Music Review | verfasst 19.10.2011
Dear Reader
Idealistic Animals
City Slang, 2011
Text Ben Grosse-Siestrup
Deine Bewertung:
/
Nutzer
7.0
Redaktion
Cover Dear Reader - Idealistic Animals

Südafrika ist ein Land mit elf Amtssprachen und unzähligen Dialekten. Multikulturell, kosmopolitisch und gefährlich wie kaum ein anderes Land. Es ist das Land von Dear Reader und Frontfrau Cherilyn MacNeil. Geboren in Johannesburg, hat sie sich inzwischen dem spannungsgeladenen Land entzogen, lebt in ihrer neuen Wahlheimat Berlin und spricht mittlerweile ein ganz passables Deutsch. Nach ihrem persönlichen Bruch mit dem Christentum und der Trennung von ihrem ehemaligem Bandkollegen und Produzenten Darryl Torr hat sie nun mit Idealistic Anmials das erste Album im neuen Habitat veröffentlicht. Herausgekommen ist ein dem Indie-Folk-Stil grundsätzlich treu gebliebenes Lo-Fi- Album, bei dem Cherilyn ihrer Kreativität aber erneut keine Grenzen setzt und in thematischer Experimentierfreude Tiere als Protagonisten verwendet. So kämpfen Affen, Elefanten und Kamele mit allzu menschlichen Problemen wie Melancholie, Sehnsucht und Angst. Es geht um das Auskundschaften von Urbedürfnissen menschlichen und tierischen Lebens, den Kampf ums Überleben und die Einsicht, dass kein Lebewesen die Überlegenheit für sich beanspruchen sollte. Als Beilage servieren Dear Reader eine sympathische Indie-Folk Mischung mit allem was dazu gehört. Akkordeon, Trompete, Klavier und Gitarre verschmelzen zu stampfende Rhythmen und transzendenten Melodien, die Cherilyns Stimme gekonnt in Szene setzen. Eigentlich prädestiniert für Weltmusik und Ethnokitsch, verzichten Dear Reader aber bewusst auf die Vermischung ihres Stils mit afrikanischen Elementen (siehe Vampire Weekend etc.). Wenn dann soll das doch bitte organisch und natürlich passieren und nicht künstlich zustande kommen. Nach wie vor halten sie sich an die großen Indie- und Folk-Vorbilder aus Amerika und vor allem Europa. Obwohl Cherilyn für Sport eigentlich nichts übrig hat, steht sie auch eher auf Fußball als auf Rugby. So viel dazu.

Das Album Idealistic Animals von Dear Reader findest du bei hhv.de
Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 11.12.2013
Dear Reader
We Followed Every Sound
Zusammen mit dem Deutschen Filmorchester aus Babelsberg hat Cherilyn MacNeil und ihre Manne ein Livealbum mit kraftvollem Sound aufgenommen.
Music Review | verfasst 23.02.2017
Dear Reader
Day Fever
Es ist der Verzicht auf Perfektion, der »Day Fever«, das vierte Album von Dear Reader letztlich so lebendig und unmittelbar macht.
Music Review | verfasst 27.04.2011
Junip
In Every Direction EP
Das Debüt der Schweden um José González hat im letzten Jahr hohe Wellen geschlagen. Nun legen sie eine EP nach.
Music Review | verfasst 15.07.2011
O'Death
Outside
O’Death haben sich neu erfunden. So ist ein emotionales Monument entstanden, das im Leisen kraftvoll überzeugt.
Music Review | verfasst 19.07.2011
Dave Depper
The Ram Project
Dave Depper verzichtet für sein Solodebüt auf eigene Songs. Stattdessen macht er sich an Paul & Linda McCartney’s Ram zu schaffen.
Music Review | verfasst 06.02.2012
Nada Surf
The Stars Are Different To Astronomy
Vergänglichkeit ist also das große Thema des sechsten Albums der Berufsjugendlichen von Nada Surf.
Music Review | verfasst 30.05.2012
Tu Fawning
A Monument
Die richtige Balance zwischen strenger Fokussierung und ungebändigtem Loslassen zu finden, ist die Herkulesaufgabe von Tu Fawning.
Music Review | verfasst 15.04.2013
On And On
Give In
Traumwandlerisch balanciert »Give In« zwischen der kindlichen Naivität des Indierock und der ätherischen Zerbrechlichkeit des Dream-Pop.
Music Review | verfasst 26.04.2013
Junip
Junip
Junip hat ein neues Album, aber Du könntest auch das alte anhören. Und das bedeutet nicht nur Schlechtes.
Music Review | verfasst 21.02.2014
The Notwist
Close To The Glass
»Close to the Glass«, das neue Album von The Notwist, ist das wohl abwechslungsreichste Album ihrer Bandgeschichte.
