Music Kolumne | verfasst 13.07.2020
Vinyl-Sprechstunde
Arca – KiCK i
»KiCK i« soll das erste von vier neuen Arca-Alben sein. Während sich einer unserer Autoren dazu auf dem Shakti-Kissen lümmelt, surft der andere auf Soundcloud das Reggaetón-Tag ab und bewundert der Dritte das Songwriting der Platte.
Text Florian Aigner, Pippo Kuhzart, Kristoffer Cornils
Vinyl_sprechstunde_1024x685px

Kuhzart: Fühle mich direkt als hätte ich eine Virtual Reality Experience mit dem X-Rated Update von Sailor Moon.
Aigner: Wie findet ihr dieses PSA als Intro? Gabs Arca davor schonmal so frontal unambivalent fierce?
Kuhzart: Ne, gabs nicht. »Nonbinary« ist ja schon einfach die Hymne für die komplette woke, queere, super-extrovertierte, tief verunsicherte Instagram-Gemeinde.
Cornils: Ich fange einfach mit einem Bekenntnis an: Arcas Musik als Solo-Produzentin war mir immer strunzegal. Und »KiCk i« fließt mir so um die Ohren, ich habe sie nun circa acht bis zehn Mal gehört, aber es bleibt nix und null hängen – außer, dass Björk zwischendurch »corazón« singt.
Kuhzart: Sagt sie halt echt!

Cornils: Klingt harsch, aber Arcas Main-Gig in finanzieller Hinsicht ist halt der Job als Produzentin – FKA twigs, Kanye, Björk. Und die eigene Musik ist doch eher Versuchsfeld, oder? Und die wird aber bei weitem noch so weit und breit gehört wie die Brotjobmucke. So zumindest mein Eindruck. Es gibt da sicherlich die kleine krasse Fangemeinde, vor allem aber kann sich meiner Auffassung nach die Musikjournaille immer auf eins einigen: Geiles Konzept, brauche ich ja gar nicht mehr anhören!
Aigner: Finde das bis zu diesem Album total richtig, aber hier sind doch endlich auch solo SONGS drauf. Würde ernsthaft behaupten, dass »Machote« und die Tracks mit Sophie und Rosalia voll die Hits sind.
Kuhzart: »Time« klingt wie Grimes zu besten Zeiten und »No Queda Nada« hittet doch auch different.
Aigner: Und »Rip The Slit« klingt wie diese wahnwitzige Shanghai-Club-Avantgarde.

Cornils: Ich weiß auch nicht. Auch das klingt nun brutal, aber ich habe insbesondere bei den sehr Reggaetón-lastigen Tracks das Gefühl, irgendwo im Jahr 2013 auf Soundcloud gelandet zu sein. Heute Abend Janus-Party im Chesters, Lotic legt auf. Arca trug ja schon immer das Versprechen von sehr viel future in sich, aber ich fühle das gar nicht so sehr. Vielleicht ist’s mir einfach zu poppig? Wobei ich es auch nicht unbedingt poppig finde.
Kuhzart: Aber es ist ja eben nicht Soundcloud! Dafür ist das ja schon einfach zu stark, was das SONGWRITING anbelangt. Ich finde eher, dass Arca mit »KiCk i« endgültig geschafft hat, Pop mit so vertracktem Digital-Error-Shit zu vereinen.
Cornils: Ich höre das Songwriting aber nicht wirklich raus und obendrauf gibt’s immer noch das Ableton-Gekreische und -Geknackse, das sich für mich über die letzten fünf Jahre hinweg als ultimativer Cop-Out für alle etabliert hat, die halt fett »Avantgarde« auf ihre Koffeinkickkompositionen draufgepatscht haben wollen.
Aigner: Joaaaaa, Janus ist fair, aber ich finde das schon bisschen sehr 2020 auch, klingt schon auch nach der Weiterentwicklung. Nach SVBKVLT und so. Aber ich hör halt viel von den rhythmischen und genremäßigen Ausgangspunkten, die hier zitiert werden auch echt freiwillig zuhause und find’s dann geil, wenn das halt nicht wie bei Janus oder Arca früher in so Skizzen erschöpft, sondern mal ausformuliert ist. Ich finde es übrigens prima, dass Reggaetón schon so lange als subversive Pose im großen Pop-Biz UND in diesem Deconstructed-Ding überlebt hat. Holt mich immer übel ab.

