Music Kolumne | verfasst 21.12.2011
Jahresrückblick 2011
Die 50 Alben des Jahres (Teil 1)
Was hatte 2011 musikalisch zu bieten? Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, haben wir uns einem selbstauferlegten Stresstest unterzogen und auch eine eigene Ratingagentur gegründet, um die 50 Alben des Jahres zu sondieren.
Text Andreas Margara, Ben Grosse-Siestrup , Benjamin Mächler, Carlos Steurer, Florian Aigner, Florian Triesch, Henning Koch, Jan Wehn, Jens Pacholsky, John Luas, Julian Brimmers, Marc Leopoldseder, Martin Silbermann, Patrick Cavaleiro, Paul Okraj, Pippo Kuhzart, Sebastian Hinz, Stefan Zehentmeier, Tony Kunstmann

Jahresrückblick Alben 2011 (1024x685) Und wieder ist ein Jahr vorbei. Und was für ein ereignisreiches! Es verging kaum ein Tag, an dem nicht irgendwo auf diesem Planeten etwas mit hohem Nachrichtenwert geschehen ist: »arabischer Frühling«, »Fukushima«, »Euro-Krise«, »Utøya« und »Lüttich«, »Stuttgart21« um nur ein paar Schlagworte zu nennen. Doch was hatte das Jahr musikalisch zu bieten? Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, haben wir uns in den letzten Wochen einem selbstauferlegten Stresstest unterzogen und sogleich eine eigene Ratingagentur gegründet, um die 50 Alben des Jahres zu sondieren. Es sollte uns auch ohne zu »hebeln« und ganz ohne Rettungsschirm gelingen. So machte uns Elzhi den Karl-Theodor zu Guttenberg, allerdings ohne seine Quellen zu leugnen. Panda Bear trotzt der »Retromania« und macht nicht aus altem alt, sondern weiterhin aus altem neu. Erste »Schoßgebete« gab’s von The Weeknd und und und. Na dann viel Spaß beim Stöbern.

2562-FeverFind it at hhv.de: 2LP | CD Your Rating?: Go to Review Auf Fever kondensiert 2562 mal eben 45 Jahre Dance Music-Geschichte. Der Niederländer zitiert Funk und Disco, House und Techno, Breakbeats und Drills, ohne aber jemals die Kinder direkt beim Namen zu nennen. Hier offenbart sich die Essenz der Kunst. Allein der Opener ist mit seinen Maschinengewehrsalven an Groove das Album wert. (Jens Pacholsky)
 

Africa Hitech - 93 Million MilesFind it at hhv.de: CD | 3LP Mit ihrer Hochgeschwindigkeits-Bassmusik schafften Africa Hitech in diesem Frühjahr, wovon Musiker träumen: Sie ernteten nicht nur Begeisterungsstürme und viel Lob, sondern auch Kritik und Unverständnis. Das Projekt von Mark Pritchard und Steve Spacek eckte an und ihr Album 93 Million Miles wurde kontrovers diskutiert. Doch diese Bass-Salven und Garage-Geschosse, die das Duo auf seine Zuhörer losfeuert, trafen zumindest bei mir direkt ins musikalische Herz und lassen es seither pumpen. (Patrick Cavaleiro)
 

Andy Stott - Passed Me ByFind it at hhv.de: 2CD Niemand hat in diesem Jahr Gewalt musikalisch so abstrakt dargestellt wie Andy Stott mit Passed Me By. Wie hier Techno, House und Dub zerstückelt und in ein dunkles, schwer greifbares Gemisch gefiltert werden ist sagenhaft. Das alles ist brutal herunterziehend und erdrückend und trotzdem lassen einen die sieben Songs euphorisiert zurück – schlicht ob der schieren Genialität die man aufsaugen durfte. Hier werden trocken die 2011er Post-Step-Entwicklungen ignoriert. Vielleicht klingt Passed Me By gerade deshalb so »Avantgarde«. (Philipp Kunze)
 

A$AP Rocky - LifeLoveA$AP Kosmische Musik trifft Harlem’s wasted youth. Ein 23-jähriger Physiotherapeut aus Nutley, New Jersey und die »Uh…Bass…Uh«-Hookline haben das Jahr gerettet. Alle lieben Clams Casinos New-Age-Baps, völlig zurecht – um so schöner, dass er ein paar davon für den jungen Harlemite mit dem Houston-Slang reserviert hat. Trillwave hin oder her, A$AP Rockys Codein-saure, ständig zwischen Euphorie und Depression pendelnden Geschichten von Paranoia und Purple Swag auf Live Love A$AP waren neben Kendrick Lamar das Beste, was es dieses Jahr NICHT in deinem Plattenladen zu erstehen gab. Sollte dringend noch jemand ändern. (Julian Brimmers)
 

