Music Essay | verfasst 01.07.2019
Frauen des Jazz
We Insist Female
Frauen im Jazz sind noch immer keine Selbstverständlichkeit. Das muss sich ändern. Denn schon in der Vergangenheit haben Musikerinnen den Jazz maßgeblich geprägt und auch die Zukunft liegt in ihren Händen.
Text Lars Fleischmann
Soj_women_magazin_artikel_1024px_685px
Rubriken_sticker_detail_02

Ein Gespenst geht um im Jazz: Sein Name ist Gender Equality. Ende 2018 verabschiedete die UDJ (Union Deutscher Jazzmusiker – ohne Gendersternchen) eine »Gemeinsame Erklärung zur Gleichstellung von Frauen im Jazz«. Besser spät als nie, mag man da denken. Neben Forderungen zur genderneutralen Sprache, zur gerechten Verteilung von Funktionen und Ämtern und zu einer geschlechts-ausgeglichenen Pädagogik, stellt die Erklärung fest, dass auch heute einiges im Argen liegt: »Die Jazzszene ist in Deutschland nach wie vor maßgeblich von Männern geprägt. Frauen machen laut der Jazzstudie 2016 nur ein Fünftel der Jazzmusiker*innen in Deutschland aus. Bei der Verteilung auf die verschiedenen Instrumentengruppen fällt zudem auf, dass nur 12% der Instrumentalist*innen Frauen sind, dafür aber 86% der Sänger*innen.«

Unfassbare Verhältnisse, die da in Deutschland, aber auch im Rest der Welt herrschen. Institutionelle Ungleichbehandlung führt beispielsweise zu vier öffentlichrechtlichen Rundfunk-Big-Bands mit insgesamt zwei (!) Instrumentalistinnen. Das macht etwa 3% der Ensemble-Mitglieder. Es ist also Zeit für eine Jazzvariante des legendären Essays der Kunsthistorikerin Linda Nochlin, das 1971 unter dem Namen »Why Have There Been No Great Women Artists?« publiziert wurde. Hier untersucht Nochlin nicht die individuellen Hindernisse des Aufstiegs von Künstlerinnen, sondern die institutionellen. Grundlegend für eine Untersuchung dieser Art ist sicherlich auch eine Aufstellung der Musikerinnen, die »es geschafft haben«, die nationale oder internationale Aufmerksamkeit und Bedeutung erringen konnten.

Die Geschichte des Jazz ist nämlich keineswegs eine allein männlich-geprägte, wenngleich doch dominierte. Gerade für die frühen Jahre des Jazz ist die Faktenlage extrem dünn. Nur wenige Namen von weiblichen Künstlerinnen sind überliefert, was unter anderem daran liegt, dass viele Marching-Bands (aus denen sich dann die ersten Jazz-Kombos bildeten) eine »all-male-policy« hatten. Dennoch wird bei genauerer Betrachtung schnell klar, dass es trotz dessen auch weibliche Akteurinnen gab. Prominentes Beispiel ist sicherlich Lil Hardin Armstrong, die Ehefrau von Louis Armstrong, die als Part der Hot Five virtuos das Piano bespielte. Darüber hinaus gilt sie (laut ihrem Biographen) als eine der wichtigsten Akteur*innen hinter den Kulissen des New Orleans Jazz.

Die Geschichte des Jazz ist nämlich keineswegs eine allein männlich-geprägte, wenngleich doch dominierte.

Weitere bedeutende weibliche Figuren aus den Geburtsstunden des Jazz hat die Geschichtsschreibung dennoch vergessen. Selbst eine Lil Hardin Armstrong ist nur Menschen mit tieferen Kenntnissen bekannt – trotz aller zugeschriebener Bedeutung. Große Stars konnten erst die beiden Sängerinnen Ella Fitzgerald und Billie Holiday rund um das Jahr 1935 werden. Ein genauerer Blick lohnt sich dennoch. Während Blanche Calloway ab 1926 Bandleaderin (die erste vermutlich) von mehreren Swing-Formationen war, begann im gleichen Jahr die Karriere von Mary Lou Williams. Williams darf gerne als Wunderkind gelten. Schon mit drei lernte sie das Klavierspiel, mit sechs trat sie das erste Mal auf und mit 16 Jahren tourte sie erstmalig mit ihrem Mann »Bearcat« Williams. Doch beinah wäre es nicht so weit gekommen, da es den anderen Mitgliedern der Vaudeville-Gruppe Syncopaters falsch, gar Unrecht, erschien, dass eine Frau in der Band spiele. »Musik ist Handwerk! Und Handwerk ist männlich!« Ausschlaggebendes Argument für ihre Anstellung – so die Legende – soll ihr harter, sehr männlicher Tastenanschlag gewesen sein. Bis zu ihrem Tod 1981 komponierte sie nicht nur über 300 Stücke (interpretiert von allen Größen der Jazz-Geschichte), sondern gilt auch als »Mutter des Be-Bop«, da sie viele Künstler in Harlem in den 1940er und 1950er Jahren – auch finanziell – unterstützte.

