Music Kolumne | verfasst 16.09.2020
Records Revisited
Kate Bush – Hounds Of Love (1985)
Auf ihrem selbstproduzierten, fünften Studioalbum erklimmt Kate Bush den Gipfel ihres Autoren-Art-Pops. Ihre Synthese von digitaler Klanggestaltung und Folk-Elementen zeitigt ein Album, das einem Jahrhundertroman gleichkommt.
Text Harry Schmidt
Kate+bush+%e2%80%93+hounds+of+love+%28records+revisited%29

Seien wir ehrlich: Viele Langspielplatten sind eigentlich ein kurzes Vergnügen. Manchen widmet man ein, vielleicht auch zwei Stunden seiner Zeit und geht dann zu anderem über. Die meisten werden sogar nicht mal komplett durchgehört, sondern auf die jeweiligen persönlichen Favoriten hin abgetastet, die allerdings nicht notwendig mit den möglicherweise als Single ausgekoppelten Hits identisch sein müssen. Und dann gibt es dagegen noch eine Sorte Alben – eine in der quantitativen Betrachtung nahezu verschwindende Minderheit im Vergleich zu den bereits erwähnten Kategorien von LPs –, die, einmal aufgelegt, den Plattenteller auf lange Zeit nicht mehr freigeben. Kaum durchgelaufen, werden sie schon wieder umgedreht. Nicht selten finden sie sich auch auf andere Medien überspielt, die der Form der Endlosschleife ähnlicher sehen als die Schallplatte. »Hounds Of Love« ist solch ein Album. Als Kate Bush vor 35 Jahren, im September 1985, ihr fünftes Studioalbum veröffentlichte, war sie längst mehr als ein Weltstar: Vom Pink-Floyd-Gitarristen David Gilmour gefördert, seit ihm die selbst vertonten Gedichte der seinerzeit 15-jährigen Catherine Bush zu Ohren gekommen waren, wurde sie 1976 von EMI unter Vertrag genommen – da war sie gerade 18 geworden. Zwei Jahre später erschien »The Kick Inside«; mit der vorab veröffentlichten, von Emily Brontës gleichnamigem Roman inspirierten Single »Wuthering Heights«, wie alle Songs ihres Debütalbums von Kate Bush selbst geschrieben, eroberte zum erste Mal die Eigenkomposition einer Frau den Spitzenplatz der britischen Single-Charts. Die folgenden Alben »Lionheart« (1978), »Never For Ever« (1980) und »The Dreaming« (1982) konnten zwar nicht ganz an den kommerziellen Erfolg von »The Kick Inside« anknüpfen, wohl aber ihren Ruf als Ausnahmekünstlerin festigen. Jenseits der gängigen Register von Synth-Pop und Art- oder Prog-Rock hat Bush sich ein eigenes Genre erschaffen, das trotz ihres stets ausgeprägten Interesses an Folk-Elementen jedem Versuch einer Reduktion widerstand.

Ähnlich eigenwillig und komplex verhält es sich mit der Themenwelt ihrer Texte: Märchen- und Sagenmotive gehen darin eine spezifische Mischung mit dezidiert feministischen, gesellschaftskritischen Positionen ein, was ihr auch früh den Status einer LGBTQ-Ikone einträgt. Den damals üblichen Verwertungsmechanismen hingegen entzieht sie sich bald konsequent – die »Tour of Life« im Frühjahr 1979 wird ihre einzige bleiben. Mit der Produktion von »Never for Ever« beginnt Bush, sich mit dem Fairlight CMI zu beschäftigen, dem ersten digitalen Synthesizer mit Sampling-Funktion, dessen Vorzüge sie als Backgroundsängerin auf Peter Gabriels drittem Soloalbum kennenlernt. Bereits die Credits von »The Dreaming« weisen Kate Bush als alleinige Produzentin aus. Künstlerisch anspruchsvoll und herausfordernd, bleibt die Platte zur Enttäuschung von EMI hinsichtlich der Verkaufserlöse hinter den Vorgängeralben zurück. Bush kehrt daraufhin der großen Öffentlichkeit den Rücken und verlegt ihren Lebensmittelpunkt von London in ein kleines Landhaus an die Küste von Sussex, wo sie sich ein professionelles 48-Spur-Studio in einer Scheune einrichtet. Ab Januar 1984 entstehen hier die Songs von »Hounds Of Love«, das trotz der singulären Stellung ihres Frühwerks sowie der enormen Relevanz ihrer beiden nach der Jahrtausendwende veröffentlichten Alben »Aerial« und »50 Words For Snow« vielen Fans als ihr bis dato unerreichtes Meisterwerk gilt.

