Music Kolumne | verfasst 12.10.2017
Aigners Inventur
September 2017
Wir kennen das: kaum geht das Jahr wettertechnisch den Bach runter, nehmen die Releases wieder richtig Fahrt auf. Bei ihr hält die Frisur bei jedem Wetter und das falsche Deo wurde das letzte Mal 1995 benutzt: Aigners Inventur.
Text Florian Aigner

Trettmann - #DIY LPFind it at hhv.de:Vinyl LP | CD Deutsches Songwritertum ist irgendwann in den Neunzigern völlig in seiner tumben Adler sollen fliegen Trampeligkeit verendet und lässt sich jetzt von Pappmaché-Schwiegersöhnen die fauligen Klöten kraulen. Aber es gibt ja Trettmann. Der erzählt direkt zu Beginn von »DIY« wie man es vom Ossi-Token zum neuroselosen Kitschkrieg-Future schafft und knallt uns dann mit einer Nate Dogg’schen Selbstverständlichkeit die besten Hooks des Jahres im Minutentakt ums Ohr. Kann in Deutschland so halt einfach keiner.
 

Ibeyi Ash Find it at hhv.de: Vinyl LP Ibeyi sind derweil nach Abra und Kelela vielleicht der größte Gewinn für diesen Post-Tumblr-R&B, der all die richtigen feministischen Schlüsse aus »Lemonade« gezogen hat, aber weiter geht als es Beyoncé je könnte. »Ash« wäre dann auch konkurrenzlos, würde diese Woche nicht auch Abras großartiges »Roses« wiederveröffentlicht und die neue Kelela, also puuuuh…aber dazu nächsten Monat.
 

lunice albumFind it at hhv.de: Vinyl LP Lunice und sein Debütalbum »CCCLX« – das klingt fünf Jahre nach der finalen Gottschalkisierung von Trap (auaauaaua) durch den »Harlem Shake« einfach nur nach Sangria auf der Kirmes in roten Hightops und Zara-Bikerjeans. Highly recommended um gegen 1:30 Uhr in der Bahn mit immer noch dabbenden Halbmasten ins Gespräch zu kommen tho.
 

krikor kouchian pacific alleyFind it at hhv.de: Vinyl LP Wer allerdings AXE das letzte Mal 1995 eine Chance gegeben hat, wird sich von Krikor Kouchian und »Pacific Alley« hart verstanden fühlen. Ich wusste es selbst nicht, aber was die Welt wirklich noch gebraucht hat war eine Platte, die klingt als hätte DJ Screw 1991 Skizzen von Dam-Funk bekommen, kurz drübergeschaut, alles auf -14 gedreht, mit einem Post-It-Verweis Zeitgeist 2017 in einem Schuhkarton vergammeln lassen und heute posthum nochmal das Game gefickt.
 

Minoru 'Hoodoo' Fushimi - In Praise Of Mitochondria LPFind it at hhv.de: Vinyl LP Ich muss mich hier Monat für Monat zusammenreißen, neue Musik zu besprechen, anstatt einen ewigen Reissue-Circlejerk zu veranstalten, aber weil Left Ear Hoodoo Fushimi auf »In Search Of Mitochondria« in kompilierter Form vorstellen, geht es dieses Mal nicht anders. Wie üblich kosten die Originalpressungen irgendwas zwischen Fuerteventura und Seychellen, aber das hier ist tatsächlich ein bißchen außergewöhnlich: verquerer Achtziger-Rap mit seltsamer Experimental-Kante und ausbaufähigem technischen Niveau, dabei aber – pardon – untypisch für den gemeinen Japaner: unbemüht. Geil.
 

