Music Kolumne | verfasst 31.10.2012
Aigners Inventur
Oktober 2012
Auch diesen Monat setzt sich unser Kolumnist vom Dienst wieder kritisch mit der Release-Flut auseinander, selektiert, lobt und tadelt. Any given month. Dieses Mal u.a. unter der Lupe: Kendrick Lamar, Bat For Lashes, Andy Stott und Daphni.
Text Florian Aigner

Kendrick Lamar - good kid, m.a.a.d cityFind it at hhv.de:LP, CD und Deluxe Edition Eins vorweg: der Hype trifft nicht den Falschen. Kendrick Lamar ist ein bemerkenswerter Rapper. Introspektiv, aber dickeierig, klassisch geschult, aber weit weg von Duck Down, mit Westküsten-Chuzpe und Ostküsten-Schreibtalent. »Good Kid, M.a.a.d. City« ist jedoch kein perfektes Album und auch kein Album, das dem vollen Potential der größten Rap-Hoffnung der letzten Jahre gerecht wird, egal was uns die Rap-Presse und Fachfremde aktuell erzählen wollen. Ja, K. Dot verfolgt ein in sich schlüssiges Konzept, bricht den Erzählstrang aber unvermittelt nach 10 von 12 Tracks ab und tackert dann in der Deluxe Edition noch relativ lieblos thematisch nur bedingt anschlussfähiges Bonusmaterial an. Auch die so häufig gelobte Kohärenz ist nur bedingt vorhanden, Hit-Boys hypermodernes Boasting-Brett harmoniert so gar nicht mit der Zurückgenommenheit der ersten Albumhälfte und die Drake und MJB-Features wirken unangenehm konstruiert. Auch sind 10-Minuten-Epen schwer zu verdauen, sofern dort musikalisch bereits nach drei Minuten das Wichtigste gesagt ist. Natürlich ist Kendricks Major-Debüt ein wirklich erhabenes Album eines eleganten Stilisten, der einen immensen Gewinn für die Rap-Landschaft darstellt, wer sich jedoch nach all der medialen Gehirnwäsche verpflichtet fühlt Erweckungserlebnisse, wie zuletzt vielleicht bei Madvillain oder mit Abstrichen auch bei My Beautiful Dark Twisted Fantasy, haben zu müssen, könnte eventuell doch etwas enttäuscht sein. Und das wäre so unfair wie schade.
 

100s ice cold perm Leichter zu absorbieren ist 100s »Ice Cold Perm«, das Debütalbum eines dieser viel zu jungen Westküstenrapper, das jedoch so abgezockt klingt wie Kurupt anno 1996. Kein Wunder also, dass sich der akkurat gebürstete 19-Jährige für das Artwork direkt mal bei Tha Doggfather bedient und ein ausgesprochen beeindruckendes Gefühl dafür hat, sich Beats zu krallen, die gleichzeitig nach DJ Quick und Hud Mo klingen. Eine kleine Sensation, die, wie das heute halt so läuft, momentan noch auf Bandcamp versauert.
 

main attrakionz 2nd albumFind it at hhv.de: 2LP Bereits das zweite offizielle Album gibt es dieser Tage von den vor enigen Monaten noch so häufig als “Cloud Rap” (totestes Label seit “Witch House”?) verkannten Main Attrakionz. Fun Fact: jene beiden gastierten nicht nur auf Live Love A$AP, sondern featureten auf ihrem Debüt auch diesen 100s-Typen, von dem eben die Rede war. »Bossalinis & Fooliyones« ist in seiner abgeklärten 808-Obligatorik und dem ganzen purpurnen Hedonismus durchaus auch unterstützenswert, aber große Autoritätsfiguren am Mikro sind hier nur selten zu hören.
 

