Music Essay | verfasst 01.07.2019
Frauen des Jazz
We Insist Female
Frauen im Jazz sind noch immer keine Selbstverständlichkeit. Das muss sich ändern. Denn schon in der Vergangenheit haben Musikerinnen den Jazz maßgeblich geprägt und auch die Zukunft liegt in ihren Händen.
Text Lars Fleischmann
Soj_women_magazin_artikel_1024px_685px
Rubriken_sticker_detail_02

Ein Gespenst geht um im Jazz: Sein Name ist Gender Equality. Ende 2018 verabschiedete die UDJ (Union Deutscher Jazzmusiker – ohne Gendersternchen) eine »Gemeinsame Erklärung zur Gleichstellung von Frauen im Jazz«. Besser spät als nie, mag man da denken. Neben Forderungen zur genderneutralen Sprache, zur gerechten Verteilung von Funktionen und Ämtern und zu einer geschlechts-ausgeglichenen Pädagogik, stellt die Erklärung fest, dass auch heute einiges im Argen liegt: »Die Jazzszene ist in Deutschland nach wie vor maßgeblich von Männern geprägt. Frauen machen laut der Jazzstudie 2016 nur ein Fünftel der Jazzmusiker*innen in Deutschland aus. Bei der Verteilung auf die verschiedenen Instrumentengruppen fällt zudem auf, dass nur 12% der Instrumentalist*innen Frauen sind, dafür aber 86% der Sänger*innen.«

Unfassbare Verhältnisse, die da in Deutschland, aber auch im Rest der Welt herrschen. Institutionelle Ungleichbehandlung führt beispielsweise zu vier öffentlichrechtlichen Rundfunk-Big-Bands mit insgesamt zwei (!) Instrumentalistinnen. Das macht etwa 3% der Ensemble-Mitglieder. Es ist also Zeit für eine Jazzvariante des legendären Essays der Kunsthistorikerin Linda Nochlin, das 1971 unter dem Namen »Why Have There Been No Great Women Artists?« publiziert wurde. Hier untersucht Nochlin nicht die individuellen Hindernisse des Aufstiegs von Künstlerinnen, sondern die institutionellen. Grundlegend für eine Untersuchung dieser Art ist sicherlich auch eine Aufstellung der Musikerinnen, die »es geschafft haben«, die nationale oder internationale Aufmerksamkeit und Bedeutung erringen konnten.

Die Geschichte des Jazz ist nämlich keineswegs eine allein männlich-geprägte, wenngleich doch dominierte. Gerade für die frühen Jahre des Jazz ist die Faktenlage extrem dünn. Nur wenige Namen von weiblichen Künstlerinnen sind überliefert, was unter anderem daran liegt, dass viele Marching-Bands (aus denen sich dann die ersten Jazz-Kombos bildeten) eine »all-male-policy« hatten. Dennoch wird bei genauerer Betrachtung schnell klar, dass es trotz dessen auch weibliche Akteurinnen gab. Prominentes Beispiel ist sicherlich Lil Hardin Armstrong, die Ehefrau von Louis Armstrong, die als Part der Hot Five virtuos das Piano bespielte. Darüber hinaus gilt sie (laut ihrem Biographen) als eine der wichtigsten Akteur*innen hinter den Kulissen des New Orleans Jazz.

Die Geschichte des Jazz ist nämlich keineswegs eine allein männlich-geprägte, wenngleich doch dominierte.

Weitere bedeutende weibliche Figuren aus den Geburtsstunden des Jazz hat die Geschichtsschreibung dennoch vergessen. Selbst eine Lil Hardin Armstrong ist nur Menschen mit tieferen Kenntnissen bekannt – trotz aller zugeschriebener Bedeutung. Große Stars konnten erst die beiden Sängerinnen Ella Fitzgerald und Billie Holiday rund um das Jahr 1935 werden. Ein genauerer Blick lohnt sich dennoch. Während Blanche Calloway ab 1926 Bandleaderin (die erste vermutlich) von mehreren Swing-Formationen war, begann im gleichen Jahr die Karriere von Mary Lou Williams. Williams darf gerne als Wunderkind gelten. Schon mit drei lernte sie das Klavierspiel, mit sechs trat sie das erste Mal auf und mit 16 Jahren tourte sie erstmalig mit ihrem Mann »Bearcat« Williams. Doch beinah wäre es nicht so weit gekommen, da es den anderen Mitgliedern der Vaudeville-Gruppe Syncopaters falsch, gar Unrecht, erschien, dass eine Frau in der Band spiele. »Musik ist Handwerk! Und Handwerk ist männlich!« Ausschlaggebendes Argument für ihre Anstellung – so die Legende – soll ihr harter, sehr männlicher Tastenanschlag gewesen sein. Bis zu ihrem Tod 1981 komponierte sie nicht nur über 300 Stücke (interpretiert von allen Größen der Jazz-Geschichte), sondern gilt auch als »Mutter des Be-Bop«, da sie viele Künstler in Harlem in den 1940er und 1950er Jahren – auch finanziell – unterstützte.

