Music Kolumne | verfasst 16.04.2020
Vinyl-Sprechstunde
Yves Tumor – Heaven To A Tortured Mind
Zuerst war die Euphorie groß: Yves Tumor bringt eine neue Schallplatte raus! Dann stellte sich Ernüchterung ein. Was tun als Fan, wenn der neue Release eines geliebten Musikers enttäuscht? Nur eine Frage in der neuen Vinyl-Sprechstunde.
Text Florian Aigner, Pippo Kuhzart, Kristoffer Cornils
Vinyl_sprechstunde_1024x685px

Philipp Kunze: Ich steige mal richtig rüde ein: Wenn ich mir ne Kid Rock-CD kaufen würde, und da läge versehentlich die neue Yves Tumor drin – würde mir beim Abspielen nicht auffallen, dass es da eine Verwechslung gab.
Kristoffer Cornils: Doch, schon, zumindest würdest du dich drüber wundern, dass der jetzt mit Childish-Gambino-Funkadelic-Rip-Off-Rip-Off-Musik daherkommt. Also, Kid Rock. Weil, ja: Neo Grunge und Nu Metal-Balladen, alles drin. Aber schon auch recht saftiger Funk aus queerer Perspektive. Ich find’s… ganz gut!? »Kerosene!« und »Strawberry Privilege« zum Beispiel.
Florian Aigner:Es geht los mit einem Just-Blaze-Beat und nach anderthalb Minuten hab ich so einen Smashmouth-Refrain im G’sicht kleben. Das fühlt sich einfach EKLIG an.
Philipp Kunze: Die guten Songs sind die, die klingen wie ein Interlude bei Kendrick. Hast du mal »Dream Palette« gehört? Dazu kann man Bud Light trinken.

Kristoffer Cornils: Ja, das ist schon ein mieser Song, »Dream Palette«. Das ist halt die Britpop-B-Seite einer zurecht untergegangenen The-Band von 2005. Was hat den »alten« Yves Tumor für euch so wichtig gemacht, dass euch der neue dermaßen quer geht? Ihr wart ja doch Feuer und Flamme, als der Vorschlag für eine Tumor-Sprechstunde kam.
Philipp Kunze: Ich hasse es, weil ich Yves halt liebe und dem jeeeederzeit zutraue, den interessantesten Shit zu machen.
Kristoffer Cornils: Aber er muss sich an deine Definition von interessantem Shit halten, oder?
Philipp Kunze: Absolut.

»Ich hasse es, weil ich Yves halt liebe und dem jeeeederzeit zutraue, den interessantesten Shit zu machen.« (Philipp Kunze)

Kristoffer Cornils: Ich würde noch »Kerosene!« verteidigen: Das ist wirklich in your face-Glam Rock auf ganz queer und camp gedreht, diese Nudel-Gitarre, die Flanger-Effekte in den Strophen. Harte These jetzt, aber das hätte ich mir mit noch leicht größerer Deadpan-Quote im Refrain auch bei Dean Blunt zu »Redeemer«-Zeiten vorstellen können. So, ich hab’s gesagt.
Florian Aigner: »Kerosene« ist halt einfach Lenny Kravitz.
Philipp Kunze: Stellenweise klingt das, wie wenn es bei Eminem ein weibliches Feature gibt. In guten Momenten wie N.E.R.D. ALLES, was man da hört, wurde halt schon tausend mal besser woanders gemacht. Das ist ja immer so ein unangenehmes Totschlag-Argument. Aber hier kann ich nicht anders.
Florian Aigner: LOL gibt es in »Dream Palette« nach 2 Minuten ernsthaft Feuerwerksgeräusche?

Kristoffer Cornils: Ich war ja auch abgeturnt anfangs, und das letzte Album habe ich so gut wie gar nicht mehr mitgeschnitten – obwohl ich vorhin beim nochmaligen Hören doch dann sehr schöne und interessante Tracks drauf gefunden habe. »Heaven To A Tortured Mind « ist halt die, äh, logische Weiterentwicklung des Ganzen. Irgendwie war das alles schon auf »Serpent Music« angelegt, oder?
Philipp Kunze: Dass es angelegt war stimmt! Die Entwicklung ist auch logisch. Ich wünschte mir nur, es wäre anders ausgegangen.
Florian Aigner: »Serpent Music« war für mich halt einfach die periphere Version von Coil und die brauchte es dringend. Das hier… hmmmm…
Philipp Kunze: In meiner Wahrnehmung ging es bei Yves Tumor immer sehr stark um reine Expressivität. Das war ja auch das Faszinierende: Wie der das DUNKLE zum SCHIMMERN gebracht hat. Ich mochte das Groteske, das Verzerrte. All das ist jetzt… weg. Ich glaube, davor klang Tumor einfach nach Auseinandersetzung. Jetzt nach Aneinanderreihung. Könnt ihr’s versuchen? Könnt ihr versuchen, mir näher zu bringen, was hieran eine gute Idee sein könnte?