gorgeous children Wer von Lil Ugly Mane als der einzige Rapscheiß bezeichnet wird, dem er in den letzten Wochen Gehör geschenkt hat, bekommt von mir schon automatisch einen wuschigen Klick auf die – richtig – Bandcamp-Seite. Gorgeous Children ist ein, gar nicht arg sympathisch aussehendes, Duo, das auf seinem ersten Album bisweilen an die morbide Grundstimmung der ersten beiden Gravediggaz-Alben erinnert, oder an Illogic mit weniger Neurosen. Auch als Raider Klan Mitglieder Nummer 1034 + 1035 würden sich die beiden durchaus anbieten, auch wenn ihr Debüt dafür zu gewissenhaft gemastert wurde und der Südstaaten-Einfluss nur sehr rudimentär ausgeprägt ist. Sei es drum, das ist Gefrierpunkt-Hop und genau deswegen jetzt genau das Richtige.
 

Mellowhype 2012 Numbers CoverFind it at hhv.de: CD | 2LP Mellowhype werden niemals Odd Future Posterboys werden, dafür sind zum einen Tyler, Earl und natürlich Frank Ocean viel zu präsent, zum anderen aber auch weil Hodgy Beats und LeftBrain hierfür auch zu wenig herausfordern. Auch »Numbers« wird wieder zwischen Captain Murphy Spekulationen und Oceans Sommermemoiren verloren gehen, was zwar angesichts der durchaus vorhandenen Qualität, vor allem seitens der Produktion, etwas schade ist, aber auch logisch, wenn das einzige, was wirklich hängenbleibt die Tatsache ist, dass Mellowhype auch gerne ihre Kreuze umgedreht aufhängen und Frankie Oceans kurzes Gastspiel wieder ad infinitum auf Ein- und Zweideutigkeiten untersucht werden wird.
 

Sean Price Mic Tyson LPFind it at hhv.de: 2LP Es gab mal einen Zeitpunkt an dem ich von Sean Price genervt war, nicht weil er MySpace clever dafür nutzte als Callboy lieblose 16er an naive Wiggahz aus Ohio zu verchecken, sondern weil man den Eindruck gewann, dass er jede Punchline bereits zum dritten Mal benutzt. Nun lag genügend Zeit zwischen dieser Ära und »Mic Tyson«, so dass ich mich mittlerweile wieder genuin über Püüüüüs ignoranten Gags freuen kann. Auf der Produktionsseite vertraut Sean Price den üblichen Verdächtigen, was in einem naturgemäß überraschungsfreien Album resultiert, aber wenn ich mir diese Jahrtausendwenden-Ästhetik heute noch geben muss, dann am besten so wie hier.
 

prodigy bumpy Tendenzen zur Redundanz gibt es auch seit Jahren bei Prodigy, aber auch auf einem wirklich mediokren Album, was »Bumpy Johnson« ohne Zweifel ist, habe ich mein Fantum nicht so ganz im Griff. Das ist meilenweit entfernt von Return Of The Mac, H.N.I.C,, geschweige denn den Mitneunziger-Großtaten, aber frei nach Guru: diese Stimme und Präsenz, ey.
 

Brother Ali - Mourning In America & Dreaming In Color (2012)Find it at hhv.de: CD | 2LP »Mourning In America & Dreaming In Color« beweist vor allem eins: dass politischer Rap meist nur dann gut ist, wenn er das nicht explizit sein will. Brother Ali versteigt sich hier in teils hanebüchen plakative Poesiealbums-Sprüchen, die in ihrer Unreflektiertheit mindestens genau so peinlich sind wie die ach so verwerfliche Ignoranz seiner Mitbürger. Musikalisch geht das schon in Ordnung, die liebevoll produzierte Rhymesayers-Schule halt. Aber Ali sollte sich vielleicht wieder mehr mit seinem Innenleben beschäftigen, als zum Substitut für all jene befremdlichen TV-Prediger zu werden, die er selbst vermutlich verabscheut.
 

