Music Porträt | verfasst 17.12.2020
On The Corner
Banger für das Hinterzimmer
Mit seinem Label On the Corner Records serviert Pete Buckenham einen berauschenden Eintopf aus afro-futuristischen Jazz-Konzepten und zeitgenössischen Street Grooves und stößt er heute bereits die Pforten zum Sounduniversum von morgen auf.
Text Harry Schmidt , Übersetzung Sebastian Hinz
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Die Schallplatten von On The Corner findest du im Webshop von HHV Records.


»Sounds, that Go Bang!« Nicht ganz zufällig beschreibt Pete Buckenham das Profil seines Labels On The Corner Records, indem er den Titel der ikonischen Single von Arthur Russells Leftfield-Disco-Projekt Dinosaur L zitiert. Russells Musik zählt seit langem zu den Favoriten des britischen DJs und Musikjournalisten; in seinen monatlichen Radioshows auf Gilles Petersons Online-Radiostation Worldwide FM hat sie einen festen Platz neben der von Acts wie der Chicagoer Jazzmusikerin Angel Bat Dawid, dem New Yorker Multi-Instrumentalisten Afrikan Sciences oder auch der tunesischen Producerin Azu Tiwaline, deren Dub-Grime-Track »Violet Curves« soeben die jüngste, wieder mal ausgesprochen faszinierend ausgefallene und entsprechend rasch dann doch erstaunlich weite Kreise ziehende Label-Compilation »Door to the Cosmos« eröffnete. Deren Titel ist einer gleichnamigen Komposition von Sun Ra entlehnt, dessen afro-futuristisches Jazz-Konzept eine weitere Referenzkoordinate in Buckenhams Sounduniversum darstellt. »Bangers for the backroom« – »Banger für das Hinterzimmer«, mit diesem respektvoll anerkennenden Attribut bezeichnet Buckenham ein ums andere Mal die spezifische Qualität, die für den Output seines Labels die markenprägend kennzeichnende sein soll. Dessen Name wiederum verweise auf den Titel einer 1972 erschienenen LP von Miles Davis, so Buckenham: »Wenn ich mich in irgendeinen Regieraum einer Session einschleusen könnte, wäre es dieser. Miles zerlegte das Buch der Regeln, injizierte dem Jazz globale Street Grooves und brachte es damit auf den Punkt.«

Mehr als jede stilistische Einordnung ist es also die Zurückweisung von Genrezuschreibungen, die im Zentrum der Label-Philosophie steht. _»Ich war schon immer damit beschäftigt, neuen Klängen nachzujagen und zu versuchen, jene Platten zu finden, die alles auf den Kopf stellen und mein Verständnis wirklich in Frage stellen oder einen unmittelbaren Einfluss auf meine Emotionen haben«, erklärt Buckenham seinen Ansatz. _»Anders, vorausschauend, risikobehaftet und von höchster Qualität« – nach diesen Kriterien wähle er seine Releases aus. Und: »Vieles davon ist in der Black Music verwurzelt.« Denn ein maßgeblicher Impuls zur Labelgründung gründet in Buckenhams Vergangenheit: Nach seinem Anthropologiestudium war er nahezu eine Dekade lang für Amnesty International tätig, wo er Kampagnenstrategien koordinierte. Im Anschluss begab er sich, seiner Intuition folgend, auf eine »Beat Odyssey« durch Ostafrika und die Sahara. Als Betreiber einer Bar auf Sansibar legte er Platten von auf afrikanischen Jazz, Soul und Funk der Sechziger und Siebziger spezialisierten Labels wie Analog Africa und Soundway, aber auch von zeitgenössischen Post-Dubstep-Acts wie Joy Orbison auf und begann, Kontakte zu lokalen Szenen und Netzwerken zu knüpfen. Zurück in England, startete Buckenham eine Montagabend-Clubnachtreihe unter dem Namen »On the Corner Sessions«, wo er und Nick Woodmansey (alias Emanative) in einem kleinen Londoner Café Tracks von Theo Parrish mit obskuren äthiopischen Aufnahmen zusammenbrachten. Woodmansey war es auch, der ihn ermutigte, 2013 mit einem eigenen Label an die Öffentlichkeit zu gehen.

»Ich war schon immer damit beschäftigt, neuen Klängen nachzujagen und zu versuchen, jene Platten zu finden, die alles auf den Kopf stellen.« (Pete Buchenham (On The Corner))

Einer der ersten Schritte mit On the Corner war die Veröffentlichung des Debütalbums »Instead« des siebenköpfigen Ensembles Collocutor um die Saxofonistin Tamar Osborn, die Modal, Deep und Free Jazz mit Afrobeat-Einflüssen und einem klassischen Background verschränkt. Ähnlich wagemutig und auf keine Schublade festzulegen wirkten die folgenden Releases: Das Trio Fiium Shaarrk beruft sich auf Einflüsse von Tortoise über King Crimson, Max Roach, Napalm Death, Autechre bis zu Iannis Xenakis und klingt doch völlig eigen, bei Black Classical treffen Afrosounds auf Candomblé, die Band Penya um Magnus Mehta kreuzt Tribal und Latin mit elektronischen Sounds. Einen Meilenstein markierte 2017 die Veröffentlichung des zweiten Collocutor-Albums: „The Search“ landete in vielen Poll-Ergebnissen weit oben und dürfte auch ausschlaggebend dafür gewesen sein, dass Gilles Peterson On the Corner 2018 zum Label des Jahres kürte. Weitere persönliche Highlights seien die Releases der Mugwisa International Xylophone Group des Santuri-Safari-Netzwerks gewesen, meint Buckenham. Auch das gefragte peruanische Duo Dengue Dengue Dengue hinterlässt regelmäßig Spuren im On The Corner-Roster. In diesem Jahr freut sich Buckenham über die Platzierung des Debütalbums des südafrikanischen Drummers Asher Gamedze unter den Top 10 der Jazz-LPs in der New York Times und die Auszeichnung für Siti Muharams »Romance Revolution« seitens des Rundfunkverbands NPR.

Seine Rolle als A&R interpretiert Buckenham ganz unterschiedlich und abhängig davon, was er für das jeweilige Projekt für nötig hält: »Für manche habe ich eine Vision, einige Künstler können mit uns auf eine Reise gehen, während sie sich entwickeln, und andere schlagen uns mit ihren Arbeiten direkt ins Gesicht, da braucht es dann nur das Verständnis, sie ihrem Publikum richtig zu präsentieren.« Die meisten der bislang rund 50 Releases sind im Vinylformat erschienen, was im Streaming-Zeitalter durchaus einem Statement gleichkommt: »Vinyl ist König, ich wünschte nur, wir könnten es ein bisschen umweltfreundlicher und einfacher zu produzieren machen. Warum hat eigentlich niemand versucht, einen Künstler- und Labelstreik gegen die Streaming-Plattformen zu organisieren? Sie verdienen Arschtritte für ihr Ausbeutungsmodell!« Auch die visuelle Identität, bei On the Corner Records nahezu von Beginn an von Victoria Topping als Art Director verantwortet, ist in Buckenhams Augen entscheidend: „Cover Art ist so wichtig und ein großer Genuss. »Wenn du dir die Mühe machst, etwas zu machen, mach es schön’, um ein Zitat von Tony Wilson (einer der Gründer von Factory Records und Betreiber des Kultclubs Hacienda in Manchester; Anm. d. Autors) zu verfälschen.« Welche Label-CEOs ihn sonst noch inspiriert haben? »So viele – deshalb gleicht das Label ja einem berauschenden Eintopf aus leidenschaftlichen Diggern, Rundfunkveranstaltern, Künstlern und Labelchefs.« Auf Zukunftspläne angesprochen, verrät Buckenham, dass 2021 auf On the Corner einige »jazzige House-Hitter« und – na klar! – »viele weitere Basement-Banger« erscheinen werden. Und welche langfristigen Ziele steuert Buckenham an? Wo sieht er sich mit On the Corner Records – »Tomorrow’s sounds, today!« lautet das Versprechen im Claim seines Imprints – in zehn bis 20 Jahren? »Als Inflight-Entertainer auf Heimatplanetenausflügen.«


Die Schallplatten von On The Corner findest du im Webshop von HHV Records.

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