Kommen wir dennoch zurück zu den beiden vorgenannten Grand Dames, Fitzgerald und Holiday. 1935 suchte Drummer und Komponist Chick Webb nach einer Sängerin und entdeckte die 17jährige Ella Fitzgerald bei einem Talentwettbewerb in New York. Eine unvergleichliche Karriere begann, mit Würdigungen auf allen Ebenen. Sie gilt als eine der Erfinder*innen des Scatgesangs und improvisierte über bekannte und bestehende Lieder, was viele ihrer Interpretationen zu Referenzen werden ließ und noch heute – von Beyoncé bis Fatima – vielen Sängerinnen als Vorbild gilt. Während Fitzgerald mit ihrer jugendlichen und dezenten Art als »Streberin« gelten könnte, darf Billie Holiday als »troublemaker« bezeichnet werden. Derweil sollte man Vorsicht mit dem Begriff walten lassen, denn ihre Kindheit war »nicht einfach«, wie man sagt, wenn man nicht aussprechen möchte, dass sie von Armut, Vergewaltigungen und Prostitution geprägt war. Um das alles hinter sich zu lassen, begann sie inspiriert von Bessie Smith (noch so eine Künstlerin; genannt: The Empress of Blues) zu singen. Ihr eigenwilliger Stil, der nicht etwa trotz, sondern gerade wegen seiner naiven, ungeübten Art und der gering geschulten Stimme, etwas ganz Besonderes war, verhalf ihr schnell zu Ruhm. Was Billie Holiday an Ausbildung vermissen ließ, machte sie mit Soul, Einsatz und – man könnte es so nennen – dem inhärenten Schmerz des Lebens wieder wett. Diesen Schmerz versuchte sie zeitlebens mit Alkohol und Heroin zu betäuben, was erwartungsgemäß scheiterte und erst die Stimme zerstörte und schon bald zum Tode im Jahr 1959 führte. Derweil beeinflusste sie nicht nur Janis Joplin, sondern auch Nina Simone. Nicht nur politisch aktiv in der Bürgerrechtsbewegung, sondern auch als Sängerin und Pianistin anerkannt, ist Simone heute eine der bekanntesten Künstlerinnen ihrer Zeit. Das war derweil nicht immer so. Erst in den Neunzigern errang sie ihren Weltruhm, bis dahin galt sie vielen (weißen) Männern in den Vorstandetagen als zu eigenwillig, dickköpfig und schwierig. Schon früh orientierte sich Nina Simone weg von den USA, raus in die weite Welt, nach Frankreich und auch Afrika. Hier wurde sie gefeiert, verehrt und geehrt.

Hier zeigt sich das Ungleichgewicht, dass es an »Stimmen« (meint selbstverständlich Vokalistinnen) nicht mangelte, die Instrumentalistinnen aber Mangelware sind. Zwei bekannte Ausnahmen einigten sich, oberflächlich betrachtet, »ausgerechnet« auf das eine, gleiche Instrument: Die Harfe. Sowohl Dorothy Ashby als auch Alice Coltrane nahmen sich des klassischen, europäischen und »weißen« Instruments an. Erstaunen sollte das nicht, da die hergebrachten Jazz-Instrumente (von Trompete bis Schlagwerk), und damit auch Positionen in Bands, meist Männern vorbehalten blieben. Für Alice Coltrane gilt dies gleichsam nur bedingt; sie genoss eine Ausbildung am Jazz-Piano und gerade ihre späteren Werke (viele unter dem spirituellen Namen Turyasangitananda veröffentlicht) sind von Orgel und E-Orgel-Sounds geprägt. Dorothy Ashby hingegen hatte eine verlässliche Beziehung zur Harfe und spezialisierte sich in einem Maße, dass sie bis heute als bedeutenste Harfenist*in des Modern Jazz gelten muss.

Die neue Generationen von Frauen im Jazz sind Teil einer Szene, die sich weitestgehend von männlichem Dominanzgehabe verabschiedet hat.