»Hounds Of Love« sei das »St. Pepper« des Digitalzeitalters, so der US-amerikanische Journalist Barry Walters – ein Autorenalbum, wie es nur einmal in einer Dekade vorkommt

Tatsächlich ist »Hounds of Love« auch ihr bislang erfolgreichstes Album. Allein schon die Eröffnung »Running Up That Hill (A Deal with God)«, mit seinem unwiderstehlich rollenden und nur ganz selten, dafür aber an den dramaturgisch genau richtigen Stellen und damit umso wirkungsvoller variierten Highland-Drumbeat und den genialen Zeilen »And if I only could / I’d make a deal with God / And I’d get him to swap our places« jagt einem jedes Mal aufs Neue einen Schauer über den Rücken – ein Song für die Ewigkeit. Zweifellos ein Liebeslied, stellt »Running Up That Hill« allerdings Fragen wie: »Is there so much hate for the ones we love? / Tell me, we both matter, don’t we?« Analog dazu unterlegt sie ihr glockenhelles Timbre mit nach unten transponierten Spuren ihrer Stimme, unterläuft damit sowohl ihr Image als auch Genderschranken mittels Klangsynthese und digitaler Versionen ihrer selbst. Mit dem Titelstück, »The Big Sky« und »Cloudbusting« folgen ihm drei weitere, ebenfalls als Single ausgekoppelte Hits, die – auch darin offenbart sich Bushs poetologische Konzeption – wie Kapitel eines Romans gleichzeitig abgeschlossen wirken und doch aufeinander bezogen sind; jeder einzelne wäre ein eigenes Essay wert. Dazwischen findet sich mit »Mother Stands for Comfort« einer der berührendsten Songs dieses von vorne bis hinten berührenden Albums, der gleichzeitig bereits einen Ausblick auf die komplementäre, dunklere B-Seite der Platte erlaubt – das Duett von Bushs manipuliertem Sopran mit dem bundlosen, »singenden« Bass des eigens eingeflogenen Eberhard Weber, dem langjährigen Sideman von Jan Garbarek, bleibt auch im Kontext dieses Wunderwerks unerreicht. Dass in den Danksagungen zum Album unter anderem Werner Herzog und Terry Gilliam Erwähnung finden, kommt nicht von ungefähr: Von Beginn ihrer Karriere an gilt Bushs Interesse einer Verschränkung verschiedener Medien – Musik, Kostüme, Setting, Tanz – zum Zweck der Steigerung der Intensität beim Ausdruck der Komplexität eines größeren, umfassenderen Ganzen. »She get’s it straight from the univese«, lautet einer der treffendsten Kommentare auf YouTube.