Apollo Brown - CloudsFind it at hhv.de: LP | CD Your Rating?: Go to Review Unter den Produzenten zahlreicher Instrumental-Alben stach Apollo Brown dieses Jahr besonders heraus. Mit Clouds bewies er das man auch ohne verrückte Spielereien und Experimente zeitgemäße HipHop-Beats basteln kann. Gut gepickte Samples und kraftvolle Drums bilden dieses harmonische Album das weder anstrengend noch langweilig ist. Apollo Browns Fahigkeiten den richtigen Beat zu finden, zeigten sich auch auf The Gas Mask seiner Rap-Gruppe The Left. (Tony Kunstmann)
 

Bnjmn - Plastic WorldFind it at hhv.de: 2LP Er ist jung, scheuklappenfrei, denkt nicht in Funktionalitätskategorien, hört (momentan) auf den Namen Bnjmn und hat mit Plastic World Ende Februar ein Album veröffentlicht, das bei mir in einer Spektakelschublade mit Actress’ letztjährigem Splazsh abgelegt wurde. Unfassbar krude und ungebürstete Track-Entwürfe, die sich nie entscheiden wollen zwischen House, Techno, Electro, IDM und UK-Post-wasweißich. Gleichzeitig war Plastic World der Auftakt eines äußerst produktiven Jahres des jungen Wilden, das er erst vor kurzem mit einem ebenfalls großartigen zweiten Album krönte. (Florian Aigner)
 

Bon Iver - Bon IverFind it at hhv.de: LP | 2LP Your Rating?: Go to Review Die Landflucht im neuen Folk war in diesem Jahr schon irgendwie ein großes Thema. Die Transformation des Hipsters vom halbironisierten Schnurrbartträgerdandy zum vollbärtigen Holzfäller im Karohemd wurde begleitet von Musik der Mumford & Sons, William Fitzsimmons oder eben Bon Iver. Der war ja im vergangen Jahr durch den swaggalicous Schulterschluss mit Großmeister Kanye West ein ganzes Eckchen cooler geworden. Mit seinem selbstbetitelten dritten Album machte Justin Vernon in diesem Jahr dann den Sack zu, schulterte ihn und nahm eine ganze Generation an twenty-somethings mit raus auf’s Land. Herrlich verhuschte Musik zum Alleinsein und kollektivem Club Mate-Trinken während des Wochenendtrips ins Brandenburger Umland. Aber ganz im Ernst: Ein unfassbares Album! Egal ob man das jetzt Englisch oder Französisch ausspricht – diese Musik versteht jeder. (Jan Wehn)
 

Casper - XOXOFind it at hhv.de: CD | 2LP+CD Your Rating?: Go to Review Rap aus Deutschland geht es wieder gut, sehr sogar. Und das v.a. ganz ohne Knarren, Schwänze und Drogen. Gezeigt hat das in diesem Jahr Casper mit seinem zweiten Album XOXO. Post-Hop, wie er musikalischer, ehrlicher und innovativer kaum sein kann. Irgendwo zwischen Explosions In The Sky, The xx, Drake, Two Door Cinema Club und How To Dress Well. Klingt exakt so, wie sich das hier liest – was durchaus als Kompliment zu verstehen ist. Ein mutiger, sehr großer und deutschen Rap für immer verändernden Wurf. (Jan Wehn)
 

Charles Bradley - No Time For DreamingFind it at hhv.de: LP | CD | CD Your Rating?: Go to Review Die Menahan Street Band, bekannt für raue Melodien und Grooves, trifft auf einen der letzten authentischen Zeitzeugen der originalen Soul-Ära, Charles Bradley. Wie auch auf ihrem Debüt, Make the Road by Walking, erschafft die Band auf No Time for Dreaming ihren ganz eigenständigen Sound und wird von Bradley, dessen Leid geplagtes Leben in jeder Silbe mitschwingt, um die nötige Authentizität erweitert. Wer sich mit der Biografie des 62-jährigen Bradley beschäftigt hat, weiß, dass hier eine reife Stimme die volle Tragik des Soul transportiert, was das Album zu etwas Besonderem macht. (Florian Triesch)
 

