Music Kolumne | verfasst 14.11.2020
Records Revisited
The Pharcyde – Labcabincalifornia (1995)
Pioniere im Andersdenken. Vor 25 Jahren wurden die überdrehten Klassenclowns von The Pharcyde auf ihrem zweiten Album »Labcabincalifornia« zu zynischen Antihelden. Daran trug auch ein damals unbekannter producer namens J Dilla Schuld.
Text Fionn Birr
Records_revisited_the+pharcyde_1024x685px

»Some east village hipster shit«. Dass das Demo von The Pharcyde im Jahr 1991 mit diesen Worten abgelehnt wird, ist schon eine Story für sich. Ein gewisser Russell Simmons, auf den dieses Zitat zurückgehen soll, dürfte sich ein bisschen geärgert haben, als das Quartett aus Los Angeles ein Jahr später auf seinem avantgardistischen Album »Bizarre Ride II The Pharcyde« kalifornische Jungsträume staatenübergreifend ins Radio bringen. Auch dank der hoffnungslosen Rap-Rom-Com »Passing Me By« erhält »Bizarre Ride« eine Gold-Auszeichnung, Pharcyde gehen mit De La Soul und A Tribe Called Quest auf Tour und rotieren auf MTV.

Ihre ausgelassene Pennäler-Storyteller und die leichtfüßigen Bohème-Beats machen das überdrehte Kollektiv um Fatlip, Imani, Slimkid3 und Bootie Brown Mitte der 1990er Jahre zur fleischgewordenen Gegenbewegung. Von Kanye West bis Fettes Brot: The Pharcyde gelten heute als Pioniere im Andersdenken. Denn inmitten der sich aufbäumenden Gangsta-Rap-Ära des Jahres 1992 war der amtliche Erfolg ihres jazzigen Nerdtums mit vorbildlichem Native-Tounge-Bezug so etwas wie ein Gänseblümchen im Kugelhagel.

Beim zweiten Album »Labcabincalifornia« soll aus dem california dreaming nun aber der amerikanischen Traum werden. Dafür zieht die Band aus der gemeinsamen Bude, der Pharcyde Manor, in die etwas kostspieligere und aufgeräumtere Labcabin um. Dank den Achtungserfolgen zuvor lassen sich mit dem Vorschuss von Delicious Vinyl aber auch ein paar andere Gedanken weiterspinnen. Der Band-eigene Producer J.Swift hatte die Crew schon vor Release von »Bizarre Ride« verlassen – sein Verbleib wurde 2007 in der Doku »1 More Hit« begleitet. Spoiler: crack is wack.

So zitieren sich die verbliebenen Vier neben NYC-Heroen wie Buckwild oder Diamond D auch Q-Tip ans Mischpult, der damals der Go-To-Producer schlechthin ist. Q-Tip hat zwar keine Zeit, spielt dem Quartett aber ein Tape von einem noch unbekannten Beatmaker namens Jay Dee aus Detroit in seinem Wohnzimmer vor. Da Q-Tip bürgerlich Jonathan Davis und also J.D. heißt, halten die Spaßvögel Pharcyde die Nummer für einen prank, lassen sich aber drauf ein. Später werden sie feststellen: Sie haben sich mächtig geirrt.

Es ist die subtile Tragödie zwischen all dem Geflachse, die »Labcabincalifornia« so gut hat altern lassen. Hier rappen keine Spielkinder mehr, sondern Rap-Künstler.

Denn die verspulten Melodien, die eigenwilligen Drums und das andersartige Sampling hat tatsächlich nicht Q-Tip, sondern ein Typ namens James Yacney zu Beats zusammengetragen, der als J Dilla später eine Weltkarriere hinlegt. Jay Dee setzt den wirren Funk-Rumpelkisten vom Debüt heruntergefahrene Cool-Jazz-Patterns und locker getappte Breaks entgegen. Es sind die Prototypen für den kommenden Indie-Rap der frühen Nullerjahre. Questlove beschreibt diese neuartige Lässigkeit einmal, »als hätte man einem betrunkenen, hochbegabten Vierjährigen erlaubt, die Kicks« zu triggern.

