Music Kolumne | verfasst 31.07.2013
Aigners Inventur
Juni / Juli 2013
Nach einer kurzen Urlaubspause setzt sich unser Kolumnist vom Dienst wieder kritisch mit der Release-Flut auseinander, selektiert, lobt und tadelt. Dieses Mal u.a. unter der Lupe: Ka, J.Cole, Hade & DWFL, David Lynch und Disclosure.
Text Florian Aigner
Kanye West - YeezusFind it at hhv.de: CD Es ist manchmal gar nicht so verkehrt sich nicht dem Diktat des digitalen Zeitalters zu unterwerfen. Alle hatten sie schon ihre Kritiken fertig, in Echzteit geschrieben, als »Yeezus«, Kanye Wests jüngstes Kulturerdbeben, seinen Weg ins Netz fand. Von maßloser Enttäuschung war da die Rede, vom künstlerisch wichtigsten Album seit »OK Computer« (diese elenden Radiohead-Stans wieder), von einer bodenlosen Frechheit ohne Singles, von Selbstzerstörung und dem nur so unzureichend ins Deutsche zu übersetzenden Phänomen der Delusion Of Grandeur. Nun, mit fast zweimonatigem Abstand ist »Yeezus« vor allem eins: Das wichtigste Statement auf der großen Bühne im Jahr 2013. Daft Punk wollten das einen Monat für sich reklamieren, der große Bruder zog einen Moment später mit Samsung-Wirrwarr und Kunstmäzen-Habitus nach. Aber: Keinem jener älteren Herren gelang es so relevant zu sein. Im Gegenteil: dieser staatsmännische Habitus, der sich sowohl durch »Random Access Memories« als auch durch »Magna Carta Holy Grail« zog, machte es für Kanyes Peergroup unmöglich mit Borderliner West mitzuhalten. Der ließ Chief Keef und Justin Vernon gegeneinander antreten und einen der postmodern-desillusioniertesten Tracks der letzten zehn Jahre schreiben. Er schonte weder uns noch französische Bedienungen und am allerwenigsten verklärte er seine Beziehung zu Kim K Superstar, jenen medialen Trainwreck also, dem selbst unsere Großmütter nur eine Halbwertszeit von Butter einräumen. Er trieb dieses auf »College Dropout« angedeutete, auf »Watch The Throne« perfektionierte Angry Black Man Ding auf die Spitze, mit Aussagen, die sich häufiger widersprechen als Gerhard Schröder in der Gazprom-Ära. Und Herr West weigerte sich Hooks zu schreiben, viel mehr brüllte, ächzte und schnaubte er. Was er davon hat? Die Gewissheit, dass er endgültig dort angekommen ist, wo er niemandem mehr einen Gefallen tun muss, weil ihm – gerade mit etwas Bedenkzeit – eh alle aus der Hand fressen. Hoffentlich vergisst er das aber so schnell wie möglich wieder, denn ein wütender Kanye ist ein guter Kanye.

 

Jay-Z - Magna Carta Holy CrailFind it at hhv.de: CD | CD Gerade aus dieser Dynamik heraus speiste sich dann auch ein Großteil der Faszination für »Magna Carta Holy Grail«. Jay-Z bestellte sich alte Weggefährten ins Studio, statt Evian Christ kam Rick Rubin, anstelle von Hud Mo und Gesaffelstein Pharrell und Timbo. So ist Jays Album auch beinahe das exakte Gegenteil von Yeezus: ungewohnt traditionsbewusst lässt er Timbo ein Update zu »So Ghetto« und »Friend Or Foe« schrauben, »FUTW« klingt beinahe wie ein RZA-Beat und selbst das trappige »Tom Ford« klingt eher nach »Blueprint 2« als nach Baauer. Dazu geriert sich S Dot Carter mal wieder als über den Dingen stehender Staatsmann, der auf der Art Basel hofft seine Basquiat-Sammlung zu vervollständigen, damit die kleine Blue Ivy auch in standesgemäßem Interieur ihre Cornflakes schlürfen kann. Einzig Frank Ocean wird mit seiner Tuxedo-Metapher nochmal richtig ungemütlich, der Rest ist der Soundtrack des Angekommenseins, inszeniert mit einem nach wie vor bemerkenswerten Gespür für Beats, Hooks und diesen ganzen Rapscheiß im Allgemeinen. Jay bleibt das Business, Man.
 

j. cole born sinnerFind it at hhv.de: CD | Deluxe Angesichts dieser Konkurrenz ist es fast schon eine Sensation wie gut sich »Born Sinner« verkaufte, J. Coles zweites Album für Roc Nation, insbesondere da J. Cole weder besonders interessante Sachen zu erzählen hat, noch ein Filigrantechniker ist. So ist seine ungelenke Entschuldigung an sein Idol Nas auch das eigentliche Highlight des Albums, weil das mal nicht nach Autopilot klingt und in seiner genuinen Demut fast schon an die Heulsusen-Bekenntnisse The Games heranreicht.
 

migos young rich niggaz Dass sich jener J. Cole vor kurzem schwer in die Nesseln gesetzt hat, indem er auf einem Drake-Track eine ungelenke Autisten-Punchline feuerte, wäre eine so geschmacklose wie offensichtliche Überleitung zum neuen Migos Mixtape. Was diese beiden Borderliner aus ATL auf »Y.R.N.« veranstalten, mag der eine als bedenkenswerte Coonery geißeln, man kann die absurde Juxtaposition gängiger Adlib-Klischees aber auch als subversivere Alternative zu all den Gucci Mane-ismen der letzten fünf Jahre rezipieren. Das war jetzt Akademikerdeutsch für meine Überzeugung, dass hinter all diesem Chirp Chirp Irrsinn und den epileptisch vorgetragenen Luxus-Brand-Hooks Methode steckt und Migos die modernen Dadaisten des Rap-Spiels sind.
 

ace hood trials Find it at hhv.de: CD Ein solch idiosynkratischer Zugang fehlt Ace Hood. »Trials & Tribulations« ist deswegen auch wieder ein wahnsinnig generisches Rap-Album, dessen Überhit Bugatti eher der Omnipräsenz des Duos Future/Mike Will Made It zuzuschreiben ist. Dass wir uns nicht falsch verstehen: Ace Hood ist ein passabler Rapper, nicht ansatzweise so hölzern wie ein French Montana, aber er hat nichts zu erzählen. Angestrengt arbeitet er gängige Tropen ab, bestellt sich am Ende sogar noch einen der besten Faux-Just-Blaze-Beats der letzten Jahre und dennoch erinnert man sich doch nur daran, dass er mit neuen Tätowierungen in einem Bugatti aufgewacht ist und nicht weiß wie es dazu kam. Und das wussten wir leider schon vor diesen fünfzig Minuten.
 