Dieser kurze geschichtliche Abriss hat nur einige wenige musikalische Positionen aufzeigen können. Interessanterweise waren dennoch alle afro-amerikanisch. In den USA galt Jazz noch lange als Schmuddelkind, das gerade von »weißen« Amerikaner*innen gemieden wurde. Das sollte sich erst mit Fusion- und Smooth-Jazz Ende der 1970er Jahre wirklich ändern. In Europa sah dies bekanntermaßen anders aus. Hier konnten Musikerinnen wie Irène Schweizer, die am Piano (zusätzlich am Schlagzeug) die aufstrebende Free-Jazz-Bewegung schon ab den frühen 1960er Jahren prägte, Joëlle Léandre am Kontrabass und Maggie Nichols als Vokalistin führende Rollen einnehmen. Vor allen Dingen als Mitglieder der Feminist Improvising Group, die sich Ende der 1970er Jahre bildete, konnte feministische Kritik an den patriachalen Strukturen im Allgemeinen und im Jazz im Speziellen mit musikalisch-kultureller Äußerung verbunden werden.

Doch wie sieht es heute aus, muss an dieser Stelle gefragt werden. Gerade aus der derzeitigen Jazz-Hochburg London kommen viele Musikerinnen, die in den letzter Zeit Aufsehen erregt haben. Seien es die Tenorsaxophonistin Nubya Garcia, die Trompeterin und Kokoroko-Bandleaderin Sheila Maurice-Grey , die Gitarristin Shirley Tetteh (alle drei sind auch Mitglieder bei Nèrija) oder die Trompeterin und Flügelhornistin Yazz Ahmed; alle eint, dass sie nicht nur als hervorragende Musikerinnen und Instrumentalistinnen auftreten, sondern neben ihrer weiblichen Position auch ihre interkulturelle, migrantische Identität ins Jazz-Spiel einbringen. Afro-Atlantisch, Arabisch oder Nigerianisch UND weiblich – beides wird mit Stolz vertreten. Sie sind gleichsam Kinder einer (Ost-)Londoner-Szene, die sich weitestgehend von männlichem Dominanzgehabe verabschiedet hat.

Doch auch auf dem europäischen Festland passiert so einiges: die beiden Österreicherinnen Muriel Grossmann und Katharina Ernst sind nur zwei der Künstlerinnen, die man nennen muss. Während Grossmann als Tenorsaxophonistin im Be-Bop und Hard-Bop eines John Coltrane schon etliches Echo hervorgerufen hat, steht Ernst als Solo-Schlagzeugerin für einen unakademischen Avantgarde-Sound, der gekonnt elektroakustische Einflüsse und Jazz verbindet. Das kann natürlich nicht mehr als ein kleiner Einblick in die Geschichte des Jazz aus »weiblicher Perspektive« sein, dennoch können bei näherer Betrachtung etliche strukturelle Hindernisse erkannt und benannt werden, die dafür sorgten und sorgen, dass Jazzmusikerinnen (vor allen Dingen Instrumentalistinnen) bis heute weder den (vermeintlichen) Impact besitzen, noch im selben Maße wie ihre männlichen Kollegen aus monetären Mitteln zehren können. Die Forderungen der UDJ können dementsprechend nur als Mindestforderungen ausgelegt werden; das bringt derweil den »Müttern« des Jazz heute wenig. Eine Beschäftigung mit ihrem Werk sollte aber für jede*n Jazz-Einsteiger*in ein Muss darstellen.


Frauen des Jazz findest du im Webshop bei HHV Records

Dein Kommentar
1 Kommentare
24.09.2019 17:19
93.dkel:
It would be interesting to hear an explination of "2% of instrumentalists, but 86% of singers are female" though.. I think these kinds of facts are really important to the 'debate' as they indicate a sway of the stats the other way in other areas.

I get that this is also hinting at the commercial side of the business and attitudes towards women in the business world but still the main things stated here at the start were about the number of musicians that were female. I think those two things are different things and one may just be a more natural difference.
― antworten
Ähnliche Artikel
Music Essay | verfasst 24.06.2019
Britischer Jazz
On The Hot Spot
Der Jazz auf den Britischen Inseln steckt 2019 im Generationenumbruch. Neue Talente von Manchester bis London revidieren festgefahrene Konventionen und loten selbstbewusst die Grenzen des Genres aus. Warum gerade jetzt?
Music Review | verfasst 22.03.2019
Kokoroko
Kokoroko
Die britische Jazzszene hat einiges zu bieten derzeit: so wie Kokoroko, ein achtköpfiges Ensemble um die Trompeterin Sheila Maurice-Grey.
