Music Porträt | verfasst 21.04.2017
El Michels Affair
Wu-Chronicles
Acht Jahre nach »Enter The 37th Chamber« ist es für Leon Michels und El Michels Affair an der Zeit, die Shaolin-Kammer aus bombastischen Bläser-Sets und cinematoskopischer Mehrdeutigkeit wieder zu betreten. Ein Rückkehr im Zeichen des Wu.
Text Fionn Birr
Leon-michels-2

Erstmal nichts Besonderes: ein Student findet die Musik des Wu-Tang Clans geil. So ging und geht es vielen Menschen – bei Leon Michels geht es weiter. Er schließt 2003 die Highschool ab. Und gründet El Michels Affair. Sechs Jahre später droppt der Multiinstrumentalist mit dem Soul-Projekt El Michels Affair das umjubelte Wu-Tang-Cover-Album »Enter The 37th Chamber«, was auch diesseits des Huston Rivers Blog- und Insider-Fame einstrich. Jetzt war es für den New Yorker abermals an der Zeit die finstere Shaolin-Kammer aus bombastischen Bläser-Sets, verschmutzen Gitarrenriffs und cinematoskopischer Mehrdeutigkeit zu betreten.

»Cinematic Soul«
Es war während der ersten Hochphase des Soul Revivals der frühen 2000er, als Leon Michels das Projekt El Michels Affair beginnt. Zu dieser Zeit updaten Amy Winehouse, Sharon Jones & The Dap-Kings oder aber auch Sample-Spürnasen wie Kanye West und Just Blaze, die 70er-Ikonen wie Curtis Mayfield oder Donny Hathaway für das neue Jahrtausend.

Schon das Albumdebüt, für das sich der frischgebackene Highschool-Absolvent Mitmusiker von Bands wie Antibalas oder The Dap Kings zusammensucht, orientiert sich nicht bloß an offensichtlichen Impulsen wie The Meters oder Sly & The Family Stone, sondern scheut sich auch nicht, etwa den Geto-Boys-Classic »My Minds Playing Tricks On Me« neu zu interpretieren – Musik ist für Leon Michels von Beginn an ein beliebig aufwickelbares Wollknäuel der Ideen. »RZAs Beats sind nicht einfach nur tolle Loops, das sind richtige Kompositionen.« (Leon Michels) Sein »Cinematic Soul«, wie er diesen organischen Sound-Entwurf nennt, basiert nicht auf affektierter Retro-Romantik, sondern ist nur die moderne Reaktion eines 90er-Kids, das gerne alte Soul-Vinyls hört. Geduldig wagt sich der Multiinstrumentalist auf einem Vierspurgerät vor, die Wurzeln seiner Lieblingsmusik zu ergründen. Kein Computer, keine DAW, Michels ist Kind des Analgoen. »Ich hatte kein Geld, um mir cooles Equipment zu kaufen«, sagt er heute über die Anfänge in seinem Kinderzimmer in West Village, New York. »Für meine ersten Songs habe ich etwa ein dynamisches Mikrofon mit Batteriebetrieb benutzt – das war qualitativ etwa wie ein Karaoke-Mikro. Mittlerweile habe ich aber ein bisschen Geld verdient und konnte mir ein vernünftiges Studio kaufen.«

Sein natürliches Habitat ist die analoge Technik. Er produziert keinen Software-Soul. »Sounding Ot The City« gilt heute vor allem auch wegen seiner pointierten Bläser-Arrangements als Genre-Klassiker, der den Produzenten Leon Michels in die Studios von Dan Auerbach, Lana Del Rey, Aloe Blacc oder Travis $cott führen wird – ja, er hat »I Need A Dollar« produziert und an »Antidote« war er ebenfalls beteiligt.