Mount Kimbie - Love What Survives LPFind it at hhv.de:Vinyl 2LP | 2LP Och ja, neue Mount Kimbie. Irgendwas mit Post-Punk und Dub, britische Roots, Vorhersage von mir: der Track mit King Krule wird natürlich der beste sein. Höre ich mir irgendwann dann tatsächlich mal an.
 

dean blunt joanne wahallaFind it at hhv.de: Vinyl LP Auch wenn es dank der kruden Soundcloud/Youtube-Veröffentlichungspolitik nicht immer einfach ist: von Dean Blunt und Joanne Robertson höre ich mir immer alles an. Das ist manchmal Fleißarbeit; nicht alles was auf »Wahalla« passiert, hätte zwangsweise auch auf Platte gepresst werden müssen, aber verdammt noch mal, Dean Blunt bleibt der Typ, der pro Projekt mindestens drei Momente hat, die es jedes Mal in Stein meißeln: ich werde nie selbst Musik machen, weil warum noch?
 

four tet new energyFind it at hhv.de: Vinyl LP Kurzzeitige Motivation bis zum nächsten Dean-Downer könnte man sich dann ausgerechnet bei Four Tet abholen, der auf »New Energy« mit einem sehr gewöhnlichen, mäßig sequenzierten Best-Not-Best-Of seiner Karriere nervt. Da leiht er sich zu Beginn ein bißchen Suso Saiz Genudel aus, wärmt zum hundertsten Mal die Trip-Hop-Lasagne auf und schleppt sich dann doch widerwillig auf die Tanzfläche, mit Reizdarm und allem. Nicht schlimm, ich hätte nach 23000 Gigs pro Jahr vermutlich nicht nur keine Ideen, sondern auch kein Gehirn mehr.
 

bosaina albumFind it at hhv.de: Vinyl LP Über Ambient-Alben zu schreiben finde ich eigentlich nach wie vor so belastend wie Craft Beer. Ein Erklärungsversuch: Bosaina’s autobiographical work takes on a magical insular quality through field recordings and sentimentally driven compositions that unfold in stolen time. On both EPs presented here, her love affair with cinema, interrupted by decaying urban life (New York April-July 2013) and literature (Two Names Upon The Shore) serve as the focal points for her intimate productions; fragmented and wistful soundscapes that combine her affection for the piano with ambient textures from seashore to life underground.
Klingt wie ein VHS-Kurs, ist aber eines der schöhööönsten Alben des Jahres.
 

Laraaji - Bring On the SunFind it at hhv.de:Vinyl LP | Vinyl LP Über Laraaji würde ich aus purer Karmakalkulation nie ein schlechtes Wort verlieren, aber »Sun Gong / Bring On The Sun« sind definitiv Alben, deren Esoteriklevel besser in einem Skulpturenpark auf einer Picknickdecke als self-aware zu Hause zu ertragen sind. Ich meine wer regelmäßig prätentiöse Großstädter dazu bringt Lachübungen in aller Öffentlichkeit zu machen, während sie Rotwein aus Pappbecher trinken, hat rein so kosmosmäßig eh alles im Griff.
 

shit & shine some peopleFind it at hhv.de: Vinyl LP Shit & Shine sind in dieser neuen Industrial-Szene um Hospital, iDeal und Konsorten der dringend benötigte Klassenclown, der all die übliche Kalte-Kriegs-Verkitschung mit Furzkissen und debilem Gelächter untermininiert. »Some People Really Know How To Live« ist, eigentlich wie immer, nur stellenweise überhaupt hörbar, aber wenn die drei Londoner wieder in einen Closer wie »The Crocodile« taumeln, vergisst man die zahllosen Umwege, die dafür in Kauf genommen werden mussten.
 

Ninos Du Brasil - Vida EternaFind it at hhv.de: Vinyl LP Zurück zu Hospital: da gab es im September mit Ninos Du Brasils »Vida Eterna« einen willkommen brachialen Zugang zum aktuellen Fourth-World-Percussion-Rudelbums. Bei weitem nicht so schluffig verkifft wie wir das von Corum, XYR oder Iona Fortune kürzlich hatten, dafür mit ordentlichem Liaisons Dangereuses Wums.
 

JASSS - WeightlessFind it at hhv.de: Vinyl 2LP Und nochmal irgendwas mit Industrial, Percussion,100 BPM Techno und Art-Grime, dafür aber tatsächlich in der Top5-Listen-Variante: Jasss zerlegt auf »Weightless« mehr Genres als andere in einer ganzen Diskographie, lässt sich inspirieren, aber zieht stets eigene Schlüsse. Wer sich dieses Jahr nur ein neues Album aus diesem Quasigenre kaufen kann, weil die Coil Originalpressungen schon teuerer waren als ein Kombi: hier, glücklich werden.
 

