Music Essay | verfasst 28.02.2019
Colundi Music
How to oscillate completely
Seit einigen Jahren taucht ein Begriff in den Plattenläden, Musikmagazinen und Onlineforen auf: Colundi. Dahinter steckt ein neuartiges Tonsystem, das zwei Produzenten aus dem Rephlex-Umfeld entwickelten. Wir sind der Sache nachgegangen.
Text Christoph Umhau
Colundi_sequences_hhv-mag_1024x685px

Seit Geburt der elektronischen Musik arbeiten Produzenten mit nebulösen Anspielungen auf Themen wie Weltraum oder Futurismus. In keinem anderen Genre dienen Mystik und Geheimnis öfter als Inspiration als in der elektronischen Musik. Technopionier Jeff Mills’ »Metropolis« verdankt seinen Namen dem dystopischen Science-Fiction-Film, Drexciya ging noch einen Schritt weiter und baute seine ganze Erscheinung um Themen aus der Tiefsee. Kein Wunder also, wenn sich Künstler aus diesem Umfeld einem mystischen Gegenstand widmen. Bei Colundi allerdings gibt es einen entscheidenden Unterschied: dahinter steckt eine ganze Philosophie.

Die beiden Protagonisten von Colundi sind bekannte Figuren in der Szene. Das ist zum einen der Finne Aleksi Perälä, der seit über zwanzig Jahren unter seinem Klarnamen und mit den beiden Alter Egos Ovuca und Astrobotnia experimentellen IDM und Breakbeat produziert. Zum anderen Grant Wilson-Claridge, der Mitbegründer von Rephlex, dem legendären britischen Label, das lange Zeit Heimat für zukunftsweisende elektronische Musik, nicht zuletzt von Richard D. James aka Aphex Twin war.

Rein musikalisch gesehen ist Colundi relativ einfach zu erklären. Mit der »Colundi Sequence« hat Grant Wilson-Claridge einen Weg gefunden, sich von der klassischen westlichen Einteilung von Musik in Oktaven zu verabschieden und stattdessen eine neuartige frequenzbasierte Art des Produzierens etabliert. Die mit Hilfe dieser Technik produzierte Musik klingt dabei weniger futuristisch als die Definition und hat viele Anleihen bei den Genres IDM, Electro und Breakbeat.

Hier beginnt aber auch schon die Mystik. Auf der Colundi-Website ist nämlich nicht die Rede von einer eigenen Innovation, sondern von einer »mikrototalen musikalischen Skala auf der Grundlage von Resonanzen, der Natur, der Philosophie, des Kosmos und Traditionen, die von Heiligen geschickt wurde«. Die Frequenzen, die dabei verwendet werden sollen eine heilende Wirkung auf den menschlichen Körper haben. Wissenschaftliche Belege für diese These gibt es allerdings nicht. Sowohl für Perälä als auch für Wilson-Claridge war diese neue Art Musik eine Offenbarung. Für beide war die einschneidende Erfahrung mit Colundi ab der ersten Sekunde unumkehrbar. Aleksi Perälä hat seitdem ausschließlich Colundi-Musik veröffentlicht.

Auffällig ist auch die große Menge an Colundi Musik, die jedes Jahr erscheint. Perälä allein hat seit 2014 über 16 Alben geschrieben. Sie sind fortlaufend benannt, jedes Album stellt dabei ein Level der Colundi Sequence dar. Die einzelnen Titel haben dabei meist keine erkennbare Bedeutung. In einem Interview mit Residentadvisor spricht Perälä davon, dass Colundi-Musik sich von selbst schreibe und er dabei nur das Medium sei, das es umsetzt.

Taucht man tiefer in die Colundi-Welt ein, wird zunehmend klar, wessen Geistes Kind die Colundi-Philosophie ist. Taucht man tiefer in die Colundi-Welt ein, wird zunehmend klar, wessen Geistes Kind die Colundi-Philosophie ist. In einer sehr aktiven privaten Facebook-Gruppe tauscht sich die kleine Community regelmäßig über technische Fragen und eigene Produktionen aus. Wilson-Claridge ist als Admin der Gruppe sehr aktiv und teilt regelmäßig eine Bandbreite an Inhalten. Von der Geschichte der Elektrizität bis zur Wahrheit über den Saturn. Viele davon mindestens an der Grenze zur Verschwörungstheorie (ein Video bringt das Cover eines Shakespeare-Werks mit den Pyramiden von Gizeh in Zusammenhang).