Kate Bush – Hounds Of LoveWebshop ► Vinyl LP Im Video zu »Cloudbusting« sieht man Donald Sutherland in der Rolle des österreichisch-US-amerikanischen, freudomarxistischen Psychoanalytikers Wilhelm Reich, während Bush Peter Reich, den Sohn des Erfinders der Orgontherapie, verkörpert. Der unwahrscheinlichen Häufung ikonischer Hits auf der um das Thema Selbstfindung kreisenden A-Seite steht mit »The Ninth Wave« eine Art Mini-Konzeptalbum auf der B-Seite gegenüber, das in fünf unheimlichen, noch enger als die Tracks der A-Seite miteinander verwobenen Song-Miniaturen schildert, wie eine Frau davon träumt, dass sie beim Eislaufen einbricht und unter die Eisdecke gerät, bis mit „The Morning Fog“ die Sonne wieder aufgeht: hyperrealer Tagtraum auf der einen, surreales, auch alptraumhaftes Nachterleben auf der anderen Seite, wie ein endlos geflochtenes Band ineinander verschränkt. »Hounds Of Love« sei das »St. Pepper« des Digitalzeitalters, so der US-amerikanische Journalist Barry Walters – ein Autorenalbum, wie es nur einmal in einer Dekade vorkommt. Kindheitsfantasien und sexuelle Identitäten, Familiengeschichte und politisches Bewusstsein, Naturphänomene und kulturelle Mythen, Geburt, Tod und Wiedergeburt – wie James Joyces »Ulysses« bietet Kate Bush dem Rezipienten mit »Hounds Of Love« ein komplettes Leben in einem einzigen Tag verdichtet an. Ein Jahrhundertroman in Gestalt einer Schallplatte, die Hörer in Leser verwandelt und umgekehrt – ein Album, das Leben retten kann.


Die Musik von Kate Bush findest du im Webshop von HHV Records.

Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Kolumne | verfasst 18.07.2020
Records Revisited
Joy Division – Closer (1980)
Joy Divisions Album »Closer« war ein Zwischenschritt, ein halbherziges, halbbeseeltes Statement von vier jungen Männern auf ihrem Weg in neue Untiefen. Nur einer aber wollte, konnte nicht vom Fleck kommen.
Music Kolumne | verfasst 11.09.2015
Records Revisited
Angelo Badalamenti – Twin Peaks OST (1990)
Wer »Twin Peaks« nicht gehört hat, hat es nie gesehen. Angelo Badalamenti hat vor 30 Jahren einen Soundtrack zwischen realem Cool Jazz und fiktiven Synthesizer-Welten geschaffen – und David Lynch vor Freude aus dem Studio geschickt.
Music Kolumne | verfasst 12.03.2014
Records Revisited
Paul Simon's Graceland, 1986
Mit »Graceland« veröffentlichte Paul Simon 1986 das erfolgreichste Album seiner Karriere und eines der umstrittensten Werke der Musikgeschichte. Ein Album, das sowohl musikalische wie auch politische die Grenzen sprengte.
Music Kolumne | verfasst 27.03.2018
Records Revisited
The Streets’ Original Pirate Material, 2002
Mike Skinner wollte mit seinem Debüt ein echtes englisches Hip-Hop-Album machen, das auf US-Klischees verzichtet. Herausgekommen ist ein äußerst präzises Porträt des Lebens britischer Millennials zwischen 9 to 5 und Binge Drinking.
Music Kolumne | verfasst 05.07.2018
Records Revisited
Björk – Debut (1993)
Björks »Debut« zog vor allem einen Schlussstrich. Dazu ist der Titel des Album eine dreiste Lüge. Eine größere Wahrheit hätte Björk damit allerdings ebensowenig aussprechen können.
Music Kolumne | verfasst 13.09.2018
Records Revisited
Talk Talk – Spirit Of Eden (1988)
»Spirit of Eden« erzählt vom Erschöpfungszustand eines Jahrzehnts, von einer Schöpfungslust ohne revolutionäre Inhalte oder Genie dahinter. Vor 30 Jahren erschienen, gilt das Album als Meilenstein der Popmusik. Wieso eigentlich?
Music Kolumne | verfasst 22.06.2020
Records Revisited
Prefab Sprout – Steve McQueen (1985)
Eigentlich wollte Paddy McAloon Priester werden, Menschen von den Worten Gottes berichten. Stattdessen gründete er eine Band. 1985 veröffentlichten Prefab Sprout »Steve McQueen«, das wahrscheinlich schönste Popalbum der Achtziger Jahre.
Music Kolumne | verfasst 22.10.2020
Records Revisited
Pet Shop Boys – Behaviour (1990)
»Behaviour« ist das Pet Shop Boys-Album schlechthin. Reflektierte Texte, die schon damals bewährten Hymnen-Melodien und Harold Faltermeyers analoge Produktion verschmolzen zu einem Klassiker, der keinen Staub ansetzen will.