ka nights gambitFind it at hhv.de: CD | LP Das krasse Gegenteil ist »Night’s Gambit«, der nächste Geniestreich des charmant-nonchalanten Reibeisens Ka, der in jede Zeile so viel Arbeit steckt wie Ace Hood in seine gesamte Diskographie. »Night’s Gambit« ist ein Relikt aus einer anderen Ära, ein kohärentes, pedantisch sequenziertes Rap-Album, das dennoch nicht nach Rucksack-Fundamentalismus klingt, sondern hochgradig eigenständig. Als Referenzpunkt kann man hier wieder Kas Busenfreund Roc Marciano bemühen, besonders aufgrund der immer noch sehr spartanischen, Loop-basierten Produktion, die Kas lakonisch vorgetragenen, aber hoch komplexen Reime so perfekt unterstreicht. Die Kollegen von Fact ließen sich hierfür zur Höchstwertung hinreißen. Überreaktion oder nicht: »Night’s Gambit« ist wichtig.
 

Quasimoto – Yessir WhateverFind it at hhv.de: LP Mit einem unveröffentlichten Nugget angeteast, stellte sich bezüglich des »neuen« Quasimoto-Albums relativ schnell Frust ein, angesichts der Tatsache, dass uns Madlib eben nicht einen dritten Headfuck gönnte, sondern lediglich bereits bekannte B-Seiten und Remixes als »Yessir Whatever« veröffentlichte. Die sind natürlich gut, aber die Genialität der ersten beiden Alben wird hier eben auch zu keinem Zeitpunkt erreicht. Schade, dabei hatte Madlib doch irgendwann mal verkündet er hätte genug Material für eine halbes Dutzend Quasimoto-Alben im Bomb Shelter liegen.
 

prodigy alchemist albertFind it at hhv.de: CD Weiterhin eine bemerkenswerte Chemie haben Prodigy und Alchemist, auch wenn »Albert Einstein« nicht an meinen persönlichen Klassiker (Oxymoron?!) »Return Of The Mac« heranreicht. Es ist aber wieder zu beobachten, dass Alchemist, der bezüglich seiner handwerklichen Fähigkeiten eh schon in der Königsklasse spielt, aus dem ansonsten häufig demonstrativ desinteressierten Prodigy wesentlich mehr herauszukitzeln weiß als irgendwelche Beattape-Akkordarbeiter. So verwundert es auch nicht, dass »Albert Einstein« nun schon zwei Monate in voller Länge in meiner notorisch unsteten iPhone-Playlist verweilt. Ein gutes Zeichen.
 

mugshot musicFind it at hhv.de: 2LP Etwas schwächer ist »Mugshot Music«, ein im heutigen Klima vermutlich primär von Hypotheken abzahlenden Post-Rucksacklern heiß erwartetes, aber dennoch Aufmerksamkeit verdienendes Album, auf dem Showbiz gar nicht so angestaubt produziert wie man befürchten konnte. Und A.G., ey, dieser A.G. betont immer noch so leidenschaftsvoll wie die Kölner U-Bahn-Durchsage und reimt faul im Baukastenprinzip, aber dieses Charisma. Unglaublich.
 

hade chicagoFind it at hhv.de: LP Eine Platte eines Freundes zu besprechen fühlt sich immer ein bisschen schmutzig an. Das Schöne an »The Healthiest Man In Chicago« (noch so eine obskure Al Bundy Referenz) ist, dass Hade & DWFL verklüngelte Nettigkeiten gar nicht nötig haben. Viel zu detailversessen ist dieses Kölner Take on all things Juke und Bass. Insbesondere die nerdig selektierten, zahllosen Hip Hop Acapella-Schnippsel lassen erahnen, dass hier nicht nur Machinedrum und Rashad Inspirationsquellen waren, sondern auch der gute alte P-P-P-Premier. Überhaupt ist das hier zwar genau so ADHS-ig wie man es von Hade erwarten würde, aber wer es schafft einen Chuck-Inglish-trifft-Pharrell-Brecher wie »Blondie« graduell in eine Appleblim-Überzeichnung überborden zu lassen, darf auf sein musikalisches Borderline-Syndrom durchaus stolz sein. Ach ja: für das MPM-Stammpublikum gäbe es ja auch noch diese Camp Lo-Hommage, aber darauf sollte man sich als Räucherstäbchen-Jazzer mit 3 Litern Disco-Schorle vorbereiten.
 

Airhead - For YearsFind it at hhv.de: 2LP Zum Runterkommen böte sich »For Years« an. Das ist in seiner Herangehensweise auch dezidiert Hip Hop, aber diese sanft gezupften und anschließend digital neu zusammengesetzten Gitarren und der schüchterne Habitus verorten Airhead noch tiefer im Dreieck James Blake, Mount Kimbie und Vondelpark, wobei Airhead weniger Songwriter als Macbook-Derwisch ist. Wem dieses ganze Post-Dubstep-Dingens also mittlerweile zu sehr in der Spexianischen Dekonstruktion gefangen ist, kann hier noch einmal so tun, als wäre »Crooks & Lovers« erst gestern erschienen.
 

zomby with loveFind it at hhv.de: 3LP Nach seinem sehr fokussierten und ausproduzierten 4AD-Vorgänger knallt uns Zomby unterdessen eine skizzenhafte Trap-Not-Trap-Beatsammlung, sowie eine CD mit typischeren Zomby-ismen vor den Latz. »With Love« ist quantitativ zu viel, eine ohne viel Nachdenken rausgeschossene Momentaufnahme, die sich aber zu einem hervorragenden 45-Minüter zusammenschneiden ließe. Weil Zomby uns diese Aufgabe aber letztes Mal bereits abnahm, bleibt er nun seinem Ruf als größter Troll treu und lässt uns die Arbeit selbst machen.
 

ooooo without your loveFind it at hhv.de: LP Wer diese Arbeit scheut, kann sich alternativ auch einfach von oOoOO bedienen lassen. »Without Your Love« (sorry, aber allein schon aufgrund des Titels mussten oOooOO und Zomby in einem Atemzug genannt werden) ist wiederum dessen bisher ausproduzierteste Arbeit und die zulässigste Vergleichsmöglichkeit mit Zombys »Dedication«, mit dem Unterschied, dass oOoOO keinerlei Berührungsängste hat diese Tri Angle-Torklerei auch in Kollaborationen mit Vokalisten nicht aufzugeben. So hören wir hier R&B direkt aus dem Hades, Zeitlupen-Techno im Stile von Andy Stott und auf The South sogar ein brachiales Brett von einem Trap-Beat, bevor »Misunderstood» anschließend Burial besser zitiert als es 95% dessen Epigonen bisher in der Lage waren zu tun. Großes Album, gerade auch für den unvermeidlichen Herbst.
 