Eine große Rune füllt den größten Teil der Webseite colundi.net aus. Auch nachdem man sich durch die einzelnen Reiter der Seite klickt, wird Colundi nicht greifbarer. Im Shop werden sogenannte Artefakte verkauft, zum größten Teil Merchandise und Colundi-Veröffentlichungen. Eine konfuse Bildersammlung aus Tier- und Naturfotos reiht sich an Screenshots von Orten, deren Namen Colundi oder eine leichte Abwandlung davon sind.

Die merkwürdigste Idee verbirgt sich allerdings hinter dem letzten Reiter der Website. Dort wird zu Spenden aufgerufen. Mit dem gespendeten Geld möchte man kleine Flächen auf der ganzen Welt kaufen. Ziel ist es, in jedem Land der Welt eine etwa 200 Quadratmeter große Fläche zu besitzen, wo Zeremonien und Zusammenkünfte stattfinden können. Ebenfalls sollen diese Flächen Symbole für die Einigkeit der Menschen sein. Genauere Ausführungen zu den Zusammenkünften oder über die Einigkeit der Menschen sucht man vergebens. Bisher gibt es drei solche Flächen, eine im britischen Cornwall, eine in Somalia und eine im US-amerikanischen Arizona. Ein kleiner Absatz löst zusätzliche Skepsis aus: bezogen auf das Land in Cornwall ist die Rede davon, dass das britische Recht einen zwinge, bestimmte Vorgehensweisen einzuhalten, diese aber vor Sonnenwende vollendet sein werden. Gefolgt von «eventually such countries will be One« lässt viel Raum für Spekulation in Hinblick auf die Absichten, die Colundi pflegt.

Der Versuch Colundi etwas verständlicher darzustellen ist gescheitert. Wo eine Frage beantwortet ist, entstehen zwei neue. Haben Wilson-Claridge, Perälä und die Colundi-Community den Bezug zur Realität verloren und flüchten sich in eine Scheinwelt, in der Shakespeare und die Pyramiden von Gizeh in direktem Zusammenhang stehen? Oder ist Ihnen jedes Mittel, das als Inspiration für neue Musik dient, recht? Wie bei den meisten spirituellen Erlebnissen ist das Geheimnis hinter Colundi nicht in Worte zu fassen. Für diejenigen, die lieber auf dem rationalen Pfad bleiben ist es zumindest die innovativste elektronische Musik, die in den letzten Jahren produziert wurde.


Colundi – Music Tuned To Frequencies schwingt auch im Webshop von HHV Records.

Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 11.10.2012
Thought Broadcast
Emergency Stairway
Thought Broadcast begibt sich in die Belanglosigkeit, findet unser Rezensent Jens Pacholsky.
Music Review | verfasst 28.01.2012
Vladislav Delay
Vantaa
Dass diese Platte ihre Zeit braucht, steht ganz außer Frage. Was allerdings noch nicht geklärt ist: Ist das noch Musik?
Music Review | verfasst 12.03.2013
TM404 (Andreas Tilliander)
TM404
Andreas Tilliander widmet sich analogen Drum-Machines, Synthesizers und Sequencern, die Roland in den 1980er Jahren auf den Markt brachte.
Music Review | verfasst 13.12.2013
Heatsick
Re-Engineering
Diese Musik ist herrlich bekloppt. Doch sie groovt, sie weiß ganz ganz viel von elektronischer Musik und möchte gehört werden.
Music Review | verfasst 09.01.2014
Emanuele de Raymondi
Ultimo Domicilio EP
Raymondi dreht seine Runden durch Drones, Störgeräusche und Elektronik – stets leichtfüßig und ohne seine Dringlichkeit zu verlieren.
Music Review | verfasst 19.03.2014
Hiele
Essential Oils
Auch auf seinem zweiten Album »Essential Oils« möchte sich der Antwerpener Musiker Roman Hiele nicht festlegen.
Music Review | verfasst 05.05.2014
Hecker
Articulaçao
Hecker verarbeitet einen Text des Philosophen Reza Negarestani und kreiert ein undurchhörbares Gesamtpaket.
Music Review | verfasst 19.05.2014
CoH
To Beat
Gerade mal ein Jahr nach seinem retrofuturistischen Album »Retro-2038« lässt Ivan Pavlov aka CoH mit »To Beat« eine Art Fortsetzung folgen.
Music Review | verfasst 17.06.2014
Strategy
Pressure Wassure EP
Strategy eignet sich auf der »Pressure Wassure EP« auf unwiderstehliche Weise die Semantik einzelner Epochen elektronischer Musik an.
Music Review | verfasst 01.07.2014
Istari Lasterfahrer
Walls Cave In On You
Istari Lasterfahrer zeigt auf »Walls Cave In On You« wie man mit politischer Haltung musiziert.
Music Review | verfasst 22.07.2014
Thought Broadcast
Votive Zero
Äußerst minimal gehalten. Ravi Binnings arbeitet auf »Votive Zero« mit Bedacht Lo-Fi aufgenommenen Synthesizer- und Drummachine-Sounds.
Music Review | verfasst 12.09.2014
Lee Gamble
KOCH
Mehr als ein würdiger Nachfolger. Lee Gambles neue Platte »KOCH« führt die Stärken seiner Durchbruch-Platten aus dem Jahr 2012 zusammen.
Music Review | verfasst 13.10.2014
BJ Nilsen & Stilluppsteypa w/ Anla Courtis
Golden Circle Afternoon
Die Nordeuropäer BJ Nilsen und Stillupsteypa irren gemeinsam mit dem argentinischen Experimentalmusiker Anla Courtis durch die Klangwelt.
Music Review | verfasst 11.11.2014
Various Artists
Ten Cities
Die Soundway-Compilation »Ten Cities« ist nicht nur ein äußerst spannendes Projekt, sondern einfach eine tolle Dance Music-Sammlung.
Music Review | verfasst 14.11.2014
Strategy
Seeds Of Paradise
Strategy liegen die langen Formate. »Seeds Of Paradise«, sein neuntes Album in zehn Jahren, beweist das einmal mehr.
Music Review | verfasst 26.01.2015
Jan St. Werner
Miscontinuum Album
Auf seinem »Miscontinuum Album« entfaltet Jan St. Werner ein kafkaeskes Narrativ, dass viele erinnerungswürdige Passagen durchläuft.
Music Review | verfasst 02.02.2015
Cummi Flu
Z
Bei Cummi Flu, dem neuen neuen Projekt von Oliver Doerell, dürfen unwahrscheinliche Töne zu Musik werden.
Music Review | verfasst 04.03.2015
Raw M.T.
La Duna
Die Zusatzbuchstaben stehen für »Music Theory«, hat uns seine erste EP gelehrt. Mit »La Duna« lässt uns Raw M. T. an der Praxis teilhaben.
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
Tolouse Low Trax – Jumping Dead Leafs
Der Mann, der einen Sound geprägt hat, ist zurück mit einem Langspieler. Die drei Männer, die nichts geprägt haben, sind zur Stelle, um sich über ihn zu unterhalten. Das ist natürlich eine tolle Sache.
Music Liste
Record Store Day 2020 – 2nd Drop
Weitere 12 Releases nach denen du Ausschau halten solltest
