Music Porträt | verfasst 28.01.2010
Dâm-Funk
Wahrheit, Fantasie, Eskapismus und Funk
Der Kalifornier Dâm-Funk hätte auch einfach ein guter Friseur werden können. Doch nun gilt er mit seinen minimalistischen Funk-Exzessen als das nächste große Ding im Stones-Throw-Labelstall.
Text Beate Kroissenbrunner , Fotos Matthew Scott / © Stones Throw
Dam_funk_1024x768

Schenkt man Peanut Butter Wolf Glauben, so ist Dâm-Funk das Modern Funk-Projekt der Westküste, auf das nur gewartet wurde. Somit kriegt dieser Mann schon mal vorab kräftig Support von seinem Labelboss und Freund. Der DJ und Produzent Dâm-Funk wird gerne als »Ambassador des Funk« bezeichnet. Seine Musik ist inspiriert und basiert auf dem Funk/Boogie, Modern Funk und Soul der frühen 1980er Jahre. Laut Dâm-FunK beinhaltet seine Plattensammlung größtenteils Boogie/Funk Musik. Seine eigenen Produktionen sind melodisch, aber dennoch funky, zum größten Teil instrumental.

Tête-à-tête mit Peanut Butter Wolf
Der in Pasadena, Kalifornien aufgewachsene Damon Riddick hat seine musikalische Karriere bereits im zarten Alter von sechs Jahren begonnen als er seine Liebe zum Schlagzeug-Spielen entdeckte. Diese Liebe wurde von einem Gitarren-Spiel-Intermezzo abgelöst, das aber nicht lange anhielt, da er schnell merkte, dass die Gitarre nicht sein Instrument war und dieselbe als Ausdruck seiner Abneigung erst einmal gegen die Wand im Kinderzimmer feuerte. Zu High-School-Zeiten begann Damon Riddick neben dem Schlagzeug auch das Keyboard für sich zu entdecken, was inzwischen zu seinem Hauptinstrument geworden ist. Musikalisch inspiriert von KISS, Prince, PUSH, P-Funk, Soultrain und einer Affinität zu japanischen Monster- und Horror-Filmen, sowie den von Hanna-Barbera & Ruby Spears in den späten 1970er und frühen 1980er Jahren produzierten Cartoons, führten zu dem, was Dâm-Funks Musik heute ausmacht.
Vor drei, vier Jahren rannten sich dann Dâm-Funk und Peanut Butter Wolf erstmalig und fortan immer wieder auf verschiedenen Partys in Los Angeles über den Weg und begannen sich über Musiker wie Steve Arrington, den Lead-Sänger der Melodic-Funk Band Slave, Gary Wilson, Prince und viele andere Musiker dieser Coleur auszutauschen, die zu dem damaligen Zeitpunkt weitestegehend in Vergessenheit geraten waren. Positive Anerkennung mittels Post auf Baron Zens Myspace-Seite über dessen damals neu veröffentlichte LP und steigendes Interesse von Wolf an Dâm-Funks eigenen Produktionen, endeten schließlich in der Debüt-Single »Burn Rubber« auf Stones Throw im Rahmen eines Baron Zen Remix-Projekts. Der Rest ist Geschichte – oder vielmehr Zukunft.