Die Orangen - ZestFind it at hhv.de: Vinyl 2LP Vor allem: wie toll ist das eigentlich, dass es gerade wieder chic ist, vor der Herausforderung des Albums nicht einzuknicken? Auch Die Orangen stellen mit »Zest« ihre bisherigen Maxis sowas von in den Schatten; wurschteln sich durch zahllose Tempi, Proggen hier, Dubben da, rauchen verschwitzte Kippen nach kurzen, aber intensiven Flurausflügen. Ne echt, elektronische Musik 2017: in frappierend besserem Zustand als die Welt drumherum.
 

VA all watched over by machinesFind it at hhv.de: Vinyl 2LP Selbst Brechstangen EBM-Techno nervt noch nicht. »All Watched Over By Machines Of Loving Grace« ist als Zusammenstellung so subtil wie ein Kettenhemd, aber heiliger Fick, wie bedingungslos hier gekloppt wird, Alter, Double Dragon Techno!
 

Hypnobeat - PrototechFind it at hhv.de: Vinyl 2LP Haben die alle von Hypnobeat gelernt, die jetzt mit »Prototech« endlich eine standesgemäße Zusammenstellung ihrer besten Tracks bekommen haben, wie immer bei Dark Entries wahnwitzig sorgfältig aufbereitet, umfassend weitsichtig zusammengestellt und mit unveröffentlichtem Kram sowieso. Könnt also aufhören diesen schrecklichen Youtube-Rip von »(Giving Head To) Kilian« zu spielen, Kthxbye!
 

Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Porträt | verfasst 30.05.2017
KitschKrieg
Wenn sie weint, wird's ein Turn Up
Am Tiefpunkt haben KitschKrieg den Kopf leer gemacht. Und somit letztendlich Platz fürs Gefühl geschaffen. Mit diesem haben sie deutschsprachigen Rap, R&B und verwandte Spielarten in eine neue Stimmung getaucht.
Music News | verfasst 30.07.2020
KitschKrieg
Solodebüt mit illustren Gästen
2020 noch ein Produceralbum veröffentlichen? KitschKrieg machen’s! Und führen nebenbei noch die spannendsten Stars und Newcomer auf einer Platte zusammen. »KitschKrieg« erscheint 7.8. bei SoulForce.
Music Kolumne | verfasst 31.12.2013
Zwölf Zehner
Jahresrückblick 2013 (Teil 2)
Streitbar, scheuklappenfrei, hart und herzlich, House und R&B, Hip-Hop, Trap, Kanye und Post-Everything. Das Kolumnen-Duo plus Kunze schließt das Jahr 2013 mit einer Auswahl seiner 50 liebsten Tracks ab.
Music Review | verfasst 13.02.2015
Ibeyi
Ibeyi
Die Eltern mögen es, die Freundinnen mögen es. Also warum solltest Du »Ibeyi« auch mögen können?
Music Interview | verfasst 26.06.2015
Under The Plates
with Ibeyi
Wir haben ein neues Format! In »Under The Plates with…« vermitteln wir euch einen umfassenden Eindruck von Künstlern, die wir interessant finden: Mit Bild, Ton und Text. Für die erste Folge haben sich Ibeyi unter ein paar Teller gesetzt.
Music Porträt | verfasst 31.03.2016
Trettmann
(T)Rapsänger-Prototyp
Während man in Auskennerkreisen noch streitet , wer zuerst das hypnotische 808-Gewummer in schländliche Laptopboxen trug, stellt sich klammheimlich ein deutscher Dancehall-Artist an den Volumenknopf. Trettmann, der (T)Rapsänger-Prototyp.
Music Review | verfasst 15.07.2010
Mount Kimbie
Crooks And Lovers
Die Lust am Innovativen ist Mount Kimbie noch nicht vergangen. Auf ihrem Debütalbum spürt man diese Besessenheit und den Durst nach Neuem.
Music Review | verfasst 01.12.2010
Mount Kimbie
Blind Night Errand EP
Nicht einmal ein halbes Jahr nach dem Albumrelease feilen Mount Kimbie weiter an der Erneuerung von Dubstep.
Music Review | verfasst 06.05.2010
Mount Kimbie
Remixes Part 1&2
Die Remixe machen auf eine wunderbare Art deutlich wie vielseitig einsetzbar die Soundvorgaben Mount Kimbies sind.
Music Review | verfasst 21.05.2013
Mount Kimbie
Cold Spring Fault Less Youth
Mount Kimbie haben auf ihr Debütalbum noch mal ordentlich einen draufgesetzt. Post-Dubstep ist das nicht mehr, aber was ist es dann?
Music Porträt | verfasst 04.06.2010
Mount Kimbie
Die Bas(s)tardisierung des Electronica-Sounds
Nach zwei aufregenden EPs im letzten Jahr folgt nun das Debütalbum des Londoner Duos Mount Kimbie
Music Interview | verfasst 27.06.2011
Mount Kimbie
Unaufdringlich nach vorne
Mount Kimbie haben Dubstep revolutioniert, dem Ganzen einen neuen Dreh gegeben und gleich mit ihrem ersten Album einen Meilenstein gesetzt. Valentin Menedetter setzte sich mit ihnen zusammen und lässt die letzten Jahre Revue passieren.
Music Bericht | verfasst 25.07.2011
Mount Kimbie
Live am 23.7. auf dem Open Source 2011 in Düsseldorf
Mount Kimbie sind das Highlight beim diesjährigen Open Source Festival in Düsseldorf. Die Rheinmetropole ist zum fünften Mal Gastgeber des Festivals, dass neben Mount Kimbie, auch Editors, Jamie xx, dOP oder Architecture In Helsinki zeigt.
Music Bericht | verfasst 13.09.2011
Mount Kimbie
Live am 10.9. auf dem Berlin Festival 2011
Mount Kimbie üben sich wie gewohnt in konzentrierter Zurückhaltung und setzen einen der interessanteren Akzente auf dem diesjährigen Berlin Festival. Das hebt sie auch deutlich von einem Lokalmatador ab.
Music Kolumne | verfasst 12.12.2013
2013
Die 50 Alben des Jahres (Teil 2)
