Trompete oder das Klavier auf sich zieht. Und Charles Mingus steht nicht für ein Genre des Jazz wie Ellington für den Swing. Deshalb taucht er bis heute in den unterschiedlichsten Zusammenhängen auf. »He hasn’t been victimized by a style«, sagte Wynton Marsalis über ihn.

Mingus versucht nicht weniger als einen Gegenentwurf zum modernen Jazz zu entwickeln, zum Bebop von Charlie Parker oder Miles Davis. Den orchestral arrangierten Swing seines Idols Duke Ellington erweitert er um einen unwahrscheinlichen, eklektischen Mix aus den verschiedensten Einflüssen, etwa aus der kubanischen, mexikanischen und der klassischen Musik. Dabei kann er archaisch und polternd klingen, sensibel und zerbrechlich oder getrieben und hoffnungsvoll. Diese unwahrscheinliche Musik komponiert er nicht nur, sondern interpretiert sie als Bandleader mit den besten Instrumentalisten seiner Zeit. Statt sich wie die Bebop-Solisten in Klänge und Stimmungen zu vertiefen, geht es bei ihm um stilistische, emotionale und politische Synthesen.

Mingus war nicht nur ein Mann der Klänge, sondern auch des Wortes. Er verfasste Liner Notes, Offene Briefe und seine Autobiographie, auf der Bühne unterbrach er seine Konzerte mit Tiraden gegen die geldgierige, weiße Musikindustrie und den Rassismus der USA, der lange verhinderte, dass er von seiner Musik leben konnte. Die Lichtgestalt hatte aber auch eine düstere Seite. Charles Mingus fühlte sich oft grundlos angegriffen, er überwarf sich mit Co-Musikern, Freunden und Partnern. Er sagte hochdotierte Konzerte ab, wenn ihm irgendein Detail gegen den Strich ging. Dem Posaunisten Jimmy Knepper schlug er einen Zahn aus, nachdem dieser nicht mehr in Mingus’ Sextett spielen wollte. Knepper konnte danach auf seiner Posaune nicht mehr die höchste Oktave treffen.

Zudem war er ein Mann, der die Frauen liebte, er hatte Affären mit Groupies, er war viermal verheiratet. Mingus brüstete sich damit, in einer Nacht mit 23 Frauen geschlafen zu haben. In seiner semifiktionalen Autobiographie erfindet Mingus sich als Pimp, als Zuhälter in der Tradition machohafter, schwarzer Selbstermächtigung, die von Iceberg Slim bis in den Gangsta Rap reicht. Dem Posaunisten Jimmy Knepper schlug er einen Zahn aus, nachdem dieser nicht mehr in Mingus’ Sextett spielen wollte. Knepper konnte danach auf seiner Posaune nicht mehr die höchste Oktave treffen. Darin beschreibt er seine Zerrissenheit: »Ich bin drei. Eine Person steht ständig in der Mitte, unbetroffen, ungerührt, sie schaut zu und wartet darauf, dass sie den anderen beiden mitteilen kann, was sie beobachtet. Der zweite Mann ist ein verängstigtes Tier, das aus Angst angegriffen zu werden, selbst angreift. Dann gibt es einen übermäßig liebenden, sanften Menschen, der die anderen in den absolut heiligen Tempel seiner Existenz lässt, alles annimmt und Verträge unterschreibt, ohne sie zu lesen, der sich dazu bringen lässt, für wenig Geld zu arbeiten oder umsonst. Wenn er begreift, was man ihm angetan hat, will er jeden um sich herum töten und alles zerstören, einschließlich seiner selbst.«

Diese Gefühle sind ein Teil der afroamerikanischen Erfahrung. In Mingus’ Fall spiegeln sie auch seine Familiengeschichte wider. Sein schwarzer Großvater war Hilfsarbeiter auf einer Farm. Er schwängerte eine Schwedin, die den Sohn allein großzog. Mit sechzehn lief der Junge von zuhause weg und ging zur Armee. Er heirate eine Frau mit chinesischen, britischen und afroamerikanischen Wurzeln, die starb, als Mingus achtzehn Monate alt war. So wuchs Charles Mingus bei seiner Stiefmutter Mamie auf. Sie kümmerte sich um ihn und seine Schwester, während sein Vater sie mit einer anderen Frau betrog. Der war ein vom Militär geprägter, autoritärer Typ und schlug seine Kinder. Mingus prägte das Gefühl, nirgendswo reinzupassen oder dazuzugehören. Als Teenager glättete er seine Locken, um als Mexikaner durchzugehen, denn er war nicht schwarz genug, um als Afroamerikaner wahrgenommen zu werden. Die anderen Kinder nannten ihn »shit colored motherfucker«, seine Autobiographie wollte er ursprünglich »Memoirs Of A Half Yellow Schitt Covered Nigger« nennen.

