Music Kolumne | verfasst 25.07.2012
Aigners Inventur
Juni & Juli 2012
Letzten Monat im wohlverdienten Urlaub holt unsere Kolumnist vom Dienst das Verpasste nach und setzt sich mit der Veröffentlichungsflut, die die letzten beiden Monate brachten, auseinander.
Text Florian Aigner

Nas - Life is good CoverFind it at hhv.de: CD | LP Nachdem Kollege Okraj und ich in unserer letzten Kolumne Nas mal wieder so richtig auf den Leim gegangen sind, folgt nun die Probe auf’s Exempel. Natürlich ist »Life Is Good« nicht das beste Nas Abum seit »Illmatic«, natürlich waren die vorausgeschickten Leaks erneut besser als das Gesamtprodukt, natürlich haben sich auch dieses Mal wieder einige Katastrophen-Hooks und mediokre Beats eingeschlichen und natürlich ist Nas 38 und nicht 18 Jahre alt. Dennoch: »Life Is Good« ist ein solides Album, irgendwo im Mittelfeld der eigenen Diskografie einzuordnen, und so lange der technisch und lyrisch vielleicht beste Rapper aller Zeiten immer noch sporadisch Hymmen wie »Loco-Motive« oder »The Don« produziert, obwohl er seit 18 Jahren nichts, aber auch gar nichts, mehr zu beweisen hat, sollte man ihm doch ab und an zugestehen, dass er die Geister, die er rief, mal für 60 Minuten hinter sich lassen darf.
 

Frank Ocean - Channel OrangeFind it at hhv.de: CD | LP So, direkt zum schwierigsten Fall des Monats. Frank Ocean ist bisexuell. Das ist an und für sich vollkommen irrelevant, wie bereits an anderer Stelle diskutiert. Oceans romantisch-melodramatisches Coming-Out-Manifest, so persönlich es auch gewesen sein mag, sorgt nun aber merklich dafür, dass »Channel Orange« zu einem Meisterwerk verklärt wird, das es nicht ist. Natürlich gibt das wiederum keiner der emotional von »Deutschland sucht den Superstar« Storylines vernarbten Kollegen explizit zu, aber faktisch ist Oceans klassisch informierter R&B mehr Winehouse als Wonder, mehr The Weeknd als Babyface. Das ist nicht verkehrt, die Art und Weise wie »Channel Orange« jetzt aber zu einer der ganz großen Coming-Of-Age-Geschichten des modernen Abendlandes hochgejazzt wird, meist anhand von Zeilen, die poetisch nichtmal einen Zehntklässler vom Hocker reißen würden, ist fast unappetitlicher als diese scheinheilige Debatte um Homosexualität in einer hypermaskulinen Umwelt. Lasst es doch einfach sein, was es ist: ein manchmal unausgereiftes, aber angenehm ambitioniertes Neo-R&B-Album, das es mit etwas Glück noch schafft in die Rotation für den Herbst rübergerettet zu werden.
 

Cro Raop LPFind it at hhv.de: LP+CD | CD Ich wollte eine lange Abhandlung schreiben über Cro, ihn mit den neuen Ami-Fashionistas A$AP Rocky und Danny Brown vergleichen, minutiös seine Unzulänglichkeiten, sowohl als Rapper, als auch als Kunstfigur, dekonstruieren, mich über die erneute Fettes Brotisierung und Abihüttisierung des deutschen Rap-Spiels amüsieren und hervorheben, dass ich niemanden mit Personalausweis kenne, der Cro tatsächlich gut findet. Dann zwang ich mich »Raop« (lolmaoroflcopter, wie clever) tatsächlich aufmerksam zu hören. Fazit: »Raop« ist so unsagbar banal, so traurig talentfrei und substanzlos, so unlustig und scheiße, dass all das viel zu viel Aufwand wäre. Deutschland, komm’ zur Vernunft, schnell!
 

shurik'n coverFind it at hhv.de: CD | 2LP Vielleicht hilft gegen diese penetrante Pennäler-Lebensfreude ja das neue Album des notorisch schlecht gelaunten Shurik’N. Ähnlich wie Nas kämpft auch dieser mit dem eigenen Erbe, er schafft es auf »Tous m’appellent Shu« aber ganz respektabel die französische Shaolin-Ästhetik zu beerdigen, ohne in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden. Manchmal erinnert das an Prodigy und dessen Bemühungen der letzten Jahre und ähnlich wie dieser profitiert auch Shu immens von seinem Organ, das eben auch auf zeitgenössischen Synth-Beats bedrohlich und elegant zugleich klingt.
 