Agenten der Geschmackspolizei
Dâm-Funk beschreibt die Zusammenarbeit mit Stones Throw in vielerlei Hinsicht als sehr bereichernd. Neben der Möglichkeit seine Musik der großen Fangemeinde des Labels nahebringen zu können und somit viele Menschen zu erreichen, hebt er die künstlerische, kreative Freiheit hervor, die den Künstlern bei Stones Throw zukommt. »Sie lassen uns tun, was wir tun wollen.Wenn sie sich entscheiden, mit dir zu arbeiten, dann mögen sie deine Musik. Es ist nicht so«, erklärt Damon Riddick, »dass der Künstler seine Musik dem Label aufdrängt oder zuschreibt. Wir fühlen eine wechselseitige Liebe für die Kreativität des anderen. Das ist der Grund, warum ich Stones Throw gewählt habe.«
»Was wir gemacht haben, war, nach den richtigen Platten zu suchen, zu beobachten, was abgeht und auf den perfekten Zeitpunkt zu warten, um den wahren Funk zurückzubringen.« (Dâm-Funk) Zum Status Quo des Funk heutzutage befragt, bekommt man eine eindeutige Antwort: »Die meisten Leute hatten doch Funk vergessen, auch wenn sie es jetzt nicht zugeben wollen und heute eher so tun, als ob sie P-Funk oder ZAPP immer schon gut fanden. In Wirklichkeit folgen genau diese Leute einfach nur dem Trend. Die Entstehung dieses Trends erfolgte nach dem üblichen Schema: ›Guardians of Taste‹ reckten ihre Spürnasen in die Luft und griffen das auf, was die Leute aus der ›Hood‹ schon immer mochten und fühlten: ZAPP, P-Funk, den frühen Prince, Slave, Aurra, Cameo, Change, Loose Ends, Mtume, Cybotron &sw. &sf. In den 1990er Jahren und frühen 2000er Jahren haben bestimmte Kräfte allerdings versucht, zu ändern, was den echten Funk ausmacht – vielleicht auch sogar unbeabsichtigt. Die Sache hatte aber auch was Gutes, die genannten Künstler erhielten nun den Respekt und die Aufmerksamkeit, die ihnen gebührt und zwar in allen musikalischen Kreisen. Was wir aber gemacht haben, war nach den richtigen Platten zu suchen, zu beobachten was abgeht und auf den perfekten Zeitpunkt zu warten, um den wahren Funk zurückzubringen.«
Dies versucht Dam seit Juli 2006 im Rahmen seiner jeden Montagnacht stattfindenden Partyreihe »Funkmosphere« in der Carbon Bar in Culver City, Westside LA. Das Partyvolk ist bunt gemischt und besteht aus Stammgästen als auch Neuankömmlingen, aus jung und alt, die jedoch eines gemeinsam haben: die Suche nach dem Sound. Dieser Sound hat seinen Ursprung in einem Stil, den Dâm-Funk und seine Jungs zum »Boogie-Funk« weiterentwickelt haben. Genauer: »Es ist nicht nur Boogie oder Post-Disco, es ist Boogie gemixt mit harten Funk-Sounds von Gruppen wie One-Way, Kwick oder The Armed Gang und manchmal wird auch ein bisschen Juan Atkins und Egyptian Lover mit eingestreut. Die Leute fühlen sich wohl. Bei ›Funkmosphere‹ ist Funk keine Modeerscheinung, sondern eine Lebenseinstellung.«

Funkmosphere
Seit nun vier Jahren läuft »Funkmosphere« erfolgreich neben anderen Partyreihen in LA wie »Do Over«, »Low End Theory«, »Sound Lessions«, »Boombox«, »Soul Sessions« und »Firecracker«. Für jemanden, der Dâm-Funk einmal selbst live erleben durfte, ist dieser Erfolg auch keine Überraschung. Dam gelingt es wie nur Wenigen, eine einzigartige Atmosphere und das Gefühl zu erzeugen, in ein Synthy-Disco-Future-Funk-Paralleluniversum geschleudert zu werden. Das Geheimnis liegt in der Kombination aus Funk-Musik in Verbindung mit bestimmten Akkorden, Effekten, Sounds und Dâm-Funks aufrichtiger und ehrlicher Verbindung zum Publikum. »Ich bin keiner dieser Typen, die beim Auflegen den ganzen Abend lang mit versteinerter Miene in ihr Laptop glotzend vor Leuten spielen, die bezahlt haben, um einen guten Abend zu haben. Ich verhalte mich da etwas anders.«