Vinnie Paz - God of the SerengetiFind it at hhv.de: CD | 2LP Lustiger ist Vinnie Paz, wenngleich natürlich unfreiwillig, Daddy. Wie immer vermischt sich mal hyperexplizite, mal kryptische Kriegsrhetorik mit Sample-Bombast und wie immer klingt Vinnie dabei wie Kool G Rap nach drei Bypass-Operationen, Faggot. Und auch wie immer, gibt es den ein oder anderen Gastvers oder überraschenden Beat-Beitrag, der den Karren für einige Minuten aus dem Dreck zieht, Son. Wie man »God Of The Serengeti« (Really, I mean, REALLY?!?) aber im entferntesten ernst nehmen kann, ist mir ein echtes Rätsel, Cousin.
 

xzibit napalmFind it at hhv.de: CD Mit ähnlichen Problemen hat Xzibit zu kämpfen. Zu viele Fishtanks wurden in die Fishtanks der Fishtanks gebaut, zu präsent ist X heute als West Coast Customs Gimmick. Dabei ist »Napalm« an sich gar nicht so schlimm, einigermaßen souverän passt sich das KFZ-Maskottchen an die heutigen Gepflogenheiten an und featuret sicherheitshalber von Wiz über The Game, B-Real bis zu E40 einfach mal die halbe Rap-Demographie. Natürlich kann und sollte man auch diesen Monat wieder 20 Alben den Vorzug geben, aber irgendwie tut er mir dafür fast zu sehr leid.
 

rza iron fistsFind it at hhv.de: 2LP Dass RZAs Tarantino-unterstütztes »The Man With The Iron Fists« seinen Detox-Status überwunden hat, ist mittlerweile bekannt. Auch in Unkenntnis der begleitenden Bilder funktioniert der begleitende Soundtrack schon recht gut, RZA verknüpft die klassische Morricone- und Schifrin-Schule gekonnt mit beatlastigeren Neubearbeitungen des afroamerikanischen Soul-Kanons. Zusätzlich wird es demnächst auch die Hip Hop Version des Soundtracks geben, auf der sich der Clan, Kanye, Pusha T, die Eastflatbush Zombies und viele weitere die Klinke in die Hand geben und auf Spagetti-Western-Samples mit rauem Duktus die Hand im Schritt verstauen.
 

Miles Bonny & Brenk Sinatra Supa Soul Sh*t LPFind it at hhv.de: CD | 2LP Extrem abgehangen und zeitlos bounct auch der von Brenk und Miles Bonny fabrizierte »Supa Soul Shit«. Brenk verschreibt sich hier dem reduzierten Rumms der ersten Slum Village Ära und manchmal, nur manchmal, gibt man sich der Illusion hin, dass so auch das notwendige Steve Spacek und Dilla Album hätte klingen können. Das wiederum sind dann, das gesamte S3 Album nüchtern betrachtet, zuviel der Lorbeeren, aber dennoch: das ist schon wirklich gelungene Erwachsenenunterhaltung.
 

Two Fingers - Stunt Rhythms LPFind it at hhv.de: 2CD | 3LP Bei Amon Tobin freut man sich hingegen richtig, wenn er mal diesen ganzen apokalyptischen Collagen-Kram beiseite legt und sich mit seinem Buddy Doubleclick als Two Fingers im tanzflurkompatiblen Bass-Sumpf austobt. Auf »Stunt Rhythms« verzichten die beiden im Gegensatz zum Debüt fast komplett auf Gastvokalisten, einzig auf der Bonus CD kommen unter anderem Peedi Crakk und Lady Pharroh zu Wort. Das macht allerdings gar nichts, weil Tobin, der alte Wall-Of-Sound-Maniac, selbst reduzierte Grime-Instrumentals so fett klingen lässt, dass gesprochene Worte nur ablenken. So springen die beiden wild zwischen Terror Danjah, Rustie, Baauer und was gerade noch so im gediegenen Tempo den klassischen Grime und Trap Neon anstreicht und stets hat man das Gefühl, dass das selbst auf Zimmerlautstärke die Veltins Arena zerbersten würde. Ach ja, der Hit heißt Smurf und klingt wie Hit-Boy auf Steroiden. Kann man machen.
 

