Music Kolumne | verfasst 23.09.2014
Keine halben Sätze
Proband: Fink
Wir geben den Anfang des Satzes vor, unser Interviewpartner ergänzt diesen dann in seinem Sinne. Diesmaliger Proband: Fink; Leistung: Ist seit mehr als zehn Jahren der Mann für die großen Gefühle beim britischen Plattenlabel Ninja Tune.
Text Björn Bischoff
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Das letzte Mal, dass ich in einem Theater Shakespeare gesehen habe, war in meiner Jugend vor vielen, vielen Jahren. Ich habe ungefähr 1990 Sir Ian McKellen als »Richard III.« gesehen – was wirklich sehr episch war. Ich hätte nie gedacht, dass ich das mal später in meinem Leben googlen würde und mir dann das Wiki zu dem Stück durchlese für ein Interview. Pre »I« Culture Stuff. Ich habe es geliebt, die Kombination aus Geschichte und Unterhaltung ist eine Sache, die mich immer kriegt.

Das beste Stück von Shakespeare ist »Der Sturm«, diese Insel, diese Welt, die Natur des Menschen. Das ist wirklich ein sehr tiefgründiges Stück und ich liebe es.

Ein Album zu machen fühlt sich an, wie einen einschüchternden Berg zu besteigen. All die Furcht und Scheu, zu wissen, dass es das wert war, wenn Du den Gipfel erreicht hast, und dass der Weg nach unten ein ganzes Stück einfacher wird.

Die perfekte Dunkelheit sah ich vor ein paar Nächten, als ich auf die See in Brighton schaute. Hinter mir war all das Licht und der Krach der Menschheit, aber vor mir war unendliche bewegende Schwärze. Wunderschön in ihrer Unbarmherzigkeit.

Einen meiner Songs in einer Serie wie »The Walking Dead« zu hören, fühlt sich an wie eine abstrakte Verbundenheit mit Millionen von Menschen, was nicht gerade leicht erfassbar ist. Es versaut einem auf seine Art auch die Serie, weil du die Realität der Musik kennst – und es irgendwie den Fiktionsvertrag auflöst

Wenn sich die meisten Leute morgen in Zombies verwandeln würden, wäre ich ziemlich enttäuscht. Ich bereite mich auf Vampire vor und Knoblauch zieht Zombies an, oder?

»Der perfekte Song muss sich anhören* wie alles, was du kennst, und alles, was du nicht kennst.« (Fink) Ich wusste, dass ich ein Musiker sein möchte, seit ich auf der Universität war und ein Freund, den ich heute Abend übrigens in Berlin als DJ sehen werde, mir Sequencer und Synthies gezeigt hat. Ich habe ihm im Gegenzug Rave und früheren Techno gezeigt und den Rest eben, wie man so sagt.

Auf meinem nächsten Album werde ich definitiv mehr geben, mehr reflektieren und weniger denken.

Das letzte Mal, als ich mir selbst den Kopf zerbrach, war verrückt. Ich hatte eigentlich gar keinen Grund dazu. Ich verschickte ein paar E-Mails an dem Morgen und war müde, gestresst, und ich befürchte, dass ich ein wenig unfreundlich war.

Der perfekte Song muss sich anhören wie alles, was du kennst, und alles, was du nicht kennst.

Der bisher beste Song… »Paint It Black« von den Rolling Stones.

Mein liebstes Essen, wenn ich auf Tour bin, ist Käse mit Schinken. Offensichtlich.

Seitdem ich in Berlin lebe, weiß ich, dass man vergessen kann, etwas zu essen.

Der beste Weg seinen Bart gepflegt zu halten, ist »Spicy Beard Oil« von Bear Face.

Ninja Tune ist wie meine professionelle Familie, mein CEO ist wie mein professioneller Vater, er hört sich mein Jammern seit 1997 an.

Das Album haben wir »Hard Believer« genannt, weil der Song sich um Glauben an sich selbst und blindes Vertrauen dreht – und das war das, was dieses Album von uns allen als Band forderte.

Journeys »Don’t Stop Believing« ist der perfekte Weg, um dieses Interview zu beenden.


Weiterlesen: Unser Autor Björn Bischoff hatte zuletzt in einem Interview mit dem Comiczeichner Ed Piskor über dessen Faible zu Hip Hop gesprochen.

Das Album »Hard Believer« von Fink findest du bei hhv.de: 2LP.
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