Music Interview | verfasst 29.11.2007
Apollo Gold
Comic im Kopf
Zusammen mit dem Produzenten Szenario erfindet sich der Wiener Rapper Manuva neu.
Text Inka Lehnert
58-apollogold1-www.hhv-mag.com

HHV: Wie kam es zu deinem Projekt Apollo Gold?
Manuva: Auslöser für dieses Album waren im Grunde die Produktionen von Szenario, einem jungen und bis jetzt noch weitgehend unbekannten Produzenten aus Wien. Szenario kenne ich mittlerweile gut zwei Jahre. unsere ersten Treffen beruhten zu Beginn auf einer reinen CD-Übergabe, Silberlinge gefüllt mit einer Ladung seiner neuesten Instrumentals. Was mich schon damals an Szenario beeindruckte, war neben seiner unglaublichen Liebe zum Detail bei den Produktionen, auch die erstaunliche Menge an Stücken, die ich von ihm bekam. Bis dato habe ich noch keinen so produktiven Beatproduzenten kennen gelernt wie Mr. Szenario. Mittlerweile hab ich hier weit mehr als 450 Instrumentals auf meinem Rechner. Und das sind bei weitem nicht alle. Ende 2006 war für mich dann die Entscheidung gefallen, ein Album mit Szenario zu produzieren. Die Apollo Gold-Richtung und -Auslegung stand für mich sehr schnell fest. Vor allem, weil mir die Instrumentals von Szenario immer sehr starke Bilder vermittelten. Ein gutes Beispiel dafür ist Time Bomb auf dem Album. Das Instrumental habe ich genau so bekommen, wie es jetzt schlussendlich auf der Platte zu hören ist. Ich habe den Text genau (auch von der Länge der Zeilen und Strophen) auf das Instrumental geschrieben. Im Nachhinein wurde nichts arrangiert. Und so ging das bei sehr vielen Stücken auf dem Album, auch wenn bei den meisten dann doch sehr viel arrangiert und hinzuproduziert worden ist. Das gilt vor allem für die vielen verwendeten Filmzitate. Szenario hat laut eigenen Angaben mehr als 200 Filme für dieses Album angesehen. Immer auf der Suche nach den passenden Passagen.

Wer ist alles dabei, vom Artwork bis zu den Produktionen?
Manuva: Apollo Gold ist im Grunde ein Zwei-Mann-Unternehmen. Auf der einen Seite bin ich für die Texte verantwortlich, auf der anderen Seite steht Szenario hinter den der kompletten Produktion. So etwas gibt es ja heutzutage fast gar nicht mehr, dass ein einzelner Produzent ein ganzes Album produziert und auch tragen kann. Bei den meisten neuen Alben gibt es eine Vielzahl an Produzenten, was auf der einen Seite die Alben abwechslungsreicher macht, wodurch auf der anderen Seite aber oft kein roter Faden zu erkennen ist. Auch gibt es im Unterschied zu vielen anderen Alben kein einziges Rapfeature. Und das bei 19 Tracks. An der Endproduktion waren dann noch Dj Brx beim Mixing und vor allem Buzz von den Waxos beteiligt, für dessen Arbeit ich mich besonders bedanken muss. Ein weiterer, wichtiger Bestandteil am Album ist sicherlich das Artwork, auf das wir von Anfang an sehr viel wert gelegt haben, da uns bewusst war, dass nur mit einer grafischen Vorlage das Album beim hören einen sinn macht. Ziel war es, beim Hören diesen Film im Kopf zu erzeugen. Das wird mit der Grafik erleichtert. Aro Fresh aus Koblenz und El Puno aus Wien, die gemeinsam unter dem Namen Oblique arbeiten, haben das komplette Artwork übernommen. Sie haben sofort verstanden, in welche Richtung und Look Apollo Gold gehen sollte. Ich bin sehr froh, mit den beiden zusammengearbeitet zu haben, da ich auch der Überzeugung bin, dass die beiden in Zukunft noch sehr weit mit ihrer arbeit kommen werden.

Was willst du textlich damit bewirken?
Manuva: Das Album soll eigentlich wie ein Comic im Kopf funktionieren. Dabei steht jeder Track wie ein Kapitel für sich allein. Es gibt zwar keine Gesamthandlung oder einen Plot, jedoch soll beim hören des Albums ein Gesamtbild von Apollo Gold entstehen.

Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit dem Label Project:Mooncircle und was können wir von dir in der Zukunft erwarten?
Manuva: Das erste Mal habe ich mit Projekt:Mooncircle bei der Lunar Orbit EP im Jahr 2005 zusammengearbeitet. Für mich war das damals ein Sprung ins kalte Wasser, ich habe aber die Art und Weise wie das Label geführt wird und auch die Menschen dahinter zu schätzen gelernt. Als zum Beispiel Seven Star zusammen mit Gordon für ein paar Tage nach Wien kam, um eine Show zu spielen, wurde mit klar, dass hier vom Gleichen gesprochen wurde und sich das ganze auf einer Wellenlänge befindet. Für mich ist Apollo Gold – schlichtes Gold was die Produktion von meiner Seite angeht, emotional abgeschlossen. Das Baby ist auf dem weg. Im Kopf befinde ich mich mittlerweile schon bei meinem ersten Soloalbum, das auch unter dem Namen Manuva erscheinen soll. Über Releasedaten möchte ich derzeit nichts sagen, denn solche versprechen werden zumeist nie gehalten. Bei der Produktion bei meinem Soloalbum zeichnen sich vor allem meine Jungs von den Waxos und die Twintowas verantwortlich, mit denen wir ja alle gemeinsam als Live-Band auf der Bühne stehen. Es bleibt also in der Familie.

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