Music Review | verfasst 03.05.2019
Azymuth
Aguia Nao Come Mosca
Mr Bongo, 2019
Text Tim Caspar Boehme
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8.5
Redaktion
Cover Azymuth - Aguia Nao Come Mosca

Hören hat ja heute einen schweren Stand. Wo früher von Leuten wie Adorno die Regression des Hörens beklagt wurde, weil die Musik nur noch unterhalte, hat es mittlerweile selbst die vom Philosophen gescholtene »Unterhaltungsmusik« im Wettbewerb der Aufmerksamkeitsökonomie nicht mehr leicht. Einfach weil das Angebot so groß ist, dass man im Zweifel den zahllosen Alben, EPs, Songs, die einem so unterkommen, bei der Frage, ob man sich überhaupt mit ihnen beschäftigen will, nur noch ein paar Momente gibt, um sich zu entscheiden. Da kann auch viel Tolles unter den Tisch fallen. Etwa »Águia Não Come Mosca« von Azymuth aus dem Jahr 1977. Das mit seinem Fusion-Programm strenge Geschmackspuristen verschrecken könnte. Muss es aber nicht. Was das brasilianische Trio des Keyboarders José Roberto Bertrami, des Bassisten Alex Malheiros und des Schlagzeugers Ivan Conti) – Letzterer hat sich zu Beginn des Jahres mit seinem sehr erfreulichen Album »Poison Fruit« zurückgemeldet – an gelöst fließenden Funk-Nummern mit sehr unaufdringlich eingeflochtenen Rhythmen lateinamerikanischen Ursprungs in knapp vierzig Minuten auffährt, mag auf den ersten Eindruck nicht besonders spektakulär sein. Achtet man genauer auf die Details der Arrangements, der Produktion und des Aufbaus der Kompositionen, offenbart sich jedoch eine Musik, die es mit US-amerikanischen Kollegen wie Weather Report locker aufnehmen kann und diesen Vergleich eigentlich gar nicht nötig hätte. Denn Azymuth spielen in ihrer eigenen Liga, mit einer Virtuosität, die ohne aggressiv ausgestelltes Sologegniedel auskommt. Und die jetzt noch einmal zu würdigen ist nicht die schlechteste Art, sich unterhalten zu lassen.

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