Music Review | verfasst 02.04.2020
Guilherme Coutinho E O Grupo Stalo
Guilherme Coutinho E O Grupo Stalo
Mad About, 2020
Text Nils Schlechtriemen
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Redaktion
Cover Guilherme Coutinho E O Grupo Stalo - Guilherme Coutinho E O Grupo Stalo

»Oh mein Gott! Das Teil will ich seit Jahren neu auflegen!« brüllt Joaquim Paulo dem Bildschirm entgegen. So läuft das wohl öfter, wenn der Chef von Mad About online mal wieder über eine obskure brasilianische Platte aus den späten Siebzigern stolpert – immerhin seine notorische Spezialität. Erwartungsgemäß ließ Paulo auch nichts unversucht, dem letzten Album von Guilherme Coutinho auf die Schliche zu kommen, das dieser mit einer kleinen Kapelle von Freunden in der nordbrasilianischen Stadt Belém irgendwann vor 40 Jahren mal aufgenommen hat. »Eine von Gilles Petersons Lieblingsplatten, aber ich hatte keine Ahnung, wer die Rechte besitzt«. Nach vielen E-Mails und Telefonaten mit Guilhermes Tochter Alice Ignez, fand Paulo schließlich eine fast makellose Kopie der Erstpressung in der Bibliothek von Belém. Doch »Guilherme Coutinho e o grupo Stalo« ist nicht bloß ein bislang nirgends erhältlicher Archivfund, von rauschiger Lo-Fi Tropicalia nebst funky Orgeln und kumpelnden Kontrabässen gesättigt. Um den analogen Sound dieser Platte überhaupt vollends genießbar zu machen, haben Lissaboner Ton-Ingenieure zusammen mit Mad About in aufwendiger Detailarbeit subtile Perkussion und Bass-Variationen aus dem Groove des alten Originalvinyls herausgeholt. Man ging so sauber vor, dass die Qualität der Aufnahme nun fast schon wie ein modernes Album klingt, dem durch schlank produzierte Vocals und Vintage-Tonalität ganz gezielt ein gewisses Knistern beigemischt wurde, um retro-affine Hörer zu triggern. War aber nicht so. Der Sound konnte natürlich wachsen, damals wie heute.

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