Was wäre eigentlich aus Damon Riddick – der an dieser Stelle bemerkt auch ein großartiger Sänger ist – geworden, wenn er nicht die Liebe zur Musik entdeckt hätte? »Ein Truck-Fahrer. Oder Friseur! Lasst dich nicht von meiner ›superfly‹ und überentspannten Art täuschen. Ich kann einen verdammt fiesen ›Fade‹ schneiden, heute noch! Früher hab ich all meinen Kumpels die Haare geschnitten, wenn sie es gebraucht hatten. Nein, im Ernst, Musik war immer meine erste Wahl. Ich hatte mir geschworen niemals auf zu geben. Ich wollte unabhängig sein, mein Ziel ist es unabhängig zu bleiben.« Und für Dâm-Funk hat Musik auch die Kraft die Welt zu einem besseren Ort zu machen. »Allein schon dadurch, dass das bestimmte Platzieren von Akkorden oder das Singen einer bestimmten Textzeile, einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort, meiner bescheidenen Meinung nach, die Kraft die Welt zu verbessern hat. Die Message meiner Musik lautet: Wahrheit, Fantasie, Eskapismus und Funk.«

Das Album »Toeachizown« von Dâm-Funk findest du bei hhv.de: 5LP
Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 11.10.2009
Dâm Funk
Toeachizown
»Los Angeles’ Botschafter des Boogie-Funk« kennt, liefert mit Toeachizown ein beeindruckendes Debüt ab.
Music Review | verfasst 19.12.2013
Steve Arrington + Dam-Funk
Higher
Was mich an, als wäre es 1970! Steve Arrington und Dam-Funk legen ein Funk-Ding vor, das irgendwo zwischen All und Schlafzimmer liegt.
Music Review | verfasst 06.01.2014
7 Days Of Funk (Snoopzilla & Dâm-Funk)
7 Days Of Funk
Snoopzilla & Dam-Funk – da kommt zusammen, was zusammen gehört. »7 Days Of Funk« ist der Lebenshauch fürs Genre.
Music Bericht | verfasst 04.06.2012
Dâm-FunK
Live am 1.6. im Bohannon in Berlin
Dâm-Funk bewies am vergangenen Freitag in Berlin, was für ein hervorragender Musiker er ist. Ob einhändig am Keyboard, souverän an der Keytar oder lcoker-lässig am Schlagzeug, der Kalifornier beherrschte die Instrumente virtuos.
Music Kolumne | verfasst 14.08.2013
Zwölf Zehner
Juli 2013
Willkommen im August. Doch vorher lassen unsere Kolumnisten vom Dienst den Monat Juli musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Kolumne | verfasst 06.11.2013
Zwölf Zehner
Oktober 2013
Willkommen im November. Doch vorher lassen unsere Kolumnisten vom Dienst den Monat Oktober musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Review | verfasst 20.07.2007
Yesterday's New Quintet
Yesterday's Universe: Prepare For A New Yesterday (Volume One)
Madlib kehrt Yesterday’s New Quintet den Rücken, denkt sich weitere Musikercharaktere aus und veröffentlicht ein neue jazzige Musik.
Music Review | verfasst 01.10.2010
Aloe Blacc
Good Things
Mit seinem zweiten Album besinnt sich Aloe Blacc auf die Wurzeln schwarzer Protestmusik im Pop.
Music Review | verfasst 14.08.2007
Oh No
Dr. No's Oxperiment
Madlib mag der Wahnsinnigere sein, nahe an der Genialität bewegt sich aber auch Oh No auf diesem Album permanent.
Music Review | verfasst 26.08.2007
Madlib
Beatkonducta Vol. 3 & 4
Was man ungefähr erwarten kann, wenn sich Madlib in Indien austobt ist Straight outta Ghanges. Groß, wie immer.
Music Review | verfasst 08.04.2011
James Pants
James Pants
James Pants klingt nach James Pants und das mühelos. Selten klang Kreativität so unaufgesetzt.
Music Review | verfasst 26.04.2011
J. Rocc
Some Cold Rock Stuf
Mit Some Cold Rock Stuf besticht Beatjunkie J. Rocc mit einer positiv überraschenden, hervorragenden Platte.
