Music Kolumne | verfasst 01.09.2021
Aigners Inventur
September & Oktober 2021
Keift und brummt sich wieder durch die Veröffentlichungen der letzten zwei Monate: Aigners Inventur, mit Bärlauch-Antipathie und Seerobben-Ehrfurcht. Dazwischen Alben von Flying Lotus, Erika De Casier, Space Afrika und Maxine Funke.
Text Florian Aigner

j. cole off seasonVinyl LP Dafür, dass ich mich eigentlich entschlossen habe, dass J. Cole in meinem Leben nicht vorkommt, kommt J. Cole zu oft in meinem Leben vor. Meist zwar in Corner 3 Form auf Instagram, aber auch an dieser Stelle mit hartnäckiger Regelmäßigkeit. »The Off-Season« spielt wenig subtil auf J. Coles Halbkarriere als B-Ball-Tryout-Kandidat an und musikalisch wie lyrisch ist das alles schon total in Ordnung eigentlich. Weil ich auch für meine irrationale Ablehnung für dieses Kraut keine Begründung habe, möge J. Cole bis zum nächsten Album den Mittelnamen Bärlauch tragen.
 

Flying Lotus - OST Yasuke (A Netflix Original Series )Vinyl LP So, jetzt können wir anfangen. Flying Lotus hat ein Blade Runner-mäßig instrumentiertes Beattape gemacht, das gleichzeitig als Soundtrack für ein Netflix Anime fungiert. »Yasuke« ist das unkomplizierteste, slappendste, was Fly Lo in den letzten zehn Jahren veröffentlicht hat und ungenierte Drill-Snares und 90 Sekunden Tracks ein wahrer Befreiungsschlag. Nix gegen den hochbrauige Fusion-Maniac, aber wer solche Grundvoraussetzungen hat, schuldet uns einfach auch mal wieder solche elementare Beats.
 

erika de casier Vinyl LP Eines der Alben des Jahres kommt aus Dänemark. Erika De Casier bedient sowohl Murder Inc. als auch So Solid, ohne aber an den dümmlich tradierten Rollenklischees der Neunziger kleben zu bleiben. »Sensational« ist ein – ähem – sensationelles modernes R&B-Album, das sich nicht an überkandidelter musikalischer Dekonstruktion verhebt, sondern das melodiöse Genie der Hype Williams Ära mühelos ins Hier und Jetzt rüber rettet.
 

The Bug – FireVinyl 2LP The Bug böllert auf »Fire« nach einigen introvertierteren Projekten wieder mächtig los, mit Wall Of Sound Grime, der Zuhause nur ansatzweise seine Wirkung entfaltet. Während East Man mit seinen beiden Alben eher den Minimalismus des Genres als Outsider reinterpretierte, lässt The Bug hier erahnen, was passiert wäre, wenn die Bomb Squad nach England rübergemacht hätte.
 

Joy Orbison - Still Slipping Vol.1Vinyl LP Joy Orbison scheint dem Albumformat immer noch zu misstrauen und nennt sein de facto Debütalbum deswegen einfach Mixtape. »Still Slipping« folgt diesem semantischen Trick durch stilistische Diversität, wobei Joy Orbison sich hier die ärgsten Basslawinen verkneift und durchaus poppig housy wird, geerdet durch trickreiche Beat-Interludes, diverse Vocalschnippsel seiner Familie und Rap- und Vocal-Features. Er selbst nennt das dann Soul im weitesten Sinne, man könnte es aber auch einfach als logische Weiterentwicklung seiner »Slipping«-EP begreifen.
 

Moin - Moot!Vinyl LP Ich meine, ich habe das hier schon zwölfmal zu Protokoll gegeben, aber der Raime-Auftritt bei Le Guess Who? 2016 bleibt eines meiner fünf nachhaltigsten Konzerterlebnisse überhaupt. Was auf »Tooth« stellenweise noch etwas steril wirkte, wurde live zu diesem entfesselten K-Hole-Alptraum, inklusive Math Rock Gitarre gone Helmet. Moin, Raimes mit Valentina Magaletti, kultiviert diese Live-Ästhetik nun weiter und »Moot!« ist dabei so erfrischend uncool in seinen Gitarren-Zitaten, dass das verbunden mit UK’schem Rhythmusverständnis wirklich klingt wie nichts sonst da draußen. Als alleinstehendes Album eventuell schwierig zu fühlen, als Live-Reminder unfickmitbar.
 