Zwischen Free-Jazz und Dekonstruktivismus
Der eigentliche Schicksalsschlag erfolgt, als El Michels Affair über einen Freund als Support- und Backing-Band für Raekwon angefragt werden. Die Live-Shows sind so erfolgreich, dass am Ende die gemeinsame Single »The PJ’s…From Afar« erscheint. 2009 geht man noch einen Schritt weiter und legt über das ikonische Fat-Beats-Label »Enter The 37th Chamber« vor – ein Album mit neu eingespielten Instrumentals des Wu-Debüts »Enter The Wu-Tang (36 Chambers)«. »Enter The Wu-Tang (36 Chambers)« ist das mit Abstand beste Album«. ( Leon Michels) Der Clou: bei den 15 Songs handelt es sich nicht um schnittige Liveband-Versionen von Rap-Tracks, wie es etwa Breakestra schon seit Mitte der 1990er Jahre umsetzen, sondern authentische Cover-Songs. Michels beruft sich nicht auf die Wu-Samplequellen, sein Ausgangspunkt bewegt sich auf Hip Hop-Fundament. »Wir haben RZAs Arrangements so belassen, wie sie waren und um unsere Ideen ergänzt. ›Was passt hier noch für eine Hornline rein? Was macht den Sound so einzigartig? Welche Effekte machen Sinn?‹«, fasst er die Herausforderung des Projekts zusammen. »RZAs Songs bestehen aus vielen Layern mit verschiedene Samples, die oft nicht mal in der gleichen Tonhöhe liegen – wir mussten sie in Einzelteile zerlegten und neu-zusammenbauen. Am Ende klang sein Beat auf einmal wie Free-Jazz. Es war verrückt.«

Die Wertschätzung für den postmodernen Pop-Dekonstruktivismus der Band teilen bald auch internationale Auskennerkreise, El Michels Affair werden zum Blogger-Liebling 2009. Rückblickend resümiert Michels in vielen Interviews, dass RZA hier zu einem seiner Lieblingsproduzenten wurde: »Seine Beats sind nicht einfach nur tolle Loops, das sind richtige Kompositionen.« Nur logisch, dass er sich beim zweiten Teil auf »The Abbot« konzentrieren würde.

Reunited
Eigentlich wollte Leon keine Fortsetzung machen, sagte er, als Produzent arbeite er an genug Originalmaterial. Letztlich führt der Ausbau seines Studios zur Entstehung des RZA-zentrierten Follow-Ups »Return To The 37th Chamber«: »Wir hatten so viel neues Equipment zusammengetragen, dass es mich gereizt hat, ein Projekt zu beginnen, in dem ich all diese neuen Errungenschaften einsetzen konnte. Dafür war RZAs Werk perfekt: es lässt einfach sehr viele Experimente zu.«

Der musikalische Approach ist dieses Mal breitspektraler. Neben Songs aus dem eigentlichen Clan-Repertoir, verhackstückten Michels und Band auf »Return To The 37th Chamber« auch RZA-Produktionen von »Only Built 4 Cuban Linx…« oder »Tical«. »Enter The Wu-Tang (36 Chambers)« ist das mit Abstand beste Album. »Wu-Tang Forever« ist auch großartig, aber ehrlich gesagt, halte ich ein paar Soloalben für besser.«

El Michels Affair - Return To The 37th ChamberFind it at hhv.de: LP | CD | Tape Gerade der modrige Lo-Fi-Sound aus den Anfangsjahren von RZA hat es El Michels Affair angetan, »sein Sound ist sehr matschig. Trotzdem könntest du die Beats jederzeit nach einem Trap-Song spielen ohne, dass sie an Durchschlagskraft einbüßen.«, was etwa die rauchigen Bläser- Flips des holprigen »Shaolin Brew« zeigen, welche die Band zu einem organischen Blaxplotation-Mehrstimmenkonzert orchestriert.

»RZA hatte in den frühen Neunzigern einen Bob-Dylan-Moment, als alles, was er gemacht hat, einfach überragend war.«. Es geht Michels um die Ursprünge von Wu-Tang. Fragt man Leon Michels, wie die 37.Kammer genau aussieht, sagte er: »Wenn man alle 35 Kammern durchlaufen und auch die 36. gemeistert hat, wäre die 37. eine Rückkehr zur allerersten Kammer«. Obgleich er kein Experte für Shaw-Brothers-Filme – jene zweitklassigen Kung-Fu-Streifen aus den 1970er Jahren, auf die sich der Clan seit jeher bezieht – sei, fügt Leon Michels mit der spirituellen Bedachtsamkeit eines Zen-Meisters abschließend hinzu: »Der Kreis wäre wieder vollendet.«

Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 18.04.2017
El Michels Affair
Return To The 37th Chamber
Der Produzent Leon Michels und seine Gruppe El Michels Affair erweisen mit »Return To The 37th Chamber« erneut dem Wu-Tang Clan die Ehre.
