Art Interview | verfasst 16.04.2013
Erik Kirtley
Bloß kein beständiger Stil
Manchmal entscheidet nicht die Musik darüber, ob man eine Platte lieber kauft oder herunterläd – sondern das Artwork. Damit kommt dem Gestalter des Covers eine nicht unerhebliche Rolle zu. Erik Kirtley ist so einer.
Text Pippo Kuhzart
Rubriken_sticker_detail_09 Seine Leidenschaft galt dem Musikhören, sein Talent lag im Gestalten: Artwork für Platten zu entwerfen war für Erik Kirtley eine natürliche Entwicklung. Mit seinen Artworks versucht er zu verbildlichen, was er fühlt, wenn er das jeweilige Werk hört. Doch wie genau führt ihn die Musik zum Plattencover und was wäre eigentlich, wenn er für David Guetta ein Artwork gestalten müsste? Die Antwort des Studenten der School Of Design And Craft in Göteborg ist, wer hätte es gedacht, denkbar simpel.

Dein bekanntestes Artwork ist das Albumcover für die Zusammenarbeit von Teams und Star Slinger. Nehmen wir das als Beispiel: Wie lässt die Musik deine Designs entstehen?
Erik Kirtley: Ich habe das Artwork für diese EP in einer Zeit entworfen, in der ich v.a. mit »Retro«-Fotografie und Fotomontagen gearbeitet habe. Ich habe viele Fotos und Texturen von alten Magazinen und Büchern eingescannt, um später Montagen und Collagen damit zu machen. Und da die Samples auf der EP von Soul- und R&B-Songs aus den 1970er und 1980er Jahren stammen, passte diese Retro-Ästhetik zu der Stimmung der Musik. Das finale Artwork war schließlich eine Doppelbelichtung eines Fotos von einer haitianischen Frau und dem Foto eines Diamanten, das ich aus einem Buch gescannt habe, das ich im Haus meiner Eltern gefunden habe.

Welches Kriterium entscheidet, ob du Fotografie, Illustrationen oder Zeichnungen für deine Artworks benutzt?
Erik Kirtley: Das hängt davon ab, welches kreative Feld ich zur jeweiligen Zeit durchforste. Im Augenblick arbeite ich nicht mehr so viel mit Fotografie oder Montagen und konzentriere mich stattdessen auf Illustrationen, Zeichnungen und Typographie – einfach Grafik-Design als Ganzes. Ich habe außerdem versucht mehr ohne Computer zu arbeiten und meine anfänglichen Skizzen auf Papier zu zeichnen. So werden meine Projekte normalerweise viel besser.

Hängt deine Herangehensweise davon ab, für welches Genre du designst?
Erik Kirtley: Ja, aber oft mehr als es mir lieb ist. Album-Artwork ist oft Genre-typisch und das würde ich gerne öfter in Frage stellen. Deshalb hat es immer Spaß gemacht, für den Produzenten und Rapper Emay zu gestalten. Emay macht nicht diesen konventionellen HipHop und darum war das Artwork, das ich für seine EPs und sein neues Album gemacht habe, nicht so »hip-hop-ish«.

»Also ziehe ich es vor, kein Artwork für jemanden wie David Guetta zu machen. Klar, so ein Job würde sehr wahrscheinlich gut bezahlt werden und meine Arbeit verbreiten, aber ich glaube, ich muss als Designer eine gewisse Integrität bewahren.« (Erik Kirtley) Sagen dir die Musiker, was sie wollen oder hast du vollkommen freie Hand bei deiner Abreit?
Erik Kirtley: Das ist unterschiedlich. Manche Musiker lassen mich einfach machen, aber die meisten haben eine klare Idee davon, was sie wollen. Normalerweise fange ich damit an, drei Skizzen zu zeichnen, zeige sie dem Künstler, und lasse dann ihn entscheiden, in welche Richtung es gehen soll.

Musik inspiriert dich zu den Artworks. Wenn wir das jetzt andersherum denken: Wenn aus deinem gesamten Artwork ein Album entstehen würde – welches würde es ein?
Erik Kirtley: Oh, das ist eine schwere Frage. Ich würde nicht sagen, dass ich mit einem beständigen Stil arbeite… Aber aus irgendeinem Grund fühlt sich Steely Dan’s Album »Aja« wie eine gute Antwort an. Aber frag mich nicht warum (lacht)!

Du hast ein großartiges Fan-Cover für Bibio gemacht. Warum ist das nicht das tatsächliche Cover geworden, wo das jetzige so langweilig ist?
Erik Kirtley: (lacht) Danke! Naja, ich muss zustimmen, dass das Artwork für das neue Album nicht super aufregend ist. Insbesondere im Vergleich zu dem Artwork für »Mind Bokeh«. Ich habe sogar meine Fan-Art an Bibio gemailt und er hat auch geantwortet und gesagt, dass er es wirklich mag und nach einer hochauflösenden Version gefragt, damit er sie ausdrucken und in sein Studio hängen könne.

Gibt es neben dem Cover von »Mind Bokeh« Artworks, von denen du dir wünschst, dass du sie entworfen hättest?
Erik Kirtley: Die »Coastal Brake«-Single von Tycho, das ursprüngliche CD-R-Artwork für Bon Ivers »For Emma Forever Ago« [das Album hatte Bon Iver ursprünglich selbst veröffentlicht Anm. d. Red], »So Many Details« von Toro y Moi, jede Veröffentlichung auf Marble Records und alles auf Ghostly International, das Michael Cina entworfen hat. Oh, und natürlich alles, das Reid Miles für Blue Note Records gemacht hat.

Würdest du auch für einen Musiker ein Artwork gestalten, dessen Musik Du nicht leiden kannst?
Erik Kirtley: Es sollte schon wenigstens einer sein, dessen Arbeit ich respektiere. Also ziehe ich es vor, kein Artwork für jemanden wie David Guetta zu machen. Klar, so ein Job würde sehr wahrscheinlich gut bezahlt werden und meine Arbeit verbreiten, aber ich glaube, ich muss als Designer eine gewisse Integrität bewahren.

Und wenn du das Geld jetzt dringend brauchen würdest – wie würde ein Erik-Kirtley-Cover für David Guetta aussehen?

Erik Kirtley: Wahrscheinlich einfach nur ein Bild von einem CDJ-Play-Knopf (lacht).

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