Kommen wir dennoch zurück zu den beiden vorgenannten Grand Dames, Fitzgerald und Holiday. 1935 suchte Drummer und Komponist Chick Webb nach einer Sängerin und entdeckte die 17jährige Ella Fitzgerald bei einem Talentwettbewerb in New York. Eine unvergleichliche Karriere begann, mit Würdigungen auf allen Ebenen. Sie gilt als eine der Erfinder*innen des Scatgesangs und improvisierte über bekannte und bestehende Lieder, was viele ihrer Interpretationen zu Referenzen werden ließ und noch heute – von Beyoncé bis Fatima – vielen Sängerinnen als Vorbild gilt. Während Fitzgerald mit ihrer jugendlichen und dezenten Art als »Streberin« gelten könnte, darf Billie Holiday als »troublemaker« bezeichnet werden. Derweil sollte man Vorsicht mit dem Begriff walten lassen, denn ihre Kindheit war »nicht einfach«, wie man sagt, wenn man nicht aussprechen möchte, dass sie von Armut, Vergewaltigungen und Prostitution geprägt war. Um das alles hinter sich zu lassen, begann sie inspiriert von Bessie Smith (noch so eine Künstlerin; genannt: The Empress of Blues) zu singen. Ihr eigenwilliger Stil, der nicht etwa trotz, sondern gerade wegen seiner naiven, ungeübten Art und der gering geschulten Stimme, etwas ganz Besonderes war, verhalf ihr schnell zu Ruhm. Was Billie Holiday an Ausbildung vermissen ließ, machte sie mit Soul, Einsatz und – man könnte es so nennen – dem inhärenten Schmerz des Lebens wieder wett. Diesen Schmerz versuchte sie zeitlebens mit Alkohol und Heroin zu betäuben, was erwartungsgemäß scheiterte und erst die Stimme zerstörte und schon bald zum Tode im Jahr 1959 führte. Derweil beeinflusste sie nicht nur Janis Joplin, sondern auch Nina Simone. Nicht nur politisch aktiv in der Bürgerrechtsbewegung, sondern auch als Sängerin und Pianistin anerkannt, ist Simone heute eine der bekanntesten Künstlerinnen ihrer Zeit. Das war derweil nicht immer so. Erst in den Neunzigern errang sie ihren Weltruhm, bis dahin galt sie vielen (weißen) Männern in den Vorstandetagen als zu eigenwillig, dickköpfig und schwierig. Schon früh orientierte sich Nina Simone weg von den USA, raus in die weite Welt, nach Frankreich und auch Afrika. Hier wurde sie gefeiert, verehrt und geehrt.

Hier zeigt sich das Ungleichgewicht, dass es an »Stimmen« (meint selbstverständlich Vokalistinnen) nicht mangelte, die Instrumentalistinnen aber Mangelware sind. Zwei bekannte Ausnahmen einigten sich, oberflächlich betrachtet, »ausgerechnet« auf das eine, gleiche Instrument: Die Harfe. Sowohl Dorothy Ashby als auch Alice Coltrane nahmen sich des klassischen, europäischen und »weißen« Instruments an. Erstaunen sollte das nicht, da die hergebrachten Jazz-Instrumente (von Trompete bis Schlagwerk), und damit auch Positionen in Bands, meist Männern vorbehalten blieben. Für Alice Coltrane gilt dies gleichsam nur bedingt; sie genoss eine Ausbildung am Jazz-Piano und gerade ihre späteren Werke (viele unter dem spirituellen Namen Turyasangitananda veröffentlicht) sind von Orgel und E-Orgel-Sounds geprägt. Dorothy Ashby hingegen hatte eine verlässliche Beziehung zur Harfe und spezialisierte sich in einem Maße, dass sie bis heute als bedeutenste Harfenist*in des Modern Jazz gelten muss.

Die neue Generationen von Frauen im Jazz sind Teil einer Szene, die sich weitestgehend von männlichem Dominanzgehabe verabschiedet hat.

