Music Kolumne | verfasst 04.06.2014
Zwölf Zehner
Mai 2014
Willkommen im Juni. Doch vorher lassen unsere Kolumnisten vom Dienst den Monat Mai musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Text Florian Aigner, Paul Okraj

01-maxd Der Mai, das ist der letzte Monat vor der sommerlichen Offenbarung, die wirklich ersten heißen Tage des Jahres klingen aus und die Gemütslage tendiert noch mehr gen House Music also ohnehin schon. Aber im Sommer, da kann man sich nicht mit irgendwas zufriedengeben, das müssen schon amtliche Anthems sein. Unser Spezi Max D, der weiß das, auf ihn ist Verlass. Also propagiert er den Sommer mit einem Track, der hoffentlich das Feuer legt für einen Trend, der uns die nächste Zeit über begleiten soll: Jungle House! Nicht lediglich so subtil angedeutet wie in vielen Platten der vergangenen Monate. Nein, Max D geht keine Kompromisse ein. Die Breaks dürfen dann ruhig bockbeinig scheppern. Die Fanfaren pfeifen währenddessen den Spatz von den Dächern und der Bass, ja, der bläst durch das Didgeridoo Richtung Sonnenuntergang. What the fuck, »High Life« ist mal wieder so unglaublich, so eine typische Swimmers-Platte, perfekt für den Sommer, nonchalant wie nonkonform. Man muss den Max einfach so gern haben.

Max Ds »High Life« auf Soundcloud anhören

02-hercul Zugebenen: schon das Original ist so ein Hit, dass vermutlich sogar ich diese Spuren nicht hätte so anordnen können, dass »I Try To Talk To You« nicht Konsens bleibt. Aber wie stilsicher hier Morgan Geist seine Storm Queen Synths für den Refrain völlig ungeniert auf die Spitze treibt und Vers 1 mit einem minimalistischen Bass/Drum-Korsett noch kraftvoller wirken lässt, ehe in Strophe 2 dann jede Zurückhaltung flöten geht und Hercules & Love Affair auf einmal auf ihrem größten Hit seit »My House«, ach was sag ich, seit »Blind« sitzen, das, ja das ist ganz großer Freudentaumel und kontextuell von Defected bis Grillparty eine absolute Allzweckwaffe. We <3 Morgan.

Hercules & Love Affairs »I Try To Talk To You (Morgan Geist Remix)« auf Soundcloud anhören

03-chaosFind it at hhv.de: 12inch Oh, Danny gönn dir doch mal ein bißchen Tageslicht, geh mit Xosar mal zum Italiener, esst eure Ravioli einmal nicht auf einer Juno und macht eine Soft Rock Platte in eurem Karibik-Urlaub. Das wäre eigentlich das einzige, was Legowelt uns bis jetzt schuldig geblieben ist. In Sachen Techno/House/Electro wird hier immer noch in Akkordarbeit alles abgerissen, proggier als all seine Kollegen, aber auch häufig brachialer, hinterfotziger. All das und noch mehr passiert erneut auch auf »Delorean Dream«, das Legowelt in eine Sci-Fi-Verfolgungsjagd verwandelt, die von Minute zu Minute hektischer wird und nach dem großen Acid-Crash postapokalyptisch ins Jenseits fadet. Ganz groß und wieder mit diesem eher zu erahnenden, als tatsächlich hörbaren fiesen Wolfers-Zwinkern programmiert.