Clams Casino - Instrumental MixtapeFind it at hhv.de: LP Wer sich in letzter Zeit mal die Mühe gemacht hat, die Production-Credits der Internetsensationen Lil B und A$AP Rocky zu checken, dürfte bereits über den Namen Clams Casino gestolpert sein. Das YouTube-sozialisierte Jersey Kid verschenkte im ersten Quartal ein pragmatisch Instrumental Mixtape tituliertes – äh – Mixtape, welches ein Gros seiner Produktionen für Lil B und Soulja Boy, sowie unveröffentlichte Instrumentals enthält. Unfassbar eigentlich wie dieser Pisser aus blechernen YouTube-Samples, ungemasterten Drums und jeder Menge Zeitlupen-Pathos völlig mühelos einen Gänsehaut-Beat nach dem anderen fabriziert und in den folgenden Monaten die Nische Cloud Rap im Alleingang dominieren sollte, unter anderem mit seiner Arbeit für A$AP Rockys erstes Mixtape. (Florian Aigner)
 

Com Truise - Galactic MeltFind it at hhv.de: LP Your Rating?: Go to Review In die Ära von C-64, Rubik’s Cube und RoboCop katapultierte uns Seth Haley aka Com Truise Mitte des Jahres mit dem Konzeptalbum Galactic Melt, da es klingt, wie der Soundtrack eines Science-Fiction-Streifens aus den Achtzigern. Warme, sphärische Synthie-flächen, immer hauchdünn vom Kitsch entfernt, treffen auf knusprige Drums und versprühen zwangsläufig den Charme damaliger Vangelis- oder Moroder-Produktionen, denen Haley unbestritten Tribut zollt. Ein nostalgischer Instrumental-Trip mit entsprechenden Referenzpunkten, mit dem gewiss nicht nur Achtziger-Babys ihren Spaß haben. (Benjamin Mächler)
 

Dillon - This Silence KillsFind it at hhv.de: 2LP+CD Your Rating?: Go to Review Einige Jahre nach dem Hype um ihre erst EP, veröffentlichte Dillon mit This Silence Kills in diesem Jahr ihr Debütalbum und zeigt warum das Reifen und Sammeln sich gelohnt hat. Ganz anders als noch bei ihrem Mini-Hit Contact Us, ignoriert Dillon diesmal die Frage nach der Clubtauglichkeit und lässt ihre Stimme und ihre Worte den Beat vorgeben. Heraus kam eine leise, pianolastige Platte, auf der es der Sängerin trotz Lykke-Li-Verwandschaft gelingt, einen eigenen Stil herauszuarbeiten. This Silence Kills ist eine ehrliche, elektronische Platte, die darunter mehr versteht als den Einsatz elektronischer Sounds und Effekte. (John Luas)
 

Drake - Take CareFind it at hhv.de: CD 2LP Your Rating?: Go to Review Post-Hop, die Zweite. Drake, der smarteste und empathischste Mutterficker des US-Rap, gesegnet mit Gentlemanattitüde und Hans-Dampf-in-allen-Gassen-Mentalität gleichermaßen, setzte in diesem Herbst noch einen auf seinen Erstling Thank Me Later drauf. Take Care, dieser behutsame Ratschlag, tönte dann eigentlich so, wie jeder Drizzy-Song: ein bisschen selbstzweiflerisch, trotzdem mit der nötigen Portion Eier – und immer ganz toll großartig auf Augenhöhe mit dem Hörer – selbstverständlich gerappt über samtig-futuristische R’n’B-Kuscheleien und durchgedrehte Hipster-Produktionen gleichermaßen. (Jan Wehn)
 

Elzhi - Elmatic LPFind it at hhv.de: LP | CD Your Rating?: Go to Review Klassiker covern ist kein leichtes Unterfangen, schon gar nicht ein Werk wie Nas’ Illmatic. Doch das Slum Village-Mitglied Elzhi meisterte diese Aufgabe hervorragend. Zusammen mit der Band Will Sessions liefert Elmatic Neuinterpretationen der zehn Beats mit frischen Reimen. Ohne abgestumpft zu wirken, hob sich dieses Album von jedem anderen Hype des Jahres ab und zeigt nebenbei das Nas’ zeitloses 94er Debüt nachwievor seinem Ruf gerecht wird. (Tony Kunstmann)
 

