Music Liste | verfasst 27.10.2017
Ausklang | 2017KW43
8 essentielle neue Platten
Hunderte neue Releases, jede Woche. Davon viele sehr gut – und bereits von diversen Portalen vorgestellt. Wir präsentieren: die unvorgestelltesten, besten Releases der Woche. Ab vom Schuss, leicht daneben und tierisch geil: der Ausklang.
Text Kristoffer Cornils, Florian Aigner, Sebastian Hinz, Pippo Kuhzart

Pierre Bastien - Mecanoncentric Worlds Of Pierre Bastien Webshop ► Buy LP Manchmal kann man einfach nichts anderes sagen als, »leck’, ist das gut!« und direkt darauf traurig, beschämt und trotzig selbstbewusst konstatieren: der innere Sean Connery ist allerhöchstens ein verschrumpeltes Entlein. Der »Leck’«-Auslöser ist Pierre Bastien und seine Automaten. Der französische Mulitinstrumentalist lässt Maschinen Instrumente bedienen, das hier ist eine Live-Aufnahme. Klingt als seien Gnawa und die Eisenbahn zeitgleich und aufeinander basierend im selben Land erfunden wurden, oder eben als würden Gebilde aus Schrauben und Nähten ein abstraktes George Condo-Gemälde interpretieren. PK
 

Kundan Lal - Periodic Perciotic Webshop ► Buy 12inch Wenn es in diesem Jahr an etwas nicht gemangelt hat, dann waren es Fourth-World-Fantasien. Kundan Lal kommt laut Soundcloud-Ortsmarke zwar aus – ach, was – Rostock, aber lädt sich per MPC die halbe Welt auf den Beat. Und obwohl damit zwei Sorten Rucksackmentalität zusammenkommen ist das Ergebnis immerhin liebevolle Manufakturarbeit, Öko-zertifiziert und kommt ohne Ethno-Ziselierungen aus. Zwischendurch lugt sogar Nils Frahm durch die Seitentasche und nervt nicht mal. Bemerkenswert korrekt, das alles. Rostock, ey, der fusselige Bauchnabel der vierten Welt. KC
 

Jun Fukamachi - Nicole Webshop ► Buy LP Wo wir schon bei Textilien sind, können wir sogleich zu Texturen übergehen beziehungsweise beides ineinander weben: Jun Fukamachi, mir unbekannt, hat 1986, vor meiner Geburt, für die Modelinie des Designers Mitsuhiro Matsuda, nie gehört, namens Nicole, komischer Name, einen Soundtrack geschrieben, dessen Existenz mir nicht bekannt war und der wohl, ah ja, der nächste holy grail aus dem Nischenmusiksektor ist, den wir vermutlich nicht erkunden würden, wenn nicht WRWTFWW den Kram scheffelweise in die Crates abläden. Klingt nach einer »Blade Runner«-Adaption, in der jemand die retirement-Metaphorik wörtlich genommen hat und also wie etwas, das wir tatsächlich an schwermütigen Sonntagen unbedingt in unserem Leben brauchen. Wer hätte es gewusst. Ich nicht. KC

zazou bikaye cy1 Webshop ► Buy LP »Lamuka« kennt dafür jeder, für den akzeptable Discogs-Mediane dreistellig sein müssen, Rotary-Mixer als Pimmelprothese besser funktionieren als SUVs und Urlaub im Kofferraum auf kroatischen Parkplätzen mit Tütensuppe folglich die einzige finanziell vernünftige Entscheidung des Jahres ist. Vielleicht aber auch mal den Rest des Albums anhören, weil Zazou, Bikaye & CY1 haben da halt 1983 auf Crammed ( <3 <3 <3 ) dermaßen koordinatendurchsuppten Zeitlupen-Highlife mit Downtown-Post-Was-Weiß-Ich bumsen lassen, dass David Byrne wahrscheinliich heute noch direkt anfängt Krokodilstränen zu verdrücken . FA
 

N'Kouri Percussions - N'Kouri Percussions Webshop ► Buy LP Bei einem Titel wie N’Kouri Percussions schwillt natürlich jedem gleich der Bürzel, dessen liebstes Kämmerchen im Amsterdamer Rotlichtbezirk das kleine Radio ist. Statt 200 zahlt man jetzt auch nur noch 25,99 Euro für eine Einheit, tschechische Verhältnisse auf dem Plattenmarkt. PK
 

Floating Points - RatioWebshop ► Buy Vinyl 12" Manchmal braucht es nur 19 Minuten um halbwegs ohne Blessuren aus der Wüste zu kommen. Floating Point wusste, dass er dafür Opfer bringen musste: ein paar befreundete Mucker zurücklassen; die Freiheit im Kopf mit der Freiheit im Rücken tauschen; die Ravioli von Tesco kalt aus der Dose essen. Manchmal muss eben die »Ratio« entscheiden. Der Musik zuliebe. SH  