Chaos In The CBDs »DeLorean Dreams (Legowelt By A Light House Remix)« auf Soundcloud anhören

 

04-french French Montana löst irgendwie immer Mitleid in mir aus. Egal ob er in Chiraq Hoodcredits sammeln geht, mit Diddy sonnenbebrillt anstößt, mit Jalen Rose halbwissend NBA-Gibberish von sich gibt oder sich wie hier über einen Harry Fraud Beat von Jada in Grund und Boden rappen lässt: Er wirkt immer wie ein Fremdkörper, wie das Stuntdouble für den eigentlichen 16er, der an jener Stelle vorgesehen war. Das ist tragisch, aber irgendwie auch knuffig. Und weil Harry Fraud auf »88 Coupés« endlich mal wieder seine Tru School’ismen richtig portioniert hat, wirkt das auch gar nicht mal so hüftsteif wie über ein Young Chop Snare-Gemetzel. Nun gut, zumindest bis Jadakiss, der alte Raptor, keifend und spuckend alles in Stücke reißt und man sich mal wieder die Frage stellen darf, ob Jay-to-the-Mmmhwa der beste Feature-Rapper der Geschichte ist.

French Montanas & Jadakiss’ »88 Coupes« auf Youtube anhören

05-JohnFind it at hhv.de: 12inch Hat John Roberts auf seinem ewigen Trip bei Gui Borratos Familie in Brasilien überwintert oder wie dürfen wir uns diese neue Hymnenhaftigkeit erklären? Melodien konnte Roberts zwar schon immer, aber kaum ein Track Roberts’ hatte einen derart undistanzierten, ungebrochenen Impetus auch große Tanzböden zu bedienen. Natürlich lässt er sich dafür erstmal staatsmännische zweieinhalb Minuten Zeit, aber dann klingt »Ausio« ein bisschen so, als würden sich Ame mit Oni Ayhun zusammentun um Gui Borratos ungenierteste Momente zu remixen, insbesondere wenn Roberts nach guten fünfeinhalb Minuten die eigene Verkopftheit kurz einholt und all die Schönheit kurz mit Glitches in der Matrix bekämpft wird, ehe Roberts doch wieder loslassen kann und dem Flur nochmal zwei Minuten Glückseligkeit gönnt.

John Roberts’ »Ausio« auf Soundcloud anhören
 

06-bloodFind it at hhv.de: 12inch Ein bißchen Leid kann einem Robert Owens hier schon tun. Man wird irgendwie das Gefühl nicht los, dass diese postmodernen Zyniker Blood Orange und Kindness den großen Mister der House-Music mehr als Token, denn als genuinen Gesangspartner geladen haben, um Kindness’ kein Disco-Klischee scheuende Neubearbeitung um ein Meta-Statement reicher zu machen. Das zumindest ist die Assoziationskette, bevor Kindness einen fetten Slap-Bass vorausschickt, um gefühlstechnisch direkt vorzufühlen, ehe der Altmeister sparsam aber äußerst beeindruckend Seele in diese ganzen desillusionierten Normcore-Pin-Ups haucht. Klar ist das auch äußerst eitel, aber auch auf eine sehr verschwitzte Art und Weise geil.

Blood Oranges »ACE (Kindness Remix)« auf Tape.TV anhören
 

07-gerryFind it at hhv.de: 12inch Das hätte ich von Gerry Read jetzt nicht erwartet. Legt er doch sonst gerne richtig viel Wumms in die Instrumentalisierung, dreht das Disco-Sample gern in den Filteranschlag und boxt die Kick brachial durch den Kompressor. »Charcoal« hingegen ist für seine Verhältnisse geradezu grazil. Warme Chords legen sich über eine verspielte, unglaublich catchy eingespielte Bassline, die ununterbrochen im Zentrum bleibt, während sich die filigranen Hi-Hats und das kurze Vocalsample nebst kleiner Effekt dezent um diesen verführerischen Groove winden. Diese Bassline. Das ist die richtige Richtung, liegt doch die Vermutung nahe, dass Gerry Read sich mit seinem ewig währenden wie sich stets wiederholenden Prinzip bald ein Eigentor schießt. »Charcoal«, Vorsicht Wortwitz, holt jetzt die Kohlen aus dem Feuer. Und nochmal: diese Bassline!