Music Review | verfasst 11.05.2020
El Michels Affair
Adult Themes
Mit »Adult Themes« haben El Michels Affair einen Soundtrack aufgenommen, für den es keinen Film gibt.
Music Review | verfasst 21.03.2021
El Michels Affair
Yeti Season
El Michels Affair viben sich auf »Yeti Season« mit Stil und Expertise durch die Jahreszeit des Schneemenschen.
Music Review | verfasst 16.08.2021
El Michels Affair Meets Liam Bailey
Ekundayo Inversions
Die Ideen gehen Leon Michels nicht aus: Auf »Ekundayo Inversions« remixt El Michels Affair das letzte Album des Reggaemusikers Liam Bailey.
Music Review | verfasst 27.10.2021
El Michels Affair
The Abominable EP
Mit »The Abominable EP« veröffentlichen El Michels Affair weitere Stücke aus den Sessions zu »Yeti Season«.
Music Review | verfasst 26.09.2016
Bacao Rhythm & Steel Band
P.I.M.P./Police In Helicopter 7"
Die Bacao Rhythm & Steel Band setzt auf den Sound der Steel Pan Drums. Auch auf den Covers von »P.I.M.P.« und »Police In Helicopter«.
Music Review | verfasst 24.10.2016
Paul & The Tall Trees
Our Love In The Light
Paul & The Tall Trees ist ein Familienunternehmen. »Our Love In The Light« ist das erste Album der New Yorker der Kombo.
Music Review | verfasst 07.11.2016
Lee Fields & The Expressions
Special Night
Von einem solchen Sound hätte James Brown in den letzten 30 Jahren seines Lebens geträumt: Lee Fields hält auf »Special Night« das Niveau.
Music Review | verfasst 05.04.2019
Lee Fields & The Expressions
It Rains Love
Lee Fields feiert 2019 sein 50-jähriges Bühnenjubiläum. Mit »It Rains Love« wurde nun sein fünftes Album mit The Expressions veröffentlicht.
Music Porträt | verfasst 27.10.2021
Holy Hive
Introspektive Leichtigkeit
Mit »Float Back To You« legte das New Yorker Trio Holy Hive 2020 ein Folk-Soul-Balsam für das wundgescheuert blankliegende Nervenkostüm vor. Auf dem selbstbetitelten Nachfolger setzen sie den eingeschlagenen Kurs fort.
Music Liste | verfasst 18.09.2017
12 Organic Groovers,
die die letzten 12 Monate geprägt haben
Junge Menschen kaufen alte Platten, Hauptsache Kalimba, Conga, Hauptsache es klingt irgendwie erdverbunden. Wo doch alles so digital geworden ist. Aber man muss dafür gar nicht in der Vergangenheit diggen…
Music Kolumne | verfasst 06.05.2020
Aigners Inventur
Mai & Juni 2020
Befreit sich von kaukasischer Clumsiness, hat Tiktok verstanden, züchtet Sauerteig und checkt’s einfach: Aigners Inventur im Lockdown. Verstörender Scheiß für verstörende Zeiten.
Music Liste | verfasst 01.07.2021
Halbjahresrückblick 2021
50 best Vinyl Records so far
Das vergangene halbe Jahr hat gefühlt ganze fünf gedauert. Ein nie endender Winter, quälende Isolation. Und die Musik? Die lief weiter, auf unseren Plattenspielern. Diese 50 Schallplatten blieben dabei besonders im Gedächtnis.
Music Review | verfasst 09.02.2011
Ghostface Killah
Apollo Kids
Apollo Kids ist kein typisches Album eines Member of the Wu-Tang Clan, und überzeugt dennoch.