Los Angeles lag damals an der Peripherie des Jazz. Mingus interessierte zunächst gar nicht der angesagte Bebop und Hardbop. Er bewunderte Duke Ellington, der den Swing als Stil und das große Jazzorchester als Format miterfunden hatte, der damals aber schon als Schnee von gestern galt. Mingus spielte zuerst Posaune und Cello und interessierte sich für die klassische Avantgarde von Bela Bartok oder Arnold Schönberg. Aber als Schwarzer konnte er mit keinem klassischen Orchester auftreten. So begann er Kontrabass zu spielen, als ihm die Position in einem Jazzensemble angeboten wurde.

Die von Amir Abdullah ausgegrabene Aufnahme ist am 13.Februar 1973 in der Strata Concert Gallery in Detroit entstanden. Natürlich gibt es viele Aufnahmen von Mingus’ Konzerten, und seine stärkste Zeit hatte er da bereits hinter sich. Einzigartig ist die Aufnahme aus anderen, sozialen Gründen. Auch wenn sie jazzologisch einiges zu bieten hat: Viele auf den Originalalben mit dem großen Orchester aufgenommenen Songs spielt er hier mit dem Quintett. Und mit dem hier vertretenen Saxophonist John Stubblefield und dem Trompeter Joe Gardner hat er nur ein paar Monate zusammengespielt. Detroit-Local Roy Brooks ist einer der besten Drummer seiner Generation. Er tourte mit Mingus 1972 durch Europa. Zu einem einzigartigen Fund wird die Aufnahme durch den Ort, an dem sie entstanden ist: In der Strata Concert Gallery in Detroit. Das war kein regulärer Veranstaltungsort, sondern ein Kollektiv, das gleichzeitig Nachbarschaftshilfe betrieben und der Jazz- und Funkszene der Stadt ein Forum verliehen hat.

1967 und 1968 wurde Detroit von den Riots erschüttert, die zusammen mit der De-Industrialisierung den Niedergang der Stadt einläuteten. Der schwarze Trompeter Charles Moore und der weiße Pianist Kenny Cox gehörten zu dem Kollektiv von Musikern und Aktivisten, das mit Strata gegen soziale Atomisierung und De-Politisierung ankämpfte. Der unscheinbare Flachbau in der Selden Street 46 befindet sich in Cass Corridor, einer Boheme-Gegend von Detroit, in der damals das legendäre Rockmagazin Creem beheimatet war und aus der die White Stripes stammen. Heute steht das Gebäude leer und die Fenster sind vergittert. 1969 begann die Gruppe dort, Essenprogramme und Jazzkonzerte für die Nachbarschaft anzubieten. Über den Dichter, Aktivisten und Manager der Stooges und von MC5, John Sinclair, kam ein Kontakt zu John Lennon zustande, der das Projekt unterstützte.

Moore und Cox richteten ein kleines Studio ein und gründeten das Label. Für Konzerte konnten erstklassige Musiker wie Herbie Hancock, das Art Ensemble of Chicago oder eben Charles Mingus gewonnen werden. Die Tickets für Mingus kosteten nur 5 US-Dollar und waren damit auch für Leute erschwinglich, die keinen Zugang zu den großen Konzertsälen hatten. Wahrscheinlich waren bei dem Konzert am 12. März 1973 nur zwanzig oder dreißig Leute anwesend. So entsteht unter den Musikern eine Gelöstheit, die man auf den Live-Mitschnitten der großen Säle selten erlebt, die sich auch in bis zu halbstündigen Versionen einzelner Songs äußert. Amir Abdullah, der seit Jahren daran arbeitet, die Aufnahmen des Strata-Labels zugänglich zu machen, erklärt: »Auf der Aufnahme ist ein Typ, der offenbar betrunken ist, der Mingus Chuck nennt. Wow, ok! Das war ein kleiner, intimer Ort, an dem sich die Leute zuhause fühlten. Die Strata Guys hatten kein tolles Equipment, deshalb sind auf den Aufnahmen eine ganze Menge Noise und viele Geräusche aus dem Publikum. Ich habe einiges davon drin gelassen, weil ich die Leute spüren lassen wollte, was für eine Stimmung da geherrscht hat. Manche Liveaufnahmen sind so gesäubert, dass die Atmosphäre verloren geht. Ich wollte dem Hörer das Gefühl erleben lassen, das die Leute hatten, als Mingus direkt vor ihnen stand.«