Gerry Reads »Charcoal« auf Spotify anhören
 

08-2chainz »Trap Back« beginnt mit einer tumben Gilbert Arenas Punchline, die in ähnlicher Form bereits dutzendfach geschrieben wurde, und endet mit einem Oralsex-Teekesselchen (Head/Cold/Beanie), für das sich selbst Farid Bang zu schade wäre, aber ich kann mir nicht helfen: 2 Chainz ist zumindest für mich eine der unterhaltsamsten Kuriositäten des Rapspiels. Mit so viel Verve und Hingabe wünscht er sich hier über einen erstaunlich sperrigen Beat die gute alte Zeit im Drecksloch zurück, nur um drei Zeilen später zu berichten, dass seine Olle jetzt in London shoppen geht und dafür viel Liebe hat. Sinn möge der finden, für den sowas 2014 noch eine Rolle spielt, ich unterlege damit dann mal den nächsten Einmarsch der neuen Volkshelden aus Costa Rica.

2 Chainz ’»Trap Back« auf Youtube anhören

09-naples Ein House-Techno-Hybrid-Killer im Monat für die Zwölf Zehner, das muss auch im Mai schon drin sein. Hier hält Anthony Naples die Stellung mit einer neuen Platte für The Trilogy Tapes, der auf »More Problem« genau dort anknüpft, wo Daywalker+CF im Vormonat die Spitzenposition an sich riss. Nun gut, ganz so viel Euphorie wie »Supersonic Transport« kann »More Problem« nicht transportieren. Nichtdestotrotz berauscht sich dieses Gemisch aus fortwährend treibenden Hi-Hats und den mal klaren, mal aus dem Echo wiederkehrenden Klavierstabs nicht nur an sich selbst, es macht auch unmissverständlich klar, an welcher Stelle man diese Platte bitteschön anordnen soll: Peak Time, Peak Time, Peak Time. Und wenn diese prägnant kurzen Akkordfolgen den Endorphinausstoß des Körpers zum Höchstmaß rütteln, setzt Napels der Schelm heimtückisch auf Entschleunigung, nimmt neuen Anlauf und beginnt das Szenario von Neuem. Coming this summer to your favorite club.

Anthony Naples’ »More Problem« auf Soundcloud anhören

10-kiesza Selten trifft der Begriff »Multitalent« so perfekt auf eine Künstlerin zu, wie auf die gebürtige Kanadierin Kiesza (gesprochen: Kaisa): Angehende Ballerina, passionierte Navy-Reservistin, begeisterte Seglerin, hochbegabte Schützin und natürlich Songwriterin und Sängerin. Das spiegelt auch der Lebenslauf der 25-Jährigen wider, die lieber die Weltmeere besegelte und eine Ausbildung zur Scharfschützin ablehnte, um sich dann der Musik zu widmen. Kiesza erhielt daraufhin ein Stipendium am renommierten Berklee College of Music in Boston. Nach einem ausgiebigen Abstecher in der New Yorker Clubszene hat es Kiesza nun nach London verschlagen. Von dort aus erobert sie jetzt die Musikwelt: Mit ihrer Debütsingle “Hideaway” stürmte Kiesza in der 1. Woche auf Platz 1 der UK-Charts! Und liefert das am schnellsten verkaufte Debüt des Jahres ab. Genug im Pressetext. Und wir haben mal wieder nichts mitbekommen. Doch dann nach zu viel Radler auf dem Beat-BBQ sitzen wir bei einem Freund, schwärmen für die vietnamesische Küche auf GustoTV und blenden in der Werbepause über zu MTV, wo Kiesza’s »Hideaway« in uns spontane Assoziationsketten zu Robin S., Gala oder Sophie-Ellis Baxtor weckt. Was für ein Feel-Good-House-Anthem, bei dem lediglich dieser angedeutete EDM-Drop etwas lästig, aber sonst so viel richtig ist! Und sie trägt sogar Knieschoner unter der Jeans, wir mögen sie auf Anhieb. Manchmal können selbst 27 Millionen Youtuber-Views nicht irren. Hach Kiesza.