Pangaea Release LPFind it at hhv.de: CD | 2LP Pangaea bleibt unterdessen der Trickster der Brit-Bassler. »Release« ist nun de facto das Albumdebüt des Hessle Audio Co-Chefs, auch wenn er das selbst anders sieht und »Release« als EP tituliert. Das jedoch ist völlig nebensächlich, das eigentlich interessante bleibt, dass Pangaea auch hier wieder keinerlei Erwartungshaltungen bereit ist zu erfüllen. Die halbe Insel schwenkt gen geradlinigen Techno? Pangaea begrüßt uns mit Missy Elliott. Alle streuen herzschmerzige R&B-Samples in ihre neoklassizistischen House-Banger? Pangaea klöppelt uns mit 145 BPM Jungle die Sentimentalität aus den Ohren. Half-Step ist verboten? Pangaea erhöht gefühlt auf Quarter-Step. Und genau das macht ihn unverzichtbar, auch wenn nicht jede dieser querköpfigen Ideen zündet.

oneohtrix reneFind it at hhv.de: LP Es klingt wie ein Oxymoron, aber auch Oneohtrix Point Never erfüllt die an ihn gesetzten Erwartungen, in dem er sich mal wieder komplett verweigert. Gemeinsam mit Rene Hell setzt er uns eine Split-LP vor, auf der er sich zunächst durch zahllose irritierende Schnipsel hackt, um Rene Hell dann Platz zu machen, der eine elegische Suite programmiert, die mit der A-Seite nichts zu tun hat. Komisch, komisch, aber das muss so sein.
 

Andy Stott - Luxury ProblemsFind it at hhv.de: CD | 2LP+CD Derweil trifft sich Andy Stott mit der Piano-Lehrerin seiner Jugend und produziert mit dieser ad hoc direkt mal das beste Portishead Album seit – genau – dem letzten Portishead-Album. Stotts in Zeitlupe kriechende, verhuschte Techno-Skizzen aus den vergangenen Jahren klingen nicht mehr ganz so nach dem jüngsten Gericht, aber von Yoga-Kursen und Starbucks ist er immer noch meilenweit entfernt, nicht zuletzt weil seine Stücke trotz oder auch mit Vocals von ihren Brüchen leben. »Luxury Problems« lebt dann auch von der Dynamik des abseitigen Produzenten, der sich auf seine verschrobene Art mit den Konventionen des Instruments ‘Gesang’ auseinandersetzt und daraus ganz andere Schlüsse zieht als beispielsweise ein Bonobo oder Massive Attack. Für mich ein Highlight der dunklen Jahreszeit.
 

elbee bad rhFind it at hhv.de: 2LP Auch ein Highlight: die nächste Rush Hour Reissue/Compilation, auch wenn Elbee Bad mit seinem verschwitzten, klassischen Chicago House nur bedingt Sprühregen-kompatibel ist. Trotz des gewichtigen Titels »The Prince Of Dance Music: The True Story Of House Music« nicht ganz so epochal wie das Lebenswerk der Gebrüder Burrell und auch die lange angekündigte Romanthony Compilation wäre noch einen Tacken erektionsinduzierender gewesen, aber als Geschichtsstunde über einen der seltenst genannten Künstlern im Jack-Kontext ist das dennoch längst überfällig und essentiell.
 