»Der Rosalia-Track ballert so, ich werde den halt auf jeden Fall 30 Mal pumpen, sorry.« – »Du hast so einen Schaden. Ein Shakti-Kissen haben und diesen Song 30 Mal pumpen wollen.«

Cornils: Ich bin also der Hater in dieser Runde, ja? Obwohl ich Arca nicht hasse, eh klar. Nur: Das Björk-Feature ist halt einfach ein Björk-Song, oder? Also allgemein: Vielleicht hat Alejandra mit »KiCK i« den Brotjob zur Hauptberufung erklärt. So viel Feature war ja noch nie. Ist’s eigentlich doch eher ein Mixtape als ein Album?
Aigner: Der Rosalia-Track ballert so, ich werde den halt auf jeden Fall 30 Mal pumpen, sorry.
Kuhzart: Du hast so einen Schaden. Ein Shakti-Kissen haben und diesen Song 30 Mal pumpen wollen.
Aigner: Glaube, ich kann mich nicht von Club Music in all ihren Albernheiten trennen, weil man dann nie aus der Pubertät rauskommt

Cornils: Albernheiten ist ein spannendes Stichwort, weil ich die hier überhaupt nicht sehe. Stattdessen habe ich das Gefühl, dass sich Simon Reynolds ein bisschen zu sehr die Hände reiben wird bei der Platte. Mir fehlt da die emotionale Durchschlagskraft, selbst bei »Calor«: Das ist schon schön, und es wird mich ewig umtreiben, wo ich dieses Piano schon mal gehört habe, aber an sich… Uff, wie diese cripsen Knackserklänge das Ding umspielen. Ärgerlich, finde ich. Aber ja Shit, vielleicht bin ich einfach reaktionär und wünsch’ mir nur den FKA twigs-Hop von damals wieder zurück. Ich meine, jetzt läuft hier »No Queda Nada« an und hach, ja, es packt mich schon ein bisschen. Das ist halt aber auch Oldschool-Arca und klingt, als wäre das eine übrig gebliebene Skizze aus FKA twigs- oder Kelela-Zeiten.
Aigner:: Hmmmm, ich finds unfair, tbh. Klar projiziere ich da auch immer ein bisschen die Hoffnung rein, dass mich Pop nochmal so wegzimmert wie in der Timbaland-Phase und so gut ist das hier nicht. Aber hä, ich finde der Vorwurf ist doch wirklich eher fair für die ersten Alben, ne?
Kuhzart: Ey, »Calor« ist doch zum Beispiel das, was Anthony & The Johnsons mit ihrem kack HudMo-Album hätte machen sollen. Mich hat zwar Vorgänger-Album mehr »berührt«. Vielleicht weil da das Sich-Winden noch so spürbar war, das Sich-Häuten auch. Das hier ist schon echt final form. Freezer ist eh eine gute Assoziation in dem Zusammenhang.

Arca – KiCk iWebshop ► Black Vinyl LP | Clear Vinyl LP Aigner: Ich bin halt mal gespannt, wie wendig dieses Genre so ist, weil eigentlich hat Arca es ja selbst, mit dem Loosie vorab, schon wirklich final beerdigt. Raffe auch warum KC dann auch nicht einsieht, sich noch mit der Asche beschäftigen zu sollen.
Kuhzart: Für mich wie gesagt nicht Asche, sondern Formvollendung. Gefühlt aber tatsächlich ganz stark auch das Ende dieser Fahnenstange. Der Glitch muss danach endgültig weg. Fände ein Album mit MetroBoomin gut. Oder direkt ein Kollabo-Album mit 21 Savage. Ich finde im harten 808-Minimalismus liegt ihr unausgeschöpftes Potenzial
Aigner: Ey das ist genau das Ding, glaube die wäre insaner Raphit-Lieferant.
