Music Review | verfasst 21.10.2020
Loscil
coast/range/arc//
Kranky, 2020
Text Kristoffer Cornils
Deine Bewertung:
/
Nutzer
8.6
Redaktion
Cover Loscil - coast/range/arc//

Scott Morgan gehört seit Beginn seiner Karriere unter dem Namen Loscil quasi fest zum Inventar des Labels kranky oder veröffentlichte dort zumindest das Gros seiner Solo-Album. Anders die im Jahr 2011 erschienene LP »coast/range/arc//«, welche nun aber auf der Chicagoer Institution erstmals auf Vinyl als remasterte Version plus Bonus-Track neu aufgelegt wird. Morgans Ambient-Entwurf zeichnete sich von jeher durch das produktive Wechselspiel zwischen satten, mal droneigen oder dubbigen Klangflächen und dezenten Electronica- und Techno-Anleihen aus. Durchdrungen wird diese Mischung von einer spürbar melancholischen Atmosphäre, das Resultat ist der perfekte Soundtrack für graue Regentage. Nach dem wunderbar launischen und elegischen »Endless Falls« konzentrierte sich Morgan auf »coast/range/arc//« aber maßgeblich auf sich langsam windende Soundscapes, welche sich ihre Inspiration aus der nordamerikanischen Bergwelt holten. Das klingt nicht nur auf dem Papier nach einem Thema für Biosphere und Thomas Köner, sondern geht mit ähnlichen Methoden ans Werk. Field Recordings und Drones werden zu intensiver Dichte miteinander verflochten, nur selten treten wie auf »Fromme« rhythmische Figuren auf, Beats fehlen durchgehend. Das braucht es auch nicht, denn auch ohne sie strudelt dieses Album mächtig und behäbig vor sich hin. »coast/range/arc//« ist ein gleichermaßen frostiges wie romantisches Werk, das eine schwer in Worte zu fassende Erfahrung vermitteln möchte: der Mensch ganz klein vor türmendem Gestein. Nachdem auf der Erstversion mit »Goat Mountain« ein beinahe an die lichteren Sunn O)))-Momente erinnernder Monolith stand, wird die Rundreise entlang der Kaskadenkette nun mit dem neuen Stück »Black Tusk (Descent)« wieder liebevoll auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Ein schöner Comedown. Dafür schließlich war die Musik von Loscil schon immer wie prädestiniert.

»coast/range/arc//« von Loscil findest du bei HHV Records: 2LP.
Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 17.01.2013
Loscil
Sketches from New Brighton
Loscil zeigt sein ganzes Können und zeichnet Küstenlandschaften mit den ihm zur Verfügung stehenden musikalischen Mitteln.
Music Review | verfasst 17.11.2014
Loscil
Sea Island
Scott Morgan legt mit »Sea Island« ein weiteres, routiniertes Dub Ambient-Album als Loscil vor.
Music Review | verfasst 14.03.2017
High Plains
Cinderland
Loscil und Mark Bridges gehen auf »Cinderland«, ihrem gemeinsamen Album als High Plains, in staubige, trockene Ebenen.
Music Review | verfasst 20.01.2011
Pan American
For Waiting, For Chasing
Die Balance zwischen elektronischen und akustischen Klängen tarieren nur sehr wenige derart vollkommen.
Music Review | verfasst 17.02.2011
Tim Hecker
Ravedeath, 1972
Am Ende bleibt keine Erinnerung, nur ein Gefühl von amorpher Weite, die sich irgendwie heimisch anfühlt.
Music Review | verfasst 07.04.2014
Christopher Bissonnette
Essays In idleness
»Essays In Idleness«, das neue Album von Christopher Bissonnette, ist einfache, klare und schöne Musik jenseits aller New Age-Zuckrigkeit.
Music Review | verfasst 17.08.2015
Starts Of The Lid
The Tired Sounds Of / And Their Refinement Of The Decline
Kranky legt die beiden Kammermusikklassiker »The Tired Sounds Of« und »And Their Refinement Of The Decline« von Stars Of The Lid wieder auf.
Music Kolumne | verfasst 15.02.2011
17 Fidelity Guards
Im Gespräch mit Tim Hecker
Seit über einem Jahrzehnt ist Tim Hecker einer der meistgeschätzten elektronischen Musiker Kanadas. Mit seinem neuestem Werk Ravedeath, 1972 bestätigt der 36-jährige einmal mehr sein Können.
Music Review
Legowelt
System Shapeshift EP
Schon fast ein Minialbum: Die »System Shapeshift EP« des niederländischen Produzenten Legowelt lebt von ihrer Rätselhaftigkeit.