Thundercat - ApocalypseFind it at hhv.de: CD | 2LP Seien wir ehrlich: genuin überrascht über eine Platte ist man im Hyperinformationszeitalter äußerst selten. Umso erstaunlicher war dann für mich, dass dieser Thundercat so mir nichts, dir nichts das beste Prince-Album seit ich weiß nicht wann gemacht hat. Primär angeteast von Flying Lotus’ massivem Mancrush auf Twitter, aber das musste man qua Labelverbundenheit ja nicht wirklich beachten. Nun aber ist »Apocalypse« tatsächlich eine mittelgroße Sensation geworden und all das, was der Vorgänger zwar sein wollte, aber (noch) nicht konnte. Das ist interplanetarischer Funk, der sich nicht vor Kammermusik-Zitaten scheut, in der einen Sekunde nach »Sign O’ The Times« und vier Takte später nach »Maggot Brain« und »Bitches Brew« klingt. Natürlich sind diese Vergleiche Hyperbeln, müssen sie ja auch sein, aber alleine diese ersten paar Sekunden von »Oh Sheit It’s X« machen so glücklich, dass man nicht anders kann als übertreiben.
 

Kon - On My WayFind it at hhv.de: 2LP Während Thundercats Popentwurf trotz der zahllosen Zitate inhärent vorwärtsgewandt ist, konzentriert sich Kon (ja, DER Kon) auf seinem ersten Produzentenalbum auf die Vergangenheit. Alles andere wäre auch eine Überraschung gewesen. So klingt »On My Way« zu jedem Zeitpunkt exakt so, wie man sich das vorgestellt hat. Das kann man zum Problem stilisieren oder sich freuen, dass sich endlich jemand traut nicht nur Rhythm Trax zu produzieren, sondern noch 5 Jahre weiter zurückzugehen und in den käsigsten Momenten sogar Earth, Wind & Fire zu evozieren. Dazwischen gibt es viel Boogie, dezente House-Anklänge und auch wenn ich schon genügend Alexander O’ Neal Maxis zu Hause stehen habe: ich habe Spaß an »On My Way«.
 

beautiful swimmers son Find it at hhv.de: 2LP Spaß ist gar kein Ausdruck für das, was »Son«, das lang, lang, laaaaaang erwartete erste Album der Beautiful Swimmers in mir ausgelöst hat. Eine langwierige Suche nach dem passenden Nomen spare ich mir dann auch an dieser Stelle, weil ich in der selben Zeit so unendlich viele tolle Dinge über Ari und Andrews erstes gemeinsames Album sagen könnte. Da wäre diese humorige Kevin Lyttle Rekontextualisierung, die frühen Übersingles Swimmers Groove und Big Coast, der verspulte Versuch Spezi-Awareness zum Teil amerikanischer Kulturpolitik zu machen, balearische Imperative, Slo-Mo-Sleaze, der jackende Tribut ans bevorzugte Schuhwerk in Größe 48, Breakbeat Disco, ein gesampeltes Gitarrensolo und ein Ambient-Track namens »Gettysburg«. Diese Typen, ich liebe sie.
 

pet shop boys electricFind it at hhv.de: 2LP Oh ha, die Pet Shop Boys wollen es nach dem verschlafenen Vorgänger also noch einmal richtig wissen. Stuart Price channeled seinen inneren Giorgio zur München-Phase, direkt zu Beginn stampf es schwer europäisch. Beim zweiten Track wartet man gar kurz auf ein Acid-Inferno, aber dafür sind die beiden Briten zu sehr Gentlemen. Danach dann überproduzierter Wahnsinn und EDM-Gebratze, Vocal-Cut-Ups und Stadiohook. Fies. »Fluoresecent« dann bei Oni Ayhun?! Hilfe, was ist hier los. Danach ein Springsteen-Cover? Fuck, hier läuft so vieles schief und genau deswegen so richtig. Keine Ahnung, ob ich mir das ein weiteres Mal anhöre, aber irgendwie nickt man nach all dem Irrsinn auf »Electric« doch anerkennend. Sie hätten es sich ja so einfach machen können.
 

disclosure settleFind it at hhv.de: 2LP Äh ja, Disclosure. Eines dieser Phänomene, deren Erfolg ich zwar verstehe, aber nicht unbedingt nachvollziehen kann. Klar, auch »Settle« läuft wieder Schau, nach drei verhältnismäßig rauen Club-Tracks für die UK Massive, folgt dann effizienter, aufgebohrter Electro Funk House für die Mädelzzzz (mit den unvermeidlichen AlunaGeorge, natürlich), bevor dann sehr plakativ an die Artful Dodger Ära angeknüpft wird, danach noch ein bißchen Wookie, eine Spur Scuba und Joy Orbison – vielleicht bin ich zu zynisch und Disclosure sind wirklich diesse Genies, die UK Bass in authentischer Form in die Daily Rotation von Radio 1 schmuggeln, aber für mich wirkt auch »Settle« verstörend kalkuliert und artifiziell.
 

Maya Jane Coles - ComfortFind it at hhv.de: CD Ähnliches gilt, wenngleich eher im House-Korsett, für Maya Jane Coles. Auch »Comfort« schielt auf Klicks und Plays, nicht zuletzt weil es die junge Britin zulässt, dass Gastvokalisten ihre bisweilen erstaunlich subtilen Produktionen in die Mediokrität reißen So ist »Comfort« gewiss kein schlechtes Album, auch weil sich Frau Coles wirklich wohl zu fühlen scheint wenn sie den Flur nicht bedienen muss, aber der Schritt zum Künstleralbum kommt vielleicht doch einfach 2-3 Jahre zu früh.
 