J Dilla rebirth coverFind it at hhv.de: CD Ich glaube wir sind uns einig, dass die Verwaltung des Dilla’schen Nachlasses bisher eher suboptimal war. Ein Umstand, der sich auch mit »Rebirth Of Detroit« nicht wirklich ändert. Auch hier schafft es kaum einer der größtenteils aus Detroit stammenden Rapper den Beats des Maestros wirklich gerecht zu werden. Seltsam auch, dass aus dem angeblich so umfangreichen Werk immer wieder Beats, die bereits auf den legendären J Dilla Beattape-Leaks aus dem Jahr 2005 bekannt sind, recycelt werden. Sich darüber zu beschweren mag undankbar sein, aber hatten wir uns im März 2006 nicht alle damit zu trösten versucht, dass wir die nächsten zwei Jahre jeden Monat, konservativ geschätzt, 30 neue Beats unserer Lichtgestalt hören würden?
 

House Shoes Let It Go LPFind it at hhv.de: CD House Shoes, der als Dilla-Spezl schon oft seine Unzufriedenheit mit den post mortem erschienenen Projekten geäußert hat, hat mit »Let It Go« ironischerweise ein Album gemacht, das genau die gleiche Problematik aufweist wie das besagte »Rebirth Of Detroit«. Mit einigen Ausnahmen gähnende Langeweile am Mikrofon, ein Umstand dem House Shoes immerhin dadurch Rechnung trägt, dass er die Instrumentals gleich beigelegt hat.
 

clams casino mixtape 2 Apropos Instrumentals: das absolut erstaunliche an Clams Casino ist ja nach wie vor, dass dessen häufig aus käsigen Dadrock-Compilations und Yoga-Soundtracks gesampelten Beats so grandios für sich stehen, dass auch das jüngst zum freien Download angebotene zweite Care-Paket ohne A$AP Rocky und Lil B fast so eindrucksvoll ist wie mit. Einige Exklusives gibt es obendrein, Geld will Clamsy auch keins, es gibt also keine Ausreden sich das nicht regelmäßig nach einer langen Nacht in die matschige Birne zu knallen. Audio-Aspirin – ein Genretag, den ich mir hiermit bitte patentieren lassen will.
 

El-P - C4C (cover)Find it at hhv.de: CD | 2LP Dass man sich nach einem El-P-Album auch eine Aspirin gönnen kann, ist durchaus nicht so böse gemeint wie es klingt. Auch »Cancer 4 Cure« ist eine Herausforderung, aber weder so verspult wie »Fantastic Damage«, noch so psychotisch wie »I’ll Sleep When You’re Dead«, dafür aber ein von gewohnt mächtigen Drums und gewaltigen Synthwänden getragenes Ventil für El-P sich auszukotzen, über alles und jeden. Und auch dieses Mal wird das dazu führen, dass ich mir sage: ein handwerklich extrem gelungenes Album für das ich nie in der richtigen Stimmung sein werde.
 

waka flocka triple fFind it at hhv.de: CD Der Weg von El-P zu Waka Flocka Flame ist gar nicht so weit wie man denkt. Natürlich würde sich letzterer nie Gedanken über häusliche Gewalt und politische Unsitten machen, aber allein schon der Energielevel seiner Delivery, gekoppelt mit den mächtigen Synthbrettern, ist Anlass genug für diese hanebüchene, Delling-inspirierte Überleitung. Doof nur, dass Waka mit Flockaveli alles gesagt – äh – gebrüllt hat, was zu sagen – äh – brüllen war. Sein neues Album »Triple F Life« beinhaltet mit »Rooster In My Rari« zwar eine wunderschöne Anleitung für den guten alten Bezumjot, aber irgendwie präferiere ich in dieser Nische mittlerweile doch den Swastika-Spastiker Gunplay.
 

Joey Badass – 1999 LP Eine andere Klientel bedient Joey Bada$$, der sich, noch nicht mal volljährig, ungeniert bei den Großen bedient und u.a. Instrumentals von Lewis Parker, J Dilla, MF Doom und Lord Finesse mit einer beeindruckenden Nonchalance geschmackvoll neuinterpretiert. Die nicht geborgten Instrumentals können da noch nicht ganz mithalten, dennoch ist »1999« ein weiteres gutes Beispiel für die nicht zuletzt von Kendrick Lamar wiederhergestellte neue, alte Ernsthaftigkeit im amerikanischen Rapspiel.
 

Smoke dza rugby Weniger existentialistisch rappt naturgemäß Smoke DZA, dessen Schluffigkeit in Verbindung mit dem momentan einen guten Lauf habenden Harry Fraud aber durchaus sympathisch wirkt. Wer Curren$y mochte und Devon The Dude auch nach zwei Dekaden immer noch gerne zuhört, sollte »Rugby Thompson« etwas Platz auf der Festplatte einräumen.
 

Peaking Lights - Lucifer LPFind it at hhv.de: CD | LP Eine andere Art von Ganja-Affinität demonstriert das bezaubernde Pärchen Peaking Lights auf ihrem dritten Longplayer »Lucifer«, auf dem sich die verwaschene Lo-Fi-Ästhetik, die beim Vorgänger »936« in teilweise sensationellen Psych-Perlen resultierte, zwar auch breit macht, aber fidelere Momente dennoch nicht ausschließt. Dub war mir als Zitat dennoch lieber als ASTA-Reggae, aber so lange die beiden weiterhin solch wunderschöne Liveshows spielen wie vor kurzem im Kölner King Georg, möchte ich nicht meckern.
 

