Music Interview | verfasst 04.04.2011
Bibio
Abstrahierte Realität
Stephen Wilkinsons Herangehensweise an elektronische Musik bleibt einzigartig tiefgreifend. Philipp Kunze traf sich mit dem introvertierten Engländer, um über dessen Musik und seine Hintergründe zu reden.
Text Pippo Kuhzart
1018-bibio20113-www.hhv-mag.com

Die Stimmen, die heute noch behaupten elektronische Musik hätte weder Seele noch Herz, sind nahezu verstummt. Und trotzdem bleibt Stephen Wilkinsons Herangehensweise an elektronische Musik einzigartig tiefgreifend. Auf Mush veröffentlichte er als Bibio die Alben Fi , Hand Cranked und Vignetting The Compost . Sie zeichneten Umrisse, skizzierten Ausschnitte und zeigten in ihrer strukturlos wirkenden Vagheit, doch immer genau eines – das Leben in seiner Diversität. So abgedroschen das auch klingen muss, so war es doch immer das erklärte Ziel des Briten die Natur einzufangen um sich dadurch letztlich selbst auszudrücken. Dazu ging er stundenlang in den Wald um Geräusche aufzunehmen und erschuf danach tagelang in seinem Studio eine Mischung aus irdischen Klangfetzen, elektronischer Aufnahmegeräte und seiner eigenen Stimme. Mit dem Wechsel zu Warp kamen die Befürchtungen auf, Bibio hätte das Glitzern der Sonne in seinen Augen, mit dem Glitzern des Geldes eingetauscht. Der Künstler selbst hingegen betonte immer wieder, dass es ein Schritt des Herzens gewesen sei, er habe Warp immer bewundert. Mit Ambivalence Avenue erschien auf dem ruhmreichen britischen Label dann tatsächlich das Album, das ihm die Aufmerksamkeit neuer Fans verschaffte, ohne dass die Anerkennung alter Fans darunter gelitten hätte. Ein selbstbewusstes, positives Album. Sommerliche Lebensfreude hatte die herbstliche Melancholie früherer Werke verdrängt. Bibio nahm die Skizzen der früheren Alben, führte sie weiter und packte sie in unterschiedlichste Stilrichtungen. Auf Mind Bokeh liefen diese nun zusammen und bilden Songs mit klareren Strukturen. Gleichzeitig wurde der lichtdurchflutete Vibe des Vorgängers durch eine nächtliche Schummrigkeit eingetauscht. Grund genug den introvertierten Engländer zu treffen und mit ihm über seinen musikalischen Werdegang zu sprechen. Eine Entwicklung die er nie von seinem persönlichen, inneren Wachstum trennen kann, was aus einem Interview über elektronische Musik, auch ein Interview über, äh ja, das Leben gemacht hat.

Dein neues Album heißt Mind Bokeh. »Bokeh« ist ein Wort aus der Fotographie, was bedeutet es genau?
Bibio: Also Boke ohne »h« ist ein japanisches Wort. Es heißt soviel wie Verschwommenheit, oder Trübung. Es kann auch Demenz bedeuten. Ich glaube, dass das mit Verschwommenheit zusammenhängt, weil alte Leute, die darunter leiden nicht mehr richtig denken können. Aber Bokeh mit »h« ist ein Terminus aus der Fotografie, der sich auf die unscharfen Bereiche eines Fotos bezieht. Also wenn du kleine Bereiche in der Bildtiefe des Motivs hast, die unscharf sind, während andere scharf sind. Wenn du zum Beispiel ein Foto von einer Blume machst, und die Schärfe auf diese einstellst, dann wird der Rest unscharf. Diesen Effekt nennt man Bokeh. Es ist ein Terminus, für den sich Fotografen sehr interessieren, weil der scharfe und der unscharfe Bereich sich gegenseitig beeinflussen.

