Music Kolumne | verfasst 12.10.2017
Aigners Inventur
September 2017
Wir kennen das: kaum geht das Jahr wettertechnisch den Bach runter, nehmen die Releases wieder richtig Fahrt auf. Bei ihr hält die Frisur bei jedem Wetter und das falsche Deo wurde das letzte Mal 1995 benutzt: Aigners Inventur.
Text Florian Aigner

Trettmann - #DIY LPFind it at hhv.de:Vinyl LP | CD Deutsches Songwritertum ist irgendwann in den Neunzigern völlig in seiner tumben Adler sollen fliegen Trampeligkeit verendet und lässt sich jetzt von Pappmaché-Schwiegersöhnen die fauligen Klöten kraulen. Aber es gibt ja Trettmann. Der erzählt direkt zu Beginn von »DIY« wie man es vom Ossi-Token zum neuroselosen Kitschkrieg-Future schafft und knallt uns dann mit einer Nate Dogg’schen Selbstverständlichkeit die besten Hooks des Jahres im Minutentakt ums Ohr. Kann in Deutschland so halt einfach keiner.
 

Ibeyi Ash Find it at hhv.de: Vinyl LP Ibeyi sind derweil nach Abra und Kelela vielleicht der größte Gewinn für diesen Post-Tumblr-R&B, der all die richtigen feministischen Schlüsse aus »Lemonade« gezogen hat, aber weiter geht als es Beyoncé je könnte. »Ash« wäre dann auch konkurrenzlos, würde diese Woche nicht auch Abras großartiges »Roses« wiederveröffentlicht und die neue Kelela, also puuuuh…aber dazu nächsten Monat.
 

lunice albumFind it at hhv.de: Vinyl LP Lunice und sein Debütalbum »CCCLX« – das klingt fünf Jahre nach der finalen Gottschalkisierung von Trap (auaauaaua) durch den »Harlem Shake« einfach nur nach Sangria auf der Kirmes in roten Hightops und Zara-Bikerjeans. Highly recommended um gegen 1:30 Uhr in der Bahn mit immer noch dabbenden Halbmasten ins Gespräch zu kommen tho.
 

krikor kouchian pacific alleyFind it at hhv.de: Vinyl LP Wer allerdings AXE das letzte Mal 1995 eine Chance gegeben hat, wird sich von Krikor Kouchian und »Pacific Alley« hart verstanden fühlen. Ich wusste es selbst nicht, aber was die Welt wirklich noch gebraucht hat war eine Platte, die klingt als hätte DJ Screw 1991 Skizzen von Dam-Funk bekommen, kurz drübergeschaut, alles auf -14 gedreht, mit einem Post-It-Verweis Zeitgeist 2017 in einem Schuhkarton vergammeln lassen und heute posthum nochmal das Game gefickt.
 

Minoru 'Hoodoo' Fushimi - In Praise Of Mitochondria LPFind it at hhv.de: Vinyl LP Ich muss mich hier Monat für Monat zusammenreißen, neue Musik zu besprechen, anstatt einen ewigen Reissue-Circlejerk zu veranstalten, aber weil Left Ear Hoodoo Fushimi auf »In Search Of Mitochondria« in kompilierter Form vorstellen, geht es dieses Mal nicht anders. Wie üblich kosten die Originalpressungen irgendwas zwischen Fuerteventura und Seychellen, aber das hier ist tatsächlich ein bißchen außergewöhnlich: verquerer Achtziger-Rap mit seltsamer Experimental-Kante und ausbaufähigem technischen Niveau, dabei aber – pardon – untypisch für den gemeinen Japaner: unbemüht. Geil.
 