Es war ein richtig gutes Jahr für alle Musikconnaisseure. Wir haben uns durch Alben und Mini-Alben gehört und 50 Highlights zusammengetragen. Lest hier Teil 2 der Liste…
Music Porträt | verfasst 07.09.2017
Mount Kimbie
»Wir gehen nicht im Kreis, wir gehen aufwärts«
Mount Kimbie greifen mit ihrer neuen LP zurück in die Vergangenheit. Und doch verwehrt sich das Schaffen von Dominic Maker und Kai Campos jeglicher pessimistischer Retro-Kritik.
Music Review | verfasst 21.04.2011
Burial, Four Tet & Thom Yorke
Ego/Mirror
Burial sendet ein Lebenszeichen und findet für Ego/Mirror mit Four Tet und Thom Yorke für eine brillante 12inch zusammen.
Music Review | verfasst 16.05.2013
Four Tet
Rounds
Four Tet exerziert auf »Rounds« sein Gespür für ausgefuchste Harmonien, die wärmer klingen als die meisten anderen Veröffentlichungen.
Music Review | verfasst 18.10.2017
Four Tet
New Energy
Die dritte Inkarnation des Four Tet haut eher nicht vom Hocker. Doch »New Energy« ist immer noch eine verdammt gute Platte.
Music Review | verfasst 30.03.2020
Four Tet
Sixteen Oceans
Selbst da, wo er sentimental zu werden droht, berührt Four Tet einen auf »Sixteen Oceans« am Ende doch.
Music Kolumne | verfasst 03.04.2011
Zwölf Zehner
März 2011
Der März ist um, es lebe der März. Florian Aigner und Paul Okraj lassen den Monat März Revue passieren und destillieren in der neuen Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Bericht | verfasst 21.10.2013
Gilles Peterson, Four Tet & Floating Points
»Free Spirits Sunday« am 13.10. in Berlin
Die jazzaffinen DJs und Musiker leisteten beim »Free Spirits Sunday« eine dringend notwendige Unterstützung für die Steve Reid Foundation und verneigten sich zeitgleich auch auf vielfältige musikalische Weise vor ihren Vorbildern.
Music Review | verfasst 04.04.2016
Babyfather
BBF Hosted By DJ Escrow
Dean Blunt ist zurück mit einem Album, das die Frage aufwirft: Was soll das? »BBF Hosted By DJ Escrow« ist Ausdruck großer Verwirrung.
Music Review | verfasst 25.08.2017
Hype Williams
Rainbow Edition
Hype Williams melden sich mit »Rainbow Edition« zurück und bringen wieder ein paar Mysterien in unseren entzauberten Alltag.
Music Bericht | verfasst 26.11.2013
Dean Blunt
Live am 20.11. im Gewölbe in Köln
Dean Blunt trat, so stand es schwarz auf weiß, am 20. November im Gewölbe auf, unter den Gleisen des Kölner Westbahnhofs. Aber war er wirklich? So entscheidend diese Frage klingt, eine andere Frage war viel wesentlicher.
Music Kolumne | verfasst 11.12.2013
2013
Die 50 Alben des Jahres (Teil 1)
Es war ein richtig gutes Jahr für alle Musikconnaisseure. Wir haben uns durch Alben und Mini-Alben gehört und 50 Highlights zusammengetragen. Lest hier Teil 1 der Liste…
Music Kolumne | verfasst 12.11.2014
Zwölf Zehner
Oktober 2014
Willkommen im November. Doch vorher lassen unsere Kolumnisten vom Dienst den Monat Oktober musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Kolumne | verfasst 08.12.2016
Jahresrückblick 2016
Top 50 Alben
Vielleicht ist es das Einzige, das man zu einer Liste mit Schallplatten zu diesem Jahr 2016 sagen kann, in der man nicht einfach nur über Musik reden kann: dass es bereichert, diesen 50 Alben (und 2 Mixtapes) zuzuhören.
Music Porträt
Jockstrap
Viel Klang, viel Geräusch
Das Londoner Duo Jockstrap veröffentlicht ihre Schallplatten bei Warp. Ihre Songs sind in Werbungen von Chanel und Dior zu hören. Taylor Skye und Georgia Ellery spielen sich auf der zweiten EP »Wicked City« passgenau die Bälle zu.
Music Kolumne
Record Revisited
Elliott Smith – Elliott Smith (1995)
Die neunziger Jahre waren ein lautes Jahrzehnt, doch sie gaben uns auch die Musik von Elliott Smith. Dessen zweites Album »Elliott Smith« setzte einen stillen, inwendigen Kontrapunkt zum Weltgeschehen.
