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Belgrad
Discom (Plattenlabel)
Discom ist ein 2015 von Vanja Todorovic und Luka Novakovic gegründetes, serbisches Plattenlabel aus Belgrad. Das genaue Gründungsdatum ihres gemeinsamen Labels am 25. Januar wird das Ehepaar sicherlich nie vergessen: Es ist ihr Jahrestag. Discom ging das kurzlebige Label Disco Not Disco voraus, über das die beiden gemeinsam dem serbischen DJ Schwabe die LP »Zora« von Boban Petrović neu auflegten, ein obskures Synth-Pop-Kleinod aus dem Jahr 1984. Die Drei gingen danach aber wegen differierender Vorstellungen getrennte Wege, auf Discom führen Todorovic und Novakovic nun die ursprüngliche Idee fort und veröffentlichen über Discom Musik, die im ehemaligen Jugoslawien entstanden ist. »Es ist keine Frage von Nostalgie oder Eskapismus aus der Alltagsrealität in die Musik hinein, es ist eine Frage verlorener kultureller Identität«, betonen die Beiden mit Nachdruck. »Wir könnten die vorherrschende einfach nicht akzeptieren und suchten stattdessen nach der verlorenen – derjenigen, die näher an unser Empfindsamkeit und unserem Weltbild angesiedelt ist.« Starke Worte, mit der überwiegend ausgesprochen softe Musik gemeint ist und welche die beiden keinesfalls als politische Aussage verstanden wissen möchten. Der grelle Disco-Pop von Šizike, der pathetische New Wave von Max Vincent oder die dem Titel entsprechend kosmisch angehauchten Tracks auf der Compilation »Yugoslavian Space Program«, mit denen Discom seinen Auftakt nahmen, entziehen sich ebenso direkten Statements oder Vereinnahmungen. Sie alle indes eint ein Faible fürs Discoide. »Anders als ihre KollegInnen aus aller Welt haben Yugo-SynthesistInnen Disco, Funk und Soul nie verachtet und mögen es sogar, diese Stile in ihrer Musik aufzunehmen«, erklären Todorovic und Novakovic. Discom wird so zum Archiv für eine spezielle (sub-)kulturelle Ausprägung, die allerdings ihre Traditionslinien auch in die Gegenwart ziehen soll. Zeitgenössische Musik über Discom zu veröffentlichen, das schließt das Betreiberpaar zumindest nicht aus. Die verlorene kulturelle Identität lässt sich eben nicht allein aus der Vergangenheit in die Gegenwart herüber retten. Ein paar Fehler wollen sie dennoch wettmachen: Früher gehörten die Labels zum Staat, die Verträge waren unfair. Das will Discom anders machen und neben später Anerkennung seinem Roster auch finanzielle Unterstützung zukommen lassen. Auch wenn einige von denen nicht immer auf Anhieb verstehen, warum ein junges Label aus Belgrad die Musik neu auflegen möchte, die sie vor drei Jahrzehnten gemacht haben. Das aber ist das inhärente Projekt von Discom: Das Alte zum Ausgangspunkt für etwas Neues zu machen.
Discom in Features
Music Porträt | verfasst 06.04.2017
New Record Labels #27
Blue Hour, Discom, Noorden/LL.M., Keller Flavour
Jeden Monat liefern wir euch eine Auswahl an »New Record Labels«. Will heißen: Labels, die neu bei uns im Shop vertreten sind und/oder deren Entdeckung sich lohnt. Die Auserwählten diesmal: Blue Hour, Discom, Noorden/LL.M., Keller Flavour. Genauer gesagt geht es um weitschweifenden Techno aus Berlin, Labelarbeit als Wiederholung verlorener kultureller Identität, ambitionierte Klänge mit Nachhaltigkeitsanspruch und den Alltag eines Münchener Kassettenlabels.
Discom in Reviews
Music Review | verfasst 19.06.2021
Miša Blam
Miša Blam I Oni Koji Vole Funky
Mit »Miša Blam I Oni Koji Vole Funky« geht das Label Discom weiter seinen Weg, »unbekannte Musik aus dem ehemaligen Jugoslawien« aufzulegen.
Music Review | verfasst 13.06.2019
Du Du A
Du Du Archive 1984-1989
Auf Discom sind nun Aufnahmen erschienen, die die Belgrader Kultkombo Du Du A zwischen 1984 und 1989 produzierten – aber nie veröffentlichten.
Discom in News
Music News | verfasst 05.03.2018
Max Vincent
Unveröffentlichte Tracks: »Beograd«
Mehr Glorreiches aus Belgrad. Natürlich wieder dank den Jugo-Experten Discom. Luka Novakovic and Vanja Todorovic veröffentlichen eine Zusammenstellung von Tracks eines Künstlers, dessen Material einst als Startschuss für das Label diente.
Neueste Artikel
Music Porträt | verfasst 09.09.2021
Dais Records
Klang als Kollektion
Zwischen Experiment und Erwartung, Neuem und Altem wagt Dais Records seit Jahren den Spagat. Gibby Miller und Ryan Martin ziehen dort ihre Kreise, wo Linearität bewusste Störung erfährt – und treten so in die Fußstapfen großer Vorgänger.
Music Review | verfasst 20.09.2021
Jan Jelinek
The Raw And The Cooked
Da hat uns Jan Jelinek mit »The Raw And The Cooked« ein schönes Süppchen gekocht. Lecker!
Music News | verfasst 02.09.2021
Niklas Wandt
Exclusive Edition: »Solar Müsli«
Nach diversen Kooperationen und Band-Projekten veröffentlicht der Kölner Niklas Wandt mit »Solar Müsli« am 17.9.2021 sein erstes Soloalbum. Exklusiv bei HHV Records wird es eine Curacao Vinyl Edition geben.
Music Porträt | verfasst 14.09.2021
Sarah Davachi
Echo der Unendlichkeit
Intensität ist das Wort, das in den Sinn kommt. Bei ihrer Musik und bei ihren Sätzen. Ihr Sound fühlt sich an, als ob jemand mit einer Fingerspitze über die Seele streicht. Jetzt erscheint Sarah Davachi neues Album »Antiphonals«.
Music News | verfasst 06.09.2021
Ulrich Schnauss & Mark Peters
Exclusive Edition: »Destiny Waiving«
»Destiny Waiving«, die dritte Zusammenarbeit von Ulrich Schnauss und Mark Peters, ist bei Bureau B für den 24.9. als Veröffentlichung anberaumt. Exklusiv bei HHV Records wird’s die Platte in einer limitierten Coloured Vinyl Edition geben.