Music Kolumne | verfasst 10.02.2021
Records Revisited
Carole King – Tapestry (1971)
Carole King wollte nie Popstar werden, sondern nur Songs schreiben. Weil sie das aber konnte wie niemand sonst, wurde sie es dennoch – mit »Tapestry«, ihrem Debütalbum aus dem Februar 1971.
Music Review | verfasst 21.02.2019
Curtis Mayfield
Keep On Keepin' On: Studio Albums 1970-1974
Die ersten vier Studioalben des Soulsängers Curtis Mayfield wurden remastert und in der 4LP-Box »Keep On Keepin’ On« wiederveröffentlicht.
Music Review | verfasst 09.09.2019
Miles Davis
Rubberband
Natürlich ist das wiederentdeckte Album »Rubberband« von Miles Davis keine Revolution, kein Aufbruch. Es ist dennoch gut.
Film Interview | verfasst 05.12.2007
Wild Style
Wie doch die Zeit vergeht
Eine fixe Filmidee und seine Folgen: Ein Interview mit Busy Bee über die gute alte Zeit des Hip-Hop
Music Liste | verfasst 13.10.2020
Record Store Day 2020 – 3rd Drop
12 Releases nach denen du Ausschau halten solltest
Am 24.10.2020 findet nun der dritte von drei Record Store Days in diesem Jahr statt. Dafür sind wiederum mehr als 120 exklusive Releases angekündigt. Wir haben daraus zwölf Schallplatten gepickt, die wir euch ans Herz legen wollen.
Music Kolumne | verfasst 22.02.2013
Records Revisited
Ornette Coleman's The Shape Of Jazz To Come, 1959
»The Shape of Jazz to Come«, die dritte Veröffentlichung von Ornette Coleman, ist eines der einflussreichsten Werke der Jazzgeschichte. Sie wird dennoch zu selten gehört, zu selten gesamplet, zu selten erwähnt.
Music Kolumne | verfasst 08.03.2013
Records Revisited
Gil Scott-Heron's Small Talk At 125th And Lenox, 1970
Als Gil Scott-Heron im Sommer 1970 auf Drängen des Produzenten Bob Thiele ein kleines New Yorker Studio betrat, war er Autor. Wenige Stunden später verließ er das Studio als Musiker.
Music Kolumne
Aigners Inventur
Mai & Juni 2021
Die eine Konstante in der Ära von Impfneid, Merzismus und Notbremsenbeef: Aigners Inventur fühlt sich vier Minuten vor Beginn der Ausgangssperre verwegen, hält sich für den Nabel der Deutschrapwelt und kopiert sich nur selbst.
Music Liste
Crumb
10 All Time Favs
Seit ihrem Debüt 2019 gelten Crumb als eines der heißesten Feuer in der Musiklandschaft. Nun ist ihr neues Album »Ice Melt« erschienen. Die Gelegenheit sie nach 10 Schallplatten zu fragen, die sie geformt, gebessert und gebildet haben.
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
Scotch Rolex – Tewari
Ist es Hip-Hop? Ist es Metal? Ist es Dancehall? Ist es Musik, die du nicht raffen wirst? Ist es unfair, dass die Clubs geschlossen sind? Unsere Vinyl-Sprechstundler gehen gleichermaßen clubhorny wie verstört aus DJ Scott Rolex’ »Tewari«.
Music Interview
Adrian Younge
Sonische Geschichtsstunde
Mit »The American Negro« beginnt ein neues Kapitel in der Arbeit von Adrian Younge. Sie ist frontaler, politisch aufgeladener und selbstsicherer. Er will lehren. Wir hatten die Gelegenheit zu einem ausführlichem Interview.
Music Liste
Leon Vynehall
10 All Time Favs
Mit seinem neuen Album »Rare, Forever« setzt der britische Produzent Leon Vynehall den Weg fort, den er mit »Nothing Is Still« begonnen hat. Uns verrät er heute 10 Schallplatten, die ihn geformt, gebessert und gebildet haben.