Daphni - JialongFind it at hhv.de: CD | 2LP Caribous Entwicklung hin zum Vollzeit-Houser ließ sich schon mit dessen letztem Album erahnen, »Jialong« ist also irgendwo auch der Kulminationspunkt einer längeren Entwicklung. Auch als Daphni vergisst Caribou freilich eingängige Melodien nicht, wie der großartige und mittlerweile allerorts fies durchgenudelte Opener beweist und auch die zunächst eher als Edits präsentierten ersten Daphni-Tracks waren noch schüchterner in ihrem Funktionalitätsdenken. Die nun vorliegende Langspielrille ist dann aber unterm Strich ein relativ konservativ gestricktes House-Album, mal mit Acid.Referenzen, mal ready for the Mainfloor, aber irgendwie auch nicht mehr so charmant wie Dan Snaiths Übergangsphase vor 1-2 Jahren.
 

Michael Mayer - MantasyFind it at hhv.de: 2LP Ach Köln, man muss dich so gern haben. Die Nummer 250 im Kompakt-Katalog hast du selbstredend für Michael Mayer reserviert und der dankt mit einem fokussierten Album, das mit Roses einen derart fragil schönen Hit hat, dass sämtliche Galleristinnen bereits nach 90 Sekunden ihr Höschen wechseln müssen. Später dann Ansatzpunkte an Electro im klassischen Sinn, dann wieder nerdiger Hot Chip Pop mit Planet Rock Breaks, Gezwitscher im Baumhaus, Käse und die ein oder andere größere Geste. Dafür, dass diese Kompakt-Ding schon so häufig für tot erklärt wurde ist »Mantasy« wieder eine solide Sache geworden.
 

blackbelt andersen 2Find it at hhv.de: 2LP So kölsch Mayer ist, so skandinavisch ist Blackbelt Andersen. Auf seinem zweiten Album, versehen mit einem wenig subtilen Cover, rührt Andersen diesen von Lindstrom und Co. vor einer gefühlten Ewigkeit gekochten Brei ein wenig um, verändert die Zutaten jedoch nicht. Krautrockiger Neo-Disco-Sound mit prominent gemischten Vintage-Synths und so vielen Melodien, dass man tatsächlich eher geneigt ist von “Songs” als “Tracks” zu sprechen. Das schmeckt nach längeren Auszeiten immer noch ganz gut, aber die Euphorie mit der man als Kind Miracoli verspeist hat, ist auch hier nicht mehr vorhanden.
 

bat for lashes 3rd albumFind it at hhv.de: 2LP Meine Zurückhalting bezüglich großer Indie-Pop-Sensationen ist wohldokumentiert, aber Bat For Lashes mag ich immer noch. Das dritte Album von Fräulein Khan ist, vom übergeschnappten Cover, über die Melodramatik des Openers und “Laura”, die Verspieltheit von “A Wall” bis zur krystallinen Verspultheit von “Deep Sea Driver” auch wieder eine gute Sache geworden.
 

Cat Power - SunFind it at hhv.de: 2LP Und weil ich Cat Power irgendwie auch nichts übel nehmen kann, erteile ich direkt auch noch gönnerhaft »Sun« die Absolution, auch wenn dort nichts geschieht, was man nicht schon in ähnlicher Form besser von Madame Power gehört hätte. Und um noch eine Prise trivialen Chauvinismus unterzukriegen: sie hat die Haare wieder so schön.
 

Tame Impala - Lonerism Cover Find it at hhv.de: CD | 2LP Die Haare so gar nicht schön haben Tame Impala, aber in Australien scheint dieses Björn Borg Ding auch konsensfähiger zu sein. Dazu gibt es leicht psychedelischen Surf-Pop mit Prog-Piano und lauten Drums. Mir deutlich zu harmlos, aber anscheindend findet man die dieses Jahr wohl gut, spätestens wenn sich Audi oder Fanta einen der gefühlten 10 Hits auf »Lonerism« krallt.
 

