Music Review | verfasst 24.11.2020
Oneohtrix Point Never
Magic Oneohtrix Point Never
Warp, 2020
Text Tim Caspar Boehme
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Redaktion
Cover Oneohtrix Point Never - Magic Oneohtrix Point Never

Bei Oneohtrix Point Never, wie Daniel Lopatin sich meistens nennt, wenn er Musik macht, gibt es noch so etwas wie das Versprechen auf Zukunft. Ein bisschen wie es zum frühen Spirit der elektronischen Musik gehörte, mit neuen Klängen auf eine neue Welt vorzubereiten oder sie selbst gar vorzubereiten helfen. Dass Lopatin dabei mitunter auf Audio-Müll aus der Vergangenheit zurückgreift, ist kein Widerspruch. Denn diesen transformiert er in etwas, das vielleicht keine künstlichen Paradiese ergibt, dafür künstliche Klanglandschaften einer vermutlich kaputteren Zukunft. »Magic Oneohtrix Point Never« ist wieder so eine Wundertüte der ersampelten Welten, in der Lopatin sich alles seinen Zwecken Dienliche an Material zusammensucht, um Vertraut-Fremdes, Anziehend-Abstoßendes heranzuzüchten, mit dem er diesmal ein imaginäres Radioprogramm präsentiert. Dem Konzept des Albums gemäß hat er die Archive US-amerikanischer Rundfunksender durchsucht und in Collagen mit Gastbeiträgen von so unterschiedlichen Gästen wie Caroline Polachek, Nolanberollin, The Weeknd, Arca und Nate Boyce zu einer Reise kombiniert, die Brüche der kontinuierlichen Einheitlichkeit vorzieht und trotzdem nicht wie eine beliebige Aneinanderreihung daherkommt. Flirrende Schönheit, Banalität und Verwirrung gehören zu diesem sich irgendwie zu einem Ganzen fügenden Klops, der durchaus seine Vorbilder hat: Die Plunderphonics von Negativland etwa scheinen hin und wieder von fern zu grüßen, doch macht Lopatin daraus sein Oneohtrix Point Never-Ding, in dem zusammenwächst, was nicht zusammenzugehören scheint. Man kann das heillos überfrachtet finden – oder herrlich entregelt. Die Zukunft bleibt eben kompliziert.

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