Music Review
The War On Drugs
Live Drugs
Mit »Live Drugs« haben The War On Drugs aus Philadelphia nun auch ein eigenes Live-Album veröffentlicht.
Music Review
Klaus Schønning
Lydglimt
»Lydglimt«, das Debüt des dänischen New-Age-Pionierts Klaus Schønning aus dem Jahre 1979 wurde jetzt bei Frederiksberg wiederveröffentlicht.
Music Review
Eloquent & Torky Tork
Modus Minus
»Modus Minus«, das Album von Eloquent und Torky Tork, zeigt, was einen guten Rapper ausmacht: Die Bereitschaft zur Weiterentwicklung.
Music Review
Yas-Kaz
Virgo Indigo
Nachdem zuletzt Yas-Kaz’ LP »Jomon-Sho« neu aufgelegt wurde, folgt nun ein Reissue von »Virgo Indigo« aus dem Jahr 1986.
Music Review
Nick Cave
Idiot Prayer Nick Cave Alone At Alexandra Palace
Mit »Idiot Prayer: Nick Cave Alone At Alexandra Palace« hat der australische Songpoet die perfekte Lockdown-Performance kreiert.
Music Review
Tunes Of Negation
Like The Stars Forever And Ever
Sam Shackletons Projekt Tunes Of Negation ist mit »Like the Stars Forever and Ever« nicht nur far out, sondern auch seiner Zeit weit voraus.
Music Review
Autechre
PLUS
Nur wenige Wochen nach »SIGN« lassen Autechre »PLUS« folgen. Qualitativ bleiben auch hier keine Wünsche offen.
Music Review
Overmono
Everything U Need
Macht die Dancefloors wieder auf! Mit »Everything U Need« balanciert das Bürderpaar Overmono erneut zwischen Melancholie und Euphorie.
Music Review
Group Rhoda
Passing Shades
Ihr viertes Soloalbum »Passing Shades« hat die als Group Rhoda bekannte Musikerin Mara Barenbaum soeben bei Dark Entries veröffentlicht.
Music Review
Oneohtrix Point Never
Magic Oneohtrix Point Never
Flirrende Schönheit, Banalität und Verwirrung gehören ganz selbstverständlich dazu, auf »Magic Oneohtrix Point Never«.
Music Review
Brian Eno
Film Music 1976-2020
Mit »Film Music 1976-2020« liegt nun ein Querschnitt der cineastischen Arbeiten des »Nicht-Musikers« Brian Eno vor.
Music Review
William Basinski
Lamentations
Zeigemäßes zur Unzeit: William Basinski legt mit »Lamentations« sein vielleicht bestes Album seit den »Disintegration Loops« ab.
Music Review
Dizzee Rascal
E3 AF
Dizzee Rascal kehrt zu seinen Wurzeln zurück, macht aber auch Drill. Kurzum: »E3 AF« ist die LP, die »Raskit« hätte sein sollen.
Music Review
Jabu
Sweet Company
Auf »Sweet Company« zeigt sich das Trio Jabu ausnahmsweise gut gelaunt. Der Musik fehlt trotzdem etwas. Das ist das Tolle daran.
Music Review
Emily A. Sprague
Hill, Flower, Fog
Schönheit im Reinzustand: Aus den USA kommen dank Emily A. Sprague und ihrem Album »Hill, Flower, Fog« endlich entspannte Signale.
Music Review
Camila Fuchs
Kids Talk Sun
Das Duo Camila Fuchs hat sein Zweitwerk »Kids Talk Sun« in der pittoresken Stadt Sintra in Portugal eingespielt. Das ist ihm a
Music Review
Meitei
Kofū
Mit dem Album »Kofū« beschließt Meitei seine Trilogie zu »japanischen Stimmungen«. Es ist seine bisher dynamischste Platte.
Music Review
Route 8
Rewind the Days of Youth
Auf seiner Debüt-LP braust Route 8 mit offenem Verdeck Richtung Vergangenheit. Vorgestrig ist »Rewind the Days of Youth« aber keineswegs.
Music Review
Michal Turtle
Michal Turtle Reinterpreted
Auf »Michal Turtle Reinterpreted« remixen sich zwölf Artists durch das in letzter Zeit wiederentdeckte Archiv des mysteriösen Briten.
Music Review
ana roxanne
Because of a Flower
Mit »Because of a Flower« gelingt ana roxanne das Meisterstück, ihren Sound auszudifferenzieren und stringenter denn je zu klingen.