Evidence - Cats & Dogs Find it at hhv.de: 2LP | CD Your Rating?: Go to Review Ganz ehrlich: Nach über einer Dekade Hip Hop im Walkman/Discman/iPod findet man sich irgendwann an einem Punkt, an dem man dann sogar das Ferrari Boyz-Album runterfeiert. Und auf einmal liefert ein Mann aus Los Angeles eine Platte, bei der man sofort wieder spürt, was einen von Anfang an seiner Lieblingsmusikrichtung gezeckt hat: Absolut zeitgemäße Beats, ohne unnötige Trendorientierung, ein vielseitiger Protagonist, der auch nach Jahren am Mic nichts anbrennen lässt und zudem auch noch ganz offen und ehrlich mit der eigenen Persona umgeht. Und in diesem Fall dann noch das nötig Quentchen Independent-Westcoast-Flavor und die passenden Featuregäste. Cats’n’Dogs von Evidence wäre auch noch in zwei Jahren ein absoluter Sure Shot gewesen. (Stefan Zehentmeier)  

Falty DL-You Stand UncertainFind it at hhv.de: LP | CD Your Rating?: Go to Review Mit You Stand Uncertain hat sich Falty DL dieses Jahr endlich auch auf Albumlänge einer Experimentierfreude und Stilvielfalt hingegeben, die bisher hauptsächlich seine EPs auzeichnete. Statt reinem Dubstep oder UK-Garage gibt es hier einen harmonischen urbanen Genremix zu bewundern, der auch mit einigen gezielt platzierten Rave-Elementen aufwarten kann. (Henning Koch)  

Ghostpoet - Peanut Butter Blues & Melancholy JamFind it at hhv.de: LP | CD Your Rating?: Go to Review Das großartige an Ghostpoets Debüt Peanut Butter Blues & Melancholy Jam ist, dass er damit in keine bestimmte Schublade passen möchte. Ist es nun Grime, HipHop, Downbeat, House oder Electronica? Vollkommen egal, es ist reflexive Musik fernab der klassischen Genredefinitionen von einem Künstler, der auch tatsächlich etwas zu erzählen hat. (Henning Koch)
 

Hiob - Drama KonkretFind it at hhv.de: LP | CD Während sich die großen Namen der deutschen Szene abstrampelten besondere Alben auszuspucken, machte der Berliner Hiob einfach genau das, was er schon immer gemacht hat: Über das erzählen, was man im Alltag erlebt und das auf eine authentische, ehrliche und manchmal humorvolle Art und Weise – Reality Rap sozusagen. Perfekt passende Produktionen und interessante Gäste machen Drama Konkret zu einem »runden« Album. Entertainment für den kleinen Mann. (Tony Kunstmann)
 

Hype Williams - One NationFind it at hhv.de: LP Your Rating?: Go to Review »Was den wahren Musiker auszeichnet, ist, dass er keinerlei Musik komponiert, kein Instrument spielt und Virtuosen verachtet«, schrieb Gustav Flaubert einmal. Das Britische Duo Hype Williams unterstrich mit seinem dritten Album One Nation jene These. Denn ihre 13 Tracks sind dank ihrer unglaublich abwesend-zugedröhnten und zugleich total einnehmenden Atmosphäre sensationell und nicht, weil die schrägen Gesangssamples, simplen Drumcomputerbeats und sphärische Synthiemelodien so filigran verwebt wurden. Das die dunstige Traurigkeit von One Nation, an deren Rändern die Hoffnung schimmert, zugleich die beste Musik zu unserer bedrohlichen Zeit ist, macht das Album noch exelenter. (Michel Leuffen)
 

J Rocc - Some Cold Rock StufFind it at hhv.de: LP | CD Your Rating?: Go to Review Seit über 10 Jahren gehört J-Rocc zum festen Steinewerfer-Inventar und ist über die Jahre durch seine weltweiten DJ-Gigs sozusagen zum Exclusive-Apostel des Labels avanciert. Richtig auf der Agenda hatte man den umtriebigen Beat Junkie dennoch nie so recht, was sich mit dessen Langspieleinstand Some Cold Rock Stuff aber geändert haben sollte. Der oszilliert nämlich dermaßen leichtfüßig zwischen trockenen Rare Grooves, spritzigem Salsa, legerem Jazz und angestaubter Weltmusik, dass es eine wahre Freude ist. Die Herren Davis und Yancey sollen jetzt mal nicht zwingend als Parallelen herhalten, aber in etwa diese Richtung bewegt sich das Ganze dann doch. File under: Überraschungsalbum. (Benjamin Mächler)  