Strata musste schon 1976 schließen, nachdem ein Antrag auf Förderung abgelehnt wurde. Mingus starb drei Jahre später. In die Jazzgeschichte ging Strata auch ein, weil die Gruppe den ersten Studiengang für Jazz in den USA am Oberlin Collage einrichtete. Mingus’ Experimentierfreudigkeit und Unberechenbarkeit prägte mehr oder weniger sämtliche folgenden Musikergenerationen. »Ich wollte dem Hörer das Gefühl erleben lassen, das die Leute hatten, als Mingus direkt vor ihnen stand.« Sein Eklektizismus war er für den postmodernen Jazz der 1990er Jahre etwa von John Zorn wichtig. Noch größer war sein Einfluss im Hip-Hop: Organized Konfusion benutzten die Trompeten von »Mingus Fingus No.2« um einen avantgardistischen Hip Hop-Sound zu entwickeln, der sich nicht mehr auf den Kanon von Soul und Funk beschränkte. Bei »I’m The Man« von Gang Starr und Jeru the Damaja bleibt der schmetternde, marschierende Oldschool-Beat auf einmal stehen und der Swing von Mingus’ Bassline von seinem größtem Hit, dem »Hatian Fight Song«, ertönt, anstachelnd, aufrührerisch und zugleich sublim und entrückt. Auch Industrial Bands wie Meat Beat Manifesto oder Ministry bezogen sich auf Mingus: Meat Beat Manifesto sampelten einen Wutausbruch von ihm auf der Bühne, wo er den Ton-Mann mit dem Worten »Turn the Fucking Mike On« anranzt. Auch neuerdings taucht Mingus wieder auf, etwa bei Nicolas Jaar und Blood Orange. Blood Orange lässt die altersweisen, melancholischen und doch noch sehnsüchtigen Pianotöne von »Myself When I Am Real« in den ersten Momenten seines Albums »Freetown Sound« verstimmt und fern klingen und leitet damit in das feministische Gedicht von Ashlee Haze ein.

Im Hip Hop und R&B geht es bis heute darum, die fehlenden Rechte afroamerikanische Bevölkerung in den USA zu beklagen und einzufordern. Dieser Kampf um Emanzipation und Anerkennung durch die Musik als Waffe begann im späten 19. Jahrhundert mit dem Blues, der nach dem Ende der Sklaverei entstand. Mit der Improvisation und der Rhythmik des Swing emanzipierte sich der Jazz besonders durch Louis Armstrong von diesen Ursprüngen. Die Musiker*innen der ersten Jazz-Generationen litten unter der Rassentrennung der Jim-Crow-Zeit, sie konnten nur für ein schwarzes Publikum spielen. Als sie später auch vor Weißen auftreten konnten, waren ihre schwarzen Fans ausgeschlossen. Charles Mingus war einer der ersten Musiker, der den US-Rassismus offen thematisierte. Er legte nicht mehr die Unterwürfigkeit Louis Armstrongs an den Tag, aber genauso wenig die überhebliche Verachtung von Duke Ellington.

Charles Mingus – Jazz in Detroit / Strata Concert Gallery / 46 SeldenVinyl 5LP Charlie Parker und Dizzy Gillespie waren politisch die Archetypen von Mingus’ Generation: Parker ließ sich von den rassistischen Resentiments aufreiben, Gillespie war diplomatisch, und übte erst Kritik an der amerikanischen Mehrheitsgesellschaft als er erfolgreich war. Mingus äußerte sich intensiver als jeder Kollege. Seine Tiraden auf der Bühne waren ein Markenzeichen, das viele Leute in seine Konzerte trieb. In seinem Offenen Brief an Miles Davis schrieb er 1955: »Musik ist die Sprache der Emotionen. Wenn jemand der Realität entflieht, erwarte ich nicht, dass er meine Musik begreift, und ich würde anfangen, mir Sorgen um meine Stücke zu machen, wenn eine solche Person auf sie stehen würde. Meine Musik ist lebendig, und sie handelt von den Lebenden und den Toten, von Gut und Böse. Sie ist wütend, aber es ist echt: weil sie reflektiert, dass sie wütend ist.«

Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Essay | verfasst 22.03.2018
Jazz aus Japan
Vom Importschlager zur Innovation
Gleich zwei neue Compilations widmen sich dem Jazz aus dem Land der aufgehenden Sonne. Dort musste das Genre einen langen Weg hinlegen, bevor es sich von seinen Vorbildern befreien und etwas Ur-eigenes schaffen konnte.