Gold Panda - Half Of Where We LiveFind it at hhv.de: 2LP Irgendwann landen sie alle bei House. Nachdem sich Gold Panda auf dem sperrigen Vorgänger noch an allerlei Rhythmen und Geschwindigkeiten abarbeitete und eine sexiere Alternative zu diesem ganzen Glich-Ding anbot, ist er auf »Half Of Where You Live« eindeutig als House-Produzent einzuordnen. Das bleibt zwar alles spleenig, von exotischen Samples und flirrenden Stimmen durchzogen, aber dem Panda zucken die Füße nun gerne im aeroben 120 BPM-Bereich. Gut macht er das, auch weil ihm, der eigenen Sozialisierung geschuldet, Effizienz-Überlegungen fremd sind.
 

the mole caregiverFind it at hhv.de: 2LP Verspielten House produziert The Mole schon seit längerem, an die Qualität seines Debütalbums auf Wagon Repair kann der Nachfolger Caregiver jedoch nicht ganz anknüpfen. Während er sich damals noch traute große Filter-House-Gesten in seine episch angelegten Chugger zu integrieren, wirkt »Caregiver« seltsam gehemmt. Leichtfüßige TechHouse-Tracks kontrastieren minimalere, dunkle Töne, den Pausenclown-Habitus hat der Ex-Kanadier für meinen Geschmack zu sehr abgelegt.
 

tnt subhead releaseFind it at hhv.de: LP Besser ist TNT Subheads Langspielrillen-Debüt »Ecstasy & Release«, auf dem es der Produzent schafft Acid zu entschleunigen, Minimal Wave neben Jersey House zu stellen, bevor er in der Mitte des Albums etwas den Faden verliert und zwei nichtssagende Roman Flügel Rip-Offs aneinanderreiht, um sich dann spätestens mit dem psychedelischen »Arp K Found« wieder zu – äh – finden. Unterm Strich aber eine reife Leistung.
 

floorplan paradiseFind it at hhv.de: 2LP Reife ist dann auch das Stichwort für Robert Hood und dessen House-Moniker Floorplan. Die typischen Hood-Patterns lassen sich auch noch versteckt hinter ungewohnt plakativen Samples und synkopierten Rhythmen feststellen, der Hohepriester des minimalen Detroit Technos bleibt auch wenn er Käse hobelt ein Dystopiker. Next level Gospel-Pathos wie auf einer der vorangegangenen Singles findet sich hier zwar nicht, aber irgendwie schafft es Hood auch auf »Paradise« Peaktime-Schweinereien wie einen spirituellen Trip ins Herz seiner Peers klingen zu lassen. Und auf einmal ist ein Klopper wie «Baby, Baby« so unendlich deeper als die nächste Rhodes-Orgie der blassen Soundcloud-Sklaven.
 

stellar om source albumFind it at hhv.de: LP Auch gut: Stellar Om Sources »Joy One Mile«, auf der sich die Dame zwar an den typischen Electro-Lichtgestalten abarbeitet, aber mehr Mut hat die heilige Dreifaltigkeit House/Techno/Electro konsequent zusammenzuführen als all die uninspirierten Drexciya-Epigonen, die in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden sprossen. Manchmal wird man gar den Eindruck nicht los, dass Stellar Om Source bereits dort angekommen ist, wo Ital mit seinen ersten beiden Alben hinwollte – eine nicht zu unterschätzenden Leistung also.
 

vakula never been Etwas zahnlos wirkt hingegen Vakula auf seinem Album. Der Ukrainer hatte auf seinen gefühlt 200 vorangegangenen Zwölf-Zollern bereits sämtliche House-Spielarten durchexerziert, seltsam also dass »You’ve Never Been To Konotop«, einer Werkschau der Jahre 2009 – 2012, seltsam monochrom wirkt. Die Grooves sind meist satt, aber selten wirklich roh, kontemplativ, aber nie so emotional entblößt wie beispielsweise bei John Roberts. So ist YNBTK eine brauchbare Blaupause für kontemporäre House Musik, aber eben in keinster Weise eine Herausforderung. Und genau dazu wäre Vakula eigentlich in der Lage gewesen.
 

steven tang disconnectFind it at hhv.de: 2LP Ähnliches gilt für Steven Tang, der auf seinem Debüt für Smallville die rauen Kanten seiner Zusammenarbeiten mit Chicago Skyway etwas geglättet hat, um sich dem warmen Trademark-Sound der Hamburger anzupassen. Das würde zwar keine der beiden Parteien zugegeben und »Disconnect To Connect« fährt die rüdesten Roland-Patterns jenseits von STL auf, aber dennoch fällt auf, dass sich Tang hier deutlich zurückgenommen hat. Das kann man als Powernap-Platte kanonisieren oder sich darüber ärgern, dass Tang nicht bei L.I.E.S. unterschrieben und eine exaltiertere Platte gemacht hat.
 

marcos cabral false memoriesFind it at hhv.de: 2LP Apropos L.I.E.S.: Ron Morelli vergaß auch in den letzten beiden Monaten das Durchatmen komplett und ballerte unter anderem eine Spätneunziger-Skizzen-Sammlung von Marcos Cabral heraus, die mal wieder kompromisslos DIY-Stinkefinger auf das Reinheitsgebot richtet. Nicht immer geil, stellenweise auch zurecht über ein Jahrzehnt im Archiv verstaubt, aber als Statement gewohnt stark.
 

Jon Hopkins- Immunity LPFind it at hhv.de: 2LP Jon Hopkins scheint derweil zu Four Tet geworden zu sein, zumindest für Klugscheißer, die sich einreden, dass sie schon genug Four Tet gehört haben. Das soll gar keine Kritik am sehr soliden »Immunity« sein, welches mit seiner Zweiteilung in Club- und Headphone-Musik eine bekannte Hebden-Dichotomie aufgreift und auf die Spitze treibt. Ähnlich wie bei Kieran Hebden sind Hopkins’ Stücke für den Flur tieftönig und latent paranoid, wo Four Tet jedoch in jüngsten Jahren die Catchiness von UK Garage für sich entdeckte und in in seinem Fabriclive Mix kulminieren ließ, sitzt Hopkins im Keller und liest Kafka. Es sind eher die langsamen Momente in der zweiten Albumhälfte, auf denen sich Überschneidungen festellen ließen, aber man würde Hopkins’ musikalische Vision damit nur unnötig dezimieren.
 

james holden inhabitorsFind it at hhv.de: 3LP James Holden geht unterdessen den umgekehrten Weg. Von Trance-Not-Trance-Grandissimo zu verkopfter, extrem kleinteilig produzierter Warp-Verkopftheit. »The Inhabitors« ist ein Album im klassischen Sinn, eine ambitionierte Kollage, in der alles miteinander verbunden scheint und ineinander fließt, der Hörer aber dennoch nie den Luxus genießt, sich entspannen zu können. Holden ist dafür zu hinterfotzig, zu sehr Künstler im ARTE-Sinn. Früher produzierte er Musik, die trotz ihrer Nerdigkeit Menschen zum schwitzen brachte, heute versucht Holden zu irritieren und erntet dennoch nur Anerkennung. Life is a bitch.
 