Bobby Womack The Bravest Man In the UNiverse LPFind it at hhv.de: LP Ob Bobby Womack in fortgeschrittenem Alter eine Beziehung zu Mary Jane aufrecht erhält, ist mir nicht bekannt. Sicher hingegen ist, dass sich Damon Albarn mit seinem Co-Produzentenstatus für »Bravest Man In The Universe« einen weiteren Traum erfüllen konnte. Ähnlich wie Richard X zuvor für Gil Scott-Heron, wird Womacks unvergleichliches Organ hier nicht in klassische Retroballaden überführt, sondern mit einem modernen britischen Touch versehen, dabei jedoch stets ein angenehmes Understatement wahrend. Nach ersten Schwierigkeiten wächst das mächtig und »Please Forgive My Heart« ist jetzt schon einer der eindringlichsten musikalischen Momente des Jahres.
 

Laurel Halo Quarantine LPFind it at hhv.de: LP War Laurel Halos Debüt auf Hippos In Tanks noch so etwas wie semiautistischer Techno-Not-Techno, hat sich die eigenwillige Dame auf »Quarantine« völlig in ihre eigene Welt verkrochen. Die Stimme wird prominenter eingesetzt, mal in schrägem Björkschem Quietsch-Duktus, mal mit dem Selbstverständnis einer Kate Bush. Dazu dann häufig beatfreie Soundlandschaften, die stets so unbequem programmiert sind, dass sich keiner traut von Ambient zu sprechen. Gut, aber anstrengend.
 

Jahiliyya FieldsFind it at hhv.de: 2LP Fast noch schräger ist das, was Jahiliyya Fields auf ihrem Debüt für Ron Morellis wie immer großartig unvorhersehbares L.I.E.S. anstellt. Avantgardistische, häufig auf wenige Synthschlieren reduzierte Exkursionen, die sich noch weiter von funktionalistischen Überlegungen distanzieren als das bisherige, eh schon extrem eigenwillige Material auf einem der momentan aufregendsten Labels. Ach ja, heißen tut das Ganze mit »Unicursal Hexagram« auch noch wie ein verloren gegangener Foucault-Essay.
 

acid pauli sntFind it at hhv.de: LP Dass Acid Paulis Album in der kommenden Zeit intellektuell wesentlich höher gehängt werden wird als die Platten von Halo und Fields, lässt sich nicht nur auf dessen eigene musikalische Vita zurückführen, sondern auch auf den Umstand, dass »mst« auf Nicolas Jaars Label erscheint und dieser auch einen gewissen kreativen Einfluss auf das Endprodukt hatte. Ähnlich wie bei Jaars Album gilt aber auch: so querköpfig und originell ist das alles bei weitem nicht. Spaghetti-Western Samples hier, Tango trifft auf Mo’Wax Beats aus den Mitneunzigern, da ein schräges Saxofon, hier ein krummer Beat, alles schön langsam und mit vielen Wendungen. An sich ein gutes Album, aber ich möchte mir mal erdreisten zu sagen, dass sich dafür keiner interessiert hätte, wäre das vor zehn Jahren über Ninja Tune erschienen.
 

Darling Farah - Body LPFind it at hhv.de: 2LP Radikaler ist da schon der Soundentwurf, den Darling Farah auf »Body« präsentiert. Wie eine entschlackte und hochtourigere Version dessen, was Andy Stott mit seinem Doom House in den letzten 18 Monaten so eindrucksvoll kultiviert hat, programmiert der Brite seltsam transzendent wirkende Techno-Skizzen, die manchmal gar an den großen Techno-Nonkonformisten des Jetzt erinnern, den auch von mir so verehrten Actress. Das sollte Lob genug sein.
 

Cooly G Playin' Me LPFind it at hhv.de: CD | 2LP Auch schön: Cooly Gs erfreulich songlastiges Debüt »Playin Me«, auf dem sich die Neumutti nicht scheut ihre Stimme immer wieder in den Mittelpunkt zu stellen und erst gen Ende ihren shuffligen Trademark-Sound ausführlicher zu kultivieren. Das eigentlich Erstaunliche ist aber, dass genau diese Tanzboden-nahen Stücke nicht unbedingt zu den Höhepunkten zählen, sondern eher diese verhallten, getragenen Pop-Songs, die keine sein wollen. Zur Hölle, nichtmal das Coldplay-Cover saugt. Ausrufezeichen.
 

jam city curvesFind it at hhv.de: LP Ein klassisches Beispiel dafür, dass forcierte Emanzipation nicht immer eine gute Idee sein muss, ist »Classical Curves«, der erste Longplayer der verdienten Night Slugs Vorarbeiter Jam City. Zu viel gewollt und eine teilweise unhörbare Kakophonie an pseudo-avantgardistischen IDM-Bass-Stolperern fabriziert. So kann’s auch gehen.
 