Kuhzart: Ich finde es tatsächlich logisch, dass »KiCk i« jetzt die maximal, effektgeile Pose ist. Es ist ja auch einfach ein Album der Selbstvergewisserung. Wenn das mal klar ist, wird da auch wieder Raum in der Musik sein. Und den braucht’s, wenns noch besser werden soll.

Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 13.04.2017
Arca
Arca
Arca war lange ein faszinierendes Konzept. Das ist es jetzt nicht mehr. Es ist jetzt eine tatsächlich fühlbare Realität.
Music Review | verfasst 13.02.2015
Ibeyi
Ibeyi
Die Eltern mögen es, die Freundinnen mögen es. Also warum solltest Du »Ibeyi« auch mögen können?
Music Review | verfasst 12.03.2018
Smerz
Have Fun EP
Dream Pop, der immer ein bisschen in Richtung Albtraum schielt: das norwegische Duo veröffentlicht ihre »Have Fun EP«.
Music Porträt | verfasst 15.07.2014
Jungle
Zwischen Nostalgie und Naivität
Mit ikonischen Tanzvideos mauserten sich Jungle im vergangenen Jahr zum gesichtslosen Hype-Act. Dieser Tage erscheint das Debüt der Londoner. Alles eher glücklicher Zufall, glaubt man dem mittlerweile nicht mehr ganz so anonymen Duo.
Music Kolumne | verfasst 26.06.2014
Vinyl-Sprechstunde
Lana Del Reys »Ultraviolence«
In unserer Kolumne diskutieren zwei Personen eine auf Vinyl veröffentlichte aktuelle Schallplatte. Heute erfahrt ihr, wieso Lana Del Rey niemals Miley Cyrus oder Britney Spears sein wird, und warum das auch noch schlecht für ihr Album ist.
Music Kolumne | verfasst 31.01.2018
Vinyl-Sprechstunde
Rhye – Blood
Lieder über die Liebe, sinnliche Coverbilder nackter Frauen: Rhye sind nach vier Jahren zurück mit einem neuen Album. Es kommt ganz unschuldig daher, am Ende könnte aber James Franco dahinter stecken.
Music Kolumne | verfasst 30.08.2018
Vinyl-Sprechstunde
Blood Orange – Negro Swan
Das neue Blood Orange-Album ist ne handvoll. Zwei unserer Kolumnisten sagen: too much. Der dritte sagt: Ja. Ja, es ist too much, aber genau das soll es auch sein: zu viel und nicht etwa gemaßregelt.
Music Review | verfasst 31.10.2014
Arca
Xen
Grell, grimmig und bissig ist dieses Album ein ekliger Finger, der dich lockt. Aber du musst folgen und du wirst.
Music Review | verfasst 17.12.2015
Arca
Mutant
Arca hat den Sound von FKA Twigs als auch den von Björks jüngster Platte geprägt. Seine eigenen Arbeiten sind nun auf »Mutant« nachzuhören.
Music Review | verfasst 24.09.2020
Arca
&&&&&
Start des Postgenres: Arcas »&&&&&« war Prototyp für die Generation Deconstructed Clubmusic.
Music Porträt | verfasst 06.11.2014
Arca
Raus aus der Komfortzone
Es gibt viele Gründe, warum Kanye West nicht die Pappnase ist, für die ihn alle halten. Denn auf »Yeezus« hat er den Produzenten Arca für einige Tracks geholt. Nun erscheint »Xen«, die erste komplette eigene Platte des 24-Jährigen.
Music Liste | verfasst 15.12.2014
2014
Die 50 Alben des Jahres (Teil 1)
Dieses Jahr war es schwer wie selten, sich auf 50 Alben zu reduzieren. Viele Newcomer und viele Comebacker haben das Jahr bestimmt. Und immer wieder und in allen Genres wurde am Sound der Zukunft geschraubt. Lest hier Teil 1 der Liste…
Music Liste | verfasst 17.12.2014
2014
Die 15 Musikvideos des Jahres
Bevor das neue Jahr beginnen kann wird es Zeit das Vergangene Revue passieren zu lassen. In unserem Rückblick über die 15 besten Musik-Videos 2014 stellen wir euch die Musikvideos vor, die uns in Erinnerung geblieben sind.