Boards Of Canada - Tomorrow's HarvestFind it at hhv.de: CD | 2LP Ok, Zeit für einen Seelenstriptease. Ich habe mir 15 Jahre lang vorgegaukelt Boards Of Canada zu verstehen und so zu tun als könnte ich nachvollziehen warum »Music Has The Right To Children« für alle Kulturwichser eines der wichtigsten fünf Alben der 1990er Jahre gewesen sein soll. Erst als Boards Of Canada nun, im Juni 2013, ihre neue Platte streamten und ich die kollektive Schnappatmung der Ü30er im Social Media LaLa-Land im Nacken hatte, während ich mir parallel zum einmaligen Livestream Gedanken machte, ob Rucola und Nektarinen in einer Balsamico-Umwelt koexistieren können (Antwort: jein), wurde mir klar: es ist Zeit für Tabula Rasa. Boards Of Canada, you ain’t never done shit for me. »Tomorrow’s Harvest« ist langweilig, Amon Tobin hatte immer schon die besseren Ideen und DJ Shadow einfach die geileren Samples. Puh, tat das gut. Jetzt noch schnell »Music Has The Right To Children« auf Discogs für einen Blauen verschachern und ich fühle mich wie diese ganzen Hippies, wenn sie den Jakobsweg gegangen sind.
 

David Lynch - The Big DreamFind it at hhv.de: 2LP | 2LP Es überrascht mich immer wieder aufs Neue wie sehr sich David Lynch der Musiker mit David Lynch dem Regisseur deckt. Auch »The Big Dream« klingt, wie schon der Vorgänger, konsequent wie der Soundtrack zu quasi jedem Lynch Film. Leiernde Gitarren, verhuscht-kryptischer Gesang, der sich in Wicked Game Akkorden verliert, quasi dreizehn Alternate Takes für die POV-Fahrt in Lost Highway. Das ist natürlich nicht schlecht, aber irgendwie wartet man die ganze Zeit auf Surrealles. So ist »The Big Dream« dann auch eher ein Aperitif dafür sich mal wieder die Zeit zu nehmen Twin Peaks zu schauen. Was ich dann wohl jetzt tun werde, es gewittert gerade so schön.
 