Dieser kurze geschichtliche Abriss hat nur einige wenige musikalische Positionen aufzeigen können. Interessanterweise waren dennoch alle afro-amerikanisch. In den USA galt Jazz noch lange als Schmuddelkind, das gerade von »weißen« Amerikaner*innen gemieden wurde. Das sollte sich erst mit Fusion- und Smooth-Jazz Ende der 1970er Jahre wirklich ändern. In Europa sah dies bekanntermaßen anders aus. Hier konnten Musikerinnen wie Irène Schweizer, die am Piano (zusätzlich am Schlagzeug) die aufstrebende Free-Jazz-Bewegung schon ab den frühen 1960er Jahren prägte, Joëlle Léandre am Kontrabass und Maggie Nichols als Vokalistin führende Rollen einnehmen. Vor allen Dingen als Mitglieder der Feminist Improvising Group, die sich Ende der 1970er Jahre bildete, konnte feministische Kritik an den patriachalen Strukturen im Allgemeinen und im Jazz im Speziellen mit musikalisch-kultureller Äußerung verbunden werden.

Doch wie sieht es heute aus, muss an dieser Stelle gefragt werden. Gerade aus der derzeitigen Jazz-Hochburg London kommen viele Musikerinnen, die in den letzter Zeit Aufsehen erregt haben. Seien es die Tenorsaxophonistin Nubya Garcia, die Trompeterin und Kokoroko-Bandleaderin Sheila Maurice-Grey , die Gitarristin Shirley Tetteh (alle drei sind auch Mitglieder bei Nèrija) oder die Trompeterin und Flügelhornistin Yazz Ahmed; alle eint, dass sie nicht nur als hervorragende Musikerinnen und Instrumentalistinnen auftreten, sondern neben ihrer weiblichen Position auch ihre interkulturelle, migrantische Identität ins Jazz-Spiel einbringen. Afro-Atlantisch, Arabisch oder Nigerianisch UND weiblich – beides wird mit Stolz vertreten. Sie sind gleichsam Kinder einer (Ost-)Londoner-Szene, die sich weitestgehend von männlichem Dominanzgehabe verabschiedet hat.

Doch auch auf dem europäischen Festland passiert so einiges: die beiden Österreicherinnen Muriel Grossmann und Katharina Ernst sind nur zwei der Künstlerinnen, die man nennen muss. Während Grossmann als Tenorsaxophonistin im Be-Bop und Hard-Bop eines John Coltrane schon etliches Echo hervorgerufen hat, steht Ernst als Solo-Schlagzeugerin für einen unakademischen Avantgarde-Sound, der gekonnt elektroakustische Einflüsse und Jazz verbindet. Das kann natürlich nicht mehr als ein kleiner Einblick in die Geschichte des Jazz aus »weiblicher Perspektive« sein, dennoch können bei näherer Betrachtung etliche strukturelle Hindernisse erkannt und benannt werden, die dafür sorgten und sorgen, dass Jazzmusikerinnen (vor allen Dingen Instrumentalistinnen) bis heute weder den (vermeintlichen) Impact besitzen, noch im selben Maße wie ihre männlichen Kollegen aus monetären Mitteln zehren können. Die Forderungen der UDJ können dementsprechend nur als Mindestforderungen ausgelegt werden; das bringt derweil den »Müttern« des Jazz heute wenig. Eine Beschäftigung mit ihrem Werk sollte aber für jede*n Jazz-Einsteiger*in ein Muss darstellen.


Frauen des Jazz findest du im Webshop bei HHV Records

Dein Kommentar
1 Kommentare
24.09.2019 17:19
93.dkel:
It would be interesting to hear an explination of "2% of instrumentalists, but 86% of singers are female" though.. I think these kinds of facts are really important to the 'debate' as they indicate a sway of the stats the other way in other areas.

I get that this is also hinting at the commercial side of the business and attitudes towards women in the business world but still the main things stated here at the start were about the number of musicians that were female. I think those two things are different things and one may just be a more natural difference.
― antworten
Ähnliche Artikel
Music Essay | verfasst 24.06.2019
Britischer Jazz
On The Hot Spot
Der Jazz auf den Britischen Inseln steckt 2019 im Generationenumbruch. Neue Talente von Manchester bis London revidieren festgefahrene Konventionen und loten selbstbewusst die Grenzen des Genres aus. Warum gerade jetzt?
Music Review | verfasst 22.03.2019
Kokoroko
Kokoroko
Die britische Jazzszene hat einiges zu bieten derzeit: so wie Kokoroko, ein achtköpfiges Ensemble um die Trompeterin Sheila Maurice-Grey.