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Das angebliche Tape-Revival ist schon alt genug, als dass seine Heraufbeschwörung durch wiederverwertungsgeile Feuilletons selbst bald ein Revival feiern könnte. Sei’s drum: Diese zwanzig Kassetten haben uns 2020 das Leben gerettet.
Music Porträt
The Silhouettes Project
Protest aus dem Underground
Kosher und Eerf Evil gründeten das Silhouettes Project, um dem Londoner Untergrund Struktur zu verleihen. Ihr selbstbetiteltes Album entstand in gemeinsamen Sessions der britischen Alternative-Rap-Szene.
Music Kolumne
Records Revisited
Coil – Musick to Play in the Dark (1999)
Magie als Klang, der lunare Energien ansammelt: Mit dem im Jahr 1999 veröffentlichten Album »Musick to Play in the Dark« schufen die Elektronik-Esoteriker Coil ihre größten Hymnen an die Nacht. Jetzt wurde es endlich neu veröffentlicht.
Music Porträt
Sault
Black is …
Sault sind die inoffizielle musikalische Stimme der Black Lives Matter Bewegung. Voll radiotauglichem Soul und Jazz, hinter dem die längst überfällige Revolution steht.
Music Kolumne
Aigners Inventur
November & Dezember 2020
Das Virus? Nah, unser furchtloser Kolumnist fürchtet nur eines hinter jeder Straßenecke: Clueso. Aigner schmeißt sich in fiktive Nachtbusse und bückt sich n zu den REWE-Spaghetti runter, weil die von Barilla wieder weggepreppt wurden.
Music Kolumne
Records Revisited
The Pharcyde – Labcabincalifornia (1995)
Pioniere im Andersdenken. Vor 25 Jahren wurden die überdrehten Klassenclowns von The Pharcyde auf ihrem zweiten Album »Labcabincalifornia« zu zynischen Antihelden. Daran trug auch ein damals unbekannter producer namens J Dilla Schuld.
Music Porträt
Tidal Waves
Die Welle reiten
Eine kräftige Welle hat schon so manchen Schatz an Land gespült. So gesehen passt der Name, denn das belgische Reissue-Label Tidal Waves sucht, findet und veröffentlicht verlorengeglaubte Perlen der Musikgeschichte.
Music Kolumne
Records Revisited
Four Tet – There Is Love in You (2010)
Als Four Tet Anfang 2010 das Album »There Is Love in You« veröffentlicht, muss er der Welt nichts mehr beweisen und setzt sich einem retromanischen und verbissenen Zeitgeist mit einem gerüttelt Maß Glückseligkeit entgegen.
Music Kolumne
Records Revisited
GZA – Liquid Swords (1995)
Vor 25 Jahren säbelte GZA sein erstes Solo-Album innerhalb des Wu-Tang-Universums raus, boxte im Schatten von Shaolin-Kriegern und machte seine Gegner mit Lines einen Kopf kürzer. Das Ergebnis nannte sich »Liquid Swords«.
Music Porträt
Mort Garson
Musik für Pflanzen und Menschen
Er war an über 900 Liedern beteiligt, erreichte Platz 1 der Billboard Charts, doch Mort Garsons heutiger Ruhm beruht auf einer Begegnung mit Bob Moog, den er überredete, ihm einen seiner Synthesizer zu überlassen. Eine Wiederentdeckung.
Music Kolumne
Records Revisited
Pet Shop Boys – Behaviour (1990)
»Behaviour« ist das Pet Shop Boys-Album schlechthin. Reflektierte Texte, die schon damals bewährten Hymnen-Melodien und Harold Faltermeyers analoge Produktion verschmolzen zu einem Klassiker, der keinen Staub ansetzen will.
Music Porträt
Dark Entries
Zwischen Disco, Goth und Porno-Soundtracks
Seit 2009 betreibt Josh Cheon sein Label für Undergroundiges aus den 1980er Jahren und solches, das es werden will. Nächstes Jahr wird er über 300 Schallplatten dort veröffentlicht haben. Wir stellen euch das Label aus San Francisco vor.