Kieszas »Hideaway« auf Youtube anhören

Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Kolumne | verfasst 02.05.2011
Zwölf Zehner
April 2011
Willkommen im Mai. Doch vorher lassen Florian Aigner und Paul Okraj den Monat April musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Kolumne | verfasst 04.10.2011
Zwölf Zehner
September 2011
Willkommen im Oktober. Doch vorher lassen Florian Aigner und Paul Okraj den Monat September musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Kolumne | verfasst 06.03.2013
Zwölf Zehner
Februar 2013
Willkommen im März. Doch vorher lassen unsere Kolumnisten vom Dienst den Monat Februar musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Kolumne | verfasst 04.12.2011
Zwölf Zehner
November 2011
Willkommen im Dezember. Doch vorher lassen Florian Aigner und Paul Okraj den Monat November musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Kolumne | verfasst 12.09.2012
Zwölf Zehner
August 2012
Willkommen im September. Doch vorher lassen unsere Kolumnisten vom Dienst den Monat August musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Kolumne | verfasst 30.12.2013
Zwölf Zehner
Jahresrückblick 2013 (Teil 1)
Streitbar, scheuklappenfrei, hart und herzlich, House und R&B, Hip-Hop, Trap, Kanye und Post-Everything. Das Kolumnen-Duo plus Kunze schließt das Jahr 2013 mit einer Auswahl seiner 50 liebsten Tracks ab.
Music Kolumne | verfasst 05.03.2014
Zwölf Zehner
Februar 2014
Willkommen im März. Doch vorher lassen unsere Kolumnisten vom Dienst den Monat Februar musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Review | verfasst 01.11.2010
Maxmillion Dunbar
Cool Water
Slow Motion House? Cosmic Boogie? Alles kann, nichts muss. Wir müssen vor allem eines: Staunen über eines der besten Alben des Jahres.
Music Review | verfasst 28.04.2015
Lifted
1
Max D und Co La haben einfach mal gemacht: Das hier der improvisierte Wahnsinn mit besonnenem Kern.
Music Porträt | verfasst 10.10.2010
Maxmillion Dunbar
Von Hip Hop bis »Bauhouse«
Maxmillion Dunbar versteht es Genres auszureizen: Ob als Hälfte der Beautiful Swimmers, als Teil der Hip Hop-Formation Food For Animals oder nun auf Solopfaden. Andrew Field-Pickering sucht in allen Musikrichtungen die Innovation.
Music Interview | verfasst 30.07.2011
Beautiful Swimmers
Get symbolized, yo!
Auf ihrer Deutschlandvisite schnappten wir uns Ari und Andrew (alias Maxmillion Dunbar), die als Beautiful Swimmers eklektische Tanzmusik produzieren, sperrten sie zwei Stunden weg und spielten ihnen Platten vor. Get symbolized, yo!
Music Kolumne | verfasst 13.03.2013
Hyperton
März 2013
Hyperton ist der monatliche Blick über den eigenen Tellerrand hinaus. Wir treffen eine kleine Auswahl an aktuellen Schallplatten und schauen mal nach, was die anderen Gazetten so schreiben.
Music Review | verfasst 23.02.2011
Hercules & Love Affair
Blue Songs
Mit Blue Songs gelingt Andrew Butler ein weiteres imponierendes und überraschendes Album.
Music Review | verfasst 03.12.2012
Hercules and Love Affair
DJ Kicks
Andrew Butler, Mastermind hinter Hercules and Love Affair, widmet seine Ausgabe der DJ Kicks dem New York der Neunzigerjahre.
Music Review | verfasst 13.06.2014
Hercules & Love Affair
The Feast of the Broken Heart
Böse Basslines, eine old-schoolige House-Produktion: Hercuels & Love Affair haben sich auf »The Feast of the Broken Heart« viel vorgenommen.
