Music Kolumne | verfasst 19.08.2014
Entweder oder
Entscheider: Disarstar
Musik ist für Disarstar »’ne total ehrliche Angelegenheit« und demnach hat er keine Scheu, seine Meinung zu verkünden. So ist der Hamburger der perfekte Adressat für ein paar Entscheidungsfragen.
Text Sonja Memarzadeh , Fotos Tobias Hoffmann/PhyreWorX / © hhv.de mag
Disarstar-tobias-hoffmann-phyreworx-hhv-mag-showdown-records

Trittbrettfahrer oder Arschtreter?
Disarstar: Ich auf jeden Fall Arschtreter. Einfach schon aus Prinzip.

Vinyl oder Digital?
Disarstar: Digital. Alles ist digital, die Leute haben ihre Smartphones und so weiter… mit dem Geist der Zeit gehen.

Major Label oder lieber Free Mixtape?
Disarstar: Schwere Frage… Halbhalb. Für das Gefühl ist ein free Mixtape auf jeden Fall etwas anderes. Man kann komplett ›zwangfrei‹ Musik machen. Da ich aber mit meiner Musik auch etwas aussagen will und eben den Anspruch habe, das an den Mann zu bringen, ist ein Label auch wichtig. Mit free stuff kommt man schnell an seine Grenzen, was die Reichweite betrifft. Da braucht man dann schon ein Team und das nötige Budget um ’ne Menge Leute zu erreichen.

Robin Hood oder Robin van Persie?
Disarstar: Robin Hood! Da könnte man jetzt heftig ausholen (grinst). Es den Reichen nehmen und den Armen geben, das finde ich auf jeden Fall gut. Immer.

Haftbefehl oder Cro?
Disarstar: Ouh. Ich will nichts falsches sagen. Haftie! Definitiv. Wenn er auch mittlerweile ‘nen Majormove gemacht hat und vielleicht auch eher Entertainment als aussagekräftige Musik macht, ist das einfach realer und unzensierter. Ich respektier Cro, ich will’s nicht haten aber mir ist das zu zensiert, da wird zuviel unterschlagen. Man kann natürlich seine Augen zu machen und seine Lieder »geile Welt« nennen und sich nicht dafür interessieren, dass die Welt von anderen nicht so geil ist aber das finde ich irgendwie nicht richtig so. Haftbefehl schneidet da Themen an, die eher in meine Realität passen.

Du als Hamburger: Astra oder Becks?
Disarstar: Wenn, dann Astra. Aber seit einem Jahr trinke ich gar nicht mehr, da ich mit Alkohol zuviel negative Erfahrungen gemacht habe. Ich habe immer gern einen getrunken, aber mir sind betrunken einfach zu viele dumme Sachen passiert.

»Ich bin von meiner ganzen Art so ein Schwarzweiß-Maler. Bei mir heißt es eben Entweder oder.« (Disarstar) Selbstportrait oder Landschaftsportrait ?
Disarstar: Auf meine Texte bezogen auf jeden Fall eher Selbstportrait. Ich bin der Meinung, dass Glück und Zufriedenheit und solche Geschichten gewissermaßen immer im Auge des Betrachters liegen und eher in einem selbst stattfinden als in einem äußeren Rahmen. Ich glaube, viele Menschen haben immer so eine genaue Idee vom Leben und denken, dass sie glücklich werden, wenn sie etwas bestimmtes erreichen oder bekommen… Diese Leute verstehen eben nicht, dass Zufriedenheit in erster Linie in einem selbst beginnt. Deshalb lieber die Beschäftigung mit sich selbst als mit einer Landschaft, denn egal welche Landschaft es ist, sie sieht gut aus, wenn man mit seinem Selbstportrait zufrieden ist… (lacht)

Schwarzweiß oder Farbe?
Disarstar: Schwarzweiß in Abstufungen. Auch vor dem Hintergrund, dass Kontraste besser zu erkennen sind. Meine Welt ist einfach derbe schwarzweiß. Ich bin von meiner ganzen Art so ein Schwarzweiß-Maler. Bei mir heißt es eben Entweder oder. Mir geht’s entweder extrem gut oder extrem scheisse – obwohl es mir in letzter Zeit eher extrem gut geht. (grinst)

Pessimist oder Optimist?
Disarstar: Realist mit pessimistischem Anschlag. Wenn man sich in schlechtes hineinfuchst und ein positiven Blick auf Schlechtes entwickeln kann, dann relativiert sich ganz viel. Lieber pessimistisch an die Sachen herangehen und am Ende dann positiv überrascht sein, als zu optimistisch an die Sachen heran zu gehen um am Ende negativ überrascht zu werden… Ist das ’ne gute Antwort?

Anarchie oder Kommunismus?
Disarstar:Ganz klar Kommunismus. Was die Anarchisten nicht verstehen, ist, dass in dem Moment, in dem man eine kontrollierende Macht abschafft, sich sofort neue Machtstrukturen bilden. Wahrscheinlich so sozialdarwinistische Strukturen – soll heißen, der Stärkere überlebt. Anarchismus funktioniert überhaupt nicht und ich versteh’ auch nicht, wieso die ganzen Anarchisten das nicht verstehen. Da könnte ich jetzt aber auch wieder so weit ausholen, dass ich es einfach dabei belasse.

Einzelkämpfer oder Gruppenanhänger?
Disarstar: Auf jeden Fall eher Einzelkämpfer, da die Zugehörigkeit zu einer Gruppe immer verpflichtet, Kompromisse einzugehen und ich ein Typ bin, der das ungern macht. Mir fällt es schwer, mich unterzuordnen. War schon immer so, auch schon in der Schulzeit. Das gilt für mich vor allem auch beim Musik machen. Bei meinem Label hab ich das Gefühl, dass man mich von hinten anschiebt und mich nicht hinten anstellt. Das funktioniert da super. Also, ich korrigiere: Einzelkämpfer mit Rückendeckung von Showdown Records .

Eher Routine oder eher Rastlosigkeit?
Disarstar: Rastlosigkeit. In allen Belangen.

Himmel oder Hölle?
Disarstar: Ich würde sagen, erst durch die Hölle gehen, um im Himmel anzukommen. Dann erst bemerkst du den Kontrast. Das eine gibt es nicht ohne das andere. Klingt das jetzt zu dick aufgetragen? (grinst)

Master oder Desaster?
Disarstar: Disarstar! Den finde ich Spitze!

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