Music Liste | verfasst 02.06.2020
Rafael Anton Irisarri
10 All Time Favs
Ambient? Vielleicht. Aber mit Splittern von Metal, Neo-Klassik und anderem. Rafael Anton Irisarri malt mit dickem Pinselstrich überwältigende Klanggemälde. Für uns hat der US-amerikanische Komponist seine Einflüsse offengelegt.
Text Kristoffer Cornils , Übersetzung Sebastian Hinz
10alltimefavs_magazin_artikel_1024px_685px

Rafael Anton Irisarri - PeripeteiaFind it at hhv.de: Transparent Red LP, Black LP Rafael Anton Irisarri hält sich nicht mit Kleckern auf. Wenn der US-amerikanische Komponist, Produzent und Mastering-Engineer den Pinsel in die Hand nimmt, dann malt er mit starkem Duktus. Nach seinem Debüt »Daydreaming« auf Erik K. Skodvins Label Miasmah etablierte sich der Multi-Instrumentalist spätestens mit seinem Album »The North Bend« aus dem Jahr 2010 für Lawrence Englishs Label Room40 als einer der führenden Ambient-Musiker seiner Zeit, obwohl Ambient schon damals nicht der richtige Begriff schien. Denn statt eine pastellfarbene Wandtapete hinzupinseln, schuf Irisarri auf der LP ein pastorales Tableau, ein vielschichtiges und rundes Bild des amerikanischen Nordwestens, das von neoklassischen Tönen und Referenzen an »Twin Peaks« durchzogen war. Das definierte den Ton für Irisarris kommendes Schaffen vor: Unter den zugleich fragilen wie wuchtigen Klangbergen seiner Musik schimmerten die Abgründe in den surrealsten, Lynch-ähnlichen Farben.

Eines von Rafael Anton Irisarris Hauptthemen ist nach wie vor die Natur oder genauer noch unser Verhältnis zu ihr. Schon »The North Bend« war eine Art psychografischer Reisealmanach, mit »A Fragile Geography« oder zuletzt dem monumentalen »Solastalgia« vertiefte der US-Amerikaner seine künstlerische Auseinandersetzung mit den Wechselwirkungen zwischen Umwelt und Mensch. Insbesondere letzteres zeichnete sich durch eine Intensität aus, die dem Titel nur angemessen war: Als Solastalgie wird der emotionale und physische Stress bezeichnet, den die Klimakrise beim Individuum auslöst. Keine leichte Kost. Nach einer gemeinsamen Platte mit Leandro Fresco betritt »Peripeteia« für das Label Dais Records nun erstmals neue Wege oder geht zumindest den umgekehrten Weg: Elemente aus Metal und (neo-)klassischer Musik werden zu karger Überforderungs-Drone-Musik montiert, die nicht mehr durch die Außenwelt das Innenleben zu erforschen suchen, sondern aus der subjektiven Gefühlslage heraus Aussagen über die Menschheit als solche treffen möchten. Es ist, kurzum, selbst in Irisarris beeindruckender Diskografie eine ambitionierte Platte. Damit indes kennt er sich aus, wie seine 10 All Time Favs zeigen: Von feinen Pinselstrichen von Talk Talk oder Harold Budd & Brian Eno angefangen über die flirrenden Gitarrenwände der My Bloody Valentine und Slowdive hin zu den pulsierenden Rhythmen von The Orb und Kraftwerk zeichnen sich seine Lieblingsalben dadurch aus, dass sie nicht weniger als Meilensteine ihrer Gattung sind.


Die Schallplatten von Rafael Anton Irisarri findest du im Webshop von HHV Records.


Talk Talk – Laughing Stock 1 – Talk Talk – Laughing Stock (Polydor) (1991) | Vinyl LP
Rafael Anton Irisarri: Der großartige, kürzlich verstorbene Mark Hollis sagte einmal: »Before you play two notes, learn how to play one note, y’know. And that, it’s as simple as that really. And don’t play one note unless you’ve got a reason to play it.« Dieses Album ist sein Meisterwerk. Es ist eine Platte, die ich mir immer anhöre, wenn ich nach Inspiration suche. Es ist eine solche Schönheit. Alles an diesem Album ist großartig. Vom erstaunlichen Klang über die unglaublichen Kompositionen bis hin zum wahnsinnigen Maß an Zurückhaltung: die meisten der aufgenommenen Musikstücke haben es nie auf das endgültige Album geschafft. Phil Brown (der es produziert hat) sagte: »Es bedarf einer starken Disziplin, um 80% der aufgenommenen Musik zu löschen. Nur wenige haben die Disziplin, ›Zeug‹ loszuwerden«.

