Music Interview | verfasst 25.12.2010
Ebo Taylor
»Es war eine tolle Zeit.«
Von seiner Schulzeit in Ghana, über seine Freundschaft mit Fela Kuti, bis hin zu Usher und Ludacris: Das Gespräch mit der 74-jährigen Afro-beat-Koryphäe Ebo Taylor spannt einen weiten Bogen
Text Jan Wehn , Fotos Tilman Junge
Ebo-taylor

Keine Frage: Afrobeat hat Konjunktur. Indierockbands wie Vampire Weekend zelebrieren die Ranschmeiße an traditionelle afrikanische Rythmen genau so wie die samplewütige HipHop- und R’n’B-Produzenten. Ebo Taylor ist neben Fela Kuti wohl einer der Urväter des Afrobeat und der Highlife-Musik. Mit Love & Death erschien Ende 2010 das erste international vertriebene Album des 74-jährigen und untermauert noch einmal deutlich seinen Status als Highlife- und Afrobeat-Koriphäe. Ein Gespräch über den Wandel des Afrobeat, seine Freundschaft zu Fela Kuti, das Sampling seiner Songs und natürlich das neue Album Love & Death, welches er gemeinsam mit der Afrobeat Academy aus Berlin aufgenommen hat.

hhv.de: Sie sind schon seit ihrem sechsten Lebensjahr Musiker. Wie fing das damals an?
Ebo Taylor: Ganz genau. Ich habe wirklich früh angefangen, Keyboard zu spielen. In der Schule habe ich das dann weiter verfolgt und bin auf das Klavier umgestiegen. Irgendwann brachte jemand aus den oberen Jahrgängen eine Gitarre zum Unterricht mit und ich begleitete ihn auf dem Klavier. Aber das Instrument machte mich sofort neugierig. Da ich noch nicht viel lernen musste und genug Freizeit hatte, übte ich jeden Tag das Gitarrespielen. Das sprach sich rum und eine befreunde Band fragte mich, ob ich nicht mit ihnen ein Konzert spielen wolle. So spielte ich das erste Mal auf einer großen Bühne vor Leuten. Es war toll und ich bekam wahnsinnig viel Applaus – das hat sich damals angefühlt, als wäre ich ein Star. (lacht) Danach wurde ich in die Band (die Stargazers, Anm. d. Verf.) aufgenommen. Am Ende des Jahres waren wir eine der angesagtesten Highlife-Bands und spielten an vielen Schulen für die Mädchen und Jungen. – Es war eine tolle Zeit.

Wie kamen Sie dann dazu, ein professioneller Musiker zu werden?
Ebo Taylor: Wenig später spielten wir auch Konzerte an der Elfenbeinküste, Südafrika oder Liberien. Immer wieder kamen Promoter auf mich zu und sprachen mich an, ob ich nicht Konzerte spielen wolle. Bis dahin konnte ich die Auftritte immer auf die Ferienzeit legen, aber irgendwann ging das einfach nicht mehr – und so entschied ich mich dafür, auf Tour zu sein und professioneller Musiker zu werden. Da war ich gerade 19 Jahre alt. Im Jahre 1959 hatte ich dann meine erste richtige Studiosession und wurde landesweit bekannt.

Hatte diese professionelle Komponente Einfluss auf ihre Art zu spielen?
Ebo Taylor: Ich denke, ich wurde dadurch motivierter. Ich wollte ein Star werden, genau wie meine amerikanischen Vorbilder. Wes Montgomery oder Jim Hall, das waren meine Helden! Neben dem eigentlichen Gitarrespielen lernte ich auch das Arrangieren und Komponieren und übernahm diesen Job auch in der Broadway Band. Das machte mich ziemlich nervös. (lacht) Irgendwann lief es auch nicht mehr besonders gut und ich wurde wegen ein paar Kleinigkeiten aus der Band geschmissen. Ich ging nach England…

… wo Sie dank einem Stipendium der ghanaischen Regierung Musik studieren konnten…
Ebo Taylor: …und konzentrierte mich dort aber nicht nur auf die Musik. (lacht) Ich begann auch, TV-Skripte zu schreiben. Irgendwann sollte ein Stück über ghanaische Studentenbands gedreht werden. So kam ich wieder in Kontakt mit ein paar guten Musikern und gründete die Black Star Highlife Band. Unter anderem lernte ich dort auch Peter Keen und Fela Kuti kennen. Besonders von Fela war ich sehr begeistert. Er ließ Ideen aus dem Jazz in seine Musik einfließen und war uns immer zwei oder drei Schritte voraus. Auch ich begann, zu der Zeit viel Miles Davis und Charlie Parker zu hören. Ich denke, dass konnte man meiner Highlife-Musik sehr schnell anhören.