Music Review | verfasst 28.10.2016
Nina Simone
A Very Rare Evening
37 Jahre nach der letzt Vinylveröffentlichung legt Tidal Waves Nina Simone’s »A Very Rare Evening« wieder auf.
Music Essay | verfasst 22.03.2018
Jazz aus Japan
Vom Importschlager zur Innovation
Gleich zwei neue Compilations widmen sich dem Jazz aus dem Land der aufgehenden Sonne. Dort musste das Genre einen langen Weg hinlegen, bevor es sich von seinen Vorbildern befreien und etwas Ur-eigenes schaffen konnte.
Music Liste | verfasst 03.07.2019
Polnischer Jazz
Eine Einführung in 10 Schallplatten
Die polnische Jazzszene gilt als eine der wichtigsten und kreativsten in Europa. Sie changiert heute zwischen oberflächlichen Konventionen und versteckten Brüchen. Eine kleine Spurensuche.
Music Interview | verfasst 10.05.2016
Gilles Peterson
»Das ist nicht bloß Musik für mich«
Gilles Peterson ist Sammler, DJ, Musiker und vor allem: Musikbotschafter in der ganzen Welt. Jetzt erscheint seine neue Zusammenstellung, Zeit mal mit ihm über die schönste Nebensache der Welt zu reden: Vinyl.
Music Interview | verfasst 25.05.2018
Kamaal Williams
Zurück zum rawen Shit
Gemeinsam mit Yussef Dayes veröffentlichte er vergangenes Jahr mit »Black Focus« einen Fan-Liebling. Jetzt ist Henry Wu aka Kamaal Williams solo zurück. Seine Musik ist von vielen Stilen inspiriert. Von nichts mehr aber als vom Glauben.
Music Porträt | verfasst 06.11.2015
Matthew Halsall
Mehr als ein Trompeter
Auf seinem nun fünften Album fordert Matthew Halsall sich neu heraus. Kein Wunder, schließlich hat er für seine Musik auch ein großes Ziel.
Music Porträt | verfasst 19.10.2018
Art Ensemble Of Chicago
Let's Push Things Forward
Seit 50 Jahren arbeitet sich das Art Ensemble Of Chicago am Jazz ab. Eines ihrer einflussreichsten Veröffentlichungen, »Les Stances a Sophie« aus dem Jahre 1970, wurde nun wiederveröffentlicht. Wir geben Einblick in eine unterschätzte Band.
Music Kolumne | verfasst 22.02.2013
Records Revisited
Ornette Coleman's The Shape Of Jazz To Come, 1959
»The Shape of Jazz to Come«, die dritte Veröffentlichung von Ornette Coleman, ist eines der einflussreichsten Werke der Jazzgeschichte. Sie wird dennoch zu selten gehört, zu selten gesamplet, zu selten erwähnt.
Music Kolumne | verfasst 22.06.2016
Records Revisited
John Coltrane - Giant Steps (1960)
Auf dem Weg vom Bebop zum Free Jazz. Das 1959 aufgenommene »Giant Steps« füllt eine Lücke in der Geschichte des Jazz und ist gleichzeitig ein Riesenschritt in der künstlerischen Entwicklung des Ausnahmemusikers John Coltrane.
Music Kolumne | verfasst 08.03.2013
Records Revisited
Gil Scott-Heron's Small Talk At 125th And Lenox, 1970
Als Gil Scott-Heron im Sommer 1970 auf Drängen des Produzenten Bob Thiele ein kleines New Yorker Studio betrat, war er Autor. Wenige Stunden später verließ er das Studio als Musiker.
Music Porträt | verfasst 12.11.2018
Charles Mingus
Wiederentdeckte Wut
Amir Abdullah staunte nicht schlecht, als ihm die Witwe von Jazz-Drummer Roy Brooks, Tonbänder eines Konzertes von Charles Mingus zeigte, das dieser 1973 in Detroit gegeben hatte. Es wurde Zeit für eine Wiederentdeckung.
Music Kolumne | verfasst 17.08.2019
Records Revisited
Miles Davis – Kind Of Blue (1959)
Fünfmal oder sechsmal habe er die Musik verändert. So sagte es Miles Davis einst selbst von sich. In diese Reihe der Veränderungen gehört »Kind Of Blue«. Warum die Platte bis heute nichts von ihrer Größe und Spiritualität verloren hat.
Music Porträt | verfasst 20.09.2019
Brownswood Recordings
Aufbruch & Umbruch
Brownswood ist die Keimzelle einer Szene, die gegen Genrekonventionen und einen rückwärtsgewandten Zeitgeist rebelliert. Entsprechend fächert DJ und Radiomoderator Gilles Peterson seinen Labelkatalog deutlich internationaler auf als andere.