James Blake - James BlakeFind it at hhv.de: 2LP | CD Your Rating?: Go to Review Das Debütalbum des Briten entfachte einen der größten medialen Flächenbrände des Jahres. Die Single Limit To Your Love macht erst in Blogger-Kreisen die Runde und James Blake kurz darauf zu einem der Aufsteiger 2011. Stille, Reduktion, wummernde Synthies, Piano und Autotune-Wortfetzen werden gekonnt in einen neuen, nervenzerfetzenden und vakuumartigen Kontext zueinander gesetzt. Die Definition von »Post-Dubstep«. (Ben Grosse-Siestrup)
 

James Pants-James PantsFind it at hhv.de: LP | CD Your Rating?: Go to Review James Pants’ selbstbetiteltes Album ist die Platte, die mir dieses Jahr auf »Easy-Listening-Niveau« am meisten Freude bereitet hat. Sie verdeutlicht noch einmal, warum Stones Throw nach wie vor zu den spannendsten und abwechslungsreichsten Labels nicht nur im HipHop-Bereich gehört und bietet eingängiger 80s Retro-Sound mit zahlreichen Momenten, die man schon einmal irgendwo gehört hat. Wenn man sich doch bloß erinnern würde, wo genau… (Henning Koch)
 

Jay-Z & Kanye West - Watch The ThroneFind it at hhv.de: CD+ | CD Your Rating?: Go to Review Absolut königlich: Größenwahn und Talent mit dem Multiplikator Zwei. Jay-Z und Kanye West tun sich zusammen, für eine Platte, die in fast jeglicher Hinsicht rekordverdächtig ist. Namhafte Kollaborateure von Neptunes bis Bon Iver und exklusiver iTunes-Deal garantierten den Erfolg von Watch The Throne bereits im Voraus. Kann in puncto Genialität zwar nicht mit Kanye’s 2010er Solo-Album My Beautiful Dark Twisted Fantasy mithalten, ist aber trotzdem eines der HipHop-Highlights 2011. (Ben Grosse-Siestrup)
 

Kuedo - Severant LPFind it at hhv.de: LP | CD Your Rating?: Go to Review Sexiness entsteht bei Kuedo über Artifizialität und Kälte. Ganz im Gegensatz zu der manchmal erschlagenden Arbeit an den Vex’D-Projekten, hat Kuedo auf Severant eine neue Subtilität für sich entdeckt, die sich aus den wavigen Synthexperimenten der späten Siebziger und frühen Achtziger speist. Irgendjemand hat über dieses Album geschrieben, es wäre Musik für Androiden, die weinen könnten. Das ist platt, aber durchaus zutreffend. (Florian Aigner)
 

Long Arm - The BranchesFind it at hhv.de: LP Your Rating?: Go to Review Long Arm öffnet auf The Branches die Bühne für sein virtuelles Orchester, das er absolut perfekt beherrscht. Er verdeutlicht damit, dass man auch als Beatbastler »richtige Musik« erschaffen kann. Selten haben HipHop-inspirierte Beats so organisch und melodiös geklungen und waren so harmonisch komponiert. Elektronischer Jazz mit einem Auge fürs kleinste Detail! (Henning Koch)
 