Pharcyde nehmen gleich sechs dieser Beats. Damit steuert J Dilla die meisten Produktionen auf »Labcabincalifornia« bei, was die LP rückblickend betrachtet zu einem ungewollten kleinen Manifest für Leftfield-Hip-Hop macht. Verspielt, aber nicht albern – dunkel, aber nicht dark. »Labcabincalifornia« bleibt vor allem deswegen bis heute im Gedächtnis, weil es der Startschuss für die Karriere von J Dilla ist und irgendwie auch das, was heutzutage als Neo-Soul bekannt ist.

Auf das Songwriting hat dieser Laid-Back-Sound starken Einfluss. Die Sprücheklopfer von einst schreiben zwar immer noch humorvolle, aber auch desillusionierte Tales über Drogen, Beziehungskrisen und enttäuschte Erwartungen. War ihr Signature einst Klassenclown-Musik, entwickeln Pharcyde über das Album hinweg einen tragikomischen Antihelden-Rap. Nur etwa auf der Single »She Said« blitzt die alte Ausgelassenheit manchmal noch auf – übrigens die Vorlage für einen der langlebigsten Deutschrap-Songs ever.

The Pharcyde - Labcabincalifornia (Cover)Webshop ► Vinyl 2LP Vom Label fühlt sich die Band über den Tisch gezogen, auch ihr damaliger Labelmate Masta Ace berichtet später Ähnliches von sich. Zum Anderen entladen sich intern immer öfter kreative Spannungen zwischen Dogmatismus und Experimentierfreude, sodass kurz nach Release Gründungsmitglied Fatlip andere Wege geht. »The record companies are quick to end the fantasy«, deutet sich der Verdruss im Track »Somethin’ That Means Somethin’« an. Auf »Devil Music« gibt sich die Crew sogar noch fatalistischer: »Everytime I step to the microphone / I put my soul on 2 inch reels that I don’t even own«. Es ist die subtile Tragödie zwischen all dem Geflachse, die das Album so gut hat altern lassen. Hier rappen keine Spielkinder mehr, sondern Rap-Künstler. »Labcabincalifornia« ist damit auch eine Warnung, dass Beruf und Berufung, Freundschaften und Finanzielles, Suchen und Finden manchmal besser zu trennen sind.

Wenn sein Vorgänger für eine unbeschwerte Kindheit steht, dann ist »Labcabincalifornia« ein Coming-of-Age-Album sowohl für die Band als auch für Mittelstands-Rap an sich und irgendwie auch Jay Dee. Das Jahrhundertvideo von Spike Jonze zur hypnotischen Single »Drop« kann fast als Symbol dafür herhalten, wenn aus der albernen Idee, alles rückwärts abzuspielen, ein professionelles Filmset mit Synchronklappe und Drehpausen wird. Wir alle müssen das Kinderzimmer einmal verlassen. Was von »Labcabincalifornia« 25 Jahre nach Erscheinen übrig bleibt, ist die Lehre, dass ein mehrstimmiger One-Liner-Chorus und ein Bossa-Nova-Sample einen Rap-Evergreen ergeben, dass The Pharcyde nicht das One-Album-Wonder sind, für das sie immer gehalten werden, und dass Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Und J Dilla. Geht schlechter.


Die Musik von The Pharcyde findest du im Webshop von HHV Records.

Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 22.06.2012
The Pharcyde
Bizarre Ride II The Pharcyde
Es ist eine Liebeserklärung – Auch zwei Dekaden nach »Bizarre Ride II«, bleiben wir Imani, Slimkid3, Booty Brown und Fatlip treu.
Music Review | verfasst 22.05.2014
Chris Read remixes The Pharcyde
Runnin'/Passin' Me By
Chris Reads Remixe von »Runnin’« und »Passin’ Me By« lassen zwei der beliebtesten Pharcyde-Songs ermüdender aussehen, als sie waren.
Music Interview | verfasst 11.04.2013
Bizarre Ride II The Pharcyde
Mit Bitte um Aufklärung
Die Bands The Pharcyde und Bizarre Ride II The Pharcyde behaupten beide, die gleiche Band zu sein. Wir trafen J-Swift, Slim Kid Tre und L.A. Jay und baten sie um Aufklärung. Aber auch J Dilla und einer ihrer Hits blieb nicht unerwähnt.