Music Kolumne | verfasst 14.09.2019
Records Revisited
Charles Mingus – Mingus Ah Um (1959)
Charles Mingus war das verrückteste Genie der Jazzgeschichte. In diesem Jahr wird sein berühmtestes Album »Mingus Ah Um« 60 Jahre alt. Ein Rückblick auf Vulkanausbrüche, Waffengewalt und eine Platte, die dem Bass zur Artikulation verhalf.
Music Review | verfasst 07.09.2016
TJ
Time Is Wasting 10"
Wie rätselhaft »Time Is Wasting« von TJ ist, vier Demoaufnahmen aus den 1970er Jahren, hört man schon der Tonqualität an.
Music Review | verfasst 21.02.2018
Various Artists
J-Jazz: Deep Modern Jazz From Japan 1969-1984
»J-Jazz: Deep Modern Jazz From Japan 1969-1984«, eine Compilation aus dem Hause BBE, bringt uns japanischen Jazz näher.
Music Review | verfasst 03.10.2019
Various Artists
J-Jazz Deep Modern Jazz From Japan 1969-1983 Vol.2
Weiter 15 Jazzstücke aus dem Land der aufgehenden Sonne bietet die neue Compilation »J-Jazz Deep Modern Jazz From Japan 1969-1983 Vol.2«.
Music Review | verfasst 09.03.2021
Maulawi
Maulawi
1973 aufgenommen, niemals veröffentlicht: Nun ist erstmals »Maulawi« von Maulawi Nururdin veröffentlicht worden.
Music Kolumne | verfasst 08.03.2013
Records Revisited
Gil Scott-Heron's Small Talk At 125th And Lenox, 1970
Als Gil Scott-Heron im Sommer 1970 auf Drängen des Produzenten Bob Thiele ein kleines New Yorker Studio betrat, war er Autor. Wenige Stunden später verließ er das Studio als Musiker.
Music Porträt | verfasst 06.11.2015
Matthew Halsall
Mehr als ein Trompeter
Auf seinem nun fünften Album fordert Matthew Halsall sich neu heraus. Kein Wunder, schließlich hat er für seine Musik auch ein großes Ziel.
Music Interview | verfasst 10.05.2016
Gilles Peterson
»Das ist nicht bloß Musik für mich«
Gilles Peterson ist Sammler, DJ, Musiker und vor allem: Musikbotschafter in der ganzen Welt. Jetzt erscheint seine neue Zusammenstellung, Zeit mal mit ihm über die schönste Nebensache der Welt zu reden: Vinyl.
Music Interview | verfasst 25.05.2018
Kamaal Williams
Zurück zum rawen Shit
Gemeinsam mit Yussef Dayes veröffentlichte er vergangenes Jahr mit »Black Focus« einen Fan-Liebling. Jetzt ist Henry Wu aka Kamaal Williams solo zurück. Seine Musik ist von vielen Stilen inspiriert. Von nichts mehr aber als vom Glauben.
Music Essay | verfasst 24.06.2019
Britischer Jazz
On The Hot Spot
Der Jazz auf den Britischen Inseln steckt 2019 im Generationenumbruch. Neue Talente von Manchester bis London revidieren festgefahrene Konventionen und loten selbstbewusst die Grenzen des Genres aus. Warum gerade jetzt?
Music Liste | verfasst 03.07.2019
Polnischer Jazz
Eine Einführung in 10 Schallplatten
Die polnische Jazzszene gilt als eine der wichtigsten und kreativsten in Europa. Sie changiert heute zwischen oberflächlichen Konventionen und versteckten Brüchen. Eine kleine Spurensuche.
Music Kolumne | verfasst 17.08.2019
Records Revisited
Miles Davis – Kind Of Blue (1959)
Fünfmal oder sechsmal habe er die Musik verändert. So sagte es Miles Davis einst selbst von sich. In diese Reihe der Veränderungen gehört »Kind Of Blue«. Warum die Platte bis heute nichts von ihrer Größe und Spiritualität verloren hat.
Music Kolumne | verfasst 22.02.2013
Records Revisited
Ornette Coleman's The Shape Of Jazz To Come, 1959
»The Shape of Jazz to Come«, die dritte Veröffentlichung von Ornette Coleman, ist eines der einflussreichsten Werke der Jazzgeschichte. Sie wird dennoch zu selten gehört, zu selten gesamplet, zu selten erwähnt.
Music Porträt | verfasst 20.09.2019
Brownswood Recordings
Aufbruch & Umbruch
Brownswood ist die Keimzelle einer Szene, die gegen Genrekonventionen und einen rückwärtsgewandten Zeitgeist rebelliert. Entsprechend fächert DJ und Radiomoderator Gilles Peterson seinen Labelkatalog deutlich internationaler auf als andere.