Music Review | verfasst 10.04.2014
Kevin Drew
Darlings
Kevin Drew, Gründungsmitglied von Broken Social Scene, veröffentlicht nach 7 Jahren mit »Darlings« sein zweites Soloalbum.
Music Review
Imagination
Shake It
Das Label The Artless Cuckoo veröffentlicht zum vierzigjährigen Jubiläum das vielgesuchte »Shake It« der Düsseldorfer Band Imagination neu.
Music Review
Zmatsutsi, Tross, Houschyar
Various Lurkers 3
Mit »Various Lurkers 3« setzt Space Ritual ihre Labelreihe fort. Darauf sind sehr gute Tracks von Zmatsutsi, Tross und Houschyar zu hören.
Music Review
Earl Sweatshirt
Feet Of Clay
»Feet Of Clay« ist ein Fragment dessen, was Earl Sweatshirt ausmacht. Es besitzt die Dringlichkeit und Haltung, die Underground verkörpert.
Music Review
Jon Hassell
Seeing Through Sound Pentimento Vol.2
Nur konsequent: Zwei Jahre nach »Listening To Pictures« geht es bei Jon Hassell mit »Seeing Through Sounds« synästhetisch weiter.
Music Review
Minyo Crusadres / Frente Cumbiero
Minyo Cunbiero
Japan trifft Kolumbien: Auf »Minyo Cunbiero« verschmilzt das beste der Kombos Minyo Crusadres und Frente Cumbiero zu einer wilden Sause.
Music Review
Jessy Lanza
All The Time
Wieder gemeinsam mit Jeremy Greenspan bündelt Jessy Lanza auf »All The Time“ ihre Kräfte zu auf den Punkt angespitzten R&B-Pop-Nummern.
Music Review
Jason Molina
Eight Gates
Sieben Jahre nach seinem Tod erscheinen mit »Eight Gates« nun unveröffentlichte Aufnahmen des amerikanischen Songwriters Jason Molina.
Music Review
Eiko Ishibashi
Hyakki Yagyō
Auf »Hyakki Yagyō« bringt Eiko Ishibashi auf zwei Klangcollagen wunderbar-wunderliche Sounds in fließende Bewegungen.
Music Review
Tadao Sawai, Kazue Sawai, Takeshi Inomata, Norio Maeda, Hozan Yamamoto
Jazz Rock
Mr Bongo veröffentlicht das zuerst 1973 veröffentlichte »Jazz Rock« des Koto-Spielers Tadao Sawai und weiterer Mitstreiter erstmals neu.
Music Review
Manfredo Fest
Brazilian Dorian Dream
»Brazilian Dorian Dream«, das 1976 erschienene Album des Brasilianers Manfredo Fest, ist Bossa Jazz der ansteckend eleganten Sorte.
Music Review
Various Artists
Kaleidoscope: New Spirits Known & Unknown
Auf »Kaleidoscope: New Spirits Known & Unknown« beleuchtet Soul Jazz Records die umtriebige britische Jazzszene vielfältig und genau.
Music Review
Voz Di Sanicolau
Fundo De Mare Palinha
Analog Africa hat »Fundo De Mare Palinha«, 1976 aufgenommene Musik der kapverdischen Band Voz Di Sanicolau, wiederveröffentlicht.
Music Review
SW.
Night
»Night« ist das dritte Album von Stefan Wust unter seinem Alias SW., das erste außerhalb seines Labels SUED. Diese Platte ist ein Abenteuer.
Music Review
Adult Fantasies
Towers Of Silence
Eine ausgesprochen verdienstvolle Zusammenstellung bringt uns Stroom in diesen Tagen mit »Towers Of Silence« der Belgier Adult Fantasies.
Music Review
Zara McFarlane
Songs Of An Unknown Tongue
Femininer Vocal Jazz muss nicht wie Norah Jones klingen: Zara McFarlane hat mit »Songs Of An Unknown Tongue« ihr viertes Album vorgelegt.
Music Review
Blu & Exile
Miles
Nach acht Jahren kommen Blu und Exile wieder für ein Album zusammen. »Miles« zeigt, dass sich nur wenige Duos so ergänzen wie diese zwei.
Music Review
Sharhabil Ahmed
The King Of Sudanese Jazz
Wunsch nach einer neuen Freiheit: Mit »The King Of Sudanese Jazz« veröffentlicht Habibi Funk nun Musik von Sharhabil Ahmed.
Music Review
Bob Dylan
Rough And Rowdy Ways
Mit »Rough And Rowdy Ways« lädt Bob Dylan ein, sich auf dem Schoß des Onkels endlich gemütlich zu machen. Oder ist bloß alles eine Finte?
Music Review
Adaye
Turn It Up
Leise spielen ist nicht: »Turn It Up«, der Bubblegum der südafrikanischen Band Adaye (ihr einziger Hit), sollte laut gehört werden.