Music Review | verfasst 11.09.2011
Timbo King
From Babylon To Timbuk2
Timbo King aus dem Wu-Tang-Umfeld veröffentlicht 18 Jahre nach seinem ersten Lebenszeichen nun sein Debütalbum.
Music Review | verfasst 13.09.2011
Wu-Tang Clan
Legendary Weapons
Kein offizielles Wu-Tang-Album, aber qualitativ nah dran. Mit Legendary Weapons scheint der Clan wieder auf einem guten Weg.
Music Review | verfasst 23.12.2011
Ol' Dirty Bastard
Return To The 36 Chambers
Das erste Soloalbum von ODB aus dem Jahre 1995 ist nun in einer aufwendig designten Deluxe-Edition erhältlich.
Music Review | verfasst 15.01.2013
Wu-Tang Clan & D-Block
Wu Block
Wenn Ghostface Killah und Sheek Louch ihre Sippschaft zusammentrommeln, ist das ein bisschen, wie ein Familienbesuch an Weihnachten.
Music Review | verfasst 14.08.2013
U-God
The Keynote Speaker
U-Gods viertes Album, »The Keynote Speaker« hätte wahrscheinlich besser als Mixtape funktioniert.
Music Review | verfasst 24.07.2014
Wu-Tang Clan
Wu-Tang Forever
Das Opus »Wu-Tang Forever« sollte, nach einer Reihe von erfolgreichen Soloprojekten, als aufpoliertes »Enter The Wu-Tang« fungieren…
Film Review | verfasst 04.11.2008
Wu-Tang Clan
Live At Montreux DVD
Den Wu-Tang Clan in voller Besetzung live zu erleben, hat stets etwas von einem historischen Moment.
Music Review | verfasst 30.08.2019
Wu-Tang Clan
OST Of Mics And Men
Die Dokuserie „Of Mics and Men“ erzählt die Wu-Tang Saga. Den Soundrack zum faktenbasierten Vierteiler übernahm der Clan selbst.
Music Porträt
Records Revisited
Daft Punk – Homework (1997)
1997 hat das französische Duo Daft Punk ihr Debütalbum »Homework« veröffentlicht und seit dem eine beispiellose Karriere hingelegt. Das Album war damals noch kein Mainstream, sondern knarzende, knisternde House-Music.
Music Liste
Jahresrückblick 2021
Top 50 Albums
Lockdown-Limbo, dann Lockerungen – erst gar nichts, dann alles auf einmal. Dazwischen? Musik. Viele großartige Alben erschienen dieses Jahr. Das waren die 50 besten auf Schallplatte veröffentlichten Alben des Jahres 2021.
Music Liste
Jahresrückblick 2021
Top 20 12inches
12inches werden meistens, aber nicht immer für den Club hergestellt. Ein Blick auf die 20 besten Schallplatten dieser Art im Jahr 2021 zeigt, dass nicht nur Dance Music neu gedacht wurde – sondern auch ruhige Kontrapunkte gesetzt wurden.
Music Liste
Jahresrückblick 2021
Top 50 Reissues
Neues Jahr, neue Liste von Visionen von Zukünften, die bisher noch nicht Realität geworden sind. Diese 50 Schallplatten träumten in diesem Jahr aus der Vergangenheit am lautesten von einem besseren Morgen.
Music Liste
Jahresrückblick 2021
Top 20 Compilations
Musik und erst recht die Menschen dahinter finden immer zueinander – notfalls auch über die Distanz, sei es nun räumliche oder doch zeitliche. Das waren die 20 besten auf Schallplatte veröffentlichten Compilations des Jahres 2021.
Music Liste
Jahresrückblick 2021
Top 20 Tapes
Jetzt hat also auch der Mainstream die Wertschöpfungsmöglichkeiten des Magnetbands entdeckt: scheiße oder geil? Uns zumindest egal, wir schieben uns lieber Tapes von obskuren Labels und unter dem Radar fliegenden Artists in den Walkman.