Music Porträt | verfasst 14.05.2020
Muriel Grossmann
Abstraktion mit Blick aufs Meer
Die Saxofonistin Muriel Grossmann kommt auf den Balearen zur Abstraktion, reitet mit Hard Bop die Wellen und bringt sogar Milliardäre aus der Fassung. Wer ist die heimliche Pionierin des spirituellen Revivals?
Music Porträt | verfasst 07.07.2020
International Anthem Recordings
Die Suche nach dem Echten
Seit sechs Jahren liefert das Label International Anthem aus Chicago zuverlässig Jazz mit ganz eigener Attitüde. Wobei sich die Gründer fast jeder Zuschreibung verweigern. Für sie gilt: Der schönste Klang ist stets das Echte.
Music Interview | verfasst 16.06.2020
Gary Bartz
»Wir sehen die Realität nicht mehr«
Der Grammy-prämierte Sopransaxophonist Gary Bartz stand mit Miles Davis, Art Blakey und Max Roach auf der Bühne. Jetzt hat er mit der britischen Band Maisha eine Platte aufgenommen – und Neues entdeckt.
Music Porträt | verfasst 30.06.2020
We Jazz
Mit Betonung auf Wir
We Jazz, das steht für überraschenden Jazz aus dem Norden. Und noch mehr. Seit 2013 gibt es das Festival in Helsinki, seit 2016 das Label. Dort verlegt Matti Nives vorwiegend finnische Bands. Wir stellen euch das Label vor.
Music Essay | verfasst 09.07.2020
Baltic & Finnish Jazz
Grenzen ausbooten
Während Jazz von London bis L.A. eine neue Pop-Sensibilität entwickelt oder Fusion updatet, werden an den Ostseeküsten kühle Geschmacksrichtungen zwischen Nachwuchs und Nostalgie kultiviert. Weltoffen ist Jazz auch hier – und total eigen.
Music Review | verfasst 03.04.2007
DJ Vadim
The Soundcatcher
Das fünfte Album des nimmermüden DJ Vadim ist einmal mehr ganz großes Kino.
Music Review | verfasst 23.01.2011
Pugs Atomz
The Decade
Bezüglich der Motive von Pugs Atomz muss man sich nun wirklich keine Sorgen machen: Pugs Atomz ist HipHop.
Music Review | verfasst 23.04.2011
Visioneers
Apache/Shaft In Africa
Marc Mac hat den Staub von zwei zeitlosen Klassikern gepustet und lässt sie im funkigen B-Boy-Gewand strahlen wie in ihren Ursprungstagen.
Music Review | verfasst 21.09.2007
Kon & Amir
Off Tracks Vol. 1 - The Bronx
»Kon and Amir are two of the most extraordinary but underrated beat diggers in the game.« Damit trifft Finesse den Nagel auf den Kopf.
Music Review | verfasst 06.05.2010
Dimitri From Paris
Get Down With The Philly Sound
Bei seinem neuesten Werk widmet sich Dimitri dem sogenannten Phillysound, der Mitte der 1970er-Jahre als Geburtsstunde von Disco gilt.
Music Review | verfasst 06.05.2010
Georg Levin
Everything Must Change
Everything Must Change ist ein traditionelles Pop-Album, das gekonnt die warme Stimme Georg Levins in den Mittelpunkt rückt.
Music Review | verfasst 13.08.2011
Mathias Stubø
1979
»1979« ein perfektes Album, wenn es mal nicht weh tun soll. In in seinen jazzigen Momenten läuft Mathias Stubø zur Hächstform auf.
Music Review | verfasst 20.10.2011
Various Artists
BBE 15
Eines der angesehensten Labels im Hip Hop feiert seinen 15. Geburtstag und beglückt seine Fans mit einer ausgedehnten Mix-Doppel-CD.
Music Review | verfasst 14.11.2011
Git
Imagination
Git ist ein passionierter Plattensammler, Schlagzeuger und Produzent. Seine Tracks sind gut, mit einer Stimme unterlegt sind sie besser.
Music Review | verfasst 29.02.2012
Julien Dyne
Glimpse
Julien Dyne ist als Producer kein unbeschriebenes Blatt mehr. Das auf »Glimpse« gezeigte Talent gilt es noch auszudifferenzieren.
Music Review | verfasst 19.03.2012
Boddhi Satva
Invocation
Auf »Invocation« verarbeitet Boddhi Satva seine afrikanischen Wurzeln zu Worldmusic-anmutendem Deep House.
Music Review | verfasst 03.04.2012
Sandy Barber
The Best Is Yet To Come
Ganze 35 Jahre wurde »The Best Is Yet To Come« von Sandy Barber geflissentlich ignoriert.