Music Review | verfasst 12.05.2011
Tony Cook
Back To Reality
Peanut Butter Wolf hat mal wieder eine Perle ausgegraben. Diesmal soll es nicht weniger sein als der fehlende Link zwischen Funk und House.
Music Review | verfasst 20.06.2011
Madlib + Frank Nitt
Madlib Medicine Show #9: Nittyville
Mit Verzögerung erscheint der bereits für September 2010 vorgesehene neunte Teil der Medicine Show. Das Warten hat sich nicht gelohnt.
Music Review | verfasst 03.07.2011
James Pants/Mayer Hawthorne
Green Eyed Love/Thin Moon
Die zwei wohl einzigartigsten Stimmen von Stones Throw treten in der Sparte gegenseitige Coverversionen an.
Music Review | verfasst 01.12.2011
M.E.D.
Classic
Medaphoar ist in der Vergangenheit v.a. durch seine Gastauftritte bei anderen Künstlern aufgefallen. Nun ist sein Solodebüt erschienen.
Music Review | verfasst 15.12.2011
The Stepkids
The Stepkids
0s Soul, Funk, Punk, Jazz, Folk, westafrikanischen Rhythmen und moderner Klassik auf einen gemeinsamen Nenner gebracht.
Music Review | verfasst 09.01.2012
Madlib
Medicine Show Volume 12 & 13 - Filthy Ass Remixes
Madlib setzt mit Medicine Show 12+13 Filthy Ass Remixes vorerst einen Schlusstrich unter die kontrovers diskutierte Reihe.
Music Review | verfasst 06.06.2010
Guilty Simpson & Madlib
OJ Simpson
Madlib-Fans haben ihren Spaß an kollagenhafter Beatbastelei, dem Rest bleibt Simpsons »straight-from-the-gutter« Rapstil vorbehalten.
Music Kolumne
Aigners Inventur
Mai & Juni 2021
Die eine Konstante in der Ära von Impfneid, Merzismus und Notbremsenbeef: Aigners Inventur fühlt sich vier Minuten vor Beginn der Ausgangssperre verwegen, hält sich für den Nabel der Deutschrapwelt und kopiert sich nur selbst.
Music Liste
Crumb
10 All Time Favs
Seit ihrem Debüt 2019 gelten Crumb als eines der heißesten Feuer in der Musiklandschaft. Nun ist ihr neues Album »Ice Melt« erschienen. Die Gelegenheit sie nach 10 Schallplatten zu fragen, die sie geformt, gebessert und gebildet haben.
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
Scotch Rolex – Tewari
Ist es Hip-Hop? Ist es Metal? Ist es Dancehall? Ist es Musik, die du nicht raffen wirst? Ist es unfair, dass die Clubs geschlossen sind? Unsere Vinyl-Sprechstundler gehen gleichermaßen clubhorny wie verstört aus DJ Scott Rolex’ »Tewari«.
Music Interview
Adrian Younge
Sonische Geschichtsstunde
Mit »The American Negro« beginnt ein neues Kapitel in der Arbeit von Adrian Younge. Sie ist frontaler, politisch aufgeladener und selbstsicherer. Er will lehren. Wir hatten die Gelegenheit zu einem ausführlichem Interview.
Music Liste
Leon Vynehall
10 All Time Favs
Mit seinem neuen Album »Rare, Forever« setzt der britische Produzent Leon Vynehall den Weg fort, den er mit »Nothing Is Still« begonnen hat. Uns verrät er heute 10 Schallplatten, die ihn geformt, gebessert und gebildet haben.
Music Kolumne
Records Revisited
Gil Scott-Heron – Pieces Of A Man (1971)
Man nannte ihn den »Godfather of Hip Hop«, weil er über Drogen, Rassismus und die Divided States of America textete. Mittlerweile ist das erfolgreichstes Album von Gil Scott-Heron 50 Jahre alt – und aktueller denn je.