Mount Kimbie - Love What Survives LPFind it at hhv.de:Vinyl 2LP | 2LP Och ja, neue Mount Kimbie. Irgendwas mit Post-Punk und Dub, britische Roots, Vorhersage von mir: der Track mit King Krule wird natürlich der beste sein. Höre ich mir irgendwann dann tatsächlich mal an.
 

dean blunt joanne wahallaFind it at hhv.de: Vinyl LP Auch wenn es dank der kruden Soundcloud/Youtube-Veröffentlichungspolitik nicht immer einfach ist: von Dean Blunt und Joanne Robertson höre ich mir immer alles an. Das ist manchmal Fleißarbeit; nicht alles was auf »Wahalla« passiert, hätte zwangsweise auch auf Platte gepresst werden müssen, aber verdammt noch mal, Dean Blunt bleibt der Typ, der pro Projekt mindestens drei Momente hat, die es jedes Mal in Stein meißeln: ich werde nie selbst Musik machen, weil warum noch?
 

four tet new energyFind it at hhv.de: Vinyl LP Kurzzeitige Motivation bis zum nächsten Dean-Downer könnte man sich dann ausgerechnet bei Four Tet abholen, der auf »New Energy« mit einem sehr gewöhnlichen, mäßig sequenzierten Best-Not-Best-Of seiner Karriere nervt. Da leiht er sich zu Beginn ein bißchen Suso Saiz Genudel aus, wärmt zum hundertsten Mal die Trip-Hop-Lasagne auf und schleppt sich dann doch widerwillig auf die Tanzfläche, mit Reizdarm und allem. Nicht schlimm, ich hätte nach 23000 Gigs pro Jahr vermutlich nicht nur keine Ideen, sondern auch kein Gehirn mehr.
 

bosaina albumFind it at hhv.de: Vinyl LP Über Ambient-Alben zu schreiben finde ich eigentlich nach wie vor so belastend wie Craft Beer. Ein Erklärungsversuch: Bosaina’s autobiographical work takes on a magical insular quality through field recordings and sentimentally driven compositions that unfold in stolen time. On both EPs presented here, her love affair with cinema, interrupted by decaying urban life (New York April-July 2013) and literature (Two Names Upon The Shore) serve as the focal points for her intimate productions; fragmented and wistful soundscapes that combine her affection for the piano with ambient textures from seashore to life underground.
Klingt wie ein VHS-Kurs, ist aber eines der schöhööönsten Alben des Jahres.
 

Laraaji - Bring On the SunFind it at hhv.de:Vinyl LP | Vinyl LP Über Laraaji würde ich aus purer Karmakalkulation nie ein schlechtes Wort verlieren, aber »Sun Gong / Bring On The Sun« sind definitiv Alben, deren Esoteriklevel besser in einem Skulpturenpark auf einer Picknickdecke als self-aware zu Hause zu ertragen sind. Ich meine wer regelmäßig prätentiöse Großstädter dazu bringt Lachübungen in aller Öffentlichkeit zu machen, während sie Rotwein aus Pappbecher trinken, hat rein so kosmosmäßig eh alles im Griff.
 

shit & shine some peopleFind it at hhv.de: Vinyl LP Shit & Shine sind in dieser neuen Industrial-Szene um Hospital, iDeal und Konsorten der dringend benötigte Klassenclown, der all die übliche Kalte-Kriegs-Verkitschung mit Furzkissen und debilem Gelächter untermininiert. »Some People Really Know How To Live« ist, eigentlich wie immer, nur stellenweise überhaupt hörbar, aber wenn die drei Londoner wieder in einen Closer wie »The Crocodile« taumeln, vergisst man die zahllosen Umwege, die dafür in Kauf genommen werden mussten.
 

Ninos Du Brasil - Vida EternaFind it at hhv.de: Vinyl LP Zurück zu Hospital: da gab es im September mit Ninos Du Brasils »Vida Eterna« einen willkommen brachialen Zugang zum aktuellen Fourth-World-Percussion-Rudelbums. Bei weitem nicht so schluffig verkifft wie wir das von Corum, XYR oder Iona Fortune kürzlich hatten, dafür mit ordentlichem Liaisons Dangereuses Wums.
 

JASSS - WeightlessFind it at hhv.de: Vinyl 2LP Und nochmal irgendwas mit Industrial, Percussion,100 BPM Techno und Art-Grime, dafür aber tatsächlich in der Top5-Listen-Variante: Jasss zerlegt auf »Weightless« mehr Genres als andere in einer ganzen Diskographie, lässt sich inspirieren, aber zieht stets eigene Schlüsse. Wer sich dieses Jahr nur ein neues Album aus diesem Quasigenre kaufen kann, weil die Coil Originalpressungen schon teuerer waren als ein Kombi: hier, glücklich werden.
 