Music Essay | verfasst 20.01.2016
Jahresrückblick 2015
Am Ende der Echtzeit
Die Welt fühlte sich 2015 zunehmend realer an. Ganz im Gegenteil die Pop-Musik: Sie war so künstlich wie nie zuvor. Wir blicken auf ein Jahr, in dem das Unechte zur Gewohnheit wurde und nur noch eines so richtig echt blieb: die Sehnsucht.
Music Kolumne | verfasst 08.07.2020
Aigners Inventur
Juli & August 2020
Hier werden persönliche Anekdoten zu programmatischen Allegorien: Aigners Inventur verabschiedet sich schlussendlich mit einem Wimmern in die Sommerferien. Es ist schließlich 2020.
Music Review | verfasst 20.03.2007
RJD2
The Third Hand
Man glaubt seinen Ohren kaum: RJD2 kehrt Plattenfirma und HipHop den Rücken und macht was ganz anderes.
Music Review | verfasst 01.05.2011
Radiohead
The King Of Limbs
Thom Yorkes Gesang kommentiert lakonisch eine kompositorisch arme Platte, die sich mit einem interessanten Konzept zu entschuldigen weiß.
Music Review | verfasst 11.05.2011
Tyler, The Creator
Goblin
Der wütende Jüngling im Glück zerreißt auf seinem Album jegliche vom Hype entstandene Fesseln. Ein furioses Rap-Album!
Music Review | verfasst 04.04.2012
Willis Earl Beal
Acousmatic Sorcery
Diese ganze Romantik vom naiven Songwriter, der nur ein wenig Gitarre spielen und sich entwickeln will, passt nicht wirklich zu seinem Debüt
Music Review | verfasst 04.05.2012
Jack White
Blunderbuss
Nach Alben mit den Raconteurs und Dead Weather musste Jack White auf seinem Solodebüt weniger Kompromisse eingehen. Ob es geholfen hat?
Music Liste
Crumb
10 All Time Favs
Seit ihrem Debüt 2019 gelten Crumb als eines der heißesten Feuer in der Musiklandschaft. Nun ist ihr neues Album »Ice Melt« erschienen. Die Gelegenheit sie nach 10 Schallplatten zu fragen, die sie geformt, gebessert und gebildet haben.
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
Scotch Rolex – Tewari
Ist es Hip-Hop? Ist es Metal? Ist es Dancehall? Ist es Musik, die du nicht raffen wirst? Ist es unfair, dass die Clubs geschlossen sind? Unsere Vinyl-Sprechstundler gehen gleichermaßen clubhorny wie verstört aus DJ Scott Rolex’ »Tewari«.
Music Interview
Adrian Younge
Sonische Geschichtsstunde
Mit »The American Negro« beginnt ein neues Kapitel in der Arbeit von Adrian Younge. Sie ist frontaler, politisch aufgeladener und selbstsicherer. Er will lehren. Wir hatten die Gelegenheit zu einem ausführlichem Interview.
Music Liste
Leon Vynehall
10 All Time Favs
Mit seinem neuen Album »Rare, Forever« setzt der britische Produzent Leon Vynehall den Weg fort, den er mit »Nothing Is Still« begonnen hat. Uns verrät er heute 10 Schallplatten, die ihn geformt, gebessert und gebildet haben.
Music Kolumne
Records Revisited
Gil Scott-Heron – Pieces Of A Man (1971)
Man nannte ihn den »Godfather of Hip Hop«, weil er über Drogen, Rassismus und die Divided States of America textete. Mittlerweile ist das erfolgreichstes Album von Gil Scott-Heron 50 Jahre alt – und aktueller denn je.