Music Liste
Leon Vynehall
10 All Time Favs
Mit seinem neuen Album »Rare, Forever« setzt der britische Produzent Leon Vynehall den Weg fort, den er mit »Nothing Is Still« begonnen hat. Uns verrät er heute 10 Schallplatten, die ihn geformt, gebessert und gebildet haben.
Music Kolumne
Records Revisited
Gil Scott-Heron – Pieces Of A Man (1971)
Man nannte ihn den »Godfather of Hip Hop«, weil er über Drogen, Rassismus und die Divided States of America textete. Mittlerweile ist das erfolgreichstes Album von Gil Scott-Heron 50 Jahre alt – und aktueller denn je.
Music Kolumne
Records Revisited
Deftones – White Pony (2000)
Die im Juni 2000 veröffentlichte LP »White Pony« wurde deshalb zu einem dermaßen bahnbrechenden Album, weil sich die Deftones darauf erstmals als die Zitationsmaschine in Szene setzen, die sie eigentlich immer schon gewesen waren.
Music Liste
Jenn Wasner (Flock Of Dimes)
10 All Time Favs
Mit ihrem Soloprojekt Flock of Dimes hat Jenn Wasner gerade ihr persönlichstes und zugleich substanziell weitreichendstes Album vorgelegt. Wir baten die Musikerin uns 10 Schallplatten zu nennen, die sie geformt, gebessert, gebildet haben.
Music Porträt
Gondwana Records
Seele und Charakter
Als DJ und Musiker wurde Matthew Halsall zum Labelbetreiber. Ausgehend von einem lokalen Fokus auf die Jazzszene Manchesters hat der Trompeter seinem Label Gondwana mittlerweile eine recht internationale Ausrichtung gegeben.
Music Kolumne
Records Revisited
Busta Rhymes – The Coming (1996)
Als vor 25 Jahren »The Coming« erschien, war Busta Rhymes kein Unbekannter mehr. Sein Solodebüt mit dem Hit »Woo Hah!! Got You All In Check« machte ihn zu einem der größten Rapstars seiner Zeit. Wie klingt das Album heute?
Music Kolumne
Records Revisited
Yellow Magic Orchestra – BGM (1981)
Winke für die Zukunft: Die japanischen Synthesizerzauberer des Yellow Magic Orchestra entwarfen auf ihrem vierten Album »BGM« eine Background Music für nachfolgende Generationen.
Music Kolumne
Records Revisited
Coil – Love's Secret Domain (1991)
Techno ist es nicht – doch hinterließ »Love’s Secret Domain« tiefe Furchen in der Clubmusik der 1990er Jahre und markierte für Coil jenen Wendepunkt, ab dem ihr Wirken eine neue Richtung einschlug. Das Projekt hätte es fast zerrissen.
Music Porträt
Die P
Die Messlatte höher legen
Sie ist das erste Signing des All Female*-Labels 365xx Records und veröffentlicht dieser Tage ihr Debüt »3,14«. Für Die P ist die Golden Era schlicht nachhaltig, Competition ist für sie Ansporn, besser zu werden. Ihr Ziel: Zeitlosigkeit.
Music Porträt
Important Records
Deep Listening Forever!
Ob Pauline Oliveros, Éliane Radigue, Alina Kalancea oder Caterina Barbieri: Seit 20 Jahren ist Important Records wie ein gut bestückter Plattenladen für aufregende Sounds – die beste Anlaufstelle für Musik, die intensiv gehört werden muss.
Music Kolumne
Aigners Inventur
März & April 2021
Die ganze Welt verarbeitet im März 2021 immer noch den März 2020, nur unser Kolumnist ist weiterhin auf der Suche nach Wrong-Speeder-Optionen. Aigners Inventur: Dub aus dem Abyss und durch die FFP2-Maske gerauchte Kippen.
Art Porträt
Vincent de Boer
Wie Jazz mit Pinseln
Der niederländische Künstler Vincent de Boer ist zu einem festen Bandmitglied der britischen Jazzer von Ill Considered avanciert. Er zeichnet Plattencover auf Basis der gehörten Grooves. Für »The Stroke« wurde der Prozess nun umgedreht.
Music Kolumne
Records Revisited
Dinosaur Jr – Green Mind (1991)
Viele Rockbands nehmen zu Beginn der 1990er Jahre ihre bis dahin besten Alben auf. Auch Dinosaur Jr. Während die Band selbst bei den Aufnahmen bereits auseinanderbricht, strotzt ihr viertes Album »Green Mind« vor Kreativität.
Music Porträt
Phew
Ein Leben gegen den Strich
Punk mit Aunt Sally, Synth Pop mit Sakamoto und experimentelle Musik solo und mit anderen: Die japanische Musikerin Phew sucht seit über vier Jahrzehnten die Fehler in der Musik, weil sich darin nur deren Möglichkeiten offenbaren.