I:Cube »M« Megamix Wesentlich besser stellt sich da I:Cube an, der in den späten Neunzigern einer der unterbewerteteren Filter-Franzosen war und auch dieses Jahr mit Pianos in Paradise bereits einen Track produziert hat mit dem diese ganzen Eierköpfe ihre Festival-Sets beenden sollten, wenn sie mehr Geschmack hätten. I:Cube legt nun sein neues Album direkt im Mixformat vor und exerziert auf »M’Megamix« mit traumwandlerischer Sicherheit aber dermaßen viele House-Spielarten durch, dass es eine wahre Freude ist.
 

chicago skyway wreckageFind it at hhv.de: 2LP Handwerklich ansprechend, aber irgendwie redundant triggert sich Chicago Skyway durch »Wreckage«, einem Album, das wiedermal Jack ein House baut, manchmal aber zur reinen 707-Fingerübung verkommt und so retrospektiv ist, dass man eher provoziert wird, den eh immer griffbereiteten Trax-Katalog auf die Teller zu packen.
 

orgue electronic strange paradise Oder aber das neue Album von Legowelt-Busenfreund Orgue Electronic, einem Analogfetischisten vor dem Herrn, der sich zwar ebenso wie Chicago Skyway mental nie aus dem Chicago der Mitachtziger verabschiedet hat, sein Vintage Gear teilweise aber so virtuos bedient, dass man das als Larry Heard Fanboy nur sehr schwer nicht lieben kann. Definitiv die Retro-Platte der letzten beiden Monate.
 

big strick dogsFind it at hhv.de: CD Nächster Halt: Detroit. Dort produziert der Mittvierziger Big Strick nach seinen Schichten als Busfahrer auch auf seinem zweiten Album die verdammt nochmal einzige echte Alternative zu Omar-S’ eigentlich konkurrenzlosem Œuvre. Wobei, Alternative muss man das nicht mal unbedingt nennen, sind die beiden doch bekanntermaßen Cousins und der Ältere (Leonard) hat dem Jungen (Alex) damals ja quasi den ganzen Kram beigebracht. Kein Wunder also, dass Resivior Dogs (sic) wieder ein essentielles Album in der ruhmreichen Historie dieser so speziellen Stadt geworden ist. Und das will was heißen, Kids!
 

san proper animalFind it at hhv.de: CD Erstaunlich schwach für Rush Hours Verhältnisse ist »Animal«, die Neue von San Proper, der offenbar ebenfalls den Drang verspürt hat für sein Album in die Trickkiste zu greifen. So lässt er seinen immer etwas sterilen, aber an sich soliden Tech-House Sound weit hinter sich, singt viel, krautrockt ein wenig und geht damit vor allem auch deswegen unter, weil genau das so viele Gitarrenjungs besser können. Und auch die Hedonisten-Pop-Alternative, die er alternativ versucht zu kultivieren, scheitert teilweise böse. Schuster bleib bei… ach, lassen wir das.
 

small people salty days Besser machen das die Smallpeople, auch wenn ich diese Hamburger House-Schule manchmal gerne schütteln würde. Das Herz am richtigen Fleck, aber immer eine Spur zu zurückhaltend, zu kalkuliert schön. Dabei wäre ein Bekenntnis zu rauen Ecken und Imperfektion eigentlich nur konsequent, so eindeutig wie sich Salty Days an der goldenen House-Ära orientiert. Aber das ist mit den heutigen technischen Möglichkeiten wohl häufig immer noch schwer zu vermitteln.
 

pawasFind it at hhv.de: 3LP Ach, ja, das Selbe gilt auch für Pawas. Der veröffentlichte dieser Tage eine umfangreiche Skizzensammlung alter Tracks, voll mit elegantem Deep House, aber auch er motiviert mich wieder nur dazu erneut Glass Eights aus dem Regal zu ziehen, jenes Album also, das diese ganze Dial und Smallville-Ästhetik genau so weiterentwickelt hat, wie ich das seit Anbeginn gerne gehabt hätte.
 

Soul Clap Efunk - The AlbumFind it at hhv.de: CD | 2LP An sich ist auch das, was Soul Clap versuchen durchaus honorig. Im Rahmen der Wolf & Lamb-Invasion für die B-Boy’ismen verantwortlich begnügen sich die beiden auf Efunk nicht mehr nur damit R&B-Schmonzetten auf 120 BPM hochzuschrauben und plakative Klassiker zu samplen, nein, die beiden Bostoner versuchen sich hier an einer eigenen Version zeitgenössischer Boogie-Kunst, hochgradig inspiriert von Prince natürlich und mit durchaus nicht uncharismatischen Gästen. Spannender als das x-te Floortool, aber insgesamt noch zu unausgereift, um eine echte Alternative zu den Originalen zu sein.
 

jamie jones cryptFind it at hhv.de: 2LP Genau ersteres macht dann erwartungsgemäß Jamie Jones auf »Tracks From The Crypt«, einer soliden Ansammlung funktionaler Techhouse-Tracks, die es ähnlich wie Jones’ Sets schaffen, eine gewisse Deepness vorzugaukeln und dennoch die Pillenfresser mit ordentlich Ufftata bei der Stange zu halten.
 