Music Bericht | verfasst 02.03.2011
Hercules & Love Affair
Live am 28.2. im Kölner Bahnhof Ehrenfeld
Wann tanzten zuletzt an einen Montagabend – »the last day of the weekend« – derart viele Menschen zu pulsierender House-Musik?
Music Review | verfasst 17.04.2014
Legowelt
Crystal Cult 2080
Legowelts neues Werk »Crystal Cult 2080« bleibt eine wunderbare Konstante. Zehn Mal Techno, etwas Esoterik und dennoch diese Techno-Dynamik.
Music Review | verfasst 13.03.2015
Legowelt
Immensity Of Cosmic Space
Neue Woche, neues Legowelt-Release. Mit »Immensity Of Cosmic Space« bricht Danny Wolfers ins Unbekannte auf.
Music Review | verfasst 25.10.2019
Occult Orientated Crime
The Occult Orientated Crime Album
Occult Orientated Crime ist weitere Seitenprojekt des Niederländers Legowelt. »The Occult Orientated Crime Album« ist nicht von dieser Welt.
Music Review | verfasst 30.11.2020
Legowelt
System Shapeshift EP
Schon fast ein Minialbum: Die »System Shapeshift EP« des niederländischen Produzenten Legowelt lebt von ihrer Rätselhaftigkeit.
Music Review | verfasst 22.02.2021
Legowelt
Pancakes With Mist
»Pancakes With Mist«, das neueste Werk des niederländischen Virtuoso Legowelt, ist nun auch auf Vinyl erschienen.
Music Liste | verfasst 04.08.2017
Ausklang | 2017KW31
8 essentielle neue Platten
Hunderte neue Releases, jede Woche. Davon viele sehr gut – und bereits von diversen Portalen vorgestellt. Wir präsentieren: die unvorgestelltesten, besten Releases der Woche. Ab vom Schuss, leicht daneben und tierisch geil: der Ausklang.
Music Porträt
Arsivplak
Vergangenheit, neu aufgelegt
Volga Çobans Label Arsivplak und das Edit-Projekt Arşivplak sind zwei Seiten derselben Medaille: Einerseits ist er Archivar von türkischem Funk, Disco, Pop, Rock und Jazz, andererseits wirft er ein neues Licht auf alte Klänge.
Music Kolumne
Records Revisited
Grace Jones – Nightclubbing, 1981
Nachtleben für Androiden: Grace Jones sorgte auf »Nightclubbing« mit einer der besten Rhythmusgruppen der Welt dafür, dass Reggae und New Wave im Pop der Achtziger neues Eigenleben entfalteten.
Music Kolumne
Aigners Inventur
Mai & Juni 2021
Die eine Konstante in der Ära von Impfneid, Merzismus und Notbremsenbeef: Aigners Inventur fühlt sich vier Minuten vor Beginn der Ausgangssperre verwegen, hält sich für den Nabel der Deutschrapwelt und kopiert sich nur selbst.
Music Liste
Crumb
10 All Time Favs
Seit ihrem Debüt 2019 gelten Crumb als eines der heißesten Feuer in der Musiklandschaft. Nun ist ihr neues Album »Ice Melt« erschienen. Die Gelegenheit sie nach 10 Schallplatten zu fragen, die sie geformt, gebessert und gebildet haben.
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
Scotch Rolex – Tewari
Ist es Hip-Hop? Ist es Metal? Ist es Dancehall? Ist es Musik, die du nicht raffen wirst? Ist es unfair, dass die Clubs geschlossen sind? Unsere Vinyl-Sprechstundler gehen gleichermaßen clubhorny wie verstört aus DJ Scott Rolex’ »Tewari«.
Music Interview
Adrian Younge
Sonische Geschichtsstunde
Mit »The American Negro« beginnt ein neues Kapitel in der Arbeit von Adrian Younge. Sie ist frontaler, politisch aufgeladener und selbstsicherer. Er will lehren. Wir hatten die Gelegenheit zu einem ausführlichem Interview.
Music Liste
Leon Vynehall
10 All Time Favs