LNS & DJ Sotofett - Sputters Vinyl 2LP LNS & DJ Sotofett für Tresor: keine Frage hier wird abgeliefert. »Sputters« ist weniger verspult dubby als viele der letzten DJ Sotofett-Releases, dafür mit glassklarem 808 Electro und dreckigstem 909 MPC Techno ein Riesenspaß für den 2G-Flur deiner Wahl. Irre, Tanzmusik.
 

rey sapienz hakunaVinyl LP Rey Sapienz & The Congo Techno Ensemble machen ebenfalls Tanzmusik, Hakuna Kulala Style. Hier wird Dancehall auf Equinoxx Level weiterentwickelt, Techno der eurozentrische Tunnelblick aus der freudlosen Pulvervisage gefeixt, 170 BPM mal nicht aus dem D&B-Prisma gedacht und dazwischen expressive Vocal-Beiträge, die es irgendwie schaffen sich diese unbezähmbaren Instrumentals mühelos zu eigen zu machen. Next Level Scheiß, durchgehend.
 

alan vega after darkVinyl LP Immer next level gewesen, selbst wenn er sich wie hier an recht hemdsärmeligem Blues versucht, anstatt den Puls von Techno mitzuerfinden: der GOAT Alan Vega. »After Dark« bringt jetzt posthum zwei Drittel der »Cubist Blues« Besetzung wieder zusammen, ergänzt durch Palmyra Delran und Barb Dwyer. Aus welchem Jahr diese Sessions stammen, müsste ich nochmals nachgooglen, viel wichtiger ist aber eigentlich, dass das überhaupt keine Rolle spielt. Vega keift und brummt sich unverwechselbar durch die sechs Tracks wie nur er das konnte und streitet sich vermutlich gerade außerweltlich mit Mark E Smith über die schnoddrigste Delivery der Musikgeschichte.
 

suzanne kraft about youVinyl LP Ein Suzanne Kraft Album zu verreißen ist wie eigenhändig ein Seerobbenbaby zu erwürgen, deswegen hier also die Light Variante: »About You« ist ein kuschelig angeproggtes Soft Rock Album, auf dem sich Diego an Bewährtes hält (angekitschte Balearica) und neue Wege geht (behutsames Gecroone). Funktioniert in der Kombination nicht so richtig für mich, aber für echte Kritik ist der einfach ein zu lieber Schnuckel.
 

Anika - ChangeVinyl LP Anikas Nico-Transfers gehen dafür irgendwie immer. »Change« ist nach raueren Sideprojects das erste Soloalbum seit einer halben Ewigkeit und das Titelstück ein tränendrüsiger Popsong, der erstmals diese postpunkige Rotzigkeit, die Anika Songs sonst so unverkennbar machten, zugunsten einer slick profesionellen Oberfläche aufgibt. Sollte eigentlich nicht funktionieren, ist aber vielleicht meine Hymne der vierten Welle. Ansonsten auch alles prima hier und keine Sorge: Schmirgelpapiersongs gibt es immer noch zuhauf.
 

maxine funke seanceVinyl LP Maxine Funke veröffentlicht derweil über die überverlässlichen Australier von A Colourful Storm ein akustisches Album, das in seinen stärksten Momenten schon fast die vokale Präsenz einer Joni Mitchell erreicht und so spärlich instrumentiert ist, dass »Seance« zu einer äußerst intimen, episodischen Mininovelle wird.
 

Space Afrika - Honest LabourVinyl LP Warum Space Afrika in diesem modernen, von Sferic entscheidend mitgeprägten modernen Ambient-Ding vielleicht die wichtigste Größe geworden sind, ist hingegen schwerer zu beschreiben. »Honest Labour« für Dais besticht aber ohnehin nicht nur mit diesen perfekt zwischen Harmonie und Dissonanz pegelnden beatlosen Skizzen, die immer ein bißchen spröder sind als bei allen anderen, sondern vor allem auch durch fehlerloses Sequencing und einen Haufen “echter” Songs mit Vocal- und Rap-Features, die dem Duo aus Manchester erstmals eine Menge Gewicht auf die weightless (höhö) Schultern hiefen.
 