My Bloody Valentine – Loveless 2 – My Bloody Valentine – Loveless (Creation) (1991) | Vinyl LP
Rafael Anton Irisarri: Als ich »Loveless« zum ersten Mal hörte, war das einer dieser lebensbestimmenden Momente. Es veränderte nicht nur die Art und Weise, wie ich Gitarre spielte, sondern rekontextualisierte auch die Art und Weise, wie ich Musik im Allgemeinen betrachtete. Ich erinnere mich, dass ich den ersten Titel gehört und gedacht habe: »Ich weiß nicht, was diesen ›Elefanten‹ zum Klingen bringt, aber ich will ihn spielen!« Kevin Shields ist Gott.

Cluster - Sowiesoso 3 – Cluster – Sowiesoso (Sky Records) (1976) | Vinyl LP
Rafael Anton Irisarri: Ein Album, das vor 44 Jahren veröffentlicht wurde, das klingt, als wäre es auch heute noch entstanden und veröffentlicht worden. Zwei deutsche Kerle, die auf dem Land leben und mit Synthesizern improvisieren, sind wirkungsvoller als ganze Orchester. Das hat zahlreiche Menschen wie Brian Eno und andere beeinflusst. Ich bezeichne »Sowiesoso« als meine »Ausbildung«. Spärlich, warm und völlig zeitlos.

Cocteau Twins – Treasure 4 – Cocteau Twins – Treasure (4AD) (1984) | Vinyl LP
Rafael Anton Irisarri: Es war extrem schwierig, ein Album der Cocteau Twins auszuwählen. Vor dem Einbruch im Jahr 2014 besaß ich jede Cocteau-Twin-Platte, CD-Box, Kassette usw. Sobald es veröffentlicht wurde, hatte ich es. Die Stimme von Liz Fraser und die Gitarrenarbeit von Robin Guthrie in Songs wie »Pandora« gehören zum besten während ihrer gemeinsamen Zeit. Ich traf Robin 2006 und teilte mir dann 2007 die Bühne, und es war wirklich großartig. Ich brachte ihn dazu, mein Exemplar von »Treasure« zu signieren, und er lobte meinen Gitarrensound während des Soundchecks bei dieser Show. Meine einzige gute Antwort an ihn war: »Natürlich magst du es, ich habe es dir gestohlen!«

The Orb – Orbus Terrarum 5 – The Orb – Orbus Terrarum (Island) (1995) | Vinyl LP
Rafael Anton Irisarri: Als Teenager mitten im Nirgendwo aufzuwachsen, bedeutete in den 1990er Jahren kaum Zugang zum Internet (im Gegensatz zu heute, wo wir an eine Schallplatte denken und sie uns in Sekundenschnelle anhören können). Wir waren auf unseren lokalen Plattenladen, ältere Freunde und Leute mit Zugang zu einem Versandkatalog angewiesen, um neue, interessante Musik zu entdecken, die in Kettenläden wie Sam Goody oder Tower Records nicht erhältlich war. Eine Freundin aus der Industrial-Szene spielte mir dieses Album vor. Ich erinnere mich, dass ich sie fragte, wie diese Musik genannt wurde. Sie sagte: »Das ist Ambient-Musik«. Dieses Album von The Orb wurde für mich das Tor zu einer langen musikalischen Entdeckungsreise. »Orbus Terrarum« enthält viele Elemente, die meine eigene Musik immens beeinflusst haben, von Field Recordings und gefundenen Klängen bis hin zu rhythmischer Synkopierung und Texturproduktion.