»Besonders von Fela war ich sehr begeistert. Er ließ Ideen aus dem Jazz in seine Musik einfließen und war uns immer zwei oder drei Schritte voraus.« (Ebo Taylor) Irgendwann kehrten Sie aber wieder nach Ghana zurück.
Ebo Taylor: Ganz genau. Ich wurde freiberuflicher Musiker und Songwriter oder arrangierte für Leute wie Pat Thomas oder »PopAgee« Johnson und spielte in verschiedenen Bands und gründete unter anderem die Assassins. Aber die Musik kam nicht mehr sehr gut an. Es schien mir, als würden sich die Leute einfach nicht mehr für alte und traditionelle Musik interessieren. Ich glaube, die Leute vermissten etwas. Ich hörte zu dieser Zeit viele Bands aus dem Ausland. Blood, Sweat & Tears oder Deep Purple. James Brown war sehr erfolgreich und ich mochte, dass er zwar Rockmusik machte, aber die afrikanischen Einflüsse nicht zu überhören waren. Also setzte ich mich hin und brachte die traditionellen Songs mit modernen Rockeinflüssen zusammen – so entstand meine eigene Variante des Afrobeat. Auf dem Album Conflict, welches ich mit Uhuru Yenzu aufnahm, benutzte ich etwa viele Strukturen aus dem Jazz und dem Highlife. Zu dieser Zeit kam Fela Kuti auch wieder heim und gründete seine Band, die Koola Lobitos und wir spielten viel zusammen. Ich hatte genug Engagements und kam schon zurecht – aber es gab einfach nicht viel zu tun in Ghana. Das Nachtleben war zu dieser Zeit so gut wie tot. Genau wie der Afrobeat.

Sie haben gerade Fela Kuti angesprochen, den Sie ja schon in England kennenlernten. Können Sie ein bisschen etwas von Ihrer Beziehung erzählen?
Ebo Taylor: Wir trafen uns an den Wochenenden und spielten gemeinsam in den kleinen Jazzclubs der Stadt. Aber er war auch ein bisschen dickköpfig und eigen, weshalb ich nicht dauernd mit ihm rumhängen wollte. (lacht) Er kam manchmal unangekündigt auf die Bühne und solche Sachen. Abgesehen davon brachte Fela mir wirklich viele Dinge bei und ich rief ihn beispielsweise an, wenn unser Trompeter verhindert war. – (denkt nach) Doch, wir mochten uns sehr. Aber wir hatten auch viele hitzige Diskussionen über afrikanische Musik. Ich habe auch kein Problem damit, wenn die Leute den Afrobeat so spielen wie er ihn populär gemacht hat – aber ich denke, dieses Vermächtnis ist dafür da, um es weiterzuentwickeln. Das beste Beispiel ist wohl die Afrobeat Academy hier aus Berlin.

Wie kam es denn dazu, mit der Afrobeat Academy ein Album aufzunehmen?
Ebo Taylor: Ich war im Juli 2009 auf einem Festival in Deutschland und lernte ein paar der Musiker von der Afrobeat Academy kennen. Wir waren ungefähr drei Wochen gemeinsam im Proberaum. Eine tolle Zeit – the musicians went hot! Die Jungs waren wirklich sehr interessiert und hatten große Lust auf das Projekt. Das Besondere war, dass die Jungs alten Songs von mir wie Love & Dead oder What Is Life einen ganz anderen und neuen Dreh gegeben haben. Die Stimmung zwischen uns war so gut, dass einige der neuen Songs auf der Platte tatsächlich direkt im Proberaum entstanden sind.

