Music Kolumne | verfasst 04.09.2019
Aigners Inventur
September & Oktober 2019
Unser Kolumnist hat es aus dem Sommerloch geschafft. Kann man einem zutrauen, der nicht im von Knicklicht ausgeleuchteten Vorhof der Myspace-Hölle verendet ist. Aigners Inventur oder: Apocalpyse Now für Salon-Des-Amateurs-Schamanen.
Text Florian Aigner

Benny The butcher the plugsWebshop ► LP Hatte ich an dieser Stelle vor zwei Monaten noch gemutmaßt Freddie Gibbs & Madlib könnten das beste Rapalbum des Jahres gemacht haben, muss man im September in diesem Zusammenhang auch über Maxo Kream und Young Thug reden. Also müsste man, wenn die beiden Herren ihre Platten physisch veröffentlicht hätten. So sitzen wir hier jetzt nur auf einer neuen LP von Benny The Butcher, die definitiv nicht das Rapalbum des Jahres ist, aber bei diesem ganzen neoklassizistischen Griselda-Movement (inklusive Scarface Artwork) auch mal ein paar alte Herren zu Wort kommen lässt.
 

your old droog it wasnt even closeWebshop ► 2LP | CD Auch Your Old Droog schemed im Windschatten von Mach Hommy, der auf »It Wasn’t Even Close« direkt die loopgeschulte Produktion übernimmt. Natürlich rappt hier auch der Consigliere der hyperpointierten Lakonie, Roc Marciano I. und wäre jener nicht so verdammt gut in dem, was er tut, hätte ich mir bereits mindestens drei Your Old Droog Playlists gebaut.
 

i jahbar soundclashWebshop ► Tape Über Bokeh und Duppy Gun erschien vor einigen Monaten mit »Seh Dem Bad« bereits der bösartigste Dancehall Track des Jahres, nun legt die London-LA-Achse mit einem Tape von I Jahbar nach, bei dem man sich zwar nicht nach jeder Line instinktiv duckt, aber dennoch respektvoll jordanshrugt ob der rhythmischen Radikalität und kompromisslosen Delivery. Stilecht auf Tape, versteht sich.
 

Why? - AOKOHIO LPWebshop ► 2LP | 2LP Why? habe ich bisher eher augenbrauenzuckend empfangen, da einen »Aokohio« aber direkt mit ausgewaschenem Psych-Pop begrüßt, könnte das mit gut fünfzehnjähriger Verspätung vielleicht doch noch etwas mit uns werden. Im Laufe des Albums werde ich dann aber das Gefühl nicht los, dass irgendjemand dem Paukentyp von Imagine Dragons erlaubt hat »Person Pitch« zu covern.
 

ramuntcho matta 96Webshop ► LP Eine absolute Sensation dafür dann das neue Album von Ramuntcho Matta, nicht weil Matta in Sachen sensationeller Musik ein unbeschriebenes Blatt wäre, aber drei Jahrzehnte nach seinem Median- und Reissue-geadelten ersten Run noch derart selbstverständlich ein unpeinliches Avantgarde-Album zu machen, ist schon stark. Das gelingt wahrscheinlich auch deswegen so außergewöhnlich gut, weil Matta weiß, wer bei ihm über die Jahre wieder und wieder abgepaust hat.
 

Felicia Atkinson – The Flower And The VesselWebshop ► 2LP Ähnlich wie bei Matta spielt Spoken Word bei Felicia Atkinson eine wichtige, aber selten eine exponierte Rolle. Wie schon Kollege Hinz in seiner Review zu »The Flower And The Vessel« feststellt, ist Atkinson vor allem deswegen so eine Königin, weil sie sich zwar vordergründig bei den selben avantgardistischen Tropen bedient wie alle, diese aber wesentlich behutsamer und weniger effekthaschend zusammenpuzzlet. Natürlich ist da wieder diese verbindliche Stimme, aber auch diese ordnet sich einem komplett intuitiven Flow unter.
 


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Young Marco – BahasaWebshop ► 2LP Wie schwer dieser zu generieren ist, kann man eigentlich kaum genug betonen. Bestes Beispiel hierfür: während Black Merlins erste Platte für Island Of The Gods vollkommen organisch zum Apocalypse Now für Salon-Schamanen avancierte, gelingt es Young Marco unter beinahe identischen Voraussetzungen und mit fast denselben musikalischen Mitteln auf »Bahasa« nur selten mehr als eine plätschrige Ambient-Platte mit dem vorgeschriebenen Percussion-Anteil von mindestens 35% aufzunehmen. Gemein und subjektiv? Natürlich.
 

