Music Kolumne | verfasst 04.03.2020
Aigners Inventur
März & April 2020
Boomer vermissen hier die neue Ozzy Ozzbourne, Fintec-Heinis finden eine Antwort auf die Frage nach ihrer Seele: Aigners Inventur im März Mit dem ersten essentiellen Album des neuen Jahrzehnts und einer überraschenden Enttäuschung
Text Florian Aigner

Eminem Music MurderedWebshop ► Vinyl 2LP Eminems Alben sind auch in diesem Jahrzehnt wie Neubausiedlungen. Eins A Energiewerte, Fußbodenheizung, Top Preis-Leistungsverhältnis, Tiefgaragenstellplatz und viertelstündige Busverbindung in den Stadtkern, aber an seelenloser Tristesse nicht zu überbieten. »Music To Be Murdered By« ist wieder ein formales Meisterwerk für Menschen, die sich nach einer Rap-Ausgabe der Stiftung Warentest sehnen.
 

lil baby my turn Webshop ► Vinyl LP Lil Babys »My Turn« ist hingegen tiefentspanntestes Victory Lapping und auch deswegen so eine Antithese zu Eminem, weil hier nichts auf metrischem Gewichtheben und Achtfach-Reimen basiert, sondern auf dem melodiösen Selbstverständnis, das zumindest die zweite Hälfte des letzten Jahrzehnts zur Thugga/Future-Ära gemacht hat. Boomer würden das Spotify-Rap nennen und dabei wieder die Pointe verpassen.
 

denzel curry kenny beatsWebshop ► Vinyl LP Denzel Curry will nicht so recht in das obige Schema passen, dennoch klingt er gemeinsam mit Kenny Beats auf »Unlocked« das erste Mal ansatzweise bieder. Während »Zoo« vor kurzem noch einen Florida-Sound entwarf, der ganz alleine Curry gehörte, klingt das hier weitgehend wie eine an einem Nachmittag abgeschlosse Soundcloud-Schnitzeljagd.
 

mhysah nevaehWebshop ► Vinyl LP Wesentlich gehaltvoller hingegen ist »Nevaeh«, Hyperdubs 2020er Ausflug in dekonstruierten R&B, in dem Mhysa nicht nur eine Genderbinaritätenbefreiung anstößt, wie sie für R&B immer noch nicht selbstverständlich ist, sondern auch olle Kammellen wie »When The Saints Go Marching In« radikal neu kontextualisiert werden. Ein Album, das in der Theorie besser ist als in der Praxis, mit »Sanaa Lathan« aber auch einen der klügsten Trap-Banger der letzten Jahre beinhaltet.
 

doon kanda albumWebshop ► Vinyl LP Ebenfalls Hyperdub, aber Walzer. So zumindest der offenbar angeborene Alman’sche Reflex auf Dreivierteltakte, wie sie sich Doon Kanda auf »Labyrinth« zurechtlegt. Wobei diese den Cyberbarock des Albums zwar unterstreichen, aber verglichen mit den teilweise opulenten Melodiefiguren doch eher in den Hintergrund treten. Der perfekte Soundtrack für Guadagninos »Suspiria« Remake, aber es musste ja Thom machen.
 

Grimes – MIss AnthropoceneWebshop ► LP Zu Grimes als surrealste A-Plus-Prominenz möchte ich an dieser Stelle eigentlich gar nichts sagen, aber die Teslaisierung von »Miss Anthroposcene« lässt sich unglücklicherweise nicht immer vollständig ausklammern. Das ist insofern zumindest für mich ein Problem, als dass Grimes’ Musik pre-Musk vor allem auch von absoluter Copy/Paste-Freiheit lebte, einer Art Makro-Kuratierung, in der die Privatperson Grimes als relatabler Metakommentator bereitstand, so weit zumindest die Illusion. Jetzt steht hier halt hinter immer noch klugem Songwriting assoziativ direkt der Dow Jones und diese Ratlosigkeit, ob man bei »Ethereal Nu Metal« dabei sein sollte oder nicht.
 