Music Kolumne
Records Revisited
Gil Scott-Heron – Pieces Of A Man (1971)
Man nannte ihn den »Godfather of Hip Hop«, weil er über Drogen, Rassismus und die Divided States of America textete. Mittlerweile ist das erfolgreichstes Album von Gil Scott-Heron 50 Jahre alt – und aktueller denn je.
Music Kolumne
Records Revisited
Deftones – White Pony (2000)
Die im Juni 2000 veröffentlichte LP »White Pony« wurde deshalb zu einem dermaßen bahnbrechenden Album, weil sich die Deftones darauf erstmals als die Zitationsmaschine in Szene setzen, die sie eigentlich immer schon gewesen waren.
Music Liste
Jenn Wasner (Flock Of Dimes)
10 All Time Favs
Mit ihrem Soloprojekt Flock of Dimes hat Jenn Wasner gerade ihr persönlichstes und zugleich substanziell weitreichendstes Album vorgelegt. Wir baten die Musikerin uns 10 Schallplatten zu nennen, die sie geformt, gebessert, gebildet haben.
Music Porträt
Gondwana Records
Seele und Charakter
Als DJ und Musiker wurde Matthew Halsall zum Labelbetreiber. Ausgehend von einem lokalen Fokus auf die Jazzszene Manchesters hat der Trompeter seinem Label Gondwana mittlerweile eine recht internationale Ausrichtung gegeben.
Music Kolumne
Records Revisited
Busta Rhymes – The Coming (1996)
Als vor 25 Jahren »The Coming« erschien, war Busta Rhymes kein Unbekannter mehr. Sein Solodebüt mit dem Hit »Woo Hah!! Got You All In Check« machte ihn zu einem der größten Rapstars seiner Zeit. Wie klingt das Album heute?
Music Kolumne
Records Revisited
Yellow Magic Orchestra – BGM (1981)
Winke für die Zukunft: Die japanischen Synthesizerzauberer des Yellow Magic Orchestra entwarfen auf ihrem vierten Album »BGM« eine Background Music für nachfolgende Generationen.
Music Kolumne
Records Revisited
Coil – Love's Secret Domain (1991)
Techno ist es nicht – doch hinterließ »Love’s Secret Domain« tiefe Furchen in der Clubmusik der 1990er Jahre und markierte für Coil jenen Wendepunkt, ab dem ihr Wirken eine neue Richtung einschlug. Das Projekt hätte es fast zerrissen.
Music Porträt
Die P
Die Messlatte höher legen
Sie ist das erste Signing des All Female*-Labels 365xx Records und veröffentlicht dieser Tage ihr Debüt »3,14«. Für Die P ist die Golden Era schlicht nachhaltig, Competition ist für sie Ansporn, besser zu werden. Ihr Ziel: Zeitlosigkeit.
Music Porträt
Important Records
Deep Listening Forever!
Ob Pauline Oliveros, Éliane Radigue, Alina Kalancea oder Caterina Barbieri: Seit 20 Jahren ist Important Records wie ein gut bestückter Plattenladen für aufregende Sounds – die beste Anlaufstelle für Musik, die intensiv gehört werden muss.
Music Kolumne
Aigners Inventur
März & April 2021
Die ganze Welt verarbeitet im März 2021 immer noch den März 2020, nur unser Kolumnist ist weiterhin auf der Suche nach Wrong-Speeder-Optionen. Aigners Inventur: Dub aus dem Abyss und durch die FFP2-Maske gerauchte Kippen.
Art Porträt
Vincent de Boer
Wie Jazz mit Pinseln
Der niederländische Künstler Vincent de Boer ist zu einem festen Bandmitglied der britischen Jazzer von Ill Considered avanciert. Er zeichnet Plattencover auf Basis der gehörten Grooves. Für »The Stroke« wurde der Prozess nun umgedreht.
Music Kolumne
Records Revisited
Dinosaur Jr – Green Mind (1991)
Viele Rockbands nehmen zu Beginn der 1990er Jahre ihre bis dahin besten Alben auf. Auch Dinosaur Jr. Während die Band selbst bei den Aufnahmen bereits auseinanderbricht, strotzt ihr viertes Album »Green Mind« vor Kreativität.