»Alan Watts hat darüber geredet, wie wir uns auf unser Bewusstsein verlassen – und Bewusstsein ist so etwas wie konzentrierte Aufmerksamkeit. Wenn du dich also auf etwas konzentrierst, dann fokussierst du deinen Geist darauf. Mich hat also interessiert, was passiert, wenn dir einer Sache nicht bewusst gegewärtig ist.« (Bibio) Die Bewertung dieses Einflusses ist sehr subjektiv, oder?
Bibio: Ja, man kann es nicht abmessen, oder in Zahlen ausdrücken. Es hat etwas mit dem subjektiven Qualitätsgefühl zu tun, sei es nun gut, weich, oder was auch immer. Aber manchmal wird »Bokeh« auch bei anderen fotografische Darstellungen benutzt: Nimm zum Beispiel den Film Taxi Driver: Im Intro fährt Robert De Niro im Taxi umher und die Kamera ist im Taxi, auf ihn scharf gestellt, während man außerhalb des Taxis die Lichter der Stadt und die Ampeln sieht, aber sie sind alle unscharf und erscheinen nur als Punkte.

Wie kann man dieses Prinzip auf deine Musik anwenden?
Bibio: Ich habe immer gemocht, so etwas in Filmen zu sehen. Weil du so etwas natürlich normalerweise nicht mit deinen Augen sehen kannst, es ist nichts Natürliches. Das hat mich immer sehr angezogen, weil es irgendwie abstrakt ist, aber eigentlich ist es abstrahierte Realität. Das ist also das Interesse vom Visuellen her. Gleichzeitig interessiere ich mich auch sehr für Philosophie und Psychologie. Alan Watts hat darüber geredet, wie wir uns auf unser Bewusstsein verlassen – und Bewusstsein ist so etwas wie konzentrierte Aufmerksamkeit. Wenn du dich also auf etwas konzentrierst, dann fokussierst du deinen Geist darauf. Mich hat also interessiert, was passiert, wenn dir einer Sache nicht bewusst gegewärtig ist. Und ich meine nicht besoffen, oder auf Drogen – es mehr ein meditativer Zustand. Manchmal wache ich morgens auf und für ein paar Sekunden, sehe ich die Dinge an mein Fenster sehr anders als gewöhnlich – es ist sehr mysteriös und sehr inspirierend, aber dann plötzlich platzt meine normale Persönlichkeit dazwischen und ich erinnere mich wieder an all die Dinge, die ich noch erledigen muss. Der Titel Mind Bokeh hat also vielseitige Bedeutungen, aber Bokeh des Geistes bezieht sich auf einen Zustand von Unbewusstsein, in dem man nicht mehr in Wörtern oder Symbolen denkt. Man erlebt einfach nur.

Ich hatte immer das Gefühl, dass deine Alben einen starken philosophischen Hintergrund hatten. Vignetting The Compost hat sich zum Beispiel sehr sehnsüchtig, sehr melancholisch angefühlt, während Ambivalence Avenue stärker, leichter wirkte und außerdem viel mehr mit Stilen experimentiert hat. Mind Bokeh ist bisher dein urbanstes Werk.
Bibio: Ja es hört sich hangemachter an und das war auch meine Intention. Ambivalence Avenue war sommerlicher, mehr outdoors – bei Mind Bokeh war der Grundgedanke, ein Album zu machen, bei dem ich an die Nacht in einer Stadt denken musste. Eine synthetischere Welt aus farbigen Abstrakten.

Ich hatte diesen Eindruck.