Am 26.9.2020 findet nun der zweite von drei Record Store Days in diesem Jahr statt. Dafür sind wiederum mehr als 150 exklusive Releases angekündigt. Wir haben daraus zwölf Schallplatten gepickt, die wir euch ans Herz legen wollen.
Music Interview
Action Bronson
»Nichts könnte mich davon abhalten, mein Leben zu lieben«
Action Bronson meldet sich zurück. Das ist erstaunlich, denn die Musik ist nur ein Teil im Leben des New Yorkers, der auch Maler, Tänzer, Olivenöl-Tester, Schauspieler und anderes ist. Wir hatten die Gelegenheit zu einem Gespräch.
Music Kolumne
Records Revisited
Kate Bush – Hounds Of Love (1985)
Auf ihrem selbstproduzierten, fünften Studioalbum erklimmt Kate Bush den Gipfel ihres Autoren-Art-Pops. Ihre Synthese von digitaler Klanggestaltung und Folk-Elementen zeitigt ein Album, das einem Jahrhundertroman gleichkommt.
Music Porträt
Melody As Truth
An der Schwelle von Sound und Stille
Mit seinem Label Melody As Truth bewegt sich Jonny Nash zwischen Balearic und Ambient. Die Reise führt von New Age zu einer neuen Art von Weltkammermusik. Er selbst spricht vom »Erforschen von Raum und Timing«.
Music Kolumne
Aigners Inventur
September & Oktober
Der Sommer ist vorbei, die Welt ja sowieso, da wird selbst unser Kolumnist emotional. Er gibt seinem Haustier einen Namen und legt sich zu Enya in die Badewanne. Aigners Inventur ist zurück. Ganz, ganz wild.
Music Porträt
Larry Heard
Von der Luftgitarre zur Clubhymne
Larry Heard gilt als einer der Gründungsväter von Chicago House. Mit »Can You Feel It« prägte er das Antlitz von Deephouse. Stets blickte er über den Tellerrand der Clubmusik hinaus. Begonnen hat er seine Karriere jedoch als Luftgitarrist.
Music Kolumne
Records Revisited
Aesop Rock – Float (2000)
Statistisch gesehen ist Aesop Rock der eloquenteste unter allen Rappern. Stilistisch gesehen musste er zuerst behaupten, um im Feld der elaborierten Hip-Hopper zu etablieren. Dahingehend war »Float« von 2000 eine erstes Ausrufezeichen.
Music Interview
Kelly Lee Owens
»Wir verkörpern Emotionen«
Mit »Inner Song« veröffentlichte die walisische Musikerin ihr zweites Album, das mit einer Hand die Tränen nach dem Closing-Set aus den Augen wischt und mit der anderen das Fenster in den Alltag aufstößt. Ein Gespräch.
Music Liste
Harmonious Thelonious
10 All Time Favs
Mit »Plong« rüttelt Stefan Schwander an den Grundfesten der Clubmusik. Sein neues Solo-Album als Harmonious Thelonious lässt Alltagsgeräusche ein unheimliches Eigenleben entwickeln. Uns hat er erzählt, welche 10 Platten ihn geformt haben.
Music Interview
Nubya Garcia
Verwobene Erinnerungen
Die Saxophonistin Nubya Garcia ist Teil der regen Londoner Jazzszene. An ihrem Instrument ist sie eine der energetischsten Musikerinnen der Welt. Ansonsten ruht sie in sich. Sie ist so cool, wie die Musik, die sie spielt. Ein Interview.
Music Porträt
Pierre Schaeffer
In allem steckt Musik
Lange Zeit war es kaum vorstellbar, dass Musik durch anderes als Instrument und Stimme entstünde. In den Händen Pierre Schaeffers jedoch wurde der Tonträger zur Basis der Komposition. Vor 25 Jahren starb der Pionier der elektronischen Musik
Music Liste
Record Store Day 2020 – 1st Drop
12 Releases nach denen du Ausschau halten solltest
Am 29.8.2020 findet nun der erste von drei Record Store Days in diesem Jahr statt. Allein dafür sind mehr als 350 exklusive Releases angekündigt. Wir haben daraus zwölf Schallplatten gepickt, die wir euch ans Herz legen wollen.
Music Liste
Jonathan Bree
10 All Time Favs
Jonathan Bree versteckt sein Gesicht hinter einer Latexmaske. Nun ja. Aber das ist nicht das bemerkenswerteste an dem Neuseeländer. Denn er ist vor allem ein erstklassiger Songwriter. Uns hat er erzählt, welche 10 Platten ihn geformt haben.
Music Porträt
Kommerz Records