Music Review | verfasst 28.10.2016
Nina Simone
A Very Rare Evening
37 Jahre nach der letzt Vinylveröffentlichung legt Tidal Waves Nina Simone’s »A Very Rare Evening« wieder auf.
Music Essay | verfasst 22.03.2018
Jazz aus Japan
Vom Importschlager zur Innovation
Gleich zwei neue Compilations widmen sich dem Jazz aus dem Land der aufgehenden Sonne. Dort musste das Genre einen langen Weg hinlegen, bevor es sich von seinen Vorbildern befreien und etwas Ur-eigenes schaffen konnte.
Music Liste | verfasst 03.07.2019
Polnischer Jazz
Eine Einführung in 10 Schallplatten
Die polnische Jazzszene gilt als eine der wichtigsten und kreativsten in Europa. Sie changiert heute zwischen oberflächlichen Konventionen und versteckten Brüchen. Eine kleine Spurensuche.
Music Interview | verfasst 10.05.2016
Gilles Peterson
»Das ist nicht bloß Musik für mich«
Gilles Peterson ist Sammler, DJ, Musiker und vor allem: Musikbotschafter in der ganzen Welt. Jetzt erscheint seine neue Zusammenstellung, Zeit mal mit ihm über die schönste Nebensache der Welt zu reden: Vinyl.
Music Interview | verfasst 25.05.2018
Kamaal Williams
Zurück zum rawen Shit
Gemeinsam mit Yussef Dayes veröffentlichte er vergangenes Jahr mit »Black Focus« einen Fan-Liebling. Jetzt ist Henry Wu aka Kamaal Williams solo zurück. Seine Musik ist von vielen Stilen inspiriert. Von nichts mehr aber als vom Glauben.
Music Porträt | verfasst 06.11.2015
Matthew Halsall
Mehr als ein Trompeter
Auf seinem nun fünften Album fordert Matthew Halsall sich neu heraus. Kein Wunder, schließlich hat er für seine Musik auch ein großes Ziel.
Music Porträt | verfasst 19.10.2018
Art Ensemble Of Chicago
Let's Push Things Forward
Seit 50 Jahren arbeitet sich das Art Ensemble Of Chicago am Jazz ab. Eines ihrer einflussreichsten Veröffentlichungen, »Les Stances a Sophie« aus dem Jahre 1970, wurde nun wiederveröffentlicht. Wir geben Einblick in eine unterschätzte Band.
Music Kolumne | verfasst 22.02.2013
Records Revisited
Ornette Coleman's The Shape Of Jazz To Come, 1959
»The Shape of Jazz to Come«, die dritte Veröffentlichung von Ornette Coleman, ist eines der einflussreichsten Werke der Jazzgeschichte. Sie wird dennoch zu selten gehört, zu selten gesamplet, zu selten erwähnt.
Music Kolumne | verfasst 22.06.2016
Records Revisited
John Coltrane - Giant Steps (1960)
Auf dem Weg vom Bebop zum Free Jazz. Das 1959 aufgenommene »Giant Steps« füllt eine Lücke in der Geschichte des Jazz und ist gleichzeitig ein Riesenschritt in der künstlerischen Entwicklung des Ausnahmemusikers John Coltrane.
Music Kolumne | verfasst 08.03.2013
Records Revisited
Gil Scott-Heron's Small Talk At 125th And Lenox, 1970
Als Gil Scott-Heron im Sommer 1970 auf Drängen des Produzenten Bob Thiele ein kleines New Yorker Studio betrat, war er Autor. Wenige Stunden später verließ er das Studio als Musiker.
Music Porträt | verfasst 12.11.2018
Charles Mingus
Wiederentdeckte Wut
Amir Abdullah staunte nicht schlecht, als ihm die Witwe von Jazz-Drummer Roy Brooks, Tonbänder eines Konzertes von Charles Mingus zeigte, das dieser 1973 in Detroit gegeben hatte. Es wurde Zeit für eine Wiederentdeckung.
Music Kolumne | verfasst 17.08.2019
Records Revisited
Miles Davis – Kind Of Blue (1959)
Fünfmal oder sechsmal habe er die Musik verändert. So sagte es Miles Davis einst selbst von sich. In diese Reihe der Veränderungen gehört »Kind Of Blue«. Warum die Platte bis heute nichts von ihrer Größe und Spiritualität verloren hat.