Bibio: Das freut mich. Es ist schön, wenn eine Idee in Musik übertragen wird. Tatsächlich ziehen sich die Themen die ich benutze durch alle meine Alben. In Vignetting The Compost ging es mehr als um alles andere, um Leben und Tod. Alleine der Titel: »Compost«, Material das verfault, tot ist, dann aber die Nahrung für neue lebendige Dinge wird. Ein immerwährender Zyklus ohne Anfang und Ende. Und die Idee das zu vignettieren – wiederum ein Begriff aus der Fotografie – war es einen kleinen Auschnitt davon darzustellen, der sich an den Ecken auflöst. Dadurch wollte ich winzige Szenen zeigen, wie all diese alltäglichen Dinge, die wir für langweilig halten, die aber wirklich schön sind, wenn man sie richtig betrachtet. Nach diesem Album wollte ich dann aber längere Tracks machen und auf Mind Bokeh hab ich die Vignetten noch weiter herausgenommen, dadurch ist so etwas entstanden wie ein solider Track, eine Lücke, der nächste solide Track. Ich denke, dass ich es mag Alben zu kontrastieren.

Findest du es nervig und oberflächlich, oder fühlst du dich in deiner musikalischen Vision verstanden, wenn deine Musik auffällig oft mit Etiketten wie »organisch«, »Natur«, oder »Folk« betitelt wird?
Bibio: Die meiste Zeit fühlt es sich oberflächlich an, weil es immer davon abhängt über was genau jemand redet. Wenn jemand über meine Alben Fi und Hand Cranked redet, dann könnte ich diese Beschreibungen akzeptieren, weil diese Alben recht »folky« und von der organischen Welt inspiriert waren. Was dann aber passiert ist, dass Leute die Begriffe kopieren, die andere für meine ersten Alben benutzt haben. Wenn Leute also heute diese Begriffe verwenden, dann denke ich mir: »Nenn mir einen Track, der nach Folk klingt, ich denke nicht, dass es einen gibt«.
Ich glaube einfach, dass Leute dazu neigen Dinge mit »Folk« zu betiteln, die eine elektrische Gitarre beinhalten. Und ich denke mir »nein es ist definitiv kein Folk, es gibt nicht besonders viele Folk Songs mit einem Synthbass und einer Drum Machine«.

» Ich glaube, dass sich die Leute immer mehr für solche Sachen interessieren, weil die elektronische Musik lange sehr starr und präzise war. Nach einer Zeit wird es ermüdend diese geradlinigen Beats zu hören, den Leuten fehlt die menschliche Note. Ich mache dieses »out of time« Hip Hop-Ding jetzt auch schon eine längere Zeit, weil ich Madlib und J Dilla gehört habe, die mit Zeit und Rythmus herumspielten.« (Bibio) Ist ein Song wie Take Off Your Shirt , der sehr ungewöhnlich für dich ist, etwas, dass du gerne öfter machen würdest, oder war es mehr ein einmaliges, aber erholsames Experiment?
Bibio: Ich nehme an im Endeffekt war es eher wie ein einmaliger Urlaub. Der Track reflektiert wiederum meine Einflüsse wie Daft Punk oder French House wie Alain Braxe. Außerdem habe ich diese Rockeinflüsse aus Kindheitstagen. Weißt du, es war einer dieser Tage, wo ich einfach die E-Gitarre gepackt habe, abgerockte habe und nicht erwartete, dass das Ganze auf ein Album gelangen würde. Als ich es dann aber Leuten vorgespielt und sehr gute Rückmeldung bekommen habe, habe ich mich entschieden es aufs Album zu packen. Ich war mir absolut bewusst, dass Leute denken würden »was ist das, es hört sich unpassend an«, weil ich all diese Dinge anfangs selber dachte, aber dann fand ich diese Einstellung sehr konservativ – es ist alles Musik für mich, es ist mir egal, was damit assoziiert wird. Je mehr du es dir im Kontext des Albums anhörst, desto mehr gewöhnst du dich daran, dass es da ist. Klar, erst werden die Leute es merkwürdig finden. Aber nur weil es so vertraut klingt, es hat die verzerrte Gitarre, den treibenden Beat. Aber es ist so ziemlich eine einmalige Geschichte, es ist kein Beispiel dafür wo ich mich musikalisch hinbewege.

Das finde ich ehrlich gesagt gut so. Anderen Songs des Album, wie Excuses, auf denen Electronica mit Elementen aus dem Hip Hop gemischt werden, klingen dagegen eher ein bisschen wie Letherette, von denen du immer sehr wertschätzend sprichst.