Mit seinem neuen Album »Rare, Forever« setzt der britische Produzent Leon Vynehall den Weg fort, den er mit »Nothing Is Still« begonnen hat. Uns verrät er heute 10 Schallplatten, die ihn geformt, gebessert und gebildet haben.
Music Kolumne
Records Revisited
Gil Scott-Heron – Pieces Of A Man (1971)
Man nannte ihn den »Godfather of Hip Hop«, weil er über Drogen, Rassismus und die Divided States of America textete. Mittlerweile ist das erfolgreichstes Album von Gil Scott-Heron 50 Jahre alt – und aktueller denn je.
Music Kolumne
Records Revisited
Deftones – White Pony (2000)
Die im Juni 2000 veröffentlichte LP »White Pony« wurde deshalb zu einem dermaßen bahnbrechenden Album, weil sich die Deftones darauf erstmals als die Zitationsmaschine in Szene setzen, die sie eigentlich immer schon gewesen waren.
Music Liste
Jenn Wasner (Flock Of Dimes)
10 All Time Favs
Mit ihrem Soloprojekt Flock of Dimes hat Jenn Wasner gerade ihr persönlichstes und zugleich substanziell weitreichendstes Album vorgelegt. Wir baten die Musikerin uns 10 Schallplatten zu nennen, die sie geformt, gebessert, gebildet haben.
Music Porträt
Gondwana Records
Seele und Charakter
Als DJ und Musiker wurde Matthew Halsall zum Labelbetreiber. Ausgehend von einem lokalen Fokus auf die Jazzszene Manchesters hat der Trompeter seinem Label Gondwana mittlerweile eine recht internationale Ausrichtung gegeben.
Music Kolumne
Records Revisited
Busta Rhymes – The Coming (1996)
Als vor 25 Jahren »The Coming« erschien, war Busta Rhymes kein Unbekannter mehr. Sein Solodebüt mit dem Hit »Woo Hah!! Got You All In Check« machte ihn zu einem der größten Rapstars seiner Zeit. Wie klingt das Album heute?
Music Kolumne
Records Revisited
Yellow Magic Orchestra – BGM (1981)
Winke für die Zukunft: Die japanischen Synthesizerzauberer des Yellow Magic Orchestra entwarfen auf ihrem vierten Album »BGM« eine Background Music für nachfolgende Generationen.
Music Kolumne
Records Revisited
Coil – Love's Secret Domain (1991)
Techno ist es nicht – doch hinterließ »Love’s Secret Domain« tiefe Furchen in der Clubmusik der 1990er Jahre und markierte für Coil jenen Wendepunkt, ab dem ihr Wirken eine neue Richtung einschlug. Das Projekt hätte es fast zerrissen.
Music Porträt
Die P
Die Messlatte höher legen
Sie ist das erste Signing des All Female*-Labels 365xx Records und veröffentlicht dieser Tage ihr Debüt »3,14«. Für Die P ist die Golden Era schlicht nachhaltig, Competition ist für sie Ansporn, besser zu werden. Ihr Ziel: Zeitlosigkeit.
Music Porträt
Important Records
Deep Listening Forever!
Ob Pauline Oliveros, Éliane Radigue, Alina Kalancea oder Caterina Barbieri: Seit 20 Jahren ist Important Records wie ein gut bestückter Plattenladen für aufregende Sounds – die beste Anlaufstelle für Musik, die intensiv gehört werden muss.
Music Kolumne
Aigners Inventur
März & April 2021
Die ganze Welt verarbeitet im März 2021 immer noch den März 2020, nur unser Kolumnist ist weiterhin auf der Suche nach Wrong-Speeder-Optionen. Aigners Inventur: Dub aus dem Abyss und durch die FFP2-Maske gerauchte Kippen.
Art Porträt
Vincent de Boer
Wie Jazz mit Pinseln
Der niederländische Künstler Vincent de Boer ist zu einem festen Bandmitglied der britischen Jazzer von Ill Considered avanciert. Er zeichnet Plattencover auf Basis der gehörten Grooves. Für »The Stroke« wurde der Prozess nun umgedreht.