Music Kolumne | verfasst 11.02.2015
Records Revisited
Beastie Boys‘ Paul’s Boutique, 1989
Das zweite Album der Beastie Boys gilt als eines der innovativsten Hip Hop-Alben und ist doch vor allem ein Produkt des Chaos’. Zugleich ist es der unschlagbare Beweis dafür, dass die Musikindustrie niemals Recht hat.
Music Kolumne | verfasst 12.05.2015
Records Revisited
Run-DMC - Run-DMC, 1984
Es gibt wenige Alben, die echte Game Changer gewesen sind. Run-DMCs selbstbetiteltes Debütalbum aus dem Jahre 1984 war so eines. Es brach mit Traditionen und brachte Rap zurück zu sich selbst.
Music Essay | verfasst 11.11.2015
Records Revisited
IAM's »Ombre Est Lumiere«, 1993
IAM sind weit mehr als Frankreichs dienstälteste und erfolgreichste Rap-Formation. Sie sind die großen Poeten des französischen Rap, die historische Verbindung Europas zur arabischen Kultur und ein erinnerndes Gewissen.
Music Kolumne | verfasst 24.03.2017
Records Revisited
The Notorious B.I.G. – Life After Death (1997)
Morgen wird Biggies »Life After Death« zwanzig Jahre alt. Ein bahnbrechendes Album. Vor allem weil es damals auf tragische Weise mit einer dem HipHop inhärenten fixen Idee brach.
Music Kolumne | verfasst 02.03.2018
Records Revisited
Digable Planets – Reachin’ (A New Refutation of Time and Space) (1993)
Digable Planets besprachen auf ihren Debütalbum ein Thema, das nicht unbedingt auf Rapalben zu finden ist: weibliche Selbstbestimmung und Pro-Choice. Und zeigen, dass sich seit 1993 eigentlich nichts geändert hat.
Music Kolumne | verfasst 17.05.2018
Records Revisited
Guru – Jazzmatazz Vol.1 (1993)
Das Genre-Crossover war die große Verbeugung des Gang Starr MC vor den Jazzwurzeln der Rap-Musik. Es war jedoch auch eine verpasste Chance und ein Anachronismus in einer sich rasant wandelnden Hip-Hop-Welt.
Music Kolumne | verfasst 22.08.2018
Records Revisited
J Dilla – The Shining (2006)
»The Shining« war das erste posthum veröffentlichte Album von J Dilla. Man kriegt Soul, Funk, rohen Rap, auch das vertrackte Zeug. Kurz: Man bekommt die unendlichen Ausdrucksformen, die J Dilla beherrschte. Es ist ein wahrer Klassiker.
Music Kolumne | verfasst 22.02.2019
Records Revisited
The Roots – Things Fall Apart (1999)
Mit »Things Fall Apart« sollte sich für The Roots entscheiden, ob sie einfach Kritikerlieblinge blieben oder auch den großen kommerziellen Erfolg erreichen könnten. Es wurde ihr Durchbruch.
Music Kolumne | verfasst 01.03.2019
Records Revisited
De La Soul – 3 Feet High And Rising (1989)
Blümchenrap für alle: De La Soul waren vor 30 Jahren im Hip-Hop der Gegenentwurf zur Männlichkeit des Gangsta-Rap. Ihr Debütalbum ist bis heute ein Klassiker, der in seiner unbefangen-freundlichen Grundhaltung leicht wehmütig macht.
Music Kolumne | verfasst 19.04.2019
Records Revisited
Nas – Illmatic (1994)
Wenn es um Nas’ »Illmatic« geht, spitzen sich die Ohren all jener, die Rap auch nur ein Fünkchen abgewinnen können. Klar, denn »Illmatic«, das sind Erzählungen für jeden und Nas wurde zum poetischsten Chronisten seiner Zeit.
Music Kolumne | verfasst 20.04.2019
Records Revisited
MF DOOM – Operation: Doomsday (1999)
Die Entstehung des Superschurken: Mit »Operation: Doomsday« lässt Daniel Dumile sein bisheriges Schaffen hinter sich – und schickt MF DOOM in die Welt. Der Anfang eines Spiels um Identitäten und Erwartungen. Es dauert bis heute an.