War die Mischung aus alten und neuen Songs eine ganz bewusste Entscheidung? Man hört ja praktisch keinen Unterschied zwischen Alt und Neu.
Ebo Taylor: Definitiv. Die alten Songs dienen als Grundpfeiler, als Untermauerung für die neuen Lieder. Und es ist bei dem alten und dem neuen Material nun mal derselbe Komponist am Werk gewesen. (lacht)

»Mein Wunsch ist, dass Afrobeat die ganze Welt rockt. Natürlich gibt es solche Sachen wie Hiplife – viele junge Musiker aus Ghana benutzen den Highlife als Grundlage und verknüpfen ihn mit HipHop-Elementen. Das wird allerdings nicht lange überleben.« (Ebo Taylor) Haben Sie irgendwelche Erwartungen, Hoffnungen der Wünsche mit dem Album?
Ebo Taylor: Oh, definitiv. Ich habe vorhin ja schon davon erzählt, dass meine Ansätze, Afrobeat und Rockmusik miteinander zu verbinden, nie sehr erfolgreich waren. Mein Wunsch ist, dass Afrobeat die ganze Welt rockt. Natürlich gibt es solche Sachen wie Hiplife – viele junge Musiker aus Ghana benutzen den Highlife als Grundlage und verknüpfen ihn mit HipHop-Elementen. Das wird allerdings nicht lange überleben.

Ein sehr populäres Beispiel dafür ist wohl She Don’t Know von Usher und Ludacris. Die beiden haben deinen Song Heaven gesamplet. Was denkst du darüber?
Ebo Taylor: (schmunzelt) Das ist ganz interessant. Durch diesen Song der beiden habe ich auf wunderbare Art gezeigt bekommen, was man mit meiner Musik alles machen kann. Ich bin sehr erstaunt, wie Usher und seine Produzenten mit dem Original umgegangen sind. Abgesehen davon habe ich dafür natürlich auch ein bisschen Geld bekommen. (lacht)

Außerdem gibt es dieser Tage viele Indierockbands wie Vampire Weekend, die Afrobeat-Anleihen in ihren Songs haben.
Ebo Taylor: Ich kenne Vampire Weekend nicht. Aber der Trend, dass Afrobeat Einfluss auf andere Genres hat, ist abzusehen – das finde ich toll.

Hat sich Afrobeat über die Jahrzehnte verändert?
Ebo Taylor: Ja, definitiv – jeder kommt mit seinem eigenen Style um die Ecke. Das Tolle ist aber, dass die Grundessenz immer noch erkennbar ist. Was ich mir allerdings mehr wünsche, ist der Afrobeat, der auch abseits von seiner Verwendung als tanzbare Musik funktioniert. So wie eine Jazzplatte, die man ganz alleine für sich in seinem Zimmer auflegt und genießt.

Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 24.11.2010
Ebo Taylor
Love & Death
Highlife- und Afrobeat-Legende Ebo Taylor veröffentlicht nach 20jähriger Abstinenz ein neues Album.
Music Porträt | verfasst 10.11.2010
Ebo Taylor
König des Highlife
Mit »Love & Death« erscheint dieser Tage das erste international vertriebene Album der Highlife- und Afrobeat-Koriphäe.
Music Bericht | verfasst 29.11.2012
Ebo Taylor
Live am 27.11. in der Desi in Nürnberg
Ebo Taylor ist eine Legende des Highlife. Der Ghanaer und die siebenköpfige Afrobeat Academy aus Berlin machten in Nürnberg für ein Konzert halt. Im Club Desi blieb man an diesem Abend nicht lange auf seinen Stühlen.
Music Review | verfasst 12.04.2018
Ebo Taylor
Yen Ara
Keine Frage: Auf »Yen Ara« kulminiert Ebo Taylors Mix aus Afrobeat, Highlife, Funk und Jazz zum wohl besten Album, das er je gemacht hat.
