Music Review | verfasst 10.12.2019
DJ Shadow
Our Pathetic Age
Mass Appeal, 2019
Text Björn Bischoff
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6.4
Redaktion
Cover DJ Shadow - Our Pathetic Age

Es gibt Dinge, die braucht kein Mensch mehr. Bubble Tea zum Beispiel. Oder Zivilisationskritik. Denn wie viele künstlerische Versuche gab es bereits, das digitale Zeitalter anzuprangern? Eben. DJ Shadow alias Joshua Paul Davis reiht sich mit seinem sechsten Album »Our Pathetic Age« in genau diese Reihe in, auch wenn er vorweg natürlich verkündete, dass das alles gar nicht so sei, vielmehr sei das eine hoffnungsvolle Platte. Oder eben zwei Platten. Denn »Our Pathetic Age« kommt als Vinyl 2LP daher. Auf der einen Seite gibt es den bekannten Instrumental Hip-Hop, auf der anderen Seite dann eben ein paar Gäste wie Run The Jewels, Nas, De La Soul und anderen Größen des Rap. Allerdings wird anhand der Liste an Features schon leicht klar, dass dieses Album etwas in der Vergangenheit hängt. Die instrumentale Seite sackt ziemlich ab, nur sehr wenige Beats bleiben wirklich hängen. »If I Died Today« kann es nicht einmal mit dem üblichen Lofi HipHop von Soundcloud und Youtube aufnehmen. Dafür kommt zudem gar kein wirkliches Flow über die einzelnen Stücke auf. Ja, klar, alles nett, alles okay, aber wo ist die Substanz? Die erste Hälfte von »Our Pathetic Age« nervt stellenweise ziemlich, besonders mit Vocal Samples wie in »Juggernaut«. Die zweite Hälfte schiebt dieses Album dann wieder über den üblichen Durchschnitt des Genres. »Kings & Queens« mit Run The Jewels funktioniert astrein, der Beat steht kurz vorm Durchdrehen, alles bebt. Auch die anderen Gäste liefern eine solide bis gut Performance ab. Einzig in »C.O.N.F.O.R.M.« mögen Gift Of Gab, Infamous Taz und Lateef The Truthspeaker zwar einen ganz netten Flow nutzen – nur bringt das wenig, wenn die Lyrics so komplett danebenliegen. Nicht einmal von der Botschaft, aber von der Aufbereitung des Themas. Was zu der großen Frage führt: Braucht jemand dieses Album? Mutmaßlich nicht. Das Revolutionäre, das Spannende ist aus der Musik komplett verschwunden. DJ Shadow als Marke für einen bestimmten Sound. Den liefert der 47-Jährige zuverlässig. Und das ist ja auch schon einmal was.

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