King Krule – Man Alive!Webshop ► Vinyl LP King Krule ist Vater geworden und wenn man als Vater Alben macht wie »Man Alive«, sollten sich alle Empfängniswilligen sofort drei Monate zum Schnackseln einsperren. Hier ist männliche Verantwortungsanxiety fühlbar und gleichzeitig ihrer eitlen Schmockhaftigkeit preisgegeben, verpackt in ein Stadt-Land-Narrativ und rüden (Post) Punk. Schon der Coolste einfach.
 

Caribou - SuddenlyWebshop ► Vinyl LP Caribou kann ja nichts dafür, dass sich Fintec-Heinis vermutlich immer noch auf seine letzten beiden Alben berufen, wenn man sie fragt, ob sie eine Seele haben. Gleichzeitig ist es natürlich 2020 schon ein bisschen schwer sich einfach hinzustellen und zu sagen: ey, Caribou hat ein voll okayes Album gemacht, mit dem üblichen Falsettgeschmonze über aerodynamisch gefönte Sound Signature- und Stones Throw-ismen, quasi der kanadische DJ Koze, alles prima in Ordnung, come on. Mach ich hiermit jetzt mal, aber natürlich würde ich niemandem raten, das ebenfalls öffentlich zuzugeben.
 

A.A.L. (Against All Logic) - 2017-2019 Selbiges gilt im Grunde auch für Nicolas Jaar, der nächsten Identifikationsfigur für dubiose Luftpumpen, aber auch der hat als Against All Logic ein prima Rave-Album gemacht und sich endlich von diesen tiny ass Drums verabschiedet, die ich immer als erstes anführe, wenn ich mir hastig Abgeklärtheit zufächern muss.
 

Squarepusher – Be Up A HelloWebshop ► Vinyl LP Vermutlich bereue ich diesen Abschnitt genau so wie die beiden vorherigen, aber es gibt glaube ich kein Album von Squarepusher, das ich gerne höre. Das tut mir besonders leid, weil die Kollegen Hinz (Häh?, Anm. von Hinz) und Pacholsky (Stimmt!, Anm. d. Red.) schon so lange plausibel erklären warum dem nicht so sein kann. »Be Up A Hello« ist jedenfalls das neueste Squarepusher-Album, das ich nicht gerne höre und wie immer weiß ich, dass das meine Schuld ist.
 

Beatrice Dillon – WorkaroundWebshop ► Vinyl LP Dafür mag ich das erst vor kurzem gesprechstundete Album von Beatrice Dillon mittlerweile nochmal 40% lieber als vor einem Monat, wobei ich immer noch sagen würde, dass »Workaround« schon arg Journo-Bait ist und in seiner Unfehlbarkeit immer noch ein kleines bisschen nervt. Trotzdem eines der ersten essentiellen Alben des neuen Jahrzehnts.
 

smagghe & cross 1819Webshop ► Vinyl LP Auch im besten Sinne baity ist »1819«, das zweite Album von Smagghe & Cross für Offen Music, auf dem sich das Duo wieder extremst reduziert, aber komplett klischeefrei an hochbrauigen Genres abarbeitet, aber nie ins Dozieren abdriftet. Natürlich ist dubbig-droniger Ambient auch immer ein Safe Space, aber was »1819« von der schnöden Bandcamp-Avantgarde unterscheidet, ist ein fast schon staatsmännischer Klassizismus.
 

air texture 7Webshop ► Vinyl 2LP Moderner und glatter hingegen das Sounddesign auf Rroses Teil der siebten Folge »Air Texture«, auf der C- und D-Seite tritt Silent Servant dann allerdings mit Carpenter-Arpeggios und stählernen Brustmuskeln ein bißchen ins Fettnäpfchen.
 

nick malkin nightWebshop ► Vinyl LP Geil, Altman. Geil, Jazz. Nick Malkin ist sich auf »A Typical Night In The Pit« nicht zu schade, die ganz großen Referenzklopper zu bemühen, besonders weit ist es vom Valley zum Mulholland Drive ohnehin nicht. Eines dieser großen Soundtrack-Alben für den Film, den es nicht gibt.
 

