Review

Brian Eno

Film Music 1976-2020

Universal Music • 2020

Unter allen Phrasen, die zur Beschreibung von Ambient-Musik gängig sind, ist die von der »Musik zu einem Film, der erst noch gedreht werden muss«, sicher eine der gängigsten. Zum ersten Mal verwendet wurde sie vermutlich vom Ambient-Erfinder Brian Eno selbst, als er 1976 Promoexemplare seines Albums »Music For Films« an eine Reihe von Regisseuren verschickte, in der Hoffnung auf eine künftige Zusammenarbeit. Die Saat ging auf und gedieh prächtig: Heute kann Eno auf Hunderte von Tracks zurückblicken, die in Spielfilmen, Dokumentationen und TV-Serien Einsatz gefunden haben; mit allein 20 komplett von ihm komponierten Scores stellen Soundtracks eine bedeutende Werkgruppe im gewaltigen Korpus des selbsterklärten »Nicht-Musikers« dar. Mit »Film Music 1976-2020« liegt nun ein Querschnitt dieses Schaffens vor, der notwendigerweise äußerst unvollständig bleiben muss. Auch für ein Best-of dieses Aspekts in Enos Œuvre sind die Lücken in dieser Auswahl noch zu groß. Mit dem „Prophecy Theme“ aus David Lynchs »Dune«, »An Ending (Ascent)« und »Deep Blue Day«, die beide ursprünglich für Al Reinerts Dokumentation »For All Mankind« über die Mondlandung geschrieben, später aber in bekannteren Streifen wie Steven Soderberghs »Traffic« oder Danny Boyles »28 Days Later«, vor allem aber in dessen »Trainspotting« verwendet wurden, sowie »You Don’t Miss Your Water« aus Jonathan Demmes »Die Mafiosi-Braut« werden zwar einige filmhistorisch einprägsame Momente aufgerufen. Andere wichtige Stationen – etwa Sophie Fiennes’ »The Pervert’s Guide to Cinema«, Dario Argentos »Opera«, John Woos »City Wolf« oder »Rock & Roll Highschool« – fehlen indes. Dafür punktet die Compiltation mit sieben bislang unveröffentlichten Tracks, unter anderem aus der britischen Serie »Top Boy«, und unterstreicht mit Stücken wie „Final Sunset“, einer Pionierleistung im Zusammendenken von Klangsynthese und Minimal Music und gleichzeitig der älteste Tune hier, Enos Stellenwert für das Genre: Wie der Sounddesigner die Schlusssequenz von Derek Jarmans Debütfilm »Sebastiane« untermalt, hat Maßstäbe gesetzt.