Music Kolumne
Records Revisited
Deftones – White Pony (2000)
Die im Juni 2000 veröffentlichte LP »White Pony« wurde deshalb zu einem dermaßen bahnbrechenden Album, weil sich die Deftones darauf erstmals als die Zitationsmaschine in Szene setzen, die sie eigentlich immer schon gewesen waren.
Music Liste
Jenn Wasner (Flock Of Dimes)
10 All Time Favs
Mit ihrem Soloprojekt Flock of Dimes hat Jenn Wasner gerade ihr persönlichstes und zugleich substanziell weitreichendstes Album vorgelegt. Wir baten die Musikerin uns 10 Schallplatten zu nennen, die sie geformt, gebessert, gebildet haben.
Music Porträt
Gondwana Records
Seele und Charakter
Als DJ und Musiker wurde Matthew Halsall zum Labelbetreiber. Ausgehend von einem lokalen Fokus auf die Jazzszene Manchesters hat der Trompeter seinem Label Gondwana mittlerweile eine recht internationale Ausrichtung gegeben.
Music Kolumne
Records Revisited
Busta Rhymes – The Coming (1996)
Als vor 25 Jahren »The Coming« erschien, war Busta Rhymes kein Unbekannter mehr. Sein Solodebüt mit dem Hit »Woo Hah!! Got You All In Check« machte ihn zu einem der größten Rapstars seiner Zeit. Wie klingt das Album heute?
Music Kolumne
Records Revisited
Yellow Magic Orchestra – BGM (1981)
Winke für die Zukunft: Die japanischen Synthesizerzauberer des Yellow Magic Orchestra entwarfen auf ihrem vierten Album »BGM« eine Background Music für nachfolgende Generationen.
Music Kolumne
Records Revisited
Coil – Love's Secret Domain (1991)
Techno ist es nicht – doch hinterließ »Love’s Secret Domain« tiefe Furchen in der Clubmusik der 1990er Jahre und markierte für Coil jenen Wendepunkt, ab dem ihr Wirken eine neue Richtung einschlug. Das Projekt hätte es fast zerrissen.
Music Porträt
Die P
Die Messlatte höher legen
Sie ist das erste Signing des All Female*-Labels 365xx Records und veröffentlicht dieser Tage ihr Debüt »3,14«. Für Die P ist die Golden Era schlicht nachhaltig, Competition ist für sie Ansporn, besser zu werden. Ihr Ziel: Zeitlosigkeit.
Music Porträt
Important Records
Deep Listening Forever!
Ob Pauline Oliveros, Éliane Radigue, Alina Kalancea oder Caterina Barbieri: Seit 20 Jahren ist Important Records wie ein gut bestückter Plattenladen für aufregende Sounds – die beste Anlaufstelle für Musik, die intensiv gehört werden muss.
Music Kolumne
Aigners Inventur
März & April 2021
Die ganze Welt verarbeitet im März 2021 immer noch den März 2020, nur unser Kolumnist ist weiterhin auf der Suche nach Wrong-Speeder-Optionen. Aigners Inventur: Dub aus dem Abyss und durch die FFP2-Maske gerauchte Kippen.
Art Porträt
Vincent de Boer
Wie Jazz mit Pinseln
Der niederländische Künstler Vincent de Boer ist zu einem festen Bandmitglied der britischen Jazzer von Ill Considered avanciert. Er zeichnet Plattencover auf Basis der gehörten Grooves. Für »The Stroke« wurde der Prozess nun umgedreht.
Music Kolumne
Records Revisited
Dinosaur Jr – Green Mind (1991)
Viele Rockbands nehmen zu Beginn der 1990er Jahre ihre bis dahin besten Alben auf. Auch Dinosaur Jr. Während die Band selbst bei den Aufnahmen bereits auseinanderbricht, strotzt ihr viertes Album »Green Mind« vor Kreativität.
Music Porträt
Phew
Ein Leben gegen den Strich
Punk mit Aunt Sally, Synth Pop mit Sakamoto und experimentelle Musik solo und mit anderen: Die japanische Musikerin Phew sucht seit über vier Jahrzehnten die Fehler in der Musik, weil sich darin nur deren Möglichkeiten offenbaren.