tara clerkin trioWebshop ► Vinyl LP Nochmal Jazz, aber eher aus der Avantpop-Ecke vom Tara Clerkin Trio, bereits geadelt von den Londoner Geschmackmacherz. Das klingt dann stellenweise so als spielten F Ingers ein Konzert für ihre zartbesaiteteren Familienangehörigen, aber ich mag das ja, wenn da auf einmal Harmonien in die Dissonanzen krachen.
 

kulor 06Webshop ► Vinyl LP Auch auf Courtesy’s Labesampler finden sich diese Aughts-Pop-Momente, wenn gleich Kulor 06 ästhetisch schon eher von PAN-Abstraktion und der PC-Music Farbpalette geprägt ist. Ein kurzweiliger Einblick in die Kopenhagener Szene diesseits der 145 BPM, aber auch noch etwas unsicher ohne die allmächtige Bassdrum.
 

reymourWebshop ► Vinyl LP Pop im wavigsten Sinne dann auch noch auf der Mini-LP von Reymour, einem Brüsseler Duo, das sich gemerkt hat, was eigentlich die wichtigste Lehre aus der ganzen Vasicka- und VOD-Aufklärung bleibt: verhuschte französische Vocals + rumpelige Drums + Vintage Synths = HitsHitsHits.
 

Borusiade – Fortunate IsolationWebshop ► Vinyl LP Borusiade spielt derweil weiterhin ihre gotische Interpretation von EBM und Synth-Pop, dieses Mal über Dark Entries. Vor allem deswegen interessant, weil Borusiade lyrisch durchaus interessante Aphorismen und Leerstellen mit in den Keller nimmt, anstatt sich auf die genretypischen tölpeligen Phrasen zu verlassen.
 

omar-s you want Webshop ► Vinyl 4LP Ich traue mich kaum es zu schreiben, aber »You Want« ist das erste Album von Omar-S, von dem ich ernsthaft enttäuscht bin. Dabei gab es, auf mächtige 4LPs verteilt, noch nie ein so stilistisch variables Album von Alex O. Smith. Vielleicht aber ist genau das das Problem: Omar-S kann vieles besser als andere, aber nach 60 Maxis und 6 Alben weiß man irgendwann nicht mehr genau was genau.
 

huerta juniperoWebshop ► Vinyl LP Dabei hätte »You Want« das werden sollen, was nun »Junipero« von Huerta geworden ist: dieses quirlige House-Album, mit dem man den hinterfotzigen Februar beerdigt, saccharine Chords umarmt und sich jeden Tag freut wie sehr zwei Tageslichtstunden mehr uns alle zu einfältig beseelten Primaten machen. Zweitbestes House-Album des Jahres (nach Tase) und erstbester Corona-Defibrilator.
 