Kristoffer Cornils: Um was es Tumor ging, das war mir nie so ganz klar. Das wiederum fand ich ja so anziehend. Auch diese Gospel-Ambient-Platte, die zwischendurch in den Äther geschossen wurde: Hä? Okay, geil. Zurück zum Thema: Ich kann und will dieses Album im Gesamten auch echt nicht verteidigen, aber ich finde diese Entwicklung schon interessant. Pippo meinte vorhin off the record, es ginge Tumor um Cash. Aber den Sellout-Vorwurf an einen Warp-Künstler zu richten, finde ich nun auch unsinnig. Tumor könnte, wenn er wollte, sicherlich noch wesentlich direkter auf den Hit-Buzzer drücken.
Florian Aigner: Das stört mich echt auch gar nicht. Was mich stört: Dass er nicht besser ist im Hits schreiben.
Kristoffer Cornils: Ja, »Folie Imposée« beispielsweise ist eigentlich ganz schön, nur eben nicht als Track ausgereift. Obwohl das Unausgereifte bei Tumor früher für die Reibung gesorgt hat – oder?
Philipp Kunze: Voll. »Strawberry Privilege« ist auch nett.
Florian Aigner: Das könnte das Problem sein: die Albumdramaturgie ruiniert die Sachen, die wir vor 6 Jahren genial gefunden hätten.
Philipp Kunze: Ich find’s sad, dass das höchste der Gefühle hier in Spotify-Sunday-Coffee-In-Bed-Playlists landen wird.
Kristoffer Cornils: Ich glaube, er ist einfach nach unseren Standards nicht gut darin, Hits zu schreiben. Vorhin habe ich noch gelesen, dass er mit Nirvana und Green Day aufgewachsen ist. Das hörst du total in den Refrains, du merkst es den Dynamiken an. Da schließt sich wohl ein Kreis, und Tumor uns damit aus? Weil wir einfach keinen Bock auf Green-Day-Refrains haben. Aber vielleicht versuche ich wieder netter zu sein, als ich es bin. Ein paar der Tracks, insbesondere »Gospel for a New Century« und »Dream Palette« machen mich wirklich wütend.

»Das ist doch geil, weil das Fantum ausmacht: Auch mal eine Platte scheiße finden und stattdessen auf die nächste warten.« (Kristoffer Cornils)

Florian Aigner: Also, was in jedem halbwegs okay recherchierten Artikel vorkam: Er will Hits machen. Und Rockstar sein. Beides in relativ klassischem Sinn. Und vermutlich ist da bei all den kleinen Bowie’ismen vielleicht dieser Rückbezug zu Nu Metal, Pop Punk und Grunge und überhaupt tatsächlich der EINZIGE legitime?
Kristoffer Cornils: Aber will er das wirklich? Weil dann halte ich »Heaven to a Tortured Mind« schon für einen sehr halbgaren Versuch.
Florian Aigner: Was weiß ich, für mich ist es doch auch nur das schlechteste Blood-Orange-Album ever. Ich bin hier einfach der klassisch enttäuschte Fan. »Serpent Music« ist alles gewesen, was ich wollte.
Kristoffer Cornils: Fair. Kann ich als Musikhörer total nachvollziehen, nur eben als Kritiker nicht. Den Versuch finde ich halbgar, die meisten der Songs und die Sounds auch recht lazy. Aber ich sehe ein Potenzial, ich sehe ein paar gute Stücke.