poolside standard pacific Dann lieber der entschleunigte Dolce Vita Pop von Poolside, die es auch dieses Jahr wieder schaffen, wie ein vertonter Liegestuhl zu klingen und in ihren DFA-geschulten Yacht-Habitus immer wieder überraschende Dance-Elemente einzubauen und selbst die 303 klingt hier wie eine Fango-Packung. Zu dieser Jahreszeit schon ein kleines Spektakel, diese Pacific Standard Time.
 

totally enormous extinct dinosaurs troubleFind it at hhv.de: LP | 2LP Wem das noch nicht genügt kann sich auch bei Totally Enormous Extinct Dinosaurus bedienen. »Trouble« ist cleveres Zitate-Raten, mal episch badebemantelt wie Poolside, mal den gesamten aktuellen Brit-Bass-Kanon verarbeitend. FM4-Girls, gestatten, euer neuer Lieblingsact.
 

Hot Chip In Our Heads LPFind it at hhv.de: CD | 2LP Vielleicht behalten diesen Titel aber auch Hot Chip, deren neues Album »In Our Heads« wieder total Hot Chip ist. Stagnation könnte man das nennen, aber dafür sind die Jungs einfach zu gut gelaunt. Bei mir hat das auf Albumlänge nie wieder so gut funktioniert wie auf »The Warning« und dennoch machen mich Human League B-Seiten immer noch glücklicher, aber irgendwie muss man sie trotzdem gern haben, diese Knuffelbären.
 

Twin ShadowFind it at hhv.de: LP Dafür habe ich jetzt etwas neues aus dem Intro/Pitchfork/Fingerimpoindiezoo-Kosmos adoptiert: Twin Shadow, dieser gelackte, arrogante Drecksack, der vom der gesamten Chuzpe her eigentlich mit The Weeknd verwandt sein MUSS, macht geilen Larger-Than-Life-80s-Kram, sexuell überstimuliert wie Prince und insgesamt genau so asozial, dass das tatsächlich doch irgendwie interessant ist, obwohl jener Prince, Morrisey, Bowie und alle in Patrick Batemans Walkman hausenden Kraftmeier das alles an sich schon besser gemacht haben und der Herr in seinen schlechten Momenten ein wenig klingt wie Arcade Fire im All-Inclusive-Urlaub. Sei’s drum, ich feier’ »Confess« mehr als ich je erwartet hätte. (Edit: Heilige Kuh, habe ich etwa tatsächlich den größten Hipster-Hype 2010 verpasst?!)
 

Sebastien Tellier My God Is Blue LPFind it at hhv.de: LP Ziemlich erschöpft hat sich für mich hingegen das Kunstprodukt Sebastien Tellier. Das wäre kein Problem, wenn er immer noch Songs vom Kaliber »La Ritournelle« aufnehmen würde, oder wie auf »Sexuality« zumindest ein so abstruses Konzept hätte, dass man dem großen Zampano folgen will. »My God Is Blue« erschöpft sich aber in getragenen Balladen und halbgaren, gitarrenlastigeren Midtemposongs. Naja.
 

r. kelly write me backFind it at hhv.de: CD Und gleich der nächste Berufswahnsinnige. Ich habe meinen Kells ja am liebsten mit schön viel Pathos und/oder komplett kaputt. Leider liefert »Write Me Back« beides nicht. Gleich zu Beginn versteigt sich R. Kelly in ungelenker Motown-Disco, bevor er sich durch für seine Verhältnisse erschreckend unanstößige Radio-Songs singt, in denen dieser grandios bekloppte Narzissmus und die ihm eigene Doppelmoral nie so recht zum Zug kommen. Handbremse lockern, Robert und ab in den Wandschrank. Real Talk!
 