Music Kolumne
Records Revisited
Deftones – White Pony (2000)
Die im Juni 2000 veröffentlichte LP »White Pony« wurde deshalb zu einem dermaßen bahnbrechenden Album, weil sich die Deftones darauf erstmals als die Zitationsmaschine in Szene setzen, die sie eigentlich immer schon gewesen waren.
Music Liste
Jenn Wasner (Flock Of Dimes)
10 All Time Favs
Mit ihrem Soloprojekt Flock of Dimes hat Jenn Wasner gerade ihr persönlichstes und zugleich substanziell weitreichendstes Album vorgelegt. Wir baten die Musikerin uns 10 Schallplatten zu nennen, die sie geformt, gebessert, gebildet haben.
Music Porträt
Gondwana Records
Seele und Charakter
Als DJ und Musiker wurde Matthew Halsall zum Labelbetreiber. Ausgehend von einem lokalen Fokus auf die Jazzszene Manchesters hat der Trompeter seinem Label Gondwana mittlerweile eine recht internationale Ausrichtung gegeben.
Music Kolumne
Records Revisited
Busta Rhymes – The Coming (1996)
Als vor 25 Jahren »The Coming« erschien, war Busta Rhymes kein Unbekannter mehr. Sein Solodebüt mit dem Hit »Woo Hah!! Got You All In Check« machte ihn zu einem der größten Rapstars seiner Zeit. Wie klingt das Album heute?
Music Kolumne
Records Revisited
Yellow Magic Orchestra – BGM (1981)
Winke für die Zukunft: Die japanischen Synthesizerzauberer des Yellow Magic Orchestra entwarfen auf ihrem vierten Album »BGM« eine Background Music für nachfolgende Generationen.
Music Kolumne
Records Revisited
Coil – Love's Secret Domain (1991)
Techno ist es nicht – doch hinterließ »Love’s Secret Domain« tiefe Furchen in der Clubmusik der 1990er Jahre und markierte für Coil jenen Wendepunkt, ab dem ihr Wirken eine neue Richtung einschlug. Das Projekt hätte es fast zerrissen.
Music Porträt
Die P
Die Messlatte höher legen
Sie ist das erste Signing des All Female*-Labels 365xx Records und veröffentlicht dieser Tage ihr Debüt »3,14«. Für Die P ist die Golden Era schlicht nachhaltig, Competition ist für sie Ansporn, besser zu werden. Ihr Ziel: Zeitlosigkeit.
Music Porträt
Important Records
Deep Listening Forever!
Ob Pauline Oliveros, Éliane Radigue, Alina Kalancea oder Caterina Barbieri: Seit 20 Jahren ist Important Records wie ein gut bestückter Plattenladen für aufregende Sounds – die beste Anlaufstelle für Musik, die intensiv gehört werden muss.
Music Kolumne
Aigners Inventur
März & April 2021
Die ganze Welt verarbeitet im März 2021 immer noch den März 2020, nur unser Kolumnist ist weiterhin auf der Suche nach Wrong-Speeder-Optionen. Aigners Inventur: Dub aus dem Abyss und durch die FFP2-Maske gerauchte Kippen.
Art Porträt
Vincent de Boer
Wie Jazz mit Pinseln
Der niederländische Künstler Vincent de Boer ist zu einem festen Bandmitglied der britischen Jazzer von Ill Considered avanciert. Er zeichnet Plattencover auf Basis der gehörten Grooves. Für »The Stroke« wurde der Prozess nun umgedreht.
Music Kolumne
Records Revisited
Dinosaur Jr – Green Mind (1991)
Viele Rockbands nehmen zu Beginn der 1990er Jahre ihre bis dahin besten Alben auf. Auch Dinosaur Jr. Während die Band selbst bei den Aufnahmen bereits auseinanderbricht, strotzt ihr viertes Album »Green Mind« vor Kreativität.
