Music Review | verfasst 12.09.2021
Tülay German & François Rabbath
Tülay German & François Rabbath
Zehra, 2021
Text Kristoffer Cornils
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Redaktion
Cover Tülay German & François Rabbath - Tülay German & François Rabbath

Ist mittlerweile von Tülay German die Rede, wird im selben Atemzug für gewöhnlich »Burçak Tarlası« genannt. Die im Jahr 1964 veröffentlichte Single, für die German einen Türkü als Pop-Song neu arrangierte, zählt als einer der Meilensteine in der frühen Entwicklung des Anadolu Pop, der seit geraumer Zeit ein nicht enden wollendes Revival erfährt. Dabei handelt es sich bei der ursprünglich als Sängerin für klassische türkische Musik ausgebildete German doch keineswegs um ein One-Hit-Wonder, sondern eine der wandelbarsten Stimmen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Zu den Highlights ihrer Karriere gehört zweifelsohne ihr gemeinsam mit dem Kontrabassisten François Rabbath im Jahr 1980 veröffentlichtes Album, auf dem sie das Anadolu-Prinzip wieder auf den Kopf kehrte. Nach einer erzwungenen Emigration nach Frankreich, wo sie unter dem Namen Toulaï weitgehend Französisch sang, markierte dieses erste der beiden gemeinsamen Alben einen Rückkehr zur türkischen Sprache – genauer gesagt der Aşık, Volksdichter wie Nazım Hikmet, dem die im Jahr 1982 folgende zweite LP gewidmet war. Das Label Zehra legt der Neuauflage der ersten Kollaboration vermutlich deswegen noch ein weiteres, auf einem Hikmet-Text basierenden Stück bei. Als wäre die allein nicht schon fulminant genug. German und Rabbath treten dabei in einen gleich dreifachen Monolog. Stimme und Musik harmonieren dort ebenso miteinander wie Tradition und Moderne, Text und Klang. Auch wenn Germans gekonnte Phrasierungen vor der bisweilen spartanischen Instrumentierung klar im Vordergrund steht: Hier geht es nicht um zwei Egos im Zwiestreit, sondern die sonderbare Magie des behutsam in die damalige Gegenwart übertragene folkloristische Formen. Das Ergebnis ist durch und durch zeitlos.

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