Music Review | verfasst 17.02.2021
The George Otsuka Quintet
Loving You George
WeWantSounds, 2021
Text Harry Schmidt
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8.6
Redaktion
Cover The George Otsuka Quintet - Loving You George

Bereits als Sideman im Quartett von Hidehiko Matsumoto rückte der im März 2020 verstorbene Schlagzeuger George Otsuka in den Fokus der internationalen Aufmerksamkeit. Mit seinem eigenen Quintett spielte Otsuka für Three Blind Mice einige Alben ein, die in ihrer Verschränkung von Modal und Fusion für den japanischen Jazz der 1970er Jahre prägend wurden. Auch die vier Tracks auf »Loving You George« machen davon keine Ausnahme – im Gegenteil: Am 19. Juli 1975 vor einem enthusiastischen Publikum im Nemu Jazz Inn südlich der Metropole Nagoya aufgenommen, wirken sie wie ein Konzentrat der unterschiedlichen Stilistiken, die hier zu einer organischen Einheit zusammenfließen. Die auf dieser Live-Aufnahme dokumentierte Spielfreude des Quintetts ist geradezu mit Händen zu greifen. In rasend-fliehendem Tempo, gespeist von Otsuka als kreativem Unruheherd und rastloser Energiezentrale, im Verbund mit den treibenden Bassläufen Mitsuaki Furunos, akzentuiert durch Norio Ohnos Percussion, wird John Coltranes »Miles’ Mode« zu einer dahinjagenden Modal-Tour de Force. Latin-Flair und glänzende Soli von Fumio Karashima (Fender Rhodes) und Shozo Sasaki (Sopransaxofon) dann in Steve Kuhns erst kurz zuvor auf dem ECM-Album „Trance“ veröffentlichtem »Something Everywhere«. Funky-soulfuler Midtempo-Gegenpol: ihre Interpretation von Minnie Ripertons „Loving You“. Höhepunkt und Synthese aller Elemente ist die 12-minütige Fassung des von Karashima geschriebenen »Little Island« – in seiner lyrischen Intensität eine Klasse für sich. Im Original auf Bellwood Records erschienen, fügen WeWantSounds mit dieser ersten Vinyl-Wiederveröffentlichung außerhalb Japans ihrem fabelhaften Reissue-Katalog ein weiteres Highlight hinzu.

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