Music Review | verfasst 26.10.2021
Trip Shrubb
Trewwer, Leud Un Danz
Faitiche, 2021
Text Kristoffer Cornils
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Redaktion
Cover Trip Shrubb - Trewwer, Leud Un Danz

Jan Jelinek weiß, wie Label geht. Seit der Gründung von Faitiche im Jahr 2008 zeichnet sich das Imprint nicht nur durch eine kohärente Ästhetik in visueller Hinsicht aus, sondern dient als Plattform für Releases, die in konzeptioneller Hinsicht bisweilen ähnliche musikalische Projekte verfolgen. Ein roter Faden ist das der Anthropologie: Andrew Peklers »Tristes Tropiques« schon lieh sich Titel und Grundgedanken vom Strukturalisten Claude Lévi-Strauss, das kürzlich auf Faitiche als LP aufgelegte Hörspiel Jelineks, »The Raw and the Cooked«, sowieso. Die dem zugrundeliegende Frage – was macht die Transformation von akustischen Klängen mit elektronischen Mitteln eigentlich aus dem Ausgangsmaterial? – wird nun von »Trewwer, Leud Un Danz« erneut aufgenommen. Es handelt sich dabei um eine Zusammenstellung von 13 der insgesamt 84 Remixe, die der Künstler Michael Beckett alias KPT.Michi.Gan bereits im Jahr 2013 als Dreifach-Kassette unter dem Namen Trip Shrubb veröffentlicht hatte. Beckett arbeitete sich dabei durch die Stücke der »Anthology of American Folk Music« auf Folkways aus dem Jahr 1952, lässt aber von den darauf enthaltenen Blues-, Folk- und Country-Stücken kaum noch etwas über und betitelt die Stücke sogar im vom Aussterben bedrohten Lippisch-Platt-Dialekt aus Nordrhein-Westfalen. All das macht dieses Album zu einem, das wie so viele Faitiche-Veröffentlichungen nicht ohne Beipackzettel verständlich sein mag und doch unmittelbar funktioniert. Becketts Ansatz ist vielleicht mit dem von Hauntology-Artists wie Leyland James Kirby oder William Basinski vergleichbar, doch verströmen seine muffigen, düsteren Loops keinerlei Nostalgie und lassen ebenso kaum nachvollziehen, was für Stücke genau das Ausgangsmaterial herstellten. Zwischendurch werden mal Percussion-Elemente hörbar, doch im Grunde klingen die Stücke auf »Trewwer, Leud Un Danz« eher wie Dub-Abstraktionen oder zirkulärer Ambient wie der von Celer – nur eben in vergleichsweise hochgeschwinder, gestauchter Form. Durch diese Abstraktionsleistung raubt er diesen musikalischen Erzählformen ihre Inhalte und bricht radikal mit ihren narrativen Strukturen. Das Resultat erinnert durchaus mal an Jelineks »Loop-finding-jazz-records«, ist aber launischer, weniger beseelt und umso beklemmender.

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