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Mit »Cenizas« baut Nicolas Jaar weiter an seinem Bild vom großen Komponisten unter den Laptopmusikern.
Music Porträt | verfasst 04.03.2011
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Die stete Weiterentwicklung des eigenen Schaffensradius ist die einzige logische Konsequenz aus dem Hype, der gerade um ihn kreiert wird. Nicolas Jaar will sich dem durch immer Neues entziehen.
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Nicolas Jaar wurde als Laptop-Musiker bekannt. In der Zwischenzeit hat er sich musikalisch weiterentwickelt. In der Kölner Philharmonie jedoch scheiterte er am Spagat, Laptop-Musik mit einer instrumentalen Jam-Session vereinbaren zu wollen.
Music Liste
Leon Vynehall
10 All Time Favs
Mit seinem neuen Album »Rare, Forever« setzt der britische Produzent Leon Vynehall den Weg fort, den er mit »Nothing Is Still« begonnen hat. Uns verrät er heute 10 Schallplatten, die ihn geformt, gebessert und gebildet haben.
Music Kolumne
Records Revisited
Gil Scott-Heron – Pieces Of A Man (1971)
Man nannte ihn den »Godfather of Hip Hop«, weil er über Drogen, Rassismus und die Divided States of America textete. Mittlerweile ist das erfolgreichstes Album von Gil Scott-Heron 50 Jahre alt – und aktueller denn je.
Music Kolumne
Records Revisited
Deftones – White Pony (2000)
Die im Juni 2000 veröffentlichte LP »White Pony« wurde deshalb zu einem dermaßen bahnbrechenden Album, weil sich die Deftones darauf erstmals als die Zitationsmaschine in Szene setzen, die sie eigentlich immer schon gewesen waren.
Music Liste
Jenn Wasner (Flock Of Dimes)
10 All Time Favs
Mit ihrem Soloprojekt Flock of Dimes hat Jenn Wasner gerade ihr persönlichstes und zugleich substanziell weitreichendstes Album vorgelegt. Wir baten die Musikerin uns 10 Schallplatten zu nennen, die sie geformt, gebessert, gebildet haben.
Music Porträt
Gondwana Records
Seele und Charakter
Als DJ und Musiker wurde Matthew Halsall zum Labelbetreiber. Ausgehend von einem lokalen Fokus auf die Jazzszene Manchesters hat der Trompeter seinem Label Gondwana mittlerweile eine recht internationale Ausrichtung gegeben.
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Records Revisited
Busta Rhymes – The Coming (1996)
Als vor 25 Jahren »The Coming« erschien, war Busta Rhymes kein Unbekannter mehr. Sein Solodebüt mit dem Hit »Woo Hah!! Got You All In Check« machte ihn zu einem der größten Rapstars seiner Zeit. Wie klingt das Album heute?
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Records Revisited
Yellow Magic Orchestra – BGM (1981)
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Records Revisited
Coil – Love's Secret Domain (1991)
Techno ist es nicht – doch hinterließ »Love’s Secret Domain« tiefe Furchen in der Clubmusik der 1990er Jahre und markierte für Coil jenen Wendepunkt, ab dem ihr Wirken eine neue Richtung einschlug. Das Projekt hätte es fast zerrissen.
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Die P
Die Messlatte höher legen
Sie ist das erste Signing des All Female*-Labels 365xx Records und veröffentlicht dieser Tage ihr Debüt »3,14«. Für Die P ist die Golden Era schlicht nachhaltig, Competition ist für sie Ansporn, besser zu werden. Ihr Ziel: Zeitlosigkeit.
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Important Records
Deep Listening Forever!
Ob Pauline Oliveros, Éliane Radigue, Alina Kalancea oder Caterina Barbieri: Seit 20 Jahren ist Important Records wie ein gut bestückter Plattenladen für aufregende Sounds – die beste Anlaufstelle für Musik, die intensiv gehört werden muss.
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Aigners Inventur
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Die ganze Welt verarbeitet im März 2021 immer noch den März 2020, nur unser Kolumnist ist weiterhin auf der Suche nach Wrong-Speeder-Optionen. Aigners Inventur: Dub aus dem Abyss und durch die FFP2-Maske gerauchte Kippen.
Art Porträt
Vincent de Boer
Wie Jazz mit Pinseln
Der niederländische Künstler Vincent de Boer ist zu einem festen Bandmitglied der britischen Jazzer von Ill Considered avanciert. Er zeichnet Plattencover auf Basis der gehörten Grooves. Für »The Stroke« wurde der Prozess nun umgedreht.
Music Kolumne
Records Revisited
Dinosaur Jr – Green Mind (1991)