Music Kolumne
Records Revisited
Joy Division – Closer (1980)
Joy Divisions Album »Closer« war ein Zwischenschritt, ein halbherziges, halbbeseeltes Statement von vier jungen Männern auf ihrem Weg in neue Untiefen. Nur einer aber wollte, konnte nicht vom Fleck kommen.
Music Porträt
WeWantSounds
Ansteckende Leidenschaft
Den Grund für die Label-Gründung trägt WeWantSounds im Namen. Seit 2015 veröffentlicht der Pariser Zweimannbetrieb persönliche Lieblingsmusik aus den Siebzigern und Achtzigern. Bei der Auswahl spielen Genre- und Landesgrenzen keine Rolle.
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
Arca – KiCK i
»KiCK i« soll das erste von vier neuen Arca-Alben sein. Während sich einer unserer Autoren dazu auf dem Shakti-Kissen lümmelt, surft der andere auf Soundcloud das Reggaetón-Tag ab und bewundert der Dritte das Songwriting der Platte.
Music Essay
Baltic & Finnish Jazz
Grenzen ausbooten
Während Jazz von London bis L.A. eine neue Pop-Sensibilität entwickelt oder Fusion updatet, werden an den Ostseeküsten kühle Geschmacksrichtungen zwischen Nachwuchs und Nostalgie kultiviert. Weltoffen ist Jazz auch hier – und total eigen.
Music Kolumne
Aigners Inventur
Juli & August 2020
Hier werden persönliche Anekdoten zu programmatischen Allegorien: Aigners Inventur verabschiedet sich schlussendlich mit einem Wimmern in die Sommerferien. Es ist schließlich 2020.
Music Porträt
International Anthem Recordings
Die Suche nach dem Echten
Seit sechs Jahren liefert das Label International Anthem aus Chicago zuverlässig Jazz mit ganz eigener Attitüde. Wobei sich die Gründer fast jeder Zuschreibung verweigern. Für sie gilt: Der schönste Klang ist stets das Echte.
Music Liste
Halbjahresrückblick 2020
50 best Vinyl Records so far
Wahrscheinlich wird man in 40 Jahren zwei Fragen beantworten müssen: Was man 2020 selbst gegen das Leid und die Ungerechtigkeit getan und welche Platten man gehört hat. Bei der Beantwortung der zweiten Frage, können wir behilflich sein.
Music Porträt
We Jazz
Mit Betonung auf Wir
We Jazz, das steht für überraschenden Jazz aus dem Norden. Und noch mehr. Seit 2013 gibt es das Festival in Helsinki, seit 2016 das Label. Dort verlegt Matti Nives vorwiegend finnische Bands. Wir stellen euch das Label vor.
Music Porträt
Roy Ayers
Vibrationen zum Wohlfühlen
Er zählt zu den meistgesampelten Musikern der Gegenwart. Mit Songs wie »Everybody Loves The Sunshine« wurde Roy Ayers, der im September seinen 80. Geburtstag feiert, zur Legende. Auf Jazz Is Dead sind nun neue Songs von ihm erschienen.
Music Porträt
Sven Wunder
Wer bin ich?
Es kursieren gerade zwei Alben, die Liebhabern des Rare Groove Freudentränen in die Augen treiben. Das eine, »Doğu Çiçekleri«, spricht seine musikalische Sprache mit türkischen Akzent, »Wabi Sabi« mit japanischem. Doch wer ist Sven Wunder?
Music Kolumne
Records Revisited
Prefab Sprout – Steve McQueen (1985)
Eigentlich wollte Paddy McAloon Priester werden, Menschen von den Worten Gottes berichten. Stattdessen gründete er eine Band. 1985 veröffentlichten Prefab Sprout »Steve McQueen«, das wahrscheinlich schönste Popalbum der Achtziger Jahre.
Music Porträt
upsammy
Das Kleine im Großen
Die Niederländerin Thessa Torsing hat unter dem Pseudonym upsammy in den letzten Jahren die gefragtesten Dancefloors bespielt. Aber auch ihre eigenen Soundproduktionen haben über transkontinentale Wege hinaus Gehör gefunden.
Music Interview
Gary Bartz
»Wir sehen die Realität nicht mehr«
Der Grammy-prämierte Sopransaxophonist Gary Bartz stand mit Miles Davis, Art Blakey und Max Roach auf der Bühne. Jetzt hat er mit der britischen Band Maisha eine Platte aufgenommen – und Neues entdeckt.