Music Porträt | verfasst 20.09.2019
Brownswood Recordings
Aufbruch & Umbruch
Brownswood ist die Keimzelle einer Szene, die gegen Genrekonventionen und einen rückwärtsgewandten Zeitgeist rebelliert. Entsprechend fächert DJ und Radiomoderator Gilles Peterson seinen Labelkatalog deutlich internationaler auf als andere.
Music Interview | verfasst 16.06.2020
Gary Bartz
»Wir sehen die Realität nicht mehr«
Der Grammy-prämierte Sopransaxophonist Gary Bartz stand mit Miles Davis, Art Blakey und Max Roach auf der Bühne. Jetzt hat er mit der britischen Band Maisha eine Platte aufgenommen – und Neues entdeckt.
Music Porträt | verfasst 14.05.2020
Muriel Grossmann
Abstraktion mit Blick aufs Meer
Die Saxofonistin Muriel Grossmann kommt auf den Balearen zur Abstraktion, reitet mit Hard Bop die Wellen und bringt sogar Milliardäre aus der Fassung. Wer ist die heimliche Pionierin des spirituellen Revivals?
Music Porträt | verfasst 07.07.2020
International Anthem Recordings
Die Suche nach dem Echten
Seit sechs Jahren liefert das Label International Anthem aus Chicago zuverlässig Jazz mit ganz eigener Attitüde. Wobei sich die Gründer fast jeder Zuschreibung verweigern. Für sie gilt: Der schönste Klang ist stets das Echte.
Music Porträt | verfasst 30.06.2020
We Jazz
Mit Betonung auf Wir
We Jazz, das steht für überraschenden Jazz aus dem Norden. Und noch mehr. Seit 2013 gibt es das Festival in Helsinki, seit 2016 das Label. Dort verlegt Matti Nives vorwiegend finnische Bands. Wir stellen euch das Label vor.
Music Essay | verfasst 09.07.2020
Baltic & Finnish Jazz
Grenzen ausbooten
Während Jazz von London bis L.A. eine neue Pop-Sensibilität entwickelt oder Fusion updatet, werden an den Ostseeküsten kühle Geschmacksrichtungen zwischen Nachwuchs und Nostalgie kultiviert. Weltoffen ist Jazz auch hier – und total eigen.
Music Essay | verfasst 19.11.2012
Tools Of War
Respect Where It All Began
Mit Tools Of War aus New York City gibt es seit Mitte der 1990er Jahre eine kleine Institution, die versucht, die Lücke zwischen legendärer Vergangenheit und Mainstream-Gegenwart zu schließen.
Film Essay | verfasst 22.07.2013
Spike Lee und das »New New York«
It's gotta be the shoes
Beinahe alle, die da in vorderster Front für das »New New York« im Hip Hop stehen, veröffentlichen in diesen Tagen Videos, die stärker denn je die Ästhetik Spike Lee‘s beschwören. Was hat es damit auf sich?, fragt unser Monthly Peak.
Music Essay | verfasst 20.01.2014
Monthly Peak
CALIFORNIA
Kalifornien ist ein Sehnsuchtsort und ein Prinzip; das Nadelöhr westlicher Unterhaltungsindustrie. In den dunkelsten Monaten des Jahres holen wir uns ein wenig Sonne ins Mag und machen California zu unserem ersten Monthly Peak.
Music Essay | verfasst 04.06.2019
Cool Japan
Warum japanische Musik ein Revival feiert (Teil 2)
Seit geraumer Zeit stehen Reissues japanischer Alben aus den Achtzigern hoch im Kurs. Warum, erforscht unsere zweiteilige Serie »Cool Japan Forever«. Teil zwei widmet sich dem experimentellen Sound der japanischen »Bubble Economy«.
Music Essay | verfasst 03.06.2019
Cool Japan
Warum japanische Musik ein Revival feiert (Teil 1)
Seit geraumer Zeit stehen Reissues japanischer Alben aus den 1980er Jahren hoch im Kurs. Warum, das erforscht unsere zweiteilige Serie »Cool Japan«. Wir fangen mit den Anfängen elektronischer Musik in Japan an.
Art Porträt
Vincent de Boer
Wie Jazz mit Pinseln
Der niederländische Künstler Vincent de Boer ist zu einem festen Bandmitglied der britischen Jazzer von Ill Considered avanciert. Er zeichnet Plattencover auf Basis der gehörten Grooves. Für »The Stroke« wurde der Prozess nun umgedreht.