Music Interview | verfasst 16.06.2020
Gary Bartz
»Wir sehen die Realität nicht mehr«
Der Grammy-prämierte Sopransaxophonist Gary Bartz stand mit Miles Davis, Art Blakey und Max Roach auf der Bühne. Jetzt hat er mit der britischen Band Maisha eine Platte aufgenommen – und Neues entdeckt.
Music Porträt | verfasst 14.05.2020
Muriel Grossmann
Abstraktion mit Blick aufs Meer
Die Saxofonistin Muriel Grossmann kommt auf den Balearen zur Abstraktion, reitet mit Hard Bop die Wellen und bringt sogar Milliardäre aus der Fassung. Wer ist die heimliche Pionierin des spirituellen Revivals?
Music Porträt | verfasst 07.07.2020
International Anthem Recordings
Die Suche nach dem Echten
Seit sechs Jahren liefert das Label International Anthem aus Chicago zuverlässig Jazz mit ganz eigener Attitüde. Wobei sich die Gründer fast jeder Zuschreibung verweigern. Für sie gilt: Der schönste Klang ist stets das Echte.
Music Porträt | verfasst 30.06.2020
We Jazz
Mit Betonung auf Wir
We Jazz, das steht für überraschenden Jazz aus dem Norden. Und noch mehr. Seit 2013 gibt es das Festival in Helsinki, seit 2016 das Label. Dort verlegt Matti Nives vorwiegend finnische Bands. Wir stellen euch das Label vor.
Music Essay | verfasst 19.11.2012
Tools Of War
Respect Where It All Began
Mit Tools Of War aus New York City gibt es seit Mitte der 1990er Jahre eine kleine Institution, die versucht, die Lücke zwischen legendärer Vergangenheit und Mainstream-Gegenwart zu schließen.
Film Essay | verfasst 22.07.2013
Spike Lee und das »New New York«
It's gotta be the shoes
Beinahe alle, die da in vorderster Front für das »New New York« im Hip Hop stehen, veröffentlichen in diesen Tagen Videos, die stärker denn je die Ästhetik Spike Lee‘s beschwören. Was hat es damit auf sich?, fragt unser Monthly Peak.
Music Essay | verfasst 20.01.2014
Monthly Peak
CALIFORNIA
Kalifornien ist ein Sehnsuchtsort und ein Prinzip; das Nadelöhr westlicher Unterhaltungsindustrie. In den dunkelsten Monaten des Jahres holen wir uns ein wenig Sonne ins Mag und machen California zu unserem ersten Monthly Peak.
Music Essay | verfasst 04.06.2019
Cool Japan
Warum japanische Musik ein Revival feiert (Teil 2)
Seit geraumer Zeit stehen Reissues japanischer Alben aus den Achtzigern hoch im Kurs. Warum, erforscht unsere zweiteilige Serie »Cool Japan Forever«. Teil zwei widmet sich dem experimentellen Sound der japanischen »Bubble Economy«.
Music Essay | verfasst 03.06.2019
Cool Japan
Warum japanische Musik ein Revival feiert (Teil 1)
Seit geraumer Zeit stehen Reissues japanischer Alben aus den 1980er Jahren hoch im Kurs. Warum, das erforscht unsere zweiteilige Serie »Cool Japan«. Wir fangen mit den Anfängen elektronischer Musik in Japan an.
Music Interview | verfasst 12.06.2015
Sylabil Spill & Ghanaian Stallion
»Rap ist immer Ventil«
Alles ist ein Duell. Sylabil Spill fechtet sie im 1vs1 mit Whack-MCs und auf einer Metaebene mit der Gesellschaft aus. Jetzt hat er gleich zwei neue EPs veröffentlicht. Eine davon mit Ghanaian Stallion. Wir trafen das Duo zum Gespräch.
Music Porträt
International Anthem Recordings
Die Suche nach dem Echten
Seit sechs Jahren liefert das Label International Anthem aus Chicago zuverlässig Jazz mit ganz eigener Attitüde. Wobei sich die Gründer fast jeder Zuschreibung verweigern. Für sie gilt: Der schönste Klang ist stets das Echte.
Music Liste
Halbjahresrückblick 2020
50 best Vinyl Records so far
Wahrscheinlich wird man in 40 Jahren zwei Fragen beantworten müssen: Was man 2020 selbst gegen das Leid und die Ungerechtigkeit getan und welche Platten man gehört hat. Bei der Beantwortung der zweiten Frage, können wir behilflich sein.