Die Orangen - ZestFind it at hhv.de: Vinyl 2LP Vor allem: wie toll ist das eigentlich, dass es gerade wieder chic ist, vor der Herausforderung des Albums nicht einzuknicken? Auch Die Orangen stellen mit »Zest« ihre bisherigen Maxis sowas von in den Schatten; wurschteln sich durch zahllose Tempi, Proggen hier, Dubben da, rauchen verschwitzte Kippen nach kurzen, aber intensiven Flurausflügen. Ne echt, elektronische Musik 2017: in frappierend besserem Zustand als die Welt drumherum.
 

VA all watched over by machinesFind it at hhv.de: Vinyl 2LP Selbst Brechstangen EBM-Techno nervt noch nicht. »All Watched Over By Machines Of Loving Grace« ist als Zusammenstellung so subtil wie ein Kettenhemd, aber heiliger Fick, wie bedingungslos hier gekloppt wird, Alter, Double Dragon Techno!
 

Hypnobeat - PrototechFind it at hhv.de: Vinyl 2LP Haben die alle von Hypnobeat gelernt, die jetzt mit »Prototech« endlich eine standesgemäße Zusammenstellung ihrer besten Tracks bekommen haben, wie immer bei Dark Entries wahnwitzig sorgfältig aufbereitet, umfassend weitsichtig zusammengestellt und mit unveröffentlichtem Kram sowieso. Könnt also aufhören diesen schrecklichen Youtube-Rip von »(Giving Head To) Kilian« zu spielen, Kthxbye!
 