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Aigners Inventur
Juli 2017
Die Inventur im Juli, es geht um’s: Älterwerden. Unser Kolumnist aka angryoldmanyellingatclouds.jpg beobachtet den Reifeprozess von Jigga, Tyler, Floating Points, und duckt sich zwischendurch unter Instagram-Stories weg.
Music Kolumne | verfasst 06.09.2017
Aigners Inventur
August 2017
Braucht zehn Doppelsitzungen beim Exorzisten: die Inventur im August. Kein Wunder, werden neben großen aktuellen Themen (Fidgetspinner und FDP) auch alle relevanten Releases des Vormonats besprochen.
Music Kolumne | verfasst 17.10.2018
Aigners Inventur
Oktober 2018
Noch ist die Echsentransformation nicht abgeschlossen. Aber wo anderorts leider der Musikjournalismus stirbt, bleibt Aigner der letzte lebende Dinosaurier. Hier ist die Inventur des Monats Oktober. Best cherish it!
Music Essay | verfasst 12.02.2016
Beyoncés »Formation«
»Stop shooting us«
Beyoncés »Formation« ist mehr als reine Selbstdarstellung, es ist eine Gegendarstellung. Die fällt differenzierter aus, als es auf den ersten Blick scheint.
Music Essay | verfasst 12.02.2016
Beyoncés »Formation«
»Get what's mine, take what's mine«
Beyoncé fordert in »Formation«, dass niemand mehr erschossen wird. In zweiter Instanz liefert sie allerdings Ideen zur Selbstermächtigung, die zu einer Sache nicht beitragen werden: Dass niemand mehr erschossen wird.
Music Kolumne | verfasst 01.12.2017
Jahresrückblick 2017
Top 20 12-inches
Das Kurzspielformat ist immer noch vor allem für DJs. Deshalb findet sich in dieser Liste vor allem Musik, die zumindestens in der Nähe der Tanzfläche irgendwas Komisches macht. So einfach ist das.
Music Interview | verfasst 25.04.2018
DJ Koze
Soulful und ein bisschen kaputt
DJ Koze: vielleicht House-Musik-Deutschlands letzter wahrer Eklektiker! Vielleicht der nächste kredible Pop-Produzent des Landes. Ganz sicher ist er einer der besten Gesprächspartner, die man sich wünschen kann.
Music Essay | verfasst 03.06.2019
Cool Japan
Warum japanische Musik ein Revival feiert (Teil 1)
Seit geraumer Zeit stehen Reissues japanischer Alben aus den 1980er Jahren hoch im Kurs. Warum, das erforscht unsere zweiteilige Serie »Cool Japan«. Wir fangen mit den Anfängen elektronischer Musik in Japan an.
Music Kolumne | verfasst 16.03.2011
Aigners Inventur
Februar 2011
Raekwon kümmert sich um die Basis, Mr Dibiase um die Atari-Nerds, Show & KRS-One um die ewig Gestrigen, Virgo 4 um Chicago, PJ Harvey um England und Radiohead um die Journaille. Madames et Monsieurs: der Februar!
Music Kolumne | verfasst 20.04.2011
Aigners Inventur
März 2011
Auch in diesem Monat klärt Aigners Inventur wieder die wirklich essentiellen Fragen der Menschheit: Fürchtet Pusha T wirklich das Fegefeuer? Vermittelt Frank Ocean zwischen Tyler und Bieber? Ist die Welt tatsächlich aus Plastik?
Music Kolumne | verfasst 17.05.2011
Aigners Inventur
April 2011
Zugegeben: es war nicht einfach neben den Marktschreiern der Wolf Gang in den letzten vier Wochen noch andere Stimmen zu vernehmen, aber bei genauem Hinhören gab es für die Musikindustrie doch noch ein Leben neben OFWGKTA.
Music Kolumne | verfasst 15.06.2011
Aigners Inventur
Mai 2011
Irgendetwas stimmt diesen Monat nicht. Was sich im Mai zur Kaffeefahrt verabredete, war im Schnitt älter als der AC Mailand. Und das ausgerechnet im Monat nach Goblin. Quo vadis, Mai?
Music Kolumne | verfasst 10.08.2011
Aigners Inventur
Juni/Juli 2011
Wer anfängt sich in seinem Liegestuhl zu langweilen, bekommt nun die Gelegenheit, die nächsten 15 Minuten mit unserem Scharfrichter vom Dienst und Casper, Wiley, Zomby, MCDE, fLako, den Junior Boys und Laurel Halo zu verbringen.
Music Kolumne | verfasst 19.10.2011
Aigners Inventur
September/Oktober 2011
Wie üblich macht unser Kolumnist vom Dienst auch in dieser Ausgabe vor großen Namen nicht Halt. So dürfen sich Phonte, Emika, James Blake, Radiohead und Apparat Watschen abholen. Warum es trotzdem ein guter Monat war, lest ihr hier.
Music Kolumne | verfasst 18.01.2012
Aigners Inventur
Januar 2012
Da hatte er schon auf einen verlängerten Weihnachsturlaub spekuliert und dann kamen ihm doch wieder massig Platten dazwischen. Auch diesen Monat setzt sich unser Kolumnist vom Dienst wieder kritisch mit der Release-Flut auseinander.
Music Kolumne | verfasst 23.11.2011
Aigners Inventur
Oktober / November 2011
Pünktlich zur kalten Jahreszeit werden wir von einer wahren Flut neuer Alben überschwemmt. Unser Kolumnist Florian Aigner hat sich wie üblich für euch durchgehört und trennt die Spreu vom Weizen.
Music Kolumne | verfasst 26.09.2013
Aigners Inventur
September 2013
Auch diesen Monat setzt sich unser Kolumnist vom Dienst wieder kritisch mit der Release-Flut auseinander, selektiert, lobt und tadelt. Any given month. Dieses Mal u.a. unter der Lupe: Drake, The Weeknd, Huerco S, Janelle Monae und MGMT.
Music Kolumne | verfasst 22.02.2012
Aigners Inventur
Februar 2012
Lana Del Rey, Haftbefehl, Deichkind: Plakativeres hätte man ihm dieses Mal kaum vor die Nase setzen können. Dennoch vergisst unser Kolumnist vom Dienst wie üblich auch die abseitigeren Releases nicht.
Music Kolumne | verfasst 13.11.2013
Aigners Inventur
Oktober 2013
Auch diesen Monat setzt sich unser Kolumnist vom Dienst wieder kritisch mit der Release-Flut auseinander, selektiert, lobt und tadelt. Any given month. Dieses Mal u.a. unter der Lupe: Pusha-T, Twit One, Haim, Four Tet und Laurel Halo.
Music Kolumne | verfasst 27.01.2014
Aigners Inventur
Januar 2014
Auch diesen Monat setzt sich unser Kolumnist vom Dienst wieder kritisch mit der Release-Flut auseinander, selektiert, lobt und tadelt. Any given month. Dieses Mal u.a. unter der Lupe: Beyoncé, R. Kelly, L.I.E.S und Warpaint.
Music Kolumne | verfasst 04.03.2014
Aigners Inventur
Februar 2014
Auch diesen Monat setzt sich unser Kolumnist vom Dienst wieder kritisch mit der Release-Flut auseinander, selektiert, lobt und tadelt. Any given month. Dieses Mal u.a. unter der Lupe: Patten, Schoolboy Q, Kassem Mosse und The Notwist.
Music Kolumne | verfasst 02.05.2014
Aigners Inventur
April 2014
Auch diesen Monat setzt sich unser Kolumnist vom Dienst wieder kritisch mit der Release-Flut auseinander, selektiert, lobt und tadelt. Any given month. Dieses Mal u.a. unter der Lupe: Kelis, SZA, Sohn, Legowelt und Dillon.
Music Kolumne | verfasst 15.05.2013