2 katara break at home Webshop ► Buy LP Manchmal braucht es nur 17 Minuten um sich einen Sonnenstich zu holen. 2 Katara wussten 1991 vermutlich nicht was sie taten, als sie »Greek Lady III« zusammenzimmerten. Eine völlig wahnwitzige Tribal-Balearic-Oper, die sich im 5-Minuten-Intervall in Nyabingi-Transzendenz ballert, nur um dann wieder mit Soft Rock zu kuscheln. Ach ja, ein super seltsames Faux-Industrial-Intro hängt da ja auch noch an und komplett entweltlichte griechische Chöre machen das alles nur noch gemeingefährlicher. Nüsse, voll Nüsse. FA
 

Circuit Des Yeux - Reaching For Indigo Webshop ► Buy LP Orchestraler Power-Folk oder so von Circuit Des Yeux. Für alle, die Antony Hegarty in Richtung HudMo verlassen hat: schmerzgeladen, kunstvoll, non-binär und sicher nicht für Pommes im Freibad zu haben. PK
 

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Mit ihrem vierten Album als Autechre verabschiedeten sich die beiden Mancunians aus der Referenzmenge und begannen ihre einzigartige Reise in ungehörte Klänge und massige Grooves.
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Die monumentalste Stille aller Zeiten: Mit »The Tired Sounds Of« schufen Stars Of The Lid im Jahr 2001 eines der wichtigsten Ambient-Alben. Sie verpassten dem Genre mit diesen zwei Stunden an Sounds, Drones und Loops eine neue Tiefe.
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Torky Tork ist bislang eher als der Mann im Hintergrund bekannt. Jetzt hat der Berliner Beatmaker ein eigenen Produceralbum aufgenommen. Er hat die Beats geschliffen, Wandl, Döll, Lugatti oder Doz9 haben gerappt. Zeit für ein Gespräch.
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Music Kolumne
Records Revisited
A Tribe Called Quest – Low End Theory (1991)
Viel besser geht es nicht. Zu Beginn der 1990er Jahre brachten A Tribe Called Quest mit ihrem zweiten Album »The Low End Theory« den Flow auf den Punkt. Ohne aggressiv männliche Posen, dafür mit Jazz, Breaks und Vibe.
Music Kolumne
Records Revisited
Primal Scream – Screamadelica (1991)
1991 – was für ein Jahr für die Rockmusik. Die am 24.9.1991 veröffentlichten Alben von Nirvana, Soundgarden und Red Hot Chili Peppers haben Rock wieder populär gemacht. Aber »Screamadelica« von Primal Scream hat das Genre verändert.
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Die Beat-Ära in der DDR
Feindliche Übernahme
Schallplatten des Amiga-Labels sind weit verbreitet. Neben Pressungen internationaler Stars war auch jede Menge Musik aus der DDR selbst auf Platte verewigt worden. Manches davon lohnt wiederentdeckt zu werden.
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José González
Geschmack ist wie dein Po
2003 coverte José González den Song »Heartbeat« von The Knife und katapultierte sich gleich in die Herzen und Studierzimmer vieler Menschen. Mit seinem Album »Local Valley« strickt er weiter an seinem Mythos. Wir trafen ihn zum Interview.
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Loredana Berté
Irgendwie unvergleichlich
Loredana Bertè wird als »Königin des italienischen Rock« apostrophiert. Das greift nicht nur musikalisch zu kurz. Denn sie den Status quo nie repräsentiert, sondern als Außenseiterin aus Überzeugung wiederholt infrage gestellt.
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Records Revisited
DJ Shadow – Endtroducing (1996)
Vor 25 Jahren erschien mit »Endtroducing« ein Hip-Hop-Album, das Björk mit Metallica und finnischer Fusion zusammendachte. DJ Shadow grub dafür im Keller. Und fand Gold. Dann schuf er ein Album, das aus der Zeit gefallen zu sein scheint.
Music Porträt
Sarah Davachi
Echo der Unendlichkeit
Intensität ist das Wort, das in den Sinn kommt. Bei ihrer Musik und bei ihren Sätzen. Ihr Sound fühlt sich an, als ob jemand mit einer Fingerspitze über die Seele streicht. Jetzt erscheint Sarah Davachi neues Album »Antiphonals«.
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Leslie Winer
Der unbekannte Weltstar
Björk, Grace Jones, Boy George und Sinéad O’Connor zählen zu ihren Bewunderern. William S. Burroughs war ihr Mentor. Irgendwie hat sie auch Trip-Hop erfunden. Dennoch ist Leslie Winer heute nur Insdern bekannt. Das könnte sich jetzt ändern.
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DJ Koco