Music Porträt
Phew
Ein Leben gegen den Strich
Punk mit Aunt Sally, Synth Pop mit Sakamoto und experimentelle Musik solo und mit anderen: Die japanische Musikerin Phew sucht seit über vier Jahrzehnten die Fehler in der Musik, weil sich darin nur deren Möglichkeiten offenbaren.
Music Porträt
Far Out Recordings
Im Epizentrum der Brazil-Welle
Joe Davis ist der Lokführer, auf dessen Zug Mitte der Neunziger eine ganze Generation Brazil-affiner Producer aufsprang. Mit seinem Label Far Out Recordings wurde er zum weltweiten Statthalter brasilianischer Musikkultur.
Music Kolumne
Records Revisited
Carole King – Tapestry (1971)
Carole King wollte nie Popstar werden, sondern nur Songs schreiben. Weil sie das aber konnte wie niemand sonst, wurde sie es dennoch – mit »Tapestry«, ihrem Debütalbum aus dem Februar 1971.
Music Interview
Audio88 & Yassin
Der bessere Diss
Auf das verflixte fünfte Album von Audio88 und Yassin mussten Fans verflixte fünf Jahre warten. Im Zuge des Weltgeschehens ist es kein Wunder, dass sie radikaler auftreten als je zuvor. Ein Interview anlässlich des neuen Albums »Todesliste«
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
Madlib – Sound Ancestors
»Das erste Madlib-Album, das wirklich als Album gehört werden kann«, sagte Four Tet. – Das ist doch Schwachsinn, sagen unsere Kolumnisten. Sie fragen sich: Hat Madlib hier nicht einfach gemacht, was er immer gemacht hat – und…will man das?
Music Kolumne
Records Revisited
Jan Jelinek – Loop-Finding-Jazz-Records (2001)
2001 hing Jan Jelinek das Ego an den Nagel und lud seinen Sampler mit Klängen von Jazz-Platten auf, um daraus Loops zu basteln. Die liefen aneinander vorbei und bildeten Moiré-Effekte. Davon lebt die Magie von »Loop-finding-jazz-records«.
Music Interview
The Notwist
»Es ist immer ein Zurückkommen«
The Notwist sind wieder da. Sieben Jahre haben sich die Brüder Markus und Michael Acher Zeit gelassen, mit Cico Beck einen Ersatz für Martin Gretschmann gefunden, und einen Klang gefunden, der universeller ist als je zuvor. Ein Interview.
Music Kolumne
Records Revisited
Brian Eno & David Byrne – My Life In The Bush Of Ghosts (1981)
Ethno-Sampling als Pop: Mit ihrem Album »My Life in the Bush of Ghosts« landeten Brian Eno und David Byrne 1981 einen Innovationshit. 40 Jahre später klingt das selbstverständlich. Dafür ergeben sich andere Schwierigkeiten mit dem Ansatz.
Music Interview
Common
»Befreiung fängt im Kopf an«
Sein neues Album trägt den Namen »A Beautiful Revolution Pt.1«, erschien bereits im Oktober digital und in diesen Tagen wird es nun auch auf Vinyl veröffentlicht. Wir nutzten die Gelegenheit mit dem Rapper aus Chicago zu sprechen.
Music Porträt
Zoviet France
Fiebertraum vom Ende
Keine Namen, keine Gesichter, keine Tradition: Zoviet France wollten als anonymes Kollektiv Anfang der Achtziger die Antithese zum orthodoxen Kunstverständnis formulieren – und wurden dabei zu Kultfiguren wider Willen. Bis heute.
Music Liste
Aigners Inventur
Januar & Februar 2021
Ist es Gott? Ist es Hesse? Ist es Domian? Nein, es ist zum Glück einfach nur der Aigner. Der hat die Gardinen seit Wochen maximalst zugezogen und schickt uns die erste Inventur des noch fast unbefleckten neuen Jahres aus dem Kabuff.