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Die 50 Alben des Jahres findest du bei hhv.de.
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Holy Hive
Introspektive Leichtigkeit
Mit »Float Back To You« legte das New Yorker Trio Holy Hive 2020 ein Folk-Soul-Balsam für das wundgescheuert blankliegende Nervenkostüm vor. Auf dem selbstbetitelten Nachfolger setzen sie den eingeschlagenen Kurs fort.
Music Liste
Palmbomen II
10 All Time Favs
Bilder und Musik ließen sich bei Palmbomen II nie voneinander trennen. Mit »Make A Film« liefert er nun die Musik für die Bewegtbilder, die von uns noch gedreht müssen. Welche Musik ihn in Sachen Filmmusik inspirieren, verrät er hier.
Music Kolumne
Records Revisited
A Tribe Called Quest – Low End Theory (1991)
Viel besser geht es nicht. Zu Beginn der 1990er Jahre brachten A Tribe Called Quest mit ihrem zweiten Album »The Low End Theory« den Flow auf den Punkt. Ohne aggressiv männliche Posen, dafür mit Jazz, Breaks und Vibe.
Music Kolumne
Records Revisited
Primal Scream – Screamadelica (1991)
1991 – was für ein Jahr für die Rockmusik. Die am 24.9.1991 veröffentlichten Alben von Nirvana, Soundgarden und Red Hot Chili Peppers haben Rock wieder populär gemacht. Aber »Screamadelica« von Primal Scream hat das Genre verändert.
Music Essay
Die Beat-Ära in der DDR
Feindliche Übernahme
Schallplatten des Amiga-Labels sind weit verbreitet. Neben Pressungen internationaler Stars war auch jede Menge Musik aus der DDR selbst auf Platte verewigt worden. Manches davon lohnt wiederentdeckt zu werden.
Music Interview
José González
Geschmack ist wie dein Po
2003 coverte José González den Song »Heartbeat« von The Knife und katapultierte sich gleich in die Herzen und Studierzimmer vieler Menschen. Mit seinem Album »Local Valley« strickt er weiter an seinem Mythos. Wir trafen ihn zum Interview.
Music Porträt
Loredana Berté
Irgendwie unvergleichlich
Loredana Bertè wird als »Königin des italienischen Rock« apostrophiert. Das greift nicht nur musikalisch zu kurz. Denn sie den Status quo nie repräsentiert, sondern als Außenseiterin aus Überzeugung wiederholt infrage gestellt.
Music Kolumne
Records Revisited
DJ Shadow – Endtroducing (1996)
Vor 25 Jahren erschien mit »Endtroducing« ein Hip-Hop-Album, das Björk mit Metallica und finnischer Fusion zusammendachte. DJ Shadow grub dafür im Keller. Und fand Gold. Dann schuf er ein Album, das aus der Zeit gefallen zu sein scheint.
Music Porträt
Sarah Davachi
Echo der Unendlichkeit
Intensität ist das Wort, das in den Sinn kommt. Bei ihrer Musik und bei ihren Sätzen. Ihr Sound fühlt sich an, als ob jemand mit einer Fingerspitze über die Seele streicht. Jetzt erscheint Sarah Davachi neues Album »Antiphonals«.
Music Porträt
Dais Records
Klang als Kollektion
Zwischen Experiment und Erwartung, Neuem und Altem wagt Dais Records seit Jahren den Spagat. Gibby Miller und Ryan Martin ziehen dort ihre Kreise, wo Linearität bewusste Störung erfährt – und treten so in die Fußstapfen großer Vorgänger.
Music Porträt
Leslie Winer
Der unbekannte Weltstar
Björk, Grace Jones, Boy George und Sinéad O’Connor zählen zu ihren Bewunderern. William S. Burroughs war ihr Mentor. Irgendwie hat sie auch Trip-Hop erfunden. Dennoch ist Leslie Winer heute nur Insdern bekannt. Das könnte sich jetzt ändern.
Music Porträt
DJ Koco
Guest Mix
Bei DJ Koco treffen atemberaubende Mixing-Skills auf eine Selection von ungeheurer Raffinesse. Kaum einer cuttet seine Breakbeats tighter ineinander als er. Das Verblüffendste: Der japanische DJ beschränkt sich in seinen Sets auf 7Inches.
Music Kolumne
Aigners Inventur
September & Oktober 2021
Keift und brummt sich wieder durch die Veröffentlichungen der letzten zwei Monate: Aigners Inventur, mit Bärlauch-Antipathie und Seerobben-Ehrfurcht. Dazwischen Alben von Flying Lotus, Erika De Casier, Space Afrika und Maxine Funke.
Music Kolumne
Records Revisited
John Coltrane – Africa/Brass (1961)