Ähnliche Artikel
Music Porträt | verfasst 30.05.2017
KitschKrieg
Wenn sie weint, wird's ein Turn Up
Am Tiefpunkt haben KitschKrieg den Kopf leer gemacht. Und somit letztendlich Platz fürs Gefühl geschaffen. Mit diesem haben sie deutschsprachigen Rap, R&B und verwandte Spielarten in eine neue Stimmung getaucht.
Music Kolumne | verfasst 31.12.2013
Zwölf Zehner
Jahresrückblick 2013 (Teil 2)
Streitbar, scheuklappenfrei, hart und herzlich, House und R&B, Hip-Hop, Trap, Kanye und Post-Everything. Das Kolumnen-Duo plus Kunze schließt das Jahr 2013 mit einer Auswahl seiner 50 liebsten Tracks ab.
Music Review | verfasst 13.02.2015
Ibeyi
Ibeyi
Die Eltern mögen es, die Freundinnen mögen es. Also warum solltest Du »Ibeyi« auch mögen können?
Music Interview | verfasst 26.06.2015
Under The Plates
with Ibeyi
Wir haben ein neues Format! In »Under The Plates with…« vermitteln wir euch einen umfassenden Eindruck von Künstlern, die wir interessant finden: Mit Bild, Ton und Text. Für die erste Folge haben sich Ibeyi unter ein paar Teller gesetzt.
Music Porträt | verfasst 31.03.2016
Trettmann
(T)Rapsänger-Prototyp
Während man in Auskennerkreisen noch streitet , wer zuerst das hypnotische 808-Gewummer in schländliche Laptopboxen trug, stellt sich klammheimlich ein deutscher Dancehall-Artist an den Volumenknopf. Trettmann, der (T)Rapsänger-Prototyp.
Music Review | verfasst 15.07.2010
Mount Kimbie
Crooks And Lovers
Die Lust am Innovativen ist Mount Kimbie noch nicht vergangen. Auf ihrem Debütalbum spürt man diese Besessenheit und den Durst nach Neuem.
Music Review | verfasst 01.12.2010
Mount Kimbie
Blind Night Errand EP
Nicht einmal ein halbes Jahr nach dem Albumrelease feilen Mount Kimbie weiter an der Erneuerung von Dubstep.
Music Review | verfasst 06.05.2010
Mount Kimbie
Remixes Part 1&2
Die Remixe machen auf eine wunderbare Art deutlich wie vielseitig einsetzbar die Soundvorgaben Mount Kimbies sind.
Music Review | verfasst 21.05.2013
Mount Kimbie
Cold Spring Fault Less Youth
Mount Kimbie haben auf ihr Debütalbum noch mal ordentlich einen draufgesetzt. Post-Dubstep ist das nicht mehr, aber was ist es dann?
Music Porträt | verfasst 04.06.2010
Mount Kimbie
Die Bas(s)tardisierung des Electronica-Sounds
Nach zwei aufregenden EPs im letzten Jahr folgt nun das Debütalbum des Londoner Duos Mount Kimbie
Music Interview | verfasst 27.06.2011
Mount Kimbie
Unaufdringlich nach vorne
Mount Kimbie haben Dubstep revolutioniert, dem Ganzen einen neuen Dreh gegeben und gleich mit ihrem ersten Album einen Meilenstein gesetzt. Valentin Menedetter setzte sich mit ihnen zusammen und lässt die letzten Jahre Revue passieren.
Music Bericht | verfasst 25.07.2011
Mount Kimbie
Live am 23.7. auf dem Open Source 2011 in Düsseldorf
Mount Kimbie sind das Highlight beim diesjährigen Open Source Festival in Düsseldorf. Die Rheinmetropole ist zum fünften Mal Gastgeber des Festivals, dass neben Mount Kimbie, auch Editors, Jamie xx, dOP oder Architecture In Helsinki zeigt.
Music Bericht | verfasst 13.09.2011
Mount Kimbie
Live am 10.9. auf dem Berlin Festival 2011
Mount Kimbie üben sich wie gewohnt in konzentrierter Zurückhaltung und setzen einen der interessanteren Akzente auf dem diesjährigen Berlin Festival. Das hebt sie auch deutlich von einem Lokalmatador ab.
Music Kolumne | verfasst 12.12.2013
2013
Die 50 Alben des Jahres (Teil 2)
Es war ein richtig gutes Jahr für alle Musikconnaisseure. Wir haben uns durch Alben und Mini-Alben gehört und 50 Highlights zusammengetragen. Lest hier Teil 2 der Liste…
Music Porträt | verfasst 07.09.2017
Mount Kimbie
»Wir gehen nicht im Kreis, wir gehen aufwärts«
Mount Kimbie greifen mit ihrer neuen LP zurück in die Vergangenheit. Und doch verwehrt sich das Schaffen von Dominic Maker und Kai Campos jeglicher pessimistischer Retro-Kritik.