Sich selbst das Bein stellen
Jonathan und Lukas Nixdorff haben sich einen Kindheitstraum erfüllt: Vor wenigen Wochen gründeten sie Kommerz Records. Dort erscheint nun das erste Release, »Kommerz Season 1: Anti-Virus«.
Music Porträt
Light In The Attic
Alles ist erleuchtet
Seit fast 20 Jahren bringt das in Seattle beheimatete Plattenlabel Light In The Attic Licht ins Dunkel jener Releases, die im Schatten stehen. Dass sie von Beginn an auf Vinyl setzten, zubilligt dem Label heute die Rolle eines Vorreiters.
Music Porträt
Jason Molina
Gone But Not Forever
Soeben sind unveröffentlichte Aufnahmen von Jason Molina veröffentlicht worden. Mit Songs: Ohia oder Magnolia Electric Co. wollte er sein Leben als Momentaufnahme festhalten. Doch es löste sich auf wie die Gespenster, an die er glaubte.
Music Kolumne
Records Revisited
Raekwon – Only Built 4 Cuban Linx… (1995)
Nach »Enter the Wu-Tang (36 Chambers)« haben sich die Clan-Mitglieder solo ausprobiert. Erst Method Man, dann Ol’ Dirty Bastard, schließlich Raekwon. Sein 1995 releastes »Only Built 4 Cuban Linx…« zählt zu den Meisterwerken des Hip-Hop.
Music Porträt
Jockstrap
Viel Klang, viel Geräusch
Das Londoner Duo Jockstrap veröffentlicht ihre Schallplatten bei Warp. Ihre Songs sind in Werbungen von Chanel und Dior zu hören. Taylor Skye und Georgia Ellery spielen sich auf der zweiten EP »Wicked City« passgenau die Bälle zu.
Music Liste
Jay Glass Dubs
10 All Time Greek Favs
»Soma« heißt auf Griechisch Körper und an den richtet sich die Musik von Jay Glass Dubs. »Soma« heißt sein neues Album. Das war die Chance den Griechen nach 10 Schallplatten zu fragen, die ihn geformt haben. Er antwortet griechisch.
Music Kolumne
Record Revisited
Elliott Smith – Elliott Smith (1995)
Die neunziger Jahre waren ein lautes Jahrzehnt, doch sie gaben uns auch die Musik von Elliott Smith. Dessen zweites Album »Elliott Smith« setzte einen stillen, inwendigen Kontrapunkt zum Weltgeschehen.
Music Kolumne
Records Revisited
Joy Division – Closer (1980)
Joy Divisions Album »Closer« war ein Zwischenschritt, ein halbherziges, halbbeseeltes Statement von vier jungen Männern auf ihrem Weg in neue Untiefen. Nur einer aber wollte, konnte nicht vom Fleck kommen.
Music Porträt
WeWantSounds
Ansteckende Leidenschaft
Den Grund für die Label-Gründung trägt WeWantSounds im Namen. Seit 2015 veröffentlicht der Pariser Zweimannbetrieb persönliche Lieblingsmusik aus den Siebzigern und Achtzigern. Bei der Auswahl spielen Genre- und Landesgrenzen keine Rolle.
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
Arca – KiCK i
»KiCK i« soll das erste von vier neuen Arca-Alben sein. Während sich einer unserer Autoren dazu auf dem Shakti-Kissen lümmelt, surft der andere auf Soundcloud das Reggaetón-Tag ab und bewundert der Dritte das Songwriting der Platte.
Music Essay
Baltic & Finnish Jazz
Grenzen ausbooten
Während Jazz von London bis L.A. eine neue Pop-Sensibilität entwickelt oder Fusion updatet, werden an den Ostseeküsten kühle Geschmacksrichtungen zwischen Nachwuchs und Nostalgie kultiviert. Weltoffen ist Jazz auch hier – und total eigen.
Music Kolumne
Aigners Inventur
Juli & August 2020
Hier werden persönliche Anekdoten zu programmatischen Allegorien: Aigners Inventur verabschiedet sich schlussendlich mit einem Wimmern in die Sommerferien. Es ist schließlich 2020.
Music Porträt
International Anthem Recordings
Die Suche nach dem Echten
Seit sechs Jahren liefert das Label International Anthem aus Chicago zuverlässig Jazz mit ganz eigener Attitüde. Wobei sich die Gründer fast jeder Zuschreibung verweigern. Für sie gilt: Der schönste Klang ist stets das Echte.
Music Liste
Halbjahresrückblick 2020
50 best Vinyl Records so far