Aigners Inventur
April 2013
Auch diesen Monat setzt sich unser Kolumnist vom Dienst wieder kritisch mit der Release-Flut auseinander, selektiert, lobt und tadelt. Any given month. Dieses Mal u.a. unter der Lupe: Omar S, Tyler, The Knife, James Blake und Ghostface.
Music Kolumne | verfasst 26.03.2014
Aigners Inventur
März 2014
Auch diesen Monat setzt sich unser Kolumnist vom Dienst wieder kritisch mit der Release-Flut auseinander, selektiert, lobt und tadelt. Any given month. Dieses Mal u.a. unter der Lupe: Carpet Patrol, Rick Ross, Tensnake und Skrillex.
Music Kolumne | verfasst 21.09.2011
Aigners Inventur
August 2011
Unser Kolumnist vom Dienst nimmt sich unter anderem der Miami Heatisierung des Rapspiels an, erötert warum nur Omar-S tun kann, was er tut und wie Slug es geschafft hat, sich die ganzen verwirrten Mädchenseelen vom Leib zu halten.
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
Tolouse Low Trax – Jumping Dead Leafs
Der Mann, der einen Sound geprägt hat, ist zurück mit einem Langspieler. Die drei Männer, die nichts geprägt haben, sind zur Stelle, um sich über ihn zu unterhalten. Das ist natürlich eine tolle Sache.
Music Liste
Record Store Day 2020 – 2nd Drop
Weitere 12 Releases nach denen du Ausschau halten solltest
Am 26.9.2020 findet nun der zweite von drei Record Store Days in diesem Jahr statt. Dafür sind wiederum mehr als 150 exklusive Releases angekündigt. Wir haben daraus zwölf Schallplatten gepickt, die wir euch ans Herz legen wollen.
Music Interview
Action Bronson
»Nichts könnte mich davon abhalten, mein Leben zu lieben«
Action Bronson meldet sich zurück. Das ist erstaunlich, denn die Musik ist nur ein Teil im Leben des New Yorkers, der auch Maler, Tänzer, Olivenöl-Tester, Schauspieler und anderes ist. Wir hatten die Gelegenheit zu einem Gespräch.
Music Kolumne
Records Revisited
Kate Bush – Hounds Of Love (1985)
Auf ihrem selbstproduzierten, fünften Studioalbum erklimmt Kate Bush den Gipfel ihres Autoren-Art-Pops. Ihre Synthese von digitaler Klanggestaltung und Folk-Elementen zeitigt ein Album, das einem Jahrhundertroman gleichkommt.
Music Porträt
Melody As Truth
An der Schwelle von Sound und Stille
Mit seinem Label Melody As Truth bewegt sich Jonny Nash zwischen Balearic und Ambient. Die Reise führt von New Age zu einer neuen Art von Weltkammermusik. Er selbst spricht vom »Erforschen von Raum und Timing«.
Music Kolumne
Aigners Inventur
September & Oktober
Der Sommer ist vorbei, die Welt ja sowieso, da wird selbst unser Kolumnist emotional. Er gibt seinem Haustier einen Namen und legt sich zu Enya in die Badewanne. Aigners Inventur ist zurück. Ganz, ganz wild.
Music Porträt
Larry Heard
Von der Luftgitarre zur Clubhymne
Larry Heard gilt als einer der Gründungsväter von Chicago House. Mit »Can You Feel It« prägte er das Antlitz von Deephouse. Stets blickte er über den Tellerrand der Clubmusik hinaus. Begonnen hat er seine Karriere jedoch als Luftgitarrist.
Music Kolumne
Records Revisited
Aesop Rock – Float (2000)
Statistisch gesehen ist Aesop Rock der eloquenteste unter allen Rappern. Stilistisch gesehen musste er zuerst behaupten, um im Feld der elaborierten Hip-Hopper zu etablieren. Dahingehend war »Float« von 2000 eine erstes Ausrufezeichen.
Music Interview
Kelly Lee Owens
»Wir verkörpern Emotionen«
Mit »Inner Song« veröffentlichte die walisische Musikerin ihr zweites Album, das mit einer Hand die Tränen nach dem Closing-Set aus den Augen wischt und mit der anderen das Fenster in den Alltag aufstößt. Ein Gespräch.
Music Liste
Harmonious Thelonious
10 All Time Favs
Mit »Plong« rüttelt Stefan Schwander an den Grundfesten der Clubmusik. Sein neues Solo-Album als Harmonious Thelonious lässt Alltagsgeräusche ein unheimliches Eigenleben entwickeln. Uns hat er erzählt, welche 10 Platten ihn geformt haben.
Music Interview
Nubya Garcia
Verwobene Erinnerungen
Die Saxophonistin Nubya Garcia ist Teil der regen Londoner Jazzszene. An ihrem Instrument ist sie eine der energetischsten Musikerinnen der Welt. Ansonsten ruht sie in sich. Sie ist so cool, wie die Musik, die sie spielt. Ein Interview.
Music Porträt
Pierre Schaeffer
In allem steckt Musik
Lange Zeit war es kaum vorstellbar, dass Musik durch anderes als Instrument und Stimme entstünde. In den Händen Pierre Schaeffers jedoch wurde der Tonträger zur Basis der Komposition. Vor 25 Jahren starb der Pionier der elektronischen Musik
Music Liste
Record Store Day 2020 – 1st Drop
12 Releases nach denen du Ausschau halten solltest
Am 29.8.2020 findet nun der erste von drei Record Store Days in diesem Jahr statt. Allein dafür sind mehr als 350 exklusive Releases angekündigt. Wir haben daraus zwölf Schallplatten gepickt, die wir euch ans Herz legen wollen.
Music Liste
Jonathan Bree
10 All Time Favs
Jonathan Bree versteckt sein Gesicht hinter einer Latexmaske. Nun ja. Aber das ist nicht das bemerkenswerteste an dem Neuseeländer. Denn er ist vor allem ein erstklassiger Songwriter. Uns hat er erzählt, welche 10 Platten ihn geformt haben.
Music Porträt
Kommerz Records
Sich selbst das Bein stellen
Jonathan und Lukas Nixdorff haben sich einen Kindheitstraum erfüllt: Vor wenigen Wochen gründeten sie Kommerz Records. Dort erscheint nun das erste Release, »Kommerz Season 1: Anti-Virus«.
Music Porträt
Light In The Attic
Alles ist erleuchtet
Seit fast 20 Jahren bringt das in Seattle beheimatete Plattenlabel Light In The Attic Licht ins Dunkel jener Releases, die im Schatten stehen. Dass sie von Beginn an auf Vinyl setzten, zubilligt dem Label heute die Rolle eines Vorreiters.
Music Porträt
Jason Molina
Gone But Not Forever
Soeben sind unveröffentlichte Aufnahmen von Jason Molina veröffentlicht worden. Mit Songs: Ohia oder Magnolia Electric Co. wollte er sein Leben als Momentaufnahme festhalten. Doch es löste sich auf wie die Gespenster, an die er glaubte.
Music Kolumne
Records Revisited
Raekwon – Only Built 4 Cuban Linx… (1995)
Nach »Enter the Wu-Tang (36 Chambers)« haben sich die Clan-Mitglieder solo ausprobiert. Erst Method Man, dann Ol’ Dirty Bastard, schließlich Raekwon. Sein 1995 releastes »Only Built 4 Cuban Linx…« zählt zu den Meisterwerken des Hip-Hop.
Music Porträt
Jockstrap
Viel Klang, viel Geräusch