Kraftwerk – Die Mensch-Maschine 6 – Kraftwerk – Die Mesnch-Maschine (EMIl) (1978) | Vinyl LP
Rafael Anton Irisarri: Ohne Florian Schneider würde niemand von uns die Musik, die wir heute machen, hören oder machen. »Enorm einflussreich« ist eine Untertreibung. Unquantifizierbare Inspiration & Innovation. Eines meiner Lieblingsdinge überhaupt ist die Ganztonskala, die mit »Spacelab« beginnt und sich in einen wirklich schnellen LFO verwandelt. Brillante AF. Endlos Endlos.

Bohren & Der Club Of Gore – Black Earth 7 – Bohren & Der Club Of Gore – Black Earth (Pias) (2002) | Vinyl 2LP
Rafael Anton Irisarri: Diese Band habe ich erst mit Mitte 20 entdeckt, aber ich bin so froh, dass ich sie entdeckt habe. »Black Earth« ist eines meiner Lieblingsalben aller Zeiten. Da ich damals im pazifischen Nordwesten lebte, war es einfach erstaunlich, es über Kopfhörer zu hören, während man irgendwo oben im Tiger Mountain wanderte. Es ist so etwas wie der beste Soundtrack zu dieser Region. So episch. Ich hatte das Glück, sie zweimal live spielen zu sehen, und sie waren so unglaublich. TIGHT. Sie haben sich während des Spiels nie angeschaut, und sie haben nie einen Takt verpasst. Nach ihrem Konzert in Prag gingen wir zum Abendessen aus, und während ich mit ihrem Schlagzeuger sprach, erfuhr ich, dass er ein großer Fan von elektronischer Musik aus Detroit wie Underground Resistance war. Er erzählte mir sogar, dass ihre Long-Form-Songs irgendwie von den langen Techno-Jams aus Detroit inspiriert seien.

Augustus Pablo – East Of The River Nil 8 – Augustus Pablo – East Of The River Nile (Message) (1978) | Vinyl LP
Rafael Anton Irisarri: Dieses Album habe ich in der Karibik gehört, als ich aufwuchs. Es hat die Art und Weise geprägt, wie ich heute Musik mache. Ich wurde auf der Insel Puerto Rico geboren (jenem US-Territorium, das »von Wasser, großem Wasser, Ozeanwasser umgeben« ist). Als ich aufwuchs, war mein Zugang zu aufgenommener Musik ziemlich begrenzt – knappe Ressourcen sind sicherlich kein Freund von Kunst und Kultur. Ich hatte einen Onkel, der sich sehr für Reggae begeisterte und mir immer Mixtapes von Songs machte, die er aus dem Radio aufnahm (da er einen Sender in den nahegelegenen British Virgin Islands hören konnte, wo diese Musik regelmäßig gespielt wurde). Auf diese Weise brachte ich mir das Bassgitarrespielen bei, indem ich mir Reggae und Dub-Kassetten anhörte. »East Of The River Nile« ist das absolute Dub-Album.

Brian Eno & Harold Butt – Ambient 2 9 – Brian Eno & Harold Budd – Ambient 2 (Polydor) (1980)
Rafael Anton Irisarri: Möglicherweise mein Lieblingsalbum. »Not Yet Remembered« vielleicht mein Lieblingsstück hier. Ich habe diese Platte öfter gehört, als ich zählen kann, seit ich etwa 16 oder so war. Jedes Mal, wenn ich sie anhöre, finde ich etwas Neues, entdecke ich ein neues Geheimnis. Harold Budd liegt mir so sehr am Herzen. Ein erstaunlicher Gentleman und eine gütige Seele. Als ich anfing, Musik zu veröffentlichen, schickte ich ihm ein Exemplar meines ersten Albums »Daydreaming«, und er schrieb mir tatsächlich zurück, eine sehr kurze Notiz, die lautete: »Absolutely wonderful Rafael«. Ähnlich wie sein Klavierspiel: Ökonomie der Noten und Worte, aber äußerst wirkungsvoll.

Slowdive – Souvlaki 10 – Slowdive – Souvlaki (Creation) (1993) | Vinyl LP
Rafael Anton Irisarri: »Souvlaki« war der Soundtrack zu meinen einsamen Jahren im späten Teenageralter. Ich hatte kaum Freunde, und die Musik wurde für mich eine Möglichkeit, mit der Tatsache zurechtzukommen, dass ich nirgendwo hinzugehören schien. Ich habe mich mit Simon Scott von Slowdive gut angefreundet und habe mit ihm bei einer Vielzahl von Gelegenheiten zusammengearbeitet und getourt. Es fühlt sich alles sehr kreisförmig an, aber in gewisser Weise auch wie ein Traum. Als ich 17 Jahre alt war, hätte ich mir das in einer Million Jahren nicht vorstellen können. Alles kann im Leben passieren, nehme ich an!


