Music Review | verfasst 20.10.2020
Azymuth, Ali Shaheed Muhammad & Adrian Younge
Jazz Is Dead 004
Jazz Is Dead, 2020
Text Harry Schmidt
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Redaktion
Cover Azymuth, Ali Shaheed Muhammad & Adrian Younge - Jazz Is Dead 004

Ursprünglich als Konzertreihe in Los Angeles an den Start gegangen, haben Adrian Younge und Ali Shaheed Muhammad Jazz Is Dead zu einem Label ausgebaut. Beide besitzen in der Welt des Hip-Hop eine große Reputation als DJs, Musiker und Producer, Multi-Instrumentalist Adrian Younge hat mit Schwergewichten wie dem Wu-Tang Clan, Souls of Mischief oder Jay-Z gearbeitet, Muhammad war DJ und Producer der epochalen Hip Hop-Crew A Tribe Called Quest und Mitglied der kurzlebigen Neo-Soul-Supergroup Lucy Pearl. Die kontrafaktische Provokation, die vom Namen ihres Imprints ausgeht, wirft ein Licht auf die Rolle, die Hip-Hop in ihren Augen zukommt, wenn es darum geht, Jazz zu rekontextualisieren. Und dabei handelt es sich selbstverständlich eher um die eines Wiedergeburtshelfers als die des Totengräbers. Nachdem sie mit einer Compilation unter Mitwirkung diverser Jazz-Größen wie Gary Bartz, Brian Jackson, João Donato, Doug Carn, eine Art Kaleidoskop ihrer Revitalisierungsidee vorgestellt haben, widmen Younge und Muhammad die Folgealben jeweils komplett einem Jazz-Act, den sie in Younges Linear Labs Studio zu gemeinsamen Aufnahmen einladen. Auf Roy Ayers und Marcos Valle folgt nun das brasilianische Fusion-Trio Azymuth, bestehend aus Alex Malheiros (Bass), Ivan “Mamão” Conti (Schlagzeug) und Kiko Continentinho (Synthesizer), der den 2012 verstorbenen José Roberto Bertrami ersetzt. Mit »A Redor Do Samba«, »Cat Jump« und »Pulando Corda« sind ihnen Tracks gelungen, die nahtlos an die Pionierleistungen des Trios in den 1970er Jahrenanknüpfen, mit denen Azymuth auch eine wichtige Blaupause für den Acid-Jazz der 1990er Jahre wurden. Besonders hervorzuheben sind der spannende, reduzierte Live-HipHop-Tune »Sumare« sowie das epische Jam-Monster »Apocaliptico«, das bereits auf der Auftakt-Compilation zu hören war. Die sanfte Bossa-Nova-Ballade »Quiet Storm« rundet ein vielfältiges und doch kohärentes Album ab.

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