Music Porträt
Phew
Ein Leben gegen den Strich
Punk mit Aunt Sally, Synth Pop mit Sakamoto und experimentelle Musik solo und mit anderen: Die japanische Musikerin Phew sucht seit über vier Jahrzehnten die Fehler in der Musik, weil sich darin nur deren Möglichkeiten offenbaren.
Music Porträt
Far Out Recordings
Im Epizentrum der Brazil-Welle
Joe Davis ist der Lokführer, auf dessen Zug Mitte der Neunziger eine ganze Generation Brazil-affiner Producer aufsprang. Mit seinem Label Far Out Recordings wurde er zum weltweiten Statthalter brasilianischer Musikkultur.
Music Kolumne
Records Revisited
Carole King – Tapestry (1971)
Carole King wollte nie Popstar werden, sondern nur Songs schreiben. Weil sie das aber konnte wie niemand sonst, wurde sie es dennoch – mit »Tapestry«, ihrem Debütalbum aus dem Februar 1971.
Music Interview
Audio88 & Yassin
Der bessere Diss
Auf das verflixte fünfte Album von Audio88 und Yassin mussten Fans verflixte fünf Jahre warten. Im Zuge des Weltgeschehens ist es kein Wunder, dass sie radikaler auftreten als je zuvor. Ein Interview anlässlich des neuen Albums »Todesliste«
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
Madlib – Sound Ancestors
»Das erste Madlib-Album, das wirklich als Album gehört werden kann«, sagte Four Tet. – Das ist doch Schwachsinn, sagen unsere Kolumnisten. Sie fragen sich: Hat Madlib hier nicht einfach gemacht, was er immer gemacht hat – und…will man das?
Music Kolumne
Records Revisited
Jan Jelinek – Loop-Finding-Jazz-Records (2001)
2001 hing Jan Jelinek das Ego an den Nagel und lud seinen Sampler mit Klängen von Jazz-Platten auf, um daraus Loops zu basteln. Die liefen aneinander vorbei und bildeten Moiré-Effekte. Davon lebt die Magie von »Loop-finding-jazz-records«.
Music Interview
The Notwist
»Es ist immer ein Zurückkommen«
The Notwist sind wieder da. Sieben Jahre haben sich die Brüder Markus und Michael Acher Zeit gelassen, mit Cico Beck einen Ersatz für Martin Gretschmann gefunden, und einen Klang gefunden, der universeller ist als je zuvor. Ein Interview.
Music Kolumne
Records Revisited
Brian Eno & David Byrne – My Life In The Bush Of Ghosts (1981)
Ethno-Sampling als Pop: Mit ihrem Album »My Life in the Bush of Ghosts« landeten Brian Eno und David Byrne 1981 einen Innovationshit. 40 Jahre später klingt das selbstverständlich. Dafür ergeben sich andere Schwierigkeiten mit dem Ansatz.
Music Interview
Common
»Befreiung fängt im Kopf an«
Sein neues Album trägt den Namen »A Beautiful Revolution Pt.1«, erschien bereits im Oktober digital und in diesen Tagen wird es nun auch auf Vinyl veröffentlicht. Wir nutzten die Gelegenheit mit dem Rapper aus Chicago zu sprechen.
Music Porträt
Zoviet France
Fiebertraum vom Ende
Keine Namen, keine Gesichter, keine Tradition: Zoviet France wollten als anonymes Kollektiv Anfang der Achtziger die Antithese zum orthodoxen Kunstverständnis formulieren – und wurden dabei zu Kultfiguren wider Willen. Bis heute.
Music Liste
Aigners Inventur
Januar & Februar 2021
Ist es Gott? Ist es Hesse? Ist es Domian? Nein, es ist zum Glück einfach nur der Aigner. Der hat die Gardinen seit Wochen maximalst zugezogen und schickt uns die erste Inventur des noch fast unbefleckten neuen Jahres aus dem Kabuff.
Music Liste
Aaron Frazer
10 All Time Favs
»Introducing« heißt das erste Soloalbum von Aaron Frazer. Als Schlagzeuger von Durand Jones & The Indications ist er aber längst kein unbekannter. Musikalisch geht’s in die Sechziger. Uns sagt er, was ihn wirklich musikalisch geprägt hat.