1961 markierte »Africa/Brass« den Anbruch eines neuen Zeitalters: Für John Coltrane war es der Beginn seiner Impulse!-Jahre, für viele afrikanische Staaten der Start in die Unabhängigkeit. Musikalisch war es sein ambitioniertestes Vorhaben.
Music Kolumne
Records Revisited
Björk – Vespertine (2001)
Mit »Vespertine« schien Björk Guðmundsdóttir das Versprechen ihres vorherigen Werks nicht einzulösen. Weil sie dieses Mal einen vollkommen anderen Ansatz wählte. Was »Vespertine« von 2001 zu einer ihrer besten Platten bis heute macht.
Music Porträt
Polo & Pan
Eklektisch in den Weltraum
Polo & Pan sind bereit abzuheben. Nachdem sie es mit ihrem kunterbunten Stilmix bis ins Hotelzimmer von Elon Musk schafften, blicken sie nun höheren Sphären entgegen. Die irdischen Fans beglückt das Duo derweil mit dem Album »Cyclorama«.
Music Liste
Durand Jones & The Indications
10 All Time Favs
Durand Jones & The Indications verbinden seit Ihrem Debüt vor fünf Jahren Vergangenheit und Zukunft des Genres. Jetzt erscheint ihr drittes Album »Private Space«. Zeit, um die Band nach den 10 Schallplatten zu fragen, die sie geformt haben.
Music Porträt
Conrad Schnitzler
Mitten im Durcheinander
Immer noch wird der 2011 verstorbene Conrad Schnitzler vor allem für seine Verbindung zu Kraftwerk oder Tangerine Dream wahrgenommen. Dabei steht sein beeindruckendes Werk genauso für sich allein, wie er Verbindungen herzustellen wusste.
Music Kolumne
Records Revisited
Main Source – Breaking Atoms (1991)
In mancher Hinsicht scheint »Breaking Atoms«, das Debüt von Main Source, ein Klassiker aus der zweiten Reihe geblieben zu sein. Doch die Produktion von Large Professor definierte einen Signature Sound für das Goldene Zeitalter des Hip-Hop.
Music Kolumne
Records Revisited
LFO – Frequencies (1991)
Die niederfrequenten Schwingungserzeuger LFO aus Leeds schufen mit »Frequencies« eines der ersten Techno-Alben. Ihre hohen Bleeps und tiefen Clonks haben Technogeschichte geschrieben. Bis heute kann, äh, muss man dazu tanzen.
Music Kolumne
Records Revisited
Funkadelic – Maggot Brain (1971)
Mit »Maggot Brain« begeben sich Funkadelic auf die dunkle Seite des Funk. Das triumphierende Lustprinzip wird mit dystopischer Eschatologie durchsetzt und stellt der Feier des Lebens eine beklemmende Endzeitstimmung zur Seite.
Music Kolumne
Aigners Inventur
Juli & August 2021
Hier wird nicht lange gefackelt und sogar auf halbgare UEFA-Gags wird verzichtet. Stattdessen wird im Sinne der Schallplatte gehandelt und an die 20 Vinyl-Scheiben werden zum Drehen gebracht.
Music Liste
Halbjahresrückblick 2021
50 best Vinyl Records so far
Das vergangene halbe Jahr hat gefühlt ganze fünf gedauert. Ein nie endender Winter, quälende Isolation. Und die Musik? Die lief weiter, auf unseren Plattenspielern. Diese 50 Schallplatten blieben dabei besonders im Gedächtnis.
Music Porträt
Hōzan Yamamoto
Meditation aus Improvisation
Über fünf Dekaden hinweg pushte er japanischen Jazz in spirituelle Sphären, ohne Kitsch oder Esoterik. Ansehen erntete er dafür vor allem in seiner Heimat. Bis heute gilt Hōzan Yamamotos Schaffen international als Geheimtipp.
Music Porträt
Hoshina Anniversary
Die Fusion von Techno und Jazz
Hoshina Anniversary macht Techno. Er selbst würde sich aber eher in der Nachfolge zu Jazz und traditioneller japanischer Musik verorten. Und damit ist der Tokioter nicht allein.
Music Essay
Jazz Kissa
Wo in Japan die Musik spielt
Sie bieten stilvollen Rückzug aus einer Welt, in der alle permanent hören. Und zelebrieren das Hören von Musik: Jazz Kissas sind Japans inoffizielles Kulturerbe. Der Journalist Katsumasa Kusunose dokumentiert sie nun.
Music Porträt
Hiroshi Suzuki
Der Unbekannte mit der Posaune
1976 hat der japanische Posaunist Hiroshi Suzuki ein Album aufgenommen. »Cat«, das sich weniger durch Perfektion als durch einen feinen Groove auszeichnet, ging dereinst ein wenig unter. Nun kannst du es wiederentdecken.