Music Porträt
Far Out Recordings
Im Epizentrum der Brazil-Welle
Joe Davis ist der Lokführer, auf dessen Zug Mitte der Neunziger eine ganze Generation Brazil-affiner Producer aufsprang. Mit seinem Label Far Out Recordings wurde er zum weltweiten Statthalter brasilianischer Musikkultur.
Music Kolumne
Records Revisited
Carole King – Tapestry (1971)
Carole King wollte nie Popstar werden, sondern nur Songs schreiben. Weil sie das aber konnte wie niemand sonst, wurde sie es dennoch – mit »Tapestry«, ihrem Debütalbum aus dem Februar 1971.
Music Interview
Audio88 & Yassin
Der bessere Diss
Auf das verflixte fünfte Album von Audio88 und Yassin mussten Fans verflixte fünf Jahre warten. Im Zuge des Weltgeschehens ist es kein Wunder, dass sie radikaler auftreten als je zuvor. Ein Interview anlässlich des neuen Albums »Todesliste«
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
Madlib – Sound Ancestors
»Das erste Madlib-Album, das wirklich als Album gehört werden kann«, sagte Four Tet. – Das ist doch Schwachsinn, sagen unsere Kolumnisten. Sie fragen sich: Hat Madlib hier nicht einfach gemacht, was er immer gemacht hat – und…will man das?
Music Kolumne
Records Revisited
Jan Jelinek – Loop-Finding-Jazz-Records (2001)
2001 hing Jan Jelinek das Ego an den Nagel und lud seinen Sampler mit Klängen von Jazz-Platten auf, um daraus Loops zu basteln. Die liefen aneinander vorbei und bildeten Moiré-Effekte. Davon lebt die Magie von »Loop-finding-jazz-records«.
Music Interview
The Notwist
»Es ist immer ein Zurückkommen«
The Notwist sind wieder da. Sieben Jahre haben sich die Brüder Markus und Michael Acher Zeit gelassen, mit Cico Beck einen Ersatz für Martin Gretschmann gefunden, und einen Klang gefunden, der universeller ist als je zuvor. Ein Interview.
Music Kolumne
Records Revisited
Brian Eno & David Byrne – My Life In The Bush Of Ghosts (1981)
Ethno-Sampling als Pop: Mit ihrem Album »My Life in the Bush of Ghosts« landeten Brian Eno und David Byrne 1981 einen Innovationshit. 40 Jahre später klingt das selbstverständlich. Dafür ergeben sich andere Schwierigkeiten mit dem Ansatz.
Music Interview
Common
»Befreiung fängt im Kopf an«
Sein neues Album trägt den Namen »A Beautiful Revolution Pt.1«, erschien bereits im Oktober digital und in diesen Tagen wird es nun auch auf Vinyl veröffentlicht. Wir nutzten die Gelegenheit mit dem Rapper aus Chicago zu sprechen.
Music Porträt
Zoviet France
Fiebertraum vom Ende
Keine Namen, keine Gesichter, keine Tradition: Zoviet France wollten als anonymes Kollektiv Anfang der Achtziger die Antithese zum orthodoxen Kunstverständnis formulieren – und wurden dabei zu Kultfiguren wider Willen. Bis heute.
Music Liste
Aigners Inventur
Januar & Februar 2021
Ist es Gott? Ist es Hesse? Ist es Domian? Nein, es ist zum Glück einfach nur der Aigner. Der hat die Gardinen seit Wochen maximalst zugezogen und schickt uns die erste Inventur des noch fast unbefleckten neuen Jahres aus dem Kabuff.
Music Liste
Aaron Frazer
10 All Time Favs
»Introducing« heißt das erste Soloalbum von Aaron Frazer. Als Schlagzeuger von Durand Jones & The Indications ist er aber längst kein unbekannter. Musikalisch geht’s in die Sechziger. Uns sagt er, was ihn wirklich musikalisch geprägt hat.