Bibio: Ich bin tatsächlich sehr gut mit ihnen befreundet. Ich kenne sie seit dreizehn Jahren. Wir haben die Musik also gemeinsam entdeckt. Es ist nicht der Fall, dass ich von Letherette beeinflusst worden wäre, wir teilen einfach die gleiche Art von Einflüssen. Ich mag deren Musik wirklich. Ich mag auch J Dilla und so – es ist wirrer, chaotischer, groove orientierter, hat diese menschlichen Elemente und klingt nicht so perfekt, dadurch, dass es auf einer MPC eingespielt wurde. Ich glaube, dass sich die Leute immer mehr für solche Sachen interessieren, weil die elektronische Musik lange sehr starr und präzise war. Nach einer Zeit wird es ermüdend diese geradlinigen Beats zu hören, den Leuten fehlt die menschliche Note. Ich mache dieses »out of time« Hip Hop-Ding jetzt auch schon eine längere Zeit, weil ich Madlib und J Dilla gehört habe, die mit Zeit und Rythmus herumspielten.

Ich hatte neulich die Disskusion, ob es in Ordnung sei, wenn Musiker »in der Zeit zurückreisen« und alte Alben remastern oder sogar Dinge ändern und das Album dann re-releasen. Könntest du dir vorstellen das irgendwann mit deinen Alben zu machen?
Bibio: Äh, ich glaube ich mache lieber weiter. Ich lasse die Alben lieber wie sie sind und konzentriere mich auf die nächste Sache. Okay, ich würde gerne zurück in die Sechziger um in dieser Zeit ein Studio zu benutzen. Ich mache außerdem ganz gerne Cover-Versionen oder Remixe. Ich habe ein Remix für meinen eigenen Song The Palm Of Your Wave gemacht, aber alles in allem, entwickele ich lieber neue Dinge, weil meine Alben gleichzeitig auch meine Tagebücher sind. Natürlich hören das Leute und kennen mich nicht und so, aber wenn ich mir zum Beispiel Fi anhöre, dann erinnere ich mich an die Zeit, als ich es geschrieben habe und wo ich in dieser Zeit gelebt habe. Auf diese Erinnerungen möchte ich nicht störend einwirken. Außerdem gibt es einfach viele neue Dinge, die ich noch entdecken will.

Das Album Mind Bokeh von Bibio findest du bei hhv.de: CD | LP
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 22.04.2011
Bibio
Mind Bokeh
Langsam aber sicher verabschiedet sich Bibio von seinem Dasein als Autor verhuschter Folksongs.
Music Review | verfasst 06.05.2013
Bibio
Silver Wilkinson
Bibios neues Album ist ein sanfter Hauch in Richtung Sonne. Der Sound entwirft ein naives Bild einer heilen Blümchenwelt.
Music Review | verfasst 18.03.2014
Bibio
Green EP
Wie auf seinem letzten Album zeigt sich Bibio auch auf »Green EP« von seiner verträumten und folkigen Seite.
Music Review | verfasst 12.04.2019
Bibio
Ribbons
»Ribbons« von Bibio funktioniert als 50-minütiges Gesamtwerk, das vor vorne bis hinten die warme Stimmung der Zweisamkeit einfängt.
Music Review | verfasst 01.10.2010
Gonjasufi
The Caliph's Tea Party
Äußerst detailverliebte Interpretionen der Originale machen The Caliph’s Tea Party zu einer mehr als sinnvollen Fortführung.
Music Porträt | verfasst 19.02.2011
Seefeel
Die Wiederentdeckung der Quelle
Was wäre Berlin eigentlich ohne Seefeel? Das britische Quartett um Mark Clifford und Sarah Peacock hat in den 1990er Jahren Electronica erst möglich gemacht. Nach 14 Jahren gibt es nun ein neues Lebenszeichen.