Music Kolumne | verfasst 29.06.2019
Records Revisited
Lootpack – Soundpieces: Da Antidote! (1999)
Der erste Wurf: »Soundpieces: Da Antidote!« hob das noch junge Westküsten-Label Stones Throw vom Kreis der Auskenner in den Kult-Olymp. Jetzt wird der Underground-Klassiker 20 Jahre alt.
Music Kolumne | verfasst 12.10.2019
Records Revisited
Mos Def – Black On Both Sides (1999)
Das »To Pimp A Butterfly« der Prä-Smartphone-Generation: Mos Defs Debüt tritt Ende der Neunziger gegen den Shiny Suit-Mainstream mit politischer Finesse und Harakiri-Flow auf. Warum du »Black On Both Sides« heute wieder hören musst.
Music Kolumne | verfasst 28.03.2020
Records Revisited
Ol Dirty Bastard – Return To The 36 Chambers (1995)
1993 begann eine Erfolgsgeschichte. Mit »Enter The Wu-Tang (36 Chambers)« produzierte der Wu-Tang Clan einen Meilenstein und nachfolgend zahlreiche Klassiker des Genres. Darunter: »Return To The 36 Chambers« von Ol‘ Dirty Bastard.
Music Kolumne | verfasst 03.04.2020
Records Revisited
Nightmares On Wax – Smokers Delight (1995)
Hip-Hop ohne Rap: Mit »Smoker’s Delight« brach für Nightmares On Wax eine neue Ära an. Zum Soloprojekt von George Evelyn mutiert, war das zweite Album der Bleep-Pioniere der Auftakt für geloopte Entspannungspolitik mit Langzeitwirkung.
Music Kolumne | verfasst 25.04.2020
Records Revisited
Mobb Deep – The Infamous (1995)
1995 zieht sich Hip-Hop die Kapuze ins Gesicht – Mobb Deep bringen mit »The Infamous« den Hardcore nach New York City und zerschießen die Szene ohne Hoffnung auf ein Morgen.
Music Kolumne | verfasst 13.06.2020
Records Revisited
Quasimoto – The Unseen (2000)
Vor zwanzig Jahren schloss sich Madlib in den Keller von Peanut Butter Wolf ein und kam als gelbes Alien mit Schweineschnauze raus. Lord Quas war geboren und »The Unseen« hat das Character Design im Hip-Hop auf eine neue Stufe gehoben.
Music Liste
Leon Vynehall
10 All Time Favs
Mit seinem neuen Album »Rare, Forever« setzt der britische Produzent Leon Vynehall den Weg fort, den er mit »Nothing Is Still« begonnen hat. Uns verrät er heute 10 Schallplatten, die ihn geformt, gebessert und gebildet haben.
Music Kolumne
Records Revisited
Gil Scott-Heron – Pieces Of A Man (1971)
Man nannte ihn den »Godfather of Hip Hop«, weil er über Drogen, Rassismus und die Divided States of America textete. Mittlerweile ist das erfolgreichstes Album von Gil Scott-Heron 50 Jahre alt – und aktueller denn je.
Music Kolumne
Records Revisited
Deftones – White Pony (2000)
Die im Juni 2000 veröffentlichte LP »White Pony« wurde deshalb zu einem dermaßen bahnbrechenden Album, weil sich die Deftones darauf erstmals als die Zitationsmaschine in Szene setzen, die sie eigentlich immer schon gewesen waren.
Music Liste
Jenn Wasner (Flock Of Dimes)
10 All Time Favs
Mit ihrem Soloprojekt Flock of Dimes hat Jenn Wasner gerade ihr persönlichstes und zugleich substanziell weitreichendstes Album vorgelegt. Wir baten die Musikerin uns 10 Schallplatten zu nennen, die sie geformt, gebessert, gebildet haben.
Music Porträt
Gondwana Records
Seele und Charakter
Als DJ und Musiker wurde Matthew Halsall zum Labelbetreiber. Ausgehend von einem lokalen Fokus auf die Jazzszene Manchesters hat der Trompeter seinem Label Gondwana mittlerweile eine recht internationale Ausrichtung gegeben.
