Music Review | verfasst 23.05.2019
Dark Star
Cryonics: 1989-1992
Knekelhuis, 2019
Text Nils Schlechtriemen
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Redaktion
Cover Dark Star - Cryonics: 1989-1992

Weniger ist mehr ist weniger ist mehr. Von der abgedroschenen Floskel zur minimalistischen Formel sind es bei Wolfgang Reffert oft nur ein paar Runden Modulation. Gerade wenn man mit wenigen Mitteln möglichst prägnant und bildreich ans Produzieren herangeht, will die Auswahl dieser Mittel gut durchdacht sein. Was das betrifft, lieferte Reffert als Dark Star seit den späten 1980er Jahren eine Reihe starker Kassetten mit ätherischen Rock-Anklängen, aber auch clubtauglichen EBM-Cuts und einer wavigen Weltraumatmosphäre ab, die natürlich durch Track-Titel wie »The Phoenix Asteroids« oder »Forbidden Planet« gezielt untermalt wird. Reffert zeigt sich von kosmischen Futurismen besessen, entfaltete sie im Gegensatz zu Jeff Mills oder Drexciya damals aber entschleunigter und klar segmentiert, wie eine andächtig raunende Hommage an alte Zukunftsvisionen aus Film und Literatur. Seinen Stil hat er dementsprechend ähnlich einer Begleitmusik zu einem nie verfilmten SciFi-Schinken der Nixon-Ära zurechtgestutzt. Und trotzdem gelingt die Sache irgendwie. Für die Compilation »Cryonics: 1989-1992« versammelt der seit gut zwei Dekaden inaktive Synthesekünstler nun nochmal neun seiner eindrücklichsten Produktionen aus diesen seminalen Jahren während der Wende. Dass das Material nun tatsächlich schon 30 wird, merkt man ihm vielleicht auch wegen diverser Retromanien in jüngster Zeit, von Electro bis Vaporwave, kaum an. Ums Remastering für Knekelhuis kümmerte sich der Niederländer Wouter Brandenburg, der sich schon bei »Forsaken« von Zaliva-D und Terekkes »Improvisational Loops«, aber auch Jonny Nashs »Make A Wilderness« und diversen Reissues von Music From Memory als fähiger Produzent hervortat. Sieht man vom altersbedingt manchmal etwas generisch wirkenden Soundrepertoire ab, geht bei dieser Kompilation eigentlich kaum was schief. Nostalgiker können mindestens ein Ohr riskieren.

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