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Bei DJ Koco treffen atemberaubende Mixing-Skills auf eine Selection von ungeheurer Raffinesse. Kaum einer cuttet seine Breakbeats tighter ineinander als er. Das Verblüffendste: Der japanische DJ beschränkt sich in seinen Sets auf 7Inches.
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Aigners Inventur
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Keift und brummt sich wieder durch die Veröffentlichungen der letzten zwei Monate: Aigners Inventur, mit Bärlauch-Antipathie und Seerobben-Ehrfurcht. Dazwischen Alben von Flying Lotus, Erika De Casier, Space Afrika und Maxine Funke.
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John Coltrane – Africa/Brass (1961)
1961 markierte »Africa/Brass« den Anbruch eines neuen Zeitalters: Für John Coltrane war es der Beginn seiner Impulse!-Jahre, für viele afrikanische Staaten der Start in die Unabhängigkeit. Musikalisch war es sein ambitioniertestes Vorhaben.
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Mit »Vespertine« schien Björk Guðmundsdóttir das Versprechen ihres vorherigen Werks nicht einzulösen. Weil sie dieses Mal einen vollkommen anderen Ansatz wählte. Was »Vespertine« von 2001 zu einer ihrer besten Platten bis heute macht.
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Polo & Pan
Eklektisch in den Weltraum
Polo & Pan sind bereit abzuheben. Nachdem sie es mit ihrem kunterbunten Stilmix bis ins Hotelzimmer von Elon Musk schafften, blicken sie nun höheren Sphären entgegen. Die irdischen Fans beglückt das Duo derweil mit dem Album »Cyclorama«.
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Durand Jones & The Indications verbinden seit Ihrem Debüt vor fünf Jahren Vergangenheit und Zukunft des Genres. Jetzt erscheint ihr drittes Album »Private Space«. Zeit, um die Band nach den 10 Schallplatten zu fragen, die sie geformt haben.
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Conrad Schnitzler
Mitten im Durcheinander
Immer noch wird der 2011 verstorbene Conrad Schnitzler vor allem für seine Verbindung zu Kraftwerk oder Tangerine Dream wahrgenommen. Dabei steht sein beeindruckendes Werk genauso für sich allein, wie er Verbindungen herzustellen wusste.
Music Kolumne
Records Revisited
Main Source – Breaking Atoms (1991)
In mancher Hinsicht scheint »Breaking Atoms«, das Debüt von Main Source, ein Klassiker aus der zweiten Reihe geblieben zu sein. Doch die Produktion von Large Professor definierte einen Signature Sound für das Goldene Zeitalter des Hip-Hop.
Music Kolumne
Records Revisited
LFO – Frequencies (1991)
Die niederfrequenten Schwingungserzeuger LFO aus Leeds schufen mit »Frequencies« eines der ersten Techno-Alben. Ihre hohen Bleeps und tiefen Clonks haben Technogeschichte geschrieben. Bis heute kann, äh, muss man dazu tanzen.
Music Kolumne
Records Revisited
Funkadelic – Maggot Brain (1971)
Mit »Maggot Brain« begeben sich Funkadelic auf die dunkle Seite des Funk. Das triumphierende Lustprinzip wird mit dystopischer Eschatologie durchsetzt und stellt der Feier des Lebens eine beklemmende Endzeitstimmung zur Seite.
Music Kolumne
Aigners Inventur
Juli & August 2021
Hier wird nicht lange gefackelt und sogar auf halbgare UEFA-Gags wird verzichtet. Stattdessen wird im Sinne der Schallplatte gehandelt und an die 20 Vinyl-Scheiben werden zum Drehen gebracht.
Music Liste
Halbjahresrückblick 2021
50 best Vinyl Records so far
Das vergangene halbe Jahr hat gefühlt ganze fünf gedauert. Ein nie endender Winter, quälende Isolation. Und die Musik? Die lief weiter, auf unseren Plattenspielern. Diese 50 Schallplatten blieben dabei besonders im Gedächtnis.
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Hōzan Yamamoto
Meditation aus Improvisation
Über fünf Dekaden hinweg pushte er japanischen Jazz in spirituelle Sphären, ohne Kitsch oder Esoterik. Ansehen erntete er dafür vor allem in seiner Heimat. Bis heute gilt Hōzan Yamamotos Schaffen international als Geheimtipp.
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Hoshina Anniversary macht Techno. Er selbst würde sich aber eher in der Nachfolge zu Jazz und traditioneller japanischer Musik verorten. Und damit ist der Tokioter nicht allein.
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