Music Kolumne
Records Revisited
Busta Rhymes – The Coming (1996)
Als vor 25 Jahren »The Coming« erschien, war Busta Rhymes kein Unbekannter mehr. Sein Solodebüt mit dem Hit »Woo Hah!! Got You All In Check« machte ihn zu einem der größten Rapstars seiner Zeit. Wie klingt das Album heute?
Music Kolumne
Records Revisited
Yellow Magic Orchestra – BGM (1981)
Winke für die Zukunft: Die japanischen Synthesizerzauberer des Yellow Magic Orchestra entwarfen auf ihrem vierten Album »BGM« eine Background Music für nachfolgende Generationen.
Music Kolumne
Records Revisited
Coil – Love's Secret Domain (1991)
Techno ist es nicht – doch hinterließ »Love’s Secret Domain« tiefe Furchen in der Clubmusik der 1990er Jahre und markierte für Coil jenen Wendepunkt, ab dem ihr Wirken eine neue Richtung einschlug. Das Projekt hätte es fast zerrissen.
Music Porträt
Die P
Die Messlatte höher legen
Sie ist das erste Signing des All Female*-Labels 365xx Records und veröffentlicht dieser Tage ihr Debüt »3,14«. Für Die P ist die Golden Era schlicht nachhaltig, Competition ist für sie Ansporn, besser zu werden. Ihr Ziel: Zeitlosigkeit.
Music Porträt
Important Records
Deep Listening Forever!
Ob Pauline Oliveros, Éliane Radigue, Alina Kalancea oder Caterina Barbieri: Seit 20 Jahren ist Important Records wie ein gut bestückter Plattenladen für aufregende Sounds – die beste Anlaufstelle für Musik, die intensiv gehört werden muss.
Music Kolumne
Aigners Inventur
März & April 2021
Die ganze Welt verarbeitet im März 2021 immer noch den März 2020, nur unser Kolumnist ist weiterhin auf der Suche nach Wrong-Speeder-Optionen. Aigners Inventur: Dub aus dem Abyss und durch die FFP2-Maske gerauchte Kippen.
Art Porträt
Vincent de Boer
Wie Jazz mit Pinseln
Der niederländische Künstler Vincent de Boer ist zu einem festen Bandmitglied der britischen Jazzer von Ill Considered avanciert. Er zeichnet Plattencover auf Basis der gehörten Grooves. Für »The Stroke« wurde der Prozess nun umgedreht.
Music Kolumne
Records Revisited
Dinosaur Jr – Green Mind (1991)
Viele Rockbands nehmen zu Beginn der 1990er Jahre ihre bis dahin besten Alben auf. Auch Dinosaur Jr. Während die Band selbst bei den Aufnahmen bereits auseinanderbricht, strotzt ihr viertes Album »Green Mind« vor Kreativität.
Music Porträt
Phew
Ein Leben gegen den Strich
Punk mit Aunt Sally, Synth Pop mit Sakamoto und experimentelle Musik solo und mit anderen: Die japanische Musikerin Phew sucht seit über vier Jahrzehnten die Fehler in der Musik, weil sich darin nur deren Möglichkeiten offenbaren.
Music Porträt
Far Out Recordings
Im Epizentrum der Brazil-Welle
Joe Davis ist der Lokführer, auf dessen Zug Mitte der Neunziger eine ganze Generation Brazil-affiner Producer aufsprang. Mit seinem Label Far Out Recordings wurde er zum weltweiten Statthalter brasilianischer Musikkultur.
Music Kolumne
Records Revisited
Carole King – Tapestry (1971)
Carole King wollte nie Popstar werden, sondern nur Songs schreiben. Weil sie das aber konnte wie niemand sonst, wurde sie es dennoch – mit »Tapestry«, ihrem Debütalbum aus dem Februar 1971.