Die Schallplatten von Rafael Anton Irisarri findest du im Webshop von HHV Records.

Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Liste | verfasst 04.05.2020
ADULT.
10 All Time Favs
Seit mehr als 20 Jahren machen ADULT. nun Musik. Und sie haben noch immer keinen Bock auf simple Zuschreibungen, Sonnenlicht, Selbsttäuschungen. Dafür hatten sie Bock uns Schallplatten zu nennen, die sie geformt, gebessert, gebildet haben.
Music Review | verfasst 16.01.2014
Rafael Anton Irisarri
The Unintentional Sea
Rafael Anton Irisarri lässt mit Klängen Landschaften entstehen. Sein Sound ist schroff, aber nicht ohne Sensibilität.
Music Review | verfasst 14.04.2014
Orcas
Yearling
Rafael Anton Irissari und Benoit Pioulard haben ein zweites Album als Orcas veröffentlicht.
Music Review | verfasst 09.07.2012
Orcas
Orcas
Thomas Beluch und Rafael Anton Irisarri erschaffen als Orcas Sound-Collagen und liefern damit den Ambient-Soundtrack des Sommers.
Music Review | verfasst 16.10.2015
Rafael Anton Irisarri
A Fragile Geography
Rafael Anton Irisarri beschert uns mit »A Fragile Geography« eine Überraschung, weil es einen Funken Hoffnung in sich trägt.
Music Liste | verfasst 29.12.2015
Jahresausklang 2015
Die besten Songs (30-11)
Woche für Woche picken unsere Redakteure im Ausklang ihre Lieblingssongs. Jeder für sich. Jetzt sollten sie gemeinsam die Top 50 des Jahres festlegen. Es wurden Existenzen in Frage gestellt bis Platz 1 alle vereinte.
Music Liste | verfasst 25.08.2017
Ausklang | 2017KW34
8 essentielle neue Platten
Hunderte neue Releases, jede Woche. Davon viele sehr gut – und bereits von diversen Portalen vorgestellt. Wir präsentieren: die unvorgestelltesten, besten Releases der Woche. Ab vom Schuss, leicht daneben und tierisch geil: der Ausklang.
Music Liste | verfasst 11.07.2019
Halbjahresrückblick 2019
50 best Vinyl Records so far
Was ist denn musikalisch 2019 überhaupt schon passiert? Woran sollte man sich als Vinyl-Liebhaber erinnern? Und welche Schallplatten wurden denn ungerechtfertigt übersehen? Diese 50 Schallplatten verraten es euch.
Music Review | verfasst 12.05.2017
Annie Anxiety
Soul Possession
Man muss dieses Album nicht gerne hören, dafür vollstes Verständnis. Gehört haben aber sollte man es, denn es gibt wenig Vergleichbares.
Music Review | verfasst 02.11.2017
Coil
Time Machines
Die knapp 20 Jahre, die das 1998 erstmals veröffentlichte »Time Machines« von Coil mittlerweile alt ist, hört man ihm an keiner Stelle an.
Music Review | verfasst 22.11.2018
Drew McDowall
The Third Helix
Psychedelisches aus dem Computer: Coil’s Drew McDowall legt mit »The Third Helix« sein drittes Soloalbum vor.
Music Review | verfasst 22.03.2019
Xeno & Oaklander
Hypnos
So gut wie Xeno & Oaklander, erneut bewiesen auf ihrem fünften Album »Hypnos«, können nur wenige Musik aus Elektrizität zusammenbrauen.
Music Review | verfasst 18.10.2019
Stephen Mallinder
Um Dada
Nach 35 Jahren erscheint mit »Um Dada« das zweite Soloalbum von Cabaret Voltaire’s Stephen Mallinda. Kann man so sehen.
Music Review | verfasst 16.04.2020
Adult.
Perception is/as/of Deception
Mit »Perception is/as/of Deception« macht sich das Detroiter Duo Adult. in den einst von D.A.F. erschaffenen Klangarchitektur breit.
Music Review | verfasst 14.04.2020
Ghédalia Tazartès
Diasporas
Der vielgestaltige Chor der Unglücklichen: Dais Records hat Ghedalia Tazartes’ Debüt »Diasporas« von 1979 wieder aufgelegt.
Music Review | verfasst 24.09.2020