Wahrscheinlich wird man in 40 Jahren zwei Fragen beantworten müssen: Was man 2020 selbst gegen das Leid und die Ungerechtigkeit getan und welche Platten man gehört hat. Bei der Beantwortung der zweiten Frage, können wir behilflich sein.
Music Porträt
We Jazz
Mit Betonung auf Wir
We Jazz, das steht für überraschenden Jazz aus dem Norden. Und noch mehr. Seit 2013 gibt es das Festival in Helsinki, seit 2016 das Label. Dort verlegt Matti Nives vorwiegend finnische Bands. Wir stellen euch das Label vor.
Music Porträt
Roy Ayers
Vibrationen zum Wohlfühlen
Er zählt zu den meistgesampelten Musikern der Gegenwart. Mit Songs wie »Everybody Loves The Sunshine« wurde Roy Ayers, der im September seinen 80. Geburtstag feiert, zur Legende. Auf Jazz Is Dead sind nun neue Songs von ihm erschienen.
Music Porträt
Sven Wunder
Wer bin ich?
Es kursieren gerade zwei Alben, die Liebhabern des Rare Groove Freudentränen in die Augen treiben. Das eine, »Doğu Çiçekleri«, spricht seine musikalische Sprache mit türkischen Akzent, »Wabi Sabi« mit japanischem. Doch wer ist Sven Wunder?
Music Kolumne
Records Revisited
Prefab Sprout – Steve McQueen (1985)
Eigentlich wollte Paddy McAloon Priester werden, Menschen von den Worten Gottes berichten. Stattdessen gründete er eine Band. 1985 veröffentlichten Prefab Sprout »Steve McQueen«, das wahrscheinlich schönste Popalbum der Achtziger Jahre.
Music Porträt
upsammy
Das Kleine im Großen
Die Niederländerin Thessa Torsing hat unter dem Pseudonym upsammy in den letzten Jahren die gefragtesten Dancefloors bespielt. Aber auch ihre eigenen Soundproduktionen haben über transkontinentale Wege hinaus Gehör gefunden.
Music Interview
Gary Bartz
»Wir sehen die Realität nicht mehr«
Der Grammy-prämierte Sopransaxophonist Gary Bartz stand mit Miles Davis, Art Blakey und Max Roach auf der Bühne. Jetzt hat er mit der britischen Band Maisha eine Platte aufgenommen – und Neues entdeckt.
Music Kolumne
Records Revisited
Quasimoto – The Unseen (2000)
Vor zwanzig Jahren schloss sich Madlib in den Keller von Peanut Butter Wolf ein und kam als gelbes Alien mit Schweineschnauze raus. Lord Quas war geboren und »The Unseen« hat das Character Design im Hip-Hop auf eine neue Stufe gehoben.
Music Porträt
Dekmantel
Unendliche Ferien
Seit über zehn Jahren löst Dekmantel aus Amsterdam als Label, Festival und Veranstalter die Quadratur des Kreises: Innovation und Untergrund mit Qualität zu verbinden. Ein Ende? Auch in Krisenzeiten nicht in Sicht.
Music Liste
Rafael Anton Irisarri
10 All Time Favs
Ambient? Vielleicht. Aber mit Splittern von Metal, Neo-Klassik und anderem. Rafael Anton Irisarri malt mit dickem Pinselstrich überwältigende Klanggemälde. Für uns hat der US-amerikanische Komponist seine Einflüsse offengelegt.
Music Interview
Eloquent & Knowsum
Jaylib auf LSD
Eloquent und Knowsum, das ist eine Liason, die sich angedeutet hat. »JLALSD« heißt das gemeinsame Album. Das Akronym steht für Jaylib auf LSD. Wir sprachen mit beiden über ihre Zusammenarbeit, »Champion Sound« und das Streben nach Glück.
Music Porträt
Motohiko Hamase
Gemeinsam mit der Welt allein
Motohiko Hamase beendete seine Karriere in der Jazz-Szene Japans so schnell, wie sie begonnen hat. In einem Zeitraum von knapp einem Jahrzehnt veröffentlichte er fünf Alben mit ausgesprochen wundersamer Musik. Ein Porträt.
Music Porträt
Kaitlyn Aurelia Smith
Freundlichkeit durch Klang verbreiten
Ihre Musik ist wie ein langer, ruhiger Fluss aus Strom: Kaitlyn Aurelia Smith macht mit Synthesizern und Stimme Musik, die mehr auf Entspannung als auf Anspannung setzt. Ihr neues Album erweitert diesen Weg durch Körperbewegungen.
Music Porträt
Muriel Grossmann
Abstraktion mit Blick aufs Meer
Die Saxofonistin Muriel Grossmann kommt auf den Balearen zur Abstraktion, reitet mit Hard Bop die Wellen und bringt sogar Milliardäre aus der Fassung. Wer ist die heimliche Pionierin des spirituellen Revivals?