Music Interview
Audio88 & Yassin
Der bessere Diss
Auf das verflixte fünfte Album von Audio88 und Yassin mussten Fans verflixte fünf Jahre warten. Im Zuge des Weltgeschehens ist es kein Wunder, dass sie radikaler auftreten als je zuvor. Ein Interview anlässlich des neuen Albums »Todesliste«
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
Madlib – Sound Ancestors
»Das erste Madlib-Album, das wirklich als Album gehört werden kann«, sagte Four Tet. – Das ist doch Schwachsinn, sagen unsere Kolumnisten. Sie fragen sich: Hat Madlib hier nicht einfach gemacht, was er immer gemacht hat – und…will man das?
Music Kolumne
Records Revisited
Jan Jelinek – Loop-Finding-Jazz-Records (2001)
2001 hing Jan Jelinek das Ego an den Nagel und lud seinen Sampler mit Klängen von Jazz-Platten auf, um daraus Loops zu basteln. Die liefen aneinander vorbei und bildeten Moiré-Effekte. Davon lebt die Magie von »Loop-finding-jazz-records«.
Music Interview
The Notwist
»Es ist immer ein Zurückkommen«
The Notwist sind wieder da. Sieben Jahre haben sich die Brüder Markus und Michael Acher Zeit gelassen, mit Cico Beck einen Ersatz für Martin Gretschmann gefunden, und einen Klang gefunden, der universeller ist als je zuvor. Ein Interview.
Music Kolumne
Records Revisited
Brian Eno & David Byrne – My Life In The Bush Of Ghosts (1981)
Ethno-Sampling als Pop: Mit ihrem Album »My Life in the Bush of Ghosts« landeten Brian Eno und David Byrne 1981 einen Innovationshit. 40 Jahre später klingt das selbstverständlich. Dafür ergeben sich andere Schwierigkeiten mit dem Ansatz.
Music Interview
Common
»Befreiung fängt im Kopf an«
Sein neues Album trägt den Namen »A Beautiful Revolution Pt.1«, erschien bereits im Oktober digital und in diesen Tagen wird es nun auch auf Vinyl veröffentlicht. Wir nutzten die Gelegenheit mit dem Rapper aus Chicago zu sprechen.
Music Porträt
Zoviet France
Fiebertraum vom Ende
Keine Namen, keine Gesichter, keine Tradition: Zoviet France wollten als anonymes Kollektiv Anfang der Achtziger die Antithese zum orthodoxen Kunstverständnis formulieren – und wurden dabei zu Kultfiguren wider Willen. Bis heute.
Music Liste
Aigners Inventur
Januar & Februar 2021
Ist es Gott? Ist es Hesse? Ist es Domian? Nein, es ist zum Glück einfach nur der Aigner. Der hat die Gardinen seit Wochen maximalst zugezogen und schickt uns die erste Inventur des noch fast unbefleckten neuen Jahres aus dem Kabuff.
Music Liste
Aaron Frazer
10 All Time Favs
»Introducing« heißt das erste Soloalbum von Aaron Frazer. Als Schlagzeuger von Durand Jones & The Indications ist er aber längst kein unbekannter. Musikalisch geht’s in die Sechziger. Uns sagt er, was ihn wirklich musikalisch geprägt hat.
Music Porträt
On The Corner
Banger für das Hinterzimmer
Mit seinem Label On the Corner Records serviert Pete Buckenham einen berauschenden Eintopf aus afro-futuristischen Jazz-Konzepten und zeitgenössischen Street Grooves und stößt er heute bereits die Pforten zum Sounduniversum von morgen auf.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 50 Albums
Sprechen wir es aus: Musik ist in Gefahr, weil sie nicht gemeinsam erlebt werden kann und weil ihre Macher*innen sich seit Monaten in einer existenziellen Krise befinden. Auf Schallplatte gab es dennoch einiges zu hören, wie diese 50 Alben.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 20 12inches
Tanzen war 2020 nicht wirklich. Aber die Vinyl 12" war trotzdem ein begehrtes Format. Und zwar für Musik, die von einer Zeit nach der Katastrophe träumt. Hier sind unsere Top 20. Einen Bonus in Form einer Vinyl 7" gibt’s obendrauf.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 50 Reissues
Früher war alles besser, das reden wir uns schon seit geraumer Zeit ein und seit zehn, fünfzehn Jahren versucht uns die Reissue-Industrie in dieser zur Weltanschauung geronnenen Vermutung zu bestätigen. Hier sind die Top 50 Reissues 2020.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 20 Compilations
Werkeinstiege zu Beverly Glenn-Copeland und Sade, DJ-Mixe von etwa Helena Hauff und Avalon Emerson, Würdigungen, Geschichtslektionen: Die Compilations in 2020 brachten Schwung in das pandemisch und politisch kriselnde Jahr.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 20 Tapes
Das angebliche Tape-Revival ist schon alt genug, als dass seine Heraufbeschwörung durch wiederverwertungsgeile Feuilletons selbst bald ein Revival feiern könnte. Sei’s drum: Diese zwanzig Kassetten haben uns 2020 das Leben gerettet.