Florian Aigner: Als Kritiker fühle ich mich krass in der Bringschuld. Das Einzige, was ich noch so halb anerkennend sagen kann, ist dass das genremäßig natürlich auch eine unlösbare Aufgabe ist, die vier ungeilsten Genres aller Zeiten cool und sleazy zu machen. Das erinnert mich dann fast schon wieder an PC Music. Aber vielleicht gebe ich jetzt hier verzweifelt noch Credit um mein Gewissen zu beruhigen.
Kristoffer Cornils: Auf der HHV-Punkte-Skala ausgedrückt, welche Wertung würdet ihr geben? Als Kritiker und Hörer?
Florian Aigner: Als Kritiker gelogenene 8,2, als Hörer 4,4.
Philipp Kunze: 7,9 und 3,9.
Kristoffer Cornils: 7,2 und 5,6.

Philipp Kunze: Ich halte Tumor nach wie vor für ein »Genie«. Und ich glaube auch, dass er das Album genauso wollte, dass es ihm also »gelungen« ist. Kann es für viele einfach ein »gratifying rock album« sein? Rock-Cornils?
Kristoffer Cornils: Ich habe mit Rock vor Ewigkeiten gebrochen, aber lass es mich so sagen: Dafür ist es schlicht immer noch zu schwarz und zu queer. Tumor stellt dem Männlichkeitsfimmel des Genres allein schon entgegen, dass er als nicht-binär verortet und das allein ist für die klassische Rock-Hörerschaft schätzungsweise genauso überfordernd wie die schlierige Sound-Patina auf den Songs. Das wird im Musikexpress vielleicht wohlwollend besprochen, aber beim Rolling-Stone-Blindtest würde es total durchfallen. Was der Platte definitiv zugute zu halten ist.

Yves Tumor – Heaven To A Tortured MindSilver Vinyl LP | ● Black Vinyl LP Philipp Kunze: Ich behaupte jetzt mal noch ganz frech, dass man auch der Pitchfork-Review absolute Bemühung anliest. Also Bemühung, es »konzeptuell« zu finden and shit. Also hören den Shit am Ende nur Leute, die 2010 nach Brooklyn gezogen sind?
Florian Aigner: Das Ding ist ja: ich werde halt auch auf das nächste Album komplett gespannt warten und das nicht mal weil ich müsste, sondern weil ich nicht anders kann.
Kristoffer Cornils: Das ist doch geil, weil das Fantum ausmacht: Auch mal eine Platte scheiße finden und stattdessen auf die nächste warten. Okay, fassen wir’s zusammen: »Heaven to a Tortured Mind« hätte was gekonnt, wenn Tumor etwas anderes gewollt hätte als wir. Wollte Tumor aber nicht. 
Das mag es uns als Fans von »Serpent Music« madig machen, ein bisschen Respekt davor haben wir dennoch. Und wissen also zumindest zum Schluss alle: So geil, wie es alle andere zu finden scheinen, finden wir es definitiv nicht. Passiert, vielleicht beim nächsten Mal – dranbleiben könnte sich ja immer noch lohnen.