Viele Rockbands nehmen zu Beginn der 1990er Jahre ihre bis dahin besten Alben auf. Auch Dinosaur Jr. Während die Band selbst bei den Aufnahmen bereits auseinanderbricht, strotzt ihr viertes Album »Green Mind« vor Kreativität.
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Phew
Ein Leben gegen den Strich
Punk mit Aunt Sally, Synth Pop mit Sakamoto und experimentelle Musik solo und mit anderen: Die japanische Musikerin Phew sucht seit über vier Jahrzehnten die Fehler in der Musik, weil sich darin nur deren Möglichkeiten offenbaren.
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Im Epizentrum der Brazil-Welle
Joe Davis ist der Lokführer, auf dessen Zug Mitte der Neunziger eine ganze Generation Brazil-affiner Producer aufsprang. Mit seinem Label Far Out Recordings wurde er zum weltweiten Statthalter brasilianischer Musikkultur.
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Carole King – Tapestry (1971)
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»Befreiung fängt im Kopf an«
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Zoviet France
Fiebertraum vom Ende
Keine Namen, keine Gesichter, keine Tradition: Zoviet France wollten als anonymes Kollektiv Anfang der Achtziger die Antithese zum orthodoxen Kunstverständnis formulieren – und wurden dabei zu Kultfiguren wider Willen. Bis heute.
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Aaron Frazer
10 All Time Favs
»Introducing« heißt das erste Soloalbum von Aaron Frazer. Als Schlagzeuger von Durand Jones & The Indications ist er aber längst kein unbekannter. Musikalisch geht’s in die Sechziger. Uns sagt er, was ihn wirklich musikalisch geprägt hat.
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On The Corner
Banger für das Hinterzimmer
Mit seinem Label On the Corner Records serviert Pete Buckenham einen berauschenden Eintopf aus afro-futuristischen Jazz-Konzepten und zeitgenössischen Street Grooves und stößt er heute bereits die Pforten zum Sounduniversum von morgen auf.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 50 Albums
Sprechen wir es aus: Musik ist in Gefahr, weil sie nicht gemeinsam erlebt werden kann und weil ihre Macher*innen sich seit Monaten in einer existenziellen Krise befinden. Auf Schallplatte gab es dennoch einiges zu hören, wie diese 50 Alben.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 20 12inches
Tanzen war 2020 nicht wirklich. Aber die Vinyl 12" war trotzdem ein begehrtes Format. Und zwar für Musik, die von einer Zeit nach der Katastrophe träumt. Hier sind unsere Top 20. Einen Bonus in Form einer Vinyl 7" gibt’s obendrauf.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 50 Reissues
Früher war alles besser, das reden wir uns schon seit geraumer Zeit ein und seit zehn, fünfzehn Jahren versucht uns die Reissue-Industrie in dieser zur Weltanschauung geronnenen Vermutung zu bestätigen. Hier sind die Top 50 Reissues 2020.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 20 Compilations
Werkeinstiege zu Beverly Glenn-Copeland und Sade, DJ-Mixe von etwa Helena Hauff und Avalon Emerson, Würdigungen, Geschichtslektionen: Die Compilations in 2020 brachten Schwung in das pandemisch und politisch kriselnde Jahr.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 20 Tapes
Das angebliche Tape-Revival ist schon alt genug, als dass seine Heraufbeschwörung durch wiederverwertungsgeile Feuilletons selbst bald ein Revival feiern könnte. Sei’s drum: Diese zwanzig Kassetten haben uns 2020 das Leben gerettet.
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The Silhouettes Project
Protest aus dem Underground
Kosher und Eerf Evil gründeten das Silhouettes Project, um dem Londoner Untergrund Struktur zu verleihen. Ihr selbstbetiteltes Album entstand in gemeinsamen Sessions der britischen Alternative-Rap-Szene.
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Coil – Musick to Play in the Dark (1999)
Magie als Klang, der lunare Energien ansammelt: Mit dem im Jahr 1999 veröffentlichten Album »Musick to Play in the Dark« schufen die Elektronik-Esoteriker Coil ihre größten Hymnen an die Nacht. Jetzt wurde es endlich neu veröffentlicht.
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Sault
Black is …
Sault sind die inoffizielle musikalische Stimme der Black Lives Matter Bewegung. Voll radiotauglichem Soul und Jazz, hinter dem die längst überfällige Revolution steht.
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Aigners Inventur
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