Music Review | verfasst 19.11.2018
Thurston Moore
Klangfarbenmelodie
Glass Modern, 2018
Text Björn Bischoff
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Redaktion
Cover Thurston Moore - Klangfarbenmelodie

Vorweg: Wer mit Noise Rock nichts anfangen kann, den wird dieses Album nicht bekehren. Wie auch? Schließlich ist »Klangfarbenmelodie… And The Colorist Strikes Primitiv« von Thurston Moore und Drummer Tom Surgal eher als historisches Dokument zu verstehen. Die beiden Musiker kamen Anfang der 1990er Jahre für ein kurzes improvisiertes Set zusammen, die Aufnahme kursierte danach nur als CD durch das neuseeländische Label Corpus Hermeticum. Sonic Youth standen damals kurz vor dem Durchbruch in den Mainstream, der dann aber doch nie kam. Die Band etablierte sich im New Yorker Underground, dann im College Radio und auf Festivals – und danach folgten eher Feuilleton und Kunsthalle. Was sich hier schon deutlich abzeichnete. Melodien tauchen kaum auf, vielmehr entsteht hier ein Sound, den Thurston Moore permanent transformiert, verschachtelt, zersetzt. Über drei Stücke nimmt das stellenweise beeindruckende Züge an, manche Momente verpuffen aber eben auch einfach, bleiben doch nur Geräusch und keine Musik. Manche Töne deuten kurz eine Struktur an, etwa im zweiten Teil des Auftritts, bevor wieder die nächste Veränderung ansteht, sich alles verschiebt und verdrückt. Weder Rhythmus noch Melodie bestimmen, der pure Sound zeigt sich. Die ganze Kraft dieser Improvisation lässt sich sowieso aus der Aufnahme nicht mehr rekonstruieren, müssen solche Auftritte erlebt werden, muss der Schall sich direkt und in angemessener Lautstärke in passender Atmosphäre in die Ohren pressen. Feedback ist Trumpf. Dafür braucht es ein konzentriertes Zuhören. Dann fasziniert Krach selten so wie in den großen Momenten dieser drei Tracks.

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