Music Review | verfasst 31.10.2021
Bremer/McCoy
Natten
Luaka Bop, 2021
Text Lars Fleischmann , Übersetzung Sebastian Hinz
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Redaktion
Cover Bremer/McCoy - Natten

Ich drohte schon zynisch zu werden unter den Mengen an Jazz-Epigonen, die sich dieser Tage aufschwangen auch etwas vom wohlverdienten Hype abzubekommen. Auf zehn fantastische Platten kamen hundert mittelmäßige – es war das Material, das Streaming-Listen füllte. Nicht alles belanglos, indes meist müde zusammengewerkelt. Glücklicherweise wird das ja nicht alles auf Vinyl gepresst; als Fan des (meist) schwarzen Goldes hatte man eine sehr viel bessere Ratio. Also nichts zu klagen? Nein, spätestens nach dieser Platte sowieso nicht. »Natten«, das vorweg gesagt, ist genau die Therapie, die ich gebraucht habe. Gutes rein, Böses raus. Wie grandios schon dieser Opener und Titeltrack das Prinzip Bremer/McCoy auf den Punkt bringt. Relaxed, laid-back, trotzdem nie beliebig spielen sich die Kopenhagener Jonathan Bremer (Kontrabass) und Morten McCoy (Tasteninstrumente und Tape-Delay) durch wolkige Täler und verregnete Tage am Meer. Die evozierten Gefühle sind groß, manchmal sogar überwältigend. Der geniale Kniff: Im Grunde ist das hier Dub. Der Kontrabass-Einsatz ist so chillig gesetzt, dass man dies fast übersieht/überhört. Aber ja, es ist wahr: Wenn sich Bremer/McCoy durch »Gratitude« spielen, dann ist das Augustus Pablo und Tubby – nur halt anders. Und vor allen Dingen so selbstverständlich spitzenmäßig, dass man nach der A-Seite nicht dreht, sondern nochmal hört. Und nochmal… Man wird reingesaugt in eine der besten Platten des Jahres. Wer rauskommt, hat Glück. Wer drinne hängenbleibt womöglich noch mehr!

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