Music Kolumne
Records Revisited
Quasimoto – The Unseen (2000)
Vor zwanzig Jahren schloss sich Madlib in den Keller von Peanut Butter Wolf ein und kam als gelbes Alien mit Schweineschnauze raus. Lord Quas war geboren und »The Unseen« hat das Character Design im Hip-Hop auf eine neue Stufe gehoben.
Music Porträt
Dekmantel
Unendliche Ferien
Seit über zehn Jahren löst Dekmantel aus Amsterdam als Label, Festival und Veranstalter die Quadratur des Kreises: Innovation und Untergrund mit Qualität zu verbinden. Ein Ende? Auch in Krisenzeiten nicht in Sicht.
Music Liste
Rafael Anton Irisarri
10 All Time Favs
Ambient? Vielleicht. Aber mit Splittern von Metal, Neo-Klassik und anderem. Rafael Anton Irisarri malt mit dickem Pinselstrich überwältigende Klanggemälde. Für uns hat der US-amerikanische Komponist seine Einflüsse offengelegt.
Music Interview
Eloquent & Knowsum
Jaylib auf LSD
Eloquent und Knowsum, das ist eine Liason, die sich angedeutet hat. »JLALSD« heißt das gemeinsame Album. Das Akronym steht für Jaylib auf LSD. Wir sprachen mit beiden über ihre Zusammenarbeit, »Champion Sound« und das Streben nach Glück.
Music Porträt
Motohiko Hamase
Gemeinsam mit der Welt allein
Motohiko Hamase beendete seine Karriere in der Jazz-Szene Japans so schnell, wie sie begonnen hat. In einem Zeitraum von knapp einem Jahrzehnt veröffentlichte er fünf Alben mit ausgesprochen wundersamer Musik. Ein Porträt.
Music Porträt
Kaitlyn Aurelia Smith
Freundlichkeit durch Klang verbreiten
Ihre Musik ist wie ein langer, ruhiger Fluss aus Strom: Kaitlyn Aurelia Smith macht mit Synthesizern und Stimme Musik, die mehr auf Entspannung als auf Anspannung setzt. Ihr neues Album erweitert diesen Weg durch Körperbewegungen.
Music Porträt
Muriel Grossmann
Abstraktion mit Blick aufs Meer
Die Saxofonistin Muriel Grossmann kommt auf den Balearen zur Abstraktion, reitet mit Hard Bop die Wellen und bringt sogar Milliardäre aus der Fassung. Wer ist die heimliche Pionierin des spirituellen Revivals?
Music Porträt
Roza Terenzi
Rave in der Zeitkapsel
Roza Terenzi stellt die Dance-Vergangenheit auf den Kopf und bürstet mit Jungle-Breaks und Eso-Techno drüber. Auf ihrem Debütalbum »Modern Bliss« landet sie endlich in der Zukunft.
Music Kolumne
Aigners Inventur
Mai & Juni 2020
Befreit sich von kaukasischer Clumsiness, hat Tiktok verstanden, züchtet Sauerteig und checkt’s einfach: Aigners Inventur im Lockdown. Verstörender Scheiß für verstörende Zeiten.
Music Porträt
Soviet Grail
Kollektives Gedächtnis
Zwischen Jazz-Experimenten, elektronischem Sowjetbrutalismus und psychdedlischem Underground gräbt Sergey Klimov nach Schätzen, für die Musiker im Gefängnis landeten. Mit Soviet Grail begibt er sich in die sowjetische Musikvergangenheit.
Music Liste
ADULT.
10 All Time Favs
Seit mehr als 20 Jahren machen ADULT. nun Musik. Und sie haben noch immer keinen Bock auf simple Zuschreibungen, Sonnenlicht, Selbsttäuschungen. Dafür hatten sie Bock uns Schallplatten zu nennen, die sie geformt, gebessert, gebildet haben.
Music Interview
Quelle Chris
Das Chaos akzeptieren
Er ist der produktivste Sonderling des Rap-Undergrounds. Und er hat einen Lauf. Mit »Innocent Country 2« macht Quelle Chris dort weiter, wo er mit »Guns« aufgehört hat – und begegnet der Hoffnungslosigkeit mit positiver Angst.
Music Liste
Peaking Lights
10 All Time Favs
In diesen Tagen erscheint auf Dekmantel das neue Album »E S C A P E« der Peaking Lights. Wir hatten die Gelegenheit Aaron Coyes und Indra Dunis nach 10 Schallplatten zu fragen, die sie geformt, gebessert und gebildet haben.
Music Kolumne
Records Revisited
Mobb Deep – The Infamous (1995)