Music Porträt
We Jazz
Mit Betonung auf Wir
We Jazz, das steht für überraschenden Jazz aus dem Norden. Und noch mehr. Seit 2013 gibt es das Festival in Helsinki, seit 2016 das Label. Dort verlegt Matti Nives vorwiegend finnische Bands. Wir stellen euch das Label vor.
Music Porträt
Roy Ayers
Vibrationen zum Wohlfühlen
Er zählt zu den meistgesampelten Musikern der Gegenwart. Mit Songs wie »Everybody Loves The Sunshine« wurde Roy Ayers, der im September seinen 80. Geburtstag feiert, zur Legende. Auf Jazz Is Dead sind nun neue Songs von ihm erschienen.
Music Porträt
Sven Wunder
Wer bin ich?
Es kursieren gerade zwei Alben, die Liebhabern des Rare Groove Freudentränen in die Augen treiben. Das eine, »Doğu Çiçekleri«, spricht seine musikalische Sprache mit türkischen Akzent, »Wabi Sabi« mit japanischem. Doch wer ist Sven Wunder?
Music Kolumne
Records Revisited
Prefab Sprout – Steve McQueen (1985)
Eigentlich wollte Paddy McAloon Priester werden, Menschen von den Worten Gottes berichten. Stattdessen gründete er eine Band. 1985 veröffentlichten Prefab Sprout »Steve McQueen«, das wahrscheinlich schönste Popalbum der Achtziger Jahre.
Music Porträt
upsammy
Das Kleine im Großen
Die Niederländerin Thessa Torsing hat unter dem Pseudonym upsammy in den letzten Jahren die gefragtesten Dancefloors bespielt. Aber auch ihre eigenen Soundproduktionen haben über transkontinentale Wege hinaus Gehör gefunden.
Music Interview
Gary Bartz
»Wir sehen die Realität nicht mehr«
Der Grammy-prämierte Sopransaxophonist Gary Bartz stand mit Miles Davis, Art Blakey und Max Roach auf der Bühne. Jetzt hat er mit der britischen Band Maisha eine Platte aufgenommen – und Neues entdeckt.
Music Kolumne
Records Revisited
Quasimoto – The Unseen (2000)
Vor zwanzig Jahren schloss sich Madlib in den Keller von Peanut Butter Wolf ein und kam als gelbes Alien mit Schweineschnauze raus. Lord Quas war geboren und »The Unseen« hat das Character Design im Hip-Hop auf eine neue Stufe gehoben.
Music Porträt
Dekmantel
Unendliche Ferien
Seit über zehn Jahren löst Dekmantel aus Amsterdam als Label, Festival und Veranstalter die Quadratur des Kreises: Innovation und Untergrund mit Qualität zu verbinden. Ein Ende? Auch in Krisenzeiten nicht in Sicht.
Music Liste
Rafael Anton Irisarri
10 All Time Favs
Ambient? Vielleicht. Aber mit Splittern von Metal, Neo-Klassik und anderem. Rafael Anton Irisarri malt mit dickem Pinselstrich überwältigende Klanggemälde. Für uns hat der US-amerikanische Komponist seine Einflüsse offengelegt.
Music Interview
Eloquent & Knowsum
Jaylib auf LSD
Eloquent und Knowsum, das ist eine Liason, die sich angedeutet hat. »JLALSD« heißt das gemeinsame Album. Das Akronym steht für Jaylib auf LSD. Wir sprachen mit beiden über ihre Zusammenarbeit, »Champion Sound« und das Streben nach Glück.
Music Porträt
Motohiko Hamase
Gemeinsam mit der Welt allein
Motohiko Hamase beendete seine Karriere in der Jazz-Szene Japans so schnell, wie sie begonnen hat. In einem Zeitraum von knapp einem Jahrzehnt veröffentlichte er fünf Alben mit ausgesprochen wundersamer Musik. Ein Porträt.
Music Porträt
Kaitlyn Aurelia Smith
Freundlichkeit durch Klang verbreiten
Ihre Musik ist wie ein langer, ruhiger Fluss aus Strom: Kaitlyn Aurelia Smith macht mit Synthesizern und Stimme Musik, die mehr auf Entspannung als auf Anspannung setzt. Ihr neues Album erweitert diesen Weg durch Körperbewegungen.
Music Porträt
Muriel Grossmann
Abstraktion mit Blick aufs Meer
Die Saxofonistin Muriel Grossmann kommt auf den Balearen zur Abstraktion, reitet mit Hard Bop die Wellen und bringt sogar Milliardäre aus der Fassung. Wer ist die heimliche Pionierin des spirituellen Revivals?