Die Schallplatten von Yves Tumor findest du im Webshop von HHV Records

Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Kolumne | verfasst 26.09.2014
Vinyl-Sprechstunde
Aphex Twin's »Syro«
In unserer Kolumne diskutieren zwei Personen eine aktuelle Schallplatte. Florian Aigner hofft, dass Philipp Kunze mal was schlechtes über Aphex Twin sagt, weil sich der (Kunze) bislang kaum mit dem (Aphex Twin) beschäftigt hat.
Music Review | verfasst 29.03.2011
Seefeel
Seefeel
Seefeel verschließt dem Hörer den Zugang erst, um dann dahinter seine ganze Genialität zu offenbaren.
Music Review | verfasst 16.10.2011
Cant
Dreams Come True
Chris Taylor von Grizzly Bear und George Lewis Jr. von Twin Shadow machen gemeinsame Sache.
Music Review | verfasst 25.09.2012
Grizzly Bear
Shields
Grizzly Bear melden sich mit einem konsequenten und verspielten vierten Studioalbum zurück.
Music Review | verfasst 18.05.2017
!!!
Shake The Shudder
Schütteln hilft. !!! (Chk Chk Chk) haben mit »Shake The Shudder« das passende Album aufgenommen.
Music Review | verfasst 03.09.2019
!!! (Chk Chk Chk)
Wallop
Mit »Wallop« wagen !!! einen wilden Ritt durch die Jahrzehnte, ohne ihre Kernkompetenz der schrägen Dancefloor-Killer zu vernachlässigen.
Music Interview | verfasst 27.09.2012
Grizzly Bear
Die Romantik am Leben halten
Die Brooklyner Band Grizzly Bear weiß wie man gefühlvolle und schlaue Indierocksongs schreibt. Wir sprachen mit Chris Taylor über die Zeit in der Wüste, die Suche nach dem immer Neuen und eine Lady namens Stella.
Music Review | verfasst 07.10.2016
Yves Tumor
Serpent Music
Wäre Prince ein Internetkind gewesen und nie berühmt geworden, vielleicht hätte er dieses Album gemacht.
Music Kolumne | verfasst 08.12.2016
Jahresrückblick 2016
Top 50 Alben
Vielleicht ist es das Einzige, das man zu einer Liste mit Schallplatten zu diesem Jahr 2016 sagen kann, in der man nicht einfach nur über Musik reden kann: dass es bereichert, diesen 50 Alben (und 2 Mixtapes) zuzuhören.
Music Kolumne | verfasst 06.05.2020
Aigners Inventur
Mai & Juni 2020
Befreit sich von kaukasischer Clumsiness, hat Tiktok verstanden, züchtet Sauerteig und checkt’s einfach: Aigners Inventur im Lockdown. Verstörender Scheiß für verstörende Zeiten.
Music Review | verfasst 01.07.2010
Autechre
Move Of Ten
Autechre kennen sich nicht nur in der akustischen Verstörung bestens aus, in diesem Jahr haben sie auch zu alter Form zurückgefunden.
Music Review | verfasst 16.10.2010
Squarepusher
Shobaleader One: d'Demonstrator
Daft Punk und Air in ein Raumschiff gestopft, im All ausgesetzt – die musikalische Essenz könnte Shobaleader One sein.
Music Review | verfasst 18.09.2010
Flying Lotus
Pattern + Grid World EP
Flying Lotus kann machen was er will und doch liegt ihm die Welt zu Füßen. Das ist auf der Pattern+Grid World EP auch nicht anders.
Music Review | verfasst 29.10.2010
Brian Eno
Small Craft On A Milk Sea
Altmeister und Ambient-Erfinder Brian Eno tobt sich auf seinem Debüt für Warp Records einfach nur aus.
Music Review | verfasst 01.10.2010
Gonjasufi
The Caliph's Tea Party
Äußerst detailverliebte Interpretionen der Originale machen The Caliph’s Tea Party zu einer mehr als sinnvollen Fortführung.
Music Review | verfasst 22.04.2011
Bibio
Mind Bokeh
Langsam aber sicher verabschiedet sich Bibio von seinem Dasein als Autor verhuschter Folksongs.
Music Review | verfasst 18.06.2011
Prefuse 73
The Only She Chapters
Ein neuer Streich von Guillermo Scott Herren. Diesmal widmet er sich dem weiblichen Geschlecht.
Music Review | verfasst 17.03.2010
Gonjasufi
A Sufi And A Killer
Eines der überraschendsten und aufregendsten Alben des noch jungen Jahres kommt von einem islamischen Yogalehrer aus Las Vegas!
Music Review | verfasst 31.07.2011
Brian Eno
Drums Between The Bells
Mit dem Wechsel zu Warp scheint Brian Eno wieder produktiver zu werden. Doch Drums Between The Bells enttäuscht.
Music Review | verfasst 08.08.2011
Africa Hitech
Out In The Streets (VIP)