Music Kolumne | verfasst 20.04.2011
Aigners Inventur
März 2011
Auch in diesem Monat klärt Aigners Inventur wieder die wirklich essentiellen Fragen der Menschheit: Fürchtet Pusha T wirklich das Fegefeuer? Vermittelt Frank Ocean zwischen Tyler und Bieber? Ist die Welt tatsächlich aus Plastik?
Music Kolumne | verfasst 12.07.2013
Zwölf Zehner
Juni 2013
Willkommen im Juli. Doch vorher lassen unsere Kolumnisten vom Dienst den Monat Juni musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Kolumne | verfasst 30.12.2013
Zwölf Zehner
Jahresrückblick 2013 (Teil 1)
Streitbar, scheuklappenfrei, hart und herzlich, House und R&B, Hip-Hop, Trap, Kanye und Post-Everything. Das Kolumnen-Duo plus Kunze schließt das Jahr 2013 mit einer Auswahl seiner 50 liebsten Tracks ab.
Music Kolumne | verfasst 09.05.2019
Aigners Inventur
Mai & Juni 2019
Kann nur der Aigner: sich mit 70 Puls von Alt-Rap über Genderthemen zum Tod vorarbeiten. Unser Kolumnist über neue Alben von allen Wichtigen und über eine Trommeltruppe aus dem Breisgau, denen jemand Lean ins Bananenweizen gekippt hat.
Music Liste
Jahresrückblick 2021
Top 20 12inches
12inches werden meistens, aber nicht immer für den Club hergestellt. Ein Blick auf die 20 besten Schallplatten dieser Art im Jahr 2021 zeigt, dass nicht nur Dance Music neu gedacht wurde – sondern auch ruhige Kontrapunkte gesetzt wurden.
Music Kolumne
Records Revisited
Autechre – Chiastic Slide (1997)
Mit ihrem vierten Album als Autechre verabschiedeten sich die beiden Mancunians aus der Referenzmenge und begannen ihre einzigartige Reise in ungehörte Klänge und massige Grooves.
Music Porträt
Dengue Dengue Dengue
Guest Mix
Die peruanischen Dengue Dengue Dengue zwirbeln Hula-Hoop-Ryhtmen in den Club. Für uns haben sie exklusiv diesen 60-minütigen Mix zusammengestellt, mit Musik, zu der man die Pfeile spitzt, an Fröschen leckt und beim Trommelkurs brilliert.
Music Liste
RSD Black Friday 2021
12 Releases, nach denen du Ausschau halten solltest
Wir haben uns durch die Liste der diesjährigen exklusiv zum Record Store Day Black Friday 2021 angekündigten Releases gewühlt und euch eine Auswahl von zwölf Schallplatten zusammengestellt, die wir als mögliche Highlights entlarvt haben.
Music Porträt
Chillhop Music
Die Magie des passiven Lauschens
Chillhop ist Musik für eine Welt, in der alle hören, aber niemand zuhört. Das niederländische Label hat trotzdem Erfolg. Und weiß auch, warum.
Music Kolumne
Aigners Inventur
November & Dezember 2021
Er wäre gerne der Typ, der immer die wildesten Puffer Jackets in den Supreme-Videos trägt. Ist aber nur unser Kolumnist. Ja, die sad’e Jahreszeit beginnt. Immerhin nicht mit schlechter Musik: Hier ist die neue Ausgabe von Aigners Inventur.
Music Porträt
Faust
Warum isst du denn nicht Mohrrüben?
Die Hamburger Band Faust war vor 50 Jahren einer der seltenen Fälle, in denen eine Plattenfirma, wenn auch unwissentlich, Künstler unterstützte, deren Musik sehr anders klang als die bis dahin bekannten Rock-Entwürfe.
Music Kolumne
Records Revisited
Stars Of The Lid – The Tired Sounds Of (2001)
Die monumentalste Stille aller Zeiten: Mit »The Tired Sounds Of« schufen Stars Of The Lid im Jahr 2001 eines der wichtigsten Ambient-Alben. Sie verpassten dem Genre mit diesen zwei Stunden an Sounds, Drones und Loops eine neue Tiefe.
