Music Porträt | verfasst 05.05.2020
Soviet Grail
Kollektives Gedächtnis
Zwischen Jazz-Experimenten, elektronischem Sowjetbrutalismus und psychdedlischem Underground gräbt Sergey Klimov nach Schätzen, für die Musiker im Gefängnis landeten. Mit Soviet Grail begibt er sich in die sowjetische Musikvergangenheit.
Text Christoph Benkeser
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Die Schallplatten von Soviet Grail findest du im Webshop von HHV Records.


Am Anfang steht das Ende der Geschichte. 1991 zerfällt die Sowjetunion, der sozialistische Realismus verschwindet, der Kalte Krieg ist vorbei. Das staatliche Sowjetlabel Meldodjia – bis dahin die einzige Möglichkeit, in der UdSSR offiziell Musik zu veröffentlichen – öffnet sich in Richtung Westen. Noch wenige Monate zuvor war alles anders: »Als Musiker musstest du eine Genehmigung des staatlichen Kulturkomitees erhalten«, sagt Sergey Klimov, Gründer des Labels Soviet Grail. »Diese Einschränkungen haben die meisten kreativen Bemühungen zerstört.« Und doch entstand ab den 1970er Jahren Musik, die sich der Zensur entziehen konnte: Free Jazz-Experimente, elektronischer Sowjetbrutalismus, psychedelischer Rock und Funk zogen ihre Kreise im sozialistischen Underground-Autodrom – und warten heute auf ihre Neuentdeckung.

Sergey Klimov bezeichnet sich selbst als Musik-Archäologen. Der St. Petersburger gräbt nach musikalischen Schätzen aus einer Zeit, in der man für die falsche Musik im Gefängnis landen konnte. Seine Ausgrabungen stellt er auf seinem Label Soviet Grail aus. »Ziel ist es, das musikalische Erbe der ehemaligen Sowjetrepubliken zu bewahren. Die Musik muss gehört und die Geschichte ihrer Entstehung erzählt werden«, so Klimov. 2006 habe er begonnen, Platten zu sammeln, zuerst Hip-Hop, später elektronische Musik. Über die Jahre veränderte sich sein Musikgeschmack. Er sei auf die Wurzeln des Jazz, Soul und Funks gestoßen, der psychedelische Rock der Siebziger kam dazu. Je seltsamer und exotischer die Musik gewesen sei, desto mehr faszinierte sie ihn. »Ich stürzte mich kopfüber in die sowjetische Musikszene auf der Suche nach Psychedelic-, Groove- und Elektronic-Platten. Und ich entdeckte immer mehr.«

2013 gründet Sergey Klimov ZBS Records, eine Plattform für aktuelle Veröffentlichungen der russischen Musikszene. Damit grenzt er sich stark von seinem zweiten Label ab. »Alles was vor 1991 geschah, gehört zum Katalog von Soviet Grail«, sagt Klimov, der das Tochterlabel 2017 ins Leben ruft. »Ich fand im Internet Bootlegs mit seltener Musik aus der Sowjetzeit. Das hat mich geärgert, weil ich glaube, dass Musiker für ihre Arbeit entlohnt werden müssen. Die Tatsache, dass es so viele Bootlegs gab, war für mich ein Grund zum Gegensteuern.« Allerdings interessiere es ihn nicht nur, seltene Perlen der Sowjetzeit offiziell aufzulegen, sondern auch etwas zu öffnen, das im Laufe der Jahre verloren gegangen sei. Manche Platten haben es nicht durch die Zensur geschafft, andere seien in den Archiven von Musikern und Aufnahmestudios verstaubt. »Auf der Suche nach ihnen habe ich mich selbst gefunden«, so Klimov. Dabei sei es ihm erst in der Vorbereitung zur ersten Veröffentlichung gelungen, das Konzept des Labels zu definieren. »Der Name Soviet Grail richtet das Label aus. Es widmet sich der Archäologie und Bewahrung des musikalischen Erbes der Sowjetunion.«

»Der Name Soviet Grail richtet das Label aus. Es widmet sich der Archäologie und Bewahrung des musikalischen Erbes der Sowjetunion.« (Sergey Klimov)

Die Wiederveröffentlichung von Platten aus UdSSR-Zeiten gestaltet sich allerdings schwieriger als das Auflegen neuer Musik. Inzwischen seien die meisten Musiker, die in den 1970er Jahren Psych-Rock-Platten aufnahmen, alt und nutzen keine sozialen Netzwerke, so Sergey. »Ich muss echte Detektivarbeit leisten.« Oft werde er von einem Kontakt zum nächsten weitergeleitet, auch weil sich die Musiker vieler Bands in der Sowjetzeit gekannt haben. »Als ich einige von ihnen aufspürte, gaben sie mir Hinweise für andere Gruppen, von denen ich noch nie gehört hatte.« Soviet Grail nimmt auf diese Weise einen enzyklopädischen Charakter an. Man hört nicht nur die Musik, sondern macht sich auch mit dem Hintergrund der Bands vertraut. Dafür reise Sergey den Spuren der Vergangenheit nach – Tausende Kilometer durch Russland oder ins Ausland. »Ich führe Interviews mit den Musikern, grabe Archivfotos aus, lerne die Feinheiten der Aufnahme kennen und kann so die Geschichte der jeweiligen Band nachzeichnen.«

Manchmal erfordere die Arbeit auch Glück, gibt der Labelboss zu. Wenn er keine Original-Masteraufnahmen finden konnte, ließen sich bisher Kopien oder bereits digitalisierte Bänder von anderen Musikern auftreiben. Kompliziert bleibe es trotzdem: »Als sich der Zusammenbruch der UdSSR abzeichnete, haben manche Musiker ihre eigenen Masterbänder von den Aufnahmestudios gekauft. Leider war das nicht überall so«, so Klimov, der betont, dass manche Platten für immer verschwunden bleiben werden. Außerdem passiere es immer wieder, dass bestehende Bänder während der Digitalisierung zerbröseln. »Ich muss die Segmente ersetzen, indem ich den Sound von der Schallplatte aufnehme und die Aufnahmen rekonstruiere.«

Diese Rekonstruktion führt der Russe 2020 weiter. Drei Alben des Jazz-Fusion-Ensembles Boomerang (Бумеранг) aus den 1980er Jahren werde er neu auflegen. Dazu wolle er unveröffentlichte Live-Aufnahmen der Band auf Vinyl pressen. Mit Platten von Orlan and the Oleg Gotzkozik Quintett werde sich Soviet Grail in Richtung orientalischen Jazz weiterentwickeln. Psychedelisches gebe es aber weiterhin. »Ich werde die Hardrock- und Free Jazz-Experimente des Leningrader Undergroundmusikers Yuri Morozov veröffentlichen.« Außerdem bereite Klimov den Nachfolger zum Debütalbum der kasachischen Rockgruppe Dos-Mukasan, die einzige Single des Funk-Ensembles Sintez und Aufnahmen der usbekischen Band Original vor. »Die sind zu Sowjetzeiten wegen ihrer Leidenschaft für westliche Kultur verboten worden. Aber so einen Disco-Sound habt ihr noch nie gehört!«


Die Schallplatten von Soviet Grail findest du im Webshop von HHV Records.

Dein Kommentar
1 Kommentare
05.05.2020 19:25
palastbrand:
Allein der letzte Absatz, geil. Genau sowas brauche ich jetzt.
― antworten
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