Music Review | verfasst 13.03.2019
Aponogeton
A Place Of Solace
STROOM, 2019
Text Nils Schlechtriemen , Fotos © Stroom
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Cover Aponogeton - A Place Of Solace

In einer der zentralen Sequenzen aus Andrej Tarkowskijs »Stalker« (1979) fährt die Kamera über ein stilles Rinnsal am Boden, während die Tochter des Protagonisten aus dem Off mehrere Verse der Offenbarung des Johannes rezitiert. Zuerst ist außer Wasser und Schlamm nichts zu erkennen, dann tauchen langsam Überbleibsel menschlicher Kultur auf: Ein rostiges Maschinengewehr, Münzen, eine Christus-Darstellung von Jan van Eyck, Injektionsnadeln, Zahnräder, ein Löffel. Unterlegt mit Eduard Artemjews wegweisendem Score, der auf einem EMS Synthi 100 entstand und zu den ersten elektronischen Film-Soundtracks überhaupt zählt, schrieben diese hypnotischen Szenen Kinogeschichte und inspirieren Filmschaffende wie Musiker gleichermaßen bis heute. So auch den aus Brügge stammenden Ambient-Produzenten Jachym Vandenabeele, der unter seinem Alias Aponogeton nun beim belgischen Label STROOM sein Debüt veröffentlicht. »A Place Of Solace« referenziert Tarkowskijs meditatives Meisterwerk überdeutlich in den Namen der einzelnen Stücke, aber auch in der tonalen Ausgestaltung des Album-Konzeptes. Dröhnende Layer von kaum wahrnehmbaren Melodien schimmern etwa in »A Date With The Zone« übers geistige Auge. Alles wirkt sakral und groß, bevor »The Night Sky Is Falling (Sixth Seal)« entrückende Szenen der eingangs erwähnten Johannes-Offenbarung beschwört oder »A Quiet Place« an verlassene Geisterstädte wie Prypjat zurückdenken lässt. Die Apokalypse als bedrohliches Erleuchtungserlebnis, vielleicht aber ebenso als Übergang zu etwas Unbekanntem? Sie ist das dominierende musikalische Thema dieses Albums. Dementsprechend ominös wirken gegen Ende die hallenden Pads eines »Hardness And Strength Are The Companions Of Death«, das immer wieder von Sounderuptionen zerschnitten wird, oder das anflutende Surren der Sitar aus »Artemiev’s Dream Or: The Metaphysical Horror Of An Unpredictable World«. Im Gegensatz zu den meisten anderen Drone-Ambient-Schinken bemerkt man bei diesem hier recht schnell, wie aufwändig arrangiert er doch zwischen all dem Rauschen tatsächlich ist.

»A Place Of Solace« von Aponogeton findest du bei HHV Records: Vinyl LP
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