Music Review | verfasst 21.04.2011
Burial, Four Tet & Thom Yorke
Ego/Mirror
Burial sendet ein Lebenszeichen und findet für Ego/Mirror mit Four Tet und Thom Yorke für eine brillante 12inch zusammen.
Music Review | verfasst 16.05.2013
Four Tet
Rounds
Four Tet exerziert auf »Rounds« sein Gespür für ausgefuchste Harmonien, die wärmer klingen als die meisten anderen Veröffentlichungen.
Music Review | verfasst 18.10.2017
Four Tet
New Energy
Die dritte Inkarnation des Four Tet haut eher nicht vom Hocker. Doch »New Energy« ist immer noch eine verdammt gute Platte.
Music Review | verfasst 30.03.2020
Four Tet
Sixteen Oceans
Selbst da, wo er sentimental zu werden droht, berührt Four Tet einen auf »Sixteen Oceans« am Ende doch.
Music Review | verfasst 22.02.2010
Four Tet
There Is Love In You
Kieran Hebden könnte ihm mit »There Is Love In You« der ganz große Wurf gelungen sein, Downtempo-Frickler endlich mit dem Flur zu versöhnen.
Music Kolumne | verfasst 03.04.2011
Zwölf Zehner
März 2011
Der März ist um, es lebe der März. Florian Aigner und Paul Okraj lassen den Monat März Revue passieren und destillieren in der neuen Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Bericht | verfasst 21.10.2013
Gilles Peterson, Four Tet & Floating Points
»Free Spirits Sunday« am 13.10. in Berlin
Die jazzaffinen DJs und Musiker leisteten beim »Free Spirits Sunday« eine dringend notwendige Unterstützung für die Steve Reid Foundation und verneigten sich zeitgleich auch auf vielfältige musikalische Weise vor ihren Vorbildern.
Music Kolumne | verfasst 10.11.2020
Records Revisited
Four Tet – There Is Love in You (2010)
Als Four Tet Anfang 2010 das Album »There Is Love in You« veröffentlicht, muss er der Welt nichts mehr beweisen und setzt sich einem retromanischen und verbissenen Zeitgeist mit einem gerüttelt Maß Glückseligkeit entgegen.
Music Kolumne | verfasst 04.02.2021
Vinyl-Sprechstunde
Madlib – Sound Ancestors
»Das erste Madlib-Album, das wirklich als Album gehört werden kann«, sagte Four Tet. – Das ist doch Schwachsinn, sagen unsere Kolumnisten. Sie fragen sich: Hat Madlib hier nicht einfach gemacht, was er immer gemacht hat – und…will man das?
Music Review | verfasst 04.04.2016
Babyfather
BBF Hosted By DJ Escrow
Dean Blunt ist zurück mit einem Album, das die Frage aufwirft: Was soll das? »BBF Hosted By DJ Escrow« ist Ausdruck großer Verwirrung.
Music Review | verfasst 25.08.2017
Hype Williams
Rainbow Edition
Hype Williams melden sich mit »Rainbow Edition« zurück und bringen wieder ein paar Mysterien in unseren entzauberten Alltag.
Music Bericht | verfasst 26.11.2013
Dean Blunt
Live am 20.11. im Gewölbe in Köln
Dean Blunt trat, so stand es schwarz auf weiß, am 20. November im Gewölbe auf, unter den Gleisen des Kölner Westbahnhofs. Aber war er wirklich? So entscheidend diese Frage klingt, eine andere Frage war viel wesentlicher.
Music Kolumne | verfasst 11.12.2013
2013
Die 50 Alben des Jahres (Teil 1)
Es war ein richtig gutes Jahr für alle Musikconnaisseure. Wir haben uns durch Alben und Mini-Alben gehört und 50 Highlights zusammengetragen. Lest hier Teil 1 der Liste…
Music Kolumne
Records Revisited
DJ Shadow – Endtroducing (1996)
Vor 25 Jahren erschien mit »Endtroducing« ein Hip-Hop-Album, das Björk mit Metallica und finnischer Fusion zusammendachte. DJ Shadow grub dafür im Keller. Und fand Gold. Dann schuf er ein Album, das aus der Zeit gefallen zu sein scheint.
Music Porträt
Sarah Davachi
Echo der Unendlichkeit
Intensität ist das Wort, das in den Sinn kommt. Bei ihrer Musik und bei ihren Sätzen. Ihr Sound fühlt sich an, als ob jemand mit einer Fingerspitze über die Seele streicht. Jetzt erscheint Sarah Davachi neues Album »Antiphonals«.