Music Porträt
Roza Terenzi
Rave in der Zeitkapsel
Roza Terenzi stellt die Dance-Vergangenheit auf den Kopf und bürstet mit Jungle-Breaks und Eso-Techno drüber. Auf ihrem Debütalbum »Modern Bliss« landet sie endlich in der Zukunft.
Music Kolumne
Aigners Inventur
Mai & Juni 2020
Befreit sich von kaukasischer Clumsiness, hat Tiktok verstanden, züchtet Sauerteig und checkt’s einfach: Aigners Inventur im Lockdown. Verstörender Scheiß für verstörende Zeiten.
Music Porträt
Soviet Grail
Kollektives Gedächtnis
Zwischen Jazz-Experimenten, elektronischem Sowjetbrutalismus und psychdedlischem Underground gräbt Sergey Klimov nach Schätzen, für die Musiker im Gefängnis landeten. Mit Soviet Grail begibt er sich in die sowjetische Musikvergangenheit.
Music Liste
ADULT.
10 All Time Favs
Seit mehr als 20 Jahren machen ADULT. nun Musik. Und sie haben noch immer keinen Bock auf simple Zuschreibungen, Sonnenlicht, Selbsttäuschungen. Dafür hatten sie Bock uns Schallplatten zu nennen, die sie geformt, gebessert, gebildet haben.
Music Interview
Quelle Chris
Das Chaos akzeptieren
Er ist der produktivste Sonderling des Rap-Undergrounds. Und er hat einen Lauf. Mit »Innocent Country 2« macht Quelle Chris dort weiter, wo er mit »Guns« aufgehört hat – und begegnet der Hoffnungslosigkeit mit positiver Angst.
Music Liste
Peaking Lights
10 All Time Favs
In diesen Tagen erscheint auf Dekmantel das neue Album »E S C A P E« der Peaking Lights. Wir hatten die Gelegenheit Aaron Coyes und Indra Dunis nach 10 Schallplatten zu fragen, die sie geformt, gebessert und gebildet haben.
Music Kolumne
Records Revisited
Mobb Deep – The Infamous (1995)
1995 zieht sich Hip-Hop die Kapuze ins Gesicht – Mobb Deep bringen mit »The Infamous« den Hardcore nach New York City und zerschießen die Szene ohne Hoffnung auf ein Morgen.
Music Kolumne
Records Revisited
Hiroshi Yoshimura – Green (1986)
»Green« von Hiroshi Yoshimura ist ein Meilenstein der japanischen »kankyō ongaku«. Besser gesagt ein Meilenstein des Ambient überhaupt: Kein anderes Album legte dermaßen schonungslos offen, dass es sich bei ihm um eine Simulation handelte.
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
Yves Tumor – Heaven To A Tortured Mind
Zuerst war die Euphorie groß: Yves Tumor bringt eine neue Schallplatte raus! Dann stellte sich Ernüchterung ein. Was tun als Fan, wenn der neue Release eines geliebten Musikers enttäuscht? Nur eine Frage in der neuen Vinyl-Sprechstunde.
Music Kolumne
Records Revisited
Nightmares On Wax – Smokers Delight (1995)
Hip-Hop ohne Rap: Mit »Smoker’s Delight« brach für Nightmares On Wax eine neue Ära an. Zum Soloprojekt von George Evelyn mutiert, war das zweite Album der Bleep-Pioniere der Auftakt für geloopte Entspannungspolitik mit Langzeitwirkung.
Music Porträt
Patricia Kokett
Teil seiner eigenen Bewegung
Patricia Kokett vermischt Rave mit Mystizismus, futuristischen Industrial mit schamanistischem Rauschen. Der Litauer Gediminas Jakubka, der sich auf der Bühne in Patricia verwandelt, balanciert zwischen Grenzen. Ein Orientierungsversuch.
Music Liste
Jeff Parker
10 All Time Favs
Jeff Parker ist kein Neuling. Und dennoch meint man, er starte gerade erst durch. Jetzt ist sein Album »Suite for Max Brown« erschienen. Also haben wir ihn gebeten 10 Schallplatten zu nennen, die ihn geformt, gebessert und gebildet haben.
Music Kolumne
Records Revisited
Miles Davis – Bitches Brew (1970)
Raus aus dem Jazzkeller, rauf auf die Rockbühnen – mit »Bitches Brew« wurde Miles Davis zu »Electric Miles« und braute den psychedelischen Trunk für alle, die nicht wussten, dass sie Jazz geil finden.