1995 zieht sich Hip-Hop die Kapuze ins Gesicht – Mobb Deep bringen mit »The Infamous« den Hardcore nach New York City und zerschießen die Szene ohne Hoffnung auf ein Morgen.
Music Kolumne
Records Revisited
Hiroshi Yoshimura – Green (1986)
»Green« von Hiroshi Yoshimura ist ein Meilenstein der japanischen »kankyō ongaku«. Besser gesagt ein Meilenstein des Ambient überhaupt: Kein anderes Album legte dermaßen schonungslos offen, dass es sich bei ihm um eine Simulation handelte.
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
Yves Tumor – Heaven To A Tortured Mind
Zuerst war die Euphorie groß: Yves Tumor bringt eine neue Schallplatte raus! Dann stellte sich Ernüchterung ein. Was tun als Fan, wenn der neue Release eines geliebten Musikers enttäuscht? Nur eine Frage in der neuen Vinyl-Sprechstunde.
Music Kolumne
Records Revisited
Nightmares On Wax – Smokers Delight (1995)
Hip-Hop ohne Rap: Mit »Smoker’s Delight« brach für Nightmares On Wax eine neue Ära an. Zum Soloprojekt von George Evelyn mutiert, war das zweite Album der Bleep-Pioniere der Auftakt für geloopte Entspannungspolitik mit Langzeitwirkung.
Music Porträt
Patricia Kokett
Teil seiner eigenen Bewegung
Patricia Kokett vermischt Rave mit Mystizismus, futuristischen Industrial mit schamanistischem Rauschen. Der Litauer Gediminas Jakubka, der sich auf der Bühne in Patricia verwandelt, balanciert zwischen Grenzen. Ein Orientierungsversuch.
Music Liste
Jeff Parker
10 All Time Favs
Jeff Parker ist kein Neuling. Und dennoch meint man, er starte gerade erst durch. Jetzt ist sein Album »Suite for Max Brown« erschienen. Also haben wir ihn gebeten 10 Schallplatten zu nennen, die ihn geformt, gebessert und gebildet haben.
Music Kolumne
Records Revisited
Miles Davis – Bitches Brew (1970)
Raus aus dem Jazzkeller, rauf auf die Rockbühnen – mit »Bitches Brew« wurde Miles Davis zu »Electric Miles« und braute den psychedelischen Trunk für alle, die nicht wussten, dass sie Jazz geil finden.
Music Kolumne
Records Revisited
Ol Dirty Bastard – Return To The 36 Chambers (1995)
1993 begann eine Erfolgsgeschichte. Mit »Enter The Wu-Tang (36 Chambers)« produzierte der Wu-Tang Clan einen Meilenstein und nachfolgend zahlreiche Klassiker des Genres. Darunter: »Return To The 36 Chambers« von Ol‘ Dirty Bastard.
Music Kolumne
Records Revisited
Depeche Mode – Violator (1990)
Das siebente Studioalbum von Depeche Mode ist die perfekte Verbindung von Experiment und Pop, Elektronik und Rock. Eigentlich hätte es aber auch ganz anders ausgehen können.
Music Kolumne
Aigners Inventur
März & April 2020
Boomer vermissen hier die neue Ozzy Ozzbourne, Fintec-Heinis finden eine Antwort auf die Frage nach ihrer Seele: Aigners Inventur im März Mit dem ersten essentiellen Album des neuen Jahrzehnts und einer überraschenden Enttäuschung
Music Porträt
Kalahari Oyster Cult
Die beste aller Welten
Im Morast nach Perlen tauchen, Rave-Klassiker aus den 90ern aufstöbern und mit Menschen zusammenarbeiten, denen es nicht darauf ankommt, ob sie in den Beatport-Charts landet: Colin Volverts Kalahari Oyster Cult mischt den Underground auf.
Music Liste
Malcolm Catto of The Heliocentrics
10 All Time Favs
Soeben haben The Heliocentrics »Infinity Of Now« veröffentlicht. Das Album hat das Zeug zukünftige Musiker zu inspirieren. Malcolm Catto hat uns aber erstmal die Schallplatten verraten, die ihn geformt, gebessert und gebildet haben.
Music Kolumne
Records Revisited
Tricky – Maxinquaye (1995)
Trickys Debütalbum »Maxinquaye« mit der Sängerin Martina Topley-Bird und dem Produzenten Mark Saunders ist ein Werk der verwischten Grenzen. Urheberrechte gelten hier genauso wenig wie Gender und Individuum.