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Music Kolumne | verfasst 17.05.2011
Aigners Inventur
April 2011
Zugegeben: es war nicht einfach neben den Marktschreiern der Wolf Gang in den letzten vier Wochen noch andere Stimmen zu vernehmen, aber bei genauem Hinhören gab es für die Musikindustrie doch noch ein Leben neben OFWGKTA.
Music Kolumne | verfasst 15.06.2011
Aigners Inventur
Mai 2011
Irgendetwas stimmt diesen Monat nicht. Was sich im Mai zur Kaffeefahrt verabredete, war im Schnitt älter als der AC Mailand. Und das ausgerechnet im Monat nach Goblin. Quo vadis, Mai?
Music Kolumne | verfasst 10.08.2011
Aigners Inventur
Juni/Juli 2011
Wer anfängt sich in seinem Liegestuhl zu langweilen, bekommt nun die Gelegenheit, die nächsten 15 Minuten mit unserem Scharfrichter vom Dienst und Casper, Wiley, Zomby, MCDE, fLako, den Junior Boys und Laurel Halo zu verbringen.
Music Kolumne | verfasst 19.10.2011
Aigners Inventur
September/Oktober 2011
Wie üblich macht unser Kolumnist vom Dienst auch in dieser Ausgabe vor großen Namen nicht Halt. So dürfen sich Phonte, Emika, James Blake, Radiohead und Apparat Watschen abholen. Warum es trotzdem ein guter Monat war, lest ihr hier.
Music Kolumne | verfasst 18.01.2012
Aigners Inventur
Januar 2012
Da hatte er schon auf einen verlängerten Weihnachsturlaub spekuliert und dann kamen ihm doch wieder massig Platten dazwischen. Auch diesen Monat setzt sich unser Kolumnist vom Dienst wieder kritisch mit der Release-Flut auseinander.
Music Kolumne
Records Revisited
Primal Scream – Screamadelica (1991)
1991 – was für ein Jahr für die Rockmusik. Die am 24.9.1991 veröffentlichten Alben von Nirvana, Soundgarden und Red Hot Chili Peppers haben Rock wieder populär gemacht. Aber »Screamadelica« von Primal Scream hat das Genre verändert.
Music Essay
Die Beat-Ära in der DDR
Feindliche Übernahme
Schallplatten des Amiga-Labels sind weit verbreitet. Neben Pressungen internationaler Stars war auch jede Menge Musik aus der DDR selbst auf Platte verewigt worden. Manches davon lohnt wiederentdeckt zu werden.
Music Interview
José González
Geschmack ist wie dein Po
2003 coverte José González den Song »Heartbeat« von The Knife und katapultierte sich gleich in die Herzen und Studierzimmer vieler Menschen. Mit seinem Album »Local Valley« strickt er weiter an seinem Mythos. Wir trafen ihn zum Interview.
Music Porträt
Loredana Berté
Irgendwie unvergleichlich
Loredana Bertè wird als »Königin des italienischen Rock« apostrophiert. Das greift nicht nur musikalisch zu kurz. Denn sie den Status quo nie repräsentiert, sondern als Außenseiterin aus Überzeugung wiederholt infrage gestellt.
Music Kolumne
Records Revisited
DJ Shadow – Endtroducing (1996)
Vor 25 Jahren erschien mit »Endtroducing« ein Hip-Hop-Album, das Björk mit Metallica und finnischer Fusion zusammendachte. DJ Shadow grub dafür im Keller. Und fand Gold. Dann schuf er ein Album, das aus der Zeit gefallen zu sein scheint.
Music Porträt
Sarah Davachi
Echo der Unendlichkeit
Intensität ist das Wort, das in den Sinn kommt. Bei ihrer Musik und bei ihren Sätzen. Ihr Sound fühlt sich an, als ob jemand mit einer Fingerspitze über die Seele streicht. Jetzt erscheint Sarah Davachi neues Album »Antiphonals«.
Music Porträt
Dais Records
Klang als Kollektion
Zwischen Experiment und Erwartung, Neuem und Altem wagt Dais Records seit Jahren den Spagat. Gibby Miller und Ryan Martin ziehen dort ihre Kreise, wo Linearität bewusste Störung erfährt – und treten so in die Fußstapfen großer Vorgänger.
Music Porträt
Leslie Winer
Der unbekannte Weltstar
Björk, Grace Jones, Boy George und Sinéad O’Connor zählen zu ihren Bewunderern. William S. Burroughs war ihr Mentor. Irgendwie hat sie auch Trip-Hop erfunden. Dennoch ist Leslie Winer heute nur Insdern bekannt. Das könnte sich jetzt ändern.
Music Porträt
DJ Koco
Guest Mix
Bei DJ Koco treffen atemberaubende Mixing-Skills auf eine Selection von ungeheurer Raffinesse. Kaum einer cuttet seine Breakbeats tighter ineinander als er. Das Verblüffendste: Der japanische DJ beschränkt sich in seinen Sets auf 7Inches.
Music Kolumne
Aigners Inventur
September & Oktober 2021
Keift und brummt sich wieder durch die Veröffentlichungen der letzten zwei Monate: Aigners Inventur, mit Bärlauch-Antipathie und Seerobben-Ehrfurcht. Dazwischen Alben von Flying Lotus, Erika De Casier, Space Afrika und Maxine Funke.
Music Kolumne
Records Revisited