Drew McDowall
Agalma
Unwirkliche Räume modulierter Schönheit: Coils Drew McDowall veröffentlicht mit »Algama« einen neues Album.
Music Liste | verfasst 16.06.2017
Ausklang | 2017KW24
8 essentielle neue Platten
Hunderte neue Releases, jede Woche. Davon viele sehr gut – und bereits von diversen Portalen vorgestellt. Wir präsentieren: die unvorgestelltesten, besten Releases der Woche. Ab vom Schuss, leicht daneben und tierisch geil: der Ausklang.
Music Kolumne | verfasst 24.11.2020
Records Revisited
Coil – Musick to Play in the Dark (1999)
Magie als Klang, der lunare Energien ansammelt: Mit dem im Jahr 1999 veröffentlichten Album »Musick to Play in the Dark« schufen die Elektronik-Esoteriker Coil ihre größten Hymnen an die Nacht. Jetzt wurde es endlich neu veröffentlicht.
Music Review | verfasst 29.10.2010
Brian Eno
Small Craft On A Milk Sea
Altmeister und Ambient-Erfinder Brian Eno tobt sich auf seinem Debüt für Warp Records einfach nur aus.
Music Review | verfasst 20.01.2011
Pan American
For Waiting, For Chasing
Die Balance zwischen elektronischen und akustischen Klängen tarieren nur sehr wenige derart vollkommen.
Music Review | verfasst 17.02.2011
Tim Hecker
Ravedeath, 1972
Am Ende bleibt keine Erinnerung, nur ein Gefühl von amorpher Weite, die sich irgendwie heimisch anfühlt.
Music Review | verfasst 27.03.2011
Emanuele Errante
Time Elapsing Handheld
Emanuele Errante hat einen Versuch über die Zeit vorgelegt, in der die Töne das Schweben erlernen.
Music Review | verfasst 17.05.2011
Rene Hell
The Terminal Symphony
Der Syntheziser fungiert derzeit als Leitinstrument der elektronischen Musik. Rene Hell zeigt, wieso diese Renaissance Sinn macht.
Music Review | verfasst 21.07.2011
Biosphere
N-Plants
Die Entstehungsgeschichte ist noch das Spannendste am neuen Album von Biosphere, findet unser Kritiker Jens Pacholsky.
Music Review | verfasst 31.07.2011
Brian Eno
Drums Between The Bells
Mit dem Wechsel zu Warp scheint Brian Eno wieder produktiver zu werden. Doch Drums Between The Bells enttäuscht.
Music Kolumne
Records Revisited
Grace Jones – Nightclubbing, 1981
Nachtleben für Androiden: Grace Jones sorgte auf »Nightclubbing« mit einer der besten Rhythmusgruppen der Welt dafür, dass Reggae und New Wave im Pop der Achtziger neues Eigenleben entfalteten.
Music Kolumne
Aigners Inventur
Mai & Juni 2021
Die eine Konstante in der Ära von Impfneid, Merzismus und Notbremsenbeef: Aigners Inventur fühlt sich vier Minuten vor Beginn der Ausgangssperre verwegen, hält sich für den Nabel der Deutschrapwelt und kopiert sich nur selbst.
Music Liste
Crumb
10 All Time Favs
Seit ihrem Debüt 2019 gelten Crumb als eines der heißesten Feuer in der Musiklandschaft. Nun ist ihr neues Album »Ice Melt« erschienen. Die Gelegenheit sie nach 10 Schallplatten zu fragen, die sie geformt, gebessert und gebildet haben.
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
Scotch Rolex – Tewari
Ist es Hip-Hop? Ist es Metal? Ist es Dancehall? Ist es Musik, die du nicht raffen wirst? Ist es unfair, dass die Clubs geschlossen sind? Unsere Vinyl-Sprechstundler gehen gleichermaßen clubhorny wie verstört aus DJ Scott Rolex’ »Tewari«.
Music Interview
Adrian Younge
Sonische Geschichtsstunde
Mit »The American Negro« beginnt ein neues Kapitel in der Arbeit von Adrian Younge. Sie ist frontaler, politisch aufgeladener und selbstsicherer. Er will lehren. Wir hatten die Gelegenheit zu einem ausführlichem Interview.
Music Liste
Leon Vynehall