Music Kolumne
Dinosaur Jr
Green Mind
Viele Rockbands nehmen zu Beginn der 1990er Jahre ihre bis dahin besten Alben auf. Auch Dinosaur Jr. Während die Band selbst bei den Aufnahmen bereits auseinanderbricht, strotzt ihr viertes Album »Green Mind« vor Kreativität.
Music Porträt
Phew
Ein Leben gegen den Strich
Punk mit Aunt Sally, Synth Pop mit Sakamoto und experimentelle Musik solo und mit anderen: Die japanische Musikerin Phew sucht seit über vier Jahrzehnten die Fehler in der Musik, weil sich darin nur deren Möglichkeiten offenbaren.
Music Porträt
Far Out Recordings
Im Epizentrum der Brazil-Welle
Joe Davis ist der Lokführer, auf dessen Zug Mitte der Neunziger eine ganze Generation Brazil-affiner Producer aufsprang. Mit seinem Label Far Out Recordings wurde er zum weltweiten Statthalter brasilianischer Musikkultur.
Music Kolumne
Records Revisited
Carole King – Tapestry (1971)
Carole King wollte nie Popstar werden, sondern nur Songs schreiben. Weil sie das aber konnte wie niemand sonst, wurde sie es dennoch – mit »Tapestry«, ihrem Debütalbum aus dem Februar 1971.
Music Interview
Audio88 & Yassin
Der bessere Diss
Auf das verflixte fünfte Album von Audio88 und Yassin mussten Fans verflixte fünf Jahre warten. Im Zuge des Weltgeschehens ist es kein Wunder, dass sie radikaler auftreten als je zuvor. Ein Interview anlässlich des neuen Albums »Todesliste«
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
Madlib – Sound Ancestors
»Das erste Madlib-Album, das wirklich als Album gehört werden kann«, sagte Four Tet. – Das ist doch Schwachsinn, sagen unsere Kolumnisten. Sie fragen sich: Hat Madlib hier nicht einfach gemacht, was er immer gemacht hat – und…will man das?
Music Kolumne
Records Revisited
Jan Jelinek – Loop-Finding-Jazz-Records (2001)
2001 hing Jan Jelinek das Ego an den Nagel und lud seinen Sampler mit Klängen von Jazz-Platten auf, um daraus Loops zu basteln. Die liefen aneinander vorbei und bildeten Moiré-Effekte. Davon lebt die Magie von »Loop-finding-jazz-records«.
Music Interview
The Notwist
»Es ist immer ein Zurückkommen«
The Notwist sind wieder da. Sieben Jahre haben sich die Brüder Markus und Michael Acher Zeit gelassen, mit Cico Beck einen Ersatz für Martin Gretschmann gefunden, und einen Klang gefunden, der universeller ist als je zuvor. Ein Interview.
Music Kolumne
Records Revisited
Brian Eno & David Byrne – My Life In The Bush Of Ghosts (1981)
Ethno-Sampling als Pop: Mit ihrem Album »My Life in the Bush of Ghosts« landeten Brian Eno und David Byrne 1981 einen Innovationshit. 40 Jahre später klingt das selbstverständlich. Dafür ergeben sich andere Schwierigkeiten mit dem Ansatz.
Music Interview
Common
»Befreiung fängt im Kopf an«
Sein neues Album trägt den Namen »A Beautiful Revolution Pt.1«, erschien bereits im Oktober digital und in diesen Tagen wird es nun auch auf Vinyl veröffentlicht. Wir nutzten die Gelegenheit mit dem Rapper aus Chicago zu sprechen.
Music Porträt
Zoviet France
Fiebertraum vom Ende
Keine Namen, keine Gesichter, keine Tradition: Zoviet France wollten als anonymes Kollektiv Anfang der Achtziger die Antithese zum orthodoxen Kunstverständnis formulieren – und wurden dabei zu Kultfiguren wider Willen. Bis heute.
Music Liste
Aigners Inventur
Januar & Februar 2021
Ist es Gott? Ist es Hesse? Ist es Domian? Nein, es ist zum Glück einfach nur der Aigner. Der hat die Gardinen seit Wochen maximalst zugezogen und schickt uns die erste Inventur des noch fast unbefleckten neuen Jahres aus dem Kabuff.
Music Liste
Aaron Frazer
10 All Time Favs
»Introducing« heißt das erste Soloalbum von Aaron Frazer. Als Schlagzeuger von Durand Jones & The Indications ist er aber längst kein unbekannter. Musikalisch geht’s in die Sechziger. Uns sagt er, was ihn wirklich musikalisch geprägt hat.