Music Review | verfasst 19.03.2014
The Souljazz Orchestra
Inner Fire
The Souljazz Orchestra spielen auf »Inner Fire« ihre hochkomplexen Rhythmen aus Afrobeats, Egyptian Jazz, Latin Styles, Funk und Soul.
Music Review | verfasst 28.09.2016
Pat Thomas
Coming Home (Classics 1969-1981)
Man gab Pat Thomas den Titel »die goldene Stimme Afrikas«. Strut Records ehrt ihn jetzt mit einer weiteren, 3LP starken Compilation.
Music Review | verfasst 17.09.2019
Ebo Taylor
Palaver
Mit dem neu entdeckten »Palaver« von Ebo Taylor gibt es ein erstes richtiges Highlight in der neuen Tabansi Gold Series von BBE Africa.
Music Review | verfasst 16.09.2014
Orlando Julius With The Heliocentrics
Jaiyede Afro
Orlando Julius und die Heliocentrics haben mit »Jaiyede Afro« gemeinsam ein äußerst dynamisches und zeitgemäßes Afro Beat Album aufgenommen.
Music Review | verfasst 09.03.2015
Various Artists
Next Stop Soweto Vol. 4
»Next Stop Soweto Vol. 4« beschäftigt sich mit Zulu Rock, Afro-Disco und Mbaqanga aus den Jahren 1975 bis 1985.
Music Review | verfasst 23.09.2015
The Souljazz Orchestra
Resistance
The Souljazz Orchestra haben mit »Resistance« ein Album geschaffen, das wie keines ihrer Alben zuvor, ein Politikum ist.
Music Review | verfasst 25.03.2010
Mulatu Astatke
Mulatu Steps Ahead
Mit »Mulatu Steps Ahead« ist Strut einmal mehr ein echter Wurf gelungen. Traditionell mit weitem Ausblick und sehr inspirierend.
Music Review | verfasst 30.05.2016
Idris Ackamoor & The Pyramids
We Be All Africans
»We Be All Africans« skandieren Idris Ackamoor & The Pyramids nicht erst mit ihrem neuen Album. Sie sind Legenden seit 40 Jahren.
Music Review | verfasst 25.10.2018
Oneness Of Juju
African Rhytms
Gut Ding will Weile haben: 1975 noch kein Hit lohnt es sich heute die »African Rhytms« von Oneness Of Juju wiederzuentdecken.
Music Review | verfasst 26.03.2019
Various Artists
Nigeria 70: No Wahala
Ganze acht Jahre nach der letzten Compilation der »Nigeria 70«-Reihe legt das in diesem Jahr 20. Geburtstag feiernde Label Strut nun nach.
Music Interview | verfasst 25.06.2010
Souljazz Orchestra
Polyrhythm Progression
Beats und tiefen Grooves konnte das kanadische Sextett The Souljazz Orchestra bereits mehrfach überzeugen.
Music Review | verfasst 10.10.2011
Various Artists
Bambara Mystic Soul
Ein weiteres Highlight aus dem Hause Analog Africa. Diesmal beleuchtet das Label die Musikszene von Burkina Faso in den Siebzigern.
Music Review | verfasst 04.04.2014
Ibibio Sound Machine
Ibibio Sound Machine
Ibibio Sound Machine kombiniert auf ihrem Debütalbum mühelos klassischen Highlife, Funk, Disco und Postpunk.
Music Review | verfasst 12.11.2015
Eji Oyewole
Charity Begins At Home
Adel verpflichtet, haben sich BBE Records gedacht und Prinz Eji Oyewoles Werk »Charity Begins At Home« wiederaufgelegt.
Music Review | verfasst 10.08.2016
Various Artists
Nigeria Freedom Sounds!
Die Compilation »Nigeria Freedom Sounds« zeigt die Vielfalt des Tonschaffens des Landes in den frühen 1960er Jahren.