Music Porträt
Dais Records
Klang als Kollektion
Zwischen Experiment und Erwartung, Neuem und Altem wagt Dais Records seit Jahren den Spagat. Gibby Miller und Ryan Martin ziehen dort ihre Kreise, wo Linearität bewusste Störung erfährt – und treten so in die Fußstapfen großer Vorgänger.
Music Porträt
Leslie Winer
Der unbekannte Weltstar
Björk, Grace Jones, Boy George und Sinéad O’Connor zählen zu ihren Bewunderern. William S. Burroughs war ihr Mentor. Irgendwie hat sie auch Trip-Hop erfunden. Dennoch ist Leslie Winer heute nur Insdern bekannt. Das könnte sich jetzt ändern.
Music Porträt
DJ Koco
Guest Mix
Bei DJ Koco treffen atemberaubende Mixing-Skills auf eine Selection von ungeheurer Raffinesse. Kaum einer cuttet seine Breakbeats tighter ineinander als er. Das Verblüffendste: Der japanische DJ beschränkt sich in seinen Sets auf 7Inches.
Music Kolumne
Aigners Inventur
September & Oktober 2021
Keift und brummt sich wieder durch die Veröffentlichungen der letzten zwei Monate: Aigners Inventur, mit Bärlauch-Antipathie und Seerobben-Ehrfurcht. Dazwischen Alben von Flying Lotus, Erika De Casier, Space Afrika und Maxine Funke.
Music Kolumne
Records Revisited
John Coltrane – Africa/Brass (1961)
1961 markierte »Africa/Brass« den Anbruch eines neuen Zeitalters: Für John Coltrane war es der Beginn seiner Impulse!-Jahre, für viele afrikanische Staaten der Start in die Unabhängigkeit. Musikalisch war es sein ambitioniertestes Vorhaben.
Music Kolumne
Records Revisited
Björk – Vespertine (2001)
Mit »Vespertine« schien Björk Guðmundsdóttir das Versprechen ihres vorherigen Werks nicht einzulösen. Weil sie dieses Mal einen vollkommen anderen Ansatz wählte. Was »Vespertine« von 2001 zu einer ihrer besten Platten bis heute macht.
Music Porträt
Polo & Pan
Eklektisch in den Weltraum
Polo & Pan sind bereit abzuheben. Nachdem sie es mit ihrem kunterbunten Stilmix bis ins Hotelzimmer von Elon Musk schafften, blicken sie nun höheren Sphären entgegen. Die irdischen Fans beglückt das Duo derweil mit dem Album »Cyclorama«.
Music Liste
Durand Jones & The Indications
10 All Time Favs
Durand Jones & The Indications verbinden seit Ihrem Debüt vor fünf Jahren Vergangenheit und Zukunft des Genres. Jetzt erscheint ihr drittes Album »Private Space«. Zeit, um die Band nach den 10 Schallplatten zu fragen, die sie geformt haben.
Music Porträt
Conrad Schnitzler
Mitten im Durcheinander
Immer noch wird der 2011 verstorbene Conrad Schnitzler vor allem für seine Verbindung zu Kraftwerk oder Tangerine Dream wahrgenommen. Dabei steht sein beeindruckendes Werk genauso für sich allein, wie er Verbindungen herzustellen wusste.
Music Kolumne
Records Revisited
Main Source – Breaking Atoms (1991)
In mancher Hinsicht scheint »Breaking Atoms«, das Debüt von Main Source, ein Klassiker aus der zweiten Reihe geblieben zu sein. Doch die Produktion von Large Professor definierte einen Signature Sound für das Goldene Zeitalter des Hip-Hop.
Music Kolumne
Records Revisited
LFO – Frequencies (1991)
Die niederfrequenten Schwingungserzeuger LFO aus Leeds schufen mit »Frequencies« eines der ersten Techno-Alben. Ihre hohen Bleeps und tiefen Clonks haben Technogeschichte geschrieben. Bis heute kann, äh, muss man dazu tanzen.
Music Kolumne
Records Revisited
Funkadelic – Maggot Brain (1971)
Mit »Maggot Brain« begeben sich Funkadelic auf die dunkle Seite des Funk. Das triumphierende Lustprinzip wird mit dystopischer Eschatologie durchsetzt und stellt der Feier des Lebens eine beklemmende Endzeitstimmung zur Seite.
Music Kolumne
Aigners Inventur
Juli & August 2021
Hier wird nicht lange gefackelt und sogar auf halbgare UEFA-Gags wird verzichtet. Stattdessen wird im Sinne der Schallplatte gehandelt und an die 20 Vinyl-Scheiben werden zum Drehen gebracht.