Music Porträt
Far Out Recordings
Im Epizentrum der Brazil-Welle
Joe Davis ist der Lokführer, auf dessen Zug Mitte der Neunziger eine ganze Generation Brazil-affiner Producer aufsprang. Mit seinem Label Far Out Recordings wurde er zum weltweiten Statthalter brasilianischer Musikkultur.
Music Kolumne
Records Revisited
Carole King – Tapestry (1971)
Carole King wollte nie Popstar werden, sondern nur Songs schreiben. Weil sie das aber konnte wie niemand sonst, wurde sie es dennoch – mit »Tapestry«, ihrem Debütalbum aus dem Februar 1971.
Music Interview
Audio88 & Yassin
Der bessere Diss
Auf das verflixte fünfte Album von Audio88 und Yassin mussten Fans verflixte fünf Jahre warten. Im Zuge des Weltgeschehens ist es kein Wunder, dass sie radikaler auftreten als je zuvor. Ein Interview anlässlich des neuen Albums »Todesliste«
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
Madlib – Sound Ancestors
»Das erste Madlib-Album, das wirklich als Album gehört werden kann«, sagte Four Tet. – Das ist doch Schwachsinn, sagen unsere Kolumnisten. Sie fragen sich: Hat Madlib hier nicht einfach gemacht, was er immer gemacht hat – und…will man das?
Music Kolumne
Records Revisited
Jan Jelinek – Loop-Finding-Jazz-Records (2001)
2001 hing Jan Jelinek das Ego an den Nagel und lud seinen Sampler mit Klängen von Jazz-Platten auf, um daraus Loops zu basteln. Die liefen aneinander vorbei und bildeten Moiré-Effekte. Davon lebt die Magie von »Loop-finding-jazz-records«.
Music Interview
The Notwist
»Es ist immer ein Zurückkommen«
The Notwist sind wieder da. Sieben Jahre haben sich die Brüder Markus und Michael Acher Zeit gelassen, mit Cico Beck einen Ersatz für Martin Gretschmann gefunden, und einen Klang gefunden, der universeller ist als je zuvor. Ein Interview.
Music Kolumne
Records Revisited
Brian Eno & David Byrne – My Life In The Bush Of Ghosts (1981)
Ethno-Sampling als Pop: Mit ihrem Album »My Life in the Bush of Ghosts« landeten Brian Eno und David Byrne 1981 einen Innovationshit. 40 Jahre später klingt das selbstverständlich. Dafür ergeben sich andere Schwierigkeiten mit dem Ansatz.
Music Interview
Common
»Befreiung fängt im Kopf an«
Sein neues Album trägt den Namen »A Beautiful Revolution Pt.1«, erschien bereits im Oktober digital und in diesen Tagen wird es nun auch auf Vinyl veröffentlicht. Wir nutzten die Gelegenheit mit dem Rapper aus Chicago zu sprechen.
Music Porträt
Zoviet France
Fiebertraum vom Ende
Keine Namen, keine Gesichter, keine Tradition: Zoviet France wollten als anonymes Kollektiv Anfang der Achtziger die Antithese zum orthodoxen Kunstverständnis formulieren – und wurden dabei zu Kultfiguren wider Willen. Bis heute.
Music Liste
Aigners Inventur
Januar & Februar 2021
Ist es Gott? Ist es Hesse? Ist es Domian? Nein, es ist zum Glück einfach nur der Aigner. Der hat die Gardinen seit Wochen maximalst zugezogen und schickt uns die erste Inventur des noch fast unbefleckten neuen Jahres aus dem Kabuff.
Music Liste
Aaron Frazer
10 All Time Favs
»Introducing« heißt das erste Soloalbum von Aaron Frazer. Als Schlagzeuger von Durand Jones & The Indications ist er aber längst kein unbekannter. Musikalisch geht’s in die Sechziger. Uns sagt er, was ihn wirklich musikalisch geprägt hat.