Music Review | verfasst 20.10.2017
Itadi K. Bonney
Inye
»Inye« von Itadi ist nun neu gemastert und um zwei bislang unveröffentlichte Tracks ergänzt auf Hot Casa erschienen.
Music Review | verfasst 19.03.2019
Ode-Omore Osarenren & Ewaen Osetin Stars
Oyoetigbe - The Birth Of A Child
Wieder Nigeria, diesmal die 1980er Jahre. Eine Entdeckung dennoch und gerade: »Oyoetigbe « von Ode-Omore Osarenren & Ewaen Osetin Stars.
Music Review | verfasst 04.02.2021
Orchestre Poly-Rythmo De Cotonou Dahomey
Orchestre Poly-Rythmo De Cotonou Dahomey
Tout puissant! Auf Superfly wurde das selbstbetitelte 1972er Album von Orchestre Poly-Rythmo De Cotonou Dahomey wiederveröffentlicht.
Music Porträt | verfasst 09.03.2017
Ibibio Sound Machine
Die Normalisierung des »Fremden«
Nigeria. Australien. London. HighLife, Afrobeat, und Psych. Ibibio Sound Machine machen Musik, die erstmal ›un-normal‹ erscheint. Eno Williams und Max Grundhard aber finden, dass dieser Sound 2017 längst das Gegenteil sein sollte: normal.
Music Porträt | verfasst 21.08.2019
Tabansi Records
Das goldene Zeitalter
Mit der Reihe »Tabansi Gold« wird BBE Records in den nächsten Jahren an die 60 Schallplatten des nigerianischen Plattenlabels Tabansi veröffentlichen. Wir sprachen mit dem Kurator John Armstrong darüber.
Music Liste | verfasst 31.03.2017
Mr Bongo Records
10 Essentials
Mr Bongo legt seit über einem Jahrzehnt rare Schätze aus fernen Ländern neu auf. Gar nicht so einfach, da den Überblick zu bewahren. Deshalb haben wir für euch die zehn wichtigsten Releases des Labels zusammengestellt.
Music Porträt
Records Revisited
Daft Punk – Homework (1997)
1997 hat das französische Duo Daft Punk ihr Debütalbum »Homework« veröffentlicht und seit dem eine beispiellose Karriere hingelegt. Das Album war damals noch kein Mainstream, sondern knarzende, knisternde House-Music.
Music Liste
Jahresrückblick 2021
Top 50 Albums
Lockdown-Limbo, dann Lockerungen – erst gar nichts, dann alles auf einmal. Dazwischen? Musik. Viele großartige Alben erschienen dieses Jahr. Das waren die 50 besten auf Schallplatte veröffentlichten Alben des Jahres 2021.
Music Liste
Jahresrückblick 2021
Top 20 12inches
12inches werden meistens, aber nicht immer für den Club hergestellt. Ein Blick auf die 20 besten Schallplatten dieser Art im Jahr 2021 zeigt, dass nicht nur Dance Music neu gedacht wurde – sondern auch ruhige Kontrapunkte gesetzt wurden.
Music Liste
Jahresrückblick 2021
Top 50 Reissues
Neues Jahr, neue Liste von Visionen von Zukünften, die bisher noch nicht Realität geworden sind. Diese 50 Schallplatten träumten in diesem Jahr aus der Vergangenheit am lautesten von einem besseren Morgen.
Music Liste
Jahresrückblick 2021
Top 20 Compilations
Musik und erst recht die Menschen dahinter finden immer zueinander – notfalls auch über die Distanz, sei es nun räumliche oder doch zeitliche. Das waren die 20 besten auf Schallplatte veröffentlichten Compilations des Jahres 2021.
Music Liste
Jahresrückblick 2021
Top 20 Tapes
Jetzt hat also auch der Mainstream die Wertschöpfungsmöglichkeiten des Magnetbands entdeckt: scheiße oder geil? Uns zumindest egal, wir schieben uns lieber Tapes von obskuren Labels und unter dem Radar fliegenden Artists in den Walkman.
