Music Review | verfasst 17.10.2019
Carla dal Forno
Look Up Sharp
Kallista, 2019
Text Pippo Kuhzart
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Redaktion
Cover Carla dal Forno - Look Up Sharp

Dal Forno lässt ihre dünne Stimme über dicke Bässe abdriften. An der Basis hat sich also für das zweite Album der inzwischen in London lebenden Kanadierin nichts geändert. Nachdem das Intro kurz das Missverständnis provoziert, die Weiterentwicklung der Interpretin liege darin, dass sie jetzt einfach mehr nach Chromatics klinge, eröffnet der Rest von »Look Up Sharp« profunderen Fortschritt im Schaffen der Künstlerin. Man muss nur genauer hinhören. Musikalisch ist das auch gar nicht so schwer. Der Unterschied ist auf Anhieb hörbar. Alles klingt wesentlich organischer, viel mehr kleines Holzschlagzeug, das Räume aufmacht; sanftes Tröpfeln, fernes Anklingen; die Japan-Reise hört man auch deutlich, alles lebt. Mehr Dream Pop als Cold Wave ist das inzwischen, an-gedubbter Post-Punk bleibt der Pate im Geist. Viel wichtiger ist eine andere, feine Weiterentwicklung. Die ist nur wesentlich schwerer zu erkennen. Weil es sich dabei um die Texte handelt, und von denen verlieren sich viele im mittagsschlafbereiten Dahin-Gesinge der Interpretin. Aber wer selbst wach bleibt, wird belohnt. Wie das ja zu ungefähr 17,8% der Fälle im Leben ohnehin der Fall ist. Schon auf dem vorab auf 7inch erschienenen »So Much Better« fand sich so eine ausgesprochen tolle Zeile: »I’m glad I caused you pain«. Genau DAS muss eine so sanfte Stimme natürlich von sich geben. Andere Zeilen wie »meeting someone you like and not being able to tell yet if they like you too« oder »I crave the drama« zeugen von einer neuen Ökonomie der Worte, eines Selbstbewusstseins und auch einer Reife, denn man weiß es ja: Die einfachsten Aussagen selbst zu treffen, bedarf der größten Vorarbeit. Carla Dal Forno ist mit »Look Up Sharp« angekommen. Es ist ein komischer Ort. Intim und Welt-verloren zugleich. Nah bei sich, weit weg von jemand anderem.

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