Music Porträt
On The Corner
Banger für das Hinterzimmer
Mit seinem Label On the Corner Records serviert Pete Buckenham einen berauschenden Eintopf aus afro-futuristischen Jazz-Konzepten und zeitgenössischen Street Grooves und stößt er heute bereits die Pforten zum Sounduniversum von morgen auf.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 50 Albums
Sprechen wir es aus: Musik ist in Gefahr, weil sie nicht gemeinsam erlebt werden kann und weil ihre Macher*innen sich seit Monaten in einer existenziellen Krise befinden. Auf Schallplatte gab es dennoch einiges zu hören, wie diese 50 Alben.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 20 12inches
Tanzen war 2020 nicht wirklich. Aber die Vinyl 12" war trotzdem ein begehrtes Format. Und zwar für Musik, die von einer Zeit nach der Katastrophe träumt. Hier sind unsere Top 20. Einen Bonus in Form einer Vinyl 7" gibt’s obendrauf.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 50 Reissues
Früher war alles besser, das reden wir uns schon seit geraumer Zeit ein und seit zehn, fünfzehn Jahren versucht uns die Reissue-Industrie in dieser zur Weltanschauung geronnenen Vermutung zu bestätigen. Hier sind die Top 50 Reissues 2020.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 20 Compilations
Werkeinstiege zu Beverly Glenn-Copeland und Sade, DJ-Mixe von etwa Helena Hauff und Avalon Emerson, Würdigungen, Geschichtslektionen: Die Compilations in 2020 brachten Schwung in das pandemisch und politisch kriselnde Jahr.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 20 Tapes
Das angebliche Tape-Revival ist schon alt genug, als dass seine Heraufbeschwörung durch wiederverwertungsgeile Feuilletons selbst bald ein Revival feiern könnte. Sei’s drum: Diese zwanzig Kassetten haben uns 2020 das Leben gerettet.
Music Porträt
The Silhouettes Project
Protest aus dem Underground
Kosher und Eerf Evil gründeten das Silhouettes Project, um dem Londoner Untergrund Struktur zu verleihen. Ihr selbstbetiteltes Album entstand in gemeinsamen Sessions der britischen Alternative-Rap-Szene.
Music Kolumne
Records Revisited
Coil – Musick to Play in the Dark (1999)
Magie als Klang, der lunare Energien ansammelt: Mit dem im Jahr 1999 veröffentlichten Album »Musick to Play in the Dark« schufen die Elektronik-Esoteriker Coil ihre größten Hymnen an die Nacht. Jetzt wurde es endlich neu veröffentlicht.
Music Porträt
Sault
Black is …
Sault sind die inoffizielle musikalische Stimme der Black Lives Matter Bewegung. Voll radiotauglichem Soul und Jazz, hinter dem die längst überfällige Revolution steht.
Music Kolumne
Aigners Inventur
November & Dezember 2020
Das Virus? Nah, unser furchtloser Kolumnist fürchtet nur eines hinter jeder Straßenecke: Clueso. Aigner schmeißt sich in fiktive Nachtbusse und bückt sich n zu den REWE-Spaghetti runter, weil die von Barilla wieder weggepreppt wurden.
Music Kolumne
Records Revisited
The Pharcyde – Labcabincalifornia (1995)
Pioniere im Andersdenken. Vor 25 Jahren wurden die überdrehten Klassenclowns von The Pharcyde auf ihrem zweiten Album »Labcabincalifornia« zu zynischen Antihelden. Daran trug auch ein damals unbekannter producer namens J Dilla Schuld.
Music Porträt
Tidal Waves
Die Welle reiten
Eine kräftige Welle hat schon so manchen Schatz an Land gespült. So gesehen passt der Name, denn das belgische Reissue-Label Tidal Waves sucht, findet und veröffentlicht verlorengeglaubte Perlen der Musikgeschichte.
Music Kolumne
Records Revisited
Four Tet – There Is Love in You (2010)
Als Four Tet Anfang 2010 das Album »There Is Love in You« veröffentlicht, muss er der Welt nichts mehr beweisen und setzt sich einem retromanischen und verbissenen Zeitgeist mit einem gerüttelt Maß Glückseligkeit entgegen.
Music Kolumne
Records Revisited
GZA – Liquid Swords (1995)
Vor 25 Jahren säbelte GZA sein erstes Solo-Album innerhalb des Wu-Tang-Universums raus, boxte im Schatten von Shaolin-Kriegern und machte seine Gegner mit Lines einen Kopf kürzer. Das Ergebnis nannte sich »Liquid Swords«.
Music Porträt
Mort Garson
Musik für Pflanzen und Menschen
Er war an über 900 Liedern beteiligt, erreichte Platz 1 der Billboard Charts, doch Mort Garsons heutiger Ruhm beruht auf einer Begegnung mit Bob Moog, den er überredete, ihm einen seiner Synthesizer zu überlassen. Eine Wiederentdeckung.
Music Kolumne
Records Revisited
Pet Shop Boys – Behaviour (1990)
»Behaviour« ist das Pet Shop Boys-Album schlechthin. Reflektierte Texte, die schon damals bewährten Hymnen-Melodien und Harold Faltermeyers analoge Produktion verschmolzen zu einem Klassiker, der keinen Staub ansetzen will.