John Coltrane – Africa/Brass (1961)
1961 markierte »Africa/Brass« den Anbruch eines neuen Zeitalters: Für John Coltrane war es der Beginn seiner Impulse!-Jahre, für viele afrikanische Staaten der Start in die Unabhängigkeit. Musikalisch war es sein ambitioniertestes Vorhaben.
Music Kolumne
Records Revisited
Björk – Vespertine (2001)
Mit »Vespertine« schien Björk Guðmundsdóttir das Versprechen ihres vorherigen Werks nicht einzulösen. Weil sie dieses Mal einen vollkommen anderen Ansatz wählte. Was »Vespertine« von 2001 zu einer ihrer besten Platten bis heute macht.
Music Porträt
Polo & Pan
Eklektisch in den Weltraum
Polo & Pan sind bereit abzuheben. Nachdem sie es mit ihrem kunterbunten Stilmix bis ins Hotelzimmer von Elon Musk schafften, blicken sie nun höheren Sphären entgegen. Die irdischen Fans beglückt das Duo derweil mit dem Album »Cyclorama«.
Music Liste
Durand Jones & The Indications
10 All Time Favs
Durand Jones & The Indications verbinden seit Ihrem Debüt vor fünf Jahren Vergangenheit und Zukunft des Genres. Jetzt erscheint ihr drittes Album »Private Space«. Zeit, um die Band nach den 10 Schallplatten zu fragen, die sie geformt haben.
Music Porträt
Conrad Schnitzler
Mitten im Durcheinander
Immer noch wird der 2011 verstorbene Conrad Schnitzler vor allem für seine Verbindung zu Kraftwerk oder Tangerine Dream wahrgenommen. Dabei steht sein beeindruckendes Werk genauso für sich allein, wie er Verbindungen herzustellen wusste.
Music Kolumne
Records Revisited
Main Source – Breaking Atoms (1991)
In mancher Hinsicht scheint »Breaking Atoms«, das Debüt von Main Source, ein Klassiker aus der zweiten Reihe geblieben zu sein. Doch die Produktion von Large Professor definierte einen Signature Sound für das Goldene Zeitalter des Hip-Hop.
Music Kolumne
Records Revisited
LFO – Frequencies (1991)
Die niederfrequenten Schwingungserzeuger LFO aus Leeds schufen mit »Frequencies« eines der ersten Techno-Alben. Ihre hohen Bleeps und tiefen Clonks haben Technogeschichte geschrieben. Bis heute kann, äh, muss man dazu tanzen.
Music Kolumne
Records Revisited
Funkadelic – Maggot Brain (1971)
Mit »Maggot Brain« begeben sich Funkadelic auf die dunkle Seite des Funk. Das triumphierende Lustprinzip wird mit dystopischer Eschatologie durchsetzt und stellt der Feier des Lebens eine beklemmende Endzeitstimmung zur Seite.
Music Kolumne
Aigners Inventur
Juli & August 2021
Hier wird nicht lange gefackelt und sogar auf halbgare UEFA-Gags wird verzichtet. Stattdessen wird im Sinne der Schallplatte gehandelt und an die 20 Vinyl-Scheiben werden zum Drehen gebracht.
Music Liste
Halbjahresrückblick 2021
50 best Vinyl Records so far
Das vergangene halbe Jahr hat gefühlt ganze fünf gedauert. Ein nie endender Winter, quälende Isolation. Und die Musik? Die lief weiter, auf unseren Plattenspielern. Diese 50 Schallplatten blieben dabei besonders im Gedächtnis.
Music Porträt
Hōzan Yamamoto
Meditation aus Improvisation
Über fünf Dekaden hinweg pushte er japanischen Jazz in spirituelle Sphären, ohne Kitsch oder Esoterik. Ansehen erntete er dafür vor allem in seiner Heimat. Bis heute gilt Hōzan Yamamotos Schaffen international als Geheimtipp.
Music Porträt
Hoshina Anniversary
Die Fusion von Techno und Jazz
Hoshina Anniversary macht Techno. Er selbst würde sich aber eher in der Nachfolge zu Jazz und traditioneller japanischer Musik verorten. Und damit ist der Tokioter nicht allein.
Music Essay
Jazz Kissa
Wo in Japan die Musik spielt
Sie bieten stilvollen Rückzug aus einer Welt, in der alle permanent hören. Und zelebrieren das Hören von Musik: Jazz Kissas sind Japans inoffizielles Kulturerbe. Der Journalist Katsumasa Kusunose dokumentiert sie nun.
Music Porträt
Hiroshi Suzuki
Der Unbekannte mit der Posaune
1976 hat der japanische Posaunist Hiroshi Suzuki ein Album aufgenommen. »Cat«, das sich weniger durch Perfektion als durch einen feinen Groove auszeichnet, ging dereinst ein wenig unter. Nun kannst du es wiederentdecken.
Music Essay
Small In Japan
Die Vinyl-Nation, die keine ist
Aufwändige Aufmachungen, audiophile Listening Bars und die meisten Plattenläden der Welt: Japan, ein Vinyl-Paradies? Jein. Das Medium spielt dort gar keine große Rolle. Unsere Kulturgeschichte der japanischen Musikindustrie.
Music Liste
Evidence
10 All Time Favs
Evidence ist Producer, Cratedigger und Rapper, und zwar einer, der in 15 Karrierejahren die Lust am Entdecken nie verloren hat. Jetzt erscheint sein Album »Unlearning Vol.1«. Wir fragten nach 10 Schallplatten, die ihn geformt haben.