Music Porträt
On The Corner
Banger für das Hinterzimmer
Mit seinem Label On the Corner Records serviert Pete Buckenham einen berauschenden Eintopf aus afro-futuristischen Jazz-Konzepten und zeitgenössischen Street Grooves und stößt er heute bereits die Pforten zum Sounduniversum von morgen auf.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 50 Albums
Sprechen wir es aus: Musik ist in Gefahr, weil sie nicht gemeinsam erlebt werden kann und weil ihre Macher*innen sich seit Monaten in einer existenziellen Krise befinden. Auf Schallplatte gab es dennoch einiges zu hören, wie diese 50 Alben.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 20 12inches
Tanzen war 2020 nicht wirklich. Aber die Vinyl 12" war trotzdem ein begehrtes Format. Und zwar für Musik, die von einer Zeit nach der Katastrophe träumt. Hier sind unsere Top 20. Einen Bonus in Form einer Vinyl 7" gibt’s obendrauf.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 50 Reissues
Früher war alles besser, das reden wir uns schon seit geraumer Zeit ein und seit zehn, fünfzehn Jahren versucht uns die Reissue-Industrie in dieser zur Weltanschauung geronnenen Vermutung zu bestätigen. Hier sind die Top 50 Reissues 2020.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 20 Compilations
Werkeinstiege zu Beverly Glenn-Copeland und Sade, DJ-Mixe von etwa Helena Hauff und Avalon Emerson, Würdigungen, Geschichtslektionen: Die Compilations in 2020 brachten Schwung in das pandemisch und politisch kriselnde Jahr.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 20 Tapes
Das angebliche Tape-Revival ist schon alt genug, als dass seine Heraufbeschwörung durch wiederverwertungsgeile Feuilletons selbst bald ein Revival feiern könnte. Sei’s drum: Diese zwanzig Kassetten haben uns 2020 das Leben gerettet.
Music Porträt
The Silhouettes Project
Protest aus dem Underground
Kosher und Eerf Evil gründeten das Silhouettes Project, um dem Londoner Untergrund Struktur zu verleihen. Ihr selbstbetiteltes Album entstand in gemeinsamen Sessions der britischen Alternative-Rap-Szene.
Music Kolumne
Records Revisited
Coil – Musick to Play in the Dark (1999)
Magie als Klang, der lunare Energien ansammelt: Mit dem im Jahr 1999 veröffentlichten Album »Musick to Play in the Dark« schufen die Elektronik-Esoteriker Coil ihre größten Hymnen an die Nacht. Jetzt wurde es endlich neu veröffentlicht.
Music Porträt
Sault
Black is …
Sault sind die inoffizielle musikalische Stimme der Black Lives Matter Bewegung. Voll radiotauglichem Soul und Jazz, hinter dem die längst überfällige Revolution steht.
Music Kolumne
Aigners Inventur
November & Dezember 2020
Das Virus? Nah, unser furchtloser Kolumnist fürchtet nur eines hinter jeder Straßenecke: Clueso. Aigner schmeißt sich in fiktive Nachtbusse und bückt sich n zu den REWE-Spaghetti runter, weil die von Barilla wieder weggepreppt wurden.
Music Kolumne
Records Revisited
The Pharcyde – Labcabincalifornia (1995)
Pioniere im Andersdenken. Vor 25 Jahren wurden die überdrehten Klassenclowns von The Pharcyde auf ihrem zweiten Album »Labcabincalifornia« zu zynischen Antihelden. Daran trug auch ein damals unbekannter producer namens J Dilla Schuld.
Music Porträt
Tidal Waves
Die Welle reiten
Eine kräftige Welle hat schon so manchen Schatz an Land gespült. So gesehen passt der Name, denn das belgische Reissue-Label Tidal Waves sucht, findet und veröffentlicht verlorengeglaubte Perlen der Musikgeschichte.
Music Kolumne
Records Revisited
Four Tet – There Is Love in You (2010)
Als Four Tet Anfang 2010 das Album »There Is Love in You« veröffentlicht, muss er der Welt nichts mehr beweisen und setzt sich einem retromanischen und verbissenen Zeitgeist mit einem gerüttelt Maß Glückseligkeit entgegen.