Music Interview
Torky Tork
»Ich liebe den Spagat zwischen alt und neu«
Torky Tork ist bislang eher als der Mann im Hintergrund bekannt. Jetzt hat der Berliner Beatmaker ein eigenen Produceralbum aufgenommen. Er hat die Beats geschliffen, Wandl, Döll, Lugatti oder Doz9 haben gerappt. Zeit für ein Gespräch.
Music Porträt
Holy Hive
Introspektive Leichtigkeit
Mit »Float Back To You« legte das New Yorker Trio Holy Hive 2020 ein Folk-Soul-Balsam für das wundgescheuert blankliegende Nervenkostüm vor. Auf dem selbstbetitelten Nachfolger setzen sie den eingeschlagenen Kurs fort.
Music Liste
Palmbomen II
10 All Time Favs
Bilder und Musik ließen sich bei Palmbomen II nie voneinander trennen. Mit »Make A Film« liefert er nun die Musik für die Bewegtbilder, die von uns noch gedreht müssen. Welche Musik ihn in Sachen Filmmusik inspirieren, verrät er hier.
Music Kolumne
Records Revisited
A Tribe Called Quest – Low End Theory (1991)
Viel besser geht es nicht. Zu Beginn der 1990er Jahre brachten A Tribe Called Quest mit ihrem zweiten Album »The Low End Theory« den Flow auf den Punkt. Ohne aggressiv männliche Posen, dafür mit Jazz, Breaks und Vibe.
Music Kolumne
Records Revisited
Primal Scream – Screamadelica (1991)
1991 – was für ein Jahr für die Rockmusik. Die am 24.9.1991 veröffentlichten Alben von Nirvana, Soundgarden und Red Hot Chili Peppers haben Rock wieder populär gemacht. Aber »Screamadelica« von Primal Scream hat das Genre verändert.
Music Essay
Die Beat-Ära in der DDR
Feindliche Übernahme
Schallplatten des Amiga-Labels sind weit verbreitet. Neben Pressungen internationaler Stars war auch jede Menge Musik aus der DDR selbst auf Platte verewigt worden. Manches davon lohnt wiederentdeckt zu werden.
Music Interview
José González
Geschmack ist wie dein Po
2003 coverte José González den Song »Heartbeat« von The Knife und katapultierte sich gleich in die Herzen und Studierzimmer vieler Menschen. Mit seinem Album »Local Valley« strickt er weiter an seinem Mythos. Wir trafen ihn zum Interview.
Music Porträt
Loredana Berté
Irgendwie unvergleichlich
Loredana Bertè wird als »Königin des italienischen Rock« apostrophiert. Das greift nicht nur musikalisch zu kurz. Denn sie den Status quo nie repräsentiert, sondern als Außenseiterin aus Überzeugung wiederholt infrage gestellt.
Music Kolumne
Records Revisited
DJ Shadow – Endtroducing (1996)
Vor 25 Jahren erschien mit »Endtroducing« ein Hip-Hop-Album, das Björk mit Metallica und finnischer Fusion zusammendachte. DJ Shadow grub dafür im Keller. Und fand Gold. Dann schuf er ein Album, das aus der Zeit gefallen zu sein scheint.
Music Porträt
Sarah Davachi
Echo der Unendlichkeit
Intensität ist das Wort, das in den Sinn kommt. Bei ihrer Musik und bei ihren Sätzen. Ihr Sound fühlt sich an, als ob jemand mit einer Fingerspitze über die Seele streicht. Jetzt erscheint Sarah Davachi neues Album »Antiphonals«.
Music Porträt
Dais Records
Klang als Kollektion
Zwischen Experiment und Erwartung, Neuem und Altem wagt Dais Records seit Jahren den Spagat. Gibby Miller und Ryan Martin ziehen dort ihre Kreise, wo Linearität bewusste Störung erfährt – und treten so in die Fußstapfen großer Vorgänger.