Music Porträt
On The Corner
Banger für das Hinterzimmer
Mit seinem Label On the Corner Records serviert Pete Buckenham einen berauschenden Eintopf aus afro-futuristischen Jazz-Konzepten und zeitgenössischen Street Grooves und stößt er heute bereits die Pforten zum Sounduniversum von morgen auf.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 50 Albums
Sprechen wir es aus: Musik ist in Gefahr, weil sie nicht gemeinsam erlebt werden kann und weil ihre Macher*innen sich seit Monaten in einer existenziellen Krise befinden. Auf Schallplatte gab es dennoch einiges zu hören, wie diese 50 Alben.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 20 12inches
Tanzen war 2020 nicht wirklich. Aber die Vinyl 12" war trotzdem ein begehrtes Format. Und zwar für Musik, die von einer Zeit nach der Katastrophe träumt. Hier sind unsere Top 20. Einen Bonus in Form einer Vinyl 7" gibt’s obendrauf.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 50 Reissues
Früher war alles besser, das reden wir uns schon seit geraumer Zeit ein und seit zehn, fünfzehn Jahren versucht uns die Reissue-Industrie in dieser zur Weltanschauung geronnenen Vermutung zu bestätigen. Hier sind die Top 50 Reissues 2020.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 20 Compilations
Werkeinstiege zu Beverly Glenn-Copeland und Sade, DJ-Mixe von etwa Helena Hauff und Avalon Emerson, Würdigungen, Geschichtslektionen: Die Compilations in 2020 brachten Schwung in das pandemisch und politisch kriselnde Jahr.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 20 Tapes
Das angebliche Tape-Revival ist schon alt genug, als dass seine Heraufbeschwörung durch wiederverwertungsgeile Feuilletons selbst bald ein Revival feiern könnte. Sei’s drum: Diese zwanzig Kassetten haben uns 2020 das Leben gerettet.
Music Porträt
The Silhouettes Project
Protest aus dem Underground
Kosher und Eerf Evil gründeten das Silhouettes Project, um dem Londoner Untergrund Struktur zu verleihen. Ihr selbstbetiteltes Album entstand in gemeinsamen Sessions der britischen Alternative-Rap-Szene.
Music Kolumne
Records Revisited
Coil – Musick to Play in the Dark (1999)
Magie als Klang, der lunare Energien ansammelt: Mit dem im Jahr 1999 veröffentlichten Album »Musick to Play in the Dark« schufen die Elektronik-Esoteriker Coil ihre größten Hymnen an die Nacht. Jetzt wurde es endlich neu veröffentlicht.
Music Porträt
Sault
Black is …
Sault sind die inoffizielle musikalische Stimme der Black Lives Matter Bewegung. Voll radiotauglichem Soul und Jazz, hinter dem die längst überfällige Revolution steht.
Music Kolumne
Aigners Inventur
November & Dezember 2020
Das Virus? Nah, unser furchtloser Kolumnist fürchtet nur eines hinter jeder Straßenecke: Clueso. Aigner schmeißt sich in fiktive Nachtbusse und bückt sich n zu den REWE-Spaghetti runter, weil die von Barilla wieder weggepreppt wurden.
Music Kolumne
Records Revisited
The Pharcyde – Labcabincalifornia (1995)
Pioniere im Andersdenken. Vor 25 Jahren wurden die überdrehten Klassenclowns von The Pharcyde auf ihrem zweiten Album »Labcabincalifornia« zu zynischen Antihelden. Daran trug auch ein damals unbekannter producer namens J Dilla Schuld.
Music Porträt
Tidal Waves
Die Welle reiten
Eine kräftige Welle hat schon so manchen Schatz an Land gespült. So gesehen passt der Name, denn das belgische Reissue-Label Tidal Waves sucht, findet und veröffentlicht verlorengeglaubte Perlen der Musikgeschichte.
Music Kolumne
Records Revisited
Four Tet – There Is Love in You (2010)
Als Four Tet Anfang 2010 das Album »There Is Love in You« veröffentlicht, muss er der Welt nichts mehr beweisen und setzt sich einem retromanischen und verbissenen Zeitgeist mit einem gerüttelt Maß Glückseligkeit entgegen.
Music Kolumne
Records Revisited
GZA – Liquid Swords (1995)
Vor 25 Jahren säbelte GZA sein erstes Solo-Album innerhalb des Wu-Tang-Universums raus, boxte im Schatten von Shaolin-Kriegern und machte seine Gegner mit Lines einen Kopf kürzer. Das Ergebnis nannte sich »Liquid Swords«.