Nachdem ihr Album 93 Million Miles bereits für Aufregung sorgte, legen Africa Hitech nun nach.
Music Porträt
Arsivplak
Vergangenheit, neu aufgelegt
Volga Çobans Label Arsivplak und das Edit-Projekt Arşivplak sind zwei Seiten derselben Medaille: Einerseits ist er Archivar von türkischem Funk, Disco, Pop, Rock und Jazz, andererseits wirft er ein neues Licht auf alte Klänge.
Music Kolumne
Records Revisited
Grace Jones – Nightclubbing, 1981
Nachtleben für Androiden: Grace Jones sorgte auf »Nightclubbing« mit einer der besten Rhythmusgruppen der Welt dafür, dass Reggae und New Wave im Pop der Achtziger neues Eigenleben entfalteten.
Music Kolumne
Aigners Inventur
Mai & Juni 2021
Die eine Konstante in der Ära von Impfneid, Merzismus und Notbremsenbeef: Aigners Inventur fühlt sich vier Minuten vor Beginn der Ausgangssperre verwegen, hält sich für den Nabel der Deutschrapwelt und kopiert sich nur selbst.
Music Liste
Crumb
10 All Time Favs
Seit ihrem Debüt 2019 gelten Crumb als eines der heißesten Feuer in der Musiklandschaft. Nun ist ihr neues Album »Ice Melt« erschienen. Die Gelegenheit sie nach 10 Schallplatten zu fragen, die sie geformt, gebessert und gebildet haben.
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
Scotch Rolex – Tewari
Ist es Hip-Hop? Ist es Metal? Ist es Dancehall? Ist es Musik, die du nicht raffen wirst? Ist es unfair, dass die Clubs geschlossen sind? Unsere Vinyl-Sprechstundler gehen gleichermaßen clubhorny wie verstört aus DJ Scott Rolex’ »Tewari«.
Music Interview
Adrian Younge
Sonische Geschichtsstunde
Mit »The American Negro« beginnt ein neues Kapitel in der Arbeit von Adrian Younge. Sie ist frontaler, politisch aufgeladener und selbstsicherer. Er will lehren. Wir hatten die Gelegenheit zu einem ausführlichem Interview.
Music Liste
Leon Vynehall
10 All Time Favs
Mit seinem neuen Album »Rare, Forever« setzt der britische Produzent Leon Vynehall den Weg fort, den er mit »Nothing Is Still« begonnen hat. Uns verrät er heute 10 Schallplatten, die ihn geformt, gebessert und gebildet haben.
Music Kolumne
Records Revisited
Gil Scott-Heron – Pieces Of A Man (1971)
Man nannte ihn den »Godfather of Hip Hop«, weil er über Drogen, Rassismus und die Divided States of America textete. Mittlerweile ist das erfolgreichstes Album von Gil Scott-Heron 50 Jahre alt – und aktueller denn je.
Music Kolumne
Records Revisited
Deftones – White Pony (2000)
Die im Juni 2000 veröffentlichte LP »White Pony« wurde deshalb zu einem dermaßen bahnbrechenden Album, weil sich die Deftones darauf erstmals als die Zitationsmaschine in Szene setzen, die sie eigentlich immer schon gewesen waren.
Music Liste
Jenn Wasner (Flock Of Dimes)
10 All Time Favs
Mit ihrem Soloprojekt Flock of Dimes hat Jenn Wasner gerade ihr persönlichstes und zugleich substanziell weitreichendstes Album vorgelegt. Wir baten die Musikerin uns 10 Schallplatten zu nennen, die sie geformt, gebessert, gebildet haben.
Music Porträt
Gondwana Records
Seele und Charakter
Als DJ und Musiker wurde Matthew Halsall zum Labelbetreiber. Ausgehend von einem lokalen Fokus auf die Jazzszene Manchesters hat der Trompeter seinem Label Gondwana mittlerweile eine recht internationale Ausrichtung gegeben.
Music Kolumne
Records Revisited
Busta Rhymes – The Coming (1996)
Als vor 25 Jahren »The Coming« erschien, war Busta Rhymes kein Unbekannter mehr. Sein Solodebüt mit dem Hit »Woo Hah!! Got You All In Check« machte ihn zu einem der größten Rapstars seiner Zeit. Wie klingt das Album heute?
Music Kolumne
Records Revisited
Yellow Magic Orchestra – BGM (1981)
Winke für die Zukunft: Die japanischen Synthesizerzauberer des Yellow Magic Orchestra entwarfen auf ihrem vierten Album »BGM« eine Background Music für nachfolgende Generationen.
Music Kolumne
Records Revisited
Coil – Love's Secret Domain (1991)
Techno ist es nicht – doch hinterließ »Love’s Secret Domain« tiefe Furchen in der Clubmusik der 1990er Jahre und markierte für Coil jenen Wendepunkt, ab dem ihr Wirken eine neue Richtung einschlug. Das Projekt hätte es fast zerrissen.