Music Interview
Makaya McCraven
»Ich grabe Sound aus«
Makaya McCraven ist einer der Jazzmusiker dieser Tage. Nicht nur seine Heimatstadt Chicago, sondern die ganze Welt scheint sich an dem freien Umgang mit dem Jazzerbe in seiner Musik zu inspirieren. Wir hatten die Chance zum Interview.
Music Liste
Record Store Day 2020 – 3rd Drop
12 Releases nach denen du Ausschau halten solltest
Am 24.10.2020 findet nun der dritte von drei Record Store Days in diesem Jahr statt. Dafür sind wiederum mehr als 120 exklusive Releases angekündigt. Wir haben daraus zwölf Schallplatten gepickt, die wir euch ans Herz legen wollen.
Music Porträt
Sade
Magie ohne Mysterium
Mit dem Box-Set »This Far« wird das Gesamtwerk von Sade neu veröffentlicht. Viel ist das nicht. Aber Sängerin Helen Folasade Adu ist nicht nicht nur der größte Superstar, der nie einer werden wollte – sondern singt nur, wenn sie es will.
Music Kolumne
Records Revisited
Godspeed You! Black Emperor – Lift Your Skinny Fists Like Antennas To Heaven (2000)
Das zweite Album des Projekts Godspeed You! Black Emperor ist ein Werk voller Widersprüche und Zweifel. Vor allem liefert es den Soundtrack zur Komplexität menschlicher Existenz im aufkeimenden Dogmatismus.
Music Porträt
Derya Yıldırım
Im Namen der Menschlichkeit
Für Derya Yıldırım ist Musik in erster Linie Ausdruck menschlicher Beziehungen. Mit der Grup Şimşek verbindet sie die Musik ihrer anatolischer Heimat mit unzähligen anderen Klängen und Melodien, die die Menschen erden.
Music Essay
A Journey Into Turkish Music
Gastarbeiter*innen Musik
Parallel zur Genese des Anadolu Pop entwickelt sich in der BRD eine virile Infrastruktur. Diese »Gastarbeitermusik« hat das öffentliche Bewusstsein stets nur gestreift. Der wirtschaftliche Austausch hätte ein kultureller sein können.
Music Essay
A Journey Into Turkish Music
Anadolu Pop
Altın Gün, Derya Yıldırım & Grup Şimşek oder Gaye Su Akyol: mehr und mehr Bands beziehen sich wieder auf den Sound des Anadolu Pop, der sich in den 1960er Jahren in der Türkei formierte. Aber ist es ein Revival? Wir klären auf.
Music Kolumne
Records Revisited
Mouse On Mars – Iaora Tahiti (1995)
Mit ihrem zweiten Album »Iaora Tahiti« haben Mouse On Mars schließlich den letzten überzeugt, dass schlaue Electronica in den Neunzigern durchaus auch aus good ol’ Germany kommen kann. In diesen Tagen wird das Album 25 Jahre alt.
Music Kolumne
Records Revisited
Radiohead – Kid A (2000)
Zwischen Bigotterie und Blasphemie liegt oft nur »Kid A«. Das vierte Album von Radiohead erschien am 2. Oktober 2000, tauschte Gitarren gegen Synthesizer – und begann mit einem Fehler.
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
Tolouse Low Trax – Jumping Dead Leafs
Der Mann, der einen Sound geprägt hat, ist zurück mit einem Langspieler. Die drei Männer, die nichts geprägt haben, sind zur Stelle, um sich über ihn zu unterhalten. Das ist natürlich eine tolle Sache.
Music Liste
Record Store Day 2020 – 2nd Drop
Weitere 12 Releases nach denen du Ausschau halten solltest
Am 26.9.2020 findet nun der zweite von drei Record Store Days in diesem Jahr statt. Dafür sind wiederum mehr als 150 exklusive Releases angekündigt. Wir haben daraus zwölf Schallplatten gepickt, die wir euch ans Herz legen wollen.