Music Kolumne
Records Revisited
Ol Dirty Bastard – Return To The 36 Chambers (1995)
1993 begann eine Erfolgsgeschichte. Mit »Enter The Wu-Tang (36 Chambers)« produzierte der Wu-Tang Clan einen Meilenstein und nachfolgend zahlreiche Klassiker des Genres. Darunter: »Return To The 36 Chambers« von Ol‘ Dirty Bastard.
Music Kolumne
Records Revisited
Depeche Mode – Violator (1990)
Das siebente Studioalbum von Depeche Mode ist die perfekte Verbindung von Experiment und Pop, Elektronik und Rock. Eigentlich hätte es aber auch ganz anders ausgehen können.
Music Kolumne
Aigners Inventur
März & April 2020
Boomer vermissen hier die neue Ozzy Ozzbourne, Fintec-Heinis finden eine Antwort auf die Frage nach ihrer Seele: Aigners Inventur im März Mit dem ersten essentiellen Album des neuen Jahrzehnts und einer überraschenden Enttäuschung
Music Porträt
Kalahari Oyster Cult
Die beste aller Welten
Im Morast nach Perlen tauchen, Rave-Klassiker aus den 90ern aufstöbern und mit Menschen zusammenarbeiten, denen es nicht darauf ankommt, ob sie in den Beatport-Charts landet: Colin Volverts Kalahari Oyster Cult mischt den Underground auf.
Music Liste
Malcolm Catto of The Heliocentrics
10 All Time Favs
Soeben haben The Heliocentrics »Infinity Of Now« veröffentlicht. Das Album hat das Zeug zukünftige Musiker zu inspirieren. Malcolm Catto hat uns aber erstmal die Schallplatten verraten, die ihn geformt, gebessert und gebildet haben.
Music Kolumne
Records Revisited
Tricky – Maxinquaye (1995)
Trickys Debütalbum »Maxinquaye« mit der Sängerin Martina Topley-Bird und dem Produzenten Mark Saunders ist ein Werk der verwischten Grenzen. Urheberrechte gelten hier genauso wenig wie Gender und Individuum.
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
Beatrice Dillon – Workaround
Auf PAN hat Beatrice Dillon ihr neues Album »Workaround« veröffentlicht. Florian Aigner, Philipp Kunze und Kristoffer Cornils unterhalten sich darüber. Und fragen sich: ist da ein Groove? Ist da ein Konzept? Sie werden sich nicht einigen.
Music Porträt
Mad About Records
Sündhaft sommerlich
Der Portugiese Joaquim Paulo kümmert sich mit seinem Label Mad About um die wirklich schwer zu findenden Schallplatten von Jazz bis Bossa Nova. Mit Erfolg. Wir stellen dir das Label ausführlich vor.
Music Kolumne
Aigners Inventur
Januar & Februar 2020
Der Rap Game Berti Vogts hat es ins neue Jahrzehnt geschafft. Angemessen woke und tiefmüde zugleich startet unser Kolumnist Aigner in 2020 und zieht Alben von Stormzy, Ramzi und Bufiman in Mitleidenschaft.
Music Liste
Sepalot
10 All Time Favs
Wir fragen Musiker nach 10 Schallplatten, durch die sie geformt, gebessert und gebildet wurden und bitten sie diese Auswahl zu kommentieren. Diesmal nimmt sich Sepalot der Aufgabe an.
Music Kolumne
Records Revisited
D'Angelo – Voodoo (2000)
Die Rückkehr des Unperfekten brauchte mehrere Jahre. Was sich lohnte. Denn »Voodoo« von D’Angelo brachte vor 20 Jahren die Wärme und den Groove des Soul zurück. Eine Geschichte über Mythen, Seele und eines der merkwürdigsten Musikvideos.
Music Porträt
Blackest Ever Black
Suche nach Entfremdung
Unter Connaisseuren abgefuckter Klänge wurde Blackest Ever Black geschätzt wie kein zweites. Ende des Jahres 2019 war plötzlich Schluss. Wir blicken zurück auf ein Label, das musikalisch die 2010er Jahre bestimmte wie nur wenige andere.
Music Interview
Kinderzimmer Productions
»Wer kennt noch Jenny Elvers?«
Kinderzimmer Productions beackerten im Deutschrap schon immer die Ränder. Ihre Samples waren ausgefuchster, ihre Anspielungen cleverer, ihr Anspruch war es, originell zu sein. Nach 13 Jahren Pause sind die Ulmer nun zurück Ein Interview.