Music Kolumne
Records Revisited
Dinosaur Jr – Green Mind (1991)
Viele Rockbands nehmen zu Beginn der 1990er Jahre ihre bis dahin besten Alben auf. Auch Dinosaur Jr. Während die Band selbst bei den Aufnahmen bereits auseinanderbricht, strotzt ihr viertes Album »Green Mind« vor Kreativität.
Music Porträt
Phew
Ein Leben gegen den Strich
Punk mit Aunt Sally, Synth Pop mit Sakamoto und experimentelle Musik solo und mit anderen: Die japanische Musikerin Phew sucht seit über vier Jahrzehnten die Fehler in der Musik, weil sich darin nur deren Möglichkeiten offenbaren.
Music Porträt
Far Out Recordings
Im Epizentrum der Brazil-Welle
Joe Davis ist der Lokführer, auf dessen Zug Mitte der Neunziger eine ganze Generation Brazil-affiner Producer aufsprang. Mit seinem Label Far Out Recordings wurde er zum weltweiten Statthalter brasilianischer Musikkultur.
Music Kolumne
Records Revisited
Carole King – Tapestry (1971)
Carole King wollte nie Popstar werden, sondern nur Songs schreiben. Weil sie das aber konnte wie niemand sonst, wurde sie es dennoch – mit »Tapestry«, ihrem Debütalbum aus dem Februar 1971.
Music Interview
Audio88 & Yassin
Der bessere Diss
Auf das verflixte fünfte Album von Audio88 und Yassin mussten Fans verflixte fünf Jahre warten. Im Zuge des Weltgeschehens ist es kein Wunder, dass sie radikaler auftreten als je zuvor. Ein Interview anlässlich des neuen Albums »Todesliste«
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
Madlib – Sound Ancestors
»Das erste Madlib-Album, das wirklich als Album gehört werden kann«, sagte Four Tet. – Das ist doch Schwachsinn, sagen unsere Kolumnisten. Sie fragen sich: Hat Madlib hier nicht einfach gemacht, was er immer gemacht hat – und…will man das?
Music Kolumne
Records Revisited
Jan Jelinek – Loop-Finding-Jazz-Records (2001)
2001 hing Jan Jelinek das Ego an den Nagel und lud seinen Sampler mit Klängen von Jazz-Platten auf, um daraus Loops zu basteln. Die liefen aneinander vorbei und bildeten Moiré-Effekte. Davon lebt die Magie von »Loop-finding-jazz-records«.
Music Interview
The Notwist
»Es ist immer ein Zurückkommen«
The Notwist sind wieder da. Sieben Jahre haben sich die Brüder Markus und Michael Acher Zeit gelassen, mit Cico Beck einen Ersatz für Martin Gretschmann gefunden, und einen Klang gefunden, der universeller ist als je zuvor. Ein Interview.
Music Kolumne
Records Revisited
Brian Eno & David Byrne – My Life In The Bush Of Ghosts (1981)
Ethno-Sampling als Pop: Mit ihrem Album »My Life in the Bush of Ghosts« landeten Brian Eno und David Byrne 1981 einen Innovationshit. 40 Jahre später klingt das selbstverständlich. Dafür ergeben sich andere Schwierigkeiten mit dem Ansatz.
Music Interview
Common
»Befreiung fängt im Kopf an«
Sein neues Album trägt den Namen »A Beautiful Revolution Pt.1«, erschien bereits im Oktober digital und in diesen Tagen wird es nun auch auf Vinyl veröffentlicht. Wir nutzten die Gelegenheit mit dem Rapper aus Chicago zu sprechen.
Music Porträt
Zoviet France
Fiebertraum vom Ende
Keine Namen, keine Gesichter, keine Tradition: Zoviet France wollten als anonymes Kollektiv Anfang der Achtziger die Antithese zum orthodoxen Kunstverständnis formulieren – und wurden dabei zu Kultfiguren wider Willen. Bis heute.
Music Liste
Aigners Inventur
Januar & Februar 2021