Music Interview
Action Bronson
»Nichts könnte mich davon abhalten, mein Leben zu lieben«
Action Bronson meldet sich zurück. Das ist erstaunlich, denn die Musik ist nur ein Teil im Leben des New Yorkers, der auch Maler, Tänzer, Olivenöl-Tester, Schauspieler und anderes ist. Wir hatten die Gelegenheit zu einem Gespräch.
Music Kolumne
Records Revisited
Kate Bush – Hounds Of Love (1985)
Auf ihrem selbstproduzierten, fünften Studioalbum erklimmt Kate Bush den Gipfel ihres Autoren-Art-Pops. Ihre Synthese von digitaler Klanggestaltung und Folk-Elementen zeitigt ein Album, das einem Jahrhundertroman gleichkommt.
Music Porträt
Melody As Truth
An der Schwelle von Sound und Stille
Mit seinem Label Melody As Truth bewegt sich Jonny Nash zwischen Balearic und Ambient. Die Reise führt von New Age zu einer neuen Art von Weltkammermusik. Er selbst spricht vom »Erforschen von Raum und Timing«.
Music Kolumne
Aigners Inventur
September & Oktober 2020
Der Sommer ist vorbei, die Welt ja sowieso, da wird selbst unser Kolumnist emotional. Er gibt seinem Haustier einen Namen und legt sich zu Enya in die Badewanne. Aigners Inventur ist zurück. Ganz, ganz wild.
Music Porträt
Larry Heard
Von der Luftgitarre zur Clubhymne
Larry Heard gilt als einer der Gründungsväter von Chicago House. Mit »Can You Feel It« prägte er das Antlitz von Deephouse. Stets blickte er über den Tellerrand der Clubmusik hinaus. Begonnen hat er seine Karriere jedoch als Luftgitarrist.
Music Kolumne
Records Revisited
Aesop Rock – Float (2000)
Statistisch gesehen ist Aesop Rock der eloquenteste unter allen Rappern. Stilistisch gesehen musste er zuerst behaupten, um im Feld der elaborierten Hip-Hopper zu etablieren. Dahingehend war »Float« von 2000 eine erstes Ausrufezeichen.
Music Interview
Kelly Lee Owens
»Wir verkörpern Emotionen«
Mit »Inner Song« veröffentlichte die walisische Musikerin ihr zweites Album, das mit einer Hand die Tränen nach dem Closing-Set aus den Augen wischt und mit der anderen das Fenster in den Alltag aufstößt. Ein Gespräch.
Music Liste
Harmonious Thelonious
10 All Time Favs
Mit »Plong« rüttelt Stefan Schwander an den Grundfesten der Clubmusik. Sein neues Solo-Album als Harmonious Thelonious lässt Alltagsgeräusche ein unheimliches Eigenleben entwickeln. Uns hat er erzählt, welche 10 Platten ihn geformt haben.
Music Interview
Nubya Garcia
Verwobene Erinnerungen
Die Saxophonistin Nubya Garcia ist Teil der regen Londoner Jazzszene. An ihrem Instrument ist sie eine der energetischsten Musikerinnen der Welt. Ansonsten ruht sie in sich. Sie ist so cool, wie die Musik, die sie spielt. Ein Interview.
Music Porträt
Pierre Schaeffer
In allem steckt Musik
Lange Zeit war es kaum vorstellbar, dass Musik durch anderes als Instrument und Stimme entstünde. In den Händen Pierre Schaeffers jedoch wurde der Tonträger zur Basis der Komposition. Vor 25 Jahren starb der Pionier der elektronischen Musik
Music Liste
Record Store Day 2020 – 1st Drop
12 Releases nach denen du Ausschau halten solltest
Am 29.8.2020 findet nun der erste von drei Record Store Days in diesem Jahr statt. Allein dafür sind mehr als 350 exklusive Releases angekündigt. Wir haben daraus zwölf Schallplatten gepickt, die wir euch ans Herz legen wollen.