Music Porträt
Mort Garson
Musik für Pflanzen und Menschen
Er war an über 900 Liedern beteiligt, erreichte Platz 1 der Billboard Charts, doch Mort Garsons heutiger Ruhm beruht auf einer Begegnung mit Bob Moog, den er überredete, ihm einen seiner Synthesizer zu überlassen. Eine Wiederentdeckung.
Music Kolumne
Records Revisited
Pet Shop Boys – Behaviour (1990)
»Behaviour« ist das Pet Shop Boys-Album schlechthin. Reflektierte Texte, die schon damals bewährten Hymnen-Melodien und Harold Faltermeyers analoge Produktion verschmolzen zu einem Klassiker, der keinen Staub ansetzen will.
Music Porträt
Dark Entries
Zwischen Disco, Goth und Porno-Soundtracks
Seit 2009 betreibt Josh Cheon sein Label für Undergroundiges aus den 1980er Jahren und solches, das es werden will. Nächstes Jahr wird er über 300 Schallplatten dort veröffentlicht haben. Wir stellen euch das Label aus San Francisco vor.
Music Interview
Makaya McCraven
»Ich grabe Sound aus«
Makaya McCraven ist einer der Jazzmusiker dieser Tage. Nicht nur seine Heimatstadt Chicago, sondern die ganze Welt scheint sich an dem freien Umgang mit dem Jazzerbe in seiner Musik zu inspirieren. Wir hatten die Chance zum Interview.
Music Liste
Record Store Day 2020 – 3rd Drop
12 Releases nach denen du Ausschau halten solltest
Am 24.10.2020 findet nun der dritte von drei Record Store Days in diesem Jahr statt. Dafür sind wiederum mehr als 120 exklusive Releases angekündigt. Wir haben daraus zwölf Schallplatten gepickt, die wir euch ans Herz legen wollen.
Music Porträt
Sade
Magie ohne Mysterium
Mit dem Box-Set »This Far« wird das Gesamtwerk von Sade neu veröffentlicht. Viel ist das nicht. Aber Sängerin Helen Folasade Adu ist nicht nicht nur der größte Superstar, der nie einer werden wollte – sondern singt nur, wenn sie es will.
Music Kolumne
Records Revisited
Godspeed You! Black Emperor – Lift Your Skinny Fists Like Antennas To Heaven (2000)
Das zweite Album des Projekts Godspeed You! Black Emperor ist ein Werk voller Widersprüche und Zweifel. Vor allem liefert es den Soundtrack zur Komplexität menschlicher Existenz im aufkeimenden Dogmatismus.
Music Porträt
Derya Yıldırım
Im Namen der Menschlichkeit
Für Derya Yıldırım ist Musik in erster Linie Ausdruck menschlicher Beziehungen. Mit der Grup Şimşek verbindet sie die Musik ihrer anatolischer Heimat mit unzähligen anderen Klängen und Melodien, die die Menschen erden.
Music Essay
A Journey Into Turkish Music
Gastarbeiter*innen Musik
Parallel zur Genese des Anadolu Pop entwickelt sich in der BRD eine virile Infrastruktur. Diese »Gastarbeitermusik« hat das öffentliche Bewusstsein stets nur gestreift. Der wirtschaftliche Austausch hätte ein kultureller sein können.
Music Essay
A Journey Into Turkish Music
Anadolu Pop
Altın Gün, Derya Yıldırım & Grup Şimşek oder Gaye Su Akyol: mehr und mehr Bands beziehen sich wieder auf den Sound des Anadolu Pop, der sich in den 1960er Jahren in der Türkei formierte. Aber ist es ein Revival? Wir klären auf.
Music Kolumne
Records Revisited
Mouse On Mars – Iaora Tahiti (1995)
Mit ihrem zweiten Album »Iaora Tahiti« haben Mouse On Mars schließlich den letzten überzeugt, dass schlaue Electronica in den Neunzigern durchaus auch aus good ol’ Germany kommen kann. In diesen Tagen wird das Album 25 Jahre alt.
Music Kolumne
Records Revisited
Radiohead – Kid A (2000)
Zwischen Bigotterie und Blasphemie liegt oft nur »Kid A«. Das vierte Album von Radiohead erschien am 2. Oktober 2000, tauschte Gitarren gegen Synthesizer – und begann mit einem Fehler.
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
Tolouse Low Trax – Jumping Dead Leafs
Der Mann, der einen Sound geprägt hat, ist zurück mit einem Langspieler. Die drei Männer, die nichts geprägt haben, sind zur Stelle, um sich über ihn zu unterhalten. Das ist natürlich eine tolle Sache.