Music Review
Karate Boogaloo
Carn The Boogers
Urlaub in Italien war gestern. Heute holt man sich Aruba, die Beach Boys, gute Laune mit Karate Boogaloos »Carn The Boogers« ins Schwimmbad.
Music Review
Jim O'Rourke
Shutting Down Here
Anfang der Neunziger war Jim O’Rourke erstmals in den legendären GRM-Studios zu Gast. Für »Shutting Down Here« kehrte er dorthin zurück.
Music Review
Nullptr
Future World
Der Electro von Nullptr auf »Future World« kommt dem Titel widerstrebend ohne aufgesetzte Zukunftsvisionen aus.
Music Review
Yumiko Morioka
Resonance
Mit »Resonance«, ihrem einzigen Album aus dem Jahr 1987, lässt Yumiko Morioka Teile postklassischer Musik jüngerer Machart obsolet wirken.
Music Review
Julianna Barwick
Healing Is A Miracle
Julianna Barwick lässt auf »Healing Is A Miracle« den einen oder anderen Fremdkörper in ihrer Musik zu. Tut das nur wohl oder sogar Not?
Music Review
Jay Glass Dubs
Soma
Jay Glass Dubs tritt auch auf »Soma« für mehr Melodie, für mehr Hall, für Elegie am Sonnendeck ein.
Music Review
Jura Soundsystem
With You EP
Kevin Griffiths hat für sein Projekt Jura Soundsystem die alten Maschinen wieder angeschmissen und die »With You EP« aufgenommen.
Music Review
Rie Murakami
Sahara
»Sahara« von der ansonsten unbekannten Japanerin Rie Murakami wurde 1984 veröffentlicht. Ein Album ohne Eigenschaften, doch voller Hits.
Music Review
Vague Imaginaries
L'ile Sous L'eau
Nur kurz nach Erscheinen seines Albums »L’Île D’or« legt Vague Imaginaries mit »L’ile Sous L’eau« eine EP nach.
Music Review
Alhousseini Anivolla & Girum Mezmur
Afropentatonism
Verschmelzen der Welten: Auf »Afropentatonism« treffen Alhousseini Anivolla aus dem Niger und Girum Mezmur aus Äthiopien zusammen.
Music Review
Haiyti
Sui Sui
Das Prädikat Pop reicht hierfür nicht aus: »Sui Sui«, das vierte Album von Haiyti, ist eine Machtdemonstration.
Music Review
Skudge
Time Tracks
Mit »Time Tracks« will Elias Landberg alias Skudge mal wieder die Zeit anhalten. Doof nur, dass er sie manchmal zurückdreht.
Music Review
The Exaltics & Heinrich Mueller
Dimensional Shifting
The Exaltics macht erstmal mit Heinrich Mueller alias Gerald Donald gemeinsame Sache. »Dimensional Shifting« ist eins nicht: vorgestrig.
Music Review
Mulatu Astatke & Black Jesus Experience
To Know Without Knowing
Auch auf »To Know Without Knowing«, seinem neuen Album mit Black Jesus Experience, ist Mulatu Astatke unverkennbar.
Music Review
Croatian Amor
All In The Same Breath
Loke Rahbek hat mit »All In The Same Breath« ein neues Album unter seinem Moniker Croatian Amor bei Posh Isolation veröffentlicht.
Music Review
Dee Dee Bridgewater
Afro Blue
1974 nur in Japan veröffentlicht, bekommt »Afro Blue«, das Debüt von Dee Dee Bridgewater jetzt eine zweiten Anlauf auf Mr Bongo spendiert.
Music Review
Soul Media
Funky Stuff
Das 1975 nur in Japan veröffentlicht Album »Funky Stuff« von Jiro Inagaki’ Soul Media wurde jetzt bei Nippon Columbia wiederveröffentlicht.
Music Review
Oiro Pena
2
Der finnische Multiinstrumentalist Antti Vauhkonen veröffentlicht Versponnes mit seiner bei Jazzaggression erschienenen Vinyl 10-inch »2«.
Music Review
Groupe RTD
The Dancing Devils Of Djibouti
Hand hoch, wer Dschibuti auf dem Globus auscheckt. Musikalisch war das afrikanische Land noch gar nicht auf der Landkarte verzeichnet.
Music Review
Patricia
Maxyboy
IDM mit Hardware-Patina: Auf »Maxyboy« von Patricia werden Aphex Twin, Autechre und Planet Mu zu musikalischen Abziehbildern.
Music Review
John Scofield / Bill Stewart / Steve Swallow
Swallow Tales
Ein Hochgenuss für Jazz-Connaisseure: John Scofield und Bill Stewart erkunden auf »Swallow Tales« Kompositionen von Steve Swallow.
Music Review
Biosphere
Dropsonde
Mit ganzen sieben Bonustracks kommt die Neuauflage von »Dropsonde« daher. Darauf unterzog Biosphere Jazz einer radikalen Neuinterpretation.