10 All Time Favs
Mit seinem neuen Album »Rare, Forever« setzt der britische Produzent Leon Vynehall den Weg fort, den er mit »Nothing Is Still« begonnen hat. Uns verrät er heute 10 Schallplatten, die ihn geformt, gebessert und gebildet haben.
Music Kolumne
Records Revisited
Gil Scott-Heron – Pieces Of A Man (1971)
Man nannte ihn den »Godfather of Hip Hop«, weil er über Drogen, Rassismus und die Divided States of America textete. Mittlerweile ist das erfolgreichstes Album von Gil Scott-Heron 50 Jahre alt – und aktueller denn je.
Music Kolumne
Records Revisited
Deftones – White Pony (2000)
Die im Juni 2000 veröffentlichte LP »White Pony« wurde deshalb zu einem dermaßen bahnbrechenden Album, weil sich die Deftones darauf erstmals als die Zitationsmaschine in Szene setzen, die sie eigentlich immer schon gewesen waren.
Music Liste
Jenn Wasner (Flock Of Dimes)
10 All Time Favs
Mit ihrem Soloprojekt Flock of Dimes hat Jenn Wasner gerade ihr persönlichstes und zugleich substanziell weitreichendstes Album vorgelegt. Wir baten die Musikerin uns 10 Schallplatten zu nennen, die sie geformt, gebessert, gebildet haben.
Music Porträt
Gondwana Records
Seele und Charakter
Als DJ und Musiker wurde Matthew Halsall zum Labelbetreiber. Ausgehend von einem lokalen Fokus auf die Jazzszene Manchesters hat der Trompeter seinem Label Gondwana mittlerweile eine recht internationale Ausrichtung gegeben.
Music Kolumne
Records Revisited
Busta Rhymes – The Coming (1996)
Als vor 25 Jahren »The Coming« erschien, war Busta Rhymes kein Unbekannter mehr. Sein Solodebüt mit dem Hit »Woo Hah!! Got You All In Check« machte ihn zu einem der größten Rapstars seiner Zeit. Wie klingt das Album heute?
Music Kolumne
Records Revisited
Yellow Magic Orchestra – BGM (1981)
Winke für die Zukunft: Die japanischen Synthesizerzauberer des Yellow Magic Orchestra entwarfen auf ihrem vierten Album »BGM« eine Background Music für nachfolgende Generationen.
Music Kolumne
Records Revisited
Coil – Love's Secret Domain (1991)
Techno ist es nicht – doch hinterließ »Love’s Secret Domain« tiefe Furchen in der Clubmusik der 1990er Jahre und markierte für Coil jenen Wendepunkt, ab dem ihr Wirken eine neue Richtung einschlug. Das Projekt hätte es fast zerrissen.
Music Porträt
Die P
Die Messlatte höher legen
Sie ist das erste Signing des All Female*-Labels 365xx Records und veröffentlicht dieser Tage ihr Debüt »3,14«. Für Die P ist die Golden Era schlicht nachhaltig, Competition ist für sie Ansporn, besser zu werden. Ihr Ziel: Zeitlosigkeit.
Music Porträt
Important Records
Deep Listening Forever!
Ob Pauline Oliveros, Éliane Radigue, Alina Kalancea oder Caterina Barbieri: Seit 20 Jahren ist Important Records wie ein gut bestückter Plattenladen für aufregende Sounds – die beste Anlaufstelle für Musik, die intensiv gehört werden muss.
Music Kolumne
Aigners Inventur
März & April 2021
Die ganze Welt verarbeitet im März 2021 immer noch den März 2020, nur unser Kolumnist ist weiterhin auf der Suche nach Wrong-Speeder-Optionen. Aigners Inventur: Dub aus dem Abyss und durch die FFP2-Maske gerauchte Kippen.
Art Porträt
Vincent de Boer
Wie Jazz mit Pinseln
Der niederländische Künstler Vincent de Boer ist zu einem festen Bandmitglied der britischen Jazzer von Ill Considered avanciert. Er zeichnet Plattencover auf Basis der gehörten Grooves. Für »The Stroke« wurde der Prozess nun umgedreht.
Music Kolumne
Records Revisited
Dinosaur Jr – Green Mind (1991)