Music Porträt
Die P
Die Messlatte höher legen
Sie ist das erste Signing des All Female*-Labels 365xx Records und veröffentlicht dieser Tage ihr Debüt »3,14«. Für Die P ist die Golden Era schlicht nachhaltig, Competition ist für sie Ansporn, besser zu werden. Ihr Ziel: Zeitlosigkeit.
Music Porträt
Important Records
Deep Listening Forever!
Ob Pauline Oliveros, Éliane Radigue, Alina Kalancea oder Caterina Barbieri: Seit 20 Jahren ist Important Records wie ein gut bestückter Plattenladen für aufregende Sounds – die beste Anlaufstelle für Musik, die intensiv gehört werden muss.
Music Kolumne
Aigners Inventur
März & April 2021
Die ganze Welt verarbeitet im März 2021 immer noch den März 2020, nur unser Kolumnist ist weiterhin auf der Suche nach Wrong-Speeder-Optionen. Aigners Inventur: Dub aus dem Abyss und durch die FFP2-Maske gerauchte Kippen.
Art Porträt
Vincent de Boer
Wie Jazz mit Pinseln
Der niederländische Künstler Vincent de Boer ist zu einem festen Bandmitglied der britischen Jazzer von Ill Considered avanciert. Er zeichnet Plattencover auf Basis der gehörten Grooves. Für »The Stroke« wurde der Prozess nun umgedreht.
Music Kolumne
Records Revisited
Dinosaur Jr – Green Mind (1991)
Viele Rockbands nehmen zu Beginn der 1990er Jahre ihre bis dahin besten Alben auf. Auch Dinosaur Jr. Während die Band selbst bei den Aufnahmen bereits auseinanderbricht, strotzt ihr viertes Album »Green Mind« vor Kreativität.
Music Porträt
Phew
Ein Leben gegen den Strich
Punk mit Aunt Sally, Synth Pop mit Sakamoto und experimentelle Musik solo und mit anderen: Die japanische Musikerin Phew sucht seit über vier Jahrzehnten die Fehler in der Musik, weil sich darin nur deren Möglichkeiten offenbaren.
Music Porträt
Far Out Recordings
Im Epizentrum der Brazil-Welle
Joe Davis ist der Lokführer, auf dessen Zug Mitte der Neunziger eine ganze Generation Brazil-affiner Producer aufsprang. Mit seinem Label Far Out Recordings wurde er zum weltweiten Statthalter brasilianischer Musikkultur.
Music Kolumne
Records Revisited
Carole King – Tapestry (1971)
Carole King wollte nie Popstar werden, sondern nur Songs schreiben. Weil sie das aber konnte wie niemand sonst, wurde sie es dennoch – mit »Tapestry«, ihrem Debütalbum aus dem Februar 1971.
Music Interview
Audio88 & Yassin
Der bessere Diss
Auf das verflixte fünfte Album von Audio88 und Yassin mussten Fans verflixte fünf Jahre warten. Im Zuge des Weltgeschehens ist es kein Wunder, dass sie radikaler auftreten als je zuvor. Ein Interview anlässlich des neuen Albums »Todesliste«
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
Madlib – Sound Ancestors
»Das erste Madlib-Album, das wirklich als Album gehört werden kann«, sagte Four Tet. – Das ist doch Schwachsinn, sagen unsere Kolumnisten. Sie fragen sich: Hat Madlib hier nicht einfach gemacht, was er immer gemacht hat – und…will man das?
Music Kolumne
Records Revisited
Jan Jelinek – Loop-Finding-Jazz-Records (2001)
2001 hing Jan Jelinek das Ego an den Nagel und lud seinen Sampler mit Klängen von Jazz-Platten auf, um daraus Loops zu basteln. Die liefen aneinander vorbei und bildeten Moiré-Effekte. Davon lebt die Magie von »Loop-finding-jazz-records«.
Music Interview
The Notwist
»Es ist immer ein Zurückkommen«
The Notwist sind wieder da. Sieben Jahre haben sich die Brüder Markus und Michael Acher Zeit gelassen, mit Cico Beck einen Ersatz für Martin Gretschmann gefunden, und einen Klang gefunden, der universeller ist als je zuvor. Ein Interview.
Music Kolumne
Records Revisited
Brian Eno & David Byrne – My Life In The Bush Of Ghosts (1981)
Ethno-Sampling als Pop: Mit ihrem Album »My Life in the Bush of Ghosts« landeten Brian Eno und David Byrne 1981 einen Innovationshit. 40 Jahre später klingt das selbstverständlich. Dafür ergeben sich andere Schwierigkeiten mit dem Ansatz.
Music Interview
Common
»Befreiung fängt im Kopf an«