Li Yilei - Z / OfVinyl LP Generischer, aber auch total okay: Li Yilei, die sich auf »Z / Of« in die endlose Reihe lockdown-induzierter Isolationsalben einreiht, die die Selbstentfremdung mit Field Recordings, japanischen Ambient-Tropen und zaudernder Entrücktheit versuchen zu verarbeiten. Das klingt dispektierlicher als es gemeint ist, weil »之/OF« ein gutes Album ist, das es halt leider so ähnlich schon zwei, drei Mal zu häufig gegeben hat.
 

melzakVinyl LP Von Alexander Melzak habe ich noch nie gehört, aber von Veröffentlichungen des notorisch unsichtbaren Light Sounds Dark Umfelds darf man eigentlich immer viel erwarten. Melzaks gleichnamiges Album ist für LSD-Verhältnisse ungewöhnlich stromlinienförmig, mit den eklektisch zusammengebootlegten Compilations hat dieses Album nichts zu tun. Stattdessen astrein cineastischer Tangerine Dream Kram mit kryptischen Sprechpassagen, alles arg im Frühachtziger Sci Fi Kosmos einzuordnen und ein perfekter alternativer OST für »Beyond The Black Rainbow«. Wem das alles noch nicht weit draußen genug ist: bis zur nächsten Inventur müsste das Album von Oi Les Ox auf Vinyl erschienen sein und das klingt tatsächlich wie eine LSD-Compilation.
 

Various Artists – And Felt Like…Vinyl LP Die Compilation des Jahres, ach vermutlich des Jahrzehnts, kommt aber aus dem Hause Knekelhuis und nach einigen schwächeren Katalognummern ist »…And Felt Like« die sozialmüdeste und gleichzeit affirmativste Platte des Sommers. Ein Allstar-Cast, der perfekt diesen unkategorisierbaren Low Company Trademark Sound mit der bleiernen Göteborg-Szene zusammenbringt, Hassell aus dem Off zutrompetet und am Ende mit krummem Rücken und Zoom-induzierter Bindehautentzündung doch nochmal kurz die Drum Machine anwirft. Irgendwer murmelt noch etwas auf skandinavisch oder slavisch über verpasste Chancen und am Ende weiß man wenigstens welches Album man seinen Enkeln wird vorspielen müssen, um zu erklären was da los war 2020 und 2021.
 