Music Liste
Aaron Frazer
10 All Time Favs
»Introducing« heißt das erste Soloalbum von Aaron Frazer. Als Schlagzeuger von Durand Jones & The Indications ist er aber längst kein unbekannter. Musikalisch geht’s in die Sechziger. Uns sagt er, was ihn wirklich musikalisch geprägt hat.
Music Porträt
On The Corner
Banger für das Hinterzimmer
Mit seinem Label On the Corner Records serviert Pete Buckenham einen berauschenden Eintopf aus afro-futuristischen Jazz-Konzepten und zeitgenössischen Street Grooves und stößt er heute bereits die Pforten zum Sounduniversum von morgen auf.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 50 Albums
Sprechen wir es aus: Musik ist in Gefahr, weil sie nicht gemeinsam erlebt werden kann und weil ihre Macher*innen sich seit Monaten in einer existenziellen Krise befinden. Auf Schallplatte gab es dennoch einiges zu hören, wie diese 50 Alben.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 20 12inches
Tanzen war 2020 nicht wirklich. Aber die Vinyl 12" war trotzdem ein begehrtes Format. Und zwar für Musik, die von einer Zeit nach der Katastrophe träumt. Hier sind unsere Top 20. Einen Bonus in Form einer Vinyl 7" gibt’s obendrauf.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 50 Reissues
Früher war alles besser, das reden wir uns schon seit geraumer Zeit ein und seit zehn, fünfzehn Jahren versucht uns die Reissue-Industrie in dieser zur Weltanschauung geronnenen Vermutung zu bestätigen. Hier sind die Top 50 Reissues 2020.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 20 Compilations
Werkeinstiege zu Beverly Glenn-Copeland und Sade, DJ-Mixe von etwa Helena Hauff und Avalon Emerson, Würdigungen, Geschichtslektionen: Die Compilations in 2020 brachten Schwung in das pandemisch und politisch kriselnde Jahr.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 20 Tapes
Das angebliche Tape-Revival ist schon alt genug, als dass seine Heraufbeschwörung durch wiederverwertungsgeile Feuilletons selbst bald ein Revival feiern könnte. Sei’s drum: Diese zwanzig Kassetten haben uns 2020 das Leben gerettet.
Music Porträt
The Silhouettes Project
Protest aus dem Underground
Kosher und Eerf Evil gründeten das Silhouettes Project, um dem Londoner Untergrund Struktur zu verleihen. Ihr selbstbetiteltes Album entstand in gemeinsamen Sessions der britischen Alternative-Rap-Szene.
Music Kolumne
Records Revisited
Coil – Musick to Play in the Dark (1999)
Magie als Klang, der lunare Energien ansammelt: Mit dem im Jahr 1999 veröffentlichten Album »Musick to Play in the Dark« schufen die Elektronik-Esoteriker Coil ihre größten Hymnen an die Nacht. Jetzt wurde es endlich neu veröffentlicht.
Music Porträt
Sault
Black is …
Sault sind die inoffizielle musikalische Stimme der Black Lives Matter Bewegung. Voll radiotauglichem Soul und Jazz, hinter dem die längst überfällige Revolution steht.
Music Kolumne
Aigners Inventur
November & Dezember 2020
Das Virus? Nah, unser furchtloser Kolumnist fürchtet nur eines hinter jeder Straßenecke: Clueso. Aigner schmeißt sich in fiktive Nachtbusse und bückt sich n zu den REWE-Spaghetti runter, weil die von Barilla wieder weggepreppt wurden.
Music Kolumne
Records Revisited
The Pharcyde – Labcabincalifornia (1995)
Pioniere im Andersdenken. Vor 25 Jahren wurden die überdrehten Klassenclowns von The Pharcyde auf ihrem zweiten Album »Labcabincalifornia« zu zynischen Antihelden. Daran trug auch ein damals unbekannter producer namens J Dilla Schuld.
Music Porträt
Tidal Waves
Die Welle reiten
Eine kräftige Welle hat schon so manchen Schatz an Land gespült. So gesehen passt der Name, denn das belgische Reissue-Label Tidal Waves sucht, findet und veröffentlicht verlorengeglaubte Perlen der Musikgeschichte.