Music Liste
Jahresrückblick 2021
Top 20 Books
Von der ultimativen 2Pac-Oral-History hin zur Daft-Punk-Neulektüre und den B-Seiten der Musikgeschichte: Diese Bücher prägten ein Jahr, dessen erste Hälfte uns jede Menge Zeit zum Lesen bescherte.
Music Kolumne
Records Revisited
Autechre – Chiastic Slide (1997)
Mit ihrem vierten Album als Autechre verabschiedeten sich die beiden Mancunians aus der Referenzmenge und begannen ihre einzigartige Reise in ungehörte Klänge und massige Grooves.
Music Porträt
Dengue Dengue Dengue
Guest Mix
Die peruanischen Dengue Dengue Dengue zwirbeln Hula-Hoop-Ryhtmen in den Club. Für uns haben sie exklusiv diesen 60-minütigen Mix zusammengestellt, mit Musik, zu der man die Pfeile spitzt, an Fröschen leckt und beim Trommelkurs brilliert.
Music Liste
RSD Black Friday 2021
12 Releases, nach denen du Ausschau halten solltest
Wir haben uns durch die Liste der diesjährigen exklusiv zum Record Store Day Black Friday 2021 angekündigten Releases gewühlt und euch eine Auswahl von zwölf Schallplatten zusammengestellt, die wir als mögliche Highlights entlarvt haben.
Music Porträt
Chillhop Music
Die Magie des passiven Lauschens
Chillhop ist Musik für eine Welt, in der alle hören, aber niemand zuhört. Das niederländische Label hat trotzdem Erfolg. Und weiß auch, warum.
Music Kolumne
Aigners Inventur
November & Dezember 2021
Er wäre gerne der Typ, der immer die wildesten Puffer Jackets in den Supreme-Videos trägt. Ist aber nur unser Kolumnist. Ja, die sad’e Jahreszeit beginnt. Immerhin nicht mit schlechter Musik: Hier ist die neue Ausgabe von Aigners Inventur.
Music Porträt
Faust
Warum isst du denn nicht Mohrrüben?
Die Hamburger Band Faust war vor 50 Jahren einer der seltenen Fälle, in denen eine Plattenfirma, wenn auch unwissentlich, Künstler unterstützte, deren Musik sehr anders klang als die bis dahin bekannten Rock-Entwürfe.
Music Kolumne
Records Revisited
Stars Of The Lid – The Tired Sounds Of (2001)
Die monumentalste Stille aller Zeiten: Mit »The Tired Sounds Of« schufen Stars Of The Lid im Jahr 2001 eines der wichtigsten Ambient-Alben. Sie verpassten dem Genre mit diesen zwei Stunden an Sounds, Drones und Loops eine neue Tiefe.
Music Interview
Torky Tork
»Ich liebe den Spagat zwischen alt und neu«
Torky Tork ist bislang eher als der Mann im Hintergrund bekannt. Jetzt hat der Berliner Beatmaker ein eigenen Produceralbum aufgenommen. Er hat die Beats geschliffen, Wandl, Döll, Lugatti oder Doz9 haben gerappt. Zeit für ein Gespräch.
Music Porträt
Holy Hive
Introspektive Leichtigkeit
Mit »Float Back To You« legte das New Yorker Trio Holy Hive 2020 ein Folk-Soul-Balsam für das wundgescheuert blankliegende Nervenkostüm vor. Auf dem selbstbetitelten Nachfolger setzen sie den eingeschlagenen Kurs fort.
Music Liste
Palmbomen II
10 All Time Favs
Bilder und Musik ließen sich bei Palmbomen II nie voneinander trennen. Mit »Make A Film« liefert er nun die Musik für die Bewegtbilder, die von uns noch gedreht müssen. Welche Musik ihn in Sachen Filmmusik inspirieren, verrät er hier.
Music Kolumne
Records Revisited
A Tribe Called Quest – Low End Theory (1991)
Viel besser geht es nicht. Zu Beginn der 1990er Jahre brachten A Tribe Called Quest mit ihrem zweiten Album »The Low End Theory« den Flow auf den Punkt. Ohne aggressiv männliche Posen, dafür mit Jazz, Breaks und Vibe.