Music Porträt
On The Corner
Banger für das Hinterzimmer
Mit seinem Label On the Corner Records serviert Pete Buckenham einen berauschenden Eintopf aus afro-futuristischen Jazz-Konzepten und zeitgenössischen Street Grooves und stößt er heute bereits die Pforten zum Sounduniversum von morgen auf.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 50 Albums
Sprechen wir es aus: Musik ist in Gefahr, weil sie nicht gemeinsam erlebt werden kann und weil ihre Macher*innen sich seit Monaten in einer existenziellen Krise befinden. Auf Schallplatte gab es dennoch einiges zu hören, wie diese 50 Alben.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 20 12inches
Tanzen war 2020 nicht wirklich. Aber die Vinyl 12" war trotzdem ein begehrtes Format. Und zwar für Musik, die von einer Zeit nach der Katastrophe träumt. Hier sind unsere Top 20. Einen Bonus in Form einer Vinyl 7" gibt’s obendrauf.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 50 Reissues
Früher war alles besser, das reden wir uns schon seit geraumer Zeit ein und seit zehn, fünfzehn Jahren versucht uns die Reissue-Industrie in dieser zur Weltanschauung geronnenen Vermutung zu bestätigen. Hier sind die Top 50 Reissues 2020.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 20 Compilations
Werkeinstiege zu Beverly Glenn-Copeland und Sade, DJ-Mixe von etwa Helena Hauff und Avalon Emerson, Würdigungen, Geschichtslektionen: Die Compilations in 2020 brachten Schwung in das pandemisch und politisch kriselnde Jahr.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 20 Tapes
Das angebliche Tape-Revival ist schon alt genug, als dass seine Heraufbeschwörung durch wiederverwertungsgeile Feuilletons selbst bald ein Revival feiern könnte. Sei’s drum: Diese zwanzig Kassetten haben uns 2020 das Leben gerettet.
Music Porträt
The Silhouettes Project
Protest aus dem Underground
Kosher und Eerf Evil gründeten das Silhouettes Project, um dem Londoner Untergrund Struktur zu verleihen. Ihr selbstbetiteltes Album entstand in gemeinsamen Sessions der britischen Alternative-Rap-Szene.
Music Kolumne
Records Revisited
Coil – Musick to Play in the Dark (1999)
Magie als Klang, der lunare Energien ansammelt: Mit dem im Jahr 1999 veröffentlichten Album »Musick to Play in the Dark« schufen die Elektronik-Esoteriker Coil ihre größten Hymnen an die Nacht. Jetzt wurde es endlich neu veröffentlicht.
Music Porträt
Sault
Black is …
Sault sind die inoffizielle musikalische Stimme der Black Lives Matter Bewegung. Voll radiotauglichem Soul und Jazz, hinter dem die längst überfällige Revolution steht.
Music Kolumne
Aigners Inventur
November & Dezember 2020
Das Virus? Nah, unser furchtloser Kolumnist fürchtet nur eines hinter jeder Straßenecke: Clueso. Aigner schmeißt sich in fiktive Nachtbusse und bückt sich n zu den REWE-Spaghetti runter, weil die von Barilla wieder weggepreppt wurden.
Music Kolumne
Records Revisited
The Pharcyde – Labcabincalifornia (1995)
Pioniere im Andersdenken. Vor 25 Jahren wurden die überdrehten Klassenclowns von The Pharcyde auf ihrem zweiten Album »Labcabincalifornia« zu zynischen Antihelden. Daran trug auch ein damals unbekannter producer namens J Dilla Schuld.
Music Porträt
Tidal Waves
Die Welle reiten
Eine kräftige Welle hat schon so manchen Schatz an Land gespült. So gesehen passt der Name, denn das belgische Reissue-Label Tidal Waves sucht, findet und veröffentlicht verlorengeglaubte Perlen der Musikgeschichte.