Music Porträt
The Silhouettes Project
Protest aus dem Underground
Kosher und Eerf Evil gründeten das Silhouettes Project, um dem Londoner Untergrund Struktur zu verleihen. Ihr selbstbetiteltes Album entstand in gemeinsamen Sessions der britischen Alternative-Rap-Szene.
Music Kolumne
Records Revisited
Coil – Musick to Play in the Dark (1999)
Magie als Klang, der lunare Energien ansammelt: Mit dem im Jahr 1999 veröffentlichten Album »Musick to Play in the Dark« schufen die Elektronik-Esoteriker Coil ihre größten Hymnen an die Nacht. Jetzt wurde es endlich neu veröffentlicht.
Music Porträt
Sault
Black is …
Sault sind die inoffizielle musikalische Stimme der Black Lives Matter Bewegung. Voll radiotauglichem Soul und Jazz, hinter dem die längst überfällige Revolution steht.
Music Kolumne
Aigners Inventur
November & Dezember 2020
Das Virus? Nah, unser furchtloser Kolumnist fürchtet nur eines hinter jeder Straßenecke: Clueso. Aigner schmeißt sich in fiktive Nachtbusse und bückt sich n zu den REWE-Spaghetti runter, weil die von Barilla wieder weggepreppt wurden.
Music Kolumne
Records Revisited
The Pharcyde – Labcabincalifornia (1995)
Pioniere im Andersdenken. Vor 25 Jahren wurden die überdrehten Klassenclowns von The Pharcyde auf ihrem zweiten Album »Labcabincalifornia« zu zynischen Antihelden. Daran trug auch ein damals unbekannter producer namens J Dilla Schuld.
Music Porträt
Tidal Waves
Die Welle reiten
Eine kräftige Welle hat schon so manchen Schatz an Land gespült. So gesehen passt der Name, denn das belgische Reissue-Label Tidal Waves sucht, findet und veröffentlicht verlorengeglaubte Perlen der Musikgeschichte.
Music Kolumne
Records Revisited
Four Tet – There Is Love in You (2010)
Als Four Tet Anfang 2010 das Album »There Is Love in You« veröffentlicht, muss er der Welt nichts mehr beweisen und setzt sich einem retromanischen und verbissenen Zeitgeist mit einem gerüttelt Maß Glückseligkeit entgegen.
Music Kolumne
Records Revisited
GZA – Liquid Swords (1995)
Vor 25 Jahren säbelte GZA sein erstes Solo-Album innerhalb des Wu-Tang-Universums raus, boxte im Schatten von Shaolin-Kriegern und machte seine Gegner mit Lines einen Kopf kürzer. Das Ergebnis nannte sich »Liquid Swords«.
Music Porträt
Mort Garson
Musik für Pflanzen und Menschen
Er war an über 900 Liedern beteiligt, erreichte Platz 1 der Billboard Charts, doch Mort Garsons heutiger Ruhm beruht auf einer Begegnung mit Bob Moog, den er überredete, ihm einen seiner Synthesizer zu überlassen. Eine Wiederentdeckung.
Music Kolumne
Records Revisited
Pet Shop Boys – Behaviour (1990)
»Behaviour« ist das Pet Shop Boys-Album schlechthin. Reflektierte Texte, die schon damals bewährten Hymnen-Melodien und Harold Faltermeyers analoge Produktion verschmolzen zu einem Klassiker, der keinen Staub ansetzen will.