Music Kolumne
Records Revisited
Primal Scream – Screamadelica (1991)
1991 – was für ein Jahr für die Rockmusik. Die am 24.9.1991 veröffentlichten Alben von Nirvana, Soundgarden und Red Hot Chili Peppers haben Rock wieder populär gemacht. Aber »Screamadelica« von Primal Scream hat das Genre verändert.
Music Essay
Die Beat-Ära in der DDR
Feindliche Übernahme
Schallplatten des Amiga-Labels sind weit verbreitet. Neben Pressungen internationaler Stars war auch jede Menge Musik aus der DDR selbst auf Platte verewigt worden. Manches davon lohnt wiederentdeckt zu werden.
Music Interview
José González
Geschmack ist wie dein Po
2003 coverte José González den Song »Heartbeat« von The Knife und katapultierte sich gleich in die Herzen und Studierzimmer vieler Menschen. Mit seinem Album »Local Valley« strickt er weiter an seinem Mythos. Wir trafen ihn zum Interview.
Music Porträt
Loredana Berté
Irgendwie unvergleichlich
Loredana Bertè wird als »Königin des italienischen Rock« apostrophiert. Das greift nicht nur musikalisch zu kurz. Denn sie den Status quo nie repräsentiert, sondern als Außenseiterin aus Überzeugung wiederholt infrage gestellt.
Music Kolumne
Records Revisited
DJ Shadow – Endtroducing (1996)
Vor 25 Jahren erschien mit »Endtroducing« ein Hip-Hop-Album, das Björk mit Metallica und finnischer Fusion zusammendachte. DJ Shadow grub dafür im Keller. Und fand Gold. Dann schuf er ein Album, das aus der Zeit gefallen zu sein scheint.
Music Porträt
Sarah Davachi
Echo der Unendlichkeit
Intensität ist das Wort, das in den Sinn kommt. Bei ihrer Musik und bei ihren Sätzen. Ihr Sound fühlt sich an, als ob jemand mit einer Fingerspitze über die Seele streicht. Jetzt erscheint Sarah Davachi neues Album »Antiphonals«.
Music Porträt
Dais Records
Klang als Kollektion
Zwischen Experiment und Erwartung, Neuem und Altem wagt Dais Records seit Jahren den Spagat. Gibby Miller und Ryan Martin ziehen dort ihre Kreise, wo Linearität bewusste Störung erfährt – und treten so in die Fußstapfen großer Vorgänger.
Music Porträt
Leslie Winer
Der unbekannte Weltstar
Björk, Grace Jones, Boy George und Sinéad O’Connor zählen zu ihren Bewunderern. William S. Burroughs war ihr Mentor. Irgendwie hat sie auch Trip-Hop erfunden. Dennoch ist Leslie Winer heute nur Insdern bekannt. Das könnte sich jetzt ändern.
Music Porträt
DJ Koco
Guest Mix
Bei DJ Koco treffen atemberaubende Mixing-Skills auf eine Selection von ungeheurer Raffinesse. Kaum einer cuttet seine Breakbeats tighter ineinander als er. Das Verblüffendste: Der japanische DJ beschränkt sich in seinen Sets auf 7Inches.
Music Kolumne
Aigners Inventur
September & Oktober 2021
Keift und brummt sich wieder durch die Veröffentlichungen der letzten zwei Monate: Aigners Inventur, mit Bärlauch-Antipathie und Seerobben-Ehrfurcht. Dazwischen Alben von Flying Lotus, Erika De Casier, Space Afrika und Maxine Funke.
Music Kolumne
Records Revisited
John Coltrane – Africa/Brass (1961)
1961 markierte »Africa/Brass« den Anbruch eines neuen Zeitalters: Für John Coltrane war es der Beginn seiner Impulse!-Jahre, für viele afrikanische Staaten der Start in die Unabhängigkeit. Musikalisch war es sein ambitioniertestes Vorhaben.