Viele Rockbands nehmen zu Beginn der 1990er Jahre ihre bis dahin besten Alben auf. Auch Dinosaur Jr. Während die Band selbst bei den Aufnahmen bereits auseinanderbricht, strotzt ihr viertes Album »Green Mind« vor Kreativität.
Music Porträt
Phew
Ein Leben gegen den Strich
Punk mit Aunt Sally, Synth Pop mit Sakamoto und experimentelle Musik solo und mit anderen: Die japanische Musikerin Phew sucht seit über vier Jahrzehnten die Fehler in der Musik, weil sich darin nur deren Möglichkeiten offenbaren.
Music Porträt
Far Out Recordings
Im Epizentrum der Brazil-Welle
Joe Davis ist der Lokführer, auf dessen Zug Mitte der Neunziger eine ganze Generation Brazil-affiner Producer aufsprang. Mit seinem Label Far Out Recordings wurde er zum weltweiten Statthalter brasilianischer Musikkultur.
Music Kolumne
Records Revisited
Carole King – Tapestry (1971)
Carole King wollte nie Popstar werden, sondern nur Songs schreiben. Weil sie das aber konnte wie niemand sonst, wurde sie es dennoch – mit »Tapestry«, ihrem Debütalbum aus dem Februar 1971.
Music Interview
Audio88 & Yassin
Der bessere Diss
Auf das verflixte fünfte Album von Audio88 und Yassin mussten Fans verflixte fünf Jahre warten. Im Zuge des Weltgeschehens ist es kein Wunder, dass sie radikaler auftreten als je zuvor. Ein Interview anlässlich des neuen Albums »Todesliste«
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
Madlib – Sound Ancestors
»Das erste Madlib-Album, das wirklich als Album gehört werden kann«, sagte Four Tet. – Das ist doch Schwachsinn, sagen unsere Kolumnisten. Sie fragen sich: Hat Madlib hier nicht einfach gemacht, was er immer gemacht hat – und…will man das?
Music Kolumne
Records Revisited
Jan Jelinek – Loop-Finding-Jazz-Records (2001)
2001 hing Jan Jelinek das Ego an den Nagel und lud seinen Sampler mit Klängen von Jazz-Platten auf, um daraus Loops zu basteln. Die liefen aneinander vorbei und bildeten Moiré-Effekte. Davon lebt die Magie von »Loop-finding-jazz-records«.
Music Interview
The Notwist
»Es ist immer ein Zurückkommen«
The Notwist sind wieder da. Sieben Jahre haben sich die Brüder Markus und Michael Acher Zeit gelassen, mit Cico Beck einen Ersatz für Martin Gretschmann gefunden, und einen Klang gefunden, der universeller ist als je zuvor. Ein Interview.
Music Kolumne
Records Revisited
Brian Eno & David Byrne – My Life In The Bush Of Ghosts (1981)
Ethno-Sampling als Pop: Mit ihrem Album »My Life in the Bush of Ghosts« landeten Brian Eno und David Byrne 1981 einen Innovationshit. 40 Jahre später klingt das selbstverständlich. Dafür ergeben sich andere Schwierigkeiten mit dem Ansatz.
Music Interview
Common
»Befreiung fängt im Kopf an«
Sein neues Album trägt den Namen »A Beautiful Revolution Pt.1«, erschien bereits im Oktober digital und in diesen Tagen wird es nun auch auf Vinyl veröffentlicht. Wir nutzten die Gelegenheit mit dem Rapper aus Chicago zu sprechen.
Music Porträt
Zoviet France
Fiebertraum vom Ende
Keine Namen, keine Gesichter, keine Tradition: Zoviet France wollten als anonymes Kollektiv Anfang der Achtziger die Antithese zum orthodoxen Kunstverständnis formulieren – und wurden dabei zu Kultfiguren wider Willen. Bis heute.
Music Liste
Aigners Inventur
Januar & Februar 2021
Ist es Gott? Ist es Hesse? Ist es Domian? Nein, es ist zum Glück einfach nur der Aigner. Der hat die Gardinen seit Wochen maximalst zugezogen und schickt uns die erste Inventur des noch fast unbefleckten neuen Jahres aus dem Kabuff.