Ist es Gott? Ist es Hesse? Ist es Domian? Nein, es ist zum Glück einfach nur der Aigner. Der hat die Gardinen seit Wochen maximalst zugezogen und schickt uns die erste Inventur des noch fast unbefleckten neuen Jahres aus dem Kabuff.
Music Liste
Aaron Frazer
10 All Time Favs
»Introducing« heißt das erste Soloalbum von Aaron Frazer. Als Schlagzeuger von Durand Jones & The Indications ist er aber längst kein unbekannter. Musikalisch geht’s in die Sechziger. Uns sagt er, was ihn wirklich musikalisch geprägt hat.
Music Porträt
On The Corner
Banger für das Hinterzimmer
Mit seinem Label On the Corner Records serviert Pete Buckenham einen berauschenden Eintopf aus afro-futuristischen Jazz-Konzepten und zeitgenössischen Street Grooves und stößt er heute bereits die Pforten zum Sounduniversum von morgen auf.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 50 Albums
Sprechen wir es aus: Musik ist in Gefahr, weil sie nicht gemeinsam erlebt werden kann und weil ihre Macher*innen sich seit Monaten in einer existenziellen Krise befinden. Auf Schallplatte gab es dennoch einiges zu hören, wie diese 50 Alben.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 20 12inches
Tanzen war 2020 nicht wirklich. Aber die Vinyl 12" war trotzdem ein begehrtes Format. Und zwar für Musik, die von einer Zeit nach der Katastrophe träumt. Hier sind unsere Top 20. Einen Bonus in Form einer Vinyl 7" gibt’s obendrauf.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 50 Reissues
Früher war alles besser, das reden wir uns schon seit geraumer Zeit ein und seit zehn, fünfzehn Jahren versucht uns die Reissue-Industrie in dieser zur Weltanschauung geronnenen Vermutung zu bestätigen. Hier sind die Top 50 Reissues 2020.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 20 Compilations
Werkeinstiege zu Beverly Glenn-Copeland und Sade, DJ-Mixe von etwa Helena Hauff und Avalon Emerson, Würdigungen, Geschichtslektionen: Die Compilations in 2020 brachten Schwung in das pandemisch und politisch kriselnde Jahr.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 20 Tapes
Das angebliche Tape-Revival ist schon alt genug, als dass seine Heraufbeschwörung durch wiederverwertungsgeile Feuilletons selbst bald ein Revival feiern könnte. Sei’s drum: Diese zwanzig Kassetten haben uns 2020 das Leben gerettet.
Music Porträt
The Silhouettes Project
Protest aus dem Underground
Kosher und Eerf Evil gründeten das Silhouettes Project, um dem Londoner Untergrund Struktur zu verleihen. Ihr selbstbetiteltes Album entstand in gemeinsamen Sessions der britischen Alternative-Rap-Szene.
Music Kolumne
Records Revisited
Coil – Musick to Play in the Dark (1999)
Magie als Klang, der lunare Energien ansammelt: Mit dem im Jahr 1999 veröffentlichten Album »Musick to Play in the Dark« schufen die Elektronik-Esoteriker Coil ihre größten Hymnen an die Nacht. Jetzt wurde es endlich neu veröffentlicht.
Music Porträt
Sault
Black is …
Sault sind die inoffizielle musikalische Stimme der Black Lives Matter Bewegung. Voll radiotauglichem Soul und Jazz, hinter dem die längst überfällige Revolution steht.
Music Kolumne
Aigners Inventur
November & Dezember 2020
Das Virus? Nah, unser furchtloser Kolumnist fürchtet nur eines hinter jeder Straßenecke: Clueso. Aigner schmeißt sich in fiktive Nachtbusse und bückt sich n zu den REWE-Spaghetti runter, weil die von Barilla wieder weggepreppt wurden.