Music Kolumne
Records Revisited
Björk – Vespertine (2001)
Mit »Vespertine« schien Björk Guðmundsdóttir das Versprechen ihres vorherigen Werks nicht einzulösen. Weil sie dieses Mal einen vollkommen anderen Ansatz wählte. Was »Vespertine« von 2001 zu einer ihrer besten Platten bis heute macht.
Music Porträt
Polo & Pan
Eklektisch in den Weltraum
Polo & Pan sind bereit abzuheben. Nachdem sie es mit ihrem kunterbunten Stilmix bis ins Hotelzimmer von Elon Musk schafften, blicken sie nun höheren Sphären entgegen. Die irdischen Fans beglückt das Duo derweil mit dem Album »Cyclorama«.
Music Liste
Durand Jones & The Indications
10 All Time Favs
Durand Jones & The Indications verbinden seit Ihrem Debüt vor fünf Jahren Vergangenheit und Zukunft des Genres. Jetzt erscheint ihr drittes Album »Private Space«. Zeit, um die Band nach den 10 Schallplatten zu fragen, die sie geformt haben.
Music Porträt
Conrad Schnitzler
Mitten im Durcheinander
Immer noch wird der 2011 verstorbene Conrad Schnitzler vor allem für seine Verbindung zu Kraftwerk oder Tangerine Dream wahrgenommen. Dabei steht sein beeindruckendes Werk genauso für sich allein, wie er Verbindungen herzustellen wusste.
Music Kolumne
Records Revisited
Main Source – Breaking Atoms (1991)
In mancher Hinsicht scheint »Breaking Atoms«, das Debüt von Main Source, ein Klassiker aus der zweiten Reihe geblieben zu sein. Doch die Produktion von Large Professor definierte einen Signature Sound für das Goldene Zeitalter des Hip-Hop.
Music Kolumne
Records Revisited
LFO – Frequencies (1991)
Die niederfrequenten Schwingungserzeuger LFO aus Leeds schufen mit »Frequencies« eines der ersten Techno-Alben. Ihre hohen Bleeps und tiefen Clonks haben Technogeschichte geschrieben. Bis heute kann, äh, muss man dazu tanzen.
Music Kolumne
Records Revisited
Funkadelic – Maggot Brain (1971)
Mit »Maggot Brain« begeben sich Funkadelic auf die dunkle Seite des Funk. Das triumphierende Lustprinzip wird mit dystopischer Eschatologie durchsetzt und stellt der Feier des Lebens eine beklemmende Endzeitstimmung zur Seite.
Music Kolumne
Aigners Inventur
Juli & August 2021
Hier wird nicht lange gefackelt und sogar auf halbgare UEFA-Gags wird verzichtet. Stattdessen wird im Sinne der Schallplatte gehandelt und an die 20 Vinyl-Scheiben werden zum Drehen gebracht.
Music Liste
Halbjahresrückblick 2021
50 best Vinyl Records so far
Das vergangene halbe Jahr hat gefühlt ganze fünf gedauert. Ein nie endender Winter, quälende Isolation. Und die Musik? Die lief weiter, auf unseren Plattenspielern. Diese 50 Schallplatten blieben dabei besonders im Gedächtnis.
Music Porträt
Hōzan Yamamoto
Meditation aus Improvisation
Über fünf Dekaden hinweg pushte er japanischen Jazz in spirituelle Sphären, ohne Kitsch oder Esoterik. Ansehen erntete er dafür vor allem in seiner Heimat. Bis heute gilt Hōzan Yamamotos Schaffen international als Geheimtipp.
Music Porträt
Hoshina Anniversary
Die Fusion von Techno und Jazz
Hoshina Anniversary macht Techno. Er selbst würde sich aber eher in der Nachfolge zu Jazz und traditioneller japanischer Musik verorten. Und damit ist der Tokioter nicht allein.
Music Essay
Jazz Kissa
Wo in Japan die Musik spielt
Sie bieten stilvollen Rückzug aus einer Welt, in der alle permanent hören. Und zelebrieren das Hören von Musik: Jazz Kissas sind Japans inoffizielles Kulturerbe. Der Journalist Katsumasa Kusunose dokumentiert sie nun.