Music Liste
Halbjahresrückblick 2021
50 best Vinyl Records so far
Das vergangene halbe Jahr hat gefühlt ganze fünf gedauert. Ein nie endender Winter, quälende Isolation. Und die Musik? Die lief weiter, auf unseren Plattenspielern. Diese 50 Schallplatten blieben dabei besonders im Gedächtnis.
Music Porträt
Hōzan Yamamoto
Meditation aus Improvisation
Über fünf Dekaden hinweg pushte er japanischen Jazz in spirituelle Sphären, ohne Kitsch oder Esoterik. Ansehen erntete er dafür vor allem in seiner Heimat. Bis heute gilt Hōzan Yamamotos Schaffen international als Geheimtipp.
Music Porträt
Hoshina Anniversary
Die Fusion von Techno und Jazz
Hoshina Anniversary macht Techno. Er selbst würde sich aber eher in der Nachfolge zu Jazz und traditioneller japanischer Musik verorten. Und damit ist der Tokioter nicht allein.
Music Essay
Jazz Kissa
Wo in Japan die Musik spielt
Sie bieten stilvollen Rückzug aus einer Welt, in der alle permanent hören. Und zelebrieren das Hören von Musik: Jazz Kissas sind Japans inoffizielles Kulturerbe. Der Journalist Katsumasa Kusunose dokumentiert sie nun.
Music Porträt
Hiroshi Suzuki
Der Unbekannte mit der Posaune
1976 hat der japanische Posaunist Hiroshi Suzuki ein Album aufgenommen. »Cat«, das sich weniger durch Perfektion als durch einen feinen Groove auszeichnet, ging dereinst ein wenig unter. Nun kannst du es wiederentdecken.
Music Essay
Small In Japan
Die Vinyl-Nation, die keine ist
Aufwändige Aufmachungen, audiophile Listening Bars und die meisten Plattenläden der Welt: Japan, ein Vinyl-Paradies? Jein. Das Medium spielt dort gar keine große Rolle. Unsere Kulturgeschichte der japanischen Musikindustrie.
Music Liste
Evidence
10 All Time Favs
Evidence ist Producer, Cratedigger und Rapper, und zwar einer, der in 15 Karrierejahren die Lust am Entdecken nie verloren hat. Jetzt erscheint sein Album »Unlearning Vol.1«. Wir fragten nach 10 Schallplatten, die ihn geformt haben.
Music Liste
Record Store Day 2021 – 2nd Drop
12 Releases nach denen du Ausschau halten solltest
Am 17.7.2021 findet nun der zweite Record Store Days in diesem Jahr statt. Auch dafür sind wieder mehrere Dutzend exklusive Releases angekündigt. Wir haben daraus abermals zwölf Schallplatten gepickt, die wir euch ans Herz legen wollen.
Music Kolumne
Records Revisited
The Smiths – The Queen Is Dead (1986)
Das 1986 veröffentlichte »The Queen Is Dead« ist der Höhepunkt der nur fünf Jahre und vier Studioalben währenden Karriere der britischen Band The Smiths. Es klingt auch nach so langer Zeit noch erfrischend eigenwillig.
Music Kolumne
Records Revisited
Porter Ricks – Biokinetics (1996)
Als Porter Ricks im Jahr 1996 das Album »Biokinetics« veröffentlichten, handelte es sich um mehr als nur eine um Zusatzstücke erweiterte Sammlung ihrer ersten 12inches. Sondern um den utopistischen Versuch, Dub Techno weiterzudenken.
Music Porträt
BBE Records
Influencer der Influencer
Peter Adarkwah ist der Grund, warum manches Life durch J Dilla gechanged wurde, das Roy Ayers einen zweiten Frühling erlebt hat und das japanische Jazz-Alben von Pitchfork rezensiert werden. In anderen Worten: BBE Music wird 25 Jahre alt.
Music Liste
Record Store Day 2021 – 1st Drop
12 Releases nach denen du Ausschau halten solltest
Am 12.6.2021 findet nun der erste von zwei Record Store Days in diesem Jahr statt. Allein dafür sind wieder mehrere hundert exklusive Releases angekündigt. Wir haben daraus zwölf Schallplatten gepickt, die wir euch ans Herz legen wollen.
Music Porträt
Portico Quartet
Guest Mix
»Terrain« heißt das neue Album der britischen Band Portico Quartet, dass in diesen Tagen auf Gondwana Records veröffentlicht wurde. Für uns hat Jack Wyllie von Portico Quartet in einem exklusiven DJ-Mix 60 Minuten Musik zusammengestellt.