Eiger Drums Propaganda – Eiger Drums Propaganda IIWebshop ► LP Wie gemein das alles ist, zeigt dann im Anschluss auch die Platte von Eiger Drums Propaganda. Der bespielt im Grunde in ähnlichen Geschwindigkeiten und vergleichbarem Instrumentarium die selben Schamanen wie Young Marco, kryptische Spoken Word- und Ambientpassagen inklusive, aber irgendwie sitzt hier alles besser. Vielleicht ist diese 4th-World-Chose tatsächlich schon wieder 1-2 Jahre über ihrem Zenit, hier aber wird über Macadam Mambo noch eine Pointe gesetzt, an die man sich erinnern wird.
 

curses carcasonneWebshop ► LP Letztes Wochenende unterhielt ich mich mit zwei Freunden über NuRave-Survivor und bereits nach zwanzig Sekunden fiel der Name Curses. Warum genau Curses nicht im Knicklicht ausgeleuchteten Vorhof der MySpace-Hölle verendete, dürfte viele Gründe haben, aber »Carcassonne«, eine stark Carpenter beeinflusste Mini-LP, macht es einem nicht unbedingt leicht, diese aufzuzählen. Dafür erinnert das doch zu stark an die uninspirierteren DFA-Platten aus der Nu-Disco-Ära oder an eine poliertere Version von Zombie Zombie.
 

move d building bridgesWebshop ► LP Polieren hatte Move D noch nie nötig, dafür ist Moufaings Definition von House viel zu unprätentiös. Entstanden mit den üblichen Kollaborateuren (Juju & Jordash, Fred P, Thomas Fehlmann, Benjamin Brunn, etc.), hätte dieses Album genau so auch 2009 oder 1999 erscheinen können, nur mit dem Unterschied, dass ich das vielleicht nicht nur kurz anerkennend weggenickt hätte.
 

paranoid london albumWebshop ► 2LP Während Move D schon immer am liebsten auf halb Neun programmiert hat, kennen Paranoid London nach wie vor nur die sprichwörtliche volle Zwölf. Das mag als Album etwas ermüden, insbesondere wenn die 303 nach 32 Takten schon wieder reinurkelt oder die achtzigste 909 Hi-Hat darum bettelt in den roten Bereich gedreht zu werden, aber ey hier gibt Alan fucking Vega zwischendurch den Lil Louis und allein dafür ein verschwitzt gegurgeltes »Danke«!
 


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plaid polymerWebshop ► 2LP Unter den ganzen Warp-Helden immer noch irgendwie unterschätzt, die guten alten Plaid. Keine Ahnung, ob »Polymer« ein Versuch ist, diesen ganzen Deconstructed-IDM-Millenials zu zeigen, dass Ed Handley und Andy Turner schon die Arca’sche Trickkiste kannten als Snake noch eine Betaversion war, aber dieses Album ist merkwürdig unruhig. Das flirrende Melodienrepertoire wirkt beinahe wie Ballast, dem sie sich mit dezidiert modernen Techniken entledigen wollen, ohne genau zu wissen was das für Plaid bedeutet.
 

flatyWebshop ► LP Vielleicht aber auch nur seltsam, weil es zu Plaid eine fast dreißigjährige Rezeptionsgeschichte gibt und zu Flaty ööööööh nichts. Zwei Platten auf Gost Zvuk, diverse Nebenprojekte, ok, aber »Generic Targz« überwältigt in seiner flattrigen Nervosität und Unberechenbarkeit dann natürlich mehr als das zehnte Plaid Album. Ob der Ideenüberschuss letztlich zu einem guten Album geführt hat, kann ich nach zwei Durchgängen immer noch nicht beantworten, aber das ist streng genommen 2019 auch bereits ein Ritterschlag.
 

antwood delphiWebshop ► LP Antwoods »Delphi« kann man derweil auf zwei Arten hören: erstens musikalisch – als eines der einfühlsameren (Geigen, yo, Piano, yo) Alben im zunehmend unübersichtlichen Deconstructed Club Music Circlejerk. Zweitens narrativ – als Bot-Love-Kammerspiel, bei dem nicht Spike Jonze sondern Denis Villeneuve Regie führt.
 

rap exportWebshop ► LP Die beste weil befreiteste Popmusik erscheint weiterhin über Jolly Discs. Muss zwar keiner glauben, aber Rap und deren Mini-Album »Export« sind ein weiterer Beweis dafür, dass Thomas Bush sich jetzt schon perfekt positioniert hat um der Unsung Hero des nächsten Jahrzehnts zu werden.
 

htrk venus in leoWebshop ► LP Als twitternder Einfaltspinsel würde ich abschließend vielleicht noch folgendes fragen: Existiert »Venus In Leo« vor allem deswegen, weil viele Menschen insgeheim gerne wieder das erste The xxAlbum hören wollen, sich aber nicht trauern? Als jemand, der gerade darüber nachdenkt den Kollegen Kunze zum heutigen Konzert von HTRK zu begleiten, lolle ich mir einen über soviel Selbstgeiselung und weine vielleicht stattdessen endlich mal wieder öffentlich.
 


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