Music Review | verfasst 20.05.2019
Il Gruppo di Improvvisazione Nuova Consonanza
Niente
The Roundtable, 2019
Text Nils Schlechtriemen
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Redaktion
Cover Il Gruppo di Improvvisazione Nuova Consonanza - Niente

Über 30 Jahre nach der sukzessiven Auflösung von Il Gruppo D’Improvvisazione Nuova Consonanza, erschien 2010 bei Cometa Edizioni Musicali erstmals unveröffentlichtes Material aus den frühen 1970er Jahren und damit aus der kreativen Hochphase der legendären Italiener. Jetzt kommt der zweite Vinyl-Repress von »Niente« mit leicht verändertem Cover via The Roundtable. Kein Jahr zu spät, wie sich angesichts der kompositorischen Subversivität zeigt, die den sechzehn Arbeiten des prominent besetzten Projekts durchweg anhaftet. In einem wechselnden Cast tobten sich hier von 1964 bis 1980 Lichtgestalten der italienischen Avantgarde und serieller Musik, Free Jazz und experimenteller Improvisation aus, die in vielerlei Hinsicht Pioniere ihrer Zunft werden sollten. Bruno Battisti D’Amario etwa avancierte zu einer Koryphäe der klassischen Gitarre, interpretierte mit den besten Solisten der Welt zahllose kammerorchestrale Werke und brachte das Saiteninstrument international zu neuer Virtuosität. Dann sind da Franco Evangelisti und Walter Branchi, beides Musikologen par excellence, Forscher der Akustik und Phonetik, Entdecker der Physik hinter dem Klang, deren analytische Herangehensweise viel zur Fremdartigkeit von »Niente« beiträgt. Die wird konterkariert von den Filmkomponisten Egisto Macchi und Ennio Morricone, die ihre Laufbahnen beide im Milieu der vordenkenden Impro-Combo begannen und Jazz ebenso wie narrative Geräusch-Techniken oder Tape-basierte Dekonstruktionen von Klang integrierten. Ja, es lässt sich wohl sagen: Die Typen waren Avantgarde im eigentlichen Sinne; Vordenker von Jazz und Rock, aber auch von elektronischer Musik und Improvisation. Ein Durchgang »Niente« belegt das alles, doch ist hier noch so viel mehr zu entdecken. Der maschinell dräuende Proto-Fusion des einleitenden Titelstücks, die Narrenschiff-Stimmung in »Antimilitarismo«, die beiden merkwürdig indigen anmutenden Parts von »Bambù«, für die eine Gitarre zum Didgeridoo umfunktioniert und ein Flötenduo von schrägen Metallgeräuschen seziert wurde oder der obskur verschrobene Kuckucks-Jazz eines »Renitenza«. Gerade weil sich diese Musik in bester Tradition von Giacinto Scelsi und Luigi Nono bewegt, ist sie weiß Gott nicht einfach, aber auch alles andere als vorhersehbar.

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