Music Porträt
SSIEGE
Suche nach dem Endlosloop
Dicht gedrängt wandeln die Produktionen von SSIEGE an den Übergängen der Jahreszeiten und verschwimmen in ultragesättigten Bildern. Mit ihnen erzählt der Italiener ohne großes Brimborium von Träumen, die sich immer weiter wiederholen.
Music Kolumne
Records Revisited
Marvin Gaye – What's Going On (1971)
Muss man dies Album überhaupt in Erinnerung rufen? Eigentlich nicht. Aber man kann es immer wieder hören. Und es ist bis heute aktuell geblieben, im Guten wie im Schlechten. Marvin Gayes »What’s Going On« wird 50 Jahre alt.
Music Porträt
Seefeel
Musik im luftleeren Raum
Seefeel sind eine Zusammenkunft der Unwahrscheinlichkeiten. Seit fast 30 Jahren spielen sie zwischen den Stilen und befreit von kontemporären Referenzen. Ihr Sound ist bis heute unbegreiflich.
Music Porträt
Arsivplak
Vergangenheit, neu aufgelegt
Volga Çobans Label Arsivplak und das Edit-Projekt Arşivplak sind zwei Seiten derselben Medaille: Einerseits ist er Archivar von türkischem Funk, Disco, Pop, Rock und Jazz, andererseits wirft er ein neues Licht auf alte Klänge.
Music Kolumne
Records Revisited
Grace Jones – Nightclubbing, 1981
Nachtleben für Androiden: Grace Jones sorgte auf »Nightclubbing« mit einer der besten Rhythmusgruppen der Welt dafür, dass Reggae und New Wave im Pop der Achtziger neues Eigenleben entfalteten.
Music Kolumne
Aigners Inventur
Mai & Juni 2021
Die eine Konstante in der Ära von Impfneid, Merzismus und Notbremsenbeef: Aigners Inventur fühlt sich vier Minuten vor Beginn der Ausgangssperre verwegen, hält sich für den Nabel der Deutschrapwelt und kopiert sich nur selbst.
Music Liste
Crumb
10 All Time Favs
Seit ihrem Debüt 2019 gelten Crumb als eines der heißesten Feuer in der Musiklandschaft. Nun ist ihr neues Album »Ice Melt« erschienen. Die Gelegenheit sie nach 10 Schallplatten zu fragen, die sie geformt, gebessert und gebildet haben.
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
Scotch Rolex – Tewari
Ist es Hip-Hop? Ist es Metal? Ist es Dancehall? Ist es Musik, die du nicht raffen wirst? Ist es unfair, dass die Clubs geschlossen sind? Unsere Vinyl-Sprechstundler gehen gleichermaßen clubhorny wie verstört aus DJ Scott Rolex’ »Tewari«.
Music Interview
Adrian Younge
Sonische Geschichtsstunde
Mit »The American Negro« beginnt ein neues Kapitel in der Arbeit von Adrian Younge. Sie ist frontaler, politisch aufgeladener und selbstsicherer. Er will lehren. Wir hatten die Gelegenheit zu einem ausführlichem Interview.
Music Liste
Leon Vynehall
10 All Time Favs
Mit seinem neuen Album »Rare, Forever« setzt der britische Produzent Leon Vynehall den Weg fort, den er mit »Nothing Is Still« begonnen hat. Uns verrät er heute 10 Schallplatten, die ihn geformt, gebessert und gebildet haben.
Music Kolumne
Records Revisited
Gil Scott-Heron – Pieces Of A Man (1971)
Man nannte ihn den »Godfather of Hip Hop«, weil er über Drogen, Rassismus und die Divided States of America textete. Mittlerweile ist das erfolgreichstes Album von Gil Scott-Heron 50 Jahre alt – und aktueller denn je.
Music Kolumne
Records Revisited
Deftones – White Pony (2000)
Die im Juni 2000 veröffentlichte LP »White Pony« wurde deshalb zu einem dermaßen bahnbrechenden Album, weil sich die Deftones darauf erstmals als die Zitationsmaschine in Szene setzen, die sie eigentlich immer schon gewesen waren.
Music Liste
Jenn Wasner (Flock Of Dimes)
10 All Time Favs
Mit ihrem Soloprojekt Flock of Dimes hat Jenn Wasner gerade ihr persönlichstes und zugleich substanziell weitreichendstes Album vorgelegt. Wir baten die Musikerin uns 10 Schallplatten zu nennen, die sie geformt, gebessert, gebildet haben.