Music Liste
Record Store Day 2021 – 2nd Drop
12 Releases nach denen du Ausschau halten solltest
Am 17.7.2021 findet nun der zweite Record Store Days in diesem Jahr statt. Auch dafür sind wieder mehrere Dutzend exklusive Releases angekündigt. Wir haben daraus abermals zwölf Schallplatten gepickt, die wir euch ans Herz legen wollen.
Music Kolumne
Records Revisited
The Smiths – The Queen Is Dead (1986)
Das 1986 veröffentlichte »The Queen Is Dead« ist der Höhepunkt der nur fünf Jahre und vier Studioalben währenden Karriere der britischen Band The Smiths. Es klingt auch nach so langer Zeit noch erfrischend eigenwillig.
Music Kolumne
Records Revisited
Porter Ricks – Biokinetics (1996)
Als Porter Ricks im Jahr 1996 das Album »Biokinetics« veröffentlichten, handelte es sich um mehr als nur eine um Zusatzstücke erweiterte Sammlung ihrer ersten 12inches. Sondern um den utopistischen Versuch, Dub Techno weiterzudenken.
Music Porträt
BBE Records
Influencer der Influencer
Peter Adarkwah ist der Grund, warum manches Life durch J Dilla gechanged wurde, das Roy Ayers einen zweiten Frühling erlebt hat und das japanische Jazz-Alben von Pitchfork rezensiert werden. In anderen Worten: BBE Music wird 25 Jahre alt.
Music Liste
Record Store Day 2021 – 1st Drop
12 Releases nach denen du Ausschau halten solltest
Am 12.6.2021 findet nun der erste von zwei Record Store Days in diesem Jahr statt. Allein dafür sind wieder mehrere hundert exklusive Releases angekündigt. Wir haben daraus zwölf Schallplatten gepickt, die wir euch ans Herz legen wollen.
Music Porträt
Portico Quartet
Guest Mix
»Terrain« heißt das neue Album der britischen Band Portico Quartet, dass in diesen Tagen auf Gondwana Records veröffentlicht wurde. Für uns hat Jack Wyllie von Portico Quartet in einem exklusiven DJ-Mix 60 Minuten Musik zusammengestellt.
Music Porträt
SSIEGE
Suche nach dem Endlosloop
Dicht gedrängt wandeln die Produktionen von SSIEGE an den Übergängen der Jahreszeiten und verschwimmen in ultragesättigten Bildern. Mit ihnen erzählt der Italiener ohne großes Brimborium von Träumen, die sich immer weiter wiederholen.
Music Kolumne
Records Revisited
Marvin Gaye – What's Going On (1971)
Muss man dies Album überhaupt in Erinnerung rufen? Eigentlich nicht. Aber man kann es immer wieder hören. Und es ist bis heute aktuell geblieben, im Guten wie im Schlechten. Marvin Gayes »What’s Going On« wird 50 Jahre alt.
Music Porträt
Seefeel
Musik im luftleeren Raum
Seefeel sind eine Zusammenkunft der Unwahrscheinlichkeiten. Seit fast 30 Jahren spielen sie zwischen den Stilen und befreit von kontemporären Referenzen. Ihr Sound ist bis heute unbegreiflich.
Music Porträt
Arsivplak
Vergangenheit, neu aufgelegt
Volga Çobans Label Arsivplak und das Edit-Projekt Arşivplak sind zwei Seiten derselben Medaille: Einerseits ist er Archivar von türkischem Funk, Disco, Pop, Rock und Jazz, andererseits wirft er ein neues Licht auf alte Klänge.
Music Kolumne
Records Revisited
Grace Jones – Nightclubbing, 1981
Nachtleben für Androiden: Grace Jones sorgte auf »Nightclubbing« mit einer der besten Rhythmusgruppen der Welt dafür, dass Reggae und New Wave im Pop der Achtziger neues Eigenleben entfalteten.
Music Kolumne
Aigners Inventur
Mai & Juni 2021
Die eine Konstante in der Ära von Impfneid, Merzismus und Notbremsenbeef: Aigners Inventur fühlt sich vier Minuten vor Beginn der Ausgangssperre verwegen, hält sich für den Nabel der Deutschrapwelt und kopiert sich nur selbst.
Music Liste
Crumb
10 All Time Favs
Seit ihrem Debüt 2019 gelten Crumb als eines der heißesten Feuer in der Musiklandschaft. Nun ist ihr neues Album »Ice Melt« erschienen. Die Gelegenheit sie nach 10 Schallplatten zu fragen, die sie geformt, gebessert und gebildet haben.
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
Scotch Rolex – Tewari
Ist es Hip-Hop? Ist es Metal? Ist es Dancehall? Ist es Musik, die du nicht raffen wirst? Ist es unfair, dass die Clubs geschlossen sind? Unsere Vinyl-Sprechstundler gehen gleichermaßen clubhorny wie verstört aus DJ Scott Rolex’ »Tewari«.
Music Interview
Adrian Younge
Sonische Geschichtsstunde
Mit »The American Negro« beginnt ein neues Kapitel in der Arbeit von Adrian Younge. Sie ist frontaler, politisch aufgeladener und selbstsicherer. Er will lehren. Wir hatten die Gelegenheit zu einem ausführlichem Interview.