Music Liste
Jahresrückblick 2021
Top 20 Books
Von der ultimativen 2Pac-Oral-History hin zur Daft-Punk-Neulektüre und den B-Seiten der Musikgeschichte: Diese Bücher prägten ein Jahr, dessen erste Hälfte uns jede Menge Zeit zum Lesen bescherte.
Music Kolumne
Records Revisited
Autechre – Chiastic Slide (1997)
Mit ihrem vierten Album als Autechre verabschiedeten sich die beiden Mancunians aus der Referenzmenge und begannen ihre einzigartige Reise in ungehörte Klänge und massige Grooves.
Music Porträt
Dengue Dengue Dengue
Guest Mix
Die peruanischen Dengue Dengue Dengue zwirbeln Hula-Hoop-Ryhtmen in den Club. Für uns haben sie exklusiv diesen 60-minütigen Mix zusammengestellt, mit Musik, zu der man die Pfeile spitzt, an Fröschen leckt und beim Trommelkurs brilliert.
Music Liste
RSD Black Friday 2021
12 Releases, nach denen du Ausschau halten solltest
Wir haben uns durch die Liste der diesjährigen exklusiv zum Record Store Day Black Friday 2021 angekündigten Releases gewühlt und euch eine Auswahl von zwölf Schallplatten zusammengestellt, die wir als mögliche Highlights entlarvt haben.
Music Porträt
Chillhop Music
Die Magie des passiven Lauschens
Chillhop ist Musik für eine Welt, in der alle hören, aber niemand zuhört. Das niederländische Label hat trotzdem Erfolg. Und weiß auch, warum.
Music Kolumne
Aigners Inventur
November & Dezember 2021
Er wäre gerne der Typ, der immer die wildesten Puffer Jackets in den Supreme-Videos trägt. Ist aber nur unser Kolumnist. Ja, die sad’e Jahreszeit beginnt. Immerhin nicht mit schlechter Musik: Hier ist die neue Ausgabe von Aigners Inventur.
Music Porträt
Faust
Warum isst du denn nicht Mohrrüben?
Die Hamburger Band Faust war vor 50 Jahren einer der seltenen Fälle, in denen eine Plattenfirma, wenn auch unwissentlich, Künstler unterstützte, deren Musik sehr anders klang als die bis dahin bekannten Rock-Entwürfe.
Music Kolumne
Records Revisited
Stars Of The Lid – The Tired Sounds Of (2001)
Die monumentalste Stille aller Zeiten: Mit »The Tired Sounds Of« schufen Stars Of The Lid im Jahr 2001 eines der wichtigsten Ambient-Alben. Sie verpassten dem Genre mit diesen zwei Stunden an Sounds, Drones und Loops eine neue Tiefe.
Music Interview
Torky Tork
»Ich liebe den Spagat zwischen alt und neu«
Torky Tork ist bislang eher als der Mann im Hintergrund bekannt. Jetzt hat der Berliner Beatmaker ein eigenen Produceralbum aufgenommen. Er hat die Beats geschliffen, Wandl, Döll, Lugatti oder Doz9 haben gerappt. Zeit für ein Gespräch.
Music Porträt
Holy Hive
Introspektive Leichtigkeit
Mit »Float Back To You« legte das New Yorker Trio Holy Hive 2020 ein Folk-Soul-Balsam für das wundgescheuert blankliegende Nervenkostüm vor. Auf dem selbstbetitelten Nachfolger setzen sie den eingeschlagenen Kurs fort.
Music Liste
Palmbomen II
10 All Time Favs
Bilder und Musik ließen sich bei Palmbomen II nie voneinander trennen. Mit »Make A Film« liefert er nun die Musik für die Bewegtbilder, die von uns noch gedreht müssen. Welche Musik ihn in Sachen Filmmusik inspirieren, verrät er hier.
Music Kolumne
Records Revisited
A Tribe Called Quest – Low End Theory (1991)
Viel besser geht es nicht. Zu Beginn der 1990er Jahre brachten A Tribe Called Quest mit ihrem zweiten Album »The Low End Theory« den Flow auf den Punkt. Ohne aggressiv männliche Posen, dafür mit Jazz, Breaks und Vibe.