Sein neues Album trägt den Namen »A Beautiful Revolution Pt.1«, erschien bereits im Oktober digital und in diesen Tagen wird es nun auch auf Vinyl veröffentlicht. Wir nutzten die Gelegenheit mit dem Rapper aus Chicago zu sprechen.
Music Porträt
Zoviet France
Fiebertraum vom Ende
Keine Namen, keine Gesichter, keine Tradition: Zoviet France wollten als anonymes Kollektiv Anfang der Achtziger die Antithese zum orthodoxen Kunstverständnis formulieren – und wurden dabei zu Kultfiguren wider Willen. Bis heute.
Music Liste
Aigners Inventur
Januar & Februar 2021
Ist es Gott? Ist es Hesse? Ist es Domian? Nein, es ist zum Glück einfach nur der Aigner. Der hat die Gardinen seit Wochen maximalst zugezogen und schickt uns die erste Inventur des noch fast unbefleckten neuen Jahres aus dem Kabuff.
Music Liste
Aaron Frazer
10 All Time Favs
»Introducing« heißt das erste Soloalbum von Aaron Frazer. Als Schlagzeuger von Durand Jones & The Indications ist er aber längst kein unbekannter. Musikalisch geht’s in die Sechziger. Uns sagt er, was ihn wirklich musikalisch geprägt hat.
Music Porträt
On The Corner
Banger für das Hinterzimmer
Mit seinem Label On the Corner Records serviert Pete Buckenham einen berauschenden Eintopf aus afro-futuristischen Jazz-Konzepten und zeitgenössischen Street Grooves und stößt er heute bereits die Pforten zum Sounduniversum von morgen auf.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 50 Albums
Sprechen wir es aus: Musik ist in Gefahr, weil sie nicht gemeinsam erlebt werden kann und weil ihre Macher*innen sich seit Monaten in einer existenziellen Krise befinden. Auf Schallplatte gab es dennoch einiges zu hören, wie diese 50 Alben.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 20 12inches
Tanzen war 2020 nicht wirklich. Aber die Vinyl 12" war trotzdem ein begehrtes Format. Und zwar für Musik, die von einer Zeit nach der Katastrophe träumt. Hier sind unsere Top 20. Einen Bonus in Form einer Vinyl 7" gibt’s obendrauf.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 50 Reissues
Früher war alles besser, das reden wir uns schon seit geraumer Zeit ein und seit zehn, fünfzehn Jahren versucht uns die Reissue-Industrie in dieser zur Weltanschauung geronnenen Vermutung zu bestätigen. Hier sind die Top 50 Reissues 2020.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 20 Compilations
Werkeinstiege zu Beverly Glenn-Copeland und Sade, DJ-Mixe von etwa Helena Hauff und Avalon Emerson, Würdigungen, Geschichtslektionen: Die Compilations in 2020 brachten Schwung in das pandemisch und politisch kriselnde Jahr.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 20 Tapes
Das angebliche Tape-Revival ist schon alt genug, als dass seine Heraufbeschwörung durch wiederverwertungsgeile Feuilletons selbst bald ein Revival feiern könnte. Sei’s drum: Diese zwanzig Kassetten haben uns 2020 das Leben gerettet.
Music Porträt
The Silhouettes Project
Protest aus dem Underground
Kosher und Eerf Evil gründeten das Silhouettes Project, um dem Londoner Untergrund Struktur zu verleihen. Ihr selbstbetiteltes Album entstand in gemeinsamen Sessions der britischen Alternative-Rap-Szene.
Music Kolumne
Records Revisited
Coil – Musick to Play in the Dark (1999)
Magie als Klang, der lunare Energien ansammelt: Mit dem im Jahr 1999 veröffentlichten Album »Musick to Play in the Dark« schufen die Elektronik-Esoteriker Coil ihre größten Hymnen an die Nacht. Jetzt wurde es endlich neu veröffentlicht.
Music Porträt
Sault
Black is …
Sault sind die inoffizielle musikalische Stimme der Black Lives Matter Bewegung. Voll radiotauglichem Soul und Jazz, hinter dem die längst überfällige Revolution steht.
Music Kolumne
Aigners Inventur
November & Dezember 2020
Das Virus? Nah, unser furchtloser Kolumnist fürchtet nur eines hinter jeder Straßenecke: Clueso. Aigner schmeißt sich in fiktive Nachtbusse und bückt sich n zu den REWE-Spaghetti runter, weil die von Barilla wieder weggepreppt wurden.