Das Londoner Duo Jockstrap veröffentlicht ihre Schallplatten bei Warp. Ihre Songs sind in Werbungen von Chanel und Dior zu hören. Taylor Skye und Georgia Ellery spielen sich auf der zweiten EP »Wicked City« passgenau die Bälle zu.
Music Liste
Jay Glass Dubs
10 All Time Greek Favs
»Soma« heißt auf Griechisch Körper und an den richtet sich die Musik von Jay Glass Dubs. »Soma« heißt sein neues Album. Das war die Chance den Griechen nach 10 Schallplatten zu fragen, die ihn geformt haben. Er antwortet griechisch.
Music Kolumne
Record Revisited
Elliott Smith – Elliott Smith (1995)
Die neunziger Jahre waren ein lautes Jahrzehnt, doch sie gaben uns auch die Musik von Elliott Smith. Dessen zweites Album »Elliott Smith« setzte einen stillen, inwendigen Kontrapunkt zum Weltgeschehen.
Music Kolumne
Records Revisited
Joy Division – Closer (1980)
Joy Divisions Album »Closer« war ein Zwischenschritt, ein halbherziges, halbbeseeltes Statement von vier jungen Männern auf ihrem Weg in neue Untiefen. Nur einer aber wollte, konnte nicht vom Fleck kommen.
Music Porträt
WeWantSounds
Ansteckende Leidenschaft
Den Grund für die Label-Gründung trägt WeWantSounds im Namen. Seit 2015 veröffentlicht der Pariser Zweimannbetrieb persönliche Lieblingsmusik aus den Siebzigern und Achtzigern. Bei der Auswahl spielen Genre- und Landesgrenzen keine Rolle.
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
Arca – KiCK i
»KiCK i« soll das erste von vier neuen Arca-Alben sein. Während sich einer unserer Autoren dazu auf dem Shakti-Kissen lümmelt, surft der andere auf Soundcloud das Reggaetón-Tag ab und bewundert der Dritte das Songwriting der Platte.
Music Essay
Baltic & Finnish Jazz
Grenzen ausbooten
Während Jazz von London bis L.A. eine neue Pop-Sensibilität entwickelt oder Fusion updatet, werden an den Ostseeküsten kühle Geschmacksrichtungen zwischen Nachwuchs und Nostalgie kultiviert. Weltoffen ist Jazz auch hier – und total eigen.
Music Kolumne
Aigners Inventur
Juli & August 2020
Hier werden persönliche Anekdoten zu programmatischen Allegorien: Aigners Inventur verabschiedet sich schlussendlich mit einem Wimmern in die Sommerferien. Es ist schließlich 2020.
Music Porträt
International Anthem Recordings
Die Suche nach dem Echten
Seit sechs Jahren liefert das Label International Anthem aus Chicago zuverlässig Jazz mit ganz eigener Attitüde. Wobei sich die Gründer fast jeder Zuschreibung verweigern. Für sie gilt: Der schönste Klang ist stets das Echte.
Music Liste
Halbjahresrückblick 2020
50 best Vinyl Records so far
Wahrscheinlich wird man in 40 Jahren zwei Fragen beantworten müssen: Was man 2020 selbst gegen das Leid und die Ungerechtigkeit getan und welche Platten man gehört hat. Bei der Beantwortung der zweiten Frage, können wir behilflich sein.
Music Porträt
We Jazz
Mit Betonung auf Wir
We Jazz, das steht für überraschenden Jazz aus dem Norden. Und noch mehr. Seit 2013 gibt es das Festival in Helsinki, seit 2016 das Label. Dort verlegt Matti Nives vorwiegend finnische Bands. Wir stellen euch das Label vor.
Music Porträt
Roy Ayers
Vibrationen zum Wohlfühlen
Er zählt zu den meistgesampelten Musikern der Gegenwart. Mit Songs wie »Everybody Loves The Sunshine« wurde Roy Ayers, der im September seinen 80. Geburtstag feiert, zur Legende. Auf Jazz Is Dead sind nun neue Songs von ihm erschienen.
Music Porträt
Sven Wunder
Wer bin ich?
Es kursieren gerade zwei Alben, die Liebhabern des Rare Groove Freudentränen in die Augen treiben. Das eine, »Doğu Çiçekleri«, spricht seine musikalische Sprache mit türkischen Akzent, »Wabi Sabi« mit japanischem. Doch wer ist Sven Wunder?
Music Kolumne
Records Revisited
Prefab Sprout – Steve McQueen (1985)
Eigentlich wollte Paddy McAloon Priester werden, Menschen von den Worten Gottes berichten. Stattdessen gründete er eine Band. 1985 veröffentlichten Prefab Sprout »Steve McQueen«, das wahrscheinlich schönste Popalbum der Achtziger Jahre.
Music Porträt
upsammy
Das Kleine im Großen
Die Niederländerin Thessa Torsing hat unter dem Pseudonym upsammy in den letzten Jahren die gefragtesten Dancefloors bespielt. Aber auch ihre eigenen Soundproduktionen haben über transkontinentale Wege hinaus Gehör gefunden.
Music Interview
Gary Bartz
»Wir sehen die Realität nicht mehr«
Der Grammy-prämierte Sopransaxophonist Gary Bartz stand mit Miles Davis, Art Blakey und Max Roach auf der Bühne. Jetzt hat er mit der britischen Band Maisha eine Platte aufgenommen – und Neues entdeckt.
Music Kolumne
Records Revisited
Quasimoto – The Unseen (2000)
Vor zwanzig Jahren schloss sich Madlib in den Keller von Peanut Butter Wolf ein und kam als gelbes Alien mit Schweineschnauze raus. Lord Quas war geboren und »The Unseen« hat das Character Design im Hip-Hop auf eine neue Stufe gehoben.
Music Porträt
Dekmantel
Unendliche Ferien
Seit über zehn Jahren löst Dekmantel aus Amsterdam als Label, Festival und Veranstalter die Quadratur des Kreises: Innovation und Untergrund mit Qualität zu verbinden. Ein Ende? Auch in Krisenzeiten nicht in Sicht.
Music Liste
Rafael Anton Irisarri
10 All Time Favs
Ambient? Vielleicht. Aber mit Splittern von Metal, Neo-Klassik und anderem. Rafael Anton Irisarri malt mit dickem Pinselstrich überwältigende Klanggemälde. Für uns hat der US-amerikanische Komponist seine Einflüsse offengelegt.
Music Interview
Eloquent & Knowsum
Jaylib auf LSD
Eloquent und Knowsum, das ist eine Liason, die sich angedeutet hat. »JLALSD« heißt das gemeinsame Album. Das Akronym steht für Jaylib auf LSD. Wir sprachen mit beiden über ihre Zusammenarbeit, »Champion Sound« und das Streben nach Glück.
Music Porträt
Motohiko Hamase
Gemeinsam mit der Welt allein
Motohiko Hamase beendete seine Karriere in der Jazz-Szene Japans so schnell, wie sie begonnen hat. In einem Zeitraum von knapp einem Jahrzehnt veröffentlichte er fünf Alben mit ausgesprochen wundersamer Musik. Ein Porträt.
Music Porträt
Kaitlyn Aurelia Smith
Freundlichkeit durch Klang verbreiten
Ihre Musik ist wie ein langer, ruhiger Fluss aus Strom: Kaitlyn Aurelia Smith macht mit Synthesizern und Stimme Musik, die mehr auf Entspannung als auf Anspannung setzt. Ihr neues Album erweitert diesen Weg durch Körperbewegungen.
Music Porträt
Muriel Grossmann
Abstraktion mit Blick aufs Meer
Die Saxofonistin Muriel Grossmann kommt auf den Balearen zur Abstraktion, reitet mit Hard Bop die Wellen und bringt sogar Milliardäre aus der Fassung. Wer ist die heimliche Pionierin des spirituellen Revivals?