Art Bericht | verfasst 17.12.2013
Peter Beste & Lance Scott Walker
Houston Rap
An was denken wir, wenn wir an Houston denken? Sizzurp, Codein und langsam fahrende Autos dürfte die Antwort der meisten sein. Wie begrenzt diese Antwort ist, zeigt das Buch von Peter Beste und Lance Scott Walker, »Houston Rap«.
Text Pippo Kuhzart , Fotos Peter Beste

Houston spielte eine große Rolle im Rap 2013, ohne dass die Akteure tatsächlich aus Houston kamen. Mit A$AP Rockys »LongLiveA$AP« und Drakes »Nothing Was The Same« hat die Stadt gleich zwei der größten Rap-Veröffentlichung mit ihrem Sound geprägt. Doch um Rapper aus Houston ist es still geworden; so jedenfalls nimmt es die Masse wahr. Denn die große Zeit von Rappern aus Houston ist vorbei. Viele ihrer Helden sind tot: DJ Screw, Pimp C, Big Hawk, um nur einige zu nennen.
Es war 2005, als Mike Jones mit »Still Tippin‘« Rap aus Houston in den Fokus des Mainstreams rückte. Während der Mainstream sich schnell wieder für anderes interessierte, verbreiteten sich die Einflüsse weiter und weiter und erreichten dieses Jahr ihren vorläufigen Höhepunkt. Kaum ein Deutschrapper, der keine heruntergepitchten Stimmen auf seinem Album hat; selbst Refrains von Miley Cyrus‘ bedienen sich der Formel von DJ Screw. Sein Chopped & Screwed-Sound ist ein Standard-Rezept geworden. Doch das ist nicht das einzige Rezept mit Houstoner Herkunft, das weit verbreitet ist. Der codeinhaltige Hustensaft gemischt mit einem Softdrink, genannt »Sizzurp«, wurde zur ›Szenedroge‹. In etlichen Rap-Videos posieren die Darsteller mit dem Double-Cup. »Ich glaube, der größte Irrglaube was Houston anbelangt ist, dass es nur um Frauen, Autos und Codeine geht. Natürlich sind diese Themen ein großer Teil des Repertoires vieler Rapper, aber es gibt einen riesigen Underground mit Rappern, die ›wacher‹ sind, die über alltägliche Probleme sprechen und stereotypische Fallen vermeiden« (Peter Beste)So bleibt Houston in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit vertreten, die die Stadt dadurch vermehrt eindimensional wahrnimmt. »Houston Rap«, das Buch von Fotograf Peter Beste und Schriftsteller/Journalist Lance Scott Walker, könnte nun helfen, diese Wahrnehmung zu differenzieren. Neun Jahre lang haben sie die Houstoner Rap-Gemeinde dokumentiert. »Houston Rap« fängt den Geist der viertgrößten Stadt der USA ein. Es zeigt nicht nur, dass Rap aus Houston einfach weitermachte, nachdem Künstler wie Chamillionaire das Rampenlicht wieder verließen, es beschäftigt sich auch mit der Entwicklung der Stadt als solche (Stichwort: Gentrifizierung) und dem Charakter berüchtigter Viertel wie Fifth Ward, Third Ward und South Park. Das Buch blickt hinter die stereotype Wahrnehmung der Stadt; Beste und Walker wahren sich dabei einen objektiven Blickwinkel und lassen stattdessen die Menschen selbst zu Wort kommen: Jeder, vom Rapper über DJ bis hin zum Geschäftsmann und der Dame von Nebenan erzählt von seinem/ihrem Standpunkt. So zeigt »Houston Rap« eine Stadt, die viel mehr ist als C&S und Purple Drinks, in all seiner Tiefe und seiner Widersprüchlichkeit. Aufgebaut ist es wie ein 24-Stunden-Ausflug durch Houston. Man streift durch die Ghettos, geht mit ins Studio, in den Strip-Club und zurück, während einem die Leute der Stadt Geschichtliches und Anekdoten erzählen. Wir haben einige Fotos für euch ausgewählt, untern denen jeweils Zitate von entweder Peter Beste oder Lance Scott Walker aus unserem Interview mit den beiden zu lesen sind.

»Houston Rap« von Lance Scott Walker und Peter Beste findest Du bei hhv.de als Deluxe-Edition mit 7inch von DJ Screws Versionen von UGK’s »Tell Me Something Good« and Fat Pats »Tops Drop«.
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