Music Porträt
Leslie Winer
Der unbekannte Weltstar
Björk, Grace Jones, Boy George und Sinéad O’Connor zählen zu ihren Bewunderern. William S. Burroughs war ihr Mentor. Irgendwie hat sie auch Trip-Hop erfunden. Dennoch ist Leslie Winer heute nur Insdern bekannt. Das könnte sich jetzt ändern.
Music Porträt
DJ Koco
Guest Mix
Bei DJ Koco treffen atemberaubende Mixing-Skills auf eine Selection von ungeheurer Raffinesse. Kaum einer cuttet seine Breakbeats tighter ineinander als er. Das Verblüffendste: Der japanische DJ beschränkt sich in seinen Sets auf 7Inches.
Music Kolumne
Aigners Inventur
September & Oktober 2021
Keift und brummt sich wieder durch die Veröffentlichungen der letzten zwei Monate: Aigners Inventur, mit Bärlauch-Antipathie und Seerobben-Ehrfurcht. Dazwischen Alben von Flying Lotus, Erika De Casier, Space Afrika und Maxine Funke.
Music Kolumne
Records Revisited
John Coltrane – Africa/Brass (1961)
1961 markierte »Africa/Brass« den Anbruch eines neuen Zeitalters: Für John Coltrane war es der Beginn seiner Impulse!-Jahre, für viele afrikanische Staaten der Start in die Unabhängigkeit. Musikalisch war es sein ambitioniertestes Vorhaben.
Music Kolumne
Records Revisited
Björk – Vespertine (2001)
Mit »Vespertine« schien Björk Guðmundsdóttir das Versprechen ihres vorherigen Werks nicht einzulösen. Weil sie dieses Mal einen vollkommen anderen Ansatz wählte. Was »Vespertine« von 2001 zu einer ihrer besten Platten bis heute macht.
Music Porträt
Polo & Pan
Eklektisch in den Weltraum
Polo & Pan sind bereit abzuheben. Nachdem sie es mit ihrem kunterbunten Stilmix bis ins Hotelzimmer von Elon Musk schafften, blicken sie nun höheren Sphären entgegen. Die irdischen Fans beglückt das Duo derweil mit dem Album »Cyclorama«.
Music Liste
Durand Jones & The Indications
10 All Time Favs
Durand Jones & The Indications verbinden seit Ihrem Debüt vor fünf Jahren Vergangenheit und Zukunft des Genres. Jetzt erscheint ihr drittes Album »Private Space«. Zeit, um die Band nach den 10 Schallplatten zu fragen, die sie geformt haben.
Music Porträt
Conrad Schnitzler
Mitten im Durcheinander
Immer noch wird der 2011 verstorbene Conrad Schnitzler vor allem für seine Verbindung zu Kraftwerk oder Tangerine Dream wahrgenommen. Dabei steht sein beeindruckendes Werk genauso für sich allein, wie er Verbindungen herzustellen wusste.
Music Kolumne
Records Revisited
Main Source – Breaking Atoms (1991)
In mancher Hinsicht scheint »Breaking Atoms«, das Debüt von Main Source, ein Klassiker aus der zweiten Reihe geblieben zu sein. Doch die Produktion von Large Professor definierte einen Signature Sound für das Goldene Zeitalter des Hip-Hop.
Music Kolumne
Records Revisited
LFO – Frequencies (1991)
Die niederfrequenten Schwingungserzeuger LFO aus Leeds schufen mit »Frequencies« eines der ersten Techno-Alben. Ihre hohen Bleeps und tiefen Clonks haben Technogeschichte geschrieben. Bis heute kann, äh, muss man dazu tanzen.
Music Kolumne
Records Revisited
Funkadelic – Maggot Brain (1971)
Mit »Maggot Brain« begeben sich Funkadelic auf die dunkle Seite des Funk. Das triumphierende Lustprinzip wird mit dystopischer Eschatologie durchsetzt und stellt der Feier des Lebens eine beklemmende Endzeitstimmung zur Seite.