Music Kolumne
Records Revisited
Primal Scream – Screamadelica (1991)
1991 – was für ein Jahr für die Rockmusik. Die am 24.9.1991 veröffentlichten Alben von Nirvana, Soundgarden und Red Hot Chili Peppers haben Rock wieder populär gemacht. Aber »Screamadelica« von Primal Scream hat das Genre verändert.
Music Essay
Die Beat-Ära in der DDR
Feindliche Übernahme
Schallplatten des Amiga-Labels sind weit verbreitet. Neben Pressungen internationaler Stars war auch jede Menge Musik aus der DDR selbst auf Platte verewigt worden. Manches davon lohnt wiederentdeckt zu werden.
Music Interview
José González
Geschmack ist wie dein Po
2003 coverte José González den Song »Heartbeat« von The Knife und katapultierte sich gleich in die Herzen und Studierzimmer vieler Menschen. Mit seinem Album »Local Valley« strickt er weiter an seinem Mythos. Wir trafen ihn zum Interview.
Music Porträt
Loredana Berté
Irgendwie unvergleichlich
Loredana Bertè wird als »Königin des italienischen Rock« apostrophiert. Das greift nicht nur musikalisch zu kurz. Denn sie den Status quo nie repräsentiert, sondern als Außenseiterin aus Überzeugung wiederholt infrage gestellt.
Music Kolumne
Records Revisited
DJ Shadow – Endtroducing (1996)
Vor 25 Jahren erschien mit »Endtroducing« ein Hip-Hop-Album, das Björk mit Metallica und finnischer Fusion zusammendachte. DJ Shadow grub dafür im Keller. Und fand Gold. Dann schuf er ein Album, das aus der Zeit gefallen zu sein scheint.
Music Porträt
Sarah Davachi
Echo der Unendlichkeit
Intensität ist das Wort, das in den Sinn kommt. Bei ihrer Musik und bei ihren Sätzen. Ihr Sound fühlt sich an, als ob jemand mit einer Fingerspitze über die Seele streicht. Jetzt erscheint Sarah Davachi neues Album »Antiphonals«.
Music Porträt
Dais Records
Klang als Kollektion
Zwischen Experiment und Erwartung, Neuem und Altem wagt Dais Records seit Jahren den Spagat. Gibby Miller und Ryan Martin ziehen dort ihre Kreise, wo Linearität bewusste Störung erfährt – und treten so in die Fußstapfen großer Vorgänger.
Music Porträt
Leslie Winer
Der unbekannte Weltstar
Björk, Grace Jones, Boy George und Sinéad O’Connor zählen zu ihren Bewunderern. William S. Burroughs war ihr Mentor. Irgendwie hat sie auch Trip-Hop erfunden. Dennoch ist Leslie Winer heute nur Insdern bekannt. Das könnte sich jetzt ändern.
Music Porträt
DJ Koco
Guest Mix
Bei DJ Koco treffen atemberaubende Mixing-Skills auf eine Selection von ungeheurer Raffinesse. Kaum einer cuttet seine Breakbeats tighter ineinander als er. Das Verblüffendste: Der japanische DJ beschränkt sich in seinen Sets auf 7Inches.
Music Kolumne
Aigners Inventur
September & Oktober 2021
Keift und brummt sich wieder durch die Veröffentlichungen der letzten zwei Monate: Aigners Inventur, mit Bärlauch-Antipathie und Seerobben-Ehrfurcht. Dazwischen Alben von Flying Lotus, Erika De Casier, Space Afrika und Maxine Funke.
Music Kolumne
Records Revisited
John Coltrane – Africa/Brass (1961)
1961 markierte »Africa/Brass« den Anbruch eines neuen Zeitalters: Für John Coltrane war es der Beginn seiner Impulse!-Jahre, für viele afrikanische Staaten der Start in die Unabhängigkeit. Musikalisch war es sein ambitioniertestes Vorhaben.