Music Liste
Aaron Frazer
10 All Time Favs
»Introducing« heißt das erste Soloalbum von Aaron Frazer. Als Schlagzeuger von Durand Jones & The Indications ist er aber längst kein unbekannter. Musikalisch geht’s in die Sechziger. Uns sagt er, was ihn wirklich musikalisch geprägt hat.
Music Porträt
On The Corner
Banger für das Hinterzimmer
Mit seinem Label On the Corner Records serviert Pete Buckenham einen berauschenden Eintopf aus afro-futuristischen Jazz-Konzepten und zeitgenössischen Street Grooves und stößt er heute bereits die Pforten zum Sounduniversum von morgen auf.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 50 Albums
Sprechen wir es aus: Musik ist in Gefahr, weil sie nicht gemeinsam erlebt werden kann und weil ihre Macher*innen sich seit Monaten in einer existenziellen Krise befinden. Auf Schallplatte gab es dennoch einiges zu hören, wie diese 50 Alben.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 20 12inches
Tanzen war 2020 nicht wirklich. Aber die Vinyl 12" war trotzdem ein begehrtes Format. Und zwar für Musik, die von einer Zeit nach der Katastrophe träumt. Hier sind unsere Top 20. Einen Bonus in Form einer Vinyl 7" gibt’s obendrauf.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 50 Reissues
Früher war alles besser, das reden wir uns schon seit geraumer Zeit ein und seit zehn, fünfzehn Jahren versucht uns die Reissue-Industrie in dieser zur Weltanschauung geronnenen Vermutung zu bestätigen. Hier sind die Top 50 Reissues 2020.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 20 Compilations
Werkeinstiege zu Beverly Glenn-Copeland und Sade, DJ-Mixe von etwa Helena Hauff und Avalon Emerson, Würdigungen, Geschichtslektionen: Die Compilations in 2020 brachten Schwung in das pandemisch und politisch kriselnde Jahr.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 20 Tapes
Das angebliche Tape-Revival ist schon alt genug, als dass seine Heraufbeschwörung durch wiederverwertungsgeile Feuilletons selbst bald ein Revival feiern könnte. Sei’s drum: Diese zwanzig Kassetten haben uns 2020 das Leben gerettet.
Music Porträt
The Silhouettes Project
Protest aus dem Underground
Kosher und Eerf Evil gründeten das Silhouettes Project, um dem Londoner Untergrund Struktur zu verleihen. Ihr selbstbetiteltes Album entstand in gemeinsamen Sessions der britischen Alternative-Rap-Szene.
Music Kolumne
Records Revisited
Coil – Musick to Play in the Dark (1999)
Magie als Klang, der lunare Energien ansammelt: Mit dem im Jahr 1999 veröffentlichten Album »Musick to Play in the Dark« schufen die Elektronik-Esoteriker Coil ihre größten Hymnen an die Nacht. Jetzt wurde es endlich neu veröffentlicht.
Music Porträt
Sault
Black is …
Sault sind die inoffizielle musikalische Stimme der Black Lives Matter Bewegung. Voll radiotauglichem Soul und Jazz, hinter dem die längst überfällige Revolution steht.
Music Kolumne
Aigners Inventur
November & Dezember 2020
Das Virus? Nah, unser furchtloser Kolumnist fürchtet nur eines hinter jeder Straßenecke: Clueso. Aigner schmeißt sich in fiktive Nachtbusse und bückt sich n zu den REWE-Spaghetti runter, weil die von Barilla wieder weggepreppt wurden.
Music Kolumne
Records Revisited
The Pharcyde – Labcabincalifornia (1995)
Pioniere im Andersdenken. Vor 25 Jahren wurden die überdrehten Klassenclowns von The Pharcyde auf ihrem zweiten Album »Labcabincalifornia« zu zynischen Antihelden. Daran trug auch ein damals unbekannter producer namens J Dilla Schuld.