Music Review
Various Artists
Endlich Normale Menschen Volume 1
Die zweite Ausgabe der Ear Clip Series heißt »Endlich normale Menschen Volume 1«, wurde von Low Bat kuratiert und ist wunderbar verwirrend.
Music Review
John Beltran
2020
John Beltran beschließt die Lost Canvas Series des Labels Mystic & Quantum mit »2020« und sehnt sich in einem Katastrophenjahr weit weg.
Music Review
Trees Speak
Shadow Forms
Mit »Shadow Forms«, ihrem zweiten Album in diesem Jahr, arbeiten sich Trees Speak weiterhin an Krautrock ab. Und zwar mit Erfolg.
Music Review
Various Artists
La Locura de Machuca 1975-1980
»La Locura de Machuca 1975-1980« versammelt abseitige Cumbia-Stücke. Das Gros wurde von einem abtrünnigen Steuerrechtsexperten komponiert.
Music Review
Parbleu
Danse Cette Zik
Parbleu ist das Projekt von Andrea Tartaglia und »Danse Cette Zik« sein farbenfrohes Debütalbum. So entspannt sollte die ganze Welt sein.
Music Review
Mr. Bungle
The Raging Wrath Of The Easter Bunny Demo
Eine bekackte Demo von 1986 wiederzuveröffentlichen ist das most Mr. Bungle thing, zu dem Mike Patton imstande ist.
Music Review
Terrace Martin, Robert Glasper, 9th Wonder, Kamasi Washington
Dinner Party EP
Lasst die »Dinnre Party EP« niemals enden: Terrace Martin, Robert Glasper, 9th Wonder und Kamasi Washington machen gemeinsam superbe Musik.
Music Review
Yuki Hayashi
OST My Hero Academia: Heroes Rising
Yuki Hayashi’s toller Soundtracks zu »OST My Hero Academia: Heroes Rising« erscheint jetzt auf Vinyl.
Music Review
Charlotte de Witte
Rave On Time
Solides Handwerk, keine Kunst: Auf der EP »Rave On Time« arbeitet sich Charlotte de Witte am Acid Techno der neunziger Jahre ab.
Music Review
Zenker Brothers
Cosmic Transmission
Auf »Cosmic Transmission«, dem neuen Album der Zenker Brothers, ist eher eine ruhigere Gangart angesagt. Ausnahmen bestätigen die Regel.
Music Review
Glenn Astro
Homespun
Eine der abenteuerlustigsten Clubmusik-Platten des Jahres: Glenn Astro hat sein neues Album »Homespun« auf Tartelet veröffentlicht.
Music Review
Naná Vasconcelos with Agustín Pereyra Lucena
The Incredible Nana
Das 1971 eingespielte Debüt des brasilianischen Percussionisten Naná Vasconcelos »The Incredible Nana« wurde wiederveröffentlicht.
Music Review
Kangding Ray
61 Mirrors / Music for SKALAR
Kangding Rays Musik für SKALAR, seine gemeinsame A/V-Installation mit Christopher Bauder, funktioniert prächtig als alleinstehendes Album.
Music Review
Felbm
Tape 3 & 4
Der Niederländer Felbm veröffentlicht mit »Tape 3 & 4« vierzehn unaufgeregte Jazzminiaturen auf Soundway.
Music Review
Loscil
coast/range/arc//
Das 2011 erschienene Album »coast/range/arc//« von Loscil führte durch frostige Bergwelten. Kranky hat es in erweiterter Form neu aufgelegt.
Music Review
Public Enemy
What You Gonna Do When The Grid Goes Down?
Kein bisschen leise: Public Enemy sind zurück auf Def Jam legen mit »What You Gonna Do When The Grid Goes Down?« ihr 15. Studioalbum vor.
Music Review
Machinedrum
A View Of U
Machinedrum ist weiterhin auf der Suche nach der Erleuchtung durch Trips. »A View Of U« ist wiederum keine Offenbarung.
Music Review
Minoru Fushimi
Hakodate Lady
»Hakodate Lady«, 1983 veröffentlichter, vielleicht wichtigster Release von Minoru Fushimi, wurde jetzt bei Left Ear wiederveröffentlicht.
Music Review
Azymuth, Ali Shaheed Muhammad & Adrian Younge
Jazz Is Dead 004
Ali Shaheed Muhammad und Adrian Younge haben sich für »Jazz Is Dead 004« die brasilianischen Legenden Azymuth eingeladen.
Music Review
Ryo Fukui
A Letter From Slowboat
Dass es nun ein Reissue von »A Letter From Slowboat« gibt, dürfte zumindest Jazzkenner freuen und Ryo Fukui mehr Aufmerksamkeit einbringen.