Music Kolumne
Records Revisited
Björk – Vespertine (2001)
Mit »Vespertine« schien Björk Guðmundsdóttir das Versprechen ihres vorherigen Werks nicht einzulösen. Weil sie dieses Mal einen vollkommen anderen Ansatz wählte. Was »Vespertine« von 2001 zu einer ihrer besten Platten bis heute macht.
Music Porträt
Polo & Pan
Eklektisch in den Weltraum
Polo & Pan sind bereit abzuheben. Nachdem sie es mit ihrem kunterbunten Stilmix bis ins Hotelzimmer von Elon Musk schafften, blicken sie nun höheren Sphären entgegen. Die irdischen Fans beglückt das Duo derweil mit dem Album »Cyclorama«.
Music Liste
Durand Jones & The Indications
10 All Time Favs
Durand Jones & The Indications verbinden seit Ihrem Debüt vor fünf Jahren Vergangenheit und Zukunft des Genres. Jetzt erscheint ihr drittes Album »Private Space«. Zeit, um die Band nach den 10 Schallplatten zu fragen, die sie geformt haben.
Music Porträt
Conrad Schnitzler
Mitten im Durcheinander
Immer noch wird der 2011 verstorbene Conrad Schnitzler vor allem für seine Verbindung zu Kraftwerk oder Tangerine Dream wahrgenommen. Dabei steht sein beeindruckendes Werk genauso für sich allein, wie er Verbindungen herzustellen wusste.
Music Kolumne
Records Revisited
Main Source – Breaking Atoms (1991)
In mancher Hinsicht scheint »Breaking Atoms«, das Debüt von Main Source, ein Klassiker aus der zweiten Reihe geblieben zu sein. Doch die Produktion von Large Professor definierte einen Signature Sound für das Goldene Zeitalter des Hip-Hop.
Music Kolumne
Records Revisited
LFO – Frequencies (1991)
Die niederfrequenten Schwingungserzeuger LFO aus Leeds schufen mit »Frequencies« eines der ersten Techno-Alben. Ihre hohen Bleeps und tiefen Clonks haben Technogeschichte geschrieben. Bis heute kann, äh, muss man dazu tanzen.
Music Kolumne
Records Revisited
Funkadelic – Maggot Brain (1971)
Mit »Maggot Brain« begeben sich Funkadelic auf die dunkle Seite des Funk. Das triumphierende Lustprinzip wird mit dystopischer Eschatologie durchsetzt und stellt der Feier des Lebens eine beklemmende Endzeitstimmung zur Seite.
Music Kolumne
Aigners Inventur
Juli & August 2021
Hier wird nicht lange gefackelt und sogar auf halbgare UEFA-Gags wird verzichtet. Stattdessen wird im Sinne der Schallplatte gehandelt und an die 20 Vinyl-Scheiben werden zum Drehen gebracht.
Music Liste
Halbjahresrückblick 2021
50 best Vinyl Records so far
Das vergangene halbe Jahr hat gefühlt ganze fünf gedauert. Ein nie endender Winter, quälende Isolation. Und die Musik? Die lief weiter, auf unseren Plattenspielern. Diese 50 Schallplatten blieben dabei besonders im Gedächtnis.
Music Porträt
Hōzan Yamamoto
Meditation aus Improvisation
Über fünf Dekaden hinweg pushte er japanischen Jazz in spirituelle Sphären, ohne Kitsch oder Esoterik. Ansehen erntete er dafür vor allem in seiner Heimat. Bis heute gilt Hōzan Yamamotos Schaffen international als Geheimtipp.
Music Porträt
Hoshina Anniversary
Die Fusion von Techno und Jazz
Hoshina Anniversary macht Techno. Er selbst würde sich aber eher in der Nachfolge zu Jazz und traditioneller japanischer Musik verorten. Und damit ist der Tokioter nicht allein.
Music Essay
Jazz Kissa
Wo in Japan die Musik spielt
Sie bieten stilvollen Rückzug aus einer Welt, in der alle permanent hören. Und zelebrieren das Hören von Musik: Jazz Kissas sind Japans inoffizielles Kulturerbe. Der Journalist Katsumasa Kusunose dokumentiert sie nun.