Music Kolumne
Aigners Inventur
Juli & August 2021
Hier wird nicht lange gefackelt und sogar auf halbgare UEFA-Gags wird verzichtet. Stattdessen wird im Sinne der Schallplatte gehandelt und an die 20 Vinyl-Scheiben werden zum Drehen gebracht.
Music Liste
Halbjahresrückblick 2021
50 best Vinyl Records so far
Das vergangene halbe Jahr hat gefühlt ganze fünf gedauert. Ein nie endender Winter, quälende Isolation. Und die Musik? Die lief weiter, auf unseren Plattenspielern. Diese 50 Schallplatten blieben dabei besonders im Gedächtnis.
Music Porträt
Hōzan Yamamoto
Meditation aus Improvisation
Über fünf Dekaden hinweg pushte er japanischen Jazz in spirituelle Sphären, ohne Kitsch oder Esoterik. Ansehen erntete er dafür vor allem in seiner Heimat. Bis heute gilt Hōzan Yamamotos Schaffen international als Geheimtipp.
Music Porträt
Hoshina Anniversary
Die Fusion von Techno und Jazz
Hoshina Anniversary macht Techno. Er selbst würde sich aber eher in der Nachfolge zu Jazz und traditioneller japanischer Musik verorten. Und damit ist der Tokioter nicht allein.
Music Essay
Jazz Kissa
Wo in Japan die Musik spielt
Sie bieten stilvollen Rückzug aus einer Welt, in der alle permanent hören. Und zelebrieren das Hören von Musik: Jazz Kissas sind Japans inoffizielles Kulturerbe. Der Journalist Katsumasa Kusunose dokumentiert sie nun.
Music Porträt
Hiroshi Suzuki
Der Unbekannte mit der Posaune
1976 hat der japanische Posaunist Hiroshi Suzuki ein Album aufgenommen. »Cat«, das sich weniger durch Perfektion als durch einen feinen Groove auszeichnet, ging dereinst ein wenig unter. Nun kannst du es wiederentdecken.
Music Essay
Small In Japan
Die Vinyl-Nation, die keine ist
Aufwändige Aufmachungen, audiophile Listening Bars und die meisten Plattenläden der Welt: Japan, ein Vinyl-Paradies? Jein. Das Medium spielt dort gar keine große Rolle. Unsere Kulturgeschichte der japanischen Musikindustrie.
Music Liste
Evidence
10 All Time Favs
Evidence ist Producer, Cratedigger und Rapper, und zwar einer, der in 15 Karrierejahren die Lust am Entdecken nie verloren hat. Jetzt erscheint sein Album »Unlearning Vol.1«. Wir fragten nach 10 Schallplatten, die ihn geformt haben.
Music Liste
Record Store Day 2021 – 2nd Drop
12 Releases nach denen du Ausschau halten solltest
Am 17.7.2021 findet nun der zweite Record Store Days in diesem Jahr statt. Auch dafür sind wieder mehrere Dutzend exklusive Releases angekündigt. Wir haben daraus abermals zwölf Schallplatten gepickt, die wir euch ans Herz legen wollen.
Music Kolumne
Records Revisited
The Smiths – The Queen Is Dead (1986)
Das 1986 veröffentlichte »The Queen Is Dead« ist der Höhepunkt der nur fünf Jahre und vier Studioalben währenden Karriere der britischen Band The Smiths. Es klingt auch nach so langer Zeit noch erfrischend eigenwillig.
Music Kolumne
Records Revisited
Porter Ricks – Biokinetics (1996)
Als Porter Ricks im Jahr 1996 das Album »Biokinetics« veröffentlichten, handelte es sich um mehr als nur eine um Zusatzstücke erweiterte Sammlung ihrer ersten 12inches. Sondern um den utopistischen Versuch, Dub Techno weiterzudenken.