Music Bericht | verfasst 12.02.2013
Unknown Mortal Orchestra
Live am 8.2. im Prince Charles in Berlin
Von den späten Beatles und The Kinks bis hin zu Jimi Hendrix und Black Sabbath gab alles das zu hören, was das Retromanen-Herz begehrt. Unknown Mortal Orchestra setzen dennoch nicht auf bloße Nostalgie.
Text Patrick Cavaleiro , Fotos Patrick Cavaleiro
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In der Musik wird schon lange kopiert, übernommen, zitiert. Amy Winehouse sang und soff sich mit einem Sound in den Tod, dessen erklärtes Ziel es war, wie die zahlreichen Bands des Northern Soul zu klingen. Celebral Ballzy aus Brooklyn hätten vor dreißig Jahren locker für Black Flag eröffnen können und das britische Synthpop-Duo Hurts hätte auch in den 1980er Jahren düstere Mädchenherzen gebrochen. Die einen machen das, um ihren großen Vorbildern zu huldigen, andere packen noch eine Portion Ironie hinzu. Gemeinsam haben sie alle, dass sie so früher oder später den kreativen Geist zeitgenössischer Popmusik zerstören. Frustriert wenden sich Musiker davon ab, zu experimentieren und erliegen der Versuchung, einfach genau das zu wiederholen, was andere vorher auch schon gemacht haben. Musik als solche muss sich in ihrer Gesamtheit selbstverständlich nicht ständig komplett neu erfinden, doch damit Neues entstehen kann, muss eine Entwicklung vonstatten gehen. »Das hat es doch alles schon gegeben« und »das klingt genau wie«… was haben wir uns als Kinder von den Eltern nicht alles über »unsere Musik« anhören müssen – nun ja, sie hatten Recht. Auch das amerikanisch-neuseeländische Trio Unknown Mortal Orchestra muss sich den Vorwurf gefallen lassen, zu eindeutig von den alten Zeiten zu kopieren. Auf ihren Alben wird das schon sehr deutlich, im Live-Kontext noch deutlicher. Sänger und Gitarrist Ruban Nielson gniedelt am vergangenen Freitag beim exklusiven Showcase im Prince Charles in bester Hendrix-Manier Soli vom Griffbrett. Es gab von den späten Beatles und Kinks bis hin zu Black Sabbath alles das zu hören, was das Retromanen-Herz begehrt. Was bloß den großen Unterschied macht, ist, dass Ruban Nielson eben auch das große Talent besitzt, seinem Unknown Mortal Orchestra atemberaubende Songs auf den Leib zu schneidern, die sich zwar des Stilmittels bedienen, »alt« zu klingen, allerdings nicht ohne den Sound um die eigenen Ideen und Melodien zu erweitern. Somit erstickt die Band die Diskussion um die »Retromanie« (Simon Reynolds hat bekanntlich darüber im vorletzten Jahr ein ganzes Buch geschrieben) im Keim und zeigt, dass ihr Sound durchaus 2013 ist. Nach dem Konzert hat sich jedenfalls keiner beschwert.

Die Musik von Unknown Mortal Orchestra findest du bei hhv.de.
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