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Oktober / November 2011
Pünktlich zur kalten Jahreszeit werden wir von einer wahren Flut neuer Alben überschwemmt. Unser Kolumnist Florian Aigner hat sich wie üblich für euch durchgehört und trennt die Spreu vom Weizen.
Music Kolumne
Records Revisited
A Tribe Called Quest – Low End Theory (1991)
Viel besser geht es nicht. Zu Beginn der 1990er Jahre brachten A Tribe Called Quest mit ihrem zweiten Album »The Low End Theory« den Flow auf den Punkt. Ohne aggressiv männliche Posen, dafür mit Jazz, Breaks und Vibe.
Music Kolumne
Records Revisited
Primal Scream – Screamadelica (1991)
1991 – was für ein Jahr für die Rockmusik. Die am 24.9.1991 veröffentlichten Alben von Nirvana, Soundgarden und Red Hot Chili Peppers haben Rock wieder populär gemacht. Aber »Screamadelica« von Primal Scream hat das Genre verändert.
Music Essay
Die Beat-Ära in der DDR
Feindliche Übernahme
Schallplatten des Amiga-Labels sind weit verbreitet. Neben Pressungen internationaler Stars war auch jede Menge Musik aus der DDR selbst auf Platte verewigt worden. Manches davon lohnt wiederentdeckt zu werden.
Music Interview
José González
Geschmack ist wie dein Po
2003 coverte José González den Song »Heartbeat« von The Knife und katapultierte sich gleich in die Herzen und Studierzimmer vieler Menschen. Mit seinem Album »Local Valley« strickt er weiter an seinem Mythos. Wir trafen ihn zum Interview.
Music Porträt
Loredana Berté
Irgendwie unvergleichlich
Loredana Bertè wird als »Königin des italienischen Rock« apostrophiert. Das greift nicht nur musikalisch zu kurz. Denn sie den Status quo nie repräsentiert, sondern als Außenseiterin aus Überzeugung wiederholt infrage gestellt.
Music Kolumne
Records Revisited
DJ Shadow – Endtroducing (1996)
Vor 25 Jahren erschien mit »Endtroducing« ein Hip-Hop-Album, das Björk mit Metallica und finnischer Fusion zusammendachte. DJ Shadow grub dafür im Keller. Und fand Gold. Dann schuf er ein Album, das aus der Zeit gefallen zu sein scheint.
Music Porträt
Sarah Davachi
Echo der Unendlichkeit
Intensität ist das Wort, das in den Sinn kommt. Bei ihrer Musik und bei ihren Sätzen. Ihr Sound fühlt sich an, als ob jemand mit einer Fingerspitze über die Seele streicht. Jetzt erscheint Sarah Davachi neues Album »Antiphonals«.
Music Porträt
Dais Records
Klang als Kollektion
Zwischen Experiment und Erwartung, Neuem und Altem wagt Dais Records seit Jahren den Spagat. Gibby Miller und Ryan Martin ziehen dort ihre Kreise, wo Linearität bewusste Störung erfährt – und treten so in die Fußstapfen großer Vorgänger.
Music Porträt
Leslie Winer
Der unbekannte Weltstar
Björk, Grace Jones, Boy George und Sinéad O’Connor zählen zu ihren Bewunderern. William S. Burroughs war ihr Mentor. Irgendwie hat sie auch Trip-Hop erfunden. Dennoch ist Leslie Winer heute nur Insdern bekannt. Das könnte sich jetzt ändern.
Music Porträt
DJ Koco
Guest Mix
Bei DJ Koco treffen atemberaubende Mixing-Skills auf eine Selection von ungeheurer Raffinesse. Kaum einer cuttet seine Breakbeats tighter ineinander als er. Das Verblüffendste: Der japanische DJ beschränkt sich in seinen Sets auf 7Inches.
Music Kolumne
Aigners Inventur
September & Oktober 2021
Keift und brummt sich wieder durch die Veröffentlichungen der letzten zwei Monate: Aigners Inventur, mit Bärlauch-Antipathie und Seerobben-Ehrfurcht. Dazwischen Alben von Flying Lotus, Erika De Casier, Space Afrika und Maxine Funke.
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Records Revisited
John Coltrane – Africa/Brass (1961)
1961 markierte »Africa/Brass« den Anbruch eines neuen Zeitalters: Für John Coltrane war es der Beginn seiner Impulse!-Jahre, für viele afrikanische Staaten der Start in die Unabhängigkeit. Musikalisch war es sein ambitioniertestes Vorhaben.
Music Kolumne
Records Revisited
Björk – Vespertine (2001)
Mit »Vespertine« schien Björk Guðmundsdóttir das Versprechen ihres vorherigen Werks nicht einzulösen. Weil sie dieses Mal einen vollkommen anderen Ansatz wählte. Was »Vespertine« von 2001 zu einer ihrer besten Platten bis heute macht.
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Polo & Pan
Eklektisch in den Weltraum
Polo & Pan sind bereit abzuheben. Nachdem sie es mit ihrem kunterbunten Stilmix bis ins Hotelzimmer von Elon Musk schafften, blicken sie nun höheren Sphären entgegen. Die irdischen Fans beglückt das Duo derweil mit dem Album »Cyclorama«.
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Conrad Schnitzler
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Immer noch wird der 2011 verstorbene Conrad Schnitzler vor allem für seine Verbindung zu Kraftwerk oder Tangerine Dream wahrgenommen. Dabei steht sein beeindruckendes Werk genauso für sich allein, wie er Verbindungen herzustellen wusste.
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In mancher Hinsicht scheint »Breaking Atoms«, das Debüt von Main Source, ein Klassiker aus der zweiten Reihe geblieben zu sein. Doch die Produktion von Large Professor definierte einen Signature Sound für das Goldene Zeitalter des Hip-Hop.
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Records Revisited
LFO – Frequencies (1991)
Die niederfrequenten Schwingungserzeuger LFO aus Leeds schufen mit »Frequencies« eines der ersten Techno-Alben. Ihre hohen Bleeps und tiefen Clonks haben Technogeschichte geschrieben. Bis heute kann, äh, muss man dazu tanzen.
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Funkadelic – Maggot Brain (1971)
Mit »Maggot Brain« begeben sich Funkadelic auf die dunkle Seite des Funk. Das triumphierende Lustprinzip wird mit dystopischer Eschatologie durchsetzt und stellt der Feier des Lebens eine beklemmende Endzeitstimmung zur Seite.
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Aigners Inventur
Juli & August 2021
Hier wird nicht lange gefackelt und sogar auf halbgare UEFA-Gags wird verzichtet. Stattdessen wird im Sinne der Schallplatte gehandelt und an die 20 Vinyl-Scheiben werden zum Drehen gebracht.
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Das vergangene halbe Jahr hat gefühlt ganze fünf gedauert. Ein nie endender Winter, quälende Isolation. Und die Musik? Die lief weiter, auf unseren Plattenspielern. Diese 50 Schallplatten blieben dabei besonders im Gedächtnis.
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Hōzan Yamamoto
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Über fünf Dekaden hinweg pushte er japanischen Jazz in spirituelle Sphären, ohne Kitsch oder Esoterik. Ansehen erntete er dafür vor allem in seiner Heimat. Bis heute gilt Hōzan Yamamotos Schaffen international als Geheimtipp.
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Hoshina Anniversary macht Techno. Er selbst würde sich aber eher in der Nachfolge zu Jazz und traditioneller japanischer Musik verorten. Und damit ist der Tokioter nicht allein.
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