Music Review | verfasst 21.04.2021
José Carlos Schwarz & Le Cobiana Djazz
Lua Ki Di Nos
Hot Mule, 2021
Text Andreas Schnell , Übersetzung Sebastian Hinz
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Redaktion
Cover José Carlos Schwarz & Le Cobiana Djazz - Lua Ki Di Nos

Mit dem quirligen »Indicativo« eröffnet diese längst fällige Wiederveröffentlichung des Musikers José Carlos Schwarz. Komplexe Polyrhythmik, gespeist aus traditionellen Stilen Guinea-Bissaus, und die sehnsuchtsvolle Stimme Schwarz’ setzen den Ton für die 14 Songs auf »Lua Ki Di Nos«, die aber auch in wehmütigen Tönen von den Anliegen des Musikers erzählen. Untrennbar verbinden sich in der Musik von José Carlos Schwarz Kunst und Politik: In der einstigen portugiesischen Kolonie Guinea-Bissau, die 1973 ihre Unabhängigkeit erklärte, mischten sich Künstler wie José Carlos Schwarz und die Gruppe Super Mama Djombo nicht nur in ihren Texten in die Angelegenheiten des Landes ein. José Carlos Schwarz, auch »Ze Carlos« genannt, Nachkomme guineischer, kapverdischer und deutscher Vorfahren, unterstützte schon in den frühen 1970er Jahren den bewaffneten Kampf gegen die Kolonialherren, wofür er zwei Jahre im Gefängnis saß, und engagierte sich später im unabhängigen Guinea-Bissau in der Kultur- und Jugendpolitik. Auch in jenen Jahren war er den Mächtigen ein unbequemer Begleiter. Im Zentrum seiner Musik steht Kampf der einst portugiesischen Kolonie um die Unabhängigkeit, die Repressalien, die der Musiker erlitt, der sich gegen die Kolonialherren auflehnte. In »Djiu di Galinha« erzählt er beispielsweise von seiner zweijährigen Haft in einer Strafkolonie. Die Entscheidung, in Kreol zu singen, ist, wie die stilistische Ausrichtung am guineischen Gumbé-Sound, politisch zu verstehen: José Carlos Schwarz wollte damit, wie die erwähnten Super Mama Djombo, seinem Land auf dem Weg zu einer kulturellen Identität beistehen. 1977 wurde er Mitglied des berüchtigten Club 27: Am 27. Mai jenes Jahres stürzte sein Flugzeug beim Anflug auf den José Martí International Airport in Kuba ab. Die Geschichte des bis heute populären Künstlers blättert Fernando de Costa Conde in seinen Liner Notes auf